Warum ich keine Tutorials schreibe

Ich werde oft gefragt warum ich nicht erkläre wie, und mit welchen Tools ich meine Bilder mache. Zuweilen wurde ich schon als Arsch betitelt weil ich mein Wissen zu großen Teilen für mich behalte und nicht erkläre wie man einen Broken Orb macht oder ähnliches.

 

Wenn ich für 120€ eine Karte für eine Magie / Zaubershow kaufe und der Magier erklärt wie seine Tricks funktionieren wäre das nicht mehr spannend oder? Genauso ist das auch in der Light Art Photography. Wenn jeder Betrachter der Bilder sofort wüsste wie der Lichtkünstler das Bild gemacht hat wäre das auch nicht mehr so spannend. Der geneigte Betrachter verbringt mehr Zeit mit dem Bild weil er lange überlegt wie der Lichtmaler das wohl gemacht hat. Im besten Fall versucht er oder sie sich dann selbst an Light Painting.

Außerdem muss sich sowohl der Magier als auch der Light Painting Fotograf eine gewisse Exklusivität bewahren, wenn es hunderte Leute gibt die alle Tricks und Techniken beherrschen bekommt der Künstler natürlich weniger Aufmerksamkeit und Anerkennung. Im schlimmsten Fall kommt dann jemand, übernimmt eine Technik und Wissen eines anderen Künstlers und hat damit größeren Erfolg als das "Original".  Ich werde jetzt keine Namen nennen, aber der Light Painting Interessierte wird wissen von welchen Kollegen ich rede. Versteht mich nicht falsch, ich wurde und werde auch von anderen Künstlern inspiriert und versuche ähnliche Tools, oder besser gesagt Tools die einen ähnlichen Effekt haben, zu bauen und in meinen Bildern zu benutzen. Aber erstens mache ich keinen Hehl daraus wer mich inspiriert, und zweitens frage ich sie nicht was sie wie machen und baue das dann 1:1 nach. Die allermeisten Tools habe ich komplett selbst entwickelt und gebaut. Bei gelegentlichem Austausch mit den Kollegen bin ich manchmal verwundert, dass die Tools sich stark ähneln oder, dass sie eben bei ähnlicher Wirkung im Bild komplett anders sind. 

Ich benutze keine Stahlwolle, ich drehe keine Orbs an der Schnur, ich mache keine Domes. Der Grund dafür ist einfach: für diese Sachen gibt es dutzende Tutorials bei Youtube und anderswo. Ich setze lieber eigene Ideen mit eigenen Tools um. Das ist natürlich viel aufwendiger, zeitintensiver und anstrengender als wenn man einfach irgendwas aus einem Tutorial nachmacht, aber dafür ist die Befriedigung ungleich größer wenn man alles alleine entwickelt und umgesetzt hat.

 

Sicher muss man dann immer noch eine coole Location finden und eine gute Idee zur Bildgestalltung, zum Bildaufbau haben, und umsetzen muss man das auch noch sauber selbst wenn man weiß wie man einen Broken Orb macht.

 

Aber manchmal mache ich eine Ausnahme: in unseren Workshops. Wenn jemand unseren Workshop bucht und bezahlt gehe ich natürlich davon aus, dass er oder sie nicht nur mal eben schnell sehen will wie man Dieses oder Jenes macht um es dann 1:1 zu kopieren. Die allermeisten Teilnehmer unserer Light Painting Workshops wollen wirklich wissen wie man mit Licht arbeitet, sie wollen verstehen wie man mit Licht arbeitet, so wollten lernen in Licht zu denken um es in ihren eigenen Bildern anzuwenden.

Allzeit gutes Licht
Sven

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