Wie entsteht ein Light Art Bild?

Als erstes stellte ich ein großes Stativ auf und befestigte drei Led Lenser M3R mit verschiedenen Lichtformern für die Kreisscheibe. In diesem Fall ein 1 Meter langes, dünnes Plexiglasrohr und zwei ca 20 cm. lange kürzere Rohre. Die drei Testaufnahmen sind rechts zu sehen. Im fertigen Bild hab ich mich dann allerdings für eine vierte Variante entschieden. 
Das Aussehen der Scheibe lässt sich recht einfach durch unterschiedliche Drehgeschwindigkeiten ändern. Der Nachteil ist allerdings, dass ich, wenn ich die Scheibe nochmal genau so wiederholen will, auch wieder genau die gleiche Drehzahl haben muss. Da dieses allerdings gefühlt die zehntausendste Scheibe war die ich gedreht habe, habe ich mittlerweile ein ganz gutes Gefühl für das Tempo.

Als nächstes musste dann die Sonne aus dem Vorraum ausgesperrt werden damit der helle Fleck im Bild rechts  verschwindet.

Um die Laserstrahlen sichtbar zu machen wurde erstmal die Nebelmaschine angeworfen. Der Rauch der Pyrotechnik hätte sich nicht dafür genügt, zumal dieser recht schnell nach oben steigt. Nach 6 Testaufnahmen hatte ich den Laser hinter unserer Uschi ausgerichtet. Da kann man schnell verzweifeln, wir reden hier von wenigen Millimetern und wenigen Grad Bewegung hinter dem Model. Ungeduldigere Charakter hätten den Laser wahrscheinlich schon mehrfach aus dem Fenster geworfen.

Ich benutzte einen roten Laser mit 500 mW. Dadurch war die Zeit um den Laser sichtbar zu machen sehr gering. Allerdings ist das Teil alles andere als ungefährlich. In den Strahl eines solchen Lasers schaut man nur einmal in seinem Leben. Ich war zum Zeitpunkt der Aufnahme alleine im Atelier und trug eine Schutzbrille. 

Zunächst entsteht ein solches Bild erstmal im Kopf des Künstlers. Ob es sich dann tatsächlich so umsetzen lässt, steht auf einem anderen Blatt. Einige Bildideen schwirren schon lange Zeit in meinem Kopf umher. Einige von ihnen werde ich bestimmt nicht auf den Sensor bekommen. Für andere Ideen wird der Zeitpunkt der Verwirklichung irgendwann kommen.

Die Idee für dieses Bild kam mir recht spontan. Es entspricht, von der störenden Deckenkonstruktion abgesehen so ziemlich meiner Idee.
Da der Fokus auf dem Sensenmann und des Höllentors dahinter liegen sollte musste ich nicht nach einer Location suchen. Das Bild entstand in unserem Berliner Atelier. Die Halle ist dunkel, man kann also zu jeder Zeit die Lampen durch die Dunkelheit bewegen.

Teil 2 der Choreografie: der Sensenmann.
Da weder Gesicht, noch sonst sehr viel vom Model zu sehen sein sollte war dieses Mal Uschi unser Model. Uschi hat viele Vorteile. Sie steht stundenlang still, zappelt nicht herum und quatscht nicht so viel. Da Uschi allerdings recht unbeweglich ist dauerte es eine Weile ihr die Kutte über zuziehen. Als nächstes hab ich die Sense zusammen gebaut und unserer Uschi am Arm festgebunden. Als der Sensenmann dann vernünftig vor der Kreisscheibe ausgerichtet war machte ich die nächste Aufnahme. Zuerst dem Sensenmann mit einer P5R.2 kurz ins Gesicht geleuchtet, dann die Kreisscheibe gedreht und zum Schluß mit einer X21R.2 mit roter Farbfilterfolie von hinten beleuchtet.
Fehlten noch der Laser und die Pyrotechnik.

Für den Pyro machte ich keine Testaufnahme. Es dauert mit einem starken Lüfter mindestens 20 Minuten um den Rauch aus der Halle zu bekommen. So viele Raucherpausen hatte ich nicht eingeplant. ;-)
Also ging es an die Umsetzung der gesamten Choreografie. Bei komplexeren Light Art Bildern mache ich mir manchmal Notizen. Bei recht "einfachen" Light Painting, wie diesem hier, genügt es mir die einzelnen Schritte im Kopf genau zu planen: 
- Kamera auslösen
- dem Sensenmann ins Gesicht leuchten
- Kreisscheibe drehen
- Lampen der Kreisscheibe aus, Pyro anzünden und drehen
- mit der Nebelmaschine den Bereich, in dem die Laserstrahlen sichtbar werden sollen einnebeln

- Laser und Kicklicht einschalten

Ende der Choreografie.

Das Bild ganz oben ist der erste Versuch. Mich störte sofort, dass der Pyro durch den Stahlträger oben unterbrochen wurde. Eine wirkliche Abhilfe gab es nicht. Der Träger wiegt schätzungsweise 5 Tonnen und ist mit einer qualitativ hochwertigen Schweißnaht befestigt. Eine andere Aufnahmeposition ohne Träger oder andere störende Dinge im Bild gibt es nicht. 
Einzige Möglichkeit war hier die Verwendung eines kleineren Feuerwerks. Die beiden Aufnahmen (links) wirken allerdings nicht annähernd so wie der erste Versuch mit dem großen Feuerwerk. Also blieb es beim ersten Versuch. Das passiert nicht so häufig, meist benötige ich mehr Versuche bis zum endgültigen Ergebnis.


Ich habe irgendwann mal entschieden, dass ich aufhöre wenn die zwei nächsten Versuche nicht besser sind als das Bild davor.  Man verzettelt sich dann meist und verplempert viel Zeit ohne ein wirklich besseres Ergebnis zu bekommen. 

Der gesamte Zeitaufwand für diese Light Art Photography betrug inkl. Auf- und Abbau der Szene sowie einigen kleinen Pausen ca. 3,5 Stunden. 

 

Allzeit gutes Licht wünscht
Sven