Profi? Amateur? Was bin ich? Was will ich sein?

Schauen wir uns zuerst einmal die Begriffe an:
Professionell bedeutet erst einmal nur, dass jemand das was er treibt als Beruf ausübt. Also er verdient sein Geld damit. Es bedeutet nicht, dass er auch wirklich gut in dem was er tut ist, und schon gar nicht, dass er per se besser ist als jemand der kein Geld damit verdient. Da der Glaube, gerade in Deutschland, an irgendwelche Regeln, Berufs- oder sonstige Abschlüsse recht groß ist, herrscht oft die Meinung, dass der mit dem Berufsabschluss in der Tasche  grundsätzlich bessere Arbeit abliefert als ein Amateur. Das mag in vielen Bereichen und Berufen auch stimmen. Ich würde bestimmt nicht zu einem Arzt gehen, der kein abgeschlossenes Medizinstudium hat. Aber ob der Bäcker eine Berufsausbildung hat, oder der Frisör ist mir relativ Schnuppe. Wichtig ist nur, dass die Brötchen gut sind und die Frisur sitzt. Ja, ich weiß, der Vergleich mit dem Frisör ist in meinem Falle recht albern. 
Im Bereich der Light Art Photography oder des Light Painting gibt es keine Berufsausbildung. Eine Ausbildung zum handwerklichen Fotografen würde mir dafür nicht viel nutzen, die Kamera ist ja in den meisten Fällen nur unsere leere Leinwand. Zumal ich seit über 40 Jahren ambitioniert fotografiere und mein Wissen im Bereich Fotografie mittlerweile deutlich umfangreicher sein dürfte als das, was in einer 3½-jährigen Berufsausbildung vermittelt werden kann. 

 

Aber natürlich wird der Berufsfotograf immer den Versuch unternehmen sich vom Amateur abzugrenzen in dem er seine Professionalität betont. Und das muss er auch, er ist schließlich auf die Einnahmen angewiesen um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren und nicht die Leasingrate für den Dritt-Porsche. Also in den meisten Fällen jedenfalls.

 

Amateur stammt vom lateinischen Begriff für Liebhaber ab. Der Amateur verdient also meist kein Geld mit dem was er tut sondern macht dies aus Liebhaberei. Das hat so einige Vorteile. Erstmal rattern nicht dauernd Zahlen durch seinen Kopf, er muss sich keine Gedanken über Marketing, Werbung, Kundengewinnung, Steuererklärung und anderen Kram machen. Er kann somit unter Umständen viel mehr Kraft und Zeit in sein eigentliches Tun investieren. Außerdem kann er genau das machen worauf er gerade Bock hat. Er muss keine Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse seiner Kunden nehmen. Er muss sich keine Gedanken darüber machen ob vielen anderen Menschen seine Arbeitsergebnisse gefallen, er will ja schließlich kein Geld damit verdienen. 
Die allermeisten Light Art Fotografen und Light Painter sind Amateure. Sie machen das aus einem einzigen Grund: sie haben Spaß an dem was sie tun! Eine bessere Motivation kann es meiner Meinung nach nicht geben. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography
Photonenrotor #81

Was bin ich?
Ich verdiene Geld mit meiner Light Art Photography, also bin ich professioneller Light Art Fotograf.
Ich mache Bilder nach meinen Vorstellung, ohne Rücksicht darauf, ob ich damit Geld verdienen kann. Also bin ich Amateur. 
In einigen Fällen sogar beides gleichzeitig. Ansonsten ist dieser Spagat alles andere als einfach.
Da die Kosten für die benötigte Ausrüstung und die Reisekosten zu den Locations zuweilen recht hoch sind bin ich auf Einnahmen angewiesen, ansonsten könnte ich viele Light Art Bilder gar nicht umsetzen. Der Zeitaufwand ist meist recht groß, in der gleichen Zeit könnte ich mit einer "richtigen" Arbeit sicher viel mehr Geld verdienen. Allerdings könnte ich dann nicht mehr weitgehend wie ein Amateur arbeiten. 

Oftmals haben wir Glück mit unseren Kunden. Sie lassen uns einfach das machen, was wir gut können und gut finden. Sie vertauen auf unseren Sachverstand und unser künstlerisches und ästhetisches "Gefühl".

Zuweilen gibt es auch solche Kunden, die ganz klare Vorstellungen vom Ergebnis haben. Das ist allerdings auch nur dann problematisch wenn sie dann möglichst viele Farben oder Stahlwolle im Bild haben wollen oder ähnliche Dinge, die wir sonst niemals freiwillig in unseren Bildern umsetzen würden. Den Kundenwunsch im Falle der Stahlwolle würden wir allerdings immer ablehnen. 

Ein anderer Aspekt betrifft die Kreativität. Unter Druck werden wohl die wenigsten Menschen wirklich kreativ arbeiten können. Die besten Bilder machen wir wenn wir ausgeschlafen sind und ohne Zeitdruck arbeiten können. Wenn unsere Kunden ein Shooting für 3 Stunden buchen, sind wir gezwungen in 3 Stunden auch einige gute Bilder umzusetzen. Da bleibt wenig Raum für Experimente, für Tests neuer Tools und Ideen. Wir werden eher bewährte Tools und Techniken in einem solchen Shooting benutzen. 
Ganz schwierig wird es wenn wir unseren Kunden erklären müssen, dass wir bestimmte Dinge nicht mit Licht umsetzen können und dann zu hören bekommen, dass Dieses oder Jenes doch mit Photoshop ginge. Ja bestimmt, aber wir benutzen kein Photoshop! Allerdings mussten wir bisher aus diesem Grund keinen 20000€-Auftrag  sausen lassen. Da würden wir wahrscheinlich schwach werden und die Bilder am Rechner zusammenbasteln. 

 

In unserem Schaffen im Bereich der Light Art Photography hat bisher kaum jemand danach gefragt ob wir eine Ausbildung als Fotograf oder was auch immer absolviert haben. Wieso auch? Wenn ich einen Fotografen für unsere Hochzeit suche, wähle ich doch nicht denjenigen der das beste Ausbildungszeugnis oder gar einen Meisterbrief in der Tasche hat, sondern ich sehe mir die Portfolios an und entscheide mich dann für den mit den Bildern die am Besten meinen Geschmack treffen. Mich würde nicht die Bohne interessieren ob er irgendeinen Beruf erlernt hat. Es ist doch letztendlich für das Ergebnis egal, wie und auf welche Weise sich jemand sein Wissen und Können angeeignet hat.  Es zählt nur das Ergebnis wie viele Fotografen zu sagen pflegen.

 

Allzeit gutes Licht wünscht euch
Sven