Kann man mit Open Source Software professionell arbeiten?

Um die Antwort mal gleich vorweg zu nehmen: Ja, kann man!

Irgendwann hatte ich die Schnauze voll von den Bluescreens, ich wollte nicht mehr 30% meiner Zeit am Rechner damit verbringen das Betriebssystem am Leben zu erhalten. Seit nunmehr über 20 Jahren arbeite ich ausschließlich mit Linux Betriebssystemen, aktuell mit Open Suse Leap 42.2, und ich habe es bisher nicht bereut.
Die allermeisten Menschen benutzen mittlerweile quelloffene Systeme, jeden Tag, meist ohne sich großartige Gedanken darüber zu machen. Auf dem Smartphone läuft Android (Linux), auf dem Tablet läuft ebenfalls Android, das Betriebssystem des Routers ist ein Linux-System, das Betriebssystem des smarten Fernsehers ist ein Linux-System , der digitale Reciever... und, und, und. Und die Geräte mit dem angebissenen Obst funktionieren auch nur deshalb halbwegs vernünftig weil das eben auch ein Unix-Betriebssystem ist, nur eben nicht quelloffen.

 

Einzig in der Welt der PC's ist Windows nicht tot zu kriegen. Das dürfte hauptsächlich daran liegen, dass, aus welchem nicht nachvollziehbarem Grund auch immer, die meisten Computerkisten mit vorinstalliertem Windows verhökert werden. Müssten die Leute beim, oder nach dem Kauf des neuen Rechenknechts überlegen und selbst entscheiden welches Betriebssystem auf den Kasten kommt, würde wohl kaum jemand Windows benutzen. Schon allein auf Grund der Kostenneutralität (ja, wirklich, diese Kommunisten verschenken Linux!) würden die allermeisten Leute wohl Linux benutzen. Auf der Rechnung für den neuen Computer steht ja nicht, dass Microsoft 70 Tacken für die Windowslizens vom Kaufpreis abbekommt. 
Aber der eigentlich wichtige Grund ist ein anderer, die Software ist quelloffen. Jeder, der die Programmiersprache versteht kann sehen was die Jungs und Mädels da programmiert haben. Und es kommt noch besser: jeder Fehler im Programmcode kann und soll von jedem der es kann ausgebügelt werden. Ich muss nicht warten bis Microsoft meint ein Sicherheitsloch an ihrem tollen "Patchday" zu stopfen, weil niemand außer ihnen selbst das kann und vor allem darf. 

Aber ich schweife ab...


Mein üblicher Arbeitsablauf bei der Bearbeitung meiner Bilder sieht so aus:
Ich stecke die Speicherkarte in den Kartenleser. Es startet automatisch Rapid Photo Downloader. Das Programm kann nix weiter als Fotos von der Speicherkarte auf den Rechner kopieren. Aber wie bei Linux üblich (eine Aufgabe - ein Programm) kann es das sehr gut. Das Programm erstellt automatisch Ordner auf der Festplatte nach dem Aufnahmedatum (aber natürlich auch nach anderen Kriterien wenn man will), kopiert die entsprechenden Bilder in den oder die Ordner und legt im Anschluss eine Sicherungskopie auf der externen Festplatte nach dem gleichen Schema an. Wenn es damit fertig ist hängt es die Karte aus und schließt sich selbst. Cool, oder?


Danach starte ich Darktable, das ist ein schönes Programm zur Rohdatenkonvertierung, also Adobe Lightroom für ohne Geld. Zugegebenermaßen ist das etwas gewöhnungsbedürftig in der Bedienung, aber die Ergebnisse lassen wenig Spielraum zum meckern. Und nach einer kurzen Einarbeitungszeit kommt man gut damit zurecht. 


Zur Verwaltung meiner Bilder benutze ich digiKamDas lässt keine Wünsche offen, schaut es euch einfach an. Seit einiger Zeit haben die Jungs auch eine Version für Windows am Start falls ihr nicht gleich das Betriebssystem wechseln wollt.


Zur Erstellung von HDR-Bildern benutze ich Luminance. Für die Freunde der Panorama-Fotografie gibt es Hugin. 

 

Was bleibt noch? Ach ja, Photoshop. Da gibt es natürlich auch was von den Open Source Kommunisten: GIMP.  Gimp ist anders als PS, mittlerweile behaupte ich, dass es besser ist als PS, nicht nur weil es nichts kostet. Die Einarbeitungszeit ist für jemanden der weder Photoshop noch Gimp je benutzt hat sicher bei beiden Programmen gleich. Wenn ich seit 20 Jahren mit Photoshop arbeite ist es allerdings bestimmt nicht einfach und bequem auf ein komplett anders aufgebautes Programm zu wechseln. Aber ich war irgendwann nicht mehr bereit dieses fragwürdige Geschäftsmodell weiter zu unterstützen. Wenn ich mir vor 6 Jahren PS für 1500€ gekauft habe und dieses jetzt auf einen neuen Rechner installieren will geht das nicht mehr weil Adobe nach 5 Jahren die Aktivierungsserver abschaltet. Ich habe also das Programm vor 6 Jahren nicht gekauft sondern für 5 Jahre gemietet. Das Problem ist nur, dass das so nicht im Vertrag stand. Ich stell mir das mal in anderen Lebensbereichen vor... Und über diese Abo-Nummer mit Speicherung meiner Daten in einer US-Amerikanischen Wolke, und dann noch mit Donald Duck als Präsident, der sich einen Dreck um geltende Vereinbarungen zum Datenschutz kümmert, will ich lieber erst gar nicht nachdenken.
Egal wie gut oder schlecht das ist, egal ob es ein angeblicher Standard ist, ich lass mich einfach nicht so gerne verarschen! Letztendlich ist das aber meiner Meinung nach genauso wenig Standard für Fotografen wie die Maschinen mit den lustig spiegelnden Displays der Firma Apple auf denen man nicht ergonomisch und farbsicher arbeiten kann.  Aber wenn man 10 mal am Tag hört, dass man als Fotograf nur Apple benutzen kann glaubt man das womöglich irgendwann. Es gibt ja auch Leute die glauben, dass ihr Deo 72 Stunden wirkt weil's drauf steht... und dann mit der U-Bahn fahren.
In diesem Sinne wünsche ich euch immer gutes Licht.
Euer Sven

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