Weniger ist mehr

Wir hatten sicher alle schon mal die Idee, alles was wir können in einem Light Painting unterzubringen. Meist geht allerdings die Bildidee, wenn überhaupt vorhanden, dabei völlig unter. Oftmals frage ich mich bei überfrachteten Bildern was mir der Künstler damit sagen will. Was ist das Motiv? Wohin soll ich (zuerst) schauen? Welche Geschichte soll erzählt werden? ...
Wenn ich meine Bilder als eine Art technische Zeichnung oder Bedienungsanleitung verstehe ist das vielleicht eine gute Idee Kreisscheiben, Orbs, Domes und EL-Wire in ein einziges Bild zu malen. Wenn ich dann allerdings noch den Rest der Szene mit allen Farben des Regenbogens beleuchte habe ich vermutlich auch den letzten Betrachter vor den Kopf gestoßen. Die allermeisten geneigten Betrachter werden die Idee hinter dem Bild nicht verstehen, sie werden von der Fülle des Gezeigten überfordert und von den vielen Farben verwirrt sein.

 

Was macht meiner Meinung nach ein gutes Bild in der Light Art Photography aus?
Ein gutes Bild erzählt eine Geschichte.
Ein gutes Bild spricht den Betrachter emotional an.
Ein gutes Bild hält den Blick des Betrachters länger als 1 Sekund fest.

Ein gutes Bild stellt dem Betrachter Fragen, nicht nur technischer Natur.

Ein gutes Bild hat einen erkennbaren Bildaufbau. Nein, nicht unbedingt Drittelregel, goldener Schnitt oder ähnliches. Aber es sollte erkennbar sein, dass der Künstler über den Bildaufbau nachgedacht hat.
Ein gutes Bild führt den Blick des Betrachters zum wichtigsten Bildteil.
Ein gutes Bild stellt Farben harmonisch und überlegt dar. 
Ein gutes Bild lässt die Lichter nicht ausbrennen und hat in den Schatten sichtbare Zeichnung, obwohl dieser Punkt durchaus absichtlich missachtet werden kann wenn es der Bildaussage dienlich ist.
Andere technische Anforderungen wie Schärfe, Rauschen und Ähnliches lass ich mal außen vor.

 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography
Mermaid awaits...

Ich versuche mal an diesem Bild mein Gedanken zu erklären:
Für mich erzählt dieses Light Painting eine Geschichte. Ob sie jedem Betrachter ebenfalls eine Geschichte erzählt, und ob es bei jedem Betrachter die gleiche Geschichte ist spielt für mich keine große Rolle. Sicher freue ich mich, wenn mein Bild auch anderen Menschen gefällt, aber letztendlich mache ich meine Bilder für mich. Ich muss sie verstehen und gut finden, alles andere kommt erst an zweiter Stelle.

 

Wer gerne am Meer ist wird sich wohl sofort emotional auf dieses Bild einlassen (können), oder? Warme Farben am Himmel, Sternenhimmel, eine schöne, mysteriöse Meerjungfrau... 

 

 


Den Blick des Betrachters im Bild halten? Das können nur die Betrachter selbst sagen. Mein einziges Hilfsmittel um das zu kontrollieren, abgesehen vom persönlichen Kontakt, ist der Zuspruch auf Plattformen wie flickr, 500px oder facebook. Wer dort auf das Bild in irgendeiner Form reagiert hat es sich mit Sicherheit etwas länger angesehen als 1 Sekunde.

 

Fragen stellt das Bild für mich schon. Worauf wartet die Meerjungfrau? Warum sitzt sie überhaupt dort? Wohin schaut sie?...

 

Bildaufbau? Ich hätte die Meerjungfrau auch in die Bildmitte setzen können, aber wäre es dann immer noch so gut? Ich denke, der geneigte Betrachter erkennt, dass ich nicht wahllos drauflos gearbeitet habe sondern vorher einige Zeit über den Bildaufbau nachgedacht habe.

Der Blick wird hier zur Meerjungfrau und dann weiter zu dem Punkt geführt auf den sie zu blicken scheint, und dann wieder zurück zur Meerjungfrau.

 

Die Farbe des Light Painting für den Fischschwanz hätte durchaus auch eine andere sein können, Weiß z.B.. Aber um eine Verbindung zum Meer darzustellen fand ich diese Farbe sehr geeignet. Rot, Lila, Gelb... hätten hier nicht gepasst. Mehrere Farben im Schwanz wären auch eine Option, wenn sie denn zueinander und zum Licht der Umgebung passen. Zum Tema Farben werde ich demnächst einen eigenen Blog-Beitrag schreiben.

 

Sicher sind meine Ideen nicht allgemein gültig. Man kann auch hunderte andere Ideen haben. Sicher kann man dieses Bild auch auf andere Weise interpretieren. Wichtig ist aber eigentlich nur, dass ihr selbst eine klare Idee habt bevor ihr die Lampen einschaltet und mit eurem Light Painting beginnt. Denkt nicht so viel über das perfekte Tool nach, versucht nicht auf Krampf das "perfekte" Light Painting zu machen, wichtiger ist eine gute Bildwirkung und eine spannende Geschichte in eurem Bild, auch wenn der Orb nicht perfekt rund geworden ist.

 

Genug über mich geredet. Schaut ich die Bilder von Cenci Goepel und Jens Warnecke an. Sehr beeindruckende Bilder mit sehr geringem Aufwand für das Light Painting und wenig Anspruch an die Perfektion des Light Painting. 
http://www.lightmark.de/

 

Allzeit gutes Licht wünscht euch
Sven

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