Kaufberatung Kamera

Welche Kamera brauche ich für Langzeitbelichtung und Light Painting?

Ich werde ja recht häufig von den verschiedensten Menschen um Rat bei der Wahl der richtigen Kamera gebeten. 
"Welche Kamera soll ich kaufen?" Das ist ungefähr als würde jemand fragen welches Auto er kaufen soll. Am besten ein rotes, würde ich sagen, mit 4 Rädern und einem Lenkrad.

 

Mittlerweile genügt für die meisten Zwecke die Kamera des Mobiltelefons, für Langzeitbelichtung und Light Painting muss allerdings was anderes her. Zumindest wenn das Ergebnis gut werden soll.

 

Welche Eigenschaften der Kamera sind im Light Painting wichtig?

Bevor Du mit der prall gefüllten Brieftasche zum Fotohändler Deines Vertrauens rennst solltest Du kurz darüber nachdenken was die neue Kamera alles können sollte.

 

Es gibt zu jeder (neuen) Kamera dutzende Tests. Meist sind diese aber für den Bereich Langzeitbelichtung und Light Painting überhaupt nicht aussagekräftig. Als Light Painter interessiert mich nicht ob der Autofokus sauber arbeitet und ob die Knipse 18 Bilder pro Sekunde aufnehmen kann. Die Stärke des Bildrauschens bei langen Belichtungszeiten, einer der wichtigen Punkte bei der Wahl der richtigen Kamera, wird gewöhnlicherweise überhaupt nicht getestet. Selbst auf den Seiten der Hersteller findet man meist keine Informationen dazu.

Anhaltspunkte findet man eigentlich nur in entsprechenden Foren und im Austausch mit anderen Light Paintern. 

 

Ein zweiter wichtiger Punkt ist der Dynamikumfang. Dieser wird bei fast allen Tests ermittelt. 

 

Darüber hinaus ist die Akkulaufzeit von Interesse, diese gibt der Hersteller der Kamera immer an. Dafür gibt es einen genormten Test. Somit lässt sich das gut vergleichen. Die Anzahl der angegebenen Auslösungen ist zwar im Bereich der Langzeitbelichtung völlig unerheblich, allerdings ist eine lange Akkulaufzeit wichtig. Es wäre sehr ärgerlich wenn der Akku während einer Langzeitbelichtung schlapp macht und somit das Bild versaut ist.

 

Wenn man, wie ich, oft in Lost Places unterwegs ist sollte man darauf achten, dass die Kamera ein robustes, abgedichtetes Gehäuse hat damit sie nicht beim dritten Shooting den Geist aufgibt. 

DSLR oder Systemkamera?

Im Punkto Bildqualität gibt es kaum noch Unterschiede zwischen guten Systemkameras wie z.B. Sony A7 und den Spiegelreflex-boliden.  Nikon verbaut zum Teil die gleichen großen Sensoren wie Sony.


Was mich an den Sony Kameras am meisten stört ist die geringe Akkulaufzeit (siehe oben). Klar kann ich einen Batteriegriff montieren und 17 Ersatzakkus einstecken. Ganz zur Not kann ich die Kamera auch mit der Autobatterie versorgen. Der Hauptvorteil, nämlich das geringere Gewicht und die geringere Größe sind dann aber flöten.

Der Hype um diese Kameras ist meiner Meinung nach hauptsächlich den umfangreichen Marketingmaßnahmen von Sony geschuldet.

 

Vor einiger Zeit hatte ich mal einen etwas ausführlicheren Beitrag zu diesem Thema verfasst.  


Welche Sensorgröße brauche ich für die Langzeitbelichtung?

Ein Sensor liefert nicht zwangsläufig bessere Ergebnisse nur weil er eine größere Fläche hat. Die Bildqualität ist abhängig von vielen Faktoren wie Technologie, Fertigungsqualität und Pixeldichte.

Kameras im Mittelformat lasse ich hier mal außen vor. Die Preise für Kameras von Phase One oder Hasselblad bewegen sich auf dem Niveau eines Mittelklasse-Personenkraftwagens.

35mm Kleinbild, APS-C bzw. DX oder noch kleiner?

Die meisten Light Painter benutzen für ihre Kunstwerke Kameras mit einem Sensor in Kleinbildgröße, oft scherzhaft als Vollformat bezeichnet. 

Der Hauptgrund dafür dürfte allerdings weniger die vermeintlich bessere Bildqualität sein. Durch den größeren Sensor ist der Bildwinkel bei gleicher Brennweite größer.


Das bedeutet letztendlich, dass die Entfernung zwischen Kamera und Lichtquelle geringer ist. Gerade bei der Arbeit mit sehr schwachen Lichtquellen wie EL-Wire ist das ein Vorteil.

Ich kann aber natürlich auch mit einer APS-C Kamera und einem 12mm Objektiv vernünftig arbeiten. Gute DX- Kameras wie die Nikon D500 sind allerdings auch nicht unbedingt günstiger als ein vergleichbares Model mit einem Sensor in Kleinbildgröße. Die D500 kostet aktuell ca. 1450€, die D750 mit dem Sensor im Kleinbildformat ist mit ca.1250€ im Moment sogar günstiger.

 

Schwierig wird es meiner Meinung nach bei noch kleineren Sensoren wie Micro-Four-Thirds. Solche Kameras würde ich im Light Painting nicht benutzen weil die Bildqualität im Vergleich zu den oben genannten Kameras sichtbar schlechter ist. Vor allem das Bildrauschen bei sehr langen Belichtungszeiten ist oftmals nicht mehr zu beherrschen.

Viele Light Painter benutzen trotzdem solche Kameras wegen der lustigen Live Composite Funktion. Allerdings wird hierbei mit vielen Bildern mit relativ kurzer Belichtungszeit gearbeitet. Die interne Software der Kamera bastelt die einzelnen Ebenen  zum fertigen Bild zusammen. Ich benutze diese Technik nicht, für mich ist die Arbeit in einer einzelnen Belichtung einer der wichtigsten Punkte im Light Painting.

Nikon oder Canon?

Ich versuche heute mal auf das Canon-Bashing zu verzichten. ;-)

Seit 1992 arbeite ich ausschließlich mit Nikon Kameras, aktuell mit D750, D300s und der umgebauten D70. Im Laufe der Jahre haben sich viele Objektive und auch sonstiges systemspezifisches Zubehör angesammelt. Schon aus diesem Grund werde ich das System nicht mal so einfach wechseln. Genauso wird es wohl den Canon-Fotografen gehen. Wer sich einmal für "sein" System entschieden hat wechselt nicht einfach.

 

Wer allerdings das erste Mal vor dieser Entscheidung steht sollte allerdings etwas genauer hinsehen und überlegen. Die Sensoren in den aktuellen Nikon Kameras sind besser als die der vergleichbaren Modelle von Canon, vor allem ist der Dynamikumfang größer. Der Nachteil von Nikon ist der meist etwas höhere Preis. So kostet aktuell z.B. die Canon 5D Mark IV ca. 3200€ und die Nikon D850 ca. 3800€. Die geringeren Preise sind meiner Meinung nach auch der Hauptgrund für die Marktführerschaft von Canon.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die gute Bedienbarkeit, vor allem in der Dunkelheit. Probier es einfach im Laden aus ob Du mit Nikon oder Canon besser zurecht kommst. Aber auch hier ist das sicherlich hauptsächlich eine Frage der Gewöhnung. 

 

Folgende Kameras sind im Light Painting recht stark vertreten:

Canon 5D und 6D (EMD, Eric Paré, Gunnar Heilmann...)

Nikon D7500, D7100, D800, D810, D850, D750 (Pala Teth, Mart Barras, Lichtkunstfoto...)

Sony A7R (Patrick Rochon, JanLeonardo Wöllert...)

Oder lieber ganz was anderes?

... wie z.B. Pentax. Auch andere Hersteller bauen gute Kameras. Weil diese aber nicht so sehr verbreitet sind kann ich dazu nicht so viel sagen. Die Auswahl an Objektiven, vor allem gebrauchten, ist für die beiden großen Systeme deutlich größer. Schon aus diesem Grund würde ich ein solch eher exotisches System nicht kaufen.

Entscheidungshilfe

- Ich will große Prints von meinen Bildern machen:

 

 

- Mein Budget ist nicht sehr hoch:

 

- Ich will alte Objektive mit Adaptern verwenden (M42 oder ähnliches):

 

- Ich brauche eine sehr robuste Kamera:

 

- Die Kamera kann auch gerne gebraucht sein:

- Die Auflösung sollte groß sein, die Bildqualität sollte sehr gut sein.

Nikon D850, Nikon D750, Canon 5D Mark III oder Mark IV

 

- Nikon D7500 (ca. 1000€), Nikon D7200 (ca. 750€)

 

- Canon 5D oder 6D, alte Objektive mit Adaptern lassen sich an Nikon Kameras nicht, oder nur sehr eingeschränkt nutzen.

 

- Nikon D850, D810, Canon 5D oder 6D

 

- Schau Dir die Kamera genau an. Die Kamera sollte möglichst wenige Auslösungen auf dem Buckel haben.


Fazit

Die Entscheidung für die neue oder die erste Kamera ist sicher keine einfache. Ich hoffe mein Beitrag hilft Dir bei der Entscheidungsfindung. Viel wichtiger als die perfekte Kamera ist allerdings die eigene Kreativität. Mit der teuersten Kamera der Welt kann ich die schlechtesten Bilder machen wenn ich nicht weiß was ich tue.

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht

Sven

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