Geplante Obsoleszenz

Was wir uns im Bereich Computer alles gefallen lassen müssen

Heute geht es um kein spezielles Light Painting Thema. Die meisten Light Painter werden aber wohl einen Computer inkl. Software und vielleicht auch einen Drucker benutzen um ihre Kunstwerke auszudrucken.

In anderen Lebensbereichen würden sich die allermeisten Menschen ein Vorgehen, wie es viele Hersteller im Bereich Computertechnik an den Tag legen, nicht gefallen lassen. Also warum funktioniert das in diesem Bereich?

 

Wikipedia definiert den Begriff so: "Geplante Obsoleszenz ist eine Strategie, in der die Obsoleszenz eines Produkts vom Hersteller geplant und konzeptionell vorgesehen ist.[1] Das Phänomen war schon mehrfach Gegenstand wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Debatten, ist aber nach wie vor nicht klar definiert. Ein bekanntes Beispiel für die (vermeintlich) beabsichtigte Verkürzung der Lebensdauer von Produkten sind Drucker und Druckerpatronen, die das Ende ihrer Lebensdauer oft nicht nach tatsächlichem Verbrauch oder tatsächlicher Nutzung, sondern nach vom Hersteller festgelegten Seitenzahlen oder Zeiträumen erreichen."

Drucker

Nach nicht einmal einem Jahr und geschätzten 200 ausgedruckten Fotos zeigte mein Drucker diese Meldung (Bild rechts) an. Und eben nur noch diese Meldung. Warum ich, selbst wenn das Kissen tatsächlich kurz vorm Überlaufen wäre, den Scanner nicht mehr verwenden darf ist mir ein absolutes Rätsel.
Ein Zurücksetzen der Meldung durch den Benutzer ist nicht vorgesehen. Epson will, dass ich den Drucker einpacke, zum Service schicke und Epson  schickt ihn dann "repariert" wieder zurück. Das Ganze lassen sie sich mit ca. 50€ honorieren. Bei meinem etwas teureren Fotodrucker XP-960 wäre das vielleicht noch eine Alternative zum Schrottplatz, aber wenn der Drucker nur 69,90€ gekostet hat wird er wohl völlig unnötigerweise und lange vor dem tatsächlichen Exitus weggeworfen.


Kaum jemand wird wohl für die "Reparatur" fast den Neupreis des Gerätes in die Hand nehmen. 

 

Also selber machen!

 

Zuerst habe ich den Drucker umgedreht, 2 Schrauben einer kleinen Abdeckung gelöst und schon hatte ich den Behälter mit dem Kissen in der Hand. Das Teil sitzt genau unter der Ruheposition der Patronen. Der Filz in dem Behälter war zwar schon recht bunt, aber "das Ende seiner Lebenszeit" war noch lange nicht erreicht. Es befindet sich kein Sensor in diesem Behälter oder ähnliches, die Software im Drucker zählt einfach die Anzahl der Reinigungszyklen und bringt dann nach xxx Reinigungen diese Meldung, und das dann natürlich viel früher als nötig.

Was würde denn passieren wenn der Behälter tatsächlich voll wäre und ich trotzdem weiter drucke? Irgendwann würde die überschüssige Tinte überlaufen und mir den Schreibtisch vollsauen. Darüber kann mich ja das lustige Display auch gerne informieren, aber die Entscheidung ob ich den versauten Schreibtisch in Kauf nehme weil ich meinem Kunden die Bilder heute noch geben will dürfen die Freunde von Epson doch mal getrost mir überlassen! Der Drucker selbst würde jedenfalls in keinem Fall Schaden nehmen, von etwas Tinte an der unteren Gehäuseseite mal abgesehen. 

 

Nachdem ich das Kissen ausgebaut hatte habe ich die Tinte ausgewaschen, die einzelnen Teile des Kissens getrocknet und wieder in den Drucker eingebaut. Das Teil war also fast wieder wie neu. Alternativ kann man auch die alten Filzteile in die Mülltonne schmeißen und den Behälter mit Watte vollstopfen. Diese Arbeit kann jeder durchführen der einen Schraubenzieher richtig herum halten kann, dafür braucht man keinen "Epson-Support".

 

Die Meldung auf dem Display geht davon aber lange noch nicht weg. Ich konnte also immer noch nicht drucken. Nach einiger Recherche im Internet fand ich 2 verschiedene Softwarelösungen zum Zurücksetzen dieser, und auch anderer Meldungen. Wer nach "waste ink pad" sucht wird schnell fündig. 
Die findigen Programmierer bieten ihre Dienstleistung zwar auch nicht kostenlos an, aber da zahle ich dem Mann aus Fernost lieber 6$ als dem Epson-Support auch nur einen einzigen Cent. Außerdem konnte der Drucker an seinem Platz stehen bleiben; nach ca. 5 Minuten war die Meldung weg. Nach dem Eingriff mit der Service-Software druckt der Apparat wieder wie am ersten Tag.

Warum steht überhaupt ein Fotodrucker auf meinem Schreibtisch?

Damit ich Prints in guter Qualität sofort zur Verfügung habe. Mit guter Qualität meine ich, dass die Ergebnisse deutlich besser sind als bei den meisten Fotodienstleistern. Ich kann frei zwischen den verschiedensten Papieren wählen und in jeder beliebigen Größe bis max. A3 drucken. Wenn der Geldbeutel und vor allem der Platz auf dem Tisch das hergeben kann man natürlich auch eine Maschine hinstellen die bis A2 bedruckt. Ich muss meine Bilder nicht im Internet hochladen. Ich muss nicht mit dem USB-Stick zum Drogeriediscounter oder sonstwo hin. Wenn das Ergebnis nicht zufriedenstellend ist druck ich das selbst Bild noch mal aus und muss nicht dem Dienstleister wortreich erklären was mir nicht gefällt und weitere 5 Tage auf die neuen Bilder warten.

Kaufe ich wieder einen Drucker von Epson?

Ich weiß nicht ob ich noch mal einen Drucker von Epson kaufe. Da fast alle anderen Hersteller ähnlich vorgehen gibt es eigentlich keine Alternative. Der letzte Drucker war von Canon. Die Ergebnisse waren auch bei diesem Drucker sehr gut. Das Teil hat kurz nach dem Ende der Garantiezeit den Geist aufgegeben. Die Mechanik zum Einzug des Papiers war defekt, eine Reparatur hätte sich in diesem Fall tatsächlich nicht gelohnt. Allerdings hatte dieser Drucker in seiner kurzen Lebenszeit deutlich mehr Bilder ausgedruckt als der Epson bis zum oben beschriebenen Ereignis. 

Im Bereich der Fotodrucker für den "Heimgebrauch" bauen nur diese beiden Hersteller Drucker die sehr gute Druckergebnisse abliefern. 
Nach meiner Erfahrung ist nur die Firma HP etwas freundlicher zu ihren Kunden. Wenn HP es schafft einen Fotodrucker zu bauen der genau so gute Druckresultate abliefert wie Epson oder Cannon kaufe ich den nächsten Drucker dort ein.

Tintenpatronen

Ich kann mir ja nicht vorstellen, dass überhaupt jemand die völlig überteuerten Originalpatronen von Canon oder Epson kauft. Für den Epson XP-960 kostet ein Satz Patronen im Shop von Epson 113,99€. Der ganze Drucker kostet dort 269,99€. Da kann doch irgendetwas ganz grob nicht stimmen wenn fast der halbe Preis des Druckers für die Patronen draufgehen soll. In der Herstellung kosten die Patronen vermutlich nicht einmal ein hundertstel des Verkaufspreises. Bei Canon ist die Situation nicht besser.
Ein billiges Set der 6 Patronen von einem alternativen Hersteller bekommt man für 9,99€, und der verdient auch noch etwas daran. Für den normalen Druck funktionieren die Dinger bestimmt ganz gut. Wer allerdings Fotos in der bestmöglichen Qualität ausdrucken will sollte solche Patronen nicht verwenden. Meine Erfahrungen mit diesen billigen Patronen sind jedenfalls nicht gut. Die Farben stimmen nicht und lassen sich auch nicht mithilfe von ICC-Profilen auf die Billigtinte abstimmen. Die Düsen verstopfen gerne mal und die Bilder haben dann lustige Streifen.

 

Ich verwende ein Nachfüllset von Farbenwerk.com. Das Set kostet 94,90€ und beinhaltet 6 leere Patronen und 6 mal 100 ml Farbe sowie Spritzen zum Auffüllen. Die Patronen muss man nur einmal anschaffen, die Farbe alleine kostet dann 53,90€ als Set 6 mal 100 ml. Die Patronen fassen ca. 10 ml Tinte, das reicht also für zehnmaliges Auffüllen. Das bedeutet Kosten von 5,39€ für einmal auffüllen und somit nicht einmal ein Zwanzigstel der Kosten für die Patronen von Epson. In den Patronen von Epson ist darüber hinaus etwas weniger Tinte (ca. 8,7ml).

Im Punkto Druckqualität konnte ich keine Unterschiede zu den Patronen von Epson erkennen. Ich drucke mit dem ICC Profil von Epson, die Farben passen.

Sicher haben auch andere Firmen wie Apple oder Adobe recht merkwürdige Geschäftsideen aber die Druckerhersteller überbietet im Moment sicher niemand. 

Ich will lieber gar nicht weiter darüber nachdenken wohin diese Reise noch gehen mag. Einige Autohersteller haben sich das schon abgeschaut und versehen ihre Batterien mit Chips die im Steuergerät des Personenkraftwagens angemeldet werden müssen. Da kann ich dann nicht mal schnell die billige Batterie aus dem Zubehörhandel selbst einbauen und sofort weiterfahren. 

Allzeit gutes Licht
Sven

Kommentar schreiben

Kommentare: 0