10 Fragen an...

Roland Brei

Er ist (noch) nicht der Superstar unter den Light Paintern, aber spätestens seit den "Saturn" Bildern sollte man den Herren aus der Schweiz unbedingt ernst nehmen. Die allermeisten Betrachter konnten sich nicht vorstellen, dass man diese Bilder in einer einzelnen Belichtung umsetzen kann. Die Kollegen, die eine Idee hatten wie man es machen könnte haben das auf Grund des immensen Aufwandes dafür sofort verworfen. Und vielen Betrachtern ist vermutlich noch nicht einmal aufgefallen, dass sich die Lichtspuren des Orbs nicht mit den Spuren des Ringes kreuzen sondern sauber voneinander getrennt sind.

Um zu überprüfen ob meine Idee dazu in der Praxis funktioniert habe ich mich selbst an ein ähnliches Bild gewagt und kann bestätigen, dass man solch ein Bild durchaus in einer einzelnen Belichtung umsetzen kann.

 

Dieses Bild findest Du hier

 

Aber jetzt lass ich endlich Roland zu Wort kommen: 


Bitte stell Dich kurz vor:

 

Hallo Sven

Ich heisse Brei Roland, bin verheiratet und wir haben einen 17 jährigen Sohn, komme aus Lupfig in der Schweiz liegt in etwa 40km vor Zürich.

1. Wie und warum bist Du Light Painter geworden?

 

Um diese Frage zu beantworten bedarf es einer kleinen Geschichte.

Eigentlich bin ich ein begeisterter Planespotter, also einer der landende oder startende Flugzeuge fotografiert. Sehr oft bin ich am Flughafen Zürich anzutreffen, aber auch München sowie auch Frankfurt gehören zu meinen Lieblingsplätzen. Bei dieser Art von Fotografie versuche ich möglichst kreativ zu sein, so kann es vorkommen das ich Kilometer lange Fussmärsche in kauf nehme für ein spezielles Flugzeugbild. Im Jahr 2013 in einer Oktober Nacht, war mein Plan Flugzeuge im Landeanflug zu fotografieren und zwar in einer Langzeitbelichtung, ich wollte also die Lichter die vom Flugzeug kommen als Linien auf einem Bild haben. 


Als die ersten Bilder gemacht wurden kam ich auf die Idee mit einer Taschenlampe Texte zu schreiben. Kurze Zeit später wurde das erste Lightpainting Bild geboren, ein Flugzeug im Landeanflug in einer Langzeitbelichtung zusätzlich mit den Zahlen 2014. Ein Kollege der das Bild im Netz sah, kontaktierte mich kurze Zeit später und erklärte mir, dass ich an diesem Abend eventuell ein Lightpainting Bild gemacht habe. Danach verbrachte ich Nächte am Computer und habe im Internet nach Bildern und Anleitungen gesucht, wie man diese Art von Fotografie praktisch anwendet. Für mich einer der wichtigsten Augenblicke in meinem Lightpainting da sein, der Start in eine neue Geschichte.

 

2. Was bedeutet Light Painting für Dich? Was ist Dein Antrieb?

 

Lightpainting hat mein Leben verändert und dies auf positive Art, hier kann ich abschalten und zur Ruhe kommen!! Keine Termine, keine Hektik, nur die Dunkelheit und meine Ausrüstung die darauf wartet eingesetzt zu werden. Mit Lightpainting kann ich meiner Seele die Ruhe geben die sie braucht, kann aber auch meine Kreativität und die Leidenschaft mit Licht etwas darzustellen ausleben.

 

3. Welche Ausrüstung hast Du immer dabei?

 

Meine Fototasche mit meiner Canon EOS 5Dlll und diversen Objektiven, Stativ und sonstiges Zubehör.

2 Koffer mit Taschenlampen mit Produkten von Led Lenser und Fenix.

Bin glücklicher Besitzer von 2 Spezial Umbauten, eine Led Lenser X21R in Amber, und eine Led Lenser MT7 in Ultraviolett. Da ich leidenschaftlich Orb drehe kommt dieses Tool auch meistens mit.

 

4. Was war Dein bisher eindrücklichstes Erlebnis im Light Painting?

 

Lightpainting Helpdesk organisierte einen Event im Volksbad Nürnberg, vier Nächte lang durften wir uns in diesem Bad ausleben. Am zweiten Abend wollte ich mit meinem Lightpainting Partner (Hermann Affolter) das eine Bad ins richtige Licht setzten, Stefan Holtbecker unterstützte uns ebenfalls mit seinem Wissen. Nach intensiver Vorbereitung, die dauerte fast 6h, hiess es nun Action. Das Resultat war ein Bild mit einer Verschlusszeit von über 16 Minuten, für mich die schönsten 16 Minuten als Lighpainter. Danke an Hermann und Stefan für diesen unvergesslichen Augenblick.

 

5. Was oder wer inspiriert Dich regelmäßig?

 

Nun ich glaube Denis Smith ist ein Lightpainter welcher mich am meisten mit seinen Bildern inspiriert hat. Nachdem ich im Oktober 2013 das „erste“ Lightpainting Bild gemacht habe und mich ein Kollege darauf aufmerksam gemacht hat, was dies für eine Art von Fotografie ist, bin ich im Internet auf Denis Smith und seine Orb’s gestossen. Seine Bilder haben mich sehr beeindruckt und mein Interesse für das Lightpainting geweckt. Heute bin ich in der glücklichen Situation einige bekannte Personen zu kennen die genau die gleiche Leidenschaft wie ich haben, Sie sind auch immer wieder in der Lage mich durch neue Bilder zu inspirieren.

 

6. Welches Light Painting Tool baust oder kaufst Du Dir als nächstes?

 

Da ich in der glücklichen Situation bin einiges an Material zu besitzen muss ich in nächster Zeit keine grösseren Anschaffungen tätigen. Meine Tools baue ich grundsätzlich nach dem Thema das ich gerne an diesem Abend umsetzten möchte. Beim bauen von Tool’s versuche ich mit den Abfällen unserer Gesellschaft zu arbeiten, so kann es vorkommen das ein Parfüm Deckel von Louis Vuitton zum Einsatz kommt.

 

7. Arbeitest Du eher spontan oder planst Du Deine Bilder vorher bis ins kleinste Detail?

 

In den meisten Fällen versuche ich die Bilder zu planen, und dies bis zum kleinsten Detail. Dies ist meistens der Fall bei komplexen Bildern. Jedoch gibt es auch Einsätze die spontan erfolgen, da wird dann auch situativ vor Ort entschieden welche Arbeitsschritte getätigt werden müssen.

 

8. Hast Du ein Konzept, einen roten Faden, für Deine Light Paintings?

 

Meine Lightpainting Einsätze werden alle mit einer Art Drehbuch durchgeführt. Steht die Location fest , so wird dort der Arbeitsbereich definiert. Besteht das Bild durch verschiedene Arbeitsschritte werden alle einzelnen Elemente geübt und getestet. Hier kann es schnell einmal vorkommen, dass alleine die Vorbereitung 6 Stunden in Anspruch nimmt. Funktionieren alle Elemente kommt es nun zum eigentlichen Bild. Mit dieser Arbeitsweise habe ich die beste Erfahrung gemacht, und ich glaube für ein erfolgreiches Resultat gehört ein durchdachtes Konzept dazu.

 

9. Mit welchen drei anderen Light Paintern würdest Du gerne mal zusammen arbeiten?

 

Mit dem Team EMD (Electrical Movements in the Dark) aus Koblenz würde ich sehr gerne meine Nächte durch arbeiten. Ich kenne Ihre Bilder und auch Ihre Arbeitstechniken, beim letzteren Punkt hat sich heraus gestellt dass wir teilweise die selben Techniken anwenden.

 

Sven Gerard fällt mir als nächster Lightpainter ein, seine Anmerkungen zu meinen Bildern ob nun positiv oder auch manchmal kritisch, haben mich alle geprägt. Er blieb dabei immer sachlich und fair und auch wenn es nicht zu einem Bild kommen würde, möchte ich mich trotzdem bedanken.

 

Auch wenn seine Bilder relativ einfach gehalten sind, wäre Denis Smith ein grosser Wunschkandidat. Seine Bilder sind faszinierend und ich habe sie, so glaube ich zumindest alle gesehen. Eine weitere Person, welche mich sehr geprägt hat und durch seine Bilder mein Interesse für das Lightpaitning definitiv geweckt haben.

 

10. Welches sind Deine 3 besten Bilder?

„The blue Saturn“

Lange, sehr lange habe ich an diesem Bild herum experimentiert, das Ziel dass ich verfolgte war mir ja vorgegeben durch die Bilder die wir von der NASA kannten. 

Die Schwierigkeit war den Saturnring so zu zeichnen das er hinter dem Orb nicht sichtbar ist, wie aber auch das der Orb den Ring vorne durch die Linien nicht durchzeichnet wird. Als ich die Lösung vor Augen hatte konnte ich das Bild mit Hermann Affolter realisieren. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand was wir hier auf die Speicherkarte gebrannt haben, dies realisierten wir erst als wir das Bild in Netz gestellt hatten. Jegliche persönliche Rekorde wurde gebrochen, ich würde behaupten das wir mit dem Bild sogar ein kleineres Beben ausgelöst haben.

„16 Minuten“

In einem stillgelegten Bad entstand unser zweites Bild, dies in Zusammenarbeit mit Hermann Affolter und Stefan Holtbecker. Für dieses Bild wurden über 50 Teelichter aufgestellt, 4h wurden benötigt bis wir das Wasser der Realität entsprechend zeichnen konnten. Das Drehbuch entsprach einem Krimi, zuerst wurde das Wasser gezeichnet, hierfür musste das Becken einige male Durchlaufen werden. Als nächster Schritt wurde jede Beckenlampe in einem speziellen Winkel ausgeleuchtet. Nun mussten die Arbeiten im Erdgeschoss gemacht werden, so wurde jede Lampe mit einer speziellen Methode ausgeleuchtet, der Orb im Hintergrund und die Ausleuchtung des ganzen Bades rundeten unsere Arbeiten ab. Die Verschlusszeit betrug für dieses Bild über 16 Minuten, es gab in dieser Zeit wirklich Momente da dachte ich Menschenstimmen und das rauschen des Wassers zu hören. Die intensivsten 16 Minuten meiner Lightpainting Zeit.

„Weihnachten“

Auch wenn im Augenblick niemand daran Denken möchte gehört dieses Bild zu den Top 3 Bildern.

Die Schwierigkeit war den Weihnachtsbaum in totaler Dunkelheit zu zeichnen, so übte ich über eine Woche die verschiedene Möglichkeiten und Techniken aus, bis ich die richtige Technik gefunden hatte. Mit meinem Sohn realisierte ich das Bild in einem Industriekeller. Das Drehbuch sah wie folgt aus, zuerst wurden die grünen Linien des Baumes gezeichnet, danach wurden die farbigen Kugeln hinein gezeichnet mit einer speziellen Vorrichtung. Nun mussten die vier Doms gezeichnet werden damit die Adventskerzen eine Art Ständer erhalten, nun hiess es die Kerzen in korrekter Position zu positionieren und dies noch abgestimmt auf die Richtige Belichtungszeit. Zu guter letzt wurde die Umgebung in einem rosa ausgeleuchtet. 

 

Ich danke Dir für das Interview Roland und wünsche Dir allzeit gutes Licht. Du bist jederzeit in Berlin willkommen und dann ziehen wir gemeinsam mit den Lampen los.

 

Rolands Homepage: http://www.rfotomoments.com/

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