Benro Getriebeneiger

Der perfekte Light Painting Stativkopf?

Die Anzahl der erhältlichen Getriebeneiger ist recht überschaubar. Spontan fallen mir nur die Hersteller Arca Swiss und Manfrotto ein, die solche Stativköpfe bauen. Für den Erwerb eines Neigers der Firma Arca müssten die meisten Menschen erst einmal eine Bank überfallen, das Model D4 geared pan kostet schlanke 1514,87€, die geared "Cube" Teile sind noch teurer. 
Die Getriebeneiger der Firma Manfrotto sind zwar preiswerter, haben, wie alle Köpfe von Manfrotto, allerdings einen entscheidenden Nachteil, sie sind nicht Arca Swiss kompatibel. Ich bin also gezwungen diese proprietären Manfrotto-Schnellwechsleplatten zu verwenden oder das Teil auf Arca umzubauen. So richtig lustig finde ich, dass die Manfrotto-Teile schon untereinander nicht kompatibel sind. Wenn ich mich nicht irre gibt es mittlerweile drei verschiedene Manfrotto-Systeme. 

An allen unseren Kameras sind passgenaue L-Winkel montiert. Diese Winkel sind immer Arca Swiss kompatibel. Für keines der Manfrotto-System sind solche L-Winkel erhältlich. Aus diesem Grund habe ich den 3-Wege-Neiger von Manfrotto auf Arca Swiss umgerüstet. Diese Lösung ist nicht optimal weil ich ein zusätzliches, geschraubtes Bauteil habe was unter Umständen Einbußen bei der Stabilität der Kombination aus Stativ, Kopf und Kamera zur Folge hat. Und mehr Gewicht trage ich dann auch mit mir herum.

Warum Getriebeneiger?

Im Gegensatz zu Kugelköpfen oder auch 3-Wege-Neigern kann man mit einem Getriebeneiger die Kamera ausrichten ohne den Kopf lösen zu müssen. Während der Ausrichtung der Kamera bewegt sich die Kamera nur wenn man am Getriebe dreht. Wenn man aufhört zu drehen ist die Kamera immer genau in der letzten Position fixiert. 


Bei Kugelköpfen sackt die Kamera meist nach dem Festdrehen etwas nach. Beim 3-Wege-Neiger verändert sich die Position oft ebenfalls geringfügig beim fixieren. Obwohl der 3-Wege-Neiger zumindest den Vorteil hat, dass sich die Richtungen getrennt einstellen lassen und nicht wie beim Kugelkopf alles gleichzeitig ausgerichtet werden muss.

Dieses Gefummel mit einem Kugelkopf kann recht zeit- und nervenraubend sein. Kugelköpfe halte ich für sehr ungeeignet wenn es auf genaue Ausrichtung der Kamera ankommt um beispielsweise stürzende Linien im Bild zu vermeiden. In der Langzeitbelichtung und im Light Painting ist darüber hinaus ein absolut fester Halt der Kamera notwendig. 

Seit Mitte 2018 bietet der chinesische Hersteller Benro einen Arca Swiss kompatiblen Getriebeneiger an. Vor einigen Tagen ist das Paket bei mir eingetroffen. Der erste Eindruck ist gut. Alles ist sauber verarbeitet und wirkt stabil und robust. Ob der erste Eindruck sich im harten Alltag bestätigt wird die Zeit zeigen. 

Auf dem Manfrotto 055 sieht der Neiger im Vergleich zum Manfrotto 3-Wege-Neiger etwas verloren aus. Durch die breite Schulter des Stativs ist der Platz zwischen Stativ und dem unteren Knopf recht knapp. Man kann das zwar noch gut bedienen aber komfortabler wäre es wenn entweder der Knopf etwas länger wäre oder das Unterteil des Neigers etwas höher und größer wäre. Da dieser Knopf ausschließlich für die Drehung zuständig ist wird man diesen aber nicht so oft betätigen. Auf Stativen mit breiteren Schultern als beim 055er wird man sicher Schwierigkeiten haben den Kopf überhaupt auf dem Stativ befestigen zu können.

 

In der Grundstellung sind alle 3 Wege fest. Wenn man das Außenteil des Knopfes dreht verstellt man die jeweilige Richtung ganz fein über das eingebaute Getriebe. Wenn man das vordere, gezahnte Teil dreht löst man die Arretierung für die jeweilige Richtung und kann den Kopf in der jeweiligen Richtung frei bewegen. Sobald man das Zahnrad loslässt wird dieses mit der eingebauten Feder wieder zurück in die Ausgangspostion bewegt und der Kopf ist wieder arretiert. 

 

Die eingebauten Libellen und die aufgebrachten Grad-Skalen sind meines Erachtens nach überflüssig. Ich verlasse mich lieber auf den virtuellen Horizont in der Kamera. In der Dunkelheit ist dieser auf jeden Fall besser zu erkennen als die Libellen am Stativ.

 

Was mir besonders gut gefällt ist die Arca Swiss Klemme. Die Schraube lässt sich erstmal nur soweit aufdrehen, dass die Kamera sich zwar nach links und rechts verschieben lässt aber nicht aus der Klemme rutschen kann. Abstürze sind somit ausgeschlossen. Um die Kamera vom Neiger entfernen zu können zieht man die Schraube etwas nach hinten und kann dann weiter auf drehen. 


Kaufen kann man das gute Stück unter anderem bei Amazon. Der Preis liegt aktuell bei 230€, ungefähr soviel wie der Manfrotto MA 410. Der Hersteller gibt die Tragfähigkeit mit 6 kg an, völlig ausreichend für den Einsatz im Light Painting. Für das dicke Paparazzo-Tele könnte das Teil allerdings zu schlapp sein. Das Gewicht gibt Benro mit 740 g an, auf dem Display meiner Küchenwaage stehen allerdings fast 100 g weniger. Vermutlich haben die Freunde aus Fernost die mitgelieferte Arca Schnellwechselplatte mit gewogen. Diese macht, nebenbei bemerkt, einen sehr vernünftigen Eindruck und sieht mit der blauen Eloxierung ziemlich cool aus. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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