Light Painting und Social Media - Fluch oder Segen?

Ohne Facebook und Instagram kein Light Painting?

Ich weiß nicht wie die Light Painting Gemeinschaft heute ohne die fantastischen Möglichkeiten des Internets, und vor allem der Social Media Plattformen, aussehen würde. Höchstwahrscheinlich wäre die Anzahl der Light Painting Besessenen wesentlich kleiner. Viel gravierender, zumindest für mich, wäre allerdings, dass ich von der Existenz der anderen Light Painter vermutlich nichts wüsste. Es würde wenig oder gar keinen Austausch geben. Ich könnte nicht gemeinsam mit Pala Teth, Mart Barras, Dan Chick, Frodo und anderen Verrückten aus allen Teilen der Welt der Berliner Malzfabrik mit den Lampen neues Leben einhauchen. 

Die meisten Kollegen, so wie ich auch, sind erst durch den Austauch in den sozialen Netzwerken überhaupt auf das Thema Light Painting gestoßen. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Andererseits gibt es die Kunstform Light Painting schon länger als das Internet und Facebook. Die ältesten bekannten Light Painting Fotografien stammen aus dem Jahr 1889, nein ich hab mich nicht vertippt, achtzehnhundertneunundachtzig. Es gab also schon seit Anbeginn der Fotografie Künstler die kreativ mit langen Belichtungszeiten gearbeitet haben. 

So richtig Schwung hat Light Painting allerdings erst seit einigen Jahren bekommen. Neben der einfachen Verbreitung im Internet ist dieser Umstand der rasanten Entwicklung der digitalen Fotografie sowie der Entwicklung immer leistungsfähigerer LED-Lampen zu verdanken. 

Was ist mein Antrieb? Was sind meine Ziele?

Light Painting ist für mich so viel mehr als das perfekte Ergebnis. Light Painting ist der gesamte Prozess von der ersten verrückten Idee, dem Bau geeigneter Tools über die Suche nach der geeigneten Location bis hin zu den besonderen Erlebnissen und Gefühle während der kreativen Arbeit mit bewegtem Licht. Light Painting ist das Verstehen wie Licht funktioniert; welche ungeahnten Möglichkeiten die kreative Arbeit mit Licht bietet. Mir ist es ziemlich Schnuppe ob das Bild hunderte Likes und dutzende Kommentare in den sozialen Netzwerken bekommt. Mein Light Painting ist gut wenn es mir und den anderen an der Entstehung Beteiligten gefällt. Kunst liegt nicht im Auge das Betrachters, Kunst liegt in der Seele des Künstlers! Und wenn ich der Einzige bin der das Bild versteht, dann ist das eben so.  Der Eitelkeit schadet es aber natürlich nicht wenn den Light Painting Kollegen gefällt was ich so mache, meine Arbeitsweise werde ich deswegen aber sicher nicht dem Geschmack der Kollegen anpassen.

Austausch, Inspiration und gegenseitige Hilfe

Die meisten Light Painting Bilder die man mittlerweile so täglich bei Instagram und Facebook sieht sind eher Mimikri als Kunst. Der große Meister der Lichtröhren zeigt den Kindern wie es geht und hunderte "Light Painter" adaptieren die Technik 1:1 oder versuchen sogar gleich die kompletten Bilder zu kopieren.  Das macht den Beteiligten sicherlich viel Spaß, besonders kreativ ist das allerdings nicht. Als Künstler will ich doch meine eigenen Ideen und Gefühle sichtbar machen und nicht fremde. Solange das nur der Einstieg ins Thema Light Painting ist und sich der Künstler auf dieser Basis selbst weiterentwickelt, ist das allerdings durchaus legitim. Nur wenn der Künstler jeden Tag das gleiche Light Painting macht weil er ja damit sooooo erfolgreich bei Instagram ist kann ich das nicht so recht ernst nehmen. Eine Bereicherung der Light Painting Gemeinschaft ist so etwas jedenfalls nicht.

Man sollte allerdings etwas vorsichtig sein jemand eilig des Kopierens zu verdächtigen und lieber zwei Mal hinschauen. Manchmal haben nämlich einfach auch zwei oder mehr Leute den gleichen Geschmack und ähnliche Ideen.

 

Es ist oft eine Gratwanderung sein Wissen zu teilen ohne Gefahr zu laufen 1:1 kopiert zu werden. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es in den letzten Jahren immer mal wieder "Kopien" gab die mit viel lautem Geklapper erfolgreicher wurden als das Original. Und meist vergessen sie auch nur mit einer Silbe zu erwähnen wer sie "inspiriert" hat. Lange Zeit habe ich mein Wissen ausschließlich in unseren Workshops geteilt um eben dieser Gefahr vorzubeugen. Auf der anderen Seite habe ich den Wunsch die Light Painting Gemeinschaft zu vergrößern und zu stärken. Und dafür ist es eben hilfreich gerade Einsteigern Hilfestellungen zu geben damit sie nicht gleich wieder frustriert aufgeben. Wer gerade frisch auf die Kunstform Light Painting aufmerksam geworden ist bucht gewöhnlicherweise nicht sofort einen Workshop für einige hundert Euro. Das kommt dann erst später. Also versuche ich Einsteigern und manchmal auch erfahrenen Light Paintern Hilfe in Form von Beiträgen für diesen Blog, den Light Painting Blog und auch in verschiedenen Gruppen bei Facebook anzubieten. Alle meine Tricks verrate ich aber auf keiner dieser Plattformen. Außerdem vermeide ich es genaue Bau- oder andere Anleitungen zu veröffentlichen. Wenn dem geneigten Leser schon die Fantasie fehlt mit meiner Hilfe das geeignete Werkzeug zu bauen ist Light Painting dann vielleicht doch nicht das Richtige für sie oder ihn. Es soll nicht darum gehen meine Tools und Techniken 1:1 zu kopieren. Sie sollen nur den ein oder anderen Aha-Effekt auslösen und dem Leser helfen eine für ihn geeignete Lösung zu finden.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mit einigen langjährigen Light Painting Kollegen werden dann auch schon mal die Blaupausen für Tools oder die genaue Arbeitsweise ausgetauscht. Meist nicht so sehr um das Tool dann tatsächlich genau so nachzubauen, sondern eher um die Arbeitsweise und die Ideen des geschätzten Kollegen besser verstehen zu können.

Nun ist es allerdings nicht so, dass ich nicht auch manchmal Hilfe brauche. Ohne den Austausch mit anderen Light Paintern würde ich einige Dinge bis heute noch nicht verstehen. Die auf volles Lichtspektrum umgebauten Nikon D70 und D300 hätte ich ohne den regen Austausch mit Dan Chick vermutlich schon aus dem Fenster geworfen. Er hat sich schon viel länger mit diesem Thema beschäftigt und hat außerdem als Physiker ein besseres Verständnis des Themas. Um nur mal ein Beispiel zu nennen.


Im Light Painting habe ich keine Konkurrenten denen ich etwas wegnehmen will oder die mir etwas wegnehmen könnten. Viele sehe ich als gleichberechtigte Kollegen oder sogar Freunde. Gerne können sie in unseren Koffern kramen und sich alles genau ansehen. Und wenn dann einer mal eines unserer Tools genau nachbaut fühle ich mich genauso geehrt als wenn große Künstler wie Mart Barras oder Pala Teth mit von mir modifizierten Taschenlampen arbeiten. 

 

Viele Light Painting Künstler inspirieren sich gegenseitig, egal ob Einsteiger oder alter Hase. Wenn ich mir jeden Tag dutzende Bilder anderer Light Painter anschaue bleibt immer etwas hängen. Ich renne dann allerdings nicht los und versuche die Technik sofort zu reproduzieren oder das neue Tool des Kollegen gleich nachzubauen. Aber oft fließen dann die verschiedenen Ideen in irgendeiner Weise in meine Arbeit mit ein. Ob nun ganz bewusst oder eher unbewusst sei jetzt mal dahin gestellt. Oft weiß ich nach einem Jahr nicht einmal mehr wer mich zu dieser Idee inspiriert hat. Manchmal weiß ich das allerdings noch ganz genau. Wie zum Beispiel beim Bild oben. Etwas ähnliches hatten Heinz-Jörg Wurzbacher und Garry Krätz vor einigen Jahren mal gemacht.
Wenn ich nicht viele gute Bilder anderer Light Painting Künstler gesehen hätte und immer wieder sehen würde wären mir sicher einige Ideen zur Umsetzung meiner Bilder nicht in den Sinn gekommen. Und ohne die sozialen Netzwerke hätte ich alle dieser Bilder vermutlich nie gesehen... und niemand würde meine Bilder sehen.

Nachteile für die Kunstform Light Painting

Wie oben schon angedeutet sehe ich den größten Nachteil der sozialen Netzwerke, vor allem von Instagram, in der Geilheit vieler Nutzer nach Followern und Likes. Es geht nicht um Kreativität. Es geht nicht um Kunst. Es geht nicht um Light Painting. Diese Leute wollen nur viele Follower und Likes. Sie sind sich nicht zu schade diese Likes mit Mimikri zu bekommen. Wozu das allerdings gut sein soll wird sich mir wohl nie erschließen. 

 

Problematisch wird es wenn man als Light Painting Künstler anfängt zu analysieren welche Bilder "erfolgreich" sind um dann seine Ideen, Arbeitsweise, Farben, Locations oder was auch immer zu verändern um allen Bildern mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das grüne Light Painting hatte letzte Woche doppelt so viele Likes wie das Blaue, also mache ich jetzt mehr grüne Bilder auch wenn das eigentlich gar nicht zu meiner aktuellen Idee und meiner Stimmung passt.

Aus mir völlig unerfindlichen Gründen  bekommen gerade bei Instagram, Bilder, die die Nutzer schon hunderttausend Mal gesehen haben, viel mehr Aufmerksamkeit als neue, spannende, einzigartige Bilder, egal wie gut sie sind.  

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Brandenburger Tor und Fernsehturm gehen immer, unbekannte Locations eher nicht, egal wie sexy sie sind und egal wie gut das Foto davon ist. 

Man muss schon sehr wach und vorsichtig sein um selbst nicht diesem unkreativen, letztendlich völlig bedeutungslosen, Blödsinn zu verfallen. Was habe ich denn von der großen Aufmerksamkeit bei Instagram? Richtig, nichts! Das sind nur Zahlen die keine Bedeutung für das reale Leben haben. Nur weil ich mehr als 100000 Follower habe bin ich noch lange nicht automatisch Millionär. Und ganz sicher bin ich nicht (mehr) besonders kreativ und meiner Kunst, meiner Passion, treu. Applaus ist für alle Künstler wichtig, auf diese Art Applaus kann ich allerdings durchaus verzichten. Vor allem wenn ich vergleiche welche meiner Bilder als großer Print über der Couch von realen "Followern" hängen. Das sind meist nicht die Startseiten-Bilder bei View oder Fotoforum und vor Allem nicht die Light Paintings mit besonders vielen Likes bei Instagram. Und dabei geht es mir nicht vordergründig darum mit dem Verkaufserlös neue Taschenlampen zu kaufen. Viel wichtiger ist das besondere Glücksgefühl, dass einigen Menschen meine Kunst so gut gefällt, dass sie viel Geld ausgeben um damit ihr Zuhause zu schmücken. Mehr kann man als Künstler eigentlich gar nicht wollen.

 

Allerdings sollte man auch nicht zu paranoid sein. Ich habe mich zuweilen schon dabei ertappt bestimmte Bilder nicht umzusetzen oder hochzuladen weil ähnliche Bilder recht erfolgreich in den Netzwerken waren. Letztendlich ist aber auch das kein guter Einfluss auf das eigene künstlerische Schaffen. Man sollte sich als Künstler treu bleiben und seine Ideen genau so umzusetzen wie man sie im Kopf hat, völlig unabhängig davon wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Light Painting bei Instagram "durch die Decke geht". 

 

Was mir auch nicht so recht verständlich ist warum Aktfotografen ihre Bilder mit Sternchen, Balken oder womit auch immer verunstalten. In den wenigsten Fällen gelingt eine "unauffällige" Retusche. Wenn das Bild mit Sternchen über den Nippeln geplant war dann klebe ich dem Model die Sterne gleich ans Gesäuge und verkaufe das als Burlesque und bastel das nicht für die "Facebook-Variante" am Computer ins Bild. Man kann diesen kranken Blödsinn in den Regeln von Fratzenbuch und Instagram ja Scheiße finden wie man will, es nutzt nur genau gar nichts sich darüber aufzuregen. Facebook und Instagram werden diese Regel nicht abschaffen. Wenn ich ausschließlich, oder hauptsächlich unbekleidete Damen ablichten würde hätte ich keinen Account bei Instagram. Wozu auch? Aber Konsequenz wird ja in der heutigen Zeit immer unpopulärer.

 

Warum ich überhaupt meine Light Painting Bilder bei Instagram poste wenn das alles so fürchterlich ist? Weil ich die Hoffnung habe nur echte Follower und echte Likes zu bekommen, jedenfalls schleime ich mich dort bei niemandem ein damit er mir folgt. Weil ich mit meinen Bildern die Kunstform Light Painting populären machen will. Weil ich zeigen will was kreative Arbeit mit Licht ist. Und wenn auch nur 5 meiner aktuell 1400 Follower vom Virus Light Painting durch meine Bilder angesteckt werden hat sich der Aufwand gelohnt.

 

Weniger stark sind diese Phänomene auf den anderen Online-Galerien wie flickr oder 500px ausgeprägt. Dort bin ich nicht so schnell gelangweilt vom sieben-tausendsten Stahlwolle-Bildchen. Dort wollen die meisten Nutzer ihre eigenen Bilder zeigen und nicht die Kopie der Kopie der Kopie. Für die Like-Geilen sind flickr und 500px glücklicherweise nicht hip genug. Dort funktioniert der Mimikri-Plan nicht so gut. Und außerdem ist es sowohl bei flickr als auch bei 500px wahnsinnig gefährlich weil Mark Zuckerberg nicht peinlich darauf achtet, dass ich keine weiblichen Brustwarzen zu sehen bekomme. Das könnte schließlich schwerste Traumata auslösen. 

Was können die verschiedenen Plattformen, was nicht?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Facebook

Facebook hasst jeder, oder? Ich hab noch nie jemanden sagen hören, dass Facebook toll wäre. Alle regen sich auf, dass irgendwelche Algorithmen zur Anzeige der Beiträge geändert wurden, dass Facebook sich einen Dreck um Datenschutz kümmert usw.. Aber irgendwie sind "alle" bei Facebook angemeldet und mehr oder weniger aktiv. 

Eigentlich ist das ganz einfach:
1. Facebook kostet nix. Wenn irgendwas für umme ist rege ich mich nicht auf, dass mir irgendwas grundsätzliches nicht passt. Mich zwingt ja schließlich niemand dazu mitzumachen.

2. Datenschutz. Auch ganz einfach. Ich poste dort ausschließlich Sachen, die ich jedem mir unbekannten Menschen auf der Straße auch erzählen oder zeigen würde.


Wer reich illustrierst über den sauber abgekniffenen Stuhl des Erstgeborenen berichtet hat den Knall nicht gehört. Man postet keine Bilder  seiner Kinder im Internet! Es sei denn sie sind alt und schlau genug um die Folgen zu überblicken und Mutti und Vati haben vorher artig gefragt. Sie suchen schließlich später den Platz im Geronten-Aufbewahrungs-Container für Mutti und Vati aus.

3. Ach nee... das mit den Titten hatten wir oben schon.

4. Facebook sieht Scheiße aus! Aber sowas von... Als visueller Künstler kommt mir regelmäßig das Abendbrot von vorgestern hoch wenn ich die Seite auf mich wirken lasse. Aber Facebook will auch gar keine ansprechende Online-Galerie für Künstler sein.

5. Die Wahrscheinlichkeit, dass Du diesen Artikel hier nur liest weil Du den Link bei Facebook angezeigt bekamst ist sehr hoch. Ohne Facebook hätte ich geschätzt nur ein Drittel so viele Leser. Geschätzt die Hälfte unserer Workshop Teilnehmer buchen die Workshops weil ich diesen bei Facebook geteilt habe. Ob nicht auch ohne Facebook alle Plätze des Workshops gebucht werden würden vermag ich nicht zu beurteilen, aber das Verbreiten auf Facebook nutzt mir jedenfalls etwas.

6. Facebook ist völlig ungeeignet um seine Bilder aussagekräftig, fundiert und konstruktiv kritisieren zu lassen. Die Anzahl der Likes sowie die Anzahl und Art der Kommentare ist oftmals völlig emanzipiert von der Qualität des Light Painting Bildes. Meist beschränken sich die Kommentare ausschließlich auf Lobhudelei oder Herabwürdigung. Nur in sehr seltenen Fällen liest man konstruktive Kritik. Ich habe mir das auch irgendwann abgewöhnt. Viele Künstler wollen so etwas nicht lesen und sind dann beleidigt. Vielen Menschen kommt überhaupt nicht in den Sinn ihre Arbeit zu verbessern indem sie Kritik annehmen. Komische neue, digitale Welt...

Instagram

Ich habe es aufgegeben verstehen zu wollen wie Instagram funktioniert. Die fundamentalen Ideen "Follow for Follow" und "Like for Like" sind mir so was von fremd. Da wird dann ein neuer Follower angezeigt damit man ihm auch folgt und dann drückt das Pufferhirn wieder auf "unfollow".

Da kann man sich dann Follower, Likes und Kommentare kaufen. Ja, tatsächlich, für reales Geld bekommt man bedeutungslose, wertlose, Follower und Likes. Kommentare sehen meist so aus: ⚡⚡⚡  👍⭐⭐ Was soll dieser Scheiß? Nur weil ich viele Follower habe bekomme ich noch lange nicht irgendwelche Aufträge, schon gar nicht wenn ich den Auftrag nicht ausführen kann weil ich keine Ahnung vom Thema habe. Und selbst wenn, will der Auftraggeber gewöhnlich kein Geld ausgeben, wie ich in jüngster Zeit selbst wieder einmal erleben durfte. Die große Agentur sucht für einen riesengroßen Auftrag (ein großer Autobauer) einen Light Painter. Bezahlen wollen sie aber nur 2,50€, oder besser gar nichts. Solche Anwandlungen wäre ohne Instagram kaum denkbar. Ich hoffe, sie suchen immer noch... bis sie schwarz werden! 

Miyuki Matsunaga @ Japan Festival Berlin 2017
Miyuki Matsunaga @ Japan Festival Berlin 2017

Ich folge Profilen weil ich tatsächlich die Bilder sehen will. Ich drücke zweimal auf ein Bild wenn es mir gefällt. Ich schreibe einen Kommentar wenn ich was zu sagen haben. Und das Gleiche erwarte ich andersrum. Bin ich deshalb geisteskrank? Muss ich in die Klappsmühle? Oder bin ich einfach zu alt für Instagram?

Ob Instagram einen realen Nutzen für die Stärkung der Light Painting Community hat vermag ich nicht zu beurteilen. Das ganze Medium ist dafür vermutlich viel zu schnelllebig. Da aber das Teilen eines Bildes mit dem Smartphone von flickr zu Instagram inklusive kopieren von 30 Tags nur 11,358 Sekunden dauert kann man ja versuchen auch über diese Plattform ein paar neue Light Painting Junkies zu rekrutieren. 

Flickr und 500px

500px bedient ausschließlich das Thema Fotografie, flickr lässt auch Digital Art und andere Kunst zu. Wenn ich einen Anhaltspunkt haben will ob mein Bild nicht nur mir alleine gefällt lade ich es bei flickr und 500px hoch und schau dann nach ein paar Tagen wie viele Leute es als Favorit markiert und kommentiert haben. Die "Qualität" dieser Bewertung ist meiner Meinung nach eine ganz andere als bei Instagram oder auch Facebook weil dort einerseits fast ausschließlich andere Fotografen und Künstler unterwegs sind und weil sich diese mehr Zeit nehmen um die Bilder zu betrachten. 

Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Plattformen ist die "Kurzlebigkeit" von 500px. Nach 24 Stunden sinkt die Zahl der Aktivitäten für das hochgeladene Bild rapide ab. Bei 500px wird für jedes Bild der sogenannte Pulse angezeigt. Um so höher dieser, desto mehr Aktivitäten gab es von anderen Nutzern für dieses Bild. 

Bei den Fickr Pro-Accounts hat man die Möglichkeit eine Statistik der Aktivitäten anzeigen zu lassen (siehe Bild).  

Wie aussagekräftig diese "Messungen" sind hängt von vielen Faktoren ab. Wochentag, Uhrzeit, Wetter, Anzahl der Follower... Ein Bild, dass bei Flickr Explore gezeigt wird bekommt automatisch viel Aufmerksamkeit auch wenn es kein Meisterwerk ist.


Man sollte, wie schon weiter oben geschrieben, keine Konsequenzen für seine zukünftige Arbeit aus diesen Zahlen ziehen. Es sind nur Zahlen. Ich kann nicht in die Köpfe und Herzen meiner Follower schauen. Ich kenne also ihre Motivation mein Bild zu kommentieren oder zu ihren Favoriten hinzuzufügen in den allermeisten Fällen nicht. Was sich allerdings meiner Meinung nach gut ablesen lässt ist die eigene "Qualitätssteigerung" über einen längeren Zeitraum. Ich weiß auch ohne irgendwelche Statistiken, dass ich heute bessere Light Painting Bilder mache als vor 5 Jahren. Das ist schließlich auch genau der Plan - immer bessere Light Paintings machen. Als zusätzliche Bestätigung und Messung taugen Instrumente wie Pulse bei 500px und die Statistiken bei Flickr durchaus. 

Den Applaus durch Kommentare, Favoriten und Pulse nehme ich bei diesen Plattformen gerne als solchen an. Nach meinen Erfahrungen geht es bei Flickr und 500px nicht so sehr ums Einschleimen um selbst Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn mir jemand folgt bleibt er in den allermeisten Fällen mein Follower auch  wenn ich ihm oder ihr nicht "zurück folge".  Fazit: meine Follower sind interessiert an meiner Kunst.

 

Die "beliebten Fotos" bei 500px beschränken sich in 99% der Fälle auf die technische Qualität. Gezeigt werden dort fast ausschließlich Piepmätze, leicht oder unbekleidete junge Damen, Makroinsekten mit "Tautropfen", niedliche Tierbabys, Polarlichter... alles "perfekt" bearbeitet und glatt gebügelt. Die meisten Bilder nehmen mich nicht mit, sie erzählen keine Geschichte, sie erzeugen kein Gefühl, sie sehen einfach nur nett aus und sind dabei völlig belanglos und austauschbar.  Die "beliebten Fotos" sehen irgendwie jeden Tag gleich aus, ich könnte jedenfalls nicht sicher sagen ob dieses oder jenes Bild nicht schon letzte Woche gezeigt wurde.

 

Ganz anders bei Flickr Explore. Die meisten Bilder sprechen mich dort zwar auch nicht an aber zumindest werde ich nicht täglich mit dem fünftausendsten austauschbaren Bild des Eisvogels genervt. Dort gibt es tatsächlich dem Namen entsprechend so einiges zu entdecken wenn man denn was Neues entdecken will. 

 

Eine wichtige Rolle spielen bei Flickr die Gruppen. Ohne die Light Painting Gruppen, vor allem die 2008 von Trevor Williams gegründete Gruppe "Light Junkies" wären wohl viele Light Painter der heutigen Zeit nie auf das Thema Light Painting aufmerksam geworden. In den meisten Light Painting Gruppen gibt es dann tatsächlich auch nur zum Thema Light Painting passende Bilder zu sehen. Die Gruppenmitglieder sind höchstwahrscheinlich wirklich am Thema interessiert und haben ein gewisses Verständnis was Light Painting ist. 

Die lokalen Seiten - Fotoforum, View, Heise, Fotocommunity

Die Reichweite ist natürlich nicht annähernd so groß wie bei den großen internationalen Seiten. Die Light Painting Gemeinschaft ist zwar in Deutschland recht groß, aber so viel kann man in den deutschen Communities nicht erwarten. Die Fotocommunity war bis vor einigen Jahren eine recht angenehme Plattform zum Austausch mit gleichgesinnten. Leider sind diese Zeiten vorbei. In der Galerie sind seit einiger Zeit auch wieder einige interessante Bilder zu sehen, das meiste ist allerdings ebenso belanglos wie bei 500px, glatt gebügelt und austauschbar. Die "Geschäftsidee" der fc finde ich sehr befremdlich. Man versucht die Mitglieder zu einem Bezahl-Account "zu motivieren" indem man die Anzahl der Bilder auf 100 beschränkt, ihnen den Zugang zu den Tittenbildern verwehrt und die Teilnahme am Voting verbietet anstatt ihnen tatsächlich einen Mehrwert zu bieten. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Davon abgesehen sind in der fc viele Klugscheißer und Trolle unterwegs, die nicht den blassesten Schimmer haben was Light Painting ist aber trotzdem irgendwelche sinnfreien, respektlosen, herabwürdigen Kommentar abgeben. Für Auseinandersetzungen mit diesen Zeitgenossen fehlt mir die Zeit und der Nerv. Aus diesem Grund habe ich meinen Bezalh-Account vor einigen Jahren gekündigt. Etwas wehmütig war ich allerdings schon. Schließlich war die Light Art Gruppe in meinen Anfangszeiten als Light Painter eine ähnlich große Inspiration wie die Light Junkies bei Flickr.

Beim Fotoforum dagegen bekomme ich für die Bezahl-Mitgliedschaft das meist sehr lesenswerte Fotoforum Magazin zugesandt und kann kostenlos an allen Wettbewerben teilnehmen. Hier ist die Anzahl der Fotos auch im Free Account unbegrenzt, der Upload aber auf 1 Bild pro Woche beschränkt. Aber mal ehrlich, wer macht schon mehr als ein wirklich zeigenswertes Bild pro Woche? Da sucht man dann einfach viel sorgfältiger aus was man hochlädt. Mit meinem Premium Acoount könnte ich zwar 20 Bilder pro Woche hochladen, aber mehr als 3 habe ich dort noch nie in einer Woche gepostet. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Und wenn man bei einem der Wettbewerbe einen der ersten Preise gewinnt hat man die Kosten für die Mitgliedschaft für ein paar Jahre "gespart". 

 

Bei View bekommt das Thema Light Painting recht viel Aufmerksamkeit. Bisher waren 25 meiner Bilder auf der Startseite. Auch die Light Painting Bilder der Kollegen sieht man recht häufig auf der Startseite. Solche Bilder schauen sich dann schon mal 1000 Leute an diesem Tag an. Für eine deutschsprachige Seite ist das schon recht beachtlich. 

 

Bei Heise Foto lade ich zuweilen auch das ein oder andere Light Painting hoch. Die Reichweite ist dort nicht besonders groß. Aber sicher gibt es auch dort einige Menschen, die sich für das Thema Light Painting interessieren.

 

Im Vergleich zu den internationalen Seiten ist die Reichweite naturgemäß kleiner. Aber einige Leute werden sich auch dort auf das Thema Light Painting aufmerksam.


Es gibt noch mehr soziale Netzwerke und Foto Communities. Aber wer kann die schon alle regelmäßig bedienen? Ich schaffe das jedenfalls nicht. 

Gerne kannst Du schauen was ich auf den verschiedenen Plattformen so mache. Klicke einfach auf die Bildchen:


Allzeit gutes Licht
Sven

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Kommentare: 4
  • #1

    Ivan (Sonntag, 24 Februar 2019 23:44)

    Ich kann dir bei fast allen Punkten zustimmen, gefällt mir sehr gut das du die passenden Worte gefunden hast.

  • #2

    Frank (Montag, 25 Februar 2019 09:06)

    Es kommt darauf an, wer diese Frage stellt. Ist es ein Fotoamateur, ambitionierter Hobbyfotograf oder selbständiger Fotograf (natürlich beziehe ich das weibliche Geschlecht mit ein)? Die selbständigen Fotografen/innen müssen Geld verdienen und werden diese Medien nutzen (müssen). Je mehr Accounts diese haben, desto weniger Zeit bleibt für das Fotografieren übrig. Auch mich erschlägt die Masse von Fotos, weshalb ich in der fc kaum noch vorbeischaue. Bei fb oder instagram kann ich selbst entscheiden, was mir gefällt und wem ich folge. Und wenn ich wieder Lust verspüre, pflege ich meinen eigenen Webauftritt. Das alles mache ich ohne Zwang und wenn mich mal ein Thema besonders interessiert, schaue ich mir ein paar Videos auf Youtube an und lege los.

  • #3

    Mario La Greca (Montag, 25 Februar 2019 09:44)

    Hallo Sven,
    wer sich bis hierhin alle Deine Beiträge auf Deiner Seite sorgfältig durchgelesen hat, der kann Deine Gedanken über dieses Thema mit Sicherheit voll verstehen. Hier sieht man wie wichtig Dir das Thema Lightpainting ist und wie ich finde, schreibst Du ehrlich und in Echtzeit die Wahren Probleme und Tücken über die Plattformen. Dein Vorteil ist, dass Du schon länger dabei bist und die gesamte Lightpainting Entwicklung eher beurteilen kannst. Bisher habe ich alle Deine Beiträge gelesen und finde , dass Du immer den Nagel auf den Kopf triffst. Bisher habe ich auf allen angesprochen Kanälen noch keinen getroffen, der sich die Zeit und die Mühe gemacht hat, so einzubringen . Ich sage von meiner Seite aus vielen Dank, dass ich daran teilhaben darf. Ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag hier auf lichtkunstfoto. Liebe Grüße
    Allzeit gutes Licht �
    Mario

  • #4

    Sven Gerard (Montag, 25 Februar 2019 13:40)

    Vielen Dank für eure Kommentare.
    @Frank: Ich denke eher, dass die Frage ist, ob ich mich mehr als handwerklicher Fotograf oder als Künstler sehe. Wenn ich handwerklich arbeite muss ich den potentiellen Kunden mein Können präsentieren sonst buchen sie mich nicht. Und dann bin ich sicher auch aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen meine Arbeiten an den sich wandelnden Geschmack der Kunden anzupassen. Das ist ja auch absolut legitim solange ich mich selbst dabei nicht völlig verbiege.
    Wenn man allerdings einen ausschließlich künstlerischen Anspruch an seine Arbeit hat sollte man genau das lieber nicht tun und sich treu bleiben, egal ob man im Moment erfolgreich ist oder nicht. Geld verdienen ist als Künstler ohnehin nicht gerade einfach und planbar.
    Als Amateur, ohne jegliche Anwandlungen mit seiner Kunst Geld verdienen zu wollen, hat man es allerdings schon etwas einfacher. Dann bin ich wirklich frei und kann ausschließlich das machen wonach mir der Sinn steht... es sei denn ich bin süchtig nach virtuellem Erfolg in Form von Likes.

    @Mario: Sehr gerne Mario. Es freut mich sehr in Dir so einen treuen Leser meiner Artikel zu haben. Manchmal hab ich so meine Zweifel ob sich überhaupt jemand die Mühe macht meine Artikel, gerade solche ausführlichen, zu lesen. Vor allem dann, wenn sie gerade kein Tutorial oder HowTo mit direktem Bezug zum Thema Light Painting sind.