Light Painting mit Ultraweitwinkelobjektiv

Kurz, kürzer und noch kürzer

Der Bagger im Bild ist groß, sehr groß. Nach hinten ist nicht unbegrenzt Platz. Das Bild hätten wir mit einer längeren Brennweite so nicht umsetzen können. Aufgenommen haben wir dieses Light Painting mit einer Brennweite von 14 mm an der Nikon D750. Der Bildwinkel liegt bei dieser Linse bei 114°. 

Möglichst viel ins Bild zu bekommen ist allerdings nur ein Grund für die Verwendung von Ultraweitwinkelobjektiven. Im Light Painting ist es durchaus sehr nützlich wenn der Abstand zwischen Kamera und Lichtquelle möglichst gering ist. Licht nimmt, wie alle anderen Wellen auch, mit der Entfernung quadratisch ab. Wenn hier also der Abstand zum Bagger doppelt so groß wäre würde sich die Belichtungszeit bei der Verwendung der gleichen Lampen und der gleichen Arbeitsweise deutlich verlängern. 

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Alternativ könnte man natürlich die Blende öffnen, das hätte dann allerdings Auswirkungen auf die Tiefenschärfe im Bild. Die dritte Möglichkeit, die Erhöhung des ISO-Wertes, ist bei langen Belichtungszeiten keine gute Idee. Das Bildrauschen würde zunehmen. Das Ergebnis wird meist besser wenn man 10 Minuten bei ISO 100 belichtet als 2,5 Minuten bei ISO 400. Das ist allerdings sehr stark von der eigenen Kamera abhängig und keine grundsätzlich geltende Regel. Einige Kameras habe ich vor einiger Zeit auf ihr Rauschverhalten getestet. Den Artikel dazu findest Du hier.

Definition Weitwinkel

Diese Definition gilt nur für Aufnahmemedien im Kleinbildformat (36*24 mm). Als Normalbrennweite werden Objektive bezeichnet die dem natürlichen Blickwinkel des menschlichen Auges beim Betrachten einer Szene entsprechen, dieser liegt bei 40° bis 55°. Die Normalbrennweite entspricht der Diagonale des Aufnahmemediums. In unserem Fall sind das rechnerisch 43,3 mm was einem Bildwinkel von 53,13° entspricht. Eingebürgert hat sich allerdings eine etwas längere Brennweite von 50 mm als Normalobjektiv. Das entspricht einem diagonalen Bildwinkel von 46,8°. 

Brennweiten länger als 80 mm werden als Teleobjektiv bezeichnet. Kürzere Brennweiten als 35mm gelten als Weitwinkelobjektiv. Als moderate Weitwinkel werden Objektive mit Brennweiten zwischen 35 und 24 mm bezeichnet. Verbreitete Objektive in diesem Bereich sind 35 mm mit einem Bildwinkel von 63°, 28 mm mit einem Bildwinkel von 75° sowie 24 mm mit 83° Bildwinkel. Alle kürzeren Brennweiten werden als Ultra- oder gelegentlich Superweitwinkel bezeichnet.

Verbreitete Brennweiten sind hier 21 mm (92°), 18 mm (100°), 15 mm (110°), 14 mm (114°) sowie 12 mm (122°). Da bei Spiegelreflexkameras der Platz für den Spiegel frei gehalten werden muss und sich somit das Objektiv nicht beliebig nah an die Aufnahmeebene bringen lässt ist die Konstruktion solcher kurzen Brennweiten sehr aufwändig. Das meines Wissens nach aktuell kürzeste verzeichnungsfreie Objektiv für Spiegelreflexkameras ist das Samyang 10/3,5 mit einem diagonalen Bildwinkel von sagenhaften 130°. 

 

Zu den Weitwinkelobjektiven gehören darüber hinaus Fisheye-Objektive. Das geht dann noch kürzer. Das Objektiv mit der bislang kürzesten Brennweite für das Kleinbildformat ist das Nikon 6mm/f2,8 mit einem Bildwinkel von 220°. Das Ding kann also einen Bereich hinter der Aufnahmeebene fotografieren, Selfie hinter der Kamera sozusagen.

Zoom oder Festbrennweite?

Ein Objektiv kann der Hersteller bei der Rechnung und der Herstellung immer nur auf eine Brennweite, eine Blende und eine Entfernung optimieren. Die Abbildungsleistungen nehmen ab wenn man von diesen optimalen Werten abweicht. Gewöhnlicherweise wird der Hersteller also das lichtstarke Objektiv auf die beste Darstellung bei Blende 4 oder 5,6 optimieren. Bei größeren Blenden werden die Abbildungsleistungen oft sichtbar schwächer, Schärfe und Kontrast nehmen ab. Bei kleineren Blenden wird bei den meisten Objektiven aufgrund der größeren Schärfentiefe die Schärfe nicht sichtbar abnehmen.

Die meisten Objektive werden auf die beste Abbildungsleistung bei Entfernungen kurz vor unendlich optimiert. Einzig bei Makro-Objektiven wird der Hersteller das Objektiv so konstruieren, dass die größte Schärfe im Nahbereich liegt.


Ein Zoomobjektiv kann nur auf eine Brennweite optimiert sein, meist wird das die Brennweite sein, die genau in der Mitte liegt. Das unten erwähnte Nikkor 17-35 hat also die größtmögliche Schärfe bei einer Brennweite von ca. 26mm. Wenn ich also mit kürzeren Brennweiten arbeite werden Schärfe und Kontrast abnehmen. Der Effekt wird stärker umso weiter ich von der mittleren Brennweite abweiche. Aus diesem Grund sind Objektive mit großen Brennweitenbereichen, wie 18-300, kaum zu gebrauchen und meist die 2,50€, für den Karton in dem sie eingepackt sind, nicht wert. Bei relativ kleinen Zoombereichen und guter, sauberer Konstruktion des Objektivs ist die Verschlechterung der Abbildungsleistung beim Betrachten der Bilder meist überhaupt nicht sichtbar. Auch auf dem 3 Meter großen Print sieht das Bild mit 17mm Brennweite nicht schlechter aus als das mit 26mm. Irgendwelche Messwerte geben zwar einen ersten Anhaltspunkt sagen aber oft nicht viel über die tatsächliche Qualität des Ergebnisses aus.

Von der geringeren Schärfe abgesehen werden die meisten Zoom-Objektive eine stärkere Verzeichnung und Vignettierung aufweisen als Festbrennweiten, die im Brennweitenbereich des Zooms liegen, besonders, wenn die Anfangsbrennweite des Zommobjektivs sehr kurz ist.

Wenn ich also ergebnisorientiert arbeiten will und mir eine hohe Abbildungsqualität wichtig ist weil ich von meinen Bildern große Prints herstellen will werde ich immer zur Festbrennweite greifen und das Zoomobjektiv in der Tasche lassen.

Welche Objektive befinden sich in unserer Tasche?

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Laowa 12mm/f2,8

Der chinesische Hersteller Venus Optics baut mit dem Laowa 12mm/f2,8 eines der besten Ultraweitwinkelobjektive. Der Preis von ca. 1200€ ist zwar kein Schnäppchen, bisher habe ich den Kauf aber noch keine Sekunde bereut. Das Objektiv besteht aus Metal und Glas, einzig der recht merkwürdige Objektivdeckel ist aus Kunststoff. Das Teil fühlt sich so an als könnte man viele Jahre uneingeschränkte Freude damit haben. Nichts wackelt oder klappert, Blendenring und Fokus laufen absolut sauber und butterweich.

Das Versprechen des Herstellers "Zero D", also keine Verzeichnung, erfüllt das Objektiv voll und ganz. Ich hätte das vorher nicht für möglich gehalten, dass eine derart kurze Brennweite keine sichtbare Verzeichnung aufweist.  


Die Abbildungsleistungen des Laowa sind über jeden Zweifel erhaben. Selbst bei offener Blende ist die Schärfe bis in die Ecken sehr gut, wie im Beispielbild gut zu sehen ist. Auch an der undefiniert umgebauten Nikon D300 in Verbindung mit Infrarotfiltern macht das Objektiv eine gute Figur.  

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Möglichkeit Filter montieren zu können. Bei Ultraweitwinkelobjetiven ist das meist nicht so einfach oder gar unmöglich. Venus Optics bietet zwar selbst einen passenden Filterhalter für das Laowa an, ich habe mich allerdings für den Halter von Nisi entschieden weil mir die Bedienung und Verarbeitung besser gefielen. Inklusive passendem Polarisations-filter kostet der Halter ca. 140€. Neben dem Polfilter lassen sich noch 2 100 x 100 mm Filter vor der Optik befestigen.

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Das Laowa ist komplett manuell, kein Autofokus, keine elektronische Blendeneinstellung, keine elektronische Übertragung irgendwelcher Daten an die Kamera. Auf den Autofokus und die Blendeneinstellung durch die Kamera kann ich verzichten, dieses benutze ich ohnehin nie. Was allerdings manchmal ganz hilfreich ist, wenn im Bild die Blende, mit der es aufgenommen wurde, gespeichert wäre. Aber wirklich wichtig ist auch das nicht, bei Bedarf notiere ich mir das.

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Samyang 14mm/f2,8

Das Samyang wird ebenso wie das Laowa ohne Autofokus gefertigt. Die Verarbeitung ist zwar nicht auf dem Niveau des Laowa oder dem von Herstellern wie Zeiss oder Meyer Optik Görlitz, für den recht geringen Preis von ca. 400€ aber akzeptabel. 

Optisch ist dieses Objektiv recht gut. Bei offener Blende bildet es an den Rändern recht unscharf ab, Abblenden auf f5,6 bringt hier eine deutliche Verbesserung. Die recht starke Verzeichnung lässt sich zwar am Computer korrigieren, beim Beispielbild verwandelt die Linse den runden Orb trotzdem in ein Ei. 

Gerne verstellt sich beim Samyang der "Anschlag" für den Fokus. Nach ca. 2 Jahren war bei meinem Exemplar ∞ bei 0,7m. Das lässt sich einfach neu justieren aber so etwas nervt natürlich.


Für das Samyang ist ein Filterhalter für die Verwendung von 150 x 150mm großen Filtern erhältlich. Für ca. 20€ bekommt man dann einen billigen, schlecht sitzenden Halter aus Kunststoff. Filter in dieser Größe sind schlecht erhältlich und meist alles andere als ein Schnäppchen. Polfliter lassen sich damit überhaupt nicht verwenden. Weil es keine Infrarotfilter in dieser Größe gibt, jedenfalls konnte ich bisher keine finden, kann ich keine Aussage über die Tauglichkeit dieses Objektivs in der Infrarotfotografie treffen. 

 

Als Alternative zum Samyang und auch dem Sigma aus dem nächsten Abschnitt fällt mir nur das Zeiss Distagon 15/2,8 oder das neuere Milvus ein. Wobei Letzteres nicht über einen Blendenring verfügt. Sicher sind diese Linsen keine Schnäppchen, aber dafür erhält man Abbildungsleistungen, die dem Laowa 12/2,8 mindestens ebenbürtig sind. Eventuell wäre das Irix 15/2,4 ebenfalls eine gute Alternative, allerdings habe ich dieses Objektiv noch nicht in den Fingern gehabt und kann somit wenig über die Qualität sagen.

Sigma 14mm/f2,8

Noch schlimmer sieht es bei dem alten Sigma 14/2,8 aus, für dieses Objektiv gibt es keine Möglichkeit Filter zu montieren. Die Abbildungsleistungen sind dem Samyang recht ähnlich, bei offener Blende sind Ränder und Ecken sichtbar unscharf.

Das Sigma wurde in den 1990er Jahren gebaut. Das Gehäuse besteht aus Metal und macht einen langlebigen Eindruck. Der Eindruck bestätigte sich, ich benutze das Objektiv schon viele Jahre. Einzig die verbaute Elektronik hat vor einigen Jahren den Geist aufgegeben. Wie bereits weiter oben erwähnt ist das für die Arbeit im Light Painting aber unerheblich. 

Gelegentlich taucht mal ein Exemplar bei ebay auf. Für 200 bis 300€ gehört das Schmuckstück dann Dir.

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Nikkor 17-35mm/f2,8

Na ja, was will man zu diesem Objektiv groß sagen... Das Nikkor 17-35/2,8 ist das einzige Zoom-Objektiv, was aktuell noch gebaut wird und über einen Blendenring verfügt. Das Nikkor stecke ich beim Light Painting eigentlich nur an die Kamera wenn ich während der Belichtung am Zoom drehe. Die Abbildungsleistung ist für ein Zoom-Objektiv wirklich gut, allerdings von den meisten Festbrennweiten doch noch ein Stück entfernt. 

Im Gegensatz zu den neueren Plastik-Objektiven ist das 17-35 für die Ewigkeit gebaut, einzig der Ultraschallmotor gibt gerne mal den Geist auf, wie bei meinem Exemplar. Auf der anderen Seite trägt das 17-35 ganz schön auf und bringt doch einiges an Gewicht auf die Schultern des geplagten Light Painters.


Der Fantasiepreis von ca. 1800€ dürfte allerdings die meisten Interessenten abstoßen. Bei ebay  finden sich regelmäßig Angebote für gut erhaltene Exemplare zu Preisen zwischen 500 und 800€. Ein Nikkor 17-35 mit kaputtem Ultraschallmotor findet man auch schon mal für 300€. Das Objektiv hat ein 77mm Filtergewinde, somit lassen sich alle möglichen Filter und Filterhalter uneingeschränkt verwenden. In der Infrarotfotografie macht das Nikkor eine wirklich gute Figur, kaum Fokus-Abweichung und keine Hotspots.

Wer nur ein Objektiv im Light Painting verwenden will ist mit dem Nikkor 17-35 wirklich gut bedient. Für die anstrengende Wanderung mit möglichst wenig Gepäck ist dieses Objektiv jedenfalls die erste Wahl. 

Die einzige, mir halbwegs sinnvoll erscheinende, Alternative wäre das alte Nikkor 20-35/2,8. Allerdings gibt es die Dinger nicht gerade wie Sand am Meer, und meist auch nicht für Preise unter 500€ für ein gut erhaltenes, gebrauchtes Exemplar. 

 

Vergleichbare Objektive wie das Canon 16-35/2,8, Sigma 18-35/1,8, Tokina 17-35/4, Tamron 15-30/2,8, Nikkor 12-24 usw. verfügen nicht über Blendenringe. Somit entfällt die Möglichkeit die Blende während der Belichtung verändern zu können. Die Preise sind zum Teil noch höher als für das Nikkor 17-35. Die meisten alten Zoom-Objektive mit Blendenring weisen eine für heutige Maßstäbe inakzeptable Abbildungsleistung auf.

Fazit

Mit dem Laowa 12mm/f2,8 gelingen Light Painting Bilder auf hohem technischen Niveau. Keine sichtbare Verzeichnung, bereits bei offener Blende hervorragende Schärfe über den gesamten Bildbereich sowie excellente Verarbeitung lassen einen den recht hohen Anschaffungspreis leicht und schnell verschmerzen. 

Als gutes Zoomobjektiv eignen sich Nikkor 17-35 oder das fast verzeichnungsfreie Nikkor 20-35 ebenfalls gut für die Arbeit im Light Painting. Wer auf einen Blendenring verzichten kann macht mit dem recht günstigen Tokina 17-35/4 nicht viel falsch. Das Tokina 12-24/4 für das kleinere DX-Format macht ebenfalls eine gute Figur. Diese Linse habe ich viele Jahre ohne Probleme in den abgerocktesten Lost Places benutzt.

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht.
Sven

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Kommentare: 2
  • #1

    Ralf Koplin (Sonntag, 19 Mai 2019 01:47)

    Hallo Sven,
    dieser Beitrag ist wie immer interessant und aufschlussreich. Wirklich großartig!

    Eine Frage habe ich dennoch. Wie sieht es mit dem Walimex Pro 24mm 1:1,4 Objektiv aus? Ich habe gehört, dass diese baugleich mit dem Samyang 24/1,4 Objektiven sein sollen. Stimmt das?
    Im Augenblick würde man beim Kauf eines Walimex über 100 Euro sparen.

  • #2

    Sven Gerard (Sonntag, 19 Mai 2019 07:36)

    Hallo Ralf,
    es freut mich, dass Dir der Beitrag Erhellung brachte.
    Die Firma Samyang vertreibt ihre Objektive unter verschiedenen Markennamen wie Rokinon, Bower, Vivitar, Prakticar, Opteka und, vor allem in Deutschland, Walimex. Die Objektive sind also baugleich. Der Firmensitz der Firma Walser, der Inhaberin des Markennamens Walimex, ist in Deutschland. Im Garantiefall hast Du mit dem Walimex sicher bessere Karten als mit dem Samyang.

    Allgemein ist allerdings die Serienstreuung bei diesen Objektiven recht hoch und die Qualitätskontrolle nicht die Beste. Wenn Du auf den Blendenring verzichten kannst und noch 250€ zusätzlich in der Geldbörse hast wäre das Sigma 24/1.4 sicher eine gute Alternative. https://amzn.to/2HAcaeR

    Allzeit gutes Licht
    Sven