6000 Lumen für die Hosentasche

Sofirn SP36 - die ultimative Light Painting Taschenlampe ?

Light Painting Sofirn SP36

Zugegeben, in der Hosentasche trägt die Lampe etwas auf aber sie passt, zumindest in meine Hosentasche, hinein. Die Lampe wiegt inkl. Akkus 429g, sie ist 126mm lang und hat einen Durchmesser von ca. 50mm.

 

Im Kopf sind 4 Cree XPL-L2 Led's verbaut. Die vom Hersteller angegeben 6000 Lumen klingen nicht nur brachial, sie sind auch brachial. Zumal in der Realität diese 6000 Lumen noch übertroffen werden.

Ebenso wie die kleine Schwester Q8 mit "nur" 5000 Lumen stammt das ursprüngliche Design aus dem Budget Light Forum.

Die Lampe ist gut verarbeitet, besser als man bei dem geringen Preis erwarten würde. Durch die Konstruktion mit dem breiten flachen Hinterteil steht sie auch auf nicht ganz ebenen Flächen sicher. 

Geliefert wird die Lampe in einem schlichten Karton mit 3 18650 Akkus, einem USB-C Ladekabel, Ersatzdichtungen und einer Bedienungsanleitung. Ein Lesen dieser ist nicht nur für alte, halbblinde Menschen wie mich wegen der mikroskopisch kleinen Schrift ein Zumutung. Die Anleitung als gut lesbares PDF findest du hier.


Es werde Licht!

Direkt nach dem Einschalten haut die SP36 sagenhafte 6600 Lumen raus. In den ersten 10 Sekunden pendelt sich der Lichtstrom bei den vom Hersteller angegebenen 6000 Lumen ein. In dieser Helligkeit leuchtet das Monster dann ca. 2 Minuten. Danach taktet der Treiber die Lampe auf 56% runter. Nach weiteren 5 bis 7 Minuten arbeitet die Lampe mit 29% des maximalen Lichtstroms. 29% klingt recht wenig, wir reden hier aber immer noch über ca. 2000 Lumen. Zum Vergleich, die dicke Led Lenser X21R.2 leuchtet nach dieser Zeit nur noch mit ca. 1200 Lumen.

Wo Licht ist, ist auch Schatten...

... oder besser gesagt Wärme. Das kleine Gehäuse wird bei voller Helligkeit schnell heiß. Im Winter kann man sich nach einigen Minuten Betrieb gut die Hände wärmen. Die oben erwähnte Regelung dient einzig dem thermischen Schutz der Elektronik und nicht der künstlichen Verlängerung der Laufzeit. 

 

Mit einem Lichtstrom von ca. 2000 Lumen leuchtet die kleine Lampe allerdings so lange bis die Akkus leer sind. Dabei steigt die Temperatur nicht über 55°C. In dieser Einstellung kann man dann auch ganz beruhigt Farbfilter am Lampenkopf anbringen. In der höchsten Leuchtstufe könnte die Folie, oder wahrscheinlich eher noch das Gaffa-Tape um die Folie zu befestigen, in Flammen aufgehen. Auf jeden Fall sollte nur hitzebeständige Scheinwerferfolie vor die SP36. An einem vernünftigen, hitzebeständigen  Befestigungssystem wird gerade noch getüftelt. Vielleicht nimmt auch das Light Painting Paradise demnächst noch andere Größen des Halters für die Farbfilter mit ins Programm. Bisher ist das System nur für die Led Lenser MT18 erhältlich.

 

Ganz Mutige können die Temperaturregelung ändern oder sogar komplett ausschalten. Dann leuchtet die Lampe so lange mit der maximalen Helligkeit bis die Elektronik ausglüht, die Akkus explodieren oder das Aluminium anfängt zu schmelzen. Ich habe die Regelung bei der Werkseinstellung von 55°C belassen, ich will noch eine Weile Freude an der Lampe haben.

Steuerung

Im Gegensatz zu den meisten Taschenlampen mit 3 oder 5 verschiedenen festen Modi gefällt mir das Konzept der Sp36 ausgesprochen gut. In der Grundeinstellung ist die Lampe im Ramping-Modus. Einschalten, so lange den Schalter gedrückt halten bis die gewünschte Helligkeit erreicht ist, Schalter loslassen und schon ist diese Einstellung gespeichert. Bei jedem Druck auf den Schalter schaltet die Lampe in dieser vorgewählten Helligkeit ein bzw. aus. Durch erneutes Drücken und Halten wird die Helligkeit wieder verändert. Der Ramping-Modus funktioniert dabei vorwärts und rückwärts. Das Erreichen der maximalen Heiligkeit wird durch einmaliges kurzes Blinken signalisiert. Mit der gespeicherten Helligkeit ist dann eine saubere, reproduzierbare Arbeit im Light Painting möglich.

Ein Doppelklick schaltet die Lampe in diesem Modus immer in die hellste Stufe, ein weiterer Doppelklick in den ersten Strobe-Modus. Strobe mit 6000 Lumen ist alles andere als ein Spaß! Also Vorsicht damit. 

 

Durch viermaliges Drücken wird die Lampe gesperrt. Das erspart das Entfernen der Akkus beim Transport. Durch fünfmaliges Drücken wird der Schalter der Lampe in den Taster-Modus umprogrammiert. Jetzt leuchtet die Lampe nur so lange wie man den Schalter gedrückt hält. Für viele Einsatzzwecke im Light Painting kann das sehr nützlich sein.

 

Der Treiber der Lampe lässt sich allerdings auch umprogrammieren wenn man statt des Ramping-Modus lieber feste Leuchtstufen haben will. Es können 12 verschieden Modi mit jeweils 1 bis 7 vorgegebenen Helligkeitsstufen programmiert werden. Von Modus 1 (nur volle Helligkeit) bis zu den 7 Stufen mit 0,18, - 0,7 - 1,8 - 3 - 29 - 56 und 100% Leistung wird sicher für jeden Bedarf und Geschmack die passende Einstellung vorhanden sein. Darüber hinaus lässt sich beispielsweise die Indikator-Led im Schalter abschalten und noch einige andere Dinge mehr.

 

Man muss sich zwar die Mühe machen die Anleitung zu lesen um die Lampe an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, aber der Aufwand lohnt sich. Da ich auch nicht mehr der Jüngste bin hab ich mir die PDF-Datei auf mein Mobiltelefon kopiert und kann dann also bei Bedarf auch während des Light Painting nachlesen wie das Schmuckstück gesteuert wird.

Braucht man 6000 Lumen im Light Painting?

Haben ist besser als brauchen. Viel interessanter als die brutalen 6000 Lumen ist für mich allerdings eher die Möglichkeit die Lampe mit über 3000 Lumen mehrere Minuten zu betreiben oder mit 29% auch noch länger. Was mir ebenfalls gut gefällt ist, dass die Stufen sehr stabil sind, also die Helligkeit nicht langsam abnimmt um die Laufzeit künstlich zu verlängern wie bei vielen anderen Lampen. Im Momentary-Mode (Taster) kann man die Lampe gut als Blitz verwenden, der kompakte Aufsteckblitz liefert jedenfalls kaum mehr Licht.

 

Für die Verwendung an den meisten Light Painting Tools ist die Lampe zu groß und zu schwer. Die volle Helligkeit kann man kaum sinnvoll an den Tools einsetzen. Die verschiedenen Strobe-Modi sind ebenfalls viel zu hell. Es besteht die Gefahr, dass die Hitze das Tool beschädigt. Außerdem wird die Wärme nicht mehr vernünftig abgeleitet wenn man die Lampe beispielsweise in einen Tube steckt. Für diese Zwecke ist die kleinere Sofirn SP32A mit einem sehr ähnlichen Bedienkonzept und maximal 1300 Lumen viel besser geeignet. 

 

Für die Ausleuchtung großer Räume, Gebäude oder Landschaften kann man die Lampe allerdings sehr gut verwenden. Selbst wenn man sie "nur" in der zweiten Stufe mit 56% betreibt hat sie mehr Power als die dicke Led Lenser X21R.2, und das bei viel geringerer Größe, einem Bruchteil des Gewichts, und vor allem des Preises.

Fazit

Was mir gefällt:

- Die große Helligkeit.

- Der geringe Preis, aktuell kostet die Lampe bei Amazon inkl. Akkus 89,99€. Zum Vergleich: die neue Led Lenser X21R mit maximal 3200 Lumen kostet mehr als das Dreifache, die Led Lenser MT18 mit angegebenen 3000 Lumen kostet das Doppelte.

- Die Akkus lassen sich austauschen. Wenn bei der dicken Led Lenser der Akku alle ist, ist die Light Painting Session beendet, es sei denn man schleppt noch ein zweites Exemplar (1,3kg und noch mal 300€) mit sich rum. 

- Die kompakte Größe und das geringe Gewicht.

- Die recht gute Verarbeitung der Lampe.

- Die durchdachte, sehr flexible Steuerung.

- Die Helligkeit nimmt in der gewählten Stufe kaum ab. Die Schutzschaltung schaltet in großen, und somit sofort sichtbaren, Stufen runter.

- Der Schalter hat einen guten Druckpunkt. Die Lampe lässt sich in jeder Situation sicher und sauber steuern.

- Der USB-C Port zum Laden der Akkus in der Lampe, auch wenn der maximal mögliche Strom nicht ausgereizt wird und somit die Ladezeit recht lang ist. Ich muss nicht noch ein zusätzliches Ladegerät wie für die X21R.2 mitschleppen wenn der Light Painting Ausflug einige Tage dauert. Die Lampe lässt sich zur Not auch mit einer Powerbank, über den Zichtenanzünder im PKW oder einem Solar-Panel, also komplett ohne Netz, laden. 

 

Was mir nicht so gefällt:

- Mit einem OP-Reflektor würde die Lampe sicher einen homogeneren Lichtkegel raushauen und somit die Ausleuchtung etwas einfacher machen. Leider konnte ich keine Variante dieser Lampe mit einem anderen Reflektor finden. Abhilfe schafft hier ein Stück Backpapier.

- Die Farbtemperatur ist nicht wählbar. Es werden ausschließlich Led's mit 5350 - 5700k verbaut. Ich hätte lieber etwas wärmere Led's mit 3500 - 4000k. Vielleicht erbarmt sich der Hersteller ja mal irgendwann und bietet andere Varianten an. Aber auch hierfür ist das Backpapier erstmal eine gute Lösung.

- Keine Möglichkeit zur Befestigung der Lampe an einem Stativ, da muss dann eine Manfrotto 035 ran. Ebenfalls fehlt eine Öse zur Befestigung einer Handschlaufe, könnte zum Sichern der Lampe manchmal ganz nützlich sein. 

 

Mit der SP36 erhält man für den mehr als angemessenen Preis von derzeit 90€ inkl. 3 18650 Akkus eine brutal helle, kleine, leichte  Lampe welche durch die vielen verschiedenen Möglichkeiten der Steuerung wirklich gut für den Light Painter geeignet ist. In der Stufe mit 2000 Lumen ist die Lampe dauerbetriebsfest; das sollte für die allermeisten Light Painting Bilder ausreichend sein. Die Lampe liegt gut, und durch den geriffelten Griff sicher, in der Hand. 

 

Allzeit gutes Licht mit dem Lichtmonster

Sven

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Kommentare: 4
  • #1

    Hans Roufflair (Sonntag, 02 Juni 2019 10:45)

    Moinsen, wie immer sehr ausführlich ge- und beschrieben. Danke für Deine Zeit und Deine Sichtweisen.
    Ich hoffe wir sehen uns bald mal wieder.

  • #2

    Dominik (Sonntag, 02 Juni 2019 11:31)

    Mahlzeit, hätte da eine frage wegen die 6000lm, was wäre wen ich eine Powerbank (sagen wir einmal mit 10.000mA) ansteck sodass ich eben länger mit 6000 lm spielen kann! Geht das oder wird sie dann kaputt weil sie dann zu heiß wird?
    Lg Dominik

  • #3

    Sven Gerard (Sonntag, 02 Juni 2019 12:43)

    Danke Hans, das hoffe ich auch. :-)

    Hallo Dominik,
    Du brauchst keine Powerbank um länger mit 6000 Lumen arbeiten zu können. Du müsstest dazu nur die Schutzschaltung deaktivieren. Das ist allerdings wirklich nicht empfehlenswert, nach den geschützten 2 Minuten mit 6000 Lumen kannst Du schon Eier auf dem Gehäuse braten. Bei Frost oder wie auch immer gearteter Zwangskühlung (Trockeneis, Wasser...) mag das gehen, bei normalen Temperaturen würde ich dir dringend davon abraten.

  • #4

    Christian (Dienstag, 04 Juni 2019 09:58)

    Herzlichen Dank für den tollen Test. Ich bin begeistert und schaue gleich mal, wo ich die bekommen kann :-)