Instagram? Nein Danke!

Warum ich meinen Instagram Account gelöscht habe

Instagram war ja noch nie wirklich cool. Und vor Allem war Instagram noch nie geeignet um einem interessierten Publikum seine Kunst zu präsentieren. Instagram ist kurzlebig, Instagram ist oberflächlich. Was habe ich denn von den Likes bei Instagram? Richtig, ganz genau gar nichts. Die Hälfte der Likes stammt von irgendwelchen Robotern, 40% der Likes stammen von irgendwelchen Leuten die 3 Sekunden später vergessen haben, dass sie das Bild gesehen und "geliked" haben. Und die restlichen 10% der Likes stammen von Leuten, denen meine Bilder tatsächlich etwas bedeuten. 99% dieser Leute haben das Bild allerdings vorher schon woanders gesehen.

Andersrum sieht es nicht besser aus. Ich habe bei Instagram keine interessanten Light Painting Künstler entdeckt, die ausschließlich auf dieser sinnbefreiten Plattform unterwegs sind,  jedenfalls erinnere ich mich jetzt grad an keinen.

 

Die Zeit, die ich täglich dort verplempert habe hielt sich in Grenzen, mehr als 30 Minuten werden es wohl nie gewesen sein. Aber diese 30 Minuten kann ich auch mit etwas Sinnvollem verbringen, wie zum Beispiel mit dem Schreiben dieses Artikels oder der Umsetzung dieses Light Painting Bildes hier.

Light Painting

Problem Nummer Eins - Zensur

Light Painting

Ein Bild wie dieses könnte ich bei Instagram nicht zeigen. Vermutlich würde es nur 10 Minuten dauern bis irgendein Wichtigtuer das melden würde und Instagram das Bild und mich sperren würde. OHH MEIN GOTT - TITTEN! Mach schnell weg, das ist gefährlich! Da werden dann auch schon mal Bilder der Meerjungfrau-Statue in Kopenhagen gesperrt. Im Gegensatz dazu finden die Heuchler Hass und Gewalt ganz und gar nicht gefährlich, so etwas darf man dort ohne Zensur posten. Mir wird sich nie erschließen warum die Darstellung nackter Körper gefährlich sein soll. Und warum nackte Oberkörper von Männer geduldet werden und die von Frauen nicht. 

Recht befremdlich finde ich es, wenn die Künstler ihre Bilder selbst zensieren indem sie lustige Sternchen oder Streifen im Post Processing über die Nippel malen. Was soll dieser Quatsch? 


Beim Eigentümer Facebook selbst sieht es zwar nicht anders aus, allerdings will Facebook keine ausschließliche Plattform für Fotografie / Kunst sein. Bescheuert und heuchlerisch ist aber natürlich auch das. 

 

Genauso unverständlich ist für mich das Filtern des Streams. Wieso meint ein Algorithmus genau zu wissen was ich sehen will und was nicht? Das kann der doofe Computer gar nicht wissen weil er eben doof ist wie 'ne Scheibe Schwarzbrot. Da sehe ich also anstatt interessanter Light Painting Kunstwerke der geschätzten Kollegen irgendwelchen belanglosen Dreck wie zum Beispiel: 

Problem Nummer Zwei - Werbung

Dieses Problem habe ich erst seit letztem Jahr. Davor waren alle meine Mobiltelefone gerootet und somit werbefrei. *Notiz an mich selbst: Telefon rooten und Adblocker installieren.*  Bei Facebook wird man vermutlich genauso mit Werbung vollgeballert, das benutze ich allerdings meist am Computer, dort sehe ich ebenfalls keine Werbung. 

Grundsätzlich könnte ich es sicher tolerieren gelegentlich eine dezente Werbeanzeige angezeigt zu bekommen. Wenn ich allerdings innerhalb von 3 Minuten 3 Mal die gleiche bescheuerte Werbeanzeige für ein beknacktes Computerspiel angezeigt bekomme ist sofort Schluss mit Instagram. Die Werbedichte wurde, zumindest bei mir, in letzter Zeit massiv erhöht. Nach 3 Bilder wurde eine Werbung in den Stream geschleust. Wer soll so etwas aushalten? Ich jedenfalls nicht.

Problem Nummer Drei - Einschränkung der Reichweite

Wie bereits oben erwähnt filtert Instagram den Stream. Die Reichweite meiner Beiträge wird also künstlich eingeschränkt. Nicht alle meiner Follower bekommen den Beitrag zu sehen. Wie stark diese Einschränkung ist variiert. In der Hoffnung, dass ich endlich Geld bezahle damit mein Beitrag viele Likes bekommt wurde in letzter Zeit die Reichweite immer weiter künstlich eingeschränkt. 

Das mag mit like-geilen, unterbelichteten Teenagern die mit dem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen sind funktionieren aber doch nicht mit erwachsen Männern. 
Ich investiere doch kein Geld in diese merkwürdige Plattform wenn nicht die geringste Chance besteht auch nur einen einzigen Cent dort zu verdienen. Ich hatte das vor einigen Jahren mal mit einem Gutschein im Wert vom 10€ bei Fratzenbuch versucht. Diese Werbeanzeige hat genau gar nichts gebracht. Und das, obwohl ich bei FB im Gegensatz zu Instagram Links einbinden kann.

Problem Nummer vier - Bildgröße und Seitenverhältnis

Light Painting

Viele Light Painting Bilder funktionieren nicht auf dem kleinen Display des Smartphones. Vielen Bildern bekommt der quadratische Schnitt nicht gut. Bei der Arbeit an meinen Bildern denke ich in den allermeisten Fällen im Sensorformat, also 3:2. Die nachträgliche Änderung ist dann immer nur ein mehr oder weniger guter Kompromiss. Das natürliche Blickfeld  des Menschen ist nicht quadratisch, sonder eher 3:2 oder 16:9.

Bei den Instagram-Junkies mag das sicher anders aussehen. Vermutlich ist ihnen von vornherein klar, dass das Ergebnis im Format 1:1 dargestellt werden soll.


Seit einiger Zeit kann man zwar die Bilder auch in anderen Formaten bei Instagram posten, aber ein wirklicher Gewinn ist das nicht weil die dargestellte Bildfläche noch kleiner wird. Wichtige Details gehen dabei meist verloren. Man  könnte sich die Bilder zwar auch auf dem Rechner etwas größer ansehen, aber ich denke, das macht kaum jemand.

Instagram bringt keinen Nutzen...

... zumindest, wenn es darum geht die Mitmenschen für die eigene Kunst zu begeistern. Die Reichweite bei Instagram ist völlig bedeutungslos. Egal ob 150, 15000 oder nur 15 Leuten mein Bild gefällt, die wenigsten Likes sind echt. Entweder sind sie von irgendwelchen Robotern generiert oder von Mitmenschen, die sich erhoffen als Gegenleistung selbst ein Like zu bekommen. Wie viele meiner zuletzt 1500 Follower "echt" waren und meinem Stream folgten weil sie tatsächlich die Bilder sehen wollten kann ich natürlich nicht empirisch belegen, mit ein wenig Wohlwollen werden es wohl nicht mehr als 10% gewesen sein. Es geht mir dabei auch nicht nur um meine Befindlichkeiten, der gesamten Light Painting Szene nutzt dieser aufgeblasene Blödsinn meiner Meinung nach ebenfalls sehr wenig, Zur Steigerung der Popularität und Akzeptanz dieser besonderen Kunstform trägt Instagram nicht bei. Im besten Fall wurde mein Stream mit immer mehr Stahlwolle -oder ewig gleichen Tube-Bildchen überschwemmt. Meinen Ansprüchen genügt es vollkommen diese Bilder einmal zu sehen. Eine große Reichweite bekommen dort nicht die wirklich großartigen, kreativen Light Paintings sondern eher das fünf tausendste langweilige Bild der Stahlwolle-Schwinger.

 

Aber vielleicht fehlt mir einfach nur der Weitblick. Für viele Instagramer scheint dieses Getue dort so wichtig zu sein, dass sie Geld ausgeben und viel Zeit auf Instagram verbringen um immer mehr Follower und Likes für ihren mittelmäßigen Content zu bekommen. Diese Menschen sind so seltsam uneitel, dass für sie nur die Zahlen zählen und nicht die Qualität ihrer Bilder. Für mich ist das völlig unverständlich. 

Gibt es Alternativen zu Instagram?

Wenn ich das auf das Thema Light Painting beschränke gibt es seit einigen Tagen eine gute Alternative, den Stream in der LightPainters.com App. Die App steckt noch in den Kinderschuhen hat aber sicher ein großes Potential. Von den Einschränkungen der Anzeigegröße ist diese App aber genauso betroffen. Hier hilft aber ein Besuch der Website, auf dieser wird der Stream ebenfalls dargestellt. 

 

Ansonsten bleibt mir noch der Verweis auf flickr. Flickr fehlt zwar der Coolness-Faktor, aber dafür bleibe ich dort von den ganzen oben genannten Unzulänglichkeiten verschont. Dort sind kein like-geilen Teenager und Roboter unterwegs, ich muss keine Werbung sehen, meine Reichweite wird nicht eingeschränkt usw. Und nicht zu vergessen die sehr aktiven Light Painting Gruppen, die es seit sehr vielen Jahren bei flickr gibt. Gruppen wie Light Junkies haben enorm die Popularität der Kunstform Light Painting gefördert. Ohne diese Gruppen würde es vermutlich heute nicht einmal halb so viele Light Painter auf der Erde geben. Und dafür bezahle ich gerne ein paar € für meinen Pro-Account. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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Kommentare: 1
  • #1

    Bruno (Montag, 09 September 2019 18:15)

    Hallo Sven
    ich geb Dir recht, IG und deren Algorithmus sind mühsam, Likes und Kommentare welche eindeutig gefaked werden, in der Hoffnung als Gegenleistung auch ein Like zu erhalten. Ich habe bei IG auch einen Account, den pflege ich aber auch nicht mehr wirklich. Ab und zu zeigt sich im Feed zwar ein witziges oder interessantes Bild, aber viel ist ähnlich. Inspiration gibts aber halt trotzdem manchmal, sei es auch nur eine coole Location, oder wirklich was Neues. Flickr und Lightpainters.com sind dann halt recht zielgerichtete Plattformen, wo sich andere Lightpainter treffen und austauschen, was auch Spass macht. Will ich aber unsere Kunst weiter bekannt machen und auch mal lokal was ausstellen oder verkaufen, wirds schwierig, da ist halt auch die eigene Website wichtig und die Leute dorthin zu bringen. Da ist halt dann wieder "Handarbeit" angesagt, sprich Werbung, Kontakte pflegen oder ähnliches. Dazu hilft IG meiner Meinung sowieso nicht, ein Bild für weniger als auf eine halbe Sekunde auf nem Smartphone zu sehen, ist sowieso schade für den Aufwand.. aber so funktionierts leider heute.

    Schöne Grüsse
    Bruno