10000 Lumen für die Hosentasche

Light Painting mit dem Lichtmonster

Zuerst möchte ich Fenix danken, dass sie mir die LR35R zur Verfügung gestellt haben. Eine weitere Bezahlung erfolgt nicht.

 

Haben ist immer besser als brauchen. Für die meisten Aufgaben im Light Painting braucht man keine 10000 Lumen. Viel interessanter ist die recht lange, stabile Laufzeit in der Stufe "High" mit 3000 Lumen. Aber wenn's mal schnell gehen muss kann man die LR35R auch mal kurz auf die Stufe "Turbo" schalten.  Mit 140mm Länge und einem Kopfdurchmesser von 51mm passt die LR35R in fast jede Hosentasche. Der Light Painter schont den Rücken; die Taschenlampe wiegt inkl. Akkus 380g. 


Die Technik

Im Kopf der Fenix LR35R stecken 6 Luminus SST-40 mit 5000K. Jede dieser Leds kann maximal 2000 Lumen liefern. Theoretisch könnte die LR35R also sogar 12000 Lumen emittieren. Der vom Hersteller angegebene Lichtstrom dürfte also den Tatsachen entsprechen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Herstellern übertreibt Fenix nicht bei den Angaben zur Helligkeit und Laufzeit. Für die Stromversorgung stetzt Fenix zwei 21700 Akkus mit je 4000mAh ein. Warum sie der hochwertigen, und somit nicht gerade billigen, Taschenlampe nicht die Variante mit 5000mAh, welche unter anderem in der PD36R steckt, spendiert ist mir nicht ganz klar. Etwas mehr Kapazität würde der Lampe keinesfalls schaden. Die Akkus lassen sich über einen USB-C Port in der Lampe laden. Mit einem geeigneten Ladegerät schiebt man 3A in die Akkus.


Nach spätestens 3 Stunden sind die Akkus voll geladen. Auch hier hat Fenix das gleiche kurze USB-Kabel in den Karton gepackt wie bei den anderen Lampen. Im Notfall läuft die LR35R auch mit einem Akku, die beiden Zellen sind paralell geschaltet. Mit passenden Adaptern kann man die Lampe auch mit zwei 18650 Akkus betreiben. Zu beachten ist hier, dass die Akkus den benötigten Strom abgeben können. Bei voller Helligkeit saugen die Leds 30 Ampere aus den Energiespeichern. 

 

Die Temperaturregelung der Fenix LR35R ist sehr moderat, um es mal vorsichtig auszudrücken. Nach 2 Minuten Betrieb in der Stufe "Turbo" sollten Menschen mit zarten Fingern den Kopf der Lampe lieber nicht mehr anfassen. Farbfilterfolie gibt nach 15 Sekunden Betrieb Rauchzeichen von sich. Wo viel Licht ist, ist auch Schatten, ich meine Hitze.

 

Die Balance zwischen Größe, Helligkeit und Laufzeit ist Fenix wirklich perfekt gelungen. Mehr Licht geht aktuell nicht in diesem Format, zumindest nicht über mehrere Minuten. Die von Größe und Gewicht vergleichbare Emisar D18 liefert zwar ebenfalls brutale 10000 Lumen mit den 18 verbauten Luminus SST-20, allerdings regelt diese nach 30 Sekunden stark runter. Die Fenix LR35R hält die Stufe "Turbo" länger und regelt langsamer runter. Nach ca. 2 Minuten hat die Lampe auf 5000 Lumen runtergeregelt, mit diesen läuft sie dann noch ca. 5 Minuten weiter. Diese Regelung ist auschließlich abhängig von der Temperatur. Bei Frost dürfte die Lampe später runterregeln. 

Im Light Painting wird man allerdings eher in der Stufe "High" mit 3000 Lumen oder "Med" mit 1200 Lumen arbeiten. Mit 1200 Lumen läuft die Lampe absolut stabil über 3 Stunden. Nach ca. 2,5 Stunden wird die LR35R sogar noch etwas heller (ca. 1400 Lumen). 

 Die 3000 Lumen in der Stufe "High" liefert die Lampe für ca. 13 Minuten. Danach pegelt sie sich bei ca. 2300 Lumen ein und leuchtet mit dieser Helligkeit dann noch über eine Stunde. Das ist sehr beachtlich. Die dicke Led Lenser X21R.2 regelt die anfänglichen 3000 Lumen sofort nach dem Einschalten runter, nach 12 Minuten leuchtet das Ding nur noch mit 1200 Lumen. Und nicht etwa weil die Riesenlampe heiß wird, sondern um eine lange Laufzeit auf die Verpackung schreiben zu können. 

Größenvergleich mit der Fenix PD36R
Größenvergleich mit der Fenix PD36R

Die Bedienung

Gesteuert wird die Fenix LR35R über einen einzigen Schalter im Kopf der Lampe. In der Mitte dieses Schalters befindet sich eine kleine Led. Diese zeigt bei kurzem Druck im ausgeschalteten Zustand den Ladestand der Akkus an. Um die Lampe einzuschalten drückt man für 0,5 Sekunden den Schalter. Durch kurze Klicks im eingeschalteten Zustand wechselt man die Modi. Der letzte Modus wird automatisch gespeichert. Durch längeres Drücken gelangt man in den Strobe. Der Strobe läuft mit voller Helligkeit, also Vorsicht damit. 

Durch zweimaliges Klicken im ausgeschalteten Zustand wird die Lampe gesperrt. Auf die gleiche Weise wird die LR35R auch wieder entsperrt. Das vermisse ich bei einigen anderen Fenix Lampen. Da hilft nur der mechanische Lockout durch Aufdrehen des Akkurohrs.

In einigen Situationen im Light Painting wäre es besser wenn die Lampe sofort an und aus gehen würde. Aber da dieses Monster eigentlich nur zur Ausleuchtung der Light Painting Szene zum Einsatz kommen wird sind die 0,5 Sekunden Verzögerung kein Problem. 

Die Lampe liegt perfekt in der Hand und lässt sich jederzeit sicher bedienen. Die Fenix LR35R steht auf dem Hinterteil. Mit dem vormontierten Clip kann man sie einfach an den Gürtel hängen. Das mitgelieferte Holster ist funktionell aber nicht besonders hochwertig.


Ich habe einen Halter für die 60mm Acryl-Farbfilter, die ich auch für die Fenix FD65 nutze, mit dem 3D-Drucker ausgedruckt. Wie bereits oben erwähnt, halten Farbfilterfolien die Hitze, zumindest im Turbo-Mode, nicht aus. Die Filter aus Acryl vertragen die Hitze besser. Bisher hatte ich jedenfalls keine Probleme. Durch den Halter und die Filter wird allerdings die Wärmeableitung verschlechtert. Bei der Arbeit mit Farben betreibe ich die LR35R meist nicht im Modus Turbo. Das ist aber auch nicht nötig, 3000 Lumen sind fast immer ausreichend um die Light Painting Szene einzuleuchten. 

Neben den bereits oben erwähnten Stufen kann man die Lampe mit 450 sowie 50 Lumen betreiben. Die Laufzeit beträgt dann 8 bzw. 80 Stunden. Diese Modi sind allerdings für die meisten Aufgaben im Light Painting zu schwach. Und als normale Taschenlampe ist das Teil dann doch etwas zu groß, da behalte ich lieber die PD36R am Gürtel.

Fazit

Insgesamt hat Fenix hier wieder eine sehr ordentliche Taschenlampe gebaut. Wie nicht anders zu erwarten ist die Verarbeitungsqualität über jeden Zweifel erhaben. DIe LR35R ist nach IP68 zertifiziert und bis zu 2 Meter Tiefe wasserdicht. Getestet habe ich das bisher nicht. Wer macht das auch freiwillig? Fenix gewährt, wie üblich, eine Garantie von 5 Jahren auf das Schmuckstück.

 

Was mir gut gefällt:
- die brutale Hellligkeit
- die geringe Größe und das kleine Gewicht

- die perfekte Verarbeitung

- kurze Ladezeit über den USB-C Anschluss

- die stabile Regelung der Helligkeit

- die elektronische Sperre

- die Lampe liegt perfekt in der Hand

 

Was besser geht:

- ein längeres USB-Kabel (wie immer ;-) )
- Akkus mit 5000mAh statt 4000mAh

- ein stabileres Holster, wenn man überhaupt eines braucht


Die Fenix LR35R ist für 194,86€ im Onlineshop von Fenix erhältlich. Ganz sicher kein Schnäppchen, aber spätestens im Vergleich zu Lampen wie der Led Lenser X21R.2 oder R jeden Euro Wert. So viele Taschenlampen mit einer derart hohen Lichtleistung in dieser kompakten Größe sind auch aktuell nicht erhältlich. Wenn Du also viel Licht, welches nicht schnell runtergeregelt wird, in der Hosentasche transportieren willst ist die Fenix LR35R eine ganz klare Empfehlung. Aufgrund der guten Verarbeitung und der fünfjährigen Garantie wirst Du ganz sicher viele gute Light Paintings mit der LR35R machen. 

 

Allzeit viel gutes Licht
Sven

 

20.10.2020 Nachtrag:

Die 4000mAh Akkus können einen höheren Dauerstrom liefern als die Variante mit 5000mAh. Die Lampe würde also mit den größeren Akkus den Lichtstrom schneller herunter regeln. Aus diesem guten Grund hat Fenix die Zellen mit der geringeren Kapazität mitgeliefert. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0