Light Painting mit Ultraweitwinkelobjektiv

Kurz, kürzer und noch kürzer

Der Bagger im Bild ist groß, sehr groß. Nach hinten ist nicht unbegrenzt Platz. Das Bild hätten wir mit einer längeren Brennweite so nicht umsetzen können. Aufgenommen haben wir dieses Light Painting mit einer Brennweite von 14 mm an der Nikon D750. Der Bildwinkel liegt bei dieser Linse bei 114°. 

Möglichst viel ins Bild zu bekommen ist allerdings nur ein Grund für die Verwendung von Ultraweitwinkelobjektiven. Im Light Painting ist es durchaus sehr nützlich wenn der Abstand zwischen Kamera und Lichtquelle möglichst gering ist. Licht nimmt, wie alle anderen Wellen auch, mit der Entfernung quadratisch ab. Wenn hier also der Abstand zum Bagger doppelt so groß wäre würde sich die Belichtungszeit bei der Verwendung der gleichen Lampen und der gleichen Arbeitsweise deutlich verlängern. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Alternativ könnte man natürlich die Blende öffnen, das hätte dann allerdings Auswirkungen auf die Tiefenschärfe im Bild. Die dritte Möglichkeit, die Erhöhung des ISO-Wertes, ist bei langen Belichtungszeiten keine gute Idee. Das Bildrauschen würde zunehmen. Das Ergebnis wird meist besser wenn man 10 Minuten bei ISO 100 belichtet als 2,5 Minuten bei ISO 400. Das ist allerdings sehr stark von der eigenen Kamera abhängig und keine grundsätzlich geltende Regel. Einige Kameras habe ich vor einiger Zeit auf ihr Rauschverhalten getestet. Den Artikel dazu findest Du hier.

Definition Weitwinkel

Diese Definition gilt nur für Aufnahmemedien im Kleinbildformat (36*24 mm). Als Normalbrennweite werden Objektive bezeichnet die dem natürlichen Blickwinkel des menschlichen Auges beim Betrachten einer Szene entsprechen, dieser liegt bei 40° bis 55°. Die Normalbrennweite entspricht der Diagonale des Aufnahmemediums. In unserem Fall sind das rechnerisch 43,3 mm was einem Bildwinkel von 53,13° entspricht. Eingebürgert hat sich allerdings eine etwas längere Brennweite von 50 mm als Normalobjektiv. Das entspricht einem diagonalen Bildwinkel von 46,8°. 

Brennweiten länger als 80 mm werden als Teleobjektiv bezeichnet. Kürzere Brennweiten als 35mm gelten als Weitwinkelobjektiv. Als moderate Weitwinkel werden Objektive mit Brennweiten zwischen 35 und 24 mm bezeichnet. Verbreitete Objektive in diesem Bereich sind 35 mm mit einem Bildwinkel von 63°, 28 mm mit einem Bildwinkel von 75° sowie 24 mm mit 83° Bildwinkel. Alle kürzeren Brennweiten werden als Ultra- oder gelegentlich Superweitwinkel bezeichnet.

Verbreitete Brennweiten sind hier 21 mm (92°), 18 mm (100°), 15 mm (110°), 14 mm (114°) sowie 12 mm (122°). Da bei Spiegelreflexkameras der Platz für den Spiegel frei gehalten werden muss und sich somit das Objektiv nicht beliebig nah an die Aufnahmeebene bringen lässt ist die Konstruktion solcher kurzen Brennweiten sehr aufwändig. Das meines Wissens nach aktuell kürzeste verzeichnungsfreie Objektiv für Spiegelreflexkameras ist das Samyang 10/3,5 mit einem diagonalen Bildwinkel von sagenhaften 130°. 

 

Zu den Weitwinkelobjektiven gehören darüber hinaus Fisheye-Objektive. Das geht dann noch kürzer. Das Objektiv mit der bislang kürzesten Brennweite für das Kleinbildformat ist das Nikon 6mm/f2,8 mit einem Bildwinkel von 220°. Das Ding kann also einen Bereich hinter der Aufnahmeebene fotografieren, Selfie hinter der Kamera sozusagen.

Zoom oder Festbrennweite?

Ein Objektiv kann der Hersteller bei der Rechnung und der Herstellung immer nur auf eine Brennweite, eine Blende und eine Entfernung optimieren. Die Abbildungsleistungen nehmen ab wenn man von diesen optimalen Werten abweicht. Gewöhnlicherweise wird der Hersteller also das lichtstarke Objektiv auf die beste Darstellung bei Blende 4 oder 5,6 optimieren. Bei größeren Blenden werden die Abbildungsleistungen oft sichtbar schwächer, Schärfe und Kontrast nehmen ab. Bei kleineren Blenden wird bei den meisten Objektiven aufgrund der größeren Schärfentiefe die Schärfe nicht sichtbar abnehmen.

Die meisten Objektive werden auf die beste Abbildungsleistung bei Entfernungen kurz vor unendlich optimiert. Einzig bei Makro-Objektiven wird der Hersteller das Objektiv so konstruieren, dass die größte Schärfe im Nahbereich liegt.


Ein Zoomobjektiv kann nur auf eine Brennweite optimiert sein, meist wird das die Brennweite sein, die genau in der Mitte liegt. Das unten erwähnte Nikkor 17-35 hat also die größtmögliche Schärfe bei einer Brennweite von ca. 26mm. Wenn ich also mit kürzeren Brennweiten arbeite werden Schärfe und Kontrast abnehmen. Der Effekt wird stärker umso weiter ich von der mittleren Brennweite abweiche. Aus diesem Grund sind Objektive mit großen Brennweitenbereichen, wie 18-300, kaum zu gebrauchen und meist die 2,50€, für den Karton in dem sie eingepackt sind, nicht wert. Bei relativ kleinen Zoombereichen und guter, sauberer Konstruktion des Objektivs ist die Verschlechterung der Abbildungsleistung beim Betrachten der Bilder meist überhaupt nicht sichtbar. Auch auf dem 3 Meter großen Print sieht das Bild mit 17mm Brennweite nicht schlechter aus als das mit 26mm. Irgendwelche Messwerte geben zwar einen ersten Anhaltspunkt sagen aber oft nicht viel über die tatsächliche Qualität des Ergebnisses aus.

Von der geringeren Schärfe abgesehen werden die meisten Zoom-Objektive eine stärkere Verzeichnung und Vignettierung aufweisen als Festbrennweiten, die im Brennweitenbereich des Zooms liegen, besonders, wenn die Anfangsbrennweite des Zommobjektivs sehr kurz ist.

Wenn ich also ergebnisorientiert arbeiten will und mir eine hohe Abbildungsqualität wichtig ist weil ich von meinen Bildern große Prints herstellen will werde ich immer zur Festbrennweite greifen und das Zoomobjektiv in der Tasche lassen.

Welche Objektive befinden sich in unserer Tasche?

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Laowa 12mm/f2,8

Der chinesische Hersteller Venus Optics baut mit dem Laowa 12mm/f2,8 eines der besten Ultraweitwinkelobjektive. Der Preis von ca. 1200€ ist zwar kein Schnäppchen, bisher habe ich den Kauf aber noch keine Sekunde bereut. Das Objektiv besteht aus Metal und Glas, einzig der recht merkwürdige Objektivdeckel ist aus Kunststoff. Das Teil fühlt sich so an als könnte man viele Jahre uneingeschränkte Freude damit haben. Nichts wackelt oder klappert, Blendenring und Fokus laufen absolut sauber und butterweich.

Das Versprechen des Herstellers "Zero D", also keine Verzeichnung, erfüllt das Objektiv voll und ganz. Ich hätte das vorher nicht für möglich gehalten, dass eine derart kurze Brennweite keine sichtbare Verzeichnung aufweist.  


Die Abbildungsleistungen des Laowa sind über jeden Zweifel erhaben. Selbst bei offener Blende ist die Schärfe bis in die Ecken sehr gut, wie im Beispielbild gut zu sehen ist. Auch an der undefiniert umgebauten Nikon D300 in Verbindung mit Infrarotfiltern macht das Objektiv eine gute Figur.  

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Möglichkeit Filter montieren zu können. Bei Ultraweitwinkelobjetiven ist das meist nicht so einfach oder gar unmöglich. Venus Optics bietet zwar selbst einen passenden Filterhalter für das Laowa an, ich habe mich allerdings für den Halter von Nisi entschieden weil mir die Bedienung und Verarbeitung besser gefielen. Inklusive passendem Polarisations-filter kostet der Halter ca. 140€. Neben dem Polfilter lassen sich noch 2 100 x 100 mm Filter vor der Optik befestigen.

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Das Laowa ist komplett manuell, kein Autofokus, keine elektronische Blendeneinstellung, keine elektronische Übertragung irgendwelcher Daten an die Kamera. Auf den Autofokus und die Blendeneinstellung durch die Kamera kann ich verzichten, dieses benutze ich ohnehin nie. Was allerdings manchmal ganz hilfreich ist, wenn im Bild die Blende, mit der es aufgenommen wurde, gespeichert wäre. Aber wirklich wichtig ist auch das nicht, bei Bedarf notiere ich mir das.

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Samyang 14mm/f2,8

Das Samyang wird ebenso wie das Laowa ohne Autofokus gefertigt. Die Verarbeitung ist zwar nicht auf dem Niveau des Laowa oder dem von Herstellern wie Zeiss oder Meyer Optik Görlitz, für den recht geringen Preis von ca. 400€ aber akzeptabel. 

Optisch ist dieses Objektiv recht gut. Bei offener Blende bildet es an den Rändern recht unscharf ab, Abblenden auf f5,6 bringt hier eine deutliche Verbesserung. Die recht starke Verzeichnung lässt sich zwar am Computer korrigieren, beim Beispielbild verwandelt die Linse den runden Orb trotzdem in ein Ei. 

Gerne verstellt sich beim Samyang der "Anschlag" für den Fokus. Nach ca. 2 Jahren war bei meinem Exemplar ∞ bei 0,7m. Das lässt sich einfach neu justieren aber so etwas nervt natürlich.


Für das Samyang ist ein Filterhalter für die Verwendung von 150 x 150mm großen Filtern erhältlich. Für ca. 20€ bekommt man dann einen billigen, schlecht sitzenden Halter aus Kunststoff. Filter in dieser Größe sind schlecht erhältlich und meist alles andere als ein Schnäppchen. Polfliter lassen sich damit überhaupt nicht verwenden. Weil es keine Infrarotfilter in dieser Größe gibt, jedenfalls konnte ich bisher keine finden, kann ich keine Aussage über die Tauglichkeit dieses Objektivs in der Infrarotfotografie treffen. 

 

Als Alternative zum Samyang und auch dem Sigma aus dem nächsten Abschnitt fällt mir nur das Zeiss Distagon 15/2,8 oder das neuere Milvus ein. Wobei Letzteres nicht über einen Blendenring verfügt. Sicher sind diese Linsen keine Schnäppchen, aber dafür erhält man Abbildungsleistungen, die dem Laowa 12/2,8 mindestens ebenbürtig sind. Eventuell wäre das Irix 15/2,4 ebenfalls eine gute Alternative, allerdings habe ich dieses Objektiv noch nicht in den Fingern gehabt und kann somit wenig über die Qualität sagen.

Sigma 14mm/f2,8

Noch schlimmer sieht es bei dem alten Sigma 14/2,8 aus, für dieses Objektiv gibt es keine Möglichkeit Filter zu montieren. Die Abbildungsleistungen sind dem Samyang recht ähnlich, bei offener Blende sind Ränder und Ecken sichtbar unscharf.

Das Sigma wurde in den 1990er Jahren gebaut. Das Gehäuse besteht aus Metal und macht einen langlebigen Eindruck. Der Eindruck bestätigte sich, ich benutze das Objektiv schon viele Jahre. Einzig die verbaute Elektronik hat vor einigen Jahren den Geist aufgegeben. Wie bereits weiter oben erwähnt ist das für die Arbeit im Light Painting aber unerheblich. 

Gelegentlich taucht mal ein Exemplar bei ebay auf. Für 200 bis 300€ gehört das Schmuckstück dann Dir.

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Nikkor 17-35mm/f2,8

Na ja, was will man zu diesem Objektiv groß sagen... Das Nikkor 17-35/2,8 ist das einzige Zoom-Objektiv, was aktuell noch gebaut wird und über einen Blendenring verfügt. Das Nikkor stecke ich beim Light Painting eigentlich nur an die Kamera wenn ich während der Belichtung am Zoom drehe. Die Abbildungsleistung ist für ein Zoom-Objektiv wirklich gut, allerdings von den meisten Festbrennweiten doch noch ein Stück entfernt. 

Im Gegensatz zu den neueren Plastik-Objektiven ist das 17-35 für die Ewigkeit gebaut, einzig der Ultraschallmotor gibt gerne mal den Geist auf, wie bei meinem Exemplar. Auf der anderen Seite trägt das 17-35 ganz schön auf und bringt doch einiges an Gewicht auf die Schultern des geplagten Light Painters.


Der Fantasiepreis von ca. 1800€ dürfte allerdings die meisten Interessenten abstoßen. Bei ebay  finden sich regelmäßig Angebote für gut erhaltene Exemplare zu Preisen zwischen 500 und 800€. Ein Nikkor 17-35 mit kaputtem Ultraschallmotor findet man auch schon mal für 300€. Das Objektiv hat ein 77mm Filtergewinde, somit lassen sich alle möglichen Filter und Filterhalter uneingeschränkt verwenden. In der Infrarotfotografie macht das Nikkor eine wirklich gute Figur, kaum Fokus-Abweichung und keine Hotspots.

Wer nur ein Objektiv im Light Painting verwenden will ist mit dem Nikkor 17-35 wirklich gut bedient. Für die anstrengende Wanderung mit möglichst wenig Gepäck ist dieses Objektiv jedenfalls die erste Wahl. 

Die einzige, mir halbwegs sinnvoll erscheinende, Alternative wäre das alte Nikkor 20-35/2,8. Allerdings gibt es die Dinger nicht gerade wie Sand am Meer, und meist auch nicht für Preise unter 500€ für ein gut erhaltenes, gebrauchtes Exemplar. 

 

Vergleichbare Objektive wie das Canon 16-35/2,8, Sigma 18-35/1,8, Tokina 17-35/4, Tamron 15-30/2,8, Nikkor 12-24 usw. verfügen nicht über Blendenringe. Somit entfällt die Möglichkeit die Blende während der Belichtung verändern zu können. Die Preise sind zum Teil noch höher als für das Nikkor 17-35. Die meisten alten Zoom-Objektive mit Blendenring weisen eine für heutige Maßstäbe inakzeptable Abbildungsleistung auf.

Fazit

Mit dem Laowa 12mm/f2,8 gelingen Light Painting Bilder auf hohem technischen Niveau. Keine sichtbare Verzeichnung, bereits bei offener Blende hervorragende Schärfe über den gesamten Bildbereich sowie excellente Verarbeitung lassen einen den recht hohen Anschaffungspreis leicht und schnell verschmerzen. 

Als gutes Zoomobjektiv eignen sich Nikkor 17-35 oder das fast verzeichnungsfreie Nikkor 20-35 ebenfalls gut für die Arbeit im Light Painting. Wer auf einen Blendenring verzichten kann macht mit dem recht günstigen Tokina 17-35/4 nicht viel falsch. Das Tokina 12-24/4 für das kleinere DX-Format macht ebenfalls eine gute Figur. Diese Linse habe ich viele Jahre ohne Probleme in den abgerocktesten Lost Places benutzt.

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht.
Sven

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Grundlagen der IR und UV Fotografie

Fotografie mit Licht im unsichtbaren Spektrum

In diesem Artikel geht es mal ausnahmsweise nicht (nur) um Light Painting. Ich versuche Dir die grundlegenden Ideen der Fotografie mit Wellen aus dem für das menschliche Auge unsichtbaren Spektrums etwas näher zu bringen. Kompliziert geht auch ohne Light Painting ;-)

Die in diesem Beitrag von mir vermittelten Weisheiten sind nicht unbedingt empirisch belegt und beruhen zu einem großen Teil auf meinen Erfahrungen mit der von mir verwendeten Ausrüstung. Dieser Artikel ist alles andere als eine vollständige Anleitung zur Fotografie mit dem vollen Lichtspektrum. Zum Thema Infrarot findet man recht viele  Information im Internet, mal fundiert, mal gefühlt. Zum Thema ultraviolette Fotografie findet man eher wenig. Das dürfte vor Allem dem Umstand geschuldet sein, dass reine UV-Fotos meist ziemlich unästhetisch aussehen. Außerdem sind UV-Pass-Filter sehr teuer. Aus diesen Gründen habe ich bisher kein UV-Pass-Filter gekauft und nutze ultraviolettes Licht ausschließlich im Light Painting, meist in Kombination mit anderen Wellenlängen. UV reflektierende Farben lassen sich ohne Modifikation und Filter mit jeder Kamera aufnehmen. Hier genügt es diese Farben mit einer UV-Lampe zum Leuchten anzuregen.

Grundsätzliches

Wir Menschen können Licht im Wellenlängenbereich von 400nm (violett) bis 750nm (rot) ohne Hilfsmittel sehen. "Unten" beginnt der Bereich der ultravioletten und "oben" der infraroten elektro-magnetischen Strahlung. In der Tierwelt sieht das anders aus. Einige Vögel zum Beispiel können im ultravioletten Spektrum sehen.

In der Fotografie wird schon sehr lange infrarotes Licht aus verschiedenen Gründen eingesetzt. 


Infrarotes Licht wird durch Dunst oder Luftverschmutzung weniger gestreut als sichtbares Licht. Es ist also damit möglich Objekte sichtbar zu machen die eigentlich auf Grund der Sichtbeeinträchtigung kaum zu sehen wären. 

Infrarotes Licht hat andere Reflexionseigenschaften als sichtbares Licht. Ein getarnter Panzer im Wald lässt sich mit Infrarot Fotografie einfach aufspüren. Die Firma Kodak entwickelte um 1960 einen Falschfarben-Infrarotfilm namens Aerochrome. Dieser wurde zur Luftaufklärung eingesetzt und stellte Bereiche mit hoher IR-Strahlung, also vor Allem Bäume, in sattem Rot bis Magenta dar. Die im Wald getarnten feindlichen Stellungen waren auf diesen Bilder einfach und deutlich erkennbar obwohl sie für das menschliche Auge so gut wie unsichtbar waren. Dieser Film wurde auf Grund der ungewöhnlichen Bildergebnisse von einigen Künstlern eingesetzt. Leider wird dieser Film seit vielen Jahren nicht produziert. Vereinzelt bei ebay auftauchende Rollen gehen für Preise von 30€ aufwärts über den Tresen. 

Ein weiteres Einsatzgebiet für die Infrarot Fotografie ist die Spionage und Überwachung. Da auch sehr starke, künstliche Infrarot Lichtquellen für das menschliche Auge unsichtbar bleiben ist es möglich unbemerkt gute, helle Aufnahmen in der Dunkelheit anzufertigen.

 

Die Sensoren gängiger Digitalkameras zeichnen Licht im Spektrum von ca. 350nm bis ca. 1100nm auf. Allerdings bauen alle Hersteller einen Hot-Mirror-Filter vor den Sensor. Dieses Filter beschränkt das Lichtspektrum auf den sichtbaren Bereich. Diese Filter hat einen gewissen Transmissionsgrad, es filtert also nicht das komplette infrarote Licht. Aus diesem Grund kann man mit fast jeder digitalen Kamera Infrarot Fotos aufnehmen ohne das Hot-Mirror-Filter zu entfernen. Je nach Stärke des Hot-Mirror-Filters verlängert sich dann die Belichtungszeit ganz erheblich. Aus 1/500 bei ISO 200 werden dann mal schnell 30 Sekunden bei ISO 800. Ohne Stativ oder mit bewegten Motiven wird das also nichts. Für erste Versuche im Bereich der Infrarot-Fotografie genügt das aber sicher. Das Einzige was Du dafür brauchst ist ein IR-Filter den Du auf das Objektiv schraubst. Dazu später mehr.

 

Da der Anteil von infrarotem und ultraviolettem Licht für unser Auge unsichtbar ist lassen sich keine sicheren Vorhersagen treffen wie das Bild am Ende aussehen wird. Grundsätzlich ist bei strahlendem Sonnenschein im Sommer mit erheblich mehr UV und IR Strahlung zu rechnen als an einem regnerischen Tag im Oktober. Pflanzen, vor allem das Blattwerk der Bäume, reflektieren IR-Strahlung sehr stark. 

Kamera

Mit analogen Kameras ist Infrarot-Fotografie denkbar einfach. Deckel auf, Infrarot-Film einlegen, Deckel zu und schon kann es losgehen. Bei digitalen Kameras sieht das etwas anders aus da der verbaute Sensor zwar grundsätzlich auch sensibel für infrarotes Licht ist, dieses aber, wie bereits oben erwähnt, durch das Hot-Mirror-Filter zum größten Teil blockiert wird. Das zweite Problem ist, dass der Sensor eben nicht ausschließlich auf infrarotes Licht reagiert wie der IR-Film in der analogen Kamera.

Wenn Du regelmäßig und ernsthaft mit Deiner Kamera Infrarot und/oder UV Aufnahmen machen willst kommst Du um den Ausbau des Hot-Mirror-Filters aus Deiner Kamera nicht herum. Bei einigen Kameras, wie der Nikon D300, kann man das mit etwas Erfahrung, Geschick und Geduld selbst erledigen. Meinen Artikel darüber findest Du hier.


Es gibt mehrere professionelle Werkstätten die diese Umbauten übernehmen. Die Werkstätten geben gewöhnlicherweise eine Garantie auf den Umbau. Da ich keinerlei Erfahrungen damit habe weil ich bisher alle Kameras selbst umgebaut habe kann ich hier keine Empfehlung für eine bestimmte Werkstatt aussprechen. Einige deutsche Anbieter für Umbauten:
http://www.optic-makario.de/kameraumbau/

http://dslr-astrotec.de/modifikationen.html

http://www.irrecams.de/

 

Nachdem das Filter aus der Kamera entfernt wurde setzt die Werkstatt auf Wunsch ein anderes Filter vor den Sensor um die Kamera beispielsweise definiert nur noch als IR-Kamera zu betreiben. Die meines Erachtens nach beste Lösung ist allerdings der Umbau zu einer undefinierten Kamera. Dazu wird einfach Klarglas eingesetzt oder gar nichts, wie bei meiner D300. Dort ist das Schutzglas nicht mit dem Hot-Mirror-Filter verklebt und kann somit einfach wieder eingebaut werden. Durch den undefinierten Umbau kann die Kamera nun also UV, sichtbares Licht sowie IR aufzeichnen. Ohne Filter vor dem Objektiv tut sie genau das alles gleichzeitig. Die so aufgenommen Bilder sind von normalen Fotos in den meisten Fällen kaum zu unterscheiden. Ich kann die Kamera als normale Kamera benutzen, so wie vor dem Umbau auch. 

Alle Automatikfunktionen der Kamera, wie Weißabgleich-Automatik, Belichtungsautomatik und Autofokus sind auf das sichtbare Lichtspektrum ausgelegt. Umso höher der Anteil des unsichtbaren Lichts in der Aufnahme ist desto wahrscheinlicher sind Fehlfunktionen der Automatiken. In Kombination mit Infrarotfiltern mit Wellenlängen länger als 720nm dürfte keine der Automatiken zuverlässig funktionieren. Hier helfen nur Testaufnahmen im manuellen Modus der Kamera. Für die "richtige" Belichtung ist es ratsam Belichtungsreihen aufzunehmen. 

Wenn die Kamera ausschließlich Licht des sichtbaren Spektrums aufnimmt sollten alle Funktionen so arbeiten wie vor dem Umbau. Ob ich das unsichtbare Licht direkt vor dem Sensor aussperre oder schon am Eingang, also vor dem Objektiv hat keinen Einfluss auf die Arbeitsweise der Elektronik in der Kamera.


Objektiv

Bis auf wenige Spezial-Objektive sind alle Linsen auf Brechung von sichtbarem Licht berechnet. Das hat zum Einen zur Folge, dass bei infrarotem Licht der Fokus höchstwahrscheinlich an einer anderen Stelle sitzt als bei sichtbarem Licht, meist etwas näher. Zum Anderen haben viele Objektive die Eigenschaft in der Mitte einen hellen Fleck abzubilden weil das infrarote Licht an "falschen" Stellen innerhalb des Objektivs gebrochen und reflektiert wird. Einige, gerade moderne, Objektive sind kaum für die Infrarot-Fotografie geeignet. 

Bei ultraviolettem Licht sind die Auswirkungen nach meinen Erfahrungen nicht ganz so stark ausgeprägt. Durch die kurzen Wellenlängen wirken die Bilder allerdings oft etwas unscharf, auch wenn richtig fokussiert wurde. Bei längeren Brennweite tritt dieser Effekt stärker auf als bei kurzen.


Meist sind "einfache" Objektive mit möglichst wenigen verbauten Linsen besser für die Brechung unsichtbaren Lichtes geeignet als aufwändige Zoom-Objektive. Wenn das infrarote Licht durch viele Linsen gestreut wird nehmen Kontrast und Schärfe ab. Umso größer der Brennweitenbereich des Objektivs desto stärker werden die o.g. Bildfehler sichtbar. Mit dem 18-300 für 199€ wird wohl kaum eine gute IR-Aufnahme gelingen. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Zoom-Objektive Hotspots produzieren und inakzeptable Schärfe und Kontrast aufweisen . Das ist von vielen Faktoren abhängig. Eine gute Übersicht über alle gängigen Objektive hinsichtlich ihrer Eignung für IR-Fotografie findest Du bei Kolari Vision.

Gute Erfahrungen habe ich mit verschiedenen Meyer Optik Görlitz Objektiven sowie dem Helios 44-2 gemacht. Ein Meyer Optik Görlitz Lydith 30/3,5 ist in einem guten Zustand bei ebay für 30-40€ erhältlich, keine großartige Investition also. Mittels einfachem Adapter M42 - Nikon F  für einige Euros kommt dann das alte Schmuckstück an die moderne Kamera.

Letztendlich helfen aber nur Testaufnahmen mit den verschiedenen Objektiven, nur anhand des Alters oder der Anzahl der verbauten Linsen lässt sich die Eignung eines Objektivs für die Infrarot-Fotografie nicht vorhersagen. 

Filter

Die unten beschriebenen Filter bestehen aus Spezialglas. Diese Gläser sind nicht nur außen beschichtet, sondern bestehen meist aus mehreren Schichten. Somit wird die Wirkung stärker wenn das Glas dicker ist. Ein 2 mm dickes Glas wird seine Aufgabe besser erfüllen als ein 1 mm dickes Glas. Du solltest vor dem Kauf darauf achten, dass der Hersteller angibt wie dick das verbaute Glas ist. Für einige schwer erhältlichen Filter kann es nötig sein, dass passende Glas selbst in einen Filterring zu montieren. Dafür benutze ich alte, billige Filter. Alternativ kaufe ich ein billiges Farb- oder UV-Filter. Ich baue das Originalglas aus und setze dann das Neue ein. 

 

Der chinesische Hersteller STC Optics bietet sogenannte Clip-Filter an. Diese werden vor dem Sensor befestigt. Das sieht nach etwas Fummelei aus, könnte aber eine gute Alternative zu den Schraubfiltern sein. Vor Allem, wenn man Objektive verwenden will, an denen man keine Filter befestigen kann wie z.B. Fisheye oder mein Sigma 14/2,8. Für die Arbeit im Light Painting sind diese Filter allerdings nicht sehr geeignet. In der Dunkelheit während der Belichtung die Clip-Filter ein- und auszubauen dürfte schnell zur Geduldsprobe werden.

Um zu steuern ob sichtbares, infrarotes oder ultraviolettes Licht aufgenommen werden soll und in welchen Anteilen, kommen verschiedene Filter zum Einsatz. Die meisten der unten genannten Filter sind schwer erhältlich und zum Teil sehr teuer. Für eckige Filter-System sind die meisten Filter überhaupt nicht erhältlich. 

Ich verwende Step-Down-Ringe um die großen 77 mm Filter an Objektive mit kleinerem Filter-Gewinde benutzen zu können. Das spart den mehrfachen Kauf des jeweiligen Filters. 77 mm ist das Maß meiner "größten" Objektive, von den 86mm des Halters für das Laowa 12/2,8 mal abgesehen.

Bei den Filtern sollte man nicht unbedingt auf die billigen Exemplare vom Mann aus Fernost zurückgreifen. Die Gläser haben immer Einfluss auf die Bildqualität, sie liegen schließlich mit in der gesamten Optik.

UV-IR Cut Filter

infrarot Fotografie

Dieses Filter hat genau die gleiche Wirkung wie das Filter vor dem Sensor welches wir aus der Kamera entfernt haben. Die Kamera nimmt mit diesem Filter nur Licht aus dem sichtbaren Spektrum auf. Dieses Filter benötigt man wenn man uneingeschränkt normale Fotos machen will, so wie vor dem Umbau.

 

Gute Erfahrungen habe ich mit Filtern der Firma Hoya gemacht. Sie liefern gute Ergebnisse und kosten nicht so viel wie andere gute Filter von B+W oder Heliopan. Hoya UV IR Cut Filter  

IR Pass Filter

IR Filter sind in unterschiedlichen Wellenlängen erhältlich. Die gängigste, und somit recht einfach und für einen angemessenen Preis zu bekommende, Variante hat eine Wellenlänge von 720nm und liegt somit zum Teil im sichtbaren Spektrum. Die Angaben auf den Filtern beziehen sich gewöhnlicherweise auf eine Transmission von 50% beim angegebenen Wert. Dieses Filter lässt also Licht mit 720nm zu 50% passieren. Die Kurve nimmt nach links steil ab und steigt nach rechts, also im IR-Bereich, stark an. Mit diesem Filter nehme ich demzufolge kein reines IR-Foto auf sondern immer einen gewissen Anteil an sichtbarem Licht plus einen hohen Anteil an IR. Mit diesem Filter werden typischerweise Falschfarben-Infrarot-Bilder (weiße Bäume und blauer Himmel) das Ergebnis sein, möglich ist aber auch ein monochromes Bild in der Bildbearbeitung zu erzeugen. Hoya R72

 

Um ein reines Infrarot-Foto aufzunehmen benötigt man Filter mit höheren Wellenlängen. Dadurch gelangt kein sichtbares Licht mehr in die Kamera. Das B+W Infrafotfilter hat bei 800nm einen Transmissionsgrad von nur 1% , bei 850nm 50% und bei 900nm 88%. Das Ergebnis mit solch einem Filter ist dann ein klassisches monochromes IR-Foto.

 

Mit Filtern mit Wellenlängen von über 950nm habe ich bisher keine Erfahrungen gesammelt.

 

Erhältlich sind ebenfalls Filter mit kürzeren Wellenlängen. Diese lassen also einen noch größeren Anteil des sichtbaren Lichtes passieren. Ich benutze neben dem oben erwähnten 720nm Filter einen 590nm Filter, um genau zu sein einen B+W 090. Auch dazwischen sind Filter erhältlich wie z.B. der B+W 091 mit 630nm. Hier findest Du eine gute Übersicht über die Effekte der verschiedenen Filter: http://infrarouge.photo/2015/09/16/le-comparatif-des-filtres-ir/

UV Pass Filter

Diese Filter sind sehr schwer erhältlich und sehr teuer. Bei Kolari Vison kostet die Variante mit 58mm Gewinde 250$ plus Versand. Größere Varianten sind dort nicht erhältlich. Dieses Filter lässt UV-Licht passieren und blockt fast das gesamte sichtbare Spektrum. Gewöhnlicherweise haben diese Filter ca. 50% Transmission im IR-Bereich. Ein "sauberes" UV-Filter erhält man somit nur in Kombination mit einem IR-Sperrfilter. 

UV-IR Pass Filter

Dieses Filter blockiert sichtbares Licht und lässt UV und IR passieren. Auch diese Filter sind sehr schwer erhältlich und sehr teuer. Die Transmission liegt sowohl im UV als auch im IR Bereich bei ca. 90%

Farbfilter

Bei der Verwendung von Farbfiltern werden ebenfalls bestimmte Wellenlängen blockiert bzw. reduziert. Farbfilter wirken, von (dunkel)roten Filtern mal abgesehen, allerdings nur auf Wellenlängen im sichtbaren Spektrum des Lichts. Einige Rotfilter reduzieren ebenfalls den IR Anteil. Ein Gelb- oder Orangefilter beispielsweise reduziert den blauen Anteil des Lichts. 

Stacking mehrere Filter

Bestimmte Effekte in der IR-Fotografie lassen sich recht einfach durch das Stacking mehrerer Filter erreichen. Durch die Kombination eines gelben Farbfilters mit einem 590 nm IR-Filter wird der Anteil des blauen Lichtes reduziert und der Anteil des IR-Lichts welches den blauen Kanal des Sensor anregt erhöht. Somit bekommen stark IR reflektierende Bildteile wie Bäume eine blaue Färbung. Der blaue Himmel hat dann im Bild einen Gelbstich, der Himmel selbst hat keinen großen IR-Anteil. Die Kombinationsmöglichkeiten von verschiedenen Filtern sind nahezu grenzenlos.

Weißabgleich

Jetzt wird es etwas schwieriger. Der automatische Weißabgleich der Kamera funktioniert nicht mit Licht aus dem unsichtbaren Spektrum. IR-Fotos sind stark rotlastig, UV-Fotos werden blau dargestellt. Um den Weißabgleich später in der Bildbearbeitung korrigieren zu können solltest Du in jedem Fall im RAW Format aufnehmen. Im JPEG-Format ist eine nachträgliche Korrektur nur sehr eingeschränkt möglich. Die Kameras können oftmals nicht auf den "richtigen" Wert eingestellt werden. Der kleinste Wert für den manuellen Weißabgleich meiner Nikon D300 liegt bei 2500K. In der Bildbearbeitung stelle ich den Weißabgleich oft auf einen noch kleineren Werte ein. 

Ein gängige Methode für das Einstellen des Weißabgleichs für die typischen 720nm Infrarotaufnahmen ist es den Weißabgleich auf Blätter von Bäumen oder den Rasen einzustellen. Dafür belichtest Du nur auf die Blätter oder das Gras und nimmst dieses Bild als Referenz für den Weißabgleich. Das Ergebnis sind dann die typischen 720nm Bilder mit den weißen Bäumen. 

In vielen Aufnahmesituationen fertige ich Weißabgleichsreihen an. Ich erhöhe dabei den manuellen Weißabgleich, beim kleinsten Wert 2500K beginnend, um jeweils ein oder zwei Stufen.

Belichtung

Als Erstes mache ich immer einige Testaufnahmen im Automatikmodus. Ich stelle die Blende ein und lasse die Kamera die passende Belichtungszeit wählen. In vielen Situationen und mit manchen Objektiven funktioniert das ganz gut. Mit anderen Objektiven ist das Bild viel zu dunkel. Mit den Testaufnahmen als Grundlage stelle ich im zweiten Schritt die Kamera in den manuellen Modus und wähle die Belichtungszeit. Wenn das Bild vorher zu dunkel war verlängere ich die Belichtungszeit so lange bis es passt. Alternativ kann man natürlich weiter aufblenden oder den ISO-Wert erhöhen. 

Da infrarotes Licht anders gebrochen wird als sichtbares tritt der Effekt der Beugungsunschärfe schon bei größeren Blenden auf. Je nach Objektiv bei Blende 8 oder sogar 5,6. Scharfe Infrarot Aufnahmen werden wohl mit kaum einem Objektiv mit Blenden von 11 oder kleiner gelingen. 

Es ist empfehlenswert Belichtungsreihen aufzunehmen. Oft kann man vor Ort auf dem kleinen Display der Kamera nicht vernünftig beurteilen ob die Belichtung passt. Somit kann man dann später am Computer das "richtige" Bild aussuchen und weiter bearbeiten. Denkbar wäre darüber hinaus auch das Verrechen der Belichtungsreihe zu einem DRI oder auch HDR

Fokussieren

Mit montiertem 720nm IR-Filter sieht man im Sucher meist genau gar nichts. Auch der Autofokus ist dann blind. In den meisten Fällen fokussiere ich zuerst ohne Filter, entweder mit dem Autofokus oder mithilfe der Funktion Live View per Hand. Die meisten von mir verwendeten Linsen haben ohnehin keinen Autofokus. Im Anschluss daran schalte ich den Autofokus an der Kamera aus und schraube das Filter an das Objektiv und mache eine erste Aufnahme. Bei einigen Linsen wie dem Meyer Optik Görlitz Figmentum 35/2 passt das dann meist. Sollte der Fokus nicht sitzen helfen nur weitere Testaufnahmen. Wie oben erwähnt sitzt der Fokus bei infrarotem Licht bei den meisten Objektive etwas näher als bei sichtbarem Licht. 

 

Im Light Painting ist das Fokussieren mal ausnahmsweise recht einfach. Im Beispielbild habe ich den Schädel mit einer leistungsstarken IR-Taschenlampe angeleuchtet und über Live View fokussiert. Da der Raum komplett dunkel war konnte ich ohne Filter nur mit infrarotem Licht fokussieren. Diese Methode eignet sich darüber hinaus ganz gut um den Unterschied im Fokus zwischen sichtbarem und infraroten Licht für das benutzte Objektiv zu ermitteln. Einmal den Schädel, oder gerne auch etwas weniger Morbides, mit sichtbarem Licht anleuchten, fokussieren, anschließend mit infrarotem Licht anleuchten und kontrollieren ob der Fokus noch passt.  Sollte das Motiv im Schritt zwei unscharf sein kann man jetzt recht einfach den Unterschied ermitteln und ggf. Markierungen am Objektiv anbringen oder Notizen machen. 

infrarot full spectrum Light Painting

Diese Prozedur sollte man mit verschiedenen Motivabständen durchführen, 0,5, 1, 2, 3, 4 Meter und je nach dem, wann die Einstellung unendlich erreicht ist, noch darüber hinaus. Um diese Einstellungen einmal richtig zu ermitteln empfiehlt es sich die Kamera mit Computer oder Tablet zu verbinden um im größeren Live View Bild besser die Schärfe beurteilen zu können als auf dem kleinen Mäusekino auf der Rückseite der Kamera.

Es ist ratsam in der Infrarotfotografie mit möglichst wenigen verschiedenen Objektiven zu arbeiten weil der Aufwand für das Fokussieren meist recht groß ist. Wenn Du ein Objektiv gefunden hast, welches keinen Unterschied im Fokus auf sichtbares und infrarotes Licht aufweist solltest Du dieses verwenden um die Arbeit zu erleichtern auch wenn es nicht Dein "bestes" Objektiv ist.

Geeignete Motive

Infrarot Light Painting
© Dan Chick

Welche Materialen infrarotes Licht (stark) reflektieren oder nicht ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Weder Pala Teth noch ich hatten im Beispielbild vom geschätzten Dan Chick weiße bzw. hellgraue Bekleidung an. Mit infraroten Licht wird dann die schwarze Klamotte plötzlich viel heller... oder auch nicht. Nur weil zwei Sachen schwarz sind bedeutet das nicht, dass sie auch im Infrarotfoto gleich aussehen. Unter Umständen bleibt die Hose schwarz und die Jacke wird weiß/hell. Oder das weiße T-Shirt wirkt viel dunkler als die schwarze Hose. Auch hier helfen wieder nur, Du ahnst es bestimmt schon, Testaufnahmen. 

 

Aber genau solche Überraschungen machen für mich einen großen Reiz der Fotografie mit Licht aus dem unsichtbaren Spektrum aus. 


Im Light Painting kann man die Helligkeit im Bild über die Helligkeit der verwendeten infraroten Lichtquellen steuern, beim Fotografieren mit natürlichem Licht geht das nicht. Da muss man nehmen was kommt. Und weil eben mit bloßem Auge das infrarote Licht nicht zu sehen ist gibt es zuweilen einige Überraschungen. Grundsätzlich reflektieren die meisten Pflanzen infrarotes Licht recht stark. Aber auch hier kann es passieren, dass die Blätter des Laubwaldes viel heller im Bild sind als die davor liegende Wiese. 

Bildbearbeitung

Das Bild links ist die Originalaufnahme aus der Kamera mit automatischem Weißabgleich. Fotografiert habe ich mit dem Meyer Optik Görlitz Lydith 30mm und aufgeschraubten Hoya R72 Filter. Für das Ergebnis rechts habe ich in Darktable das Eingabeprofil auf "lineares Infrarot-BGR" eingestellt, den Weißabgleich manuell auf die Bäume gewählt, den Kontrast gespreizt und die Sättigung etwas erhöht. In anderen Bildbearbeitungsprogramme ist der Wechsel des Eingabeprofils auf BGR meines Wissens nach nicht möglich, da hilft dann nur das Tauschen des roten und blauen Farbkanals im Kanalmixer. Das Ergebnis ist dann sehr ähnlich. 

Light Painting mit unsichtbarem Licht

Das für mich eigentlich Spannende bei der Arbeit mit unsichtbarem Licht ist natürlich die Arbeit mit gesteuertem Licht im Light Painting. Mit infrarotem Licht einen Teil des Bildes in "schwarzweiß" und den Rest als "normales" Farbfoto aufzunehmen eröffnet ganz neue Möglichkeiten im Light Painting. 

Die Arbeitsweise sieht gewöhnlicherweise so aus, dass ich ein IR-Filter montiere und mit einer IR-Taschenlampe den Teil des Bildes ausleuchte, der monochrom dargestellt werden soll, wie  der Schädel im Beispielbild. Während dieses Arbeitsschrittes schalte ich meist eine grüne Taschenlampe ein um überhaupt etwas sehen zu können. Das grüne Licht wird von IR-Filter komplett blockiert und ist somit im Bild nicht sichtbar. Im nächsten Schritt entferne ich das IR-Filter und montiere ein UV/IR Cut Filter.  


In diesem Zustand funktioniert die Kamera dann wie eine nicht modifizierte Kamera. Ich kann also Lichtspuren mit sichtbarem Licht aufzeichnen. Die Schwierigkeit besteht allerdings bei der Einstellung des richtigen Weißabgleichs. Wenn ich den Weißabgleich so einstelle, dass der infrarote Teil des Light Paintings monochrom ist "verschieben" sich die Farben aus dem sichtbaren Spektrum mehr oder weniger stark. Besonders schwierig bis unmöglich den "richtigen" Weißabgleich einzustellen wird es bei der Arbeit mit ultraviolettem und infraroten Licht in einer Aufnahme. Aber genau das ist für mich ein spannender Aspekt im Light Painting; das Entwickeln neuer Techniken, neuer Ideen und das Ausloten der physikalischen Grenzen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht, ob nun sichtbar oder unsichtbar.
Sven

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Bokeh als Light Painting Stilmittel

Light Painting mit Blasen und Quallen

Was ist Bokeh?

Der Begriff stammt vom japanischen Wort "boke" ab und bedeutet so viel wie verschwommen oder unscharf. In der Fotografie beschreibt Bokeh die Qualität der Unschärfe eines Objektivs. Die Qualität des Bokehs ist kaum messbar und beschreibt nur die Form der Unschärfebereiche und nicht die Stärke des Effekts. Ob ein Bokeh als schön wahrgenommen wird oder nicht ist stark vom eigenen ästhetischen Empfinden abhängig. Unser Auge sieht solche Unschärfen nicht oder anders. Sie entstehen ausschließlich im Objektiv.

Die "Quallen" im Beispielbild sind ein gutes Beispiel. Vor der Kamera waren nur kleine Lichtpunkte, die Quallen hat das Objektiv "gemalt". Dieses Quallen-Bokeh ist mit keinem handelsüblichen Objektiv möglich, das geht nur wenn man das Objektiv modifiziert. Dazu später mehr.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Wie entsteht das Bokeh?

In der Fotografie werden aus gestalterischen Gründen gerne bewusst bestimmte Bereiche unscharf dargestellt, beispielsweise der Hintergrund eines Porträts oder auch der Vordergrund in der Landschaftsfotografie. Oftmals wird gerade in der Porträtfotografie versucht den Schärfebereich möglichst gering zu halten. Die Schärfentiefe ist abhängig von der Brennweite und der gewählten Blende. Umso länger die Brennweite und umso größer die Blende desto kleiner ist der scharf abgebildete Bereich in der Tiefe von der Kamera aus gesehen. Bei 14mm Brennweite, f11 und richtigem Fokus wird es keine sichtbaren Unschärfebereiche geben. Mit derart kurzen Brennweiten lässt sich meist kaum Bokeh darstellen.

 

Im Light Painting kann ich ganz anders an die Sache gehen. Beim Bild oben habe ich mit dem umgebauten Helios ganz bewusst den Fokus "falsch" eingestellt um nur das Bokeh aufzunehmen. Für die anderen Bildteile (Schädel und Orb im Mund des Schädels) habe ich die Einstellungen des Objektivs verändert bzw. das Objektiv während der Belichtung gewechselt. Somit kann ich im Lightpainting das Bokeh genau so aufnehmen wie ich will. In dem Moment, in dem ich das Bokeh aufnehme muss kein Bereich des Bildes scharf abgebildet werden. 

Was hat Einfluss auf das Aussehen des Bokehs?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

In unscharfen Bereichen nimmt jeder Lichtpunkt die Form der Blende bzw. der Eintrittspupille des Objektivs an. Was allerdings alles genau Einfluss auf das Aussehen des Bokehs hat konnte bisher noch nicht komplett ergründet werden. Mittlerweile gibt es zwar einige Objektive die speziell für ein schönes Bokeh konstruiert werden, bei den allermeisten Objektiven ist ein schönes Bokeh aber eher ein angenehmer Nebeneffekt als das Hauptziel bei der Rechnung der Objektivkonstruktion.  Pauschal kann man auch nicht sagen, dass die Linsen vom Hersteller A allgemein ein schöneres Bokeh zeichnen als die Linsen von Hersteller B. Grundsätzlich lässt sich allerdings feststellen, dass Zoom-Objektive meist kein schönes Bokeh darstellen und das Objektive von Nikon und Canon meist auch nicht die Könige des Bokehs sind.


Allgemein wird ein weiches, rundes Bokeh als angenehmer wahrgenommen als ein hartes weil es mehr Ruhe ins Bild bringt und somit nicht so sehr vom eigentlichen Motiv ablenkt. Die Anzahl, die Form und die Fertigungsqualität der Blendenlamellen hat den größten Einfluss auf das Aussehen des Bokehs. Bei 4 Blendenlamellen ist das Bokeh zwangsläufig quadratisch, umso mehr Blendenlamellen verbaut sind desto wahrscheinlicher wird das Bokeh kreisrund. Die Form der Blendenlamellen hat darüber hinaus Einfluss auf die Qualität des Bokehs. Eine saubere, ohne jeglichen Grat mit dem Laser geschnittene Lamelle wird ein härteres Bokeh darstellen als das Objektiv von 1960 mit den handgefertigten Lamellen. An den "rauhen" Kanten wird das Licht stärker gebrochen, der Unschärfe-Effekt also noch verstärkt. Eine sichere Vorhersage ob ein bestimmtes Objektivs ein angenehmes Bokeh darstellen kann lässt sich allein mit dem Wissen um Anzahl der Blendenlamen und Herstellungsjahr allerdings nicht treffen. Da hilft nur etwas Recherche im Internet. Hier zum Beispiel findest Du einige Aufnahmen des Meopta Belar 75mm, eines der weinigen Objektive mit nur 4 Blendenlamellen:  https://www.sample-image.com/meopta-belar-75mm-f4-5/ 

 

Das Aussehen des Bokehs verändert sich bei vielen Objektiven abhängig davon ob der Vordergrund oder der Hintergrund unscharf abgebildet wird. Das Aussehen des Bokehs lässt sich durch Verstellen der Blende und/oder der Fokussierung beeinflussen. Im Beispielbild habe ich während der Belichtung sowohl Blende als auch den Fokus verändert. Aus diesem Grund sind die "Quallen" unterschiedlich groß und haben verschiedene Formen. Der Effekt ist bei diesem Objektiv am Bildrand stärker als in der Bildmitte. 

 

Bei einigen Objektiven entstehen durch die Lichtbrechung an den Lamellen in Verbindung mir einer schlechten Vergütung der Linsen zusätzlich lustige Farben im Bokeh, die eigentlich gar nicht da sind.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Welches Objektiv zaubert das schönste Bokeh ins Light Painting?

Bitte auf die Bilder klicken. Alle Bilder wurden mit der gleichen Lichtquelle, einem Bündel schwarzer Glasfasern, aufgenommen. Es wurde die größte Blende eingestellt und auf Unendlich fokussiert. Der Abstand zwischen Kamera und Glasfasern war ungefähr gleich. Aus diesem Grund ist das Bokeh der Teleobjektive eigentlich so nicht zu beurteilen. Alle Aufnahmen wurden mit der gleichen Belichtungszeit angefertigt.

Das für meinen Geschmack hässlichste Bokeh hat mit Abstand das Nikkor 35/1,8 (Bild 8). Die Zoom-Linsen (Bild 1 und 3) sowie das Nikkor 50/1,8 (Bild 6) fabrizieren ebenfalls kein schönes Bokeh. Vom Sigma 14/2,8 (Bild 2) war ich recht überrascht. Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Das hatte ich vorher noch nie getestet. 

Ein wirklich schönes Bokeh malen die Meyer Optik Linsen (Bild 7, 9 und 11) auf den Sensor. Bild 10 wurde mit dem modifizierten Helios 44-2 aufgenommen. Mehr Bokeh geht nicht. Diese besondere Tiefenwirkung allein durch das Bokeh habe ich bisher bei keinem anderen Objektiv gesehen. 

 

Dieser Artikel kann kein ausführlicher Test sein. Die Anzahl der Objektive ist unüberschaubar, niemand könnte sie alle testen. Wie in den Bildern oben gut zu sehen ist sind die Unterschiede schon recht deutlich.

Das schöne Bokeh macht die alte Festbrennweite und nicht das neue Highttech-Zoom. Auch wenn einige Objektive, wie die Meyer Optik Görlitz Figmentum, nicht alt sind, so ist doch die Rechnung alt. Der Hersteller versucht mit der Fertigung sehr nah am alten Original zu bleiben. 

Bokeh 2.0 - Frontlinse des Helios 44-2 umdrehen

Helios 44-2

Das Helios macht schon so wie es ist ein durchaus ansehnliches Bokeh, ähnlich dem der Meyer Optik Linsen. Der Effekt lässt sich durch Drehen der Frontlinse noch deutlich verstärken. Darüber hinaus ändert sich dadurch die Form des Bokehs. Aus den runden Blasen werden, gerade in den äußeren Bereichen Quallen.

 

Der Umbau ist denkbar einfach. Die Frontlinse wird von einem Gewindering gehalten. In diesem sind zwei kleine Kerben. Mit einem geeigneten Werkzeug, z.B, ein Zirkel mit zwei Metalspitzen, dreht man diesen Ring raus, dreht die Linse um und dreht dann den Gewindering wieder ins Objektiv. 

 

Bei den allermeisten Objektiven würde solch ein Umbau nicht so einfach funktionieren und, vor allem, nicht diesen Effekt bringen. Bei einigen anderen alten russischen Objektiven kann man auf die gleiche einfache Weise die Frontlinse drehen und eine Verstärkung des Bokehs erreichen. Lohnenswert ist das beim Jupiter 9 sowie Mir 1b. Das Jupiter 9 ist allerdings im Moment nicht für einen vernünftigen Preis zu bekommen, unter 150€ ist kein gut erhaltenes Exemplar zu ersteigern. 


Beim Mir 1b sieht es nicht viel besser aus. Über ebay kann man zwar in Russland ein Exemplar für 60 bis 70 € kaufen, allerdings kommt dann neben ca. 15€ für den Versand noch der Besuch beim Zollamt des Vertrauens inkl. der Zahlung von 19% Einfuhrumsatzsteuer auf einen zu. In weit das Drehen anderer Linsen aus der UdSSR etwas bringt vermag ich im Moment nicht zu sagen. Einen Versuch wäre es sicher wert die Front Elemente von Linsen wie Zenitar M-50, Jupiter 8, Industar 69, oder Volna 3 umzudrehen. Mit etwas Glück bekommt man solch eine Linse für einen vernünftigen Preis bei ebay.

Light Painting mit dem Altglas

In den Bildern kamen Helios 44-2, Meyer Optik Lydith und Figmentum zum Einsatz:

Auch ohne Modifikation machen fast alle anderen Meyer Optik Görlitz Objektive ein feines Bokeh. Gute Kandidaten sind das Oreston 50/1,8, Trioplan 50/2,9, Primoplan 58/1,9  und natürlich das Trioplan 100/2,8 wenn man das nötige Kleingeld hat. Auch andere DDR Objektive sind durchaus sinnvoll im Light Painting einsetzbar, wie Carl Zeiss Jena Flektogon 35/2,8 und Biotar 58/2. 

Wie kommt das Altglas an die moderne DSLR?

Objektive mit sehr seltenen, heute überhaupt nicht mehr verwendeten Anschlüssen wie Praktina, Exakta, P6-Bajonett o.a. habe ich auch schon mal mit Gaffa Tape an die Kamera geklebt. Das ist nicht besonders elegant, aber zur Not funktioniert auch das.  Da in den alten Linsen keinerlei Elektronik verbaut ist lassen sich Objektive mit M42 oder M39 Anschluss mit einem einfachen Adapter für das eigene System umrüsten. Diese Adapter kosten nur einige wenige Euro. 

M42 - Nikon F - M42 - Canon L - M42 -Sony E - M42 - Sony (Minolta) - M42 - Olympus - M42 - Pentax K - M42 - Fuji X

Bei manchen Kameras, wie z.B. Nikon ist mit diesen Adaptern keine Fokussierung auf unendlich möglich. Dafür benötigt man dann einen Adapter mit Korrekturlinse. Für unseren Einsatzzweck spielt das allerdings keine Rolle weil wir ja bewusst Unschärfe aufnehmen wollen. Wenn du das Objektiv an Deiner Nikon auch für "normale" Fotografie verwenden willst ist die Investition in einen Adapter mit Korrekturlinse sicher eine Überlegung wert.

Die oben genannten Adapter sind ebenfalls für M39 Gewinde erhältlich.

Wie viel Glas braucht der Light Painter?

Haben ist ja immer besser als Brauchen. Allerdings fällt mir keine Situation ein, in der ich die Linsen aus dem Beispielbild alle gebrauchen könnte, nicht einmal der dreiwöchige Urlaub. Im Fotorucksack sind nie mehr als 5 Linsen verstaut, allerdings wechseln sie gelegentlich. Wenn ich ausschließlich Light Painting mache nehme ich andere Linsen mit als wenn ich Lost Places fotografiere. 

Die meisten Light Painting Bilder mache ich mit dem Sigma 14/2,8 (oben links). Das Tokina 19-35 (rechts daneben) habe ich auch so gut wie immer dabei. Meist verwende ich diese Linse allerdings nur wenn ich während der Belichtung am Zoom drehe. Das Meyer Optik Görlitz 35/2 (dritte Reihe, zweites von links)  befindet sich genauso immer im Rucksack wie das Helios (ganz unten).  


Für fast alle Light Painting Ausflüge ist das absolut ausreichend. Für spezielle Aufgaben verwende ich gelegentlich das 100er Makro Objektiv (nicht im Bild weil an der fotografierenden Kamera). Das 85er Meyer Optik benutze ich manchmal für Light Painting Porträts. Alle anderen Linsen verwende ich fast ausschließlich für "normale" Fotografie. Das 8mm Fisheye benutze ich nur für 360° Panoramen. Und überhaupt sollte ich die Linsen mal putzen wenn ich mir das Bild so anschaue...

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht und wenig Dreck auf der Linse
Sven

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Light Painting und Social Media - Fluch oder Segen?

Ohne Facebook und Instagram kein Light Painting?

Ich weiß nicht wie die Light Painting Gemeinschaft heute ohne die fantastischen Möglichkeiten des Internets, und vor allem der Social Media Plattformen, aussehen würde. Höchstwahrscheinlich wäre die Anzahl der Light Painting Besessenen wesentlich kleiner. Viel gravierender, zumindest für mich, wäre allerdings, dass ich von der Existenz der anderen Light Painter vermutlich nichts wüsste. Es würde wenig oder gar keinen Austausch geben. Ich könnte nicht gemeinsam mit Pala Teth, Mart Barras, Dan Chick, Frodo und anderen Verrückten aus allen Teilen der Welt der Berliner Malzfabrik mit den Lampen neues Leben einhauchen. 

Die meisten Kollegen, so wie ich auch, sind erst durch den Austauch in den sozialen Netzwerken überhaupt auf das Thema Light Painting gestoßen. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Andererseits gibt es die Kunstform Light Painting schon länger als das Internet und Facebook. Die ältesten bekannten Light Painting Fotografien stammen aus dem Jahr 1889, nein ich hab mich nicht vertippt, achtzehnhundertneunundachtzig. Es gab also schon seit Anbeginn der Fotografie Künstler die kreativ mit langen Belichtungszeiten gearbeitet haben. 

So richtig Schwung hat Light Painting allerdings erst seit einigen Jahren bekommen. Neben der einfachen Verbreitung im Internet ist dieser Umstand der rasanten Entwicklung der digitalen Fotografie sowie der Entwicklung immer leistungsfähigerer LED-Lampen zu verdanken. 

Was ist mein Antrieb? Was sind meine Ziele?

Light Painting ist für mich so viel mehr als das perfekte Ergebnis. Light Painting ist der gesamte Prozess von der ersten verrückten Idee, dem Bau geeigneter Tools über die Suche nach der geeigneten Location bis hin zu den besonderen Erlebnissen und Gefühle während der kreativen Arbeit mit bewegtem Licht. Light Painting ist das Verstehen wie Licht funktioniert; welche ungeahnten Möglichkeiten die kreative Arbeit mit Licht bietet. Mir ist es ziemlich Schnuppe ob das Bild hunderte Likes und dutzende Kommentare in den sozialen Netzwerken bekommt. Mein Light Painting ist gut wenn es mir und den anderen an der Entstehung Beteiligten gefällt. Kunst liegt nicht im Auge das Betrachters, Kunst liegt in der Seele des Künstlers! Und wenn ich der Einzige bin der das Bild versteht, dann ist das eben so.  Der Eitelkeit schadet es aber natürlich nicht wenn den Light Painting Kollegen gefällt was ich so mache, meine Arbeitsweise werde ich deswegen aber sicher nicht dem Geschmack der Kollegen anpassen.

Austausch, Inspiration und gegenseitige Hilfe

Die meisten Light Painting Bilder die man mittlerweile so täglich bei Instagram und Facebook sieht sind eher Mimikri als Kunst. Der große Meister der Lichtröhren zeigt den Kindern wie es geht und hunderte "Light Painter" adaptieren die Technik 1:1 oder versuchen sogar gleich die kompletten Bilder zu kopieren.  Das macht den Beteiligten sicherlich viel Spaß, besonders kreativ ist das allerdings nicht. Als Künstler will ich doch meine eigenen Ideen und Gefühle sichtbar machen und nicht fremde. Solange das nur der Einstieg ins Thema Light Painting ist und sich der Künstler auf dieser Basis selbst weiterentwickelt, ist das allerdings durchaus legitim. Nur wenn der Künstler jeden Tag das gleiche Light Painting macht weil er ja damit sooooo erfolgreich bei Instagram ist kann ich das nicht so recht ernst nehmen. Eine Bereicherung der Light Painting Gemeinschaft ist so etwas jedenfalls nicht.

Man sollte allerdings etwas vorsichtig sein jemand eilig des Kopierens zu verdächtigen und lieber zwei Mal hinschauen. Manchmal haben nämlich einfach auch zwei oder mehr Leute den gleichen Geschmack und ähnliche Ideen.

 

Es ist oft eine Gratwanderung sein Wissen zu teilen ohne Gefahr zu laufen 1:1 kopiert zu werden. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es in den letzten Jahren immer mal wieder "Kopien" gab die mit viel lautem Geklapper erfolgreicher wurden als das Original. Und meist vergessen sie auch nur mit einer Silbe zu erwähnen wer sie "inspiriert" hat. Lange Zeit habe ich mein Wissen ausschließlich in unseren Workshops geteilt um eben dieser Gefahr vorzubeugen. Auf der anderen Seite habe ich den Wunsch die Light Painting Gemeinschaft zu vergrößern und zu stärken. Und dafür ist es eben hilfreich gerade Einsteigern Hilfestellungen zu geben damit sie nicht gleich wieder frustriert aufgeben. Wer gerade frisch auf die Kunstform Light Painting aufmerksam geworden ist bucht gewöhnlicherweise nicht sofort einen Workshop für einige hundert Euro. Das kommt dann erst später. Also versuche ich Einsteigern und manchmal auch erfahrenen Light Paintern Hilfe in Form von Beiträgen für diesen Blog, den Light Painting Blog und auch in verschiedenen Gruppen bei Facebook anzubieten. Alle meine Tricks verrate ich aber auf keiner dieser Plattformen. Außerdem vermeide ich es genaue Bau- oder andere Anleitungen zu veröffentlichen. Wenn dem geneigten Leser schon die Fantasie fehlt mit meiner Hilfe das geeignete Werkzeug zu bauen ist Light Painting dann vielleicht doch nicht das Richtige für sie oder ihn. Es soll nicht darum gehen meine Tools und Techniken 1:1 zu kopieren. Sie sollen nur den ein oder anderen Aha-Effekt auslösen und dem Leser helfen eine für ihn geeignete Lösung zu finden.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mit einigen langjährigen Light Painting Kollegen werden dann auch schon mal die Blaupausen für Tools oder die genaue Arbeitsweise ausgetauscht. Meist nicht so sehr um das Tool dann tatsächlich genau so nachzubauen, sondern eher um die Arbeitsweise und die Ideen des geschätzten Kollegen besser verstehen zu können.

Nun ist es allerdings nicht so, dass ich nicht auch manchmal Hilfe brauche. Ohne den Austausch mit anderen Light Paintern würde ich einige Dinge bis heute noch nicht verstehen. Die auf volles Lichtspektrum umgebauten Nikon D70 und D300 hätte ich ohne den regen Austausch mit Dan Chick vermutlich schon aus dem Fenster geworfen. Er hat sich schon viel länger mit diesem Thema beschäftigt und hat außerdem als Physiker ein besseres Verständnis des Themas. Um nur mal ein Beispiel zu nennen.


Im Light Painting habe ich keine Konkurrenten denen ich etwas wegnehmen will oder die mir etwas wegnehmen könnten. Viele sehe ich als gleichberechtigte Kollegen oder sogar Freunde. Gerne können sie in unseren Koffern kramen und sich alles genau ansehen. Und wenn dann einer mal eines unserer Tools genau nachbaut fühle ich mich genauso geehrt als wenn große Künstler wie Mart Barras oder Pala Teth mit von mir modifizierten Taschenlampen arbeiten. 

 

Viele Light Painting Künstler inspirieren sich gegenseitig, egal ob Einsteiger oder alter Hase. Wenn ich mir jeden Tag dutzende Bilder anderer Light Painter anschaue bleibt immer etwas hängen. Ich renne dann allerdings nicht los und versuche die Technik sofort zu reproduzieren oder das neue Tool des Kollegen gleich nachzubauen. Aber oft fließen dann die verschiedenen Ideen in irgendeiner Weise in meine Arbeit mit ein. Ob nun ganz bewusst oder eher unbewusst sei jetzt mal dahin gestellt. Oft weiß ich nach einem Jahr nicht einmal mehr wer mich zu dieser Idee inspiriert hat. Manchmal weiß ich das allerdings noch ganz genau. Wie zum Beispiel beim Bild oben. Etwas ähnliches hatten Heinz-Jörg Wurzbacher und Garry Krätz vor einigen Jahren mal gemacht.
Wenn ich nicht viele gute Bilder anderer Light Painting Künstler gesehen hätte und immer wieder sehen würde wären mir sicher einige Ideen zur Umsetzung meiner Bilder nicht in den Sinn gekommen. Und ohne die sozialen Netzwerke hätte ich alle dieser Bilder vermutlich nie gesehen... und niemand würde meine Bilder sehen.

Nachteile für die Kunstform Light Painting

Wie oben schon angedeutet sehe ich den größten Nachteil der sozialen Netzwerke, vor allem von Instagram, in der Geilheit vieler Nutzer nach Followern und Likes. Es geht nicht um Kreativität. Es geht nicht um Kunst. Es geht nicht um Light Painting. Diese Leute wollen nur viele Follower und Likes. Sie sind sich nicht zu schade diese Likes mit Mimikri zu bekommen. Wozu das allerdings gut sein soll wird sich mir wohl nie erschließen. 

 

Problematisch wird es wenn man als Light Painting Künstler anfängt zu analysieren welche Bilder "erfolgreich" sind um dann seine Ideen, Arbeitsweise, Farben, Locations oder was auch immer zu verändern um allen Bildern mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das grüne Light Painting hatte letzte Woche doppelt so viele Likes wie das Blaue, also mache ich jetzt mehr grüne Bilder auch wenn das eigentlich gar nicht zu meiner aktuellen Idee und meiner Stimmung passt.

Aus mir völlig unerfindlichen Gründen  bekommen gerade bei Instagram, Bilder, die die Nutzer schon hunderttausend Mal gesehen haben, viel mehr Aufmerksamkeit als neue, spannende, einzigartige Bilder, egal wie gut sie sind.  

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Brandenburger Tor und Fernsehturm gehen immer, unbekannte Locations eher nicht, egal wie sexy sie sind und egal wie gut das Foto davon ist. 

Man muss schon sehr wach und vorsichtig sein um selbst nicht diesem unkreativen, letztendlich völlig bedeutungslosen, Blödsinn zu verfallen. Was habe ich denn von der großen Aufmerksamkeit bei Instagram? Richtig, nichts! Das sind nur Zahlen die keine Bedeutung für das reale Leben haben. Nur weil ich mehr als 100000 Follower habe bin ich noch lange nicht automatisch Millionär. Und ganz sicher bin ich nicht (mehr) besonders kreativ und meiner Kunst, meiner Passion, treu. Applaus ist für alle Künstler wichtig, auf diese Art Applaus kann ich allerdings durchaus verzichten. Vor allem wenn ich vergleiche welche meiner Bilder als großer Print über der Couch von realen "Followern" hängen. Das sind meist nicht die Startseiten-Bilder bei View oder Fotoforum und vor Allem nicht die Light Paintings mit besonders vielen Likes bei Instagram. Und dabei geht es mir nicht vordergründig darum mit dem Verkaufserlös neue Taschenlampen zu kaufen. Viel wichtiger ist das besondere Glücksgefühl, dass einigen Menschen meine Kunst so gut gefällt, dass sie viel Geld ausgeben um damit ihr Zuhause zu schmücken. Mehr kann man als Künstler eigentlich gar nicht wollen.

 

Allerdings sollte man auch nicht zu paranoid sein. Ich habe mich zuweilen schon dabei ertappt bestimmte Bilder nicht umzusetzen oder hochzuladen weil ähnliche Bilder recht erfolgreich in den Netzwerken waren. Letztendlich ist aber auch das kein guter Einfluss auf das eigene künstlerische Schaffen. Man sollte sich als Künstler treu bleiben und seine Ideen genau so umzusetzen wie man sie im Kopf hat, völlig unabhängig davon wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Light Painting bei Instagram "durch die Decke geht". 

 

Was mir auch nicht so recht verständlich ist warum Aktfotografen ihre Bilder mit Sternchen, Balken oder womit auch immer verunstalten. In den wenigsten Fällen gelingt eine "unauffällige" Retusche. Wenn das Bild mit Sternchen über den Nippeln geplant war dann klebe ich dem Model die Sterne gleich ans Gesäuge und verkaufe das als Burlesque und bastel das nicht für die "Facebook-Variante" am Computer ins Bild. Man kann diesen kranken Blödsinn in den Regeln von Fratzenbuch und Instagram ja Scheiße finden wie man will, es nutzt nur genau gar nichts sich darüber aufzuregen. Facebook und Instagram werden diese Regel nicht abschaffen. Wenn ich ausschließlich, oder hauptsächlich unbekleidete Damen ablichten würde hätte ich keinen Account bei Instagram. Wozu auch? Aber Konsequenz wird ja in der heutigen Zeit immer unpopulärer.

 

Warum ich überhaupt meine Light Painting Bilder bei Instagram poste wenn das alles so fürchterlich ist? Weil ich die Hoffnung habe nur echte Follower und echte Likes zu bekommen, jedenfalls schleime ich mich dort bei niemandem ein damit er mir folgt. Weil ich mit meinen Bildern die Kunstform Light Painting populären machen will. Weil ich zeigen will was kreative Arbeit mit Licht ist. Und wenn auch nur 5 meiner aktuell 1400 Follower vom Virus Light Painting durch meine Bilder angesteckt werden hat sich der Aufwand gelohnt.

 

Weniger stark sind diese Phänomene auf den anderen Online-Galerien wie flickr oder 500px ausgeprägt. Dort bin ich nicht so schnell gelangweilt vom sieben-tausendsten Stahlwolle-Bildchen. Dort wollen die meisten Nutzer ihre eigenen Bilder zeigen und nicht die Kopie der Kopie der Kopie. Für die Like-Geilen sind flickr und 500px glücklicherweise nicht hip genug. Dort funktioniert der Mimikri-Plan nicht so gut. Und außerdem ist es sowohl bei flickr als auch bei 500px wahnsinnig gefährlich weil Mark Zuckerberg nicht peinlich darauf achtet, dass ich keine weiblichen Brustwarzen zu sehen bekomme. Das könnte schließlich schwerste Traumata auslösen. 

Was können die verschiedenen Plattformen, was nicht?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Facebook

Facebook hasst jeder, oder? Ich hab noch nie jemanden sagen hören, dass Facebook toll wäre. Alle regen sich auf, dass irgendwelche Algorithmen zur Anzeige der Beiträge geändert wurden, dass Facebook sich einen Dreck um Datenschutz kümmert usw.. Aber irgendwie sind "alle" bei Facebook angemeldet und mehr oder weniger aktiv. 

Eigentlich ist das ganz einfach:
1. Facebook kostet nix. Wenn irgendwas für umme ist rege ich mich nicht auf, dass mir irgendwas grundsätzliches nicht passt. Mich zwingt ja schließlich niemand dazu mitzumachen.

2. Datenschutz. Auch ganz einfach. Ich poste dort ausschließlich Sachen, die ich jedem mir unbekannten Menschen auf der Straße auch erzählen oder zeigen würde.


Wer reich illustrierst über den sauber abgekniffenen Stuhl des Erstgeborenen berichtet hat den Knall nicht gehört. Man postet keine Bilder  seiner Kinder im Internet! Es sei denn sie sind alt und schlau genug um die Folgen zu überblicken und Mutti und Vati haben vorher artig gefragt. Sie suchen schließlich später den Platz im Geronten-Aufbewahrungs-Container für Mutti und Vati aus.

3. Ach nee... das mit den Titten hatten wir oben schon.

4. Facebook sieht Scheiße aus! Aber sowas von... Als visueller Künstler kommt mir regelmäßig das Abendbrot von vorgestern hoch wenn ich die Seite auf mich wirken lasse. Aber Facebook will auch gar keine ansprechende Online-Galerie für Künstler sein.

5. Die Wahrscheinlichkeit, dass Du diesen Artikel hier nur liest weil Du den Link bei Facebook angezeigt bekamst ist sehr hoch. Ohne Facebook hätte ich geschätzt nur ein Drittel so viele Leser. Geschätzt die Hälfte unserer Workshop Teilnehmer buchen die Workshops weil ich diesen bei Facebook geteilt habe. Ob nicht auch ohne Facebook alle Plätze des Workshops gebucht werden würden vermag ich nicht zu beurteilen, aber das Verbreiten auf Facebook nutzt mir jedenfalls etwas.

6. Facebook ist völlig ungeeignet um seine Bilder aussagekräftig, fundiert und konstruktiv kritisieren zu lassen. Die Anzahl der Likes sowie die Anzahl und Art der Kommentare ist oftmals völlig emanzipiert von der Qualität des Light Painting Bildes. Meist beschränken sich die Kommentare ausschließlich auf Lobhudelei oder Herabwürdigung. Nur in sehr seltenen Fällen liest man konstruktive Kritik. Ich habe mir das auch irgendwann abgewöhnt. Viele Künstler wollen so etwas nicht lesen und sind dann beleidigt. Vielen Menschen kommt überhaupt nicht in den Sinn ihre Arbeit zu verbessern indem sie Kritik annehmen. Komische neue, digitale Welt...

Instagram

Ich habe es aufgegeben verstehen zu wollen wie Instagram funktioniert. Die fundamentalen Ideen "Follow for Follow" und "Like for Like" sind mir so was von fremd. Da wird dann ein neuer Follower angezeigt damit man ihm auch folgt und dann drückt das Pufferhirn wieder auf "unfollow".

Da kann man sich dann Follower, Likes und Kommentare kaufen. Ja, tatsächlich, für reales Geld bekommt man bedeutungslose, wertlose, Follower und Likes. Kommentare sehen meist so aus: ⚡⚡⚡  👍⭐⭐ Was soll dieser Scheiß? Nur weil ich viele Follower habe bekomme ich noch lange nicht irgendwelche Aufträge, schon gar nicht wenn ich den Auftrag nicht ausführen kann weil ich keine Ahnung vom Thema habe. Und selbst wenn, will der Auftraggeber gewöhnlich kein Geld ausgeben, wie ich in jüngster Zeit selbst wieder einmal erleben durfte. Die große Agentur sucht für einen riesengroßen Auftrag (ein großer Autobauer) einen Light Painter. Bezahlen wollen sie aber nur 2,50€, oder besser gar nichts. Solche Anwandlungen wäre ohne Instagram kaum denkbar. Ich hoffe, sie suchen immer noch... bis sie schwarz werden! 

Miyuki Matsunaga @ Japan Festival Berlin 2017
Miyuki Matsunaga @ Japan Festival Berlin 2017

Ich folge Profilen weil ich tatsächlich die Bilder sehen will. Ich drücke zweimal auf ein Bild wenn es mir gefällt. Ich schreibe einen Kommentar wenn ich was zu sagen haben. Und das Gleiche erwarte ich andersrum. Bin ich deshalb geisteskrank? Muss ich in die Klappsmühle? Oder bin ich einfach zu alt für Instagram?

Ob Instagram einen realen Nutzen für die Stärkung der Light Painting Community hat vermag ich nicht zu beurteilen. Das ganze Medium ist dafür vermutlich viel zu schnelllebig. Da aber das Teilen eines Bildes mit dem Smartphone von flickr zu Instagram inklusive kopieren von 30 Tags nur 11,358 Sekunden dauert kann man ja versuchen auch über diese Plattform ein paar neue Light Painting Junkies zu rekrutieren. 

Flickr und 500px

500px bedient ausschließlich das Thema Fotografie, flickr lässt auch Digital Art und andere Kunst zu. Wenn ich einen Anhaltspunkt haben will ob mein Bild nicht nur mir alleine gefällt lade ich es bei flickr und 500px hoch und schau dann nach ein paar Tagen wie viele Leute es als Favorit markiert und kommentiert haben. Die "Qualität" dieser Bewertung ist meiner Meinung nach eine ganz andere als bei Instagram oder auch Facebook weil dort einerseits fast ausschließlich andere Fotografen und Künstler unterwegs sind und weil sich diese mehr Zeit nehmen um die Bilder zu betrachten. 

Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Plattformen ist die "Kurzlebigkeit" von 500px. Nach 24 Stunden sinkt die Zahl der Aktivitäten für das hochgeladene Bild rapide ab. Bei 500px wird für jedes Bild der sogenannte Pulse angezeigt. Um so höher dieser, desto mehr Aktivitäten gab es von anderen Nutzern für dieses Bild. 

Bei den Fickr Pro-Accounts hat man die Möglichkeit eine Statistik der Aktivitäten anzeigen zu lassen (siehe Bild).  

Wie aussagekräftig diese "Messungen" sind hängt von vielen Faktoren ab. Wochentag, Uhrzeit, Wetter, Anzahl der Follower... Ein Bild, dass bei Flickr Explore gezeigt wird bekommt automatisch viel Aufmerksamkeit auch wenn es kein Meisterwerk ist.


Man sollte, wie schon weiter oben geschrieben, keine Konsequenzen für seine zukünftige Arbeit aus diesen Zahlen ziehen. Es sind nur Zahlen. Ich kann nicht in die Köpfe und Herzen meiner Follower schauen. Ich kenne also ihre Motivation mein Bild zu kommentieren oder zu ihren Favoriten hinzuzufügen in den allermeisten Fällen nicht. Was sich allerdings meiner Meinung nach gut ablesen lässt ist die eigene "Qualitätssteigerung" über einen längeren Zeitraum. Ich weiß auch ohne irgendwelche Statistiken, dass ich heute bessere Light Painting Bilder mache als vor 5 Jahren. Das ist schließlich auch genau der Plan - immer bessere Light Paintings machen. Als zusätzliche Bestätigung und Messung taugen Instrumente wie Pulse bei 500px und die Statistiken bei Flickr durchaus. 

Den Applaus durch Kommentare, Favoriten und Pulse nehme ich bei diesen Plattformen gerne als solchen an. Nach meinen Erfahrungen geht es bei Flickr und 500px nicht so sehr ums Einschleimen um selbst Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn mir jemand folgt bleibt er in den allermeisten Fällen mein Follower auch  wenn ich ihm oder ihr nicht "zurück folge".  Fazit: meine Follower sind interessiert an meiner Kunst.

 

Die "beliebten Fotos" bei 500px beschränken sich in 99% der Fälle auf die technische Qualität. Gezeigt werden dort fast ausschließlich Piepmätze, leicht oder unbekleidete junge Damen, Makroinsekten mit "Tautropfen", niedliche Tierbabys, Polarlichter... alles "perfekt" bearbeitet und glatt gebügelt. Die meisten Bilder nehmen mich nicht mit, sie erzählen keine Geschichte, sie erzeugen kein Gefühl, sie sehen einfach nur nett aus und sind dabei völlig belanglos und austauschbar.  Die "beliebten Fotos" sehen irgendwie jeden Tag gleich aus, ich könnte jedenfalls nicht sicher sagen ob dieses oder jenes Bild nicht schon letzte Woche gezeigt wurde.

 

Ganz anders bei Flickr Explore. Die meisten Bilder sprechen mich dort zwar auch nicht an aber zumindest werde ich nicht täglich mit dem fünftausendsten austauschbaren Bild des Eisvogels genervt. Dort gibt es tatsächlich dem Namen entsprechend so einiges zu entdecken wenn man denn was Neues entdecken will. 

 

Eine wichtige Rolle spielen bei Flickr die Gruppen. Ohne die Light Painting Gruppen, vor allem die 2008 von Trevor Williams gegründete Gruppe "Light Junkies" wären wohl viele Light Painter der heutigen Zeit nie auf das Thema Light Painting aufmerksam geworden. In den meisten Light Painting Gruppen gibt es dann tatsächlich auch nur zum Thema Light Painting passende Bilder zu sehen. Die Gruppenmitglieder sind höchstwahrscheinlich wirklich am Thema interessiert und haben ein gewisses Verständnis was Light Painting ist. 

Die lokalen Seiten - Fotoforum, View, Heise, Fotocommunity

Die Reichweite ist natürlich nicht annähernd so groß wie bei den großen internationalen Seiten. Die Light Painting Gemeinschaft ist zwar in Deutschland recht groß, aber so viel kann man in den deutschen Communities nicht erwarten. Die Fotocommunity war bis vor einigen Jahren eine recht angenehme Plattform zum Austausch mit gleichgesinnten. Leider sind diese Zeiten vorbei. In der Galerie sind seit einiger Zeit auch wieder einige interessante Bilder zu sehen, das meiste ist allerdings ebenso belanglos wie bei 500px, glatt gebügelt und austauschbar. Die "Geschäftsidee" der fc finde ich sehr befremdlich. Man versucht die Mitglieder zu einem Bezahl-Account "zu motivieren" indem man die Anzahl der Bilder auf 100 beschränkt, ihnen den Zugang zu den Tittenbildern verwehrt und die Teilnahme am Voting verbietet anstatt ihnen tatsächlich einen Mehrwert zu bieten. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Davon abgesehen sind in der fc viele Klugscheißer und Trolle unterwegs, die nicht den blassesten Schimmer haben was Light Painting ist aber trotzdem irgendwelche sinnfreien, respektlosen, herabwürdigen Kommentar abgeben. Für Auseinandersetzungen mit diesen Zeitgenossen fehlt mir die Zeit und der Nerv. Aus diesem Grund habe ich meinen Bezalh-Account vor einigen Jahren gekündigt. Etwas wehmütig war ich allerdings schon. Schließlich war die Light Art Gruppe in meinen Anfangszeiten als Light Painter eine ähnlich große Inspiration wie die Light Junkies bei Flickr.

Beim Fotoforum dagegen bekomme ich für die Bezahl-Mitgliedschaft das meist sehr lesenswerte Fotoforum Magazin zugesandt und kann kostenlos an allen Wettbewerben teilnehmen. Hier ist die Anzahl der Fotos auch im Free Account unbegrenzt, der Upload aber auf 1 Bild pro Woche beschränkt. Aber mal ehrlich, wer macht schon mehr als ein wirklich zeigenswertes Bild pro Woche? Da sucht man dann einfach viel sorgfältiger aus was man hochlädt. Mit meinem Premium Acoount könnte ich zwar 20 Bilder pro Woche hochladen, aber mehr als 3 habe ich dort noch nie in einer Woche gepostet. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Und wenn man bei einem der Wettbewerbe einen der ersten Preise gewinnt hat man die Kosten für die Mitgliedschaft für ein paar Jahre "gespart". 

 

Bei View bekommt das Thema Light Painting recht viel Aufmerksamkeit. Bisher waren 25 meiner Bilder auf der Startseite. Auch die Light Painting Bilder der Kollegen sieht man recht häufig auf der Startseite. Solche Bilder schauen sich dann schon mal 1000 Leute an diesem Tag an. Für eine deutschsprachige Seite ist das schon recht beachtlich. 

 

Bei Heise Foto lade ich zuweilen auch das ein oder andere Light Painting hoch. Die Reichweite ist dort nicht besonders groß. Aber sicher gibt es auch dort einige Menschen, die sich für das Thema Light Painting interessieren.

 

Im Vergleich zu den internationalen Seiten ist die Reichweite naturgemäß kleiner. Aber einige Leute werden sich auch dort auf das Thema Light Painting aufmerksam.


Es gibt noch mehr soziale Netzwerke und Foto Communities. Aber wer kann die schon alle regelmäßig bedienen? Ich schaffe das jedenfalls nicht. 

Gerne kannst Du schauen was ich auf den verschiedenen Plattformen so mache. Klicke einfach auf die Bildchen:


Allzeit gutes Licht
Sven

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Stative für Langzeitbelichtung und Light Painting

Ohne Stativ kein Light Painting

Sicher kann man der Kamera auch ohne Stativ einen festen Stand verschaffen, aber kaum ein Light Painter oder Nachtfotograf wird wohl ernsthaft ohne Stativ losziehen. 

Ich gebe in diesem Artikel keine Kaufempfehlung für das ultimative Stativ. Ich habe nicht dutzende verschiedene Stative getestet. Vielmehr soll er einige grundsätzliche Fragen klären und Dir somit die Entscheidung vor dem Kauf des neuen oder ersten Stativs etwas erleichtern.

Welche Anforderungen sollte ein Stativ erfüllen?

Als erstes sollte das Stativ genau das machen wofür es gebaut wurde, nämlich die Kamera sicher und ruhig in Position halten.  Ungewollte Bewegungen der Kamera während der Belichtung kann man im Light Painting mal so gar nicht gebrauchen.

Zweitens sollte sich das Stativ sicher und einfach bedienen lassen. Auf umständliches Gefummel kann man gerade in der Dunkelheit sehr gut verzichten.

Drittens sollte das Stativ robust sein und auch den hundertsten harten Einsatz im abgerockten Lost Place unbeschadet überstehen. Als vierten Punkt möchte ich die  mögliche Arbeitshöhe anführen. Für viele Bilder kann es sehr entscheidend sein ob ich die Kamera hoch, oder auch tief genug platzieren kann,

Als letzter wichtiger Punkt muss das Objekt der Begierde dann nur noch ins eigene Budget passen.

 

Alle weiteren Eigenschaften, wie Material, Gewicht, Packmass, Farbe usw, sind dann nur die Kür. Einige der genannten Punkte können zwar die Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen, mit der eigentlichen Arbeitsaufgabe des Stativs haben sie aber nichts zu tun. 


Glaubenskrieg Material - Carbon vs. Aluminium

Gleich vorweg: Ein Stativ aus Carbon ist nicht besser, stabiler und tragfähiger als ein gleiches Stativ aus Aluminium. Bisher habe ich jedenfalls keine aussagekräftigen, belastbaren Messungen gefunden, die diese weit verbreitete Behauptung stützen würden. Nur weil das Verbundmaterial Carbon selbst eine höhere Steifigkeit und Tragfähigkeit hat als Aluminium bedeutet das noch lange nicht, dass das Stativ mit seinen Verbindungen und dem Stativkopf insgesamt steifer ist. Mal abgesehen von der Tatsache, dass die Materialunterschiede bei Carbon wesentlich größer sind als bei Aluminiumrohren. Ein Stativ aus schlechtem Carbon wird wohl viel stärker wackeln und schwingen als eines aus Aluminium. Die Schwachstellen eines jeden Stativs ist nicht das verwendete Material für die Rohre der Beine sondern die Verbindungen der Rohrsegmente und die Gelenke zwischen Beinen und Stativschulter. 

Carbon hat allerdings den Vorteil des geringeren Gewichts, ein baugleiches Stativ wiegt dann etwas weiniger als die Alu-Variante. Eine viel entscheidendere Gewichtsreduzierung erfährt allerdings der Geldbeutel. Zum Vergleich: Das oben im Bild zu sehende Manfrotto 055 kostet in der Variante aus Aluminiumrohren aktuell bei Amazon inkl. 3-Wege-Neiger 179€. Das 055 aus Carbon ohne Stativkopf kostet dort aktuell 405€. Die vom Hersteller angegebene maximale Traglast liegt bei beiden Stativen bei 9kg, das Packmass gibt Manfrotto für die Alu-Variante mit 61 cm und für die Carbon Ausführung mit 63 cm an. Warum das Carbon Teil 2cm länger sein soll ist mir allerdings völlig unklar. Es könnte durchaus sein, dass diese Angabe nicht stimmt. Das Carbon Stativ ist mit 2000g glatte 500g leichter als das 055 aus Aluminium, ein halbes Kilo Gewicht für fast 300€ Mehrpreis eingespart, oder anders gesagt für ungefähr den dreifachen Verkaufspreis.

Carbon hat allerdings auch weitere Nachteile. Beschädigungen der Rohre durch Stürze an oder auf scharfe Kanten können das Stativ schnell unbrauchbar machen. Wenn die Fasern im Verbundstoff reißen ist es vorbei mit der Stabilität des Materials. Eine Beule im Alurohr hat in den meisten Fällen keinen Einfluss auf die Stabilität des Stativs, das sieht dann nur Scheiße aus.

Wer oft im eisigen Winter mit dem Stativ unterwegs ist sollte vielleicht aber trotzdem die Anschaffung eines Carbon Stativs in Erwägung ziehen. Carbon dehnt sich bei Erwärmung nicht so stark aus wie Aluminium, oder anders herum, es zieht sich bei großer Kälte nicht so stark zusammen. Und am Carbon Stativ frieren im Winter nicht gleich die Hände fest, aber dafür gibt es ja Handschuhe oder Ummantelungen aus Schaumstoff an den Stativbeinen.

 

Damit allerdings möglichst viele Menschen ein teures Stativ aus Carbon kaufen haben die Hersteller von den üblichen Marketingsprüchen abgesehen ein paar Tricks auf Lager. Das 055 mit 4 Beinsegmenten und somit einem kürzeren Packmass von 54 cm ist nur mit Carbonrohren erhältlich. Wer sein Stativ also öfter mal im Handgepäck im Flugzeug verstauen will wird dann vielleicht doch den Lottogewinn in ein Carbon Stativ investieren. Das Teil mit den 4 Beinsegmenten ist nicht teurer als das mit 3. Nebenbei gesagt ist Manfrotto nicht der einzige Hersteller mit solchen Tricks. 

Legierungen mit Magnesium und Holz

Neben den oben genannten und weit verbreiteten Varianten aus Carbon und Alu bauen einige Hersteller die Rohre für die Stativbeine aus einer Magnesium-Aluminium Legierung. Die Steifigkeit ist größer, das Gewicht ist geringer als bei Rohren aus Aluminium. Ich habe bisher keine Erfahrungen mit solchen Stativen sammeln können. Eine schnelle Suche im Internet förderte ausschließlich niedrigpreisige Exemplare aus Fernost mit mir nicht geläufigen Herstellernamen ans Tageslicht.

 

Stative aus Holz sind geil. Im Punkte Stabilität und Schwingungsdämpfung sind sie den anderen Varianten überlegen. Die Preise sind niedriger als man zunächst erwartet. Das Berlebach Report 332 kostet aktuell bei Amazon 276 €. Allerdings ist die maximale Arbeitshöhe von 1,43 m nicht sehr überzeugend, erhältlich sind allerdings auch Ausführungen mit Mittelsäule. Da kommt man dann in ca. 1,80 m Höhe.  Das Teil wiegt über 3 kg. Die Transportlänge beträgt fast 90 cm. Wenn man das Stativ öfter in den Regen stellt wird sich das Holz vielleicht irgendwann verziehen. Ich sehe allerdings öfter buntbewestete Herrschaften mit Vermessungsgerätschaften auf ihren Holzstativen bei Wind und Wetter durch die Straßen ziehen. Vermutlich kaufen die nicht jede Woche neue Stative. Für den Einsatz im Studio oder anderen geschlossen Räumen ist ein Holzstativ aber auf jeden Fall perfekt geeignet.

Besondere Anforderungen an das Stativ im Light Painting

Ein Light Painting wie dieses erfordert zwingend absolute Standsicherheit des Stativs. Mit dem klapprigen Reisestativ in der 1kg-Klasse wird das ganz sicher nichts, egal wie viele Lagen Carbon das Material für die Rohre hat und wie teuer das Schmuckstück ist. Für viele Einsatzzwecke genügt sicher auch ein kleines, leichtes Stativ. Wenn das Stativ erst einmal steht und man die Kamera mit dem Fernauslöser bedient wird die Aufnahme in den meisten Fällen auch mit dem Leichtgewicht gelingen. Wenn man aber während der Belichtung an der Kamera manipuliert, wie bei der Aufnahme des Beispielbildes, sind die Anforderungen viel größer. 

Erste Anhaltspunkte ob ein Stativ bewegungslos stehen bleibt wenn man die Kamera bewegt können sein: 
Die Größe und das Gewicht. Umso dicker die Rohre und das Material der selben desto stabiler ist das Stativ.


Die Anzahl der Segmente. Jede zusätzliche Verschraubung der Rohre bedeutet zusätzliche potentielle Schwachstellen. Also besser das Stativ mit den 70 cm Transportlänge kaufen als das was in die Handtasche passt.

Der Preis bietet unter Umständen auch einen Anhaltspunkt zur Fertigungsqualität des Stativs, aber nicht unbedingt. Es wird auch viel Schrott zu hohen Preise verkauft.

Darüber hinaus ist es sicher eine gute Idee ein Stativ eines Hersteller zu erwerben der schon langjährige Erfahrungen im Bau von Stativen hat und nicht noch "nebenbei" hunderttausend andere Sachen unter seinem "Markennamen" verkauft. Vielleicht ist das ein oder andere Stativ von Rollei ganz OK, aber eigentlich ist das nur ein Handelsname, das kann also nächste Woche ganz anders aussehen. Das High-End-Model für 450€ mag bombenfest stehen, das Teil für 200€ wackelt hingegen vielleicht wie ein Lämmerschwanz. Erfahrungen mit solchen Stativen konnte ich allerdings bisher nicht sammeln.

 

Auch für andere Zwecke im Light Painting verwenden wir die unterschiedlichsten Stative. Zum Drehen des UFO's oder der großen Kreisscheibe darf es dann gerne etwas richtig stabiles sein wie unser Benbo MK2. Das Stativ kann man locker auf eine Höhe von 2,50 m bringen. Die 5 Meter Kreisscheibe ist somit kein Problem. Durch die einzigartige Konstruktion kann man das Stativ auch sicher auf sehr unebenen Untergrund aufstellen. Allerdings ist das Teil mit einem Packmass von 1,14 m und einem Gewicht von 3,7 kg nicht so einfach zu transportieren. 

 

Um einen Laser oder eine Taschenlampe in der Light Painting Szene aufzustellen genügt auch das klapprige 30€ Stativ. Wir verwenden dafür meist kleine, leichte Reisestative wie das Giottos Vitruvian. 

Zusätzliche Features

Viele Stative haben am unteren Ende der Mittelsäule einen Haken um irgendwelches Gepäck daran anzuhängen. Falls Dein Stativ einen solchen Haken hast solltest Du Dir eine Puk-Säge besorgen, den Haken damit absägen, das Fenster weit öffnen und den abgesägten Haken in hohem Bogen aus diesem werfen. Was passiert wenn man Gewicht an diesen Haken hängen würde? Richtig, die Last auf der Stativschulter wird größer und das ganze Gebilde wird instabiler und fängt irgendwann an zu wackeln. Dass der Druck auf die Beine durch zusätzliches Gewicht erhöht wird ist zwar grundsätzlich eine gute Idee, um aber tatsächlich die Standsicherheit des Stativs zu erhöhen müssen die zusätzlichen Gewichte unten an den Stativbeinen angebracht werden, auf keinen Fall oben. Und schon gar nicht wenn die Tragfähigkeit des Stativs damit überschritten würde. Traglast des Stativs = 5 kg, Stativkopf = 1 kg, Kamera mit Objektiv = 2,5 kg, Fotorucksack am Haken = 10kg - das passt also nicht. Man könnte beispielsweise solche Gewichtsmanschetten kurz über dem Boden an den Beinen des Stativs befestigen. Das erhöht dann tatsächlich die Standsicherheit.

 

Austauschbare Füße sind sicher eine gute Idee. Je nach Untergrund kann man dann entweder Metall-Spikes oder Gummifüsse verwenden. Auf dem wackligen Holzboden werden die Schwingungen das Bodes mit den spitzen Spikes eher gedämpft als mit den dicke Gummiteilen. Es nutzt nichts wenn das Stativ bombenfest steht aber Schwingungen des Untergrunds auf das ganze Stativ übertragen werden. 

 

Umbau zum Einbeinstativ. Bei manchen Stativen lässt sich eines der Beine abschrauben und mit der Mittelsäule zu einem Einbeinstativ verbinden. Im Light Painting fällt mir nur ein Einsatzzweck dafür ein. Man könnte Lampen daran befestigen und dann dieses Teil zum Drehen von Orbs oder anderen Figuren verwenden. Das Problem ist dann allerdings, dass der Rest des Stativs nicht mehr zum Aufnehmen des Light Painting mit der Kamera verwendet werden kann.

 

Ummantelung an einem, oder mehreren Stativbeinen. So etwas ist im Winter auf jeden Fall sehr angenehm. Wenn das Stativ der Begierde keine Ummantelung hat kann man diese aber auch selbst anbringen. Das sieht dann vielleicht nicht sehr professionell aus, aber den Zweck erfüllt auch diese Lösung.

 

Ein Zubehöranschluss wie ihn beispielsweise das 055 von Manfrotto hat ist sehr nützlich, allerdings würde ich die Kaufentscheidung nicht davon abhängig machen. Man kann Zubehör wie Halterungen für das Tablet, Fraktalfilter oder ähnliches auch auf andere Weise, zum Beispiel mit einem Magic Arm, am Stativ befestigen. Der Magic Arm passt zwar in den Anschluss des Stativs, man kann diesen aber auch mit mit der kleinen Klemme an einem der Beine befestigen.

 

Manche Hersteller bewerben ihre Stative damit, dass sie wasserdicht seien. Wenn Du also das Stativ öfter mal im Fluss oder der Ostsee aufstellen willst wären solche Stative sicher eine gute Wahl. Das 055er findet solche Aktionen nicht so sehr lustig. Das Wasser lässt sich nur entfernen indem man die Verschlüsse an den Beinen demontiert und das ganze Teil zerlegt und trocknen lässt.

Wie viel Geld muss ich für ein Stativ ausgeben?

Ein Stativ für 30€ ist nicht besser als gar keines. In dieser Preisklasse wird sich wohl kein Stativ finden lassen welches den eigentlichen Zweck erfüllt, nämlich die Kamera während der Aufnahme ruhig zu halten. Die 30€ sollte man besser in 3 Kästen Bier investieren und die Kamera dann auf diese stellen.

Das billigste brauchbare Stativ was ich bisher benutzt habe hat ca. 100€ gekostet. Das Stativ selbst ist ganz in Ordnung, der mitgelieferte Kugelkopf allerdings ein Fall für den Schrottcontainer. Diesen habe ich gegen einen Sirui G-10X ersetzt. Der Kopf ist jetzt also teurer als das Stativ. 

Mit dem oben erwähnten Manfrotto 055 inkl. 3-Wege-Neiger für aktuell 179€ kann man nicht viel verkehrt machen. Wir benutzen mehrere dieser Stative seit vielen Jahren, ohne dass wir bisher ernsthafte Probleme gehabt hätten. 


Nach oben gibt es kaum Grenzen. Ob sich eine höhere Investition für Dich lohnt hängt vom geplanten Einsatzzweck ab. Bei wirklich starker und häufiger Beanspruchung des Stativs wird das Gitzo aus der 1000€ Klasse sicher länger überleben als das 055 für 179€ Ob das Ding allerdings acht mal so lange hält ist fraglich. Nach meinen Erfahrungen sind Stative mit Preisen über dem des 055 bis 600€ nicht stabiler und besser als das stinksolide Manfrotto. Und, nein, ich werde nicht von Manfrotto gesponsert. 

Welchem Hersteller sollte man vertrauen?

Die Anzahl der aktuell erhältlichen Stative ist unüberschaubar. Mehr als 30 Hersteller mit jeweils vielen verschiedenen Modellen ringen um die Gunst des Kunden. In recht kurzen Zeitabständen werden neue oder verbesserte Modelle raus gehauen.

Ein Stativ der Hersteller Linhof oder Gitzo wird man wohl nur einmal in seinem Leben kaufen. Die meisten Modelle sind über jeden Zweifel in Punkto Standsicherheit, Haltbarkeit und Schwingungsdämpfung erhaben. Ich kenne Fotografen die ihr Gitzo ohne jegliche Probleme schon seit über 40 Jahren im Einsatz haben. 

 

Der Marktführer wird wohl Manfrotto sein und auch noch eine Weile bleiben. Ich kenne allerdings keine Verkaufszahlen. Das ist also nur eine Vermutung. Das mit den Verkaufszahlen ist aber immer so eine Sache. Nur weil der VW Konzern allein in Deutschland jeden Monat 40000 PKW Golf verkauft bedeutet das ja nicht, dass das auch ein gutes Auto ist was seinen Preis wert ist.  Aber ich schweife ab... 
Manfrotto baut ganz sicher nicht die besten Stative. Allerdings ist das Preis- Leistungsverhältnis gut. Egal ob 055 oder 190, die Stative erfüllen ihren Zweck und sind ihr Geld wert. Vergleichbare Stative der Mitbewerber sind meist teurer. 

 

Jenseits von Manfrotto haben wir bisher gute Erfahrungen mit verschiedenen Stativen von Sirui und Benro gemacht. Allerdings sind die guten Stative der genannten Hersteller meist kein Schnäppchen. 

Was solltest Du bei der Wahl des richtigen Stativs beachten?

- Tragfähigkeit: umso mehr Gewicht das Stativ sicher tragen kann desto stabiler wird es wohl auch sein. Den Angaben der namhaften Hersteller kann man sicher auch vertrauen. Ob es allerdings gleich das 65 kg-Monster sein muss ist fraglich. Umso höher die Tragfähigkeit desto mehr Gewicht bring das Stativ auf die Waage. Du solltest also eher einen vernünftigen Kompromiss finden. Wenn Deine Kamera mit aufgesetztem Objektiv 3 kg wiegt solltest Du etwas Reserve einplanen. Mindestens 6 kg halte ich für sinnvoll.

- Arbeitshöhe: Bei meiner Körpergröße von 1,90 m würde ich bei einer maximalen Arbeitshöhe von 1,35 m ganz schnell Rückenbeschwerden bekommen. Das Stativ sollte im Idealfall ohne ausgefahrene Mittelsäule eine angenehme, zur eigenen Körpergröße passende, Arbeitshöhe bieten. Zur angegeben Höhe muss dann noch die Höhe des verwendeten Kopfes addiert werden. Die Mittelsäule sollte man nur im "Notfall" ausfahren. Mit ausgefahrener Mittelsäule büßt man viel an Stabilität ein. Auch eine kleine minimale Arbeitshöhe, kurz über dem Boden, ist für viele Bildideen von Vorteil. 

- Verarbeitungsqualität: Du solltest das Objekt der Begierde vor dem Kauf ausgiebig auf Stabilität testen indem Du einfach mal am Stativ wackelst. Du solltest kontrollieren ob die Verschlüsse und Gelenke sauber funktionieren und alles fest und stabil ist wenn sie weider eingerastet sind.

- Handhabung: Alles sollte leichtgängig sein und sich intuitiv bedienen lassen. Wenn man für bestimmte Einstellungen Werkzeug benötigt ist das nicht unbedingt benutzerfreundlich, genauso wenn man sich irgendwo die Finger einklemmen könnte.

- Kompatibilität: Mein größter Kritikpunkt an Manfrotto ist die Verwendung mehrerer verschiedener proprietärer Schnellwechselsysteme. Komfortabler ist es wenn das gesamte System Arca Swiss kompatibel ist. An unseren Kameras ist immer ein L-Winkel. Diese Winkel sind systembedingt nur als Arca Swiss erhältlich und passen somit nicht auf die Manfrotto Systeme. Die Manfrotto Köpfe haben wir auf Arca Swiss umgebaut. Alle anderen Köpfe, wie der Benro Getriebeneiger, sind Arca Swiss kompatibel.

- Packmass: Wenn Du das Stativ nicht im Flugzeug transportieren willst ist relativ egal wie klein Du das Stativ zusammenschieben kannst. Grundsätzlich wird ein Stativ mit jeder zusätzlichen Beinverschraubung etwas instabiler. Ein weiterer Aspekt ist, dass die maximale Arbeitshöhe klein ist wenn das Stativ ein Packmass von 40 cm hat. Der Kauf eines zweiten kleinen Reisestativs stellt meist nur eine unbefriedigende Notlösung dar. Wenn Du etwas mehr Geld in die Hand nimmst findest Du ein gutes Universalstativ mit großer Arbeitshöhe und ausreichend kleinem Packmass wie z.B. das Benro TMA38CL

Stativköpfe

Viele Stative werden als Kit mit einem Kopf verkauft. Oft packen die Hersteller einen Kugelkopf mit in den Karton. Meist sind diese allerdings von eher mäßiger Qualität. Die Kamera sackt nach dem Festschrauben bei den meisten Kugelköpfen nach. Ohnehin sind Kugelköpfe im Light Painting nicht so gut geeignet.

Wir verwenden 3-Wege-Neiger und Getriebeneiger von Manfrotto und Benro. Mit dem im Bild zu sehenden GD3WH hat Benro einen ordentlichen Kopf mit Arca Swiss Aufnahme zu einem vernünftigen Preis im Angebot. 

Beim Kopf gilt es wiederum die Tragfähigkeit zu beachten. Es nutzt nichts wenn das Stativ 12 kg tragen kann und der Kopf nur 1,5 kg, zumindest wenn die Kamera mit Objektiv schwerer ist als die angegebenen 1,5 kg des Kopfes. 


Aktuell haben wir für unsere Light Painting Ausflüge das Manfrotto 055 mit 3 Beinsegmenten aus Aluminium mit dem Benro Getriebeneiger im Gepäck. Das Stativ hat eine Tragfähigkeit von 9 kg, Benro gibt die Tragfähigkeit für den Kopf mit 6 kg an. Der Kopf selbst wiegt etwas weniger als 1 kg, die Nikon D750 mit dem dicken 14 mm Sigma Objektiv ca. 2,5 kg. Für Camera Rotation Light Painting kommt dann noch das Camera Rotation Tool zusätzlich auf den Getriebeneiger. Alles sitzt fest, in den Bildern sind bisher keine Wackler beim Drehen der Kamera sichtbar geworden. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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Kamera Test Light Painting

Welche Kamera für Langzeitbelichtung und Light Painting?

Jede neue Kamera wird von den verschiedensten Fachzeitschriften, Blogs, Vergleichsportalen, Onlineshops und vielen Hobby- und Berufsfotografen getestet. Meist finden sich allerdings keinerlei aussagekräftige Messergebnisse und Testaufnahmen zum Thema Langzeitbelichtung und Light Painting. 

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Testreihen mit den verschiedenen Kameras wurden nicht unter Laborbedingungen durchgeführt. Messfehler sind somit nicht auszuschließen. Die Ergebnisse sollen nur einen groben Überblick geben und einige Fragen beantworten.
Ist eine neue Kamera per se besser für lange Belichtungszeiten geeignet als eine drei Jahre alte? Erzeugt eine höhere Auflösung grundsätzlich mehr Bildrauschen? Sind Kameras von Nikon und Sony grundsätzlich besser als die Modelle von Canon oder Olympus? 


Welche technischen Eigenschaften der Kamera haben Einfluss auf die Bildqualität?

Ich bin nun wahrlich kein Pixelzähler. Ich schaue mir meine Bilder nicht in 300% Vergrößerung an und zähle die "Fehlpixel". Ein gutes Bild ist ein gutes Bild, egal ob es mit einer analogen Kamera, der 10 Jahre alten Digitalkamera mit 12 Megapixeln oder dem nagelneuen, hippen, "spiegellosen" 50 Megapixel Boliden aufgenommen wurde.  Der Einfluss der Kamera auf das Gesamtergebnis ist in den allermeisten Fällen recht klein. Die Arbeit vor der Kamera, die Idee, die Qualität des Objektivs und unter Umständen das Post Processing haben einen viel größeren Effekt auf das fertige Bild als die Anzahl der Bildpunkte und die technische Qualität des Sensors. Solange das Bild keine Stimmung erzeugt, kein Gefühl vermittelt, die besonderen Erlebnisse und Gedanken das Light Painters während der Arbeit unsichtbar bleiben und der Betrachter nicht mit in das Geschehen genommen wird spielt die Technik keine Rolle. Den dreihundertvierundsiebzigsten unmotivierten "Testshot" vom tollen neuen Light Blade wird ohnehin niemand ernsthaft und tiefgründig betrachten oder sich als Print über die Couch hängen. 

 

Die meisten modernen Digitalkameras sind grundsätzlich für Belichtungszeiten von mehreren Sekunden bis zu mehreren Minuten geeignet. Bei kaum einer aktuellen Spiegelreflex- oder sogenannten Systemkamera wird das Bildrauschen so groß sein, dass das 5 Minuten Light Painting dadurch versaut werden würde. 

 

Zu den Themen Auflösung, Schärfe usw. gibt es für jede Kamera unendlich viele Messungen. Das wird also kein Thema dieses Artikels sein. Wir versuchen einzig Unterschiede im Rauschverhalten bei langen Belichtungszeiten, bei hohen ISO-Werten in Kombination mit langen Belichtungszeiten sowie im Dynamikumfang des Sensors auszumachen, und vor allem zu ergründen ob die Unterschiede so groß sind, dass man ernsthaft über einen Wechsel der Kamera nachdenken sollte. Darüber hinaus ist der Artikel für den Light Painting Einsteiger vielleicht eine gute Hilfe wenn er oder sie vor der Frage nach der ersten "richtigen" Kamera stehen. 

Bildrauschen

Der Sensor zeichnet Bildinformationen auf wo gar keine sind. Im Beispielbild ist das gut zu sehen. Es gelangte während der Aufnahme kein Licht auf den Sensor und trotzdem besteht das Bild aus lauter lustigen bunten Pixeln. Dieses Rauschen nennt man auch Dunklerauschen. Verursacht wird es durch den Ruhestrom der einzelnen Pixel sowie das Rauschen des Ausleseverstärkers. 

Bildrauschen ist ein thermisches Problem. Umso höher die Temperatur des Sensors, desto stärker das Bildrauschen. Hätte ich die Aufnahme bei -20°C gemacht wäre das Bild vermutlich komplett schwarz, getestet habe ich das allerdings nicht. 

Einfluss auf die Oberflächentemperatur des Sensors haben die Umgebungstemperatur, der eingestellte ISO-Wert sowie die Belichtungszeit.


An der Umgebungstemperatur kann ich in den allermeisten Fällen nichts ändern. Es gibt zwar einige Lösungen zur aktiven Kühlung des Sensors, das würde aber den Rahmen hier sprengen. Dessen ungeachtet sind diese Lösungen sehr teuer und aufwändig zu realisieren.

 

Die Belichtungszeit eines Light Painting Bildes kann ich zwar immer beeinflussen. Man sollte allerdings nie auf die Idee kommen sich beim Lichtmalen abzuhetzen um die Belichtungszeit zu verkürzen. Das wird dann nämlich meist nichts. Es ist immer besser ruhig und konzentriert zu arbeiten und nicht über die Belichtungszeit nachzudenken. Was man aber durchaus machen sollte, ist die Optimierung der Arbeit. Ich stecke alle benötigten Lampen in meine Taschen oder platziere sie an den richtigen Positionen um nicht unnötige Wege während des Light Painting zu haben. Ich stelle sicher, dass alle Akkus geladen sind und das Feuerzeug zum Zünden des Feuerwerks funktioniert, ich weise alle Beteiligten vorher genau ein was zu tun ist usw.. 

 

Den größten Einfluss kann der Light Painter über den ISO-Wert nehmen. Umso höher der eingestellte ISO-Wert, desto mehr wird das Signal des Sensors verstärkt. Und damit wird dann eben auch das Bildrauschen verstärkt. Die denkbar ungünstigste Kombination ist ein hoher ISO-Wert, eine hohe Umgebungstemperatur und eine lange Belichtungszeit. Das Beispielbild oben wurde bei 20°C Umgebungstemperatur aufgenommen. Der ISO-Wert war 25600, die Belichtungszeit 30 Sekunden. Hätte ich tatsächlich eine Aufnahme mit diesen Einstellungen gemacht wäre diese unbrauchbar. Das Bildrauschen würde sehr große Teile der realen, gewollten Bildinformationen negativ beeinflussen.

Also wird der Light Painter den ISO-Wert immer so klein als möglich wählen und lieber die Blende weiter öffnen und/oder eine hellere Lampe verwenden. Es schadet allerdings nicht wenn man die Grenzen der eigenen Kamera kennt. Dazu kannst Du einfach einige Testaufnahmen mit aufgesetztem Objektivdeckel machen. Die Schmerzgrenze meiner Nikon D750 ist ISO 3200. Aufnahmen mit Belichtungszeiten bis zu 1 Minute bei 20°C sind durchaus mit diesem ISO-Wert noch möglich.

 

Die Fertigungsqualität des Sensors hat ebenfalls eine großen Einfluss auf die Stärke des Bildrauschens. Ob ein neuerer Sensor besser ist als ein alter, und ob Sensoren vom Kamerahersteller A grundsätzlich besser sind als die von Hersteller B versuchen wir mit den nachfolgenden Testaufnahmen zu ergründen.

 

Oft hört und liest man, dass eine höhere Pixeldichte, also die Anzahl der Pixel auf einer bestimmten Fläche des Sensors, mehr Bildrauschen produziert. Meiner Meinung nach kann man diesen Effekt vernachlässigen weil dieser nur bei gleichen Bildausschnitten sichtbar wird. Bei gleicher Betrachtungsgröße des kompletten Bildes, gleicher Fertigungstechnologie des Sensors und gleicher Sensorgröße ist das Rauschverhalten annähernd gleich.

Rauschreduzierung

Da es in vielen Situationen und mit vielen Kameras unmöglich ist das Bildrauschen während der Aufnahme komplett zu unterdrücken schauen wir uns einige Möglichkeiten zur Rauschreduzierung an.

 

Eine einfache Möglichkeit ist es das Motiv möglichst hell abzubilden. Dabei sind die gewollten Informationen, die vom Sensor aufgezeichnet werden, stärker als das ungewollte Bildrauschen. Das Bildrauschen wird somit "überschrieben", um es mal einfach auszudrücken.

 

Im Light Painting ist es weit verbreitet die Funktion "Live View" zu verwenden um den Bildausschnitt festzulegen und zu fokussieren. Da das Live View Bild vom Sensor aufgenommen und auf dem Display dargestellt wird erwärmt sich auch hier der Sensor. 


Das Display hat ebenfalls keinen Wirkungsgrad von 100% und trägt somit zusätzlich zur Erwärmung des Kameragehäuses bei. Es empfiehlt sich nach dem Einrichten der Kamera mittels Live View dieses abzuschalten und dem Sensor etwas Zeit zum Abkühlen zu lassen bevor man mit dem Light Painting beginnt. 

 

Die meisten Kameras verwenden spezielle interne Algorithmen zur Rauschreduzierung. Meist kann man diese im Menü ein- oder ausschalten. Grundsätzlich gibt es zwei Varianten zur kamerainternen Rauschreduzierung. "Rauschreduzierung bei hohen ISO-Werten" hat nur Einfluss auf das komprimierte JPEG-Bild, aus diesem Grund ist diese Funktion für die meisten Light Painter uninteressant. In den allermeisten Fällen werden wir unsere Light Painting Bilder im RAW-Format aufnehmen.

 

Die Funktion "Rauschreduzierung bei langen Belichtungszeiten" wirkt (auch) auf das RAW-Bild. Diese Funktion, kann je nach Kamera und den anderen oben genannten Faktoren, durchaus für ein besseres Ergebnis sorgen. Bei dieser Funktion wird nach der eigentlichen Aufnahme eine weitere Aufnahme gemacht ohne den Verschluss zu öffnen, ein Dunkelbild also. Alle Informationen in diesem Dunkelbild sind zwangsläufig ungewolltes Bildrauschen. Die Informationen werden dann vom eigentlichen Bild vor der Speicherung "abgezogen" und mit Informationen aus den Nachbarpixeln aufgefüllt. Das funktioniert allerdings nur bis zu einer bestimmten Stärke des Bildrauschens ohne sichtbaren Qualitätsverlust. Die Belichtungszeit ist, von einigen Canon Kameras abgesehen, genau so lang wie die der eigentlichen Aufnahme. Und genau da sind wir beim Hauptproblem dieser Funktion. Der ungeduldige Light Painter muss nach der 10 Minuten Performance weitere 10 Minuten abwarten bis er ein Blick auf das Display der Kamera werfen kann und dann entweder das Light Painting wiederholen oder das nächste Bild in Angriff nehmen kann. Auf der anderen Seite ist das Bildrauschen bei kürzeren Belichtungszeiten (bis 2 Minuten) bei den allermeisten Kameras im fertigen Ergebnis nicht sichtbar, die Funktion bringt dann also keinerlei Verbesserung. An unseren Kameras ist aus diesem Grund die Funktion fast immer ausgeschaltet. 

Darüber hinaus hat die nachträgliche Rauschminderung, egal ob in der Kamera oder im Post Processing am Computer, fast immer negativen Einfluss auf andere Aspekte der Bildqualität (Schärfe, Kontrastumfang). Um diese Funktion sinnvoll einsetzen zu können solltest Du mit Deiner Kamera einige Testaufnahmen machen. Wenn das Bild mit aufgesetztem Objektivdeckel bei ISO 100, 20°C Umgebungstemperatur und 10 Minuten Belichtungszeit fast komplett rauschfrei auf der Speicherkarte landet kannst Du diese Funktion getrost ausschalten. Die meisten Light Paintings wirst Du wohl innerhalb dieser Parameter umsetzen. 

 

Nötigenfalls ist eine Rauschreduzierung auch in der Bildbearbeitung am Computer möglich. Durch das fehlende Dunkelbild kann diese allerdings nicht so effektiv arbeiten wie die interne Rauschreduzierung der Kamera. Wobei es natürlich auch möglich ist das Dunkelbild selbst anzufertigen und dem Computer zu übergeben (10 Light Painting Bilder a 10 Minuten - 1 Dunkelbild a 10 Minuten). Im Bereich der Astrofotografie ist diese Arbeitsweise weit verbreitet. 

Dynamikumfang, Auflösung, Schärfe, Farbwiedergabe...

Auf die oben genannten physikalischen Eigenschaften kann der Light Painter wenig bis gar keinen Einfluss nehmen, diese Parameter sind vom Hersteller während der Produktion der Kamera festgelegt worden. Einzig in der nachträglichen Bildbearbeitung kann man daran etwas ändern. Allerdings auch nur soweit wie der Sensor Information aufgezeichnet hat.

Ein moderner Sensor von Sony hat konstruktionsbedingt einen größeren Dynamikumfang als Sensoren von Canon oder Olympus. Der Sensor nimmt also mehr Information auf. 

 

Auflösung und Schärfe sind bei fast allen halbwegs aktuellen Kameras auf so hohem Niveau, dass problemlos große Prints von den Aufnahmen angefertigt werden können. Die Anzahl der Pixel spielt für die meisten Anforderungen kaum eine Rolle. 12 Millionen Bildpunkte entsprechen bei der Darstellung auf einem Monitor mit den üblichen 75ppi einer Fläche von ca. 150 x 100 cm. Prints mit 300 dpi sind bis zur Größe Din A3 möglich. Da der Betrachtungsabstand bei größeren Abzügen steigt kann man durchaus auch größere Formate in geringerer Auflösung drucken. Niemand betrachtet die 3 Meter große Leinwand ernsthaft aus 5 cm Entfernung.

 

Im Light Painting interessiert uns also einzig der Dynamikumfang und das Rauschverhalten des Sensors. Alle anderen Eigenschaften sind entweder nicht von großem Belang oder lassen sich mit einfachen Mitteln am Computer korrigieren, wie der Weißabgleich beispielsweise. 

 

 


Wie haben wir getestet?

Mit allen Kameras wurden zwei Testreihen angefertigt. Beide Reihen wurden jeweils in geschlossenen Räumen bei 20°C Raumtemperatur durchgeführt. Die Kameras wurden während der Aufnahmen nicht bewegt. Entweder war der Objektivanschluss mit dem passenden Deckel verschlossen oder das Objektiv mit dem Objektivdeckel abgedeckt. Alle Bilder wurden als RAW in voller Auflösung aufgenommen. Die Funktion zur Rauschreduzierung war ausgeschaltet.

Für die erste Testreihe wurden Aufnahmen mit jeweils 30 Sekunden Belichtungszeit mit allen ganzen ISO-Werten durchgeführt. In einigen Fällen werden wir auch im Light Painting mit höheren ISO-Werten als 100 arbeiten.

 

Im zweiten Durchgang wurden bei ISO 100 Aufnahmen mit folgenden Belichtungszeiten aufgenommen: 30, 60, 90, 120, 150, 180 und 600 Sekunden. Dieser Teil ist der eigentlich interessante für die Arbeit im Bereich Langzeitbelichtung und Light Painting.

 

Ausgewertet habe ich die Ergebnisse über das Histogramm. Umso weiter das Histogramm nach rechts wandert desto mehr Informationen hat der Sensor aufgezeichnet. Da während der Aufnahmen kein Licht auf den Sensor auftraf sind alle aufgezeichneten Information Bildrauschen und somit ungewollt.

 

Der dargestellte Bereich reicht von 0 bis 255. 0 bedeutet dass keinerlei Informationen aufgezeichnet wurden, 255, dass alle Pixel weiß bei voller Helligkeit angeregt wurden. Das rechnerische Mittel wurde von mir als Kriterium für den Vergleich herangezogen. Das Histogramm aus dem Beispiel ist von der Aufnahme des Bildrauschens von oben. 31,2 ist ein extrem hoher Wert für ein Dunkelbild. Mit diesen Einstellung ist eine normale Aufnahme kaum mehr möglich. 

Zum Vergleich: das rechnerische  Mittel des Light Painting Bildes aus dem vorherigen Abschnitt beträgt 80,8. Auch bei recht hellen Bildern, wie dem mit der Hand weiter oben, liegt es meist nicht über 100.

 

Unten ist die Verteilung auf die einzelnen Farben dargestellt. Für das Ergebnis ist allerdings meist völlig unerheblich ob das Rauschen einen höheren Anteil rot, grün oder blau hat. Wenn die Hauptfarbe des Light Paintings blau ist wird allerdings ein hoher Anteil an blauen Hotpixeln nicht so sehr stören wie die roten und grünen Hotpixel. Für die praktische Arbeit im Light Painting spielt das aber keine Rolle, niemand wird seinen Sensor genau analysieren und danach die Hauptfarbe für das Light Painting auswählen.


Im Idealfall beträgt das rechnerische Mittel für unsere Dunkelbilder 0, also keinerlei Bildrauschen. Im Dunkelbild bei 100% Vergrößerung deutlich sichtbar wird das Rauschen ab Werten von ca. 6. Wann das Bildrauschen in richtigen Bildern sichtbar wird ist schwer vorauszusagen und vor allem abhängig vom Schwarzanteil im Bild. Wie oben schon ausgeführt ist das Bildrauschen in hellen Bildbereichen weniger sichtbar. Bei Werten ab 12 ist das Rauschen schon im kleinen Vorschaubild deutlich sichtbar. Somit wird das in den allermeisten Bildern als störend wahrgenommen werden. Die Rauschreduzierung der Kamera wird sicher fast immer das Ergebnis verbessern, aber irgendwann kommt auch diese an ihre Grenzen. Bilder mit Werten größer als 25 sind vermutlich fast immer ein Fall für den Mülleimer. Hier mal einige Beispielbilder als 100% Crop (zum Vergrößern anklicken): Rechnerisches Mittel von links nach rechts 0,2 - 1,4 - 5 - 12 - 23 -33

Bedeutung der Angaben in den folgenden Tabellen:
- In der Spalte "Jahr" ist das Jahr der Markteinführung angegeben. Evtl. technische Änderungen ohne Änderung der Modellbezeichnung sind unberücksichtigt. 

- "Preis" ist der aktuelle Straßenpreis. Bei Kameras, die nicht mehr produziert werden der durchschnittliche Preis für ein gebrauchtes Exemplar in gutem Zustand

- In der Spalte "Mpix" steht die vom Hersteller angegebene Auflösung.

- in den anderen Spalten ist das rechnerische Mittel für die Farben aus dem Histogramm angegeben. (s.o.) - 180s und 600s bei ISO 100 - ISO 800 und 3200 mit 30 Sekunden Belichtungszeit

- die Sensorgrößen: FX (Kleinbildformat) - 36 x 24 mm - DX 23,6 x 15,8 mm - APS-C 22,5 x 15 mm - MFT 17,3 x 13 mm
Die tatsächliche Größe der Sensoren weicht bei einigen Modellen geringfügig von den obigen Angaben ab.

 

Nikon

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
D7200 2015 920€ 24,2 DX 0,1 0,8 1,0

10,1

D300 2007 150€ 12,3 DX 1,6 6,6 2,3

11,3

D300s 2009 300€ 12,3 DX 0,0 0,1 1,0

3,8

D750 2014 1700€ 24,3 FX 0,1 0,3 1,3

5,1

Die "alte" D300s liefert erstaunlich gute Ergebnisse ab. Bei der D300 (ohne S) habe ich das Infrarot-Sperrfilter ausgebaut. Ich kann nicht sagen ob das Auswirkungen auf das Bildrauschen hat. In der D300 ist ein anderer Sensor verbaut als in der D300s auch wenn die angegebene Auflösung gleich ist. Die D300 hat genau 12389760 Bildpunkte, die D300s mit 12212224 Pixeln eine etwas geringere Auflösung. Auch die anderen Nikon Modelle schlagen sich gut bei langen Belichtungszeiten. Mit der D300s und der D750 sind darüber hinaus auch relativ lange Zeiten bei ISO-Werten bis 3200 problemlos möglich.

Canon

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
EOS 1000D 2008 135€ 10,1 APS-C 4,2 4,9

6,9

10,4*
EOS 80D 2016

885€

24,2 APS-C 1,4 2,7 4,7

12,9

EOS 70D 2013  760€ 20,2  APS-C        
EOS 5D 2005 300€ 12,8 FX 3,6 10,7 3,2 12,3
EOS 5D Mark III 2012 1780€ 22,3  FX  2,6 2,6  3,9 8,8 
EOS 5D Mark IV 2016 3000€ 30,1 FX 1,2 1,3

2,1

6,6
EOS 6D 2013 1000€ 20 FX 1,4 2

7,4 

* ISO 1600 - der höchste ISO-Wert der 1000D
Die Canon Kameras weisen allgemein ein geringfügig höheres Bildrauschen bei langen Belichtungszeiten auf als die vergleichbaren Nikon Modelle.
Mit der EOS 6D zum Preis von ca. 1000€ hat man auf jeden Fall ein grundsolides Arbeitsgerät im FX-Format mit geringem Bildrauschen bei langen Belichtungszeiten. Nur wenn es wirklich auf höchste Qualität für große Abzüge ankommt lohnen sich die ca. 700€ Mehrinvestition für eine  Nikon D750. 

Die alte 5D von 2005 ist für Langzeitbelichtungen und Light Painting nur sehr bedingt zu gebrauchen. Für die aktuellen Preise für gebrauchte Exemplare ist man mit der Nikon D300s auf jeden Fall besser bedient.

 

Sony

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
α7II 2014 1160€ 24,3 FX  0,3 1,8  3,2  11,2 
α77 2011  340€ 24,3  APS-C  0,4 6,2  22,8 
α7R III 2017 2900€ 42 FX

0,2

0,4  1,6 7,6 

Hier haben mich die Ergebnisse dann doch ein wenig überrascht. Von den Sony Kameras hatte ich mehr erwartet. Im direkten Vergleich mit der Nikon D750 schneidet die Sony α7II etwas schlechter ab. Das höhere Bildrauschen der Sony ist vermutlich der etwas schlechteren Wärmeableitung des kleineren Gehäuses geschuldet, aber dafür kostet das Schmuckstück auch 500€ weniger als der Nikon-Bolide.

 

Die günstige α77 schlägt sich bei ISO 100 und langen Belichtungszeiten recht gut. Bei ISO 3200 rauscht das Ding allerdings wie ein Wasserfall.

 

Die α7RIII hat die höchste Auflösung im Test. Die Werte bei langen Belichtungszeiten und hohen ISO Werten sind gut. Allerdings ist die Bedienung dieser Kamera eine Katastrophe wenn man mit langen Belichtungszeiten arbeiten will. Es gibt keinen "Time" Modus, der "bulb" Modus funktioniert nicht im "silent shooting" Modus, da muss man erstmal drauf kommen. Während der Belichtung war die ganze Zeit die Hintergrundbeleuchtung des Displays an. Was soll dieser Mist? Der Akku wird leer gelutscht und das Display erwärmt zusätzlich das Gehäuse, somit nimmt das Bildrauschen völlig unnötig zu. Da das Gehäuse im Vergleich mit den dicken DSLR's kleiner ist, sind die meisten Bedienelemente auch kleiner. Dieses Drehrad rechts neben dem Display war überhaupt nicht mein Freund. Eine Bedienung in der Dunkelheit wird somit zur Herausforderung, zumindest in meinem Test an einem Wochenende. Ich war nicht wirklich traurig als ich die Kamera wieder abgeben musste.

Olympus

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
OM-D E-M1 2013 1000€ 16 MFT  19,1

k.A. 

10,9 33
OM-D E-M10 II 2015 365€ 16 MFT 3,6 11,5 2,8  9,1 

Die kleinen MFT-Sensoren weisen ein allgemein hohes Bildrauschen auf. Die E-M1 von 2013 ist für lange Belichtungszeiten kaum zu gebrauchen, selbst bei Belichtungszeiten von 60 Sekunden bei ISO 100 beträgt das rechnerische Mittel schon 9. Bei einer längeren Light Painting Performance wird auch die interne Rauschreduzierung an ihre Grenzen stoßen. Einzig die von vielen Light Paintern geschätzte Funktion "Live Composite" ist ein Argument für den Kauf einer Olympus. Wer ergebnisorientiert arbeiten will und oft Light Painting mit Belichtungszeiten von mehr als 5 Minuten machen will sollte besser keine Olympus-Kamera verwenden.

Fujifilm

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
X-T1 2014 1500€ 16 APS-C 0,5 0,6  1,4  3,9 
X-T10 2015 700€ 16 APS-C 0,8 0,6 1,9 4,4

Der kleinste ISO-Wert für das RAW-Format der Fuji Kameras ist 200, also sind die Werte für 180 und 600 Sekunden nicht wie bei den anderen Kameras mit ISO 100 aufgenommen. ISO 200 können allerdings für einige Light Painting Ideen zu hoch sein. 

Fazit

Nach den bisherigen Testreihen geht die Empfehlungen ganz klar an die Nikon D300s. Eine gebrauchte Nikon D300s in gutem Zustand mit nicht mehr als 50000 Auslösungen ist aktuell für unter 300€ zu bekommen, Light Painting Spaß für den kleinen Geldbeutel. Die Kamera ist sehr robust, Nikon gibt auf den Verschluss eine Garantie für 150000 Auslösungen. Somit hat man sicher auch mit einem gebrauchten Exemplar noch lange Zeit seine Freude. Unsere beiden D300(s) haben schon sehr viel mitgemacht und funktionieren tadellos wie am ersten Tag.

Wer lieber eine neue Kamera kaufen will sollte sich die Canon EOS 6D und die Nikon D750 etwas eingehender anschauen.  

Die X-T1 von Fujifilm macht eine gute Figur, ist allerdings nicht unbedingt ein Schnäppchen für eine APS-C Kamera. 


Eigentlich hatte ich den Plan zusätzlich Vergleichsaufnahmen zum Thema Dynamikumfang zu machen. Da der Artikel aber schon recht ausführlich ist werde ich das Thema in einem separaten Artikel aufnehmen. Das liest sonst niemand. ;-)

DANKE

Ich danke sehr herzlich allen, die mich bei diesen Artikel unterstützt haben: Matti Thurley, Dominic Poncé, Gunnar Heilmann, Manuel Paul, Ulrich Günther, Erich Klingenberg, Roland Brei, Martin Wink ... ich hoffe, ich habe niemanden vergessen.

tbc

Ich würde gerne den Artikel ständig mit den Testergebnissen weiterer Kameras erweitern. Wenn Du also eine Kamera hast die hier noch nicht getestet wurde und Du eine Stunde Zeit für die Anfertigung der Testbilder erübrigen kannst freue ich mich über Deine E-Mail. sven(at)lichtkunstfoto.de

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Benro Getriebeneiger

Der perfekte Light Painting Stativkopf?

Die Anzahl der erhältlichen Getriebeneiger ist recht überschaubar. Spontan fallen mir nur die Hersteller Arca Swiss und Manfrotto ein, die solche Stativköpfe bauen. Für den Erwerb eines Neigers der Firma Arca müssten die meisten Menschen erst einmal eine Bank überfallen, das Model D4 geared pan kostet schlanke 1514,87€, die geared "Cube" Teile sind noch teurer. 
Die Getriebeneiger der Firma Manfrotto sind zwar preiswerter, haben, wie alle Köpfe von Manfrotto, allerdings einen entscheidenden Nachteil, sie sind nicht Arca Swiss kompatibel. Ich bin also gezwungen diese proprietären Manfrotto-Schnellwechsleplatten zu verwenden oder das Teil auf Arca umzubauen. So richtig lustig finde ich, dass die Manfrotto-Teile schon untereinander nicht kompatibel sind. Wenn ich mich nicht irre gibt es mittlerweile drei verschiedene Manfrotto-Systeme. 

An allen unseren Kameras sind passgenaue L-Winkel montiert. Diese Winkel sind immer Arca Swiss kompatibel. Für keines der Manfrotto-System sind solche L-Winkel erhältlich. Aus diesem Grund habe ich den 3-Wege-Neiger von Manfrotto auf Arca Swiss umgerüstet. Diese Lösung ist nicht optimal weil ich ein zusätzliches, geschraubtes Bauteil habe was unter Umständen Einbußen bei der Stabilität der Kombination aus Stativ, Kopf und Kamera zur Folge hat. Und mehr Gewicht trage ich dann auch mit mir herum.

Warum Getriebeneiger?

Im Gegensatz zu Kugelköpfen oder auch 3-Wege-Neigern kann man mit einem Getriebeneiger die Kamera ausrichten ohne den Kopf lösen zu müssen. Während der Ausrichtung der Kamera bewegt sich die Kamera nur wenn man am Getriebe dreht. Wenn man aufhört zu drehen ist die Kamera immer genau in der letzten Position fixiert. 


Bei Kugelköpfen sackt die Kamera meist nach dem Festdrehen etwas nach. Beim 3-Wege-Neiger verändert sich die Position oft ebenfalls geringfügig beim fixieren. Obwohl der 3-Wege-Neiger zumindest den Vorteil hat, dass sich die Richtungen getrennt einstellen lassen und nicht wie beim Kugelkopf alles gleichzeitig ausgerichtet werden muss.

Dieses Gefummel mit einem Kugelkopf kann recht zeit- und nervenraubend sein. Kugelköpfe halte ich für sehr ungeeignet wenn es auf genaue Ausrichtung der Kamera ankommt um beispielsweise stürzende Linien im Bild zu vermeiden. In der Langzeitbelichtung und im Light Painting ist darüber hinaus ein absolut fester Halt der Kamera notwendig. 

Seit Mitte 2018 bietet der chinesische Hersteller Benro einen Arca Swiss kompatiblen Getriebeneiger an. Vor einigen Tagen ist das Paket bei mir eingetroffen. Der erste Eindruck ist gut. Alles ist sauber verarbeitet und wirkt stabil und robust. Ob der erste Eindruck sich im harten Alltag bestätigt wird die Zeit zeigen. 

Auf dem Manfrotto 055 sieht der Neiger im Vergleich zum Manfrotto 3-Wege-Neiger etwas verloren aus. Durch die breite Schulter des Stativs ist der Platz zwischen Stativ und dem unteren Knopf recht knapp. Man kann das zwar noch gut bedienen aber komfortabler wäre es wenn entweder der Knopf etwas länger wäre oder das Unterteil des Neigers etwas höher und größer wäre. Da dieser Knopf ausschließlich für die Drehung zuständig ist wird man diesen aber nicht so oft betätigen. Auf Stativen mit breiteren Schultern als beim 055er wird man sicher Schwierigkeiten haben den Kopf überhaupt auf dem Stativ befestigen zu können.

 

In der Grundstellung sind alle 3 Wege fest. Wenn man das Außenteil des Knopfes dreht verstellt man die jeweilige Richtung ganz fein über das eingebaute Getriebe. Wenn man das vordere, gezahnte Teil dreht löst man die Arretierung für die jeweilige Richtung und kann den Kopf in der jeweiligen Richtung frei bewegen. Sobald man das Zahnrad loslässt wird dieses mit der eingebauten Feder wieder zurück in die Ausgangspostion bewegt und der Kopf ist wieder arretiert. 

 

Die eingebauten Libellen und die aufgebrachten Grad-Skalen sind meines Erachtens nach überflüssig. Ich verlasse mich lieber auf den virtuellen Horizont in der Kamera. In der Dunkelheit ist dieser auf jeden Fall besser zu erkennen als die Libellen am Stativ.

 

Was mir besonders gut gefällt ist die Arca Swiss Klemme. Die Schraube lässt sich erstmal nur soweit aufdrehen, dass die Kamera sich zwar nach links und rechts verschieben lässt aber nicht aus der Klemme rutschen kann. Abstürze sind somit ausgeschlossen. Um die Kamera vom Neiger entfernen zu können zieht man die Schraube etwas nach hinten und kann dann weiter auf drehen. 


Kaufen kann man das gute Stück unter anderem bei Amazon. Der Preis liegt aktuell bei 230€, ungefähr soviel wie der Manfrotto MA 410. Der Hersteller gibt die Tragfähigkeit mit 6 kg an, völlig ausreichend für den Einsatz im Light Painting. Für das dicke Paparazzo-Tele könnte das Teil allerdings zu schlapp sein. Das Gewicht gibt Benro mit 740 g an, auf dem Display meiner Küchenwaage stehen allerdings fast 100 g weniger. Vermutlich haben die Freunde aus Fernost die mitgelieferte Arca Schnellwechselplatte mit gewogen. Diese macht, nebenbei bemerkt, einen sehr vernünftigen Eindruck und sieht mit der blauen Eloxierung ziemlich cool aus. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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Light Painting mit unterschiedlich starken Lichtquellen

Flexible Belichtung im Light Painting

Im Beispielbild haben wir in einer einzelnen Belichtung mit EL-Wire, LED-Tagfahrlichtern, RGB-Scheinwerfern, Feuerwerk und starken LED-Taschenlampen gearbeitet. Dieses Bild haben wir während des Workshops im April 2018 aufgenommen. Die Kombination derart unterschiedlich heller Lichtquellen ist alles andere als einfach in einem Lightpainting unterzubringen, aber machbar wie Du siehst. Dieser Artikel soll Dir etwas Erhellung zum Thema flexible Belichtung bringen.

Grundlagen

Grundsätzlich haben folgende Faktoren Einfluss auf die Helligkeit im fertigen Light Painting:

ISO Wert, Blende, Helligkeit der Lichtquelle, Entfernung zwischen Sensor und Licht und die Bewegungsgeschwindigkeit der Lichtquelle.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Kamera und Objektiv

Vor einigen Jahren haben wir uns angewöhnt fast ausschließlich mit ganzen ISO-Werten und ganzen Blenden zu arbeiten, auch wenn alle modernen Kameras die Möglichkeit bieten sowohl den ISO-Wert als auch die Blende in Driitel- oder zumindest in halben Stufen einzustellen. Ein Grund ist, dass wir die Blende meist am Blendenring des Objektivs einstellen und dieser bei den meisten Objektiven nur bei den ganzen Blenden einrastet. Der zweite Grund ist, dass die Berechnungen zur Helligkeit einfacher sind.

 

Die ganzen ISO-Werte sind 25, 50, 100, 200, 400 usw.. Der Wert verdoppelt sich also immer. Bei der Erhöhung des Wertes um eine ganze Stufe nimmt der Sensor die doppelte Lichtmenge auf. Hohe ISO-Werte haben allerdings einen entscheidenden Nachteil. Bei den meisten Kameras nimmt das Bildrasuchen stark zu wenn man höhere ISO-Werte einstellt. Aus diesem Grund werden wir im Light Painting in den meisten Fällen mit dem kleinsten nativen ISO-Wert arbeiten. Dieser ist z.B. bei der Nikon D750 100. Bei dieser Einstellung hat der Sensor den größten Dynamikumfang.

 

Die ganzen Blenden sind 1 - 1,4 - 2 - 2,8 - 4 - 5,6 - 8 - 11 - 16 -22 - 32 - und theoretisch 45 - 64 - 90 - 128. Mir ist allerdings kein Objektiv bekannt welches sich weiter als bis f32 abblenden ließe, meist ist schon bei f22 Schluss. Bei den meisten Objektiven tritt bei sehr kleinen Blenden der Effekt der Beugungsunschärfe ein. Bei großen Sensoren wird dieser Effekt noch verstärkt. Aus diesem Grund blenden wir möglichst nie weiter als bis f16 ab.

Auch hier verdoppelt sich die vom Sensor aufgezeichnete Lichtmenge wenn man die Blende um eine ganze Stufe weiter öffnet. Bei der Blende verhält es sich allerdings "falsch herum". Umso kleiner die Zahl desto größer die Blenden-Öffnung, f8 ist also doppelt so "hell" wie f11.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mir ist keine Kamera bekannt bei der sich der ISO-Wert während der Belichtung verstellen ließe. Technisch dürfte das kein großes Problem darstellen, wenn die Bedienung der Kamera nur nicht während der Belichtung blockiert wäre.

Also müssen wir uns im Light Painting vor der Aufnahme auf einen ISO-Wert festlegen, an diesem Punkt können wir also nicht während der Belichtung steuernd eingreifen. Aber glücklicherweise haben wir noch die anderen oben genannten Möglichkeiten.

 

Die elektronische Steuerung der Blende über das Drehrad der Kamera ist zwar ebenfalls während der Belichtung gesperrt, wenn man aber ein Objektiv mit einem Blendenring verwendet kann man durchaus während der Belichtung die Einstellung für die Blende verändern.


Wie bereits oben erwähnt ist mithilfe des Blendenringes bei den meisten (von uns verwendeten) Objektiven die Einstellung der Blende nur in ganzen Schritten möglich. Einige Objektive, wie Meyer Optik Görlitz oder Helios lassen sich allerdings im Prinzip stufenlos verstellen weil der Weg zwischen f8, f5,6 und f2 oder f2,8 recht lang ist. Man kann also einfach zwischen dem Raster anhalten.

 

Einige Empfehlungen für Objektive mit Blendenring:
Nikkor 17-35/2,8 - eines der sehr wenigen Zoom-Objektive mir manueller Blendensteuerung

Im Portfolio der Firma Canon befindet sich aktuell kein Zoom-Objektiv mit Blendenring. Von einigen gebrauchten Linsen abgesehen, fällt mir spontan auch kein Drittanbieter ein, der Blendenringe an seinen Zoom-Objektiven verbaut. Mithilfe eines Adapters ist dieses Objektiv an Canon oder Sony Kameras nutzbar.

Nikkor 24/2,8 - klein, leicht und hervorragende Abbildungsleistung 

Samyang 14/2,8 - komplett manuelles Super-Weitwinkel - erhältlich für alle gängigen Kameras

Samyang 24/1,4 - ebenfalls komplett manuell - sehr lichtstark

Laowa 12/2,8 - beeindruckend kurze Brennweite - fast ohne Verzeichnung - recht teuer

Darüber hinaus sind auch einige längere Festbrennweiten mit manueller Blendeneinstellung erhältlich. 

ND-Filter

Falls die Lichtquellen für das geplante Light Painting einen größeren Helligkeitsunterschied haben als sich mit dem Spielraum von f2 bis f16 aufzeichnen lässt hilft die Verwendung eines, oder auch mehrerer, Neutraldichtefilter weiter. Diese Filter sind in unterschiedlichen Dichten erhältlich und ermöglichen somit verschiedene Stufen der Abdunklung. Beim Kauf der Filter solltest Du die Beschreibung genau lesen. In vielen Fällen wird anstelle des Wertes der Dichte (ND) der Wert für die Verlängerung der Belichtungszeit angegeben der "ND8" Filter ist in diesem Fall ein Filter mit ND 0,9. Hier mal ein Überblick der gängigen Filter:

ND

0,3

0,45

0,6

0,9

1,0

1,2

1,8

2,0

3,0

Verlängerungsfaktor

2

3

4

8

10

16

64

100

1000

Blendenstufen

1,0

1,5

2,0

3,0

3,3

4,0

6,0

6,6

10

Durchlässigkeit

50%

35%

25%

12,6%

10%

6,3%

1,6%

1,0%

0,1%


Erhältlich sind diese Filter als Schraubfilter für alle gängigen Gewinde und als eckige Filter für die verschiedenen Systeme. Bei der Kombination mehrerer Filter gilt es zu beachten, dass sich die Werte nicht addieren sondern multiplizieren. Zwei Filter ND 3,0 entsprechen dann also einem Verlängerungsfaktor für die Belichtungszeit von 1 Million. Aus 1 Sekunde Belichtungszeit werden dann also 277,77 Minuten.

 

Am zweckmäßigsten und preisgünstigsten ist es Schraubfilter in der Gewindegröße des größten verwendeten Objektivs anzuschaffen und mithilfe von Adapterringen an die kleineren Objektive zu adaptieren. In unserem Fall ist dies 77mm. Mit diesem Kit hast Du einen guten Einstieg. Die Filter von Haida verwenden wir schon sehr lange. Sie sind gut verarbeitet, haben einen dünnen Rahmen und lassen sich dadurch auch an sehr kurzen Brennweiten verwenden ohne das Bild negativ zu beeinflussen. Billige Filter sind aus Kunststoff gefertigt und aus diesem Grund von nicht so hoher optischer Qualität und nicht sehr robust gegen Kratzer.

Ein Sonderfall sind variable ND-Filter. Bei diesen lässt sich der Grad der Verdunklung stufenlos einstellen. Bisher habe ich keine Erfahrung mit solchen Filtern sammeln können. Offensichtlich ist die optische Qualität dieser Filter nicht wirklich gut, bei bestimmten Einstellungen bildet sich in der Mitte ein dunkles Kreuz, oder der Bildränder werden deutlich stärker abgedunkelt als die Mitte.

Vor der Kamera

Helligkeit der Lichtquelle

Umso heller unsere Lichtquelle leuchtet desto heller wird die Lichtspur im fertigen Light Painting sein. Grundsätzlich ganz einfach, oder? Schwierig wird es wenn im Bild eine sehr helle Lichtquelle dargestellt werden soll welche nicht vom Light Painter ein- und ausgeschaltet werden kann wie der Leuchtturm im Beispielbild. Hier hilft es nur für das Light Painting sehr helle, möglichst fokussierbare, Lampen zu verwenden. In diesem Fall haben wir eine Led Lenser X21R.2 zur Ausleuchtung benutzt. Marla habe ich mit einem Led-Tagfahrlicht angeleuchtet. Das Light-Blade aus Plexiglas wurde mit einer Led Lenser M7RX beleuchtet. 

Bei der Arbeit im dunklen Raum empfiehlt es sich eher nicht so brutal helle Lampen zu verwenden und das Arbeitstempo zu verringern, und somit die Präzision zu verbessern.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Grundsätzlich sind (Taschen-) Lampen mit mehreren Helligkeitsstufen für die Arbeit im Light Painting eine gute Wahl. Ich kann somit die Helligkeit an die Erfordernisse anpassen. Einige Taschenlampen bieten sogar eine stufenlose Regelung wie die Sofirn Q8. In vielen Situationen im Light Painting kann das sehr nützlich sein, allerdings ist die Helligkeit schlechter reproduzierbar als bei Lampen mit festen Stufen. Mit bloßem Auge ist nicht zu erkennen ob die eingestellte Helligkeit genauso ist wie beim Light Painting vor einer Woche.

 

Die meisten Taschenlampen verringern während des Betriebs die Helligkeit. Einerseits um die Lampe vor zu hohen Temperaturen zu schützen und andererseits um die Laufzeit zu verlängern. 3000 Lumen und 4 Stunden Laufzeit hört sich ja viel besser an als realistische 1600 Lumen 3 Minuten nach dem Einschalten. Mit bloßem Auge ist diese Verringerung der Helligkeit kaum wahrzunehmen weil sie langsam und gleichmäßig ist, die Kamera sieht das allerdings sofort. Wenn das Light Painting länger als 1 bis 2 Minuten dauert sollte man, gerade bei der Ausleuchtung von Landschaften oder großen Räumen die Lampe zwischenzeitlich aus- und wieder einschalten um im ganzen Light Painting mit gleicher Helligkeit zu arbeiten. 

 

Grundsätzlich ist es für die Arbeit im Light Painting immer komfortabler wenn alle Lichtquellen eine ähnliche Helligkeit haben und ich somit auf die Veränderung der Blende bzw. die Verwendung von ND-Filtern verzichten kann. In vielen Situationen, beispielsweise bei der Verwendung von Feuerwerk, ist das allerdings kaum möglich. 

Abstand

Licht nimmt, wie alle Wellen, mit der Entfernung quadratisch ab. Wenn der Light Painter also mit der Lampe doppelt so weit vom Sensor mit der Lampe rumfuchtelt kommt nur noch ein Viertel des Lichtes in der Kamera an. Das bedeutet also wenn ich das Light Painting im Abstand von 3 Metern zur Kamera male stelle ich, abhängig von der Helligkeit und der Bewegungsgeschwindigkeit, beispielsweise Blende 11 ein. Wenn ich dann mit dem gleichen Tool und der gleichen Arbeitsweise das Light Painting in 6 Metern Entfernung zur Kamera male stelle ich die Blende auf 5.6 um die gleiche Helligkeit der Lichtspur im Bild zu haben. Andersrum verhält es sich natürlich genauso. 

Bewegungsgeschwindigkeit

Umso schneller ich die Lichtquelle bewege desto dunkler wird die Lichtspur im fertigen Light Painting dargestellt. Ich kann also somit während des Light Painting durch die Veränderung des Tempos direkt auf die dargestellte Helligkeit einwirken. Wenn ich mich mit meinem Tool weiter von der Kamera entferne werde ich die Bewegungen verlangsamen. Wenn die Lichtspur in einigen Bereichen dunkler dargestellt werden soll werde ich die Bewegung beschleunigen. Somit habe ich eine sehr einfache Möglichkeit der Lichtspur Struktur zu verleihen. Das funktioniert allerdings nur bei der Arbeit in einer Langzeitbelichtung. Durch Funktionen wie Live Composite wird die Lichtspur meist sehr homogen sein und eher wie reingestempelt aussehen weil die Helligkeit bis zur eingestellten Grundhelligkeit addiert wird.


Zwischenfazit

ISO, Blende, Entfernung, Helligkeit, Bewegungsgeschwindigkeit - für den Light Painting Einsteiger klingt das sicher erst einmal recht kompliziert. Und ehrlich gesagt ist es das auch. Aber genau diese Komplexität ist für mich ein wichtiger Grund Light Painter zu sein. Ich suche immer wieder nach neuen Herausforderungen. 


Nach einer Weile stellt sich sicher auch bei Dir eine gewisse Routine und ein gewisser Automatismus ein. Gerade als Einsteiger solltest Du nicht einfach wild mit den Lampen vor der Kamera rumfuchteln. Überlege vorher was Du machen willst. Verwende möglichst wenige verschiedene Lichtquellen. Schau Dir Deine Bilder genau und kritisch an. Mach Dir Notizen zu den verwendeten Lichtquellen und den Einstellungen an der Kamera. Notiere was Du beim nächsten Mal besser machen willst und wie Du das erreichen kannst. Verzichte auf Hilfsmittel wie Live Composite. Wenn Du Dich auf diese Funktion verlässt wirst Du nie lernen wie Licht funktioniert und wie man mit verschiedenen Ebenen aus Licht vor der Kamera arbeitet. Light Painting ist für mich so viel mehr als das schnelle Ergebnis. Light Painting ist der Prozess von der ersten verrückten Idee, über die Suche nach geeignetem Material, dem Bau der benötigten Tools, dem Erarbeiten der Choreografie, den besonderen Erlebnissen und Gefühlen während des Light Painting bis zum besondern Gefühl der Befriedigung in dem Moment wenn die verrückt Idee auf dem Display der Kamera sichtbar wird.

Anwendung im Light Painting

Wie wendet man nun das Wissen aus den vorherigen Abschnitten praktisch im Light Painting an?

Als erstes gilt es immer das vorhandene Licht an der Location zu berücksichtigen (Mond, Straßenbeleuchtung, usw.). In den meisten Fällen, wie z.B. am Leuchtturm von oben, werden wir dieses Licht nicht beeinflussen können. Ich kann ja schließlich nicht den Leuchtturm ausschalten. Es empfiehlt sich einige Testaufnahmen zu machen um zu ermitteln wie lange ich bei welcher Blende maximal belichten kann ohne, dass die vorhandenen Lichtquellen überstrahlen. Diese maximale Belichtungszeit ist dann also die für das Light Painting zur Verfügung stehende Zeit.

Sollte unsere Light Painting Location komplett dunkel sein können wir diesen Schritt natürlich überspringen.


Nachdem nun klar ist, dass ich beispielsweise bei Blende 11 maximal 2 Minuten Zeit habe um mein Light Painting an dieser Location umzusetzen ist der nächste Schritt die Wahl der geeigneten Lampen und Tools. Bei Blende 11 und 10 Meter Abstand zur Kamera benötige ich also eine recht helle Taschenlampe. Im nächsten Schritt überprüfe ich mit weiteren Testaufnahmen ob die Helligkeit des Tools mit der geplanten Bewegungsgeschwindigkeit zur eingestellten Blende passt. Gegebenenfalls benutze ich ein hellere bzw. schwächere Lampe oder arbeite langsamer bzw. schneller. Alternativ bliebe mir die Möglichkeit durch Abblenden einzuwirken. Ist die gewählte Lampe zu hell blende ich auf f16 ab. Sollte das immer noch nicht genügen, wie z.B bei (hellem) Feuerwerk, benutze ich einen ND-Filter. Ein weiterer Vorteil wäre in diesem Beispiel die Verlängerung der maximal möglichen Belichtungszeit auf 4 Minuten wenn ich auf f16 abblende. Ich hätte mehr Zeit um mit den Lampen durch das Bild zu laufen. Anders herum halbiert sich natürlich die Zeit wenn ich die Blende von 11 auf 8 stelle. 

 

Wenn ich mehrere verschiedene Lichtquellen verwenden will mache ich im nächsten Schritt Testaufnahmen mit diesen. Als Beispiel will ich jetzt ein Blade aus Plexiglas und Feuerwerk in meinem Light Painting einsetzen und das Ganze an der Location mit vorhandenem Licht aus dem Beispiel von oben: 
Location = f11 - max 120 Sekunden

Blade = f8 - max. 60 Sekunden

Feuerwerk = f16 - max. 240 Sekunden 

Jetzt gilt es also alle Teile so zu kombinieren, dass alles in der gewünschten Helligkeit dargestellt wird. Keine der drei Lichtquellen ist überstrahlt, alle Lichter werden ausreichend hell dargestellt. Ich stelle die Blende auf 16 und belichte 20 Sekunden auf das Feuerwerk. Es bleiben dann noch 220 Sekunden bei f16 Restzeit, bei f11 110 Sekunden und bei f8 55 Sekunden. Ich stelle die Blende auf f8 für die Lichtspur mit dem Blade. Um diese zu malen benötige ich 30 Sekunden. Es bleiben dann also noch 25 Sekunden bei f8 übrig, oder 50 bei f11, oder 100 bei f16 um die Location in der gewünschten Helligkeit darzustellen. Entweder lasse ich jetzt die Blende auf 8 stehen und belichte noch weitere 25 Sekunden. Oder ich blende wieder ab um zum Beispiel Sternenspuren aufzunehmen. 

Einfacher und entspannter wird die Arbeit wenn die Location komplett dunkel ist, wie der Raum im Beispielbild. Hier kann ich die Choreografie (fast) komplett frei planen. Es spielt keine Rolle wie lange ich belichte, abgesehen vom zunehmenden Bildrauschen bei sehr langen Belichtungszeiten und der Laufzeit des Kamera-Akkus.

Im Beispiel habe ich  EL-Wire benutzt, eine sehr schwache Lichtquelle. Um die nebelartigen Lichtspuren des EL-Wire ausreichend hell darzustellen hatte ich die Blende des 14mm Objektivs aus 4 gestellt. Für die Lichtfigur stellte ich die Blende auf 11. Benutzt habe ich dafür drei Led Lenser M3R. Der Abstand betrug ca. 4 Meter. Die Ausleuchtung des Raumes habe ich mit drei RGB-Taschenlampen ebenfalls bei Blende 11 umgesetzt. Die dafür nötige Zeit hatte ich zuvor in Testaufnahmen ermittelt.


Die drei Lampen verbleiben in ihren Positionen und wurden für die Ausleuchtung ein- und dann wieder ausgeschaltet. Solch ein Bild gelingt gewöhnlicherweise nicht beim ersten Versuch. 

Der kleinste gemeinsame Nenner ist hier das EL-Wire bei Blende 4. Die Ausleuchtung ließe sich nötigenfalls ebenfalls bei f4 realisieren. Bei der Lichtfigur ist dies nahezu unmöglich. Mir ist keine (konventionelle) Lampe bekannt die einen derart lichtschwachen Strobe-Modus hätte, dass dies zur Blende 4 passen könnte. Ohne die Möglichkeit der flexiblen Belichtung hätte ich dieses Light Painting nicht umsetzen können. Spätestens beim Einsatz von Feuerwerk und EL-Wire in einem Bild habe ich ohne diese Technik keine Chance beides vernünftig darzustellen. Ein weiterer Aspekt ist die abnehmende Schärfentiefe bei f4. Wenn ich den kompletten Raum und alle Teile des Light Painting scharf haben will funktioniert das nur bei Blenden kleiner f8. 

Einen weiteren Aspekt sollte man bei der Planung des Light Painting ebenfalls immer berücksichtigen. Wenn ein Model im Bild steht sollte man die Zeit so weit es irgend möglich ist reduzieren damit das Model nicht unnötig lange im Bild stehen muss. Kaum jemand kann mehrere Minuten absolut regungslos stehen bleiben, und selbst wenn ist das für das Model sicher nicht besonders angenehm. Hier haben wir mehrere recht helle Lampen gleichzeitig zur Ausleuchtung des Kaufhauses benutzt. 

 

Ich hoffe der Artikel konnte etwas zu Deiner Erhellung beitragen.

 

Ich wünsche Dir allzeit gutes Licht

Sven


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Camera Rotation Light Painting

Light Painting "Andersrum"

In den meisten Fällen wird der Lightpainting Künstler mit bewegtem Licht vor der Kamera arbeiten. Eine nicht so weit verbreitete Form des Light Painting ist die kinetische Fotografie. Dabei werden während der Belichtung choreografierte Bewegungen mit der Kamera ausgeführt. In den meisten Fällen sind die Lichtquellen dabei fest, die Lichtspuren werden dann ausschließlich durch die Kamera-bewegungen ins Bild gemalt. 

Mit recht einfacher Ausrüstung sind hier Rotationen um die optische Achse, wie im Bild rechts, Drehen am Zoom des Objektivs, Schwenk nach links, rechts, hoch, runter oder auch die Drehungen um die Achse des Stativkopfes denkbar. Für andere Bewegungsrichtung benötigt man Spezialausrüstung wie Slider. Das wird nicht Gegenstand dieses Artikels sein, kaum jemand wird solche Ausrüstung zu Hause haben.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Grundsätzliches

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Für diese Art des Light Painting ist ein absolut fester Stand der Kamera unerlässlich. Wenn die Lichtspuren sauber und gerade sein sollen darf sich die Kamera während der Belichtung nicht bewegen.

Kurze Brennweiten sind für solche Bilder besser geeignet als lange. Umso größer die Brennweite desto mehr sieht man kleine Verwacklungen; die Lichtspuren laufen dann aus der Bahn.

 

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arbeitsweisen Entweder werden durch die Bewegungen der Kamera Lichtspuren gezeichnet oder es werden verschiedene Steps aufgenommen. Dafür wird das Objektiv zwischenzeitlich, also während der Bewegung, abgedeckt. Aber auch Kombinationen aus beiden Techniken in einer Aufnahme können sehr spannend sein.


Zoom

Die "einfachste" Variante der choreografischen Fotografie. Einfach deshalb weil fast jeder Fotograf ein Zoom-Objektiv in seinem Besitz hat. Während der Belichtung des Brandenburger Tors habe ich mehrfach den Zoom-Ring des Objektivs bewegt.

 

Der Zoom-Bereich muss nicht groß sein, für das Beispielbild hatte ich ein Tokina 19-35 mm an der Nikon D750. Um nicht all zu harte Anfänge und Enden der Lichtspuren im Bild zu haben habe ich den Zoom nicht bis zum Anschlag bewegt sondern nur bis kurz davor und dann unverzüglich wieder in die andere Richtung. Um das Brandenburger Tor deutlicher sichtbar zu machen habe ich im Anschluss noch einige Sekunden ohne Zoom-Bewegung belichtet. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Beim zweiten Bild vom Brandenburger Tor (Mitte) habe ich zwischendurch immer wieder das Objektiv abgedeckt und dann jeweils einige Sekunden mit den verschiedenen Brennweiten belichtet.

Camera Rotation Light Painting - Drehung um die optische Achse

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mittlerweile ist diese Light Painting Technik recht verbreitet. Viele Künstler arbeiten mit den verschiedensten Werkzeugen, Ideen und Arbeitsweisen mit der Technik der Camera Rotation Fotografie. Die Möglichkeiten mit dieser Technik eindrucksvolle Kunstwerke zu erschaffen sind nahezu grenzenlos. Eine recht einfache Variante ist es das Bild in zwei Teilen aufzunehmen, einmal richtig herum und noch einmal auf dem Kopf stehend, also um 180° gedreht. 

Die Anzahl der Steps lässt sich natürlich erhöhen. Für das Bild auf der linken Seite waren es 13. Ich habe hier jeweils einige Sekunden belichtet, das Objektiv mit einer schwarzen, lichtundurchlässigen Mütze abgedeckt, die Kamera ein Stück um die optische Achse gedreht, die Mütze für einige Sekunden entfernt und immer so weiter bis ich eine Umdrehung fertig hatte.


Den Berliner Dom oder auch das Rathaus in Görlitz genau mittig auf den Kopf zu drehen ist alles andere als einfach. Ohne ein präzises Tool und peinlich genauer Ausrichtung der Kamera sind solche Aufnahmen nicht möglich. Die drei Lichtspuren im mittleren Bild stammen von einem beleuchteten Schiff auf der Spree und sind somit nicht durch Bewegungen der Kamera entstanden.

Andere Bewegungen

Durch Bewegungen wie Kippen, Neigen, Ändern der Höhe oder Drehen um den Fixpunkt der Kamera auf dem Stativ sind ebenfalls eindrucksvolle Effekte im Lightpainting umsetzbar.

Ausrüstung

Je nachdem welche Effekte Du in Deinen Light Painting Bildern mit dieser Technik umsetzen willst benötigst Du verschiedene Hilfsmittel. Neben Deiner Kamera und mindestens einem Objektiv solltest Du eine lichtundurchlässige Kappe oder Mütze mitnehmen. Mit dieser kannst Du dann Dein Objektiv abdecken um Bewegungen "unsichtbar" ausführen zu können. Ein (Funk)Fernauslöser erleichtert die Arbeit. Meist benutze ich einen einfachen Kabelauslöser für einige wenige Euros.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Stativ

Mit dem klapprigen, leichten Reisestativ werden Dir solche Aufnahmen nur schwerlich gelingen. Ein absolut sicherer Stand der Kamera ist für diese Art Lightpainting unerlässlich. Für alle in diesem Artikel gezeigten Aufnahmen hab ich ein Manfrotto 055 mit 3 Segmenten benutzt. Das Teil ist nicht gerade ein Leichtgewicht und in den kleinen Rucksack passt das Stativ auch nicht, aber dafür steht das Ding bombenfest. Die schwere DSLR mit dem schweren 14mm Objektiv, alles befestigt am Camera Rotation Tool, wird sicher gehalten. Und, noch viel wichtiger, ich muss keine Angst haben, dass mir das Stativ samt Kamera beim Light Painting umfällt.

Um die Beine des Stativs habe ich nachleuchtendes Klebeband geklebt damit ich, und auch andere Menschen, in der Dunkelheit nicht gegen die Kamera laufen.


Stativkopf

Für einige der oben erwähnten Techniken benötigt man nicht unbedingt einen Stativkopf, man könnte die Kamera direkt auf das Stativ schrauben. Das hat den Vorteil größerer Stabilität, allerdings verliert man dadurch viel Komfort bei der Ausrichtung der Kamera. Für meine Light Painting Bilder benutze ich fast immer einen 3-Wege-Neiger von Manfrotto. Eine saubere Ausrichtung funktioniert damit besser und einfacher als mit einem Kugelkopf weil dieser sich immer in alle Richtungen gleichzeitig bewegt wenn man ihn löst. Mit dem 3-Wege-Neiger kann ich jede Richtung separat einstellen. Ein Video-Neiger würde eventuell auch gut funktionieren, getestet habe ich das aber noch nicht.

Egal welchen Stativkopf Du verwenden willst, Du solltest darauf achten, dass dieser das Gewicht der Kamera und des Objektivs sowie des Camera Rotation Tools sicher tragen kann.  In meinem Fall sind das insgesamt ca. 3 Kilogramm.


Camera Rotation Tool - Gimbal Head

Mit dem Gimbal Head kannst Du ein "fertiges" Camera Rotation Tool kaufen. Eigentlich sind die Teile für die dicken Teleobjektive der Paparazzi und Piepmatz-Fotografen gedacht, wenn man aber anstatt des Teles die Kamera auf dem Gimbal montiert hat man die Möglichkeit die Kamera um die eigene optische Achse zu drehen. 

Bevor Du das Tool benutzen kannst musst Du die zu Deiner Kamera passende Höhe einstellen. Am einfachsten geht das mit Hilfe der Funktion Live View. Du schaltest diesen ein, lässt Dir die Gitterlinien einblenden, suchst Dir ein kleines Objekt, welches Du genau in der Mitte des Bildes platzierst, und drehst dann die Kamera um die optische Achse. Wenn sich das Objekt nicht aus der Mitte bewegt hast Du die richtige Höhe eingestellt. Entweder Du schreibst den Wert von der Schiene ab oder Du markierst die Position.

 

Diese Lösung hat allerdings einige Nachteile, Zum Einen ist ein Gimbal Head gewöhnlicherweise nicht gerad für einen Schnäppchen Preis zu bekommen und zum Anderen ist das Teil groß und schwer. Ich hatte den Gimbal gerade mal auf die Waage gestellt, 1,2 kg. Wenn ich den Gimbal Head benutze montiere ich diesen direkt auf dem Stativ und nicht auf dem Kopf um die Verwacklungsgefahr zu minimieren. Für den Stativkopf ist die Kombination aus Gimbal, Kamera und schwerem Objektiv kaum noch zu halten.

Ein weiterer Nachteil ist, dass der Gimbal kein Raster für den Winkel hat wie das CRT aus dem nächsten Abschnitt. Ich brauche also zusätzlich einen Winkelmesser, z.B. als App auf dem Mobiltelefon.

 

Durch die massive Bauweise ist dieses Tool allerdings sehr stabil und laufruhig. Es besteht kaum die Gefahr während der Drehung zu wackeln.


Camera Rotation Tool - DIY CRT 2.0

Wegen der oben genannten Gründe wollte ich vor einigen Jahren den schweren Gimbal ersetzen. Nach vielen Tests und Umbauten sieht mein Camera Rotation Tool aktuell so aus wie im Bild rechts. Die vielen Zwischenschritte bis zum aktuellen CRT erspare ich Dir hier.

Das Tool besteht aus folgenden Komponenten:
- Arca Swiss Schnellwechselpatte 

- Panoramakopf mit Indizierung 

- Arca Swiss Winkel

- Arca Swiss Platte 180mm 
- 2 Schrauben M6 x 20

- Schraubenkleber

- Arca Swiss Klemme

 

An die Unterseite des Pano-Kopfes kommt die Arca Schnellwechsel-platte um das CRT dann einfach am Stativkopf befestigen zu können. Den Manfrotto 3 Wege-Neiger habe ich auf Arca Swiss umgerüstet weil ich an den Kameras immer passende L-Winkel habe. Diese sind immer Arca Swiss und passen nicht in die proprietäre Manfrotto Aufnahme. Ich habe einfach die Manfrotto Platte mit einer Arca Klemme (siehe oben) verschraubt.

 

Den oben erwähnten Winkel habe ich auseinander geschraubt und das kurze Teil durch die 180mm Plate ersetzt. Da die Original Schrauben zu kurz sind habe ich diese durch längere ersetzen müssen. Damit diese sich nicht lösen habe ich Schraubenkleber benutzt. Leider fand ich bei meiner Recherche keinen passenden Winkel, entweder ist eine Seite zu kurz, wie der von mir verwendete, oder unnötig lang und damit wieder unnötig groß, schwer und teuer.


Die lange Seite des Winkel habe ich an der Arca Klemme des Panokopfes befestigt. Auf die kurze Seite habe ich die Arca Klemme geschraubt. Nachdem alles montiert und genau eingestellt war habe ich die lange Schiene am Ende des Panotellers abgesägt. Das CRT ist jetzt nicht größer als nötig und das Display der Nikon D750 lässt sich jetzt über das CRT klappen. Somit kann ich auf diesem auch etwas sehen.

 

Die Winkeleinstellung erfolgt über das Drehrad an der Seite des Panotellers. Bei den Einstellungen 15°, 30°, 45°, 60° und 90° rastet der Teller spürbar ein. In der Stellung 0° läuft der Teller frei. Im Gegensatz zu anderen Panotellern mit Winkelvorwahl gefällt mir hier die Lösung mit dem Drehrad besonders gut. Bei den anderen Panotellern muss man eine Schraube von außen in das jeweilige Gewinde für die verschiedenen Winkel drehen. Das ist somit weniger komfortabel beim Verändern der Einstellung und außerdem sind diese Teile größer und schwerer. 

Da ich diesen Panoramakopf noch nicht sehr lange einsetze kann ich im Moment zur Robustheit und Haltbarkeit noch nichts sagen. Auf den ersten Blick ist das Teil gut verarbeitet, alles hält fest und sicher. Der Teller läuft sauber und gleichmäßig.

 

Praxistest bestanden:

Ich wünsche Dir viel Erfolg und Spaß beim Nachbau, und vor allem bei der Verwendung des Light Painting Tools. 
Allzeit gutes Licht

Sven 

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Digital Art, Fotografie, Light Painting

Fotografie oder Digital Art?

In der heutigen Zeit wird der Begriff Fotografie immer mehr verwässert, verändert, er verliert seine eigentliche Bedeutung. Viele Leute denken weil sie gut in der Computer-Bearbeitung ihrer Bilder sind wären sie gute Fotografen. Und wenn sie dann noch zehntausende Follower bei Instagram haben fühlen sie sich erst recht in ihrer Annahme bestätigt. 

 

Ein guter Fotograf braucht für seine Arbeit keinen Computer! Er weiß was er in seinem Bild umsetzten will. Er weiß wie er seine Idee umsetzten kann. Das Einzige was er dafür braucht ist eine Kamera und Licht. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Schöne neue digitale Welt

Es ist ja sooo schön einfach. Selbst viele Profis arbeiten so. Da werden dann im Studio in einer Stunde 500 Fotos geknipst und dann am Rechner die zwei aussortiert die zufällig besser geworden sind als die anderen 498. Bei so einer immens hohen Zahl an Bildern wird schon was halbwegs Vernünftiges dabei sein. Und wenn nicht wird noch mal 'ne halbe Stunde weiter geknipst. Und mit ein paar Tricks und Kniffen am Computer wird das schon.  Und weil ich für den Spaß nicht 180 Filme kaufen und entwickeln muss ist die Verlockung ungleich größer diesem unkreativen, lotterieartigen Blödsinn zu verfallen. 

Die beiden Bilder werden dann am Computer solange bearbeitet bis das Ergebnis den eigenen, mehr oder weniger großen, Ansprüchen genügt. Die Möglichkeiten im Post Processing sind ja heutzutage fast grenzenlos, bis hin zur kompletten Gestaltung des Bildes aus dem Nichts (CGI).

Aber "Profi" bedeutet ja erst einmal nur, dass jemand Geld mit seinem Tun verdienen will. Oftmals ist die Arbeitsweise im Bereich Fotografie weit davon entfernt tatsächlich professionell oder gar meisterhaft zu sein.

 

Als ich meine erste Kamera geschenkt bekam, das war vor über 40 Jahren, musste ich die Filme von meinem spärlichen Taschengeld kaufen und von diesem auch die Entwicklung der Selben finanzieren. Da hab ich natürlich dreimal überlegt ob ich genau jetzt den Auslöser betätige oder eben nicht. Sicher haben mich diese Erlebnisse meiner Anfangszeit als Fotograf bis heute geprägt. Ich investiere auch heute noch viel lieber viel Zeit in eine vernünftige Planung, Vorbereitung und Ausführung meiner Bilder als in stundenlange sog. Nachbearbeitung am Computer. Auch heute noch verwende ich lieber Festbrennweiten als Zoom-Objektive mit ihren teilweise fantastisch großen Brennweitenbereichen. Ich wähle den Bildausschnitt viel sorgfältiger wenn ich mich bewegen muss anstatt am Zoom-Ring des Objektivs zu drehen. Von der besseren Bildqualität rede ich erst gar nicht.  Aber auch dieses Problem meinen viele Zeitgenossen durch exzessive Bildbearbeitung im Nachgang gerade biegen zu können. Das mag in vielen Fällen auch tatsächlich funktionieren. Trotzdem stellt sich mir immer die Frage warum die Herrschaften ihre Bilder nicht einfach so aufnehmen wie sie sie haben wollen.
Auch heute noch steht mein digitaler DSLR-Bolide mit seinen dutzenden Automatikfunktionen meist auf "M" und "Raw". Das zwingt mich immer wieder zu überlegen was ich erreichen will, und vor allem wie. Jede noch so ausgefeilte Automatik ist nun einmal blöd, die Elektronik der 3000€-Kamera kann nicht in meinen Kopf und mein Herz sehen. Die doofe Maschine weiß nicht wie mein Bild aussehen soll. Das Ergebnis wird in den meisten Fällen nur austauschbares Mittelmaß.

Kreative Bildbearbeitung

Ich will die digitale Bildbearbeitung mit all ihren fantastischen Möglichkeiten gar nicht verteufeln. Das Bild rechts habe ich am Computer aus 75 Einzelaufnahmen zusammen gebastelt. Zuerst habe ich HDR-Bilder aus den 15 Belichtungsreihen aus jeweils 5 Aufnahmen (mit je einer Blende Unterschied) erstellt. Im Anschluss habe ich aus diesen HDR's das Panorama gestitcht und dieses dann in Gimp mit mehreren Ebenen recht exzessiv bearbeitet. Jedem Betrachter dieses Bildes ist sofort klar, dass es sich hierbei eben nicht um eine Fotografie handelt sondern um ein am Computer erzeugtes Bild.


Und selbst wenn moderne Kameras die oben erwähnten Arbeitsschritte übernehmen wäre das immer noch kein "richtiges" Foto. Es macht für mich keinen Unterschied ob die Software in der Kamera oder mein Linux Rechenknecht die Belichtungsreihe zu einem HDR rechnet. Es wird dort nur Software zur Bildmanipulation von einem Computer auf ein anderen Computer, verpackt in ein Kamera- oder Smartphonegehäuse, verschoben. 

 

Solange man sieht, oder der Bildgestalter dieses klar kennzeichnet, wie viel Arbeit am Computer im Ergebnis steckt habe ich nicht das geringste Problem mit stark am Computer manipulierten Digitalbildern. Ich finde es allerdings aus mehreren Gründen schwierig und unfair wenn solch ein Bild dem Betrachter als "richtiges" Foto präsentiert wird. Viele Betrachter sehen nicht, dass das Bild am Computer stark verändert wurde. Das Grundvertrauen vieler Menschen, dass ein Foto die Realität abbildet, wird erschüttert. Selbst wenn der erfahrene Fotograf weiß, dass ein Digitalfoto nur recht selten besonders viel mit der Realität zu tun hat. Im Bereich der analogen Fotografie wurde zwar auch schon immer manipuliert, allerdings sind die Möglichkeiten eher eingeschränkt und auch nur einem recht kleinen Personenkreis zugänglich. Der Aufwand und die Kosten für die Manipulation analoger Fotografien ist um ein vielfaches größer als in der Digitalfotografie.


Gerade Einsteiger werden stark frustriert weil ihre Bilder eben nicht annähernd so wie die manipulierten Meisterwerke der Profis aussehen wenn sie auf das Display ihrer Kamera schauen. Sie fangen dann meist erst einmal zu zweifeln ob ihre Ausrüstung gut genug ist und kaufen sich dauernd unnötigerweise neue Kameras und Objektive. Im nächsten Schritt denken sie, dass sie zu blöd sind und geben dann im schlimmsten Fall frustriert ihr Hobby auf. Dabei sollte man doch als anständiger Mensch eher versuchen die Einsteiger für die Fotografie  zu begeistern und sie motivieren ihre eigenen Fähigkeiten zu verbessern anstatt sie zu täuschen und sie in ihrem Glauben des eigenen Unvermögens zu lassen. Der Einsteiger hat sicher schon von Programmen wie Photoshop gehört, meist sind ihm die vielen Möglichkeiten der Manipulationen aber überhaupt nicht bewusst. Der Einsteiger geht mit der Kamera raus und versucht gute Bilder zu machen und hat keine klare Vorstellung was er später am Computer noch aus seinen Dateien "rausholen" kann. Das kommt alles erst viel später... wenn er denn so lange durchhält.

Und was hat das jetzt alles mit Light Painting zu tun?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die Generation digital macht natürlich auch im Light Painting mit. Die Idee, später am Rechner das schon irgendwie richten zu können, macht auch vor dieser besonderen Kunstform nicht halt. Für einige Leute ist Light Painting nur eine fotografische Technik, sie sehen nicht das Besondere im Light Painting. Light Painting ist so viel mehr als irgendein gutes oder eben weniger gutes Ergebnis mit möglichst wenig Aufwand zu erstellen.

 

Light Painting ist der Prozess von der ersten vagen Idee über die Suche nach geeignetem Material, dem Bau der passenden Tools bis hin zur Umsetzung. Ohne diesen gesamten Prozess würde mir, wie den meisten geschätzten Kollegen, etwas fehlen. Ich könnte auf den riesengroßen Aufwand durchaus verzichten wenn mich nur das Ergebnis interessieren würde. 


Dann würde ich Bilder wie dieses, einfach am Computer aus mehreren Ebenen zusammen basteln weil es um Einiges einfacher ist als mich, die beiden Orbs und den Laser genau auszurichten. Ich müsste nicht so lange im kalten Keller stehen und könnte die Zeit gemütlich am Computer mit einem Bier verbringen. 

Ich suche allerdings genau diese Herausforderung solche Bilder rein fotografisch umzusetzen. Alles was später im Bild sichtbar ist wird während einer einzelnen Langzeitbelichtung in Echtzeit auf den Kamerasensor gemalt. Das besondere Gefühl des Glücks und die Befriedigung wenn dann die verrückteste Idee auf dem Display der Kamera sichtbar wird ist einzigartig, unbeschreiblich. Allein für dieses Gefühl lohnt sich der zum Teil immense Aufwand.

 

Da zu keinem Zeitpunkt der komplette Orb in der Realität sichtbar ist weil die abstrakte Szene auf den Sensor, also die leere Light Painting Leinwand, gemalt wird, ist jedem Betrachter sofort klar, dass es sich nicht um ein "echtes" Foto handeln kann. Das Ergebnis wird normalerweise erst nach dem Ende der Performance und dem Schließen des Kameraverschlusses sichtbar, es sei denn ich arbeite mit Techniken wie Live Composite. Im Light Painting wird nie die Realität abgebildet, der Light Painter erschafft seine eigene Realität. Aus diesem Grund ist es, auch für mich als alten Hasen, extrem schwer nachträgliche Manipulationen zu erkennen. Es könnte ja schließlich alles so vom Light Painter vor der Kamera gemalt worden sein. Das RAW-Bild aus der Kamera bekomme ich meist nicht zu sehen. 

 

Ich muss also auf den Anstand und die Ehrlichkeit des Light Painting Künstlers vertrauen wenn er sein Bild mit SOOC - Straight Out Of the Camera markiert. Es gibt natürlich einige Anhaltspunkte um nachträgliche Manipulationen zu erkennen, aber meist habe ich keinen Bock ein Light Painting genau forensisch zu analysieren um einen "Betrug" aufzudecken. Die Zeit stecke ich lieber in die Umsetzung meiner eigenen Bilder.

Einige Kollegen, wie der überaus geschätzte Tim Gamble, erklären in der Bildbeschreibung meist sehr präzise wie sie das Light Painting umgesetzt haben. Anhand der Erklärung ist dann meist klar, dass der Light Painter das Bild tatsächlich so in einer einzelnen Belichtung auf den Sensor der Kamera gemalt hat. Zuweilen erlebe ich auch das Gegenteil. Weil sich ein Zeitgenosse nicht vorstellen kann, dass man sehr komplexe Light Painting Szenen erschaffen kann und in einer Belichtung aufnimmt wird dann gerne mal behauptet, dass es am Computer erstellt bzw. manipuliert wurde.

Light Painting vs. Digital Art

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Leider gelingt es mir nicht gelassen mit den Schultern zu zucken wenn Light Painter mir am Computer manipulierte Bilder als echtes Light Painting unterjubeln wollen. Genauso wenig wie ich gelassen bleiben kann wenn Light Painter vehement ihre für mich fragwürdige Arbeitsweise inkl. Manipulationen am Computer als meiner Arbeitsweise gleichwertig darstellen.

Ich kann Sätze wie "Es zählt doch nur das Ergebnis", "Das ist doch das Gleiche" oder "Viele Wege führen zum Ziel" nicht mehr hören. Es ist eben nicht das Gleiche!  Einige Gründe dafür habe ich weiter oben schon angeführt. So richtig "lustig" wird es dann wenn solche Light Painting Bilder bei Wettbewerben eingereicht werden, deren Teilnahmebedingungen eindeutig die Arbeit in einer einzelnen Belichtung vorschreiben. 


Spätestens wenn solch ein Bild den Hauptpreis im Wert von 3000€ gewinnt werden wohl alle, die sich an die Wettbewerbsbedingungen gehalten haben, völlig zu recht ungehalten werden. Ich bin kein Jurist, aber neben der (nachträglichen) Disqualifikation und Aberkennung des Preises kommt evtl. auch der Tatbestand des Betruges zum Tragen. Die Jury wurde schließlich arglistig getäuscht. Und ob es nun um viel Geld, teure Sachpreise oder nur um einen Wettbewerb für das Titelbild einer Facebook-Gruppe geht, am Gefühl der anderen Teilnehmer, betrogen worden zu sein, ändert das nichts.

 

Klar kann ich versteckte kleine Elektromotoren in mein Rennrad einbauen und damit bei der Tour de France mitfahren. Wenn ich erwischt werde ist meine Teilnahme an dieser und sicher auch an etlichen weiteren Rennen vorbei. Darüber hinaus wird wohl eine saftige Geldstrafe fällig werden. Und dann kann ich auch nicht erklären, dass nur das Ergebnis zählt und es die gleiche Leistung wie mit dem Rad ohne Motoren sein würde. Und um nicht in Versuchung zu kommen sollte man erst gar keine Motoren ins Fahrrad einbauen, nicht einmal im Training.  Man verlässt sich nämlich dann viel zu schnell auf die illegale und unanständige Hilfe. Ich könnte nicht mehr in den Spiegel schauen wenn ich die Leute derart täuschen würde.

 

Bisher konnte mir niemand plausibel erklären warum er seine Light Painting Bilder am Computer verändern muss. Ich rede jetzt nicht von Schärfen, Entrauschen, Anpassung des Weißabgleichs und ähnlichen Veränderungen die gewöhnlicherweise in der Kamera erledigt werden wenn man im JPEG-Format aufnimmt oder den Schnitt. Ich meine Dinge wie das Klonen oder Spiegeln von Bildteilen, die Retusche von störenden Bildteilen, insbesondere von Lichtspuren die unbeabsichtigt ins Bild gemalt wurden, das Zusammenrechnen aus mehreren Einzelbildern mittels Ebenen und ähnliche Arbeitsschritte die das eigentliche Bild erst am Rechner entstehen lassen. Das nennt man dann Composing. Ich hab nichts gegen Montagen oder Composings, auch nicht wenn ein Teil des Bildes ein Light Painting ist, jedenfalls nicht so lange der Künstler diese als solche klar kenntlich macht. Ungeachtet dessen habe ich bisher kein Composing im Light Painting gesehen das man nicht auch in einer Einzelbelichtung hätte umsetzen können. Das ist ja das Schöne am Light Painting, man kann mit Licht eine komplette Szene aus dem Nichts erschaffen. 

Dieses Light Painting entstand im dunklen Keller. Vom Raum ist im Bild nichts sichtbar. Das Bild hätte ich also an jedem anderen Ort aufnehmen können wenn dieser nur dunkel genug wäre. 

Der Aufwand für dieses Bild war recht groß. Zuerst habe ich eine Glühbirne gesucht; im Jahr 2018 nicht mehr ganz so einfach. Dann habe ich das Innenleben aus dieser entfernt. Die Öffnung die dadurch an der Unterseite entstanden war habe ich mit schwarzer Knete verschlossen. In die Knete steckte ich einen Schweißdraht und fixierte damit die Glühbirne für das Light Painting. Dann begann ich mit Testaufnahmen zur Ausleuchtung der Birne. Nach über 20 Testaufnahmen hatte ich die Position der Lampe ermittelt bei der möglichst wenig Reflexionen  auf der Glasoberfläche sichtbar waren. So richtig zufrieden bin ich allerdings nicht mit dem Ergebnis, meine Idee war gar keine Reflexionen auf der Glühbirne zu haben. Das wird mir bestimmt auch mit anderen Lampen und Diffusoren beim nächsten Mal gelingen.

Für die restlichen Teile des Light Paintings verzichtete ich auf Testaufnahmen. Also konnte es los gehen:
- Schritt 1: Kamera mit dem Meyer Optik Görlitz 2/35 mit eingestellter Blende 11 auf dem ersten Stativ befestigt und fokussiert, Belichtung gestartet, Glühbirne ausgeleuchtet

- Schritt 2: Blende des Objektivs auf 2,8 gestellt, Fokus auf ∞ gestellt, mit einem Bündel schwarzer Glasfasern das Bokeh ins Bild gemalt

- Schritt 3: Wechsel des Objektivs auf das Sigma 14/2,8 mit Blende 11, Wechsel der Kamera auf das zweite Stativ mit dem montierten Rotation Tool, zwei Blades aus Plexiglas mit dem Akkuschrauber gedreht, nach jeder Umdrehung die Kamera 60° um die optische Achse gedreht. 

Beim ersten Versuch gefiel mir das Bokeh nicht also wiederholte ich die Aufnahme. Du siehst hier den zweiten Versuch.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die meisten Menschen halten mich wegen des immensen Aufwandes für solche Light Painting Bilder für komplett verrückt. Der Aufwand für die Umsetzung solch eines Bildes ist ja nur ein recht kleiner Teil der Arbeit. Die Entwicklung der Choreografie, basierend auf der verrückten Idee, nimmt meist viel mehr Zeit in Anspruch als die Ausführung. Das Ergebnis wird dann ganz schnell zweitrangig. Der für mich wichtige Punkt ist der gesamte Prozess um solch ein Bild zu erschaffen.

 

Wenn es eine Möglichkeit gäbe dieses Bild genauso am Computer zu generieren oder mit Ebenenarbeit in der Bildbearbeitung den Aufwand für das Light Painting erheblich zu minimieren würde ich diese Techniken nicht nutzen. Ich bin Light Painter und kein Digital Artist. Ich arbeite mit choreografiertem Licht vor der Kamera und schubse keine Einsen und Nullen am Computer hin und her. Ich bin "Physiker" und kein Mathematiker. Ich will nicht mit möglichst geringen Aufwand das perfekte Bild. Ich will mit den Lampen vor der Kamera arbeiten weil es Spaß macht. Ich will der Magier ohne gezinkte Karten sein.

 

Ich wünsche Dir allzeit gutes Licht
Sven

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Taschenlampen für den Light Painting Einsteiger

Welche Taschenlampe sollte ich zuerst kaufen?

Ich sage ja gerne "Light Painting funktioniert mit allem was leuchtet". Und genau so haben wir damals selbst angefangen, alles was leuchtet aus der Wohnung und dem Keller eingepackt, Belichtung gestartet und dann wild mit den verschiedensten Lichtquellen vor der Kamera rumgefuchtelt. Vieles stellte sich aus den unterschiedlichsten Gründen als ungeeignet heraus. Dieser Artikel soll dem Light Painting Einsteiger einige Arbeit beim Testen der verschiedenen Lampen und etwaige Fehlinvestitionen ersparen.

Viele unserer Light Painting Workshop Teilnehmer schauen ehrfürchtig in unsere Koffer und fragen sich, ob sie tatsächlich so viele Lampen brauchen um gute Light Paintings machen zu können. Ich hab mal gezählt; wir benutzen über 60 Taschenlampen mehr oder weniger regelmäßig in unseren Bildern. Darüber hinaus habe ich mal überlegt wie viele ich davon mitnehmen würde, wenn die Location einen längeren Fußmarsch vom Parkplatz entfernt wäre. Je nach der Bildidee, die an der Location umgesetzt werden soll, wären es nie mehr als 10 Taschenlampen. Wenn davon allerdings 8 kaputt gehen würden könnten wir das Bild sicher auch mit zwei Lampen auf den Kamerasensor malen können.

Also, nein, man braucht nicht so viele Lampen. Letztendlich genügen zwei Stück... oder auch nur eine, wenn es denn die richtigen sind und man im Umgang mit den Lampen geübt ist. Sicher fragst du Dich jetzt warum der Herr Gerard dann so viele Taschenlampen hat und mit sich rumschleppt.


Dafür gibt es mehrere Gründe. Erst einmal ist Haben immer besser als Brauchen ;-). Zum zweiten benutzen wir einige Spezial-Lampen für ganz besondere, einzigartige Lichteffekte. Diese Lampen können dann allerdings meist genau nur diesen einen besonderen Effekt und sonst nix. Punkt drei ist die Zeiteinsparung und Bequemlichkeit. Wenn ich mit 6 Lampen die Ausleuchtung des Raumes in kürzerer Zeit realisieren kann dann nehme ich eben 6 Lampen anstatt einer. Ein weiterer Aspekt ist die Ausfallsicherheit. Wenn ich 500 km zu Location fahre und dann das Bild nicht umsetzten kann weil meine einzige Lampe den Geist aufgibt ist das mehr als ärgerlich. Die meisten Lampen sind mindestens doppelt in unserem Koffer. Ich lasse die Lampen gerne an den Light Painting Tools damit sie immer sofort einsatzbereit sind; acht Tubes = acht Led Lenser P5R.2. 

Light Painting mit vielen Taschenlampen

Während der Vorbereitung des Artikels habe ich überlegt welches Bild mit wirklich vielen Lampen von uns umgesetzt wurde, und ob das Light Painting auch mit (viel) weniger Lampen funktioniert hätte.

Ich bin mir nicht sicher, ob das Bild rechts unser Light Painting mit den meisten Taschenlampen ist, aber es waren schon recht viele, 10 um genau zu sein. Vier rote Lampen in der oberen Etage, zwei Lampen auf der Treppe, zwei Led Lenser X21R.2 in der unteren Etage, eine Led Lenser P5R.2 für den blauen Orb und eine weitere Lampe zum Einleuchten des Models. Das orange Licht am Fenster hat uns die Görlitzer Straßenbeleuchtung ins Bild gemalt.

Letztendlich hätte man dieses Light Painting auch mit nur zwei Taschenlampen umsetzen können, eine für den Orb und eine zweite für die restlichen Aufgaben.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die Lampen oben und auf der Treppe bleiben während der gesamten Zeit an ihrem Platz. Die zwei Led Lenser X21R.2 lagen unten griffbereit an den richtigen Stellen. Ein solches Bild klappt meist nicht beim ersten Versuch. Aus diesem Grund wird der Zeitaufwand für die Wiederholungen erheblich verringert wenn die Lampen zur Ausleuchtung an ihrem Platz verbleiben. Wir mussten das Licht also nur einmal einrichten und nicht bei jedem Versuch wieder neu. Und das funktioniert eben nur wenn man genügend Lampen dabei hat.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Zur Umsetzung bestimmter Light Painting Bilder ist die Verwendung mehrerer Lampen gleichzeitig erforderlich. Im Beispiel auf der linken Seite habe ich zwei modifizierte Convoy S2 gleichzeitig zur Ausleuchtung des Tunnels verwendet. Nacheinander, also zuerst blau und dann orange, hätte das Bild vermutlich nicht funktioniert. Das Model hätte viel länger still stehen müssen. Ich hätte peinlich genau darauf achten müssen, dass die Zeit für beide Farben gleich ist und es wäre ungleich schwerer gewesen die Farben sauber zu trennen.

 

Die Lampen hatte ich zuerst hinter dem Model platziert und anschließend noch etwas von vorne den Tunnel ausgeleuchtet.


Light Painting auf Reisen

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die Insel Hiddensee ist nur mit der Fähre erreichbar. Auf der Insel gibt es keinen (privaten) Autoverkehr. Der Transport unserer Ausrüstung gestaltet sich also recht schwierig; entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Für das Bild links hatten wir die folgenden Sachen dabei:

- Stativ, Kamera, Objektiv, Fernauslöser und eine Kappe zum Abdecken des Objektivs

- Material für den Schwanz der Meerjungfrau

- Eine Led Lenser M7RX, einen Universal Connector und Farbfilter

Mit der einzigen Taschenlampe habe ich zuerst den Schwanz ins Bild gemalt im Anschluss habe ich den Universal Connector und das Farbfilter entfernt. Ich habe die Lampe weit fokussiert und den Strand und die Steine ausgeleuchtet.


Um den Himmel etwas heller darzustellen haben wir die Kamera einfach noch etwas weiter belichten lassen.

 

Das gesamte Material, einschließlich einer Flasche Bier,  konnten wir in einem kleinen Rucksack verstauen und damit bequem zum Strand und zurück spazieren.

Sicher wäre es einfacher gewesen, und hätte nicht so viel Zeit gekostet, wenn ich den Strand mit der dicken X21R.2 ausgeleuchtet hätte, aber die Lampe hat fast das gleiche Gewicht wie die gesamte oben genannte Ausrüstung.

Die ultimative Light Painting Taschenlampe

... gibt es nicht, und wird es sicher auch nie geben. Wünschenswert wären ein hoher Lichtstrom, möglichst viele Helligkeitsstufen, ein gutes Fokus-System, variabler Strobe in jeder Helligkeit, eine geringe Größe und ein geringes Gewicht, eine ausreichend lange Laufzeit und ein günstiger Anschaffungspreis. Gut wäre es, wenn die Lampe in den Universal Connector passt. Das erleichtert den Wechsel der Lampen und Light Painting Tools ungemein, einfach Tool und Lampe zusammenstecken und fertig. Oder wie im Beispiel von oben die Lampe einfach aus dem Connector ziehen um im zweiten Schritt die Ausleuchtung zu machen.

Welche Lampen kommen den Wünschen von oben am nächsten? 

Lampen wie die Led Lenser M7RX kommen den Anforderungen schon recht nah. Ein gutes, arretierbares Fokus-System, Lichtstrom ca. 900 Lumen, zwei Helligkeiten plus Turbo, Strobe, Blinken und SOS. Betrieben wird sie mit einem 18650 Akku.

Leider wird eben diese Taschenlampe nicht mehr hergestellt. Einen adäquaten Nachfolger gibt es nicht. Die neueren Lampen von Led Lenser sind meines Erachtens für das Light Painting nicht zu gebrauchen weil sie sehr schnell und sehr stark nach dem Einschalten in der hellsten Stufe die Helligkeit runter regeln. Eine saubere, gleichmäßig Ausleuchtung einer größeren Szene ist damit kaum zu realisieren.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Aber nun ist ja Led Lenser glücklicherweise nicht der einzige Hersteller von Led-Taschenlampen. Die Firma Walther bietet mit der PL70R eine sehr ähnliche Lampe an, mit der PL75MC sogar eine Variante mit 4 Led's (weiß, rot, grün, blau). Meines Wissens nach ist dies die einzige fokussierbare Taschenlampen mit mehreren Lichtfarben. Lampen wie der Led Lenser P7QC oder T2QC fehlt das Fokus-System. 

Eine gute, preisgünstige Alternative ist die, den oben genannten Lampen sehr ähnliche Anker LC90. Vertrieben wird sie eigentlich ausschließlich über Amazon. Man kann diese Lampe aber auch bei einigen anderen  Händler oder bei ebay kaufen, allerdings für zum Teil erheblich höhere Preise. Im Moment kostet das Schmuckstück bei Amazon schlanke 27,99€. Im Vergleich zu den 150€ für die M7RX ein echtes Schnäppchen. 

 

Sicher kann man auch ohne Fokussierung beeindruckende Light Painting Bilder umsetzen, für die meisten Aufgaben benötigt man keinen Fokus. Die Zahl der Lampen ohne Fokus ist unüberschaubar, deshalb von mir zwei Empfehlungen:
- Thorfire TK15S 
- Convoy S3

Beide Lampen sind gut verarbeitet, mit ca. 1000 Lumen für unsere Zwecke ausreichend hell und sie reißen kein großes Loch in den Geldbeutel. Alle hier genannten Lampen kann man sowohl gut benutzen um Lichtspuren ins Bild zu malen als auch um kleine bis mittlerer Szenen auszuleuchten. An der Thorfire stört mich allerdings etwas, dass man den Schalter an der Seite der Lampe nicht mehr gut erreichen kann wenn sie im Universal Connector steckt.

Ausleuchtung von großen Szenen

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Mit ca. 1000 Lumen sind die kleinen Lampen aus dem letzten Abschnitt für die meisten Einsatzzwecke im Light Painting völlig ausreichend. Manchmal muss aber auch mehr Licht, oder mehr Leuchtweite, ins Bild. Gerade die hintere Kugel im Beispielbild hätten wir mit einer kleinen Lampe, vor allem wenn diese keinen Fokus hat, wohl kaum im Light Painting sichtbar machen können.

Benutzt haben wir hier eine von Heinz-Jörg Wurzbacher auf UV-Led's umgebaute Led Lenser X21. Durch das gute Fokus-System der Led Lenser konnte ich den Lichtkegel genau auf die Größe der Kugel einstellen. Wie hoch der Lichtstrom dieser Lampe ist vermag ich nicht zu sagen. Ich bin mir nicht sicher, ob man UV-Licht überhaupt mit den gängigen Methoden messen kann. Von der Zeit, die ich für die Beleuchtung der Szene benötigt habe ist die Lampe vergleichbar


mit der X21.2 mit weißen Led's. Falls wir noch mehr Licht brauchen nehmen wir eine, oder auch mehrere, Led Lenser X21R.2. Die Lichtstrom nach dem Einschalten in der höchsten Stufe liegt bei ca. 3200 Lumen. Nach einigen Minuten regelt die Lampe die Helligkeit runter, nach 12 Minuten leuchtet eines unserer Exemplare gerade mal noch mit 1200 Lumen.

Alternativen zur X21 gibt es sehr wenige. Spontan fallen mir nur Walther Pro XL3000, XL7000R und XL8000R ein. Ich kenne keine weiteren Lampen über 2500 Lumen mit Fokus-System. Wenn man auf den Fokus verzichten kann und will kann man für einen ähnlichen Preis auch solch eine Lampe kaufen:

Die (vermutlich) hellste Taschenlampe der Welt

Unglaubliche 32000 Lumen (nein, ich hab nicht aus Versehen eine 0 zu viel geschrieben) rotzen die 8 verbauten Cree XHP70.2 Led's aus dem recht kleinen Kopf der Lampe raus. So viel wie 10 X21R.2, und das zum Preis und mit dem Gewicht von einer der Led Lenser Schmuckstücke. 
Leider habe ich kein Exemplar dieser Lampe. Ich wüsste auch nicht so recht wofür ich ein solches Monster im Light Painting einsetzen sollte. Beeindruckend ist das Teil aber schon: Imanent DX80 

 

Wenn man den Messergebnissen der Freunde im TLF vertrauen kann liegt der Lichtstrom 30 Sekunden nach dem Einschalten bei knapp unter 30000 Lumen. Die Herstellerangaben für die kleineren Stufen werden dagegen in der Realität übertroffen, high - 13750lm, mid - 6250lm, low - 2500lm. Low sollten laut Hersteller nur 1000 Lumen sein, Mid nur 5000. Darüber hinaus lässt sich die Helligkeit in zwei weiteren Stufen reduzieren, 500 und 120 Lumen. Ich vermute, auch hier wird der Lichtstrom größer sein als angegeben.

Durch die geschickte Konstruktion des Gehäuses mit den vielen Luftschlitzen hält sich die Erwärmung in Grenzen. In der höchsten, für den Light Painter interessanten, Stufe "mid" mit 6250 Lumen wird man sich auch nach 15 Minuten nicht die Finger am Gehäuse verbrennen. Die vom Hersteller angegebene Wasserdichtigkeit nach IPX8 dürfte allerdings eher ein Spaß sein, durch die Schlitze dringt sicher Wasser ins Innere der Lampe. Ich würde die Lampe jedenfalls nicht ins Wasser schmeißen.

 

Da geht aber noch mehr. Neuerdings baut der Hersteller eine Lampe mit 12 der oben genannten Led's: Imalent MS12. Viel findet man noch nicht über dieses Monster, offensichtlich sind die üblichen Verdächtigen noch vom hohen Preis abgeschreckt. Aber lange dürfte es nicht dauern bis der erste Flashoholic das Teil im TLF vorstellt. 

Kleine Light Painting Taschenlampen

Um Lichtspuren wie im Bild rechts ins Bild zu malen sind 1000 Lumen viel zu viel. Selbst mit den schwachen 80 Lumen der Led Lenser M3R in der kleinen Helligkeitsstufe sind einige Bereiche im Bild rechts schon überstrahlt. Das Light Painting habe ich bei ISO 50 und Blende 11 in ca. 2 Metern Entfernung zur Kamera gemalt... und eingeschlafen bin ich dabei auch nicht, sonst würde man den Strobe-Effekt durch die Pulsweitenmodulation nicht im Bild sehen.

 

Die M3R wird, wie viele der guten Led Lenser Lampen, nicht mehr hergestellt. Im Moment sind bei einigen Händlern noch Restposten erhältlich. Für mich ist diese Lampe neben der ebenfalls nicht mehr produzierten P5R.2, eine der besten Light Painting Lampen. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Alternativ könnte man eine größere Lampe mit vielen Helligkeitsstufen wie die oben erwähnte Thorfire an das Plexiglas-Blade stecken und die Helligkeit entsprechend runter regeln. Allerdings hätte ich dann nicht diesen Strobe-Effekt weil die Thorfire nicht über PWM geregelt wird.

Fazit

Für die ersten Gehversuche im Light Painting genügt erst einmal eine gute Lampe wie die Thorfire TK15S. Erst wenn Du bei Deinen Light Paintings an die Grenzen stößt solltest Du über die Anschaffung größerer Lampen nachdenken. Um eine gewisse Sicherheit zu haben ist es eine gute Idee 2 gleiche Lampen zu kaufen. Ebenfalls eine gute Idee ist es, wenn alle verwendeten Taschenlampen mit dem gleiche Typ Akkus betrieben werden. Die gebräuchlichsten sind Akkus in der Größe 18650. Nur mit Lithium-Zellen ist es möglich einen hohen Lichtstrom mit einer kleinen Lampe zu realisieren. AA Batterien können maximal einen Strom von 0,5 Ampere abgeben, das genügt nur für ca. 90 Lumen pro Batterie. 18650 Akkus geben Ströme von 30 Ampere und mehr ab. Für die 1000 Lumen der Thorfire schiebt der Treiber ca. 2,8 Ampere bei 3,7 Volt in die Led. 

 

Zur eigenen Sicherheit sollte spätestens Deine zweite Taschenlampen-Anschaffung eine gute Stirnlampe sein. Diese gibt es mittlerweile auch wie Sand am Meer. Marla und ich laufen seit einiger Zeit mit Coast HL8 durch die Nacht. Die Akkus bzw. Batterien halten ewig, die Lampen sind bequem zu tragen, verfügen über eine gutes Fokus-System und lassen sich in der Helligkeit gut regeln. Alles was der Light Painter braucht um vernünftig arbeiten zu können.

Die Strinlampen von Led Lenser sind eigentlich auch ganz ordentlich, Erik benutzt seine immer noch gerne, allerdings nervt mich dieses rote Licht am Hinterkopf. Wahrscheinlich soll das für den Radfahrer sein. Man sieht selbst nicht ob das gerade an oder aus ist und malt dann damit zuweilen ungewollt lustige Lichtspuren ins Bild. Viele Kollegen benutzen Strinlampen der Firma Petzl. Die guten Lampen von Petzl finde ich allerdings zu teuer.

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht

Sven

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Light Painting Paradise

Light Painting Tools

English version on Light Painting Blog

 

Light Painting Paradise hat mir freundlicherweise die Tools für diesen Artikel zur Verfügung gestellt. Eine weitere Bezahlung erfolgt nicht, ich erhalte keine Provision. 

Versand

Das Paket wurde um 18:35 Uhr in Madrid aufgegeben. Am nächsten Tag um 14:15 Uhr hielt ich es in meinen Händen. Das nenne ich doch mal eine schnelle Lieferung. Ivan von Light Painting Paradise hat mir versichert, dass alle Bestellungen so schnell verschickt werden. 

Alles war gut und sicher in einem stabilen Karton verpackt. Einzig die kleine Tüte Gummibärchen fehlte. ;-)

Was war im Karton?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Im Karton waren alle Adapter, alle Farbfilter, zwei Stäbe aus Plexiglas, fünf verschiedene Glasfaser-Bündel sowie vier Plexy Shapes. 

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Adapter

Das System besteht aus runden und flachen Adaptern. Die Adapter mit den runden Öffnungen sind für die Plexiglas-Stäbe, Plexiglas-Rohre und die Glasfasern. Die Adapter mit den schlitzförmigen Öffnungen sind für die Light Blades gedacht.

Alle Adapter sind im Vergleich mit anderen Systemen aus sehr dicken Material und somit sehr stabil. Auch mit langen, schweren Tools und schweren, dicken Taschenlampen ist die Verbindung sehr fest und stabil. Alles ist passgenau gearbeitet, nichts wackelt, man läuft keine Gefahr, dass einem das Tool beim Light Painting durch die Landschaft fliegt. Dadurch ist allerdings das Zusammenstecken der Teile manchmal etwas mühselig und kraftaufwändig. In die Adapter passen Lampen mit einem Kopfdurchmesser von 25 bis 38,5mm.


Die flachen Adapter gibt es mit zwei verschieden großen Schlitzen, entweder für ein Light Blade oder für zwei. Die runden sind ebenfalls für entweder ein oder zwei runde Tools erhältlich. Gerade der Doppel-Adapter eröffnet einige neue Möglichkeit. Man könnte beispiels-weise zwei verschiedene Glasfaser-Bündel montieren.

 

Eine Sonderstellung nimmt der Adapter zum seitlichen befestigen eines runden Tools ein. Der Stab oder das Rohr werden damit von der Seite, und nicht wie sonst üblich, von einem Ende beleuchtet.

Farbfilter

Zwei Adapter-Systeme = zwei Farbfilter-Systeme. Die Farbfilter für die flachen Adapter sind passende Streifen aus Farbfilterfolie (Par 64 von Lee Filters). Verpackt sind sie, genau wie die runden Farbfilter, in einer kleinen Metallbox. Diese Folien könnte man auch selbst in der passenden Größe zuschneiden. Das ist also eher etwas für den Einsteiger, der nicht 20 Rollen Lee-Folie im Keller liegen hat. Wenn man 12 Rollen kauft wird das auf jeden Fall viel teurer als die kleine Box.

 

Die runden Farbfilter sind Scheiben aus eingefärbtem Plexiglas. Sie werden zuerst in den Adapter gesteckt, dann steckt man das Tool hinein. Ein coole Idee wie ich finde, wir fummeln sonst kleine, selbst zurecht geschnittene Folien zwischen Tool und Taschenlampe.

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Das flache System besteht aus 12 Farben, das runde aus 13. Alle Farben gefallen mir gut, sie sind eher dezent. Knallrot, kräftiges Blau, Grasgrün... so etwas haben die meisten Light Painter ohnehin schon in ihrem Koffer. Man schneidet dann einfach Streifen oder runde Kreise aus und benutzt dann diese in den Adaptern.  

 

Vier der Farbfilter (im Bild liegen sie im Deckel) sind UV aktiv. Gleichzeitig zur normalen Ausleuchtung hatte ich für dieses Bild mit einer kleinen UV-Taschenlampe in die Schachtel geleuchtet. In der Beschreibung des Shops ist das nicht erwähnt. Ich habe das eher zufällig entdeckt.

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Plexy Shapes

Die Plexiglasteile werden in passenden Taschen geliefert. In dieser sind sie beim Transport gut geschützt. Die Kanten der Blades sind nicht poliert, sonder etwas rau. Dadurch erzeugen sie gut strukturierte Lichtspuren im Bild. Die polierten Kanten anderer Blades rauen wir vor dem Gebrauch mit Schleifpapier auf, dieser Arbeitsschritt entfällt hier. Ivan hat mir die für mich interessantesten Formen geschickt, Diablo, Italian Horn, Thunderbolt und Ice Cream. Darüber hinaus sind im Shop die Formen Diamond, Rectangle, und Round erhältlich. 

 

Alle Plexy Shapes sind sauber verarbeitet. Sie passen perfekt in die Adapter. Etwas fummelig wird es wenn man gleichzeitig eine Farbfolie hinein stecken will. Dafür hält dann selbst im Adapter für zwei Blades alles bombenfest. 


Die Plexy Shapes sind zwischen 23 und 27 cm lang und ca. 10 cm breit. Mir gefällt die Größe gut, mit fast jeder Taschenlampe wird die Fläche gut ausgeleuchtet. EIn Fokus-System wie bei Led Lenser ist bei dieser Größe eigentlich unnötig. Erste Versuche habe ich mit einer Convoy S8 gemacht, das sah so erstmal ganz gut aus.

Plexiglas-Stäbe

Im Shop sind vier verschiedene Stäbe erhältlich, Bubbles, Linear, Spiral und Transparent. Die Stäbe sind 40 cm lang und haben einen Durchmesser von 2 cm. Die recht schweren Stäbe werden sicher von den Adaptern gehalten. 

 

Transparent ist, wie der Name schon sagt, transparent, im Bubbles sind lauter kleine Luftblasen, im Linear sind gerade Linien über die gesamte Länge und im Spiral ist eine Spirale mit eingegossen. Das Innenleben sieht aus wie ein DNA-Strang. In meinem Paket waren Bubbles und Spiral. 

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Die Stäbe lassen sich mit fast jeder Taschenlampe gleichmäßig und komplett ausleuchten. Auch hier braucht man wieder keine teure Fokus-Lampe weil der Adapter die Lampe mit dem Stab auf kurzen Weg sicher und gerade verbindet.

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Glasfasern

Verschiedene schwarze und weiße Glasfasern verwenden wir schon sehr lange in unseren Light Painting Bildern. Blau, Grün und Rosa kannte ich bisher nicht. Im Paket war das komplette Set aus 5 verschieden farbigen Glasfasern.

Die Bündel sind etwas dünner als die Glasfasern aus anderen Light Painting Shops damit sie in den gleichen runden Adapter wie die Stäbe und Rohre passen. Allerdings sind vom ersten Eindruck her fast genauso viele Fasern verklebt. Wenn man das Tool in den Adapter steckt und senkrecht auf den Tisch stellt ist der "Blumenstrauß" genauso groß wie bei den Glasfaser-Tools aus den anderen Shops. 

Die schwarzen Glasfasern leuchten ausschließlich an den Enden. Blau und Grün geben sehr wenig Licht zur Seite ab und sind den schwarzen recht ähnlich. Rosa leuchtet eher Rot und an den Enden weiß, oder wenn man einen Farbfilter mit in den Adapter steckt, eben in dieser gewählten Farbe. Die weißen Fasern leuchten über die gesamte Länge, am hellsten an den Enden.


Plexiglas-Rohre

Die Rohre habe ich nicht zum Testen zugesandt bekommen. Wenn ich alles so viel hätte wie Plexiglas-Rohre... ;-) Im Shop sind Rohre in verschiedenen Längen erhältlich: 14, 36, 50 und 100 cm. Sie sind 2 cm dick und passen, Du hast es sicher schon selbst erraten, in den runden Adapter. 

Preise

Vergleichbare Tools sind in den meisten anderen Light Painting Shops teurer. Die Adapter sind mit 23€ für die einfachen und 32€ für den doppelten Runden nicht gerade ein Schnäppchen. Da sollte man über den Kauf eines Kits nachdenken, man spart einige Euros. Allerdings ist der Universal Connector auch nicht viel billiger und wegen des dünneren Materials nicht so stabil. 
Die Preise für die Plexy Shapes, Tubes und Rods finde ich angemessen. Plexiglas ist im Einkauf teuer, wenn ich eine Platte kaufe und die Teile selbst schneide spare ich kaum etwas, vor allem wenn ich dann noch Ausschuss produziere. 

Was gibt es sonst noch im Light Painting Paradise?

Neben den oben genannten "Exclusive Products" vertreibt das Light Painting Paradise noch andere Sachen die das Herz des Light Painters höher schlagen lassen wie Taschenlampen, Laser, EL-Wire,  EL-Tape und einige andere Kleinigkeiten. Schau Dich einfach im Shop um. Aus der Ferne gefallen mir die dicken 3-fach EL-Wire ganz gut. Die Dinger sollten deutlich heller sein als die normalen, einfachen EL-Wire, die wir sonst benutzen.

Was können die Tools im Light Painting?

Die montierten Plexy Shapes und Stäbe liegen gut in der Hand. Die Gewichtsverteilung ist mit einer mittelgroßen Taschenlampe wie der Convoy M1 gut. Die Tools lassen sich somit sauber und sicher durch die Luft schwingen. Alles sitzt fest und sicher. Ich hatte selbst bei schnellen Bewegungen keinerlei Befürchtungen, dass mir ein Plexy Shape oder recht schwerer Stab aus dem Adapter rutscht.

Die runden Farbfilter passen perfekt in die Adapter. Wenn man das Tool aus dem Adapter zieht kann man das Farbfilter aus dem Adapter schütteln. In der Dunkelheit könnten die kleinen Filter allerdings schnell in schwarzen Löchern verschwinden. Am Besten, man bereitet die Tools zu Hause vor und baut sie auch dort wieder auseinander.

Beim Entfernen der Glasfasern sollte man vorsichtig sein, sie sitzen recht stramm in den Adaptern. Die Glasfaserbündel sind allerdings ohnehin Verschleißartikel. Egal wie vorsichtig man damit hantiert, die Fasern brechen irgendwann weil sie dünn und starr sind.  Zum Transport sollte man sie immer in den mitgelieferten Hüllen aufbewahren.

Es werde Licht

Mir gefallen die Lichtspuren der Blades wirklich gut. Durch die relativ rauen Kanten haben die Spuren eine schöne Struktur.

Links siehst Du den Stab mit der Spirale und rechts den Stab mit den Blasen.

Die blauen und grünen Glasfasern sind viel heller als ich erwartet hatte. Als sie mit eingeschalteter Lampe auf dem Tisch lagen war vom grün und blau kaum etwas sichtbar. Interessant ist hier die Möglichkeit die Farbe der Glasfasern (blau, grün, rosa) mit einer zweiten Farbe für die Enden der Glasfasern zu kombinieren, wie im Bild 1.

 

Hier noch einige Bilder mit Plexy Shapes und schwarzen Glasfasern:

Fazit

Wer keine Möglichkeit oder keine Lust hat alle seine Tools selbst zu bauen hat mit den Tools aus dem Light Painting Paradise sehr vernünftige Werkzeuge zur Verfügung. Auspacken - Tool, Adapter, Farbfilter und Lampe zusammen stecken - und schon kann der Light Painting Spaß beginnen.

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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Farben im Light Painting Teil 4

Farbiges Licht im Light Painting - praktische Umsetzung

Nach den drei ersten, eher theoretischen und philosophischen, Teilen des Artikels geht es in diesem Teil um die praktische Umsetzung in unseren Light Painting Bildern. Welche Möglichkeiten habe ich um mit buntem Licht Lichtspuren ins Bild zu malen? Wie leuchte ich den Raum farbig aus?

 

Die ersten drei Teile findest Du hier:

 

Farben im Light Painting Teil 1

Farben im Light Painting Teil 2

Farben im Light Painting Teil 3

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Light Painting mit Farbfolien

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Die wohl am häufigsten im Light Painting verwendete Methode um Licht "einzufärben" ist die Verwendung von Farbfilterfolien. Die Folien sind in vielen verschiedenen Farben erhältlich, sie sind hitzebeständig und sie kosten kein Vermögen. Wir kaufen meist Folien von LEE-Filters. Die Folien sind zwar recht teuer, aber sie haben saubere, definierte Farben. Wenn ich also nach 3 Jahren eine neue Rolle "Tokyo Blue" kaufe kann ich absolut sicher sein, dass die Farbe nicht einen Hauch von der alten Rolle abweicht. Bei vielen preisgünstigen Folien sieht das anders aus, zumal dort meist die Farbe nicht so präzise angegeben wird. Das heißt dann einfach Rot oder Blau.

Auf jeden Fall solltest Du darauf achten, dass die Folien für Beleuchtungszwecke (Scheinwerfer) ausgelegt sind. Die lustige bunte Bastelfolie aus dem 1-Euro-Shop fackelt ganz schnell an der 2000 Lumen Taschenlampe ab.


Wie kommt die Farbfolie an die Lampe?

Am Einfachsten lässt sich die Farbfilterfolie an der Led Lenser X21 befestigen und wechseln. Wir haben runde Stücken in der Größe des Lampenkopfes zugeschnitten und klemmen sie dann zwischen Kopf und Wegrollschutz. 

 

Bei den meisten anderen von uns verwendeten Lampen geht das leider nicht so einfach. Für die Verbindung von Taschenlampe und Lichtwerkzeug verwenden wir meist den Universal Connector von Jason Page. 20€ für ein Stück Gummi ist zwar alles andere als ein Schnäppchen, bisher konnte ich allerdings keine Alternative ausfindig machen. Wir stecken dann einfach eines, oder auch manchmal mehrere, Stücken Folie in den Connector und schon wird es bunt. 

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Eine weitere, nicht so elegante, Lösung ist die Befestigung mit Klebeband am Lampenkopf. Bei den billigen China-Lampen lasse ich die Folie meist dran. Bei einem Preis von 2 bis 3€ kaufe ich dann lieber ein paar Lampen nach als mühsam die Folie zu entfernen und neu anzubringen.

Farbige Light Painting Pinsel

Light Painting Fotografie & Light Art Photography
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Wenn der Pinsel zum Malen der Lichtspuren schon gefärbt ist erspart das natürlich den Einsatz von Farbfilterfolie, Taschenlampe ran und fertig.

Einziger Nachteil ist natürlich, dass ich fünf verschiedenfarbige Tools einpacken muss wenn ich fünf verschiedene Farben malen will. Das nimmt dann mehr Platz im Rucksack ein als fünf kleine Stücken Folie und nur ein Tool.

Man kann natürlich auch die Tools einfärben oder von außen mit  verschiedener Folie bekleben wenn man ein mehrfarbiges Tool haben möchte.

Die hier gezeigten Tools sind allesamt sehr günstig, meist landen solche Sachen im Müll. Halte einfach die Augen offen und stecke eine Taschenlampe in den neuen potentiellen Light Painting Pinsel. Einen eigenen Artikel zu diesem Thema findest du hier.


Taschenlampen mit farbigen Led's

Die besten Methode ist meiner Meinung nach das Licht gleich in der gewünschten Farbe zu emittieren anstatt es mit einem Filter "einzufärben". Genau das macht eben das Filter nicht. Das Licht wird nicht eingefärbt, das Filter blockiert alle Wellenlängen außer der eigenen.

Somit nimmt die Helligkeit zum Teil sehr stark ab. Vor allem, sind die Unterschiede zwischen den Farben recht groß. Ein helles Orange absorbiert etwa 20% des einfallenden Lichts, ein dunkles Blau mindesten 80%. Aus den 3000 Lumen der Led Lenser X21R.2 werden dann bei Orange 2400 Lumen und bei Blau schwache 600 Lumen.

 

Wenn ich also diese beiden Farben in einem Bild verwenden will werden sie stark unterschiedlich hell dargestellt. Ich muss mit dem Blau viel länger arbeiten als mit dem Orange.

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Die Led's der Lampen im Bild sind von der Leistung her identisch. Alle Farben haben einen Lichtstrom von ca. 900 Lumen und sind somit auch im fertigen Light Painting annähernd gleich hell dargestellt. Die Anzahl der lieferbaren Farben ist allerdings begrenzt. Aktuell erhältlich sind rot, grün, blau, violett, hellblau und orange. Manchmal werden auch gelbe Led's angeboten, technisch sind sie aber mit den orangen identisch, sie sind nur etwas heller. Wenn ich im Bild gelb haben will lass ich einfach das orange Licht etwas ausbrennen, dafür brauche ich keine weitere Lampe.

 

Das einzige Problem: man kann solche Lampen nicht kaufen, jedenfalls ist mir keine Bezugsquelle bekannt. Diese Lampen habe ich selbst gebaut. Einen eigenen Artikel über den Bau dieser Taschenlampen findest Du hier.

RGB-Taschenlampen

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In der Vergrößerung sieht man diesen Effekt recht gut. Den Orb habe ich noch nicht einmal besonders schnell gedreht. Man kann diesen Effekt natürlich positiv und bewusst im Light Painting nutzen, saubere und gleichmäßigen Farben lassen sich mit diesen Lampen aber nur schwer darstellen.

Ein weiterer Aspekt ist die relative geringe Helligkeit der Lampen. Zur Ausleuchtung größerer Bereiche sind sie nicht geeignet. 

 

Bis vor einiger Zeit waren solche RGB-Lampen bei Amazon oder Pearl erhältlich. Vermutlich hat sie aber kaum jemand gekauft. Die einzige, mir bekannte aktuelle Bezugsquelle ist Aliexpress. Der Versand erfolgt aus China. Unter Umständen wird ein Besuch beim Hauptzollamt Deines Vertrauens sowie die Zahlung von Einfuhrumsatzsteuer  nötig.

Taschenlampe die verschiedene Farben darstellen können, Farbwechsel und Fading beherrschen? Wie im Beispielbild zu sehen gibt es solche Lampen. Diese sind allerdings von der Qualität her sehr miserabel und außerdem recht schwer zu bekommen. Die Laufzeit der Batterien ist sehr kurz. Wenn die Spannung der Batterien abnimmt wechselt das Schmuckstück schon mal gerne selbstständig die Farbe. Zwei gleiche Lampen stellen Mischfarben nicht unbedingt gleich dar.

Diese Lampen arbeiten mit Pulsweiten-modulation. Bei gemischten Farben werden die einzelnen Farben sehr schnell ein und ausgeschaltet, für das menschliche Auge entsteht so der Eindruck von z.B. lila und nicht rot und blau. Bei ausreichend schneller Bewegung der Lampe sieht die Kamera das allerdings.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Weitere Möglichkeiten

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Neben den oben genannten Möglichkeiten Farbe ins Light Painting zu bringen fallen mir noch einige andere Sachen ein: Man kann Light-Blades aus Plexiglas mit verschiedenen Eddings bemalen oder mit buntem Papier bekleben. Das funktioniert natürlich auch mit anderen geeigneten Lichtformern wie PET-Flaschen. Das Anleuchten und Bewegen von farbigen, nicht lichtdurchlässigen Gegenständen und Materialen ist in manchen Fällen auch eine gute Methode um Lichtspuren ins Bild zu malen. Indirektes Light Painting sozusagen. 

Eine weitere Möglichkeit sind farbige Lichtquellen wie z.B. EL-Wire. Die dünnen Lichtschläuche sind nicht teuer und in vielen Farben und Längen erhältlich. Nachteile von EL-Wire sind allerdings, dass sie nicht besonders hell sind und recht schnell kaputt gehen. 

Im Gegensatz dazu ist farbiges Feuerwerk sehr hell. Fontänen, Vulkane, römische Lichter und bengalische Feuer kann man gut im Light Painting einsetzen.

Und zu guter letzt sollten Laser nicht unerwähnt bleiben. Leistungsstarke Laser sind zwar alles andere als Spielzeug, aber bestimmte eindrucksvolle Effekte, wie im Bild nebenan, lassen sich eben nur mit Lasern umsetzen.


In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht und möge Dir der Spaß am Light Painting nie vergehen.
Sven

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Full spectrum Light Painting

How to convert a Nikon D300 into full spectrum

Last year i converted my old  Nikon D70, but the image quality, especially in long exposures, is very poor. After buying a Nikon D300 in quite good condition for only 142€ i decided to convert it to full spectrum by removing the hot mirror filter. 

WARNING

- Be carefull!

- This tutorial is intended for experienced professionals.

- Open your camera will void your warranty.

- You do that at your own risk. I am not responsible for any damage of your camera.

- Be very carefull while removing and mounting the sensor frame. You could potentially ruin the factory calibration for the focus.

You need:

- small philips screwdriver

- soldering iron

- tweezers

- canned air or blower

- alcohol & q-tips or any other sensor cleaning solution

- maybe glue to fix the rubber (Pattex)

Here we go:

Step 1: Remove battery door and bottom rubber and remove all red marked screws.

Step 2: Remove the two marked screws.

Step 3: Remove the four marked screws. Don't remove the complete rubber.

Step 4: Lift the back rubber a little and remove the one marked screw. 

Step 5: Flip over the rear cover, remove all red marked screws and desolder the blue marked ground tabs. Remove the metal sheet.

Step 6: Remove the blue maked cables and flip over circiut board.

Step 7: Remove screws on the three red marked positions.

Step 8: Flip over the sensor frame and remove the two red marked screws and the metal springs.

Step 9: Flip over retainer with dust reduction filter. Remove the white marked hot mirror filter.

Before reassemble the camera in reverse order clean all parts, especially sensor with canned air. After reassemble retainer with dust reduction filter clean the surface with alcohol. 

 

good succeed & stay tuned for the first full spectrum Light Paintings taken with the converted Nikon D300.

Sven

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Light Painting am Bagger

2000t Stahl und zwei Light Painter aus Berlin

10. November 2018, 12 Uhr - das Abenteuer beginnt.

Gunnar, Dominic, Matti und ich beluden das schöne, große Auto und machten uns auf den Weg nach Hagenwerder. 

Wir hatten bei der Abfahrt keinen Plan was für Light Painting Bilder wir in dieser Nacht umsetzen werden. Wir wollten uns vom Bagger inspirieren lassen.

Nach entspannter dreistündiger Fahrt standen wir vor dem Monster: 75 Meter lang, 48 Meter breit, 34 Meter hoch und 2000 Tonnen schwer.  Die freundlichen Herren vom Verein bergbaulicher Zeitzeugen führten uns um und auf den Bagger. Spätestens nach der Führung war uns klar: das wird alles andere als einfach. Mehr als 3 Bilder werden wir wohl in dieser Nacht kaum zustande bringen. 

Gunnar erkundete das Gelände und das Monster dann erstmal mit seiner Drohne von oben. 

 


Beide Bilder © Gunnar Heilmann

 

Wir luden das Auto aus und stärkten uns an der leckeren Suppe, die der gute Danilo organisiert hatte. Als alle gestärkt waren fingen wir an, immer noch ohne klaren Plan.

Light Painting Nr.1

Für das erste Bild stellte sich Danilo als unser Light Painting Model vor eines der 3 Raupen-Paare. Die Teile sind über 2 Meter hoch. 

Wir waren alle noch nicht so richtig warm, wir haben 4 Versuche für dieses Bild gebraucht. Die größte Schwierigkeit bestand darin ,diese riesengroßen Strukturen vernünftig auszuleuchten. 

Oben hinter den Fenstern hatten wir mehrere orangefarbene Led-Lampen platziert, diese blieben die ganze Zeit eingeschaltet. Hinter Danilo habe ich mit einer leistungsstarken E-Zigarette Dampf erzeugt und mit einer modifizierten Convoy S2 (10 Watt orange) das orange Licht gesetzt. Im Anschluss haben Gunnar und ich gleichzeitig mit je einer modifizierten Convoy S2 (10 Watt hellblau) den Bagger ausgeleuchtet. Die Belichtungszeit für diese Aufnahme betrug 212 Sekunden.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Der Himmel war sternenklar, der Bagger steht frei, es war windig. Nach diesem Bild konnten wir uns glücklicherweise im gut geheizten Aufenthaltsraum aufwärmen bevor es weiter ging.  

Light Painting Nr.2

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Zuerst platzierten wir die roten Lampen im Führerhaus und machten eine Testaufnahme. Wir veränderten Position und Anzahl der Lampen, dann passte dieser Bildteil schon mal. 

In weiteren Testaufnahmen leuchteten Gunnar und ich das 9 Meter hohe Schaufelrad ein.  Als auch dieser Teil passte kletterte unser Model Matti auf den Bagger. Das war nicht so einfach, der Weg dorthin ist ziemlich lang und es geht mehrfach hoch und wieder runter. 

Zuerst leuchtete ich Matti mit einer Taschenlampe ins Bild. Danach leuchtete ich mit der gleichen Lampe das Schaufelrad aus. Im letzten Schritt leuchtete Gunnar mit einer roten Lampe die Schaufeln und die Walze des Förderbandes aus. Das Licht im Führerhaus blieb wieder während der gesamten Performance eingeschaltet.


So langsam lief es besser. Für dieses Bild haben wir, abgesehen von den Testaufnahmen, nur drei Versuche gebraucht. Nach 10 Minuten war Matti erlöst und konnte wieder vom Bagger herunter klettern. Wir machten eine kurze Pause, dann ging es für Dominic, Matti und mich ganz nach oben.

Light Painting Nr.3

Im Gepäck hatten wir, glücklicherweise genügend, Feuerwerks- körper. 

 

Gunnar startete seine Drohne. Der Plan war die Szene gleichzeitig mit der Drohne sowie einer Kamera vom Boden aus zu fotografieren. Der Wind ließ nur Belichtungszeiten von wenigen Sekunden mit der Drohne zu, nach 3 Sekunden waren die Bilder verwackelt.

 

Das Bild auf der rechten Seite ist die Ausnahme der Kamera am Boden. Während der Belichtung feuerte ich den Feuerwerkskörper ab und Gunnar leuchtete von unten den Bagger ins Bild. Wir haben die Aufnahme solange wiederholt bis die 6 Pyros alle waren. Dieses Bild gefällt uns am Besten. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Der Weg nach unten war noch beschwerlicher als der Weg hoch. Gefühlt war es da oben 10 Grad kälter als am Boden. Von der Idee weitere Bilder oben auf dem Bagger zu machen verabschiedeten wir uns.

Hier noch zwei der Drohnen-Bilder: 

Light Painting Nr.4

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Neben dem Bagger haben die Jungs vom Verein noch einige andere schöne Sachen auf dem Gelände stehen, wie die feine grüne Krokodil Lokomotive. Matti hatte sich wieder aufgewärmt und stieg in den Führerstand der Lok. Sieht sehr professionell aus, oder? Das könnte daran liegen, dass der gute Matti im realen Leben das Ding vermutlich tatsächlich von der Stelle bewegen könnte. Jedenfalls gelingt ihm das mit Berliner U-Bahnfahrzeugen.

Unser zweites Model Marlene war mittlerweile ebenfalls an unserm Abenteuerspielplatz eingetroffen und stellte sich mutig auf die Gleise. 

 

Wir platzierten 2 rote Lampen im Fahrerstand, dann leuchtete ich Marlene und Matti ein. Anschließend leuchtete ich die Lok ins Bild. 


Nachdem Dominic die Blende von 8 auf 16 geändert hatte zündete ich einen kleinen Feuerwerksvulkan und lief damit an den Rädern der Lok entlang. Nach 2 Versuchen war dieses Light Painting im Kasten.  Wir machten dann noch weitere Light Paintings an der Lok, allerdings ist keines so gut geworden, dass ich es hier zeigen müsste. Aber so ist das nun mal im Light Painting, Fehlversuche, Ideen die nicht funktionieren, Models die frieren, Akku leer, ... irgendwas ist immer. Wir waren trotzdem mehr als zufrieden mit unserer Ausbeute an Bildern. Es gibt auch Tage an denen einfach gar nichts gelingen will und wir ohne ein einziges vernünftiges Bild nach Hause fahren. 

Intermezzo

Nebenbei haben wir noch zwei Porträts von Danilo gemacht, und Gunnar hat noch einige andere Light Paintings umgesetzt. Den Bagger hat er allein mit einer einzigen Taschenlampe beleuchtet.

Bilder © Gunnar Heilmann

Light Painting Nr.5 - Finale

Einen der zwei letzten dicken Mehrfach-Röli feuerte ich in diesem Bild ab. Wir wollten die Dinger nicht wieder mit nach Hause nehmen. Und Feuerwerk macht Spaß, auch wenn das Bild  nicht so gut wird. 

Hier stand ich mit dem Feuerwerk in der Hand als Model im Bild. Dominic leuchtete mich mit einer orangen Taschenlampe von vorne an. Gunnar bediente die Kameras und leuchtete mit einer hellblauen Taschenlampe den Bagger aus. Die Belichtungszeit betrug 106 Sekunden, zuerst bei Blende 16, als der Pyro abgebrannt war bei Blende 8.

 

Nach diesem Light Painting waren alle durchgefroren und müde. Wir luden unsere Ausrüstung ins Auto. Nachdem wir uns von allen verabschiedet hatte traten wir unsere entspannte Heimreise an.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Während wir die oben gezeigten Light Painting Bilder umgesetzt haben kamen allen Beteiligten dutzende neue Ideen in den Kopf. Wir waren uns einig; wir kommen wieder.

 

Ich danke alle Beteiligten, ihr wart großartig!

Mein besonderer Dank gilt Danilo für die perfekte Organisation und die Verpflegung, sowie dem Verein bergbaulicher Zeitzeugen für's Aufschließen und das gemeinsame nächtliche Frieren am Bagger.

 

Den Artikel der Sächsischen Zeitung über unseren Besuch des Baggers findest Du hier: https://www.sz-online.de/nachrichten/leuchtender-bagger 

Und zum Schluss noch das Video von Gunnar:

Allzeit gutes Licht
Sven

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Guter Light Painter, schlechter Light Painter

Was macht einen guten Light Painter aus?

In meiner unnachahmlichen Großmäuligkeit behauptete ich kürzlich in einer Diskussion, dass Herr xxx kein guter Light Painter sei. Mein Gegenüber stellte dann die unausweichliche Frage woran ich das denn festmachen würde. 

Dann versuche ich die Frage mal zu beantworten. Das wird jetzt hier etwas ausführlicher als in unserem Gespräch.

 

Während meiner Antwort dachte ich einige Male: " Das ist ja schön und gut was ich hier von mir gebe, aber vielleicht sollte ich mir an dem ein oder anderen Punkt erstmal an meine eigene Nase fassen". Gesagt habe ich das natürlich letztens nicht. Ich bin ja schließlich der allergrößte Light Painter aller Zeiten. ...ach nee, geht ja nicht, diese Position ist ja schon besetzt... mehrfach sogar. 

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Woran erkennt man ein gutes Light Painting?

Als Erstes versuche ich mal ausschließlich das Ergebnis zu betrachten, völlig emanzipiert von der Arbeitsweise des Light Painting Künstlers. Oft weiß ich schließlich auch gar nicht so genau was im Bild am Computer manipuliert wurde und ob der Light Painter Techniken wie Mehrfachbelichtung, Live Composite oder Ähnliches benutzt hat. Dazu später mehr.

Natürlich kann man gegen die folgenden Regeln bewusst verstoßen. Wenn allerdings nicht sofort erkennbar ist, dass der Bildgestalter das absichtlich "falsch" gemacht hat wird jeder halbwegs geübte Betrachter das Bild sofort ablehnen.

 

Zuerst einmal erfüllt ein gutes Light Painting die gleichen technischen Anforderungen wie jedes andere Foto auch. Es ist scharf, richtig fokussiert, und Helligkeit, Kontrast, und Weißabgleich sind richtig.  Wobei natürlich unscharfe Bereiche im Bild durchaus die Attraktivität erhöhen können, wenn der Lichtmaler weiß was er tut.

Das Bildrauschen hält sich in Grenzen. Es gibt keine (größeren) Bereiche ohne Zeichnung, also nichts ist ausgebrannt oder abgesoffen, wobei größere dunkle Bereiche von den meisten Betrachtern nicht als sehr störend empfunden werden.

 

Falls das Bild in einem Raum oder vor einem Gebäude aufgenommen wurde gibt es keine stürzenden Linien. Die Kamera wurde so ausgerichtet, dass das Ergebnis symmetrisch ist. Wenn der Orb in der Mitte sein soll ist er auch exakt in der Mitte.

 

Das Bild hat insgesamt eine gute technische Qualität, die es zulässt einen (großen) Print anzufertigen.

 

Im Bild sind keine störenden, nicht zur Bildaussage  gehörende Dinge zu sehen. Alles was stört räumt der Light Painter weg, deckt sie ab oder ändert die Position der Kamera entsprechend. Oft genügt es unerwünschte Teile einfach nicht auszuleuchten.

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Ein gutes Light Painting hat einen erkennbaren Bildaufbau. Ob dieser nun irgendwelchen Grundregeln (Drittelregel, goldener Schnitt...) entspricht spielt erstmal keine Rolle. Es muss nur erkennbar sein, dass der Light Painter aus gutem Grund und überlegt die Bildelemente dort platziert hat wo sie sind. Wenn man die grafischen Gestaltungsregeln kennt kann man diese natürlich auch bewusst missachten.

 

Ein gutes Light Painting hat eine überlegte, harmonische Farbgestaltung. Nur weil ich 12 verschieden farbige Lampen in meinem Koffer habe benutze ich sie noch lange nicht alle in einem Bild. 

 

Ein gutes Light Painting erzählt eine Geschichte und/oder vermittelt eine bestimmte Stimmung oder ein bestimmtes Gefühl, wie jedes andere gute Bild eben auch. Orb, Kreisscheibe, Domes, Stahlwolle; alles unmotiviert in allen Farben des Regenbogens in einem Bild verteilt erzählt meist genau gar nichts.

 

Wenn im Light Painting eine Figur aus Licht abgebildet ist sollte diese auch sauber gearbeitet sein. Ein Orb sollte rund und gleichmäßig sein, eine Kreisscheibe rund und ohne den "Anfang" zu sehen usw.

 

Falls im Light Painting ein Model zu sehen ist sollte man die Dame oder den Herren genauso sorgfältig in Szene setzen wie in einem normalen Foto auch.

 

Ein gutes Light Painting führt den Blick des Betrachters mit geeigneten Mitteln zum eigentlichen (Haupt-)Motiv bzw. durch die Idee oder Geschichte des Bildes.


Da die meisten Menschen von links nach rechts lesen und schreiben scannen sie ein Bild auch unbewusst von links nach rechts ab. Im Beispielbild oben schaut man also zuerst auf unser bezauberndes Model und dann über die Waffe zum UFO. Die Geschichte wird also richtig erzählt.

Ebenso unbewusst wandert der Blick des geneigten Betrachters immer zu den hellsten Stellen im Bild. Wenn diese Stellen keine Bedeutung für die Bildaussage haben funktioniert das Bild nicht, die meisten (geübten) Betrachter lehnen das Bild sofort ab weil es an den hellen Stellen nichts zu entdecken gibt. Die hellsten Stellen im Bild oben sind einerseits das Mündungsfeuer der Waffe und das Ziel des Schusses. Da die Verteilung der hellsten Stellen im Bild plausibel und logisch ist bleibt der Betrachter mit dem Blick im Bild.

Einziges Manko des obigen Bildes ist das Hochformat. Da unsere Augen neben- und nicht übereinander in unseren Köpfen montiert sind ist das natürliche Format quer und nicht hoch. Für das Beispielbild würde das allerdings bedeuten, dass es links und rechts viel "Nichts" zu sehen gäbe bzw. die Flächen mit, nicht zur Bildidee gehörendem, Light Painting Zierrat gefüllt wären.

 

Einige der oben genannten Punkte vergisst man zuweilen recht schnell in der Euphorie während der Arbeit. Auch ich bin davor nicht gefeit einige dieser "Kleinigkeiten" zu übersehen. 

 

Einige andere Faktoren erhöhen meist die Attraktivität des Bildes: Restliches Sonnenlicht am Horizont, Sterne, Spiegelungen, Laserstrahlen, lange Schatten, eine beeindruckende Location und einiges mehr.

 

Den Ausführungen bis zu diesem Punkt werden sich wohl die allermeisten erfahrenen Hobby- oder Berufsfotografen sofort anschließen. Ich erkläre zwar gerne jedem, der es nicht wissen will, dass Light Painting eine eigene Kunstform ist. Das schützt allerdings nicht davor einige grundlegenden Regeln der Fotografie, Malerei, Grafik, Gestaltung, usw zu kennen und zu beachten. 

 

Unter Beachtung der bisherigen Punkte sind die allermeisten Light Painting und auch sonstigen Bilder, die einem so tagtäglich bei Instagram, Facebook und Co. um die Augen gehauen werden sofort raus, egal ob die Groupies 1000 mal auf das ♥ gedrückt haben oder nicht. Die Anzahl der Likes sagt meist nicht das Geringste über die Großartigkeit des Light Painting Kunstwerkes aus. 

Künstlerische Freiheit?

Manche Künstler machen es sich recht einfach wenn sie jeden Fehler als künstlerische Freiheit abtun. Wenn es mir völlig Schnuppe ist ob andere Menschen meine Kunst verstehen und mögen mag das noch eine akzeptable Idee sein. Wenn ich meine Kunstwerke verkaufen will oder ernsthafte Beachtung und Anerkennung für meine Arbeit haben will funktioniert das nur, wenn ich mich zumindest an einige der Regeln von oben halte.

Die Idee alle Regeln über den Haufen zu schmeißen und etwas komplett Neues und Anderes zu kreieren ist zwar sehr sympatisch und verständlich aber meist funktioniert das eben nicht. Die meisten Regeln zur Bildgestaltung sind hunderte Jahre alt und bewährt, und das nicht ohne Grund. Als Betrachter von visueller Kunst kann ich nicht komplett frei sein.


Light Painting für den Light Painter

Für wen mache ich meine Bilder? Für normale Betrachter oder für andere Light Painter? Zuerst einmal für mich selbst! Der Eitelkeit schadet es allerdings nicht wenn mein Bild den geschätzten Kollegen gefällt, vor allem den wirklich guten Light Paintern.

 

Light Painter sind schon sehr merkwürdige Menschen. Sie wollen nicht nur, dass den Leuten ihre Bilder gefallen. Sie wollen auch dafür gefeiert werden WIE sie diese Bilder machen.

 

Als Light Painter interessiert mich beim Betrachten anderer Bilder immer wie der geschätzte Kollege das Light Painting umgesetzt hat. In 99% der Fälle hab ich sofort eine Idee wie es gemacht wurde bzw. wie es funktionieren könnte.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

So richtig spannend wird es wenn ich nicht sofort eine Idee habe wie der Light Painting Kollege das Bild gemacht hat. Einige Bilder bzw. Light Painting Techniken sind für mich so faszinierend, dass ich zuweilen tage- oder wochenlange grüble und teste wie man das umsetzen könnte. In seltenen Fällen habe ich selbst nach vielen Überlegungen und Versuchen keinen Plan wie der Kollege das Bild gemacht hat.

 

Einige Light Painting Kollegen sind allerdings recht offen und machen kein großes Geheimnis aus ihrer Arbeitsweise. Allerdings ist es dann natürlich kaum noch spannend die Technik oder Arbeitsweise 1:1 zu kopieren, aber als Inspiration taugt so etwas aber oftmals trotzdem.

Light Painting für den "Laien"

Das Bild rechts hat beim Fotoforum-Award im letzte Jahr den ersten Platz gewonnen. Zusätzlich gab es eine FIAP Goldmedaille für das Bild. In der Jury saßen keine Light Painter sondern sehr erfahrene Fotografen. 

Die meisten der geschätzten Light Painting Kollegen finden das Bild sicher ganz gut, aber zum Einen ist es Light Painting technisch nicht besonders spannend und zum Anderen ist es abstrakt. So etwas muss man auch erstmal mögen.

Natürlich bin ich sehr stolz den Award gewonnen und die Goldmedaille bekommen zu haben, mein bestes Bild ist das aber ganz sicher nicht. Es hat eine, wie ich finde, gute optische Wirkung und lässt viel Spielraum für eigene Interpretationen des Betrachters. Vielen "Laien" gefällt das Bild, egal ob sie nun Fotografen sind oder mit Fotografie wenig am Hut haben.

Um ehrlich zu sein habe ich hier einerseits ein neues Tool getestet (rot/oranges Licht in der Mitte) und zusätzlich eine neue Technik probiert (Zoom außen herum).  Das Bild ist also eher ein Zufallsprodukt und kein gut geplantes Light Painting Kunstwerk. Aber manchmal sei mir auch mal etwas Glück gegönnt. ;-)

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Eine Frage des eigenen Geschmacks

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mir gefallen manche Bilder nicht weil sie einfach nicht meinen Geschmack treffen, völlig emanzipiert von den oben genannten Punkten. Und sicher wird das vielen Leuten beim Betrachten meiner Bilder nicht anders gehen. Wenn jemand mit Lost Places nichts anfangen kann wird ihm oder ihr das Bild auf der linken Seite vielleicht einfach aus diesem Grund nicht gefallen, auch wenn es technisch an dem Bild wenig auszusetzen gibt. 

 

Ich mag einfach bestimmte Farben und Farbkombinationen nicht. Solche Bilder haben es dann ungleich schwerer als Bilder mit einer ausgewogenen, meinem Geschmack entsprechenden Farbgestaltung. 

 


Ich kann mit bestimmten Stimmungen nicht viel anfangen. Friede, Freude, Eierkuchen ist einfach nicht so meins. Liebliche Bilder von lieblichen, leicht- oder unbekleideten Frauen brauche ich auch nicht unbedingt. Obwohl solche Bilder für viele Betrachter attraktiv sind, nicht unbedingt wegen des guten Light Paintings sondern eher wegen der wohlgeformten Frauenleiber.

 

Manchmal kann ich mein Gefallen bzw. Nicht-Gefallen einfach nicht in Worte fassen und begründen. Manche Bilder treffen einfach nicht meinen Geschmack auch wenn sie gut gemacht sind.

SOOC - Straight Out Of the Camera

Für viele Light Painter ist es wichtig alles während einer einzelnen Belichtung in der Kamera zu machen. Montagen am Computer sind ebenso verpönt wie das Spiegeln oder Klonen von Bildteilen. Techniken wie Mehrfachbelichtungen und Live Composite benutzen sie nicht. Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund für Mehrfachbelichtungen, bisher habe ich für alle Bilder eine Lösung gefunden alles in einer Einzelbelichtung umzusetzen. Einige der Lösungen sind allerdings zugegebenermaßen recht aufwändig. Einige Light Painter scheuen diesen großen Aufwand oder finden einfach für sich keine Lösung.

 

Live Composite hat in einigen wenigen Bereichen sicher eine Daseinsberechtigung. Um dem Publikum ein Live-Bild der Entstehung des Light Painting zu zeigen ist diese Technik sicher ebenso geeignet wie beim Light Painting mit viel hellem Umgebungslicht (Vollmond, hell erleuchtete Großstadt o.ä.). Allerdings stört mich bei diesen Bildern meist die sehr homogene, unnatürliche Helligkeitsverteilung im Bild, es gibt oftmals kaum dunkle Bereiche und sämtliches Licht wird in der gleichen Helligkeit von der Kamera gespeichert, obwohl die Straßenlaterne in der Realität viel heller ist als die Spur des Light-Blade mit der 900 Lumen Taschenlampe. 

Wenn man sich auf die Technik Live Composite immer verlässt wird man seine Light Painting Fähigkeiten wohl kaum verbessern. Die meisten Live Composite Bilder könnte man auch ohne Probleme in einer einzelnen Belichtung umsetzen. Es ist also meist nur Bequemlichkeit, Gewohnheit und der Reiz während der Aufnahme kontrollieren zu können ob das Bild schon fertig ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich die im Vergleich zu anderen Kameras schlechtere Bildqualität (Dynamikumfang, Auflösung, Rauschverhalten...) der Olympus Kameras. Bei einigen Gelegenheiten nahmen wir die Szene gleichzeitig mit einer Kleinbild-DSLR und einer Olympus auf, die Unterschiede im Ergebnis waren sehr deutlich. 

Vielen, nicht Light Painting affinen, Betrachtern ist das allerdings meist völlig Schnuppe wie das Bild entstanden ist. Sie sehen nur das Ergebnis und interessieren sich nicht dafür wie viel Computer-Arbeit oder sonstige "Trickserei" im Bild steckt.

Entweder es gefällt dem Betrachter innerhalb von Sekundenbruch- teilen oder eben nicht.

Und wenn ich mit meinen Bildern Geld verdienen will ist für meinen Kunden völlig unerheblich wie viel Arbeit im Bild steckt, vor Allem wie viel davon mit der Kamera und wie viel am Computer gemacht wurde.

 

Für mich ist diese Arbeitsweise allerdings ein sehr wichtiger Bestandteil der Arbeit im Light Painting, eine Art sportlicher Ehrgeiz. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Der Marathonläufer würde schließlich auch nicht auf die Idee kommen die Strecke mit dem Auto oder Fahrrad zu fahren weil es schneller geht und nicht so viel Kraft kostet. Er sucht schließlich genau diese Herausforderung.

Neues oder Bewährtes?

Es gibt ja einige sehr erfolgreiche Light Painter die meist recht ähnliche Bilder machen. Ich will das jetzt gar nicht bewerten. Wenn sie Spaß daran haben jeden Tag das Selbe zu tun dann sollen sie das auch so machen. Mir wäre das allerdings viel zu langweilig. Ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit im Light Painting ist für mich das permanente Entwickeln neuer Tools, Lampen, Techniken und Ideen. Darüber hinaus bin ich auch ständig auf der Suche nach neuen Locations.

Ein Nachteil dieser Arbeitsweise ist oft, dass die Ergebnisse nicht sehr gut sind oder zu mindestens der zeitliche Aufwand sehr groß ist. Wenn ich vielfach bewährte Tools und Techniken benutze mache ich 10 Bilder in einer Nacht. Beim Test von Neuem mach ich vielleicht nur 1 Bild in 10 Nächten. Aber das Glücksgefühl wenn die neue Idee tatsächlich funktioniert ist sehr befriedigend, auch wenn das Ergebnis vielleicht kein Meisterwerk ist. Und wenn die neue, verrückte Idee funktioniert hat geht es sofort an die Entwicklung des nächsten Tools oder der nächsten Technik.

"Herr xxx ist doch aber erfolgreich."

Erfolg ist meist völlig emanzipiert von der Qualität. Modern Talking und die Toten Hosen waren bzw. sind auch erfolgreich. Für die meisten Musik affinen Menschen rangieren solche Kapellen allerdings irgendwo zwischen "völlig belanglos" und "Körperverletzung", in meinem Fall definitiv Körperverletzung.

 

Erfolgreich ist man eher wenn man erfolgreiches Marketing betreibt, und etwas Glück kommt dann meist auch dazu. Da spielt die Qualität dann nur eine untergeordnete Rolle. Die meisten Menschen kaufen den Kaffee mit der hübschen grünen Verpackung den sie aus der Werbung schon aus Kindheitstagen kennen und nicht den Fair Trade Kaffee der dann auch noch besser schmeckt.

Und in der Kunst, und somit auch im Light Painting, ist das auch nicht viel anders. Wenn man als Künstler einen Namen hat verkauft man sich und seine Bilder für viel Geld. Und ob man sich den Namen mit permanenter Hervorhebung der eigenen Großartigkeit, durch ständige Skandierung " Als Maler bin ich zwei Deutsche", Skandalen, Berichten in der Boulevard-Presse, Fernsehauftritten, Präsenz auf allen "wichtigen" Veranstaltungen, Werbung, permanente Online-Präsenz oder durch wirklich beeindruckende Kunstwerke gemacht hat spielt dabei keine Rolle. 

 

Es wurden schon von Affen gemalte Bilder für 5-stellige Beträge versteigert. Wo soll da bitte die Qualität herkommen wenn ein Affe wild mit dem Pinsel auf der Leinwand rumschmiert? Das mag ja ganz lustig sein aber ernst zunehmende Kunst kann so etwas wohl kaum sein. Ein richtig guter Maler, der nicht annähernd so viel Geld für seine Kunst bekommt dürfte das wohl weniger amüsant finden. Im Gegensatz zum Primaten muss der nämlich davon seinen Lebensunterhalt bestreiten.

Wer sind denn nun die guten Light Painter?

Mein Gegenüber fragte mich dann während des Gesprächs wer für mich die 3 besten Light Painter seien. Da kam ich dann doch etwas ins Schlingern. Ich könnte sicher 20, 30 oder auch noch mehr wirklich gute Light Painter aufzählen. Nur 3? Das kann nur ungerecht und vor Allem unvollständig werden! Nach langem Hin und Her wurden es dann diese drei Herren:

 

- Tim Gable aka FadeToBlack 

Tim ist einer der fleißigsten Light Painter. Er hat immer wieder neue, geile, sehr ungewöhnliche Ideen. Seine Ergebnisse sind meist sehr beeindruckend und sehr emotional. Einige seiner Bilder hat er mit enormem, für die meisten Menschen unvorstellbaren, Aufwand umgesetzt. Da werden dann während einer einzelnen Belichtung mehrfach Objektive und Stative gewechselt und lange Fußmärsche unternommen um dann zwei verschiedene Locations in einem Bild unterzubringen oder er kombiniert Light Painting mit Refraktografie und was er nicht sonst noch alles für verrückte Ideen hat.

 

- Darren Pearson aka dariustwin
Dieser Typ ist unglaublich! Mit einer einzelnen kleinen Lichtquelle malt er freihändig 20 Meter große Dinosaurier, ein Dutzend tanzende Skelette, Skateboarder und andere lustige Dinge ins Bild. Noch beeindruckender sind die Stop-Motion-Filme die er aus Hunderten einzelnen Light Painting Bildern erstellt.  

 

- Cisco

Es gibt zwar noch einige andere wirklich gute Licht-Kalligrafen, aber niemand versteht es so gut wie Cisco mit der Technik der Kalligrafie mit Licht derart beeindruckende Bilder zu gestalten. Egal ob in den Straßen von Marrakesch, in der Wüste oder in seinem Studio. Immer ist alles perfekt in Szene gesetzt.

Fazit

Es gibt viele wirklich gute Light Painter mit vielen coolen Ideen und guten Ergebnissen. Permanent sind sie bestrebt besser zu werden und Neues zu erschaffen. Wer meint schon alles zu wissen, alles zu können, nichts mehr lernen zu müssen und sich keine Gedanken über neue Techniken und Ideen machen zu müssen ist meist nicht besonders gut und kreativ. Wenn ich meine eigenen Arbeiten nicht genau und kritisch betrachte werde ich wohl kaum ein besserer Light Painter  werden.


Einige Kollegen stecken sehr viel Arbeit in das Thema Light Painting und in die Community der Light Painter. Ohne die Arbeit solcher Light Painter wäre unsere Gemeinschaft sicher nicht halb so groß und nicht auf so hohem Niveau wie sie es im Moment ist. Wissen vermehrt sich wenn man es teilt. Die Idee des einen Light Painters wird von anderen aufgegriffen, weiterentwickelt und verändert.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Ohne den Austausch, die Freundschaft und die Zusammenarbeit mit anderen Light Paintern aus der ganzen Welt wäre ich heute sicher nicht an dem Punkt an dem ich jetzt bin. Und die Reise ist noch lange nicht zu Ende. Die Möglichkeiten im Light Painting und in der Light Art Photography sind fast grenzenlos. 

Mein bestes Light Painting habe ich bisher nicht gemacht, das mache ich morgen! Viel wichtiger ist allerdings, dass mir nie der Spaß beim Light Painting vergehen möge.

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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Wie dreht man einen Orb?

Verschiedene Methoden zum Drehen einer Lichtkugel

Ich höre zwar in letzter Zeit öfter mal " Ich kann keine Orbs mehr sehen" oder "Die Leute können keine Orbs mehr sehen", auch mich selbst langweilt es manchmal den zweitausendsten Orb zu drehen, aber Light Painting ohne Lichtkugeln ist für mich und viele andere Light Painter fast undenkbar. Wenn ich im Jahr 2012 nicht zufällig über Bilder von Orbs gestolpert wäre, würde ich vermutlich heute kein Light Painter sein.

Man sollte zwar auch möglichst viele andere Light Painting Techniken beherrschen und in seinen Bildern verwenden, aber es kann sicher nicht schaden, wenn man einen sauberen Orb drehen kann.

Dieser Artikel stellt Dir einige Techniken vor.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Grundsätzliches

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In den meisten Fällen wird der Orb um einen festen Punkt auf dem Boden gedreht. Diesen Punkt solltest Du markieren. Die Lichtquelle wird im Kreis bewegt und nach jeder Umdrehung bewegst Du Dich einen kleinen Schritt kreisförmig um die Markierung auf dem Boden. Eine ganze Umdrehung um den Punkt auf dem Boden ist nicht notwendig, nach einer halben Umdrehung ist der Orb fertig.  Achte darauf, dass die Markierung zwar für Dich beim Drehen des Orbs, aber möglichst nicht im fertigen Bild sichtbar ist. Ich verwende meist Dinge, die am Aufnahmeort vorkommen und somit im Bild nicht auffallen, wie kleine Steine, Blätter oder Ähnliches.

 

Eine weitere Möglichkeit ist es LED's an einem Ring oder Reifen zu befestigen und diesen dann um die Mittelachse zu drehen; dazu später mehr.


Während des Light Painting solltest Du dunkle Kleidung tragen, damit Du später nicht im Bild zu sehen bist. Vor allem sollten an Deiner Kleidung keine Reflektoren oder glänzende Metallteile sein.

 

Das Wichtigste ist die Übung. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Dein erster Orb wird sicher kein Meisterwerk, auch nicht nach dem Lesen dieses Artikels. Geh raus und drehe so viele Orbs wie möglich. Nach mehr oder weniger vielen Versuchen gelingen Dir sicher saubere, gleichmäßige Lichtkugeln. Während unserer Workshops schafften es viele Teilnehmer nach unserer Einweisung und 4-5 Versuchen recht ansehnliche Orbs zu drehen. Einige andere Light Painting Techniken erfordern viel mehr Übung und Erfahrung. Für den Einstieg in das Thema Light Painting ist also ein Orb noch relativ einfach. 

LED's an Kabel oder Schnur

Eine einfache und preisgünstige Methode ist das Drehen des Orbs mithilfe einer Schnur oder eines Kabels. An einem Ende wird die Lichtquelle befestigt, das andere Ende nimmst Du in die Hand und drehst es. Als Lichtquelle kannst Du einfach eine batteriebetriebene LED-Lichterkette benutzen. Du bindest alle LED's zusammen und befestigst diese dann am Kabel. 

Ein großer Vorteil dieser Technik ist, dass dieses Tool ein sehr geringes Gewicht hat und sehr klein ist. Es passt meist in die Hosentasche. Betrieben wird die Lichterkette mit 2 oder 3 AA Batterien oder Akkus, diese hat man meist ohnehin im Haushalt.

 

Zu dieser Methode findest Du einige mehr oder weniger gute Anleitungen im Internet.

Ball of Light Tool - das Profi-Werkzeug

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Denis Smith aus Australien dreht seit vielen Jahre viele Orbs mit der oben beschriebenen Technik. Nachteile des im vorigen Absatz beschriebenen Tools sind die einerseits recht kurze Lebensdauer, die Lichterkette ist für diese Beanspruchung nicht gebaut, und zum Anderen die relativ schlechte Handhabbarkeit. 
Also tüftelte der gute Denis so lange bis er ein wirklich gut zu bedienendes und robustes Tool hatte. Seit einiger Zeit vertreibt er sein Tool auf seiner Homepage

Für diesen Artikel hat mir Denis eines seiner Tools zur Verfügung gestellt. Danke mein Freund!

Nach den ersten Versuchen merkte ich, dass das Tool zwar wirklich gut ist, aber dass ich trotzdem etwas Übung brauche um eine saubere Kugel damit zu drehen. Bei Denis sieht das immer so einfach aus.


Das Ball of Light Tool ist modular aufgebaut. Es besteht aus dem Controller mit einem Taster zum Ein- und Ausschalten und einem Poti zum Regeln der Helligkeit, sowie einem Kabel, welches den Controller mit dem Kopf verbindet. Denis baut verschiedene Köpfe in verschiedenen Farben und Farbkombinationen. In einigen verbaut er unterschiedlich große LED's, einige sind diffus. Im Bild oben habe ich für den Orb nacheinander drei verschiedene Köpfe benutzt. Betrieben wird das Tool mit einem 9V Block. Bisher musste ich diesen zwar noch nicht wechseln, allerdings hätte ich mir hier eine bessere Lösung zum Wechsel der Batterie gewünscht. In der Dunkelheit die vier kleinen Schrauben des Gehäuses zu öffnen und diese dann nicht zu verlieren stelle ich mir nicht so einfach vor.

Falls das sehr robuste Kabel nach dem fünfhundertsten Orb kaputt gehen sollte, kann man dieses sehr einfach austauschen. Denis vertreibt die Kabel auch einzeln in seinem Shop.

Man merkt, dass Denis zum Einen auf Grund seiner großen Erfahrung genau um die Ansprüche an ein solches Tool weiß und zum Anderen viel Arbeit in die Entwicklung gesteckt hat. Durch die am Kabel befestigte Handschlaufe wird das Kabel wohl sehr lange durchhalten. Das Hauptproblem bei den Bastel-Lösungen aus dem vorigen Absatz ist, dass nach wenigen Orbs auf Grund der hohen Beanspruchung meist das Kabel bricht.

Auch die anderen Teile des Ball of Light Tools machen einen sehr robusten Eindruck. Das Gehäuse des Controllers ist, genau wie die Köpfe, aus einem sehr robusten Kunststoff gefertigt. Die größte Schwachstelle dürften die herausragenden LED's sein, wenn man damit bei vollem Tempo an einem Stein hängen bleibt, dürften diese das nicht überleben. Um das Licht vernünftig in alle Richtungen verteilen zu können, müssen diese allerdings aus dem Kopf herausragen, ansonsten hätten die Orbs Lücken. Die Schaltung ist so aufgebaut, dass bei Ausfall einer, oder auch mehrerer LED's, die verbleibenden weiter leuchten. Die Köpfe sind ebenfalls separat im Shop von Denis erhältlich.

 

Und hier noch einige Bilder von Denis Smith welche er mit seinem Ball of Light Tool umgesetzt hat:

Marla hat das Tool dann auch mal gleich zweckentfremdet. "Da kann man doch auch was Anderes mit machen!" Ja, kann man wie man sieht :-)

Der vertikale Orb

Hiefür brauchst Du einen großen Ring oder Reifen. Ich benutze einen Hula Hoop Reifen dafür. Ein Halbkreis würde eigentlich für unsere Zwecke genügen aber man müsste das Teil dann durchsägen und es wäre nicht mehr so gut ausbalanciert.
An der Außenseite befestigst Du Deine Lichtquellen, entweder eine Lichterkette oder wie in meinem Beispiel ein LED-Strip. Dieser hat den Vorteil, dass sich mehrere Farben und auch Funktionen wie Blinken und Fading einstellen lassen.

 

Für den LED-Strip benötigst Du eine 12V Stromquelle. Du kannst einen Halter für 8 AA oder 3 18650 Akkus benutzen und mit einem Kabel mit dem Strip verbinden.

Du solltest die Lichter nur an einer Hälfte anbringen, damit Du saubere, nicht überlappende Lichtspuren im Bild hast. 

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Über die Mitte des Reifens befestigst Du einen Stab damit Du das Teil vernünftig drehen kannst. Ich habe hier einen Pflanzstab aus dem Baumarkt benutzt. Am unteren Ende des Pflanzstabes befestigst Du Akkus und Controller damit der Schwerpunkt möglichst tief und mittig ist und sich Dein Tool möglichst sauber und gleichmäßig drehen lässt. Der Anschluss für den Strip sollte also auch unten sein.

 

Mit dieser Technik sind auch viele andere Formen möglich. Es muss ja kein Ring sein.

 

Mit diesem Tool kann man allerdings auch "normale" Orbs, also welche mit horizontalen Lichtspuren erstellen. Dafür solltest Du Diffusoren vor den LED's anbringen, damit Dein Orb später nicht nur aus Punkten besteht. Ein LED-Strip mit hoher Dichte (60 Stück pro Meter oder mehr) ist dafür gut geeignet.

Das Tool wird am Besten drehbar am Boden befestigt. Zur Not geht das aber auch aus der Hand. Du positionierst dann das Tool für den ersten Lichtstreifen, schaltest mit der Fernbedienung den Strip kurz ein. Wenn der Strip ausgeschaltet ist, bewegst Du das Tool in die zweite Position schaltest wieder kurz ein usw.

 

Das Tools ist recht unhandlich und somit schlecht zu transportieren und besonders robust ist das auch nicht. Den Strip und den Controller an meinem Reifen musste ich schon mehrfach austauschen, obwohl ich das Teil nicht sehr häufig verwende.

Drehen mit einem Stab

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Der Nachteil beim Drehen eines Orb mit Schnur oder Kabel ist einerseits, dass dieses Tool sehr instabil ist und andererseits, dass man recht schnell drehen muss, um die nötig Fliehkraft zu erreichen. 

 

Befestigt man die Lichtquelle(n) an einem Stab hat man diese beiden Probleme nicht mehr. Ich kann ganz langsam und sauber einen Orb drehen. Etwas Übung braucht man schon dafür, aber man merkt meist beim Drehen ob man aus der Bahn geraten ist. Ich breche dann die Aufnahme sofort ab und beginne von vorne.

 

Als Stab verwende ich meist einen Pflanzstab aus dem Baumarkt. Das sind dünne Metallrohre, die mit dunkelgrünem Kunststoff überzogen sind. Die Stäbe sind leicht, stabil und nicht teuer.


Zuerst solltest Du einen Stab kaufen der zu Deiner Körpergröße passt. Wenn Du ihn in der Mitte mit angewinkelten Armen vor Deinem Bauch hältst sollten noch ca. 15 Zentimeter Platz bis zum Boden bleiben. Falls Du keinen passenden Stab findest, kannst Du auch einen längeren ganz einfach mit einer Eisensäge auf die passende Länge kürzen.

Als Nächstes markierst Du die Mitte des Stabes mit Klebeband oder einem passenden Gummiring, um auch in der Dunkelheit sicher die Mitte fühlen zu können. Wichtig ist es, den Stab immer genau um den Mittelpunkt zu drehen.

Jetzt montierst Du eine Lampe an einen Ende des Stabes. Ich benutze meist eine kleine Taschenlampe mit einem Diffusor dafür. Entweder Du benutzt einen Diffusor der genau für deine Taschenlampe passt, viele Hersteller bieten so etwas an, oder Du kannst auch eine weiße, halb-transparente Filmdose verwenden.

Wichtig ist, dass der Stab gut ausbalanciert ist damit das dann später beim Drehen nicht eiert. Am einfachsten ist es, eine zweite, gleiche Lampe am anderen Ende als Gegengewicht zu befestigen. Um den Orb zu erstellen schaltest Du allerdings nur eine der Lampen ein. Falls Du nicht zwei gleiche Lampen hast, kannst Du auch leere Batterien, Bolzen, Lötzinn oder andere schwere Dinge als Gegengewicht befestigen. 

Mache Versuche mit verschiedenen Lampen. Wenn das Tool ein höheres Gewicht hat, lässt es sich einfacher und gleichmäßiger drehen. Wird das Teil allerdings zu schwer ermüden die Arme recht schnell. 

Das Drehen des Orbs funktioniert prinzipiell so wie beim Tool mit dem Kabel; so wie im Abschnitt "Grundsätzliches" beschrieben.

Du solltest immer darauf achten, dass Du den Stab parallel  zum Körper führst damit Dein Orb keine Ohren bekommt. Bewege Dich und den Stab langsam und gleichmäßig. Mach den nächsten kleinen Schritt, um die Markierung herum, immer an der gleichen Position des Stabes. Ich bewege mich meistens wenn die Lampe unten ist. Andernfalls laufen die Lichtspuren des Orbs aus der Bahn. 

 

Ein weiterer Vorteil dieser Arbeitsweise ist, dass Du sehr einfach eine zweite Hülle oder eine größere Lichtquelle in der Mitte am Stab befestigen kannst, so wie im Bild oben. Ich benutze dafür meist einen Stab aus Plexiglas, ein Vorderteil einer alten Led Lenser V24 um genau zu sein. Diesen beleuchte ich mit einer weiteren kleinen Taschenlampe. Eine Led Lenser M3R ist eine gute Wahl, klein, leicht, hell und sie hat einen Strobe-Modus. Durch das Fokus-System der Lampe kannst Du das Licht gleichmäßig auf der Länge des Stabes verteilen.

Ich finde, dass die Innen-Kugel besser aussieht wenn die Lampe im Strobe-Modus ist.

 

Für die beiden Bilder ganz oben habe ich ein längeres Rohr aus Plexiglas benutzt.

Pimp my Orb-Tool

Elektrische Drehhilfe

Drehen mit dem Akkuschrauber. In der Mitte des oben beschriebenen Stabes befestigst Du eine, zum Kaliber des Stabes passende, Rohrschelle. Den Bolzen der Schellen spannst Du in das Bohrfutter des Akkuschraubers und fertig ist die elektrische Drehhilfe.

Die Technik hat einige Vorteile. Das Tool lässt sich besser gerade halten und wenn ich den Akkuschrauber ruhig halte verändert sich die Höhe der einzelnen Lichtbahnen nicht.

 

Der verwendete Akkuschrauber sollte leistungsstark und ausdauernd sein. Du kannst zwar den Orb mit dem selben Stab auch mit der Hand drehen wenn der Akku leer ist, aber wenn Du den schweren Akkuschrauber schon mitnimmst kann das Teil auch gerne die ganze Nacht funktionieren.

 

Schalte am Besten die Drehmomenteinstellung aus, also auf Bohren, damit das Teil nicht zwischenzeitlich stehen bleibt, weil die Kraft zu hoch wird.

Die Kurbel

Eine weitere Verbesserungsmöglichkeit ist das Montieren einer Kurbel am Stab. Ähnlich wie bei der elektrischen Variante von oben fällt das Drehen leichter als nur mit dem Stab. Üben muss man allerdings auch mit diesem Tool, damit das ein sauberer, runder Orb wird.

Die einfachste Möglichkeit ist es eine Malerrolle zu befestigen. Achte darauf, dass der Drehpunkt genau in der Mitte des Stabes ist. 

 

Mit der montierten Kurbel kann man das Tool allerdings schlechter transportieren. Ein nicht ganz unwichtiger Punkt, wir schleppen ohnehin schon viel Zeug mit uns rum. Stäbe und Rohre transportiere ich meist in einer Angeltasche, der Stab mit der Kurbel passt dort aber nicht rein. Ich binde das Tool dann meist außen an der Tasche fest. 

Orb ohne weitere Hilfsmittel

Hierfür brauchst Du nur eine Lampe und einen Lichtpinsel, z.B. ein Blade aus Plexiglass oder ein Lichtschwert.

Bei dieser Technik ist der Drehpunkt für den Orb Dein Schultergelenk.  Du bewegst den gestreckten Arm nach oben und unten, oder auch in anderer Richtungen, und bewegst Dich dabei um die Markierung auf dem Boden,

Light Painting Fotografie Light Art Photography

wie bei den weiter oben beschriebenen Vorgehensweisen auch. 

 

Wie in den Beispielbildern gut zu sehen ist, kannst Du zusätzlich zur Bewegung hoch-runter weitere Bewegungen ausführen, wie Swirls oder Zickzack. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Probier es einfach aus.


Bei dem Bild links habe ich einen, im Bild rechts mehrere, Light-Blades recht ungeordnet bewegt, ohne dabei meine Schulter aus dem am Boden markierten Drehpunkt zu bewegen. Für Effekte wie Farbwechsel oder Farb-Fading kannst Du Lampen wie die Led Lenser V24 oder Taschenlampen wie diese benutzen: 10 Farben LED-Taschenlampe. Auch viele andere Anwendungen im Light Painting sind diese Lampen sehr nützlich.

Der Broken Orb

Eines der größten Geheimnisse im Light Painting? Ich weiß nicht, ob so wahnsinnig viele Leute seit Jahren grübeln wie man einen Broken Orb macht, aber viele Broken Orb Bilder sieht man nicht. 

Eigentlich ist das doch ganz einfach. Ich schalte während des Drehens das Licht ein und aus.

Aber wie schaltet man die Taschenlampe vorne am Stab in der Bewegung aus und ein? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Ich verwende dafür einen Kabelschalter für meine Led Lenser P7 oder auch M7. Den Schalter befestige ich so weit innen am Stab wie möglich. Solange man den Schalter gedrückt hält leuchtet die P7, wenn man loslässt geht sie aus. Diese Schalter sind ebenfalls für viele andere Taschenlampen erhältlich, schau einfach mal auf der Internetseite des Herstellers Deiner Lampe. Und als Bastellösung für Lampen von Convoy ist ein Kabelschalter auch erhältlich.

Light Painting Fotografie Light Art Photography

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mit dem Ball of Light Tool kann man auch einen Broken Orb drehen, wie man im Bild links sehen kann. Das Tool hat ein ca.1 Meter langes Kabel, im Controller ist ein Taster eingebaut. Man muss "nur" noch an den richtigen Stellen Ein- und Ausschalten.

 

Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von LED-Lichterketten mit Fernbedienung. Hierbei schaltet am Besten ein Helfer mit der Fernbedienung das Licht ein und aus während Du drehst.

 

Ein Broken Orb stellt oft eine große Herausforderung für den Light Painter dar. Ich muss erstmal überhaupt einen sauberen Orb drehen und dann auch noch zum richtigen Zeitpunkt das Licht schalten. Da kann sehr viel schief gehen und viel Übung erfordert es auf jeden Fall bis das Ergebnis wirklich gut wird. Du solltest den Orb so langsam wie möglich drehen. Um so höher die Rotationsgeschwindigkeit desto schwieriger wird es den richtigen Zeitpunkt zum Schalten zu erwischen.


Double Rotation

Eine nicht sehr verbreitete Variante des Orbs siehst Du oben. Hierbei wird ein etwas längerer Diffusor, um die eigene Achse drehbar, am Ende des Stabes befestigt. Während Du ganz normal den Orb drehst, dreht sich gleichzeitig der Diffusor mit der Lampe im Kreis.

Mit der Hand ist das allerdings kaum möglich, ich benutze meist einen kleinen Akkuschrauber dafür.  Diesen befestige ich im richtigen Winkel am Pflanzstab, nicht ganz 90°, an den Akkuschrauber kommt dann die Lampe mit dem Diffusor. Den Schalter des Akkuschraubers fixiere ich dann mit Klettband oder Gaffatape. 

 

Denkbar sind natürlich noch viele andere Varianten des Orbs und viele andere Techniken, um diese zu erstellen.

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dem Light Painting Einsteiger soll er einige erste Anregungen für die ersten eigenen Versuche geben. Der ein oder andere alte Hase hat vielleicht an einigen Stellen auch noch etwas Erhellung gefunden. 


Du benutzt selbst eine Technik die hier nicht erwähnt wurde? Dann freue ich mich über einige erklärende Sätze, als Kommentar zu diesem Beitrag.

 

Ich wünsche dir allzeit gutes Licht
Sven

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Präzision im Light Painting

Wie viel Zeit und Arbeit steckt in diesem Light Painting?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die Idee

Vor einiger Zeit hat der überaus geschätzte Kollege Tim Gamble aka Fade To Black Light Art ein Light Painting in das Auge eines Models gemalt. Ich hatte zwar vor längerer Zeit auch schon mal die Idee solch ein Light Painting umzusetzen, nach einigen Testaufnahmen meines Auges mit dem Makro-Objektiv hatte ich die Idee dann allerdings (erstmal) wieder verworfen. Das 100mm Makro-Objektiv war so nicht dafür geeignet, ich konnte das Auge nicht Format füllend aufnehmen, die Nahstellgrenze der Linse ist zu lang. Ein anderes Objektiv nur für diese Idee wollte ich nicht anschaffen. 

Als ich dann allerdings das Bild von Tim sah das bewies, dass die Idee funktioniert war ich sofort wieder bei der Sache. Das Gehirn fing an zu rattern um die Frage nach dem WIE zu lösen.

Tim bei Instagram  Tim bei flickr

Light Painting Fotografie & Light Art Photography
Inside Looking Out © Tim Gamble / Fade To Black Light Art

Die Planung

Zuerst musste ich eine Lösung finden um das Auge in der richtigen Größe ins Bild zu bekommen bzw. den Orb so klein zu machen, dass er ins Auge passt und das Bild im Anschluss so schneiden, dass der Bildausschnitt so ist wie oben zu sehen.  Der Plan mit dem kleineren Orb war allerdings nicht das was ich wollte und wäre somit nur eine Notlösung.

Kurz hatte ich darüber nachgedacht ein Foto meines Auges auszudrucken oder auf das Tablet zu laden und dieses dann abzufotografieren. Meinem Anspruch alles in einer einzelnen Belichtung umzusetzen hätte das zwar genügt, allerdings wäre das nicht das Gleiche gewesen. Es kam mir irgendwie so ein wenig wie Betrug vor; auf jeden Fall wäre mir diese Lösung zu unsportlich gewesen. Das Auge musste also direkt auf den Sensor.

Irgendwann kam ich dann auf die Idee eine Nahlinse, also ein Art Lupe, vor dem Objektiv zu befestigen. Mit +4 Dioptrien war das Auge dann groß genug. Das Problem bei dieser Technik ist, dass die Schärfentiefe extrem abnimmt. Die Fokussierung wird zum Alptraum, selbst wenn ich nicht selbst mein eigenes Auge fotografiere sondern ein Model mitnehme.

Bei der Testaufnahme bei Tageslicht konnte ich den Autofokus verwenden, aber in der Dunkelheit würde das nicht funktionieren. Und so richtig sauber und zuverlässig arbeitete der Autofokus mit der Nahlinse ohnehin nicht mehr.

Ich befestigte mein Tablet also so am Stativ, dass ich es von meiner Position aus gut sehen konnte. Mein Manfrotto 055 hat einen Anschluss für Zubehör, an diesen kommt ein Magic Arm. Mit der Klemme des Magic Arm habe ich das Tablet festgeklemmt.

Per W-LAN habe ich Kamera und Tablet verbunden. Mit der Software qDslrDashboard ist es dann möglich das Live View Bild auf das Tablet zu bringen.

Damit konnte ich dann komfortabel auf mein Auge fokussieren. Ich sitze ja nur einige Zentimeter vom Objektiv entfernt komme also sehr einfach an den Fokusring ohne den Kopf zu bewegen. 

Die meisten der Testaufnahmen sahen dann so aus wie das Bild links. Hierbei handelt es sich um eine Aufnahme bei Tageslicht. Aber aufgeben kam für mich nicht in Frage, egal ob ich 50 oder 100 Versuche für dieses Light Painting brauche. 

Bei der geringsten Bewegung meines Kopfes, wir reden jetzt von weniger als 1 Millimeter, war das Auge aus  dem Fokus. Also begann ich mit Versuchen meinen Kopf stabiler halten zu können. Letztendlich fixierte ich meinen Kopf in einer Ecke. Ich setzte mich auf einen Stuhl und lehnte dann den Kopf an. 

Nächstes Problem: wie fokussiere ich wenn ich selbst vor der Kamera sitze?


Ohne das Live View Bild auf dem Tablet wäre es nahezu unmöglich die Mitte des Auges genau in der Bildmitte zu platzieren. Und wenn die Pupille nicht in der Mitte ist, wird es später nahezu unmöglich das Light Painting, also den Orb und den Stern, genau an der richtigen Stelle zu platzieren.

 

Bis zu diesem Punkt konnte ich alle Testaufnahmen und Versuche bei Tageslicht machen. Mittlerweile waren etliche Tage, viele Experimente und noch mehr Gedankenarbeit vergangen. Ich war bereit das Light Painting umzusetzen, allerdings mit dem Bewusstsein, dass es alles andere als einfach wird und schnell gehen könnte.

Die Ausführung

Der erste Schritt für dieses Lightpainting war also das Auge. Ich nahm also meine Position ein und beleuchtete mit einer warmweißen Taschenlampe kurz mein Auge. Die Lampe hat ca. 1200 Lumen. Das ist nicht besonders angenehm damit aus kurzer Distanz direkt ins Auge zu leuchten. Aber was tut man nicht alles für die Kunst. 

Als nächstes drehte ich in unterschiedlichen Abständen zur Kamera danach einige Orbs. Dazu stellte ich ein zweites Stativ auf und wechselte das Objektiv. Für den Orb benutzte ich mein Sigma 14mm/f2,8 mit Blende 11.

zu klein
zu klein
immernoch zu klein
immernoch zu klein

Nachdem vierten Versuch hatte ich den richtigen Abstand zwischen Kamera und Orb ermittelt und auf dem Boden mit einem Stück Gaffa-Tape markiert.

Als Nächstes montierte ich einen Kreuzlinienlaser auf dem Blitzschuh der Kamera. Das Laserkreuz richtete ich jetzt genau auf die Markierung am Boden aus. Somit war (halbwegs) sichergestellt, dass der Orb genau in der Bildmitte sein würde. Der Laser hat zwar eine sehr geringe Abweichung, ich musste dann allerdings immer noch den Orb GENAU an der markierten Stelle drehen. Wenn ich auch nur 1-2 Zentimeter beim Drehen von der Markierung abweiche würde das Bild nicht funktionieren. 

Der letzte Schritt, der Stern, wäre dann fast ein Kinderspiel. In welcher Höhe der Mittelpunkt des Orbs sein würde war durch mein Orbtool vorgegeben. Dieses benutze ich so schon seit vielen Jahren, ich weiß also ganz genau wo die Mitte ist. Für den Stern machte ich dann einige Testaufnahmen mit dem 14mm Sigma Objektiv. Schnell stellte sich heraus, dass die Linse viel zu viele lustige Effekte mit aufnimmt, wie im Bild rechts ganz gut zu sehen ist. Ich habe weder blaues Licht um den Stern noch diesen orangen Ring gemalt. 

Also musste eine andere Lösung her. Ich schraubte das Meyer Optik Görlitz 35mm an die Kamera, stellte Blende 22 ein und voilà, ein Stern wie aus dem Bilderbuch war auf dem Display der Kamera zu sehen. Der zusätzliche Objektivwechsel fiel bei dem Aufwand für dieses Bild nun auch nicht mehr ins Gewicht.


Jetzt wurde es ernst. Kamera auslösen, das Auge einleuchten, dann Stativ und Objektiv wechseln, mit der Led Lenser P5R.2 den Stern machen, nochmal das Objektiv wechseln, den Orb drehen und die Belichtung mit dem Funkauslöser stoppen. 

Nach den ersten Versuchen bemerkte ich, dass der Orb ein Stück zu weit rechts ist. Ich korrigierte die Position um einige wenige Zentimeter, dann passte es.

Bei den weiteren Versuchen war dann entweder das Auge nicht genau in der Mitte, das Auge nicht richtig fokussiert, der Orb sah nicht gut aus, der Akku der Led Lenser M3R am Orb-Tool war leer, zu lange die Lampe für den Stern eingeschaltet, die Batterien meines Funkauslösers waren leer...  was eben so alles schiefgehen kann. Nach "nur" 23 Versuchen war das Bild dann tatsächlich fertig. Mit all den Testaufnahmen landeten in dieser Nacht 187 Dateien auf der Speicherkarte, einzig für das eine Ergebnis ganz oben.

 

Ich denke nicht, dass diese Anleitung irgendjemanden, der bei halbwegs klarem Verstand ist, zum Nachmachen animieren wird. Allerdings ist der Artikel sicher ein guter Einblick in unsere typische Arbeitsweise im Light Painting. Der Aufwand für die meisten unserer Light Painting Bilder ist zwar bei weitem nicht so immens wie bei diesem Bild, aber der Prozess von der Entwicklung einer Idee, über den Bau geeigneter Light Painting Werkzeuge und anderer Hilfsmittel, über Testaufnahmen und Stellproben bis zur Umsetzung der fertigen Choreografie ist meist sehr ähnlich.

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht

Sven

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Sterne & Sternenspuren

Nachthimmel fotografieren

Mit recht einfacher Ausrüstung und etwas Einarbeitung gelingen jedem beeindruckende Aufnahmen des nächtlichen Sternenhimmels. Zu diesem Thema gibt es zahlreiche Fachbücher und Anleitungen im Internet. Dieser Beitrag stellt Dir einige grundlegende Handreichungen zur Verfügung und beschreibt einige Ansätze zur Darstellung des Nachthimmels in Kombination mit Light Painting. 

 

Dass Du für die Nachtfotografie ein stabiles Stativ benötigst erklärt sich von selbst. Eine Kamera mit möglichst gutem Rauschverhalten ist sehr vorteilhaft ebenso wie ein gutes Weitwinkelobjektiv mit möglichst großer Blende. Eine große Sensorfläche in Verbindung mit nicht zu großer Auflösung versprechen die besten Ergebnisse. Bildrauschen ist ein thermisches Problem. Umso höher die Oberflächentemperatur des Sensors desto stärker ist das Bildrauschen. Im Winter ist also das Bildrauschen wesentlich geringer als in einer lauen Sommernacht.

 

Bevor Du Dich ins erste nächtliche Abenteuer stürzt solltest Du die Grenzen Deiner Kamera ausloten. Mach dazu einfach Testaufnahmen mit geschlossenem Objektivdeckel mit verschiedenen ISO-Werten und Belichtungszeiten. Schau Dir die Bilder, vor Allem das Histogram, danach genau an. Wenn das Bild schon in der kleinen Vorschau deutliches Rauschen aufweist solltest Du deutlich unter diesen Werten bleiben. Bei der von mir verwendeten Nikon D750 ist meine persönliche Schmerzgrenze bei 20°C ISO 3200 mit 30 Sekunden Belichtungszeit. Das Rauschen lässt sich bei diesen Werten in den meisten Fällen in der Bildbearbeitung auf ein erträgliches Maß reduzieren. Für großformatige Prints eignen sich diese Bilder allerdings meist nicht.

Ebenfalls solltest Du testen was die Funktion "Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung" bringt. Das ist allerdings bei einem schwarzen Bild recht schwierig weil nicht erkennbar ist wie viel Struktur im Bild dadurch verschwindet. Ich fotografiere meist ohne diese Funktion. Der Hauptgrund ist, dass ich meist keine Lust habe mehrere Minuten zu warten bis ich das nächste Bild machen kann.

Von links nach rechts: ISO 1600, ISO 3200, ISO 6400, ISO 12800
Alle Bilder wurden mit 30 Sekunden Belichtungszeit bei einer Umgebungstemperatur von 20°C aufgenommen. In der Bildbearbeitung wurde der Kontrast bei allen Bildern mit den gleichen Einstellungen erhöht. Der Bildausschnitt entspricht 100%. Die Rauschreduzierung in der Kamera war ausgeschaltet. Die Pause zwischen den Aufnahmen betrug jeweils 30 Sekunden. 

 

Zum Vergleich mal ein "richtiges" Bild mit hohem ISO Wert (12800) und 3 Sekunden Belichtungszeit. Die Temperatur lag bei ca. 18°C.

 

Der ISO-Wert sollte zugunsten einer besseren Bildqualität immer so klein wie möglich gewählt werden. Aus dem gleichen Grund sollte die Belichtungszeit so kurz wie möglich gewählt werden. Ob beispielsweise das Bildrauschen bei 30 Sekunden mit ISO 1600 geringer ist als bei 15 Sekunden bei ISO 3200 ist abhängig von der verwendeten Kamera. Eine allgemein gültige Regel gibt es dafür nicht. Dieses lässt sich wieder nur über Testaufnahmen feststellen. Auf jeden Fall solltest Du in der Nachtfotografie eine lichtstarkes Objektiv verwenden und mit der größtmöglichen Blende fotografieren um eben ISO und Belichtungszeit möglichst gering halten zu können.


2 Objektiv Empfehlungen: 
Samyang 14mm/f2,8
Samyang 24mm/f1,4 
Beide Objektive sind manuell. Sie verfügen nicht über Autofokus, dieser wäre ohnehin bei dieser Art der Fotografie nutzlos. Ohne oder mit wenig Licht würde der Autofokus nicht (zuverlässig) funktionieren. Zum Fokussieren empfiehlt es sich einen Bildteil im Vordergrund mit der Taschenlampe anzuleuchten und mithilfe der Funktion Live View in voller Vergrößerung darauf scharf zu stellen. 

 

Die Blende kann man bei diesen Objektiven ausschließlich über den Blendenring verstellen. Wenn man, wie weiter unten beschrieben, während der Belichtung die Blende verstellen will ist ein Blendenring die zwingende Voraussetzung dafür. Über das elektronische Einstellrad der Kamera funktioniert das nicht, die Bedienung ist während der Belichtung gesperrt.

 

Alternativ kannst Du natürlich auch vergleichbare Objektive der Kamerahersteller oder anderer Dritthersteller verwenden, allerdings reißen diese dann meist ein doppelt so großes Loch in die Geldbörse und die Abbildungsqualität ist meist nicht (sichtbar) besser. Eine weitere Möglichkeit ist der Kauf gebrauchter, alter Linsen bei ebay. Nikkor Linsen mit 20 oder 24 mm Brennweite sind dort oft in gutem Zustand  für 250-300€ erhältlich.

 

Zoomobjektive sind meist weniger gut geeignet. Zum Einen sind sie nicht so lichtstark, ein Zoom mit Blende 1,4 gibt es nicht, zum Anderen ist die Abbildungsleistung in den allermeisten Fällen schlechter (Schärfe, Kontrast, Vignettierung, Verzeichnung) als bei Festbrennweiten mit gleicher Brennweite.  

 

Du solltest allerdings erst einmal testen ob Du nicht mit Deiner Ausrüstung zufriedenstellende Ergebnisse auf den Sensor bekommst bevor Du ein neues Objektiv oder eine neue Kamera anschaffst.

Sternenspuren - Star Trails

Night Photography Star Trails

Star Trails in einer Einzelbelichtung

Das Bild auf der linken Seite habe ich in einer einzelnen Belichtung auf der Ostseeinsel Hiddensee aufgenommen. An meiner Nikon D750 hatte ich das Sigma 14mm/f2,8 montiert und folgende Einstellungen gewählt: ISO 200 Blende 2,8, Weißabgleich Auto, Aufnahmeformat RAW. Die Belichtungszeit betrug 958 Sekunden. 

Das orange Licht stammt von den Lichtern der Zivilisation auf der mehrere Kilometer entfernten Insel Rügen. Mit bloßen Auge war dieses kaum zu sehen. 

Den Weg und die Landschaft hatte ich mit einer Taschenlampe etwas ausgeleuchtet.

Solche Aufnahmen gelingen nur an Orten mit sehr wenig Lichtverschmutzung, also fernab von dicht besiedelten Gebieten.


Sobald irgendwelche Lichtquellen im Bild sichtbar sind ist es nicht möglich mit solch langen Belichtungszeiten zu arbeiten weil die Lichter sonst völlig überzeichnet werden also ausbrennen.

Star Trails als Belichtungsreihe

Das Licht des Leuchtturms Dornbusch auf der Insel Hiddensee ist hell, sehr hell. Ein Arbeitsweise wie oben ist an solch einem Ort also nicht möglich. 

Für dieses Bild habe ich 62 Einzelbilder mit folgender Ausrüstung und folgenden Einstellungen aufgenommen: Nikon D750, Sigma 14mm/f2,8 eingestellt auf f4, ISO 200, 30 Sekunden Belichtungszeit, Weißabgleich Auto und Aufnahmeformat RAW.

 

Ich hätte gerne noch viel mehr Aufnahmen gemacht um längere Spuren im Bild zu haben. Leider war in dieser Nacht ziemlich viel Betrieb am Leuchtturm. Als der erste Mitmensch mit der Taschenlampe durch das Bild lief musste ich die Reihe beenden.

Night Photography Star Trails

Zusätzlich hatte ich 3 Dunkelbilder mit den gleichen Einstellungen mit aufgestecktem Objektivdeckel aufgenommen.

 

Um solche Belichtungsreihen komfortabel aufzunehmen bieten sich zwei Möglichkeiten. Entweder ich stelle die Kamera auf kontinuierliche Auslösung und schließe einen arretierbaren Fernauslöser an. Somit nimmt die Kamera solange Bilder mit der eingestellten Belichtungszeit auf wie der Auslöser arretiert ist. Die zweite Möglichkeit ist die Verwendung eines programmierbaren Auslösers. Die Kamera wird hierbei auf "bulb" gestellt und der Auslöser übernimmt die Steuerung der Belichtungsreihe. Der Vorteil bei dieser Arbeitsweise ist die Möglichkeit Pausen programmieren zu können damit sich der Sensor zwischen den Belichtungen etwas abkühlen kann. 

 

Die eigentliche Arbeit erfolgt dann später am Rechner. Zuerst habe ich alle Raw-Bilder mit den gleichen Einstellung ins jpeg-Format konvertiert. Zum Einsatz kam dafür das Programm Darktable mit folgenden Einstellungen: Belichtung + 1EV, Schärfen Radius 5, Weißabgleich manuell auf die weiße Farbe des Leuchtturms, Objektivkorrektur sowie Raw-Entrauschen mi einem Wert von 3.

 

Danach öffnete ich die 62 konvertierten Bilder sowie die 3 Dunkelbilder im Programm StarStaX. Hierbei handelt es sich um ein kostenfreies Programm zum Erstellen von Star Trails. Mit der Methode "Lücken füllen" und einem Häkchen bei "Kometenmodus" rechnete das Programm in wenigen Minuten die Bilder zum oben sichtbaren Ergebnis zusammen.

Sterne

Night Photography

Damit die Sterne möglichst ohne sichtbare Spuren abgebildet werden muss die Belichtungszeit begrenzt werden. Das kann man recht einfach mit der sogenannten 500er Regel berechnen. Bei Sensoren in Kleinbildgröße (oft scherzhaft als Vollformat bezeichnet) wird 500 durch die verwendete Brennweite geteilt. Das Ergebnis stellt die maximale Belichtungszeit dar. Im Falle des Bildes auf der rechten Seite also 500 / 14 = 35,71. Manche Astrofotografen verwenden den Faktor 600. 

Umso länger die Brennweite desto kürzer ist also die maximal mögliche Belichtungszeit. Bei 24 mm sind es 20 Sekunden, bei 35 mm 14 Sekunden usw. Damit das Bild eine ähnliche Helligkeit hat wie das 11 Minuten Bild mit den Star Trails von oben muss also mehr Licht auf den Sensor und/oder die Empfindlichkeit des Sensors erhöht werden.


Das Bild oben habe ich mit der Nikon D750 aufgenommen. Am 14 mm Sigma Objektiv hatte ich die Blende 2,8 eingestellt. Belichtet habe ich, wie oben berechnet, 30 Sekunden und der ISO Wert lag bei 3200. In der Bildbearbeitung habe ich das Bild etwas aufgehellt, entrauscht, geschärft und die perspektivischen Fehler des Objektivs korrigiert.

 

Zu sehen sind ein Teil der Milchstraße, einige kleine Wolken die das spärliche Licht der Insel Hiddensee reflektieren und der Jupiter (der große, helle "Stern" in der Bildmitte). Den Weg und die Landschaft hatte ich mit einer warmweißen Taschenlampe während der Belichtung ausgeleuchtet.

Mond

Night Photography Moon

Der Mond ist eine brutal helle Lichtquelle, zumindest wenn er sich um den Vollmond herum zeigt. Einzig dem hohen Dynamikumfang der Nikon D750 ist es zu verdanken, dass ich hier den Mond und einige Sterne und Sternschnuppen in einer Belichtung aufnehmen konnte. 

 

Wenn, wie hier, Sonnenuntergang und Mondaufgang recht nah aufeinander folgen und der Mond recht tief steht reflektiert der Mond ein oranges bis rotes Licht. 

 

Aufnahmedaten: Nikon D750, Sigma 14/2,8, f4, ISO 1600, 15 Sekunden, Weißabgleich Auto, Aufnahmeformat RAW

Bildbearbeitung: Schärfen, Entrauschen, Belichtung +1EV, Kontrast +9, Sättigung +8


Light Painting bei hellem Mondlicht kann recht einfach sein wenn man dem Mond die Ausleuchtung der Szene überlässt und dieser selbst außerhalb des Bildes bleibt. Das spart einiges an Arbeit. Allerdings ist es sehr schwierig mit den eigenen Lampen direkt gegen den im Bildbereich liegenden Mond anzutreten. 

Light Painting & Nachthimmel

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten der Darstellung des Himmels beim Light Painting im Freien. Entweder es ist bewölkt und der Himmel ist schwarz bzw. reflektiert die Lichter der Zivilisation. Im Bild rechts sieht man das ganz gut. Das orange Licht in den Wolken stammt von Natriumdampflampen der Straßenbeleuchtung.

Möglichkeit zwei: man erkennt Sternenspuren. Je nach verwendeter Brennweite werden diese Spuren bereits nach einigen Sekunden sichtbar (siehe oben).

 

Die dritte Möglichkeit ist die Darstellung der Sterne am Himmel ohne Spuren wie im Bild rechts.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Eine solches Light Painting in einer einzelnen Belichtung umzusetzen ist alles andere als einfach. Von den Einstellung für das Bild aus dem vorherigen Abschnitt konnte ich kaum abweichen. Um den Sternenhimmel sichtbar zu machen belichtete ich also wieder mit ca. 30 Sekunden bei ISO 3200 und Blende 2,8. Selbst wenn es mir gelänge in 30 Sekunden inkl. Auslösen der Kamera einen (sauberen) Orb zu drehen wäre das Licht der Taschenlampe viel zu hell. Den Orb würde ich bei ISO 100 und Blende 11 drehen damit er so aussieht wie im Bild oben. Die Blende hätte ich hier während der Belichtung von 2,8 auf 11 verstellen können, aber leider lässt sich der ISO-Wert während der Belichtung nicht verändern.

 

Es musste also eine andere Lösung her. Ich habe nach ca. 20-25 Sekunden einen Neutral-Dichte-Filter mit einer Dichte von 3 am Objektiv montiert. Dieses Filter lässt nur noch 0,10% des einfallenden Lichtes durch oder anders ausgedrückt es verdunkelt um 10 Blenden. Beim Abblenden um eine ganze Blende wird die einfallende Lichtmenge halbiert, ebenso verhält es sich bei der Verringerung des ISO Wertes um ganze Stufen. Die ganzen Blenden sind 2,8, 4, 5,6, 8, 11, 16 und 22, größere Blenden spielen für dieses Beispiel keine Rolle da die größtmögliche Blende des Objektivs eben 2,8 ist. Die ganzen ISO-Werte sind 50,100, 200, 400, 800, 1600, 3200, 6400 usw.

 

Der Unterschied vom Bildteil für die Sterne (ISO 3200, f2,8) zur gewünschten Einstellung für den Orb (ISO 100, f11) betrug 9 Blenden. Von ISO 3200 bis 100 sind es 5 Blenden, also musste ich den Blendenring des Objektivs dann noch auf 8 drehen und schon hatte ich die gewünschte Einstellung für meinen Orb. Durch das ND-Filter und das Abblenden auf 8 war dann im zweiten Bildteil von den Sternen im Bild nichts mehr sichtbar. 

 

Den Orb habe ich mit recht hohem Tempo gedreht. Die Belichtungszeit für dieses Bild betrug 73 Sekunden. Ich hätte das durchaus auch langsam und in Ruhe machen können. Da ich mir aber nicht sicher war ob mein Plan aufgehen würde und tatsächlich keine Sternenspuren entstehen würden hab ich mich lieber beeilt. Dieses Bild war mein erster Versuch mit dieser Arbeitsweise. Normalerweise mache ich bei solchen Versuchen Testaufnahmen um zu ermitteln wie lange ich belichten kann ohne das Licht der Sterne oder auch anderer Lichtquellen sichtbar zu machen. Da allerdings die Zeit wegen des aufgehenden Mondes etwas drängte verzichtete ich darauf. Das Ergebnis ist der erste Versuch; das gelingt mir auch nicht so oft. :-)

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die Arbeitsweise bei diesem Bild war dann vergleichsweise einfach; obwohl im Light Painting eigentlich gar nichts einfach ist. 

Kamera und Objektiv waren gleich. Eingestellt hatte ich ISO 100 und Blende 2,8. Ich startete die Belichtung. Nach ca. 10 Minuten verstellte ich die Blende auf 11, positionierte mich mit dem Orb-Tool im Bild, schaltete die beiden Lampen ein, drehte den Orb und stoppte dann mit dem Funkauslöser die Belichtung. Insgesamt betrug die Belichtungszeit 658 Sekunden.

 

Ein kleiner Nachteil meiner Arbeitsweise ist, dass der Orb durch das Einschalten der Lampen während der Belichtung ohne abgedecktes Objektiv unten recht hell ist. 

Als ich den Orb fertig gedreht hatte stoppte ich die Belichtung mit dem Funkauslöser.


Das Innenteil des Orbs war beim Einschalten von meinem Körper verdeckt, somit ist der "Anfang" nicht sichtbar. Ich hätte die Lampe des Außenteils mit dem Fuß verdecken können, aber mit Sicherheit wäre dann der rahmengenähte Stiefel im Bild sichtbar geworden. 

Die Landschaft habe ich mit einer modifizierten Convoy M2 (warmweiß) ausgeleuchtet.

 

Viel Spaß bei Deinen nächtlichen Ausflügen in die Natur und allzeit gutes Licht.

Sven

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Light Painting und Umweltschutz

Light Painting in der Natur

In der Euphorie während des Light Painting in der schönen Landschaft vergisst man leicht sich Gedanken über die Auswirkungen des eigenen Handels für Tiere und Pflanzen zu machen. 

Die Achtsamkeit gegenüber der Natur, und vor allem für andere Lebewesen sollte auch beim Light Painting nicht auf der Strecke bleiben. 

Grundsätzliche Verhaltensregeln im Light Painting

Wir haben uns bestimmte Verhaltensregeln selbst geschaffen. Auch im abgerocktesten Lost Place halten wir uns an diese Regeln, aber vor allem wenn wir in der Natur unterwegs sind.

 

- Wir haben immer einen Müllsack dabei. Auch das kleinste Stück Gaffa-Tape nehmen wir wieder mit.

- Wir machen nichts kaputt. Schon gar nicht reißen wir irgendwelche Pflanzen raus oder entfernen ein Vogelnest weil es sonst unseren Bildaufbau stören würde.

- Wir benutzen Pyrotechnik nur wenn die elementaren Regeln des Brandschutzes eingehalten werden können. Wir entfernen brennbares Material und haben mindestens 2 Feuerlöscher dabei. Sollten wir Zweifel haben ob wir nicht evtl. doch etwas in Brand setzen verzichten wir auf den Einsatz von Feuerwerk. 


- Laser sind ein schönes "Spielzeug" im Light Painting. Wir benutzen sie grundsätzlich nur in geschlossenen Räumen und wenn sichergestellt ist, dass niemand, auch kein Tier, von den Strahlen getroffen werden kann.

- Wir vermeiden unnötigen Lärm. Zum Einen um nicht die Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen und zum Anderen um Mitmenschen und andere Lebewesen möglichst wenig durch unsere nächtliche Arbeit zu beeinträchtigen.

- Wir verwenden keine Stahlwolle in unseren Lightpainting Bildern. Abgesehen davon, dass ich diesen Bilder noch nie etwas abgewinnen konnte ist der Einsatz von Stahlwolle, gerade im Freien, viel zu gefährlich. Das Zeug verbrennt mit sehr hoher Temperatur. Man kann schlecht beeinflussen wie weit die Funken fliegen. In den letzten Jahren haben die verehrten Kollegen auch schon so Einiges abgefackelt. Die Verbrennungsrückstände beim Drehen von Stahlwolle sind rasiermesserscharf, Tiere oder auch barfüßige Menschen könnten sich daran verletzen.

Light Painting im Naturschutzgebiet

Dieses Bild haben wir auf der Insel Hiddensee aufgenommen. Die Insel gehört zum Nationalpark "Vorpommersche Boddenlandschaft". Die Kernzonen Gellen und Neuer Bessin dürfen nicht betreten werden. Seit vielen Jahren fahren wir auf die Insel, mit den Regeln und Gepflogenheiten sind wir also vertraut. Gefühlt kennen wir jeden Stein, auch in der Dunkelheit finden wir uns sofort zurecht. Und auf der Insel ist es dunkel, sehr dunkel. 

 

Auf der Insel gibt es viele bedrohte, seltene Tierarten. Da ich kein Biologe bin weiß ich nicht genau welche Tiere wir in welchem Maße mit unserer nächtlichen Lichtmalerei beeinträchtigen. In der Dunkelheit übersieht man sicher auch mal schnell das ein oder andere Lebewesen. Die beste Idee wäre vermutlich an solchen Orten komplett auf das Light Painting zu verzichten. 


Wenn man das geplante Light Painting auch an einem weniger sensiblen Ort umsetzen kann sollte man dorthin ausweichen. 

Unter Einhaltung der oben genannten Regeln und weiterer, an die Location angepasste, Vorsichtsmaßnahmen kann man aber auch an solch sensiblen Orten eindrucksvolle Lightpainting Bilder erschaffen. Wichtig ist hierbei vor Allem vorher darüber nachzudenken in weit man mit seiner nächtlichen Arbeit in die Natur eingreift. Darüber hinaus sollte man sich bei der Verwaltung des Nationalparks beraten lassen wo und in welcher Form man nachts mit den Lampen rumfuchteln kann ohne Schaden anzurichten. 
Zum schlechten Gewissen wenn man beim Light Painting Teile der Natur zerstört kommen gerade in geschützten Gebieten wie Nationalparks unter Umständen empfindliche Strafen dazu. 

 

Zurück zum Bild. Die Ausleuchtung des Leuchtturms und der Umgebung habe ich damals von der Treppe und dem Weg aus gemacht. Das Ergebnis wäre sicher besser geworden wenn ich mich mit der X21 durch die Wiese bewegt hätte. Allerdings wäre nicht auszuschließen gewesen, dass ich Tiere, vor allem brütende Vögel, gestört hätte. Also haben wir das "schlechte" Light Painting in Kauf genommen um nicht unnötig störend in die Natur einzugreifen. 

 

Dass wir an solchen Orten weder Pyrotechnik noch Laser benutzen versteht sich von selbst. Da es auf der Insel viele reetgedeckte Häuser gibt verbietet sich der Einsatz von Feuerwerk schon aus diesem Grund.

Bei der Verwendung von Feuerwerk im Freien sollte man grundsätzlich, gerade im Sommer, kurz darüber nachdenken wann es das letzte Mal geregnet hat und wie hoch die Waldbrandwarnstufe gerade ist. Spätestens ab Stufe 3 sollte man die Pyros zu Hause lassen.

Unbedingt sollte man sich vor dem Light Painting Ausflug ins Grüne über die Brutzeiten der Vögel informieren. Hätte ich hier beim Ausleuchten des Baumes oder Drehen des Orbs brütende Vögel aufgeschreckt hätten das die Jungen unter Umständen nicht überlebt. Noch vorsichtiger sollte man mit am Boden brütenden Vögeln umgehen.

In der Zeit vom 1. März bis zum 30. September ist es in Deutschland verboten Bäume zu fällen um brütenden Vögeln nicht das Zuhause zu zerstören. Auf der sicheren Seite liegt man also wenn man außerhalb dieser Zeit mit den Lampen und der Kamera in der Natur unterwegs ist. Das hat nebenbei auch noch den Vorteil, dass es früher dunkel wird. Aber natürlich sollte man auch im Herbst und Winter Rücksicht auf andere Lebewesen nehmen.


In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht.

Sven

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Im Light Painting nichts Neues?

Light Painting, wer hat's erfunden?

Ich jedenfalls nicht. Und auch keiner der heute noch lebenden Light Painter. Wie Denis Smith letztens so treffend sagte: " Wir stehen alle auf den Schultern von Riesen". Aber auf wessen Schultern stehe ich? Auf ganz vielen würde ich sagen. In vielen Fällen weiß ich nicht einmal so genau auf wessen Schultern. Wer hat den ersten Orb gedreht? Wer die erste Kreisscheibe? Wer benutzte zuerst Plexiglas als Lichtpinsel? Keine dieser Fragen könnte ich sicher beantworten.

Und wenn wir nicht nur die eigentliche Lichtmalerei betrachten und über den Anteil "normaler" Techniken in der Fotografie, die zum Gelingen unserer Light Painting Kunstwerke beitragen, nachdenken wird die Anzahl der Schultern noch viel größer. 

Bei genauer Betrachtung unserer Arbeitsweise war alles schon mal irgendwie da, niemand hat in den letzten 10 Jahren etwas wirklich bahnbrechend Neues entwickelt.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography
green eyes - Model: Dominic Poncé, Light: Sven Gérard

Geschichte des Light Painting

Ich könnte hier jetzt sicher 10 Seiten über die Entwicklung der Kunstform Light Painting in den letzten 130 Jahren schreiben, aber das will mit Sicherheit kaum jemand lesen. Wozu auch?

Die ersten, heute noch erhaltenen bzw. bekannten Light Painting sind aus dem Jahr 1889. Étienne-Jules Marey und Georges Demeny visualisierten Bewegungen mit einer selbst entwickelten fotografischen Technik, der sogenannten Chronofotografie. Die Intention der Herren dürfte eher wissenschaftlich gewesen sein. Einen hohen künstlerischen Wert haben die damals entstandenen Bilder aber durchaus.

In den 1930er Jahren arbeiteten Man Ray und Gjon Mili mit bewegtem Licht in der Fotografie.

In den 1940er Jahren bedienten sich unter anderem Künstler wie Picasso und Matisse dieser Technik.

Der New Yorker Künstler Eric Staller arbeitete bereits in den 1970er sehr kreativ im Bereich Light Painting. Er dürfte noch immer den größten Einfluss auf die heutige Light Painting Community und deren Arbeiten haben, egal ob die heutigen Künstler ihn und seine Werke kennen oder nicht. 

Und das waren bei weitem nicht die einzigen Light Painting Künstler der "Vor-LED-Zeit". Einen sehr interessanten Artikel zur Geschichte des Light Painting hat der geschätzte Jason Page auf seiner Seite veröffentlicht.

Vor allem durch die rasante Entwicklung der LED-Technik sowie der digitalen Fotografie ist die Zahl der Light Painter heute ungleich größer. Jeder kann mit ein paar billigen LED-Taschenlampen und einer Digitalkamera für einige hundert Euro beeindruckende Light Paintings erschaffen... wenn er denn will und kreativ ist.

Inspiration für mein erstes Light Painting

Bis zum Jahr 2012 assozierte ich mit dem Begriff Light Painting Bilder in denen Leute mit der Wunderkerze I  Mutti ins Bild schreiben oder ähnliche Belanglosigkeiten.
Damals war ich in der "fotocommunity" recht aktiv. Eher zufällig sah ich Bilder von Heinz-Jörg Wurzbacher, Garry Krätz, Gus MerceratLightmechanics, Photonenfänger, JanLeonardo Wöllert und einigen anderen. 

Ich wollte auch solche Bilder machen! Also begann ich zu recherchieren ob es Tutorials gibt wie man solche Kunstwerke aus Licht erschafft. Ich fand genau gar nichts, zumindestens nichts wirklich Erhellendes. Ich fing also an selbst mit den Lampen vor der Kamera rumzufuchteln und tue dies bis heute mit Leidenschaft. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Ohne die oben genannten Herrschaften würde ich vermutlich auch heute noch ausschließlich "normale" Fotos machen. Auch wenn niemand von ihnen das Light Painting erfunden hat und sie selbst von anderen Künstlern inspiriert wurden ändert sich nichts an der Tatsache, dass sie mich überhaupt erst dazu gebracht haben Light Painter zu werden. Dafür danke ich euch Freunde! 

 

Einige Kollegen brechen sich ja einen ab ihre Inspiration beim Namen zu nennen und tun gerne so als hätten sie sich alles selbst ausgedacht. Um potentielle Kunden zu beeindrucken kann man sicher auch seine eigene Einzig- und Großartigkeit betonen. Das wird dann allerdings recht schnell lächerlich und unglaubwürdig wenn ich sehr ähnliche Bilder anderer Künstler sehe, die mehrere Jahre zuvor entstanden sind. Da heute fast jeder Zugriff auf das Internet hat, kann also auch der (potentielle) Kunde innerhalb weniger Minuten solche Sachen überprüfen.

Erschaffe ich etwas Neues?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Ein Bild wie das auf der linken Seite hab ich bisher noch nicht von anderen Künstlern gesehen. Also hab ich was Neues erschaffen... oder auch nicht. Ich hab weder den Broken Orb erfunden, noch den Laser und auch nicht die Technik während der Belichtung die Brennweite zu verändern. Einzig alles in einem Bild gab es (vermutlich) vorher noch nicht. 

 

Sicher war dieses Bild technisch sehr schwer umzusetzen, vor allem weil ich alleine gearbeitet habe. Mir gefällt das Ergebnis und ich war sehr glücklich, dass mir das Bild so gelungen ist wie ich es im Kopf konstruiert hatte. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es eigentlich nichts Neues im Bild zu sehen gibt. Nichts von dem habe ich als Erster gemacht.


Mit Sicherheit bin ich der einzige Light Painter der den Broken Orb mit einer selbst modifizierten Led Lenser M7 ins Bild malt. Die geschätzten Kollegen verwenden bestimmt andere Techniken. Mir hat niemand erklärt oder gezeigt wie man einen Broken Orb malt. Die Technik habe ich selbst entwickelt. Allerdings wäre ich vermutlich nicht auf die Idee gekommen Borken Orbs zu machen wenn ich nicht vor einigen Jahren Bilder von EMD - Electrical Movements in the Dark gesehen hätte, auch wenn der Schritt von einem geschlossenen Orb zum Broken Orb kein besonders großer ist. Ob Heinz-Jörg Wurzbacher und Garry Krätz die Ersten waren die Borken Orbs gedreht haben vermag ich nicht zu beurteilen. 

Ich habe bei der Recherche für diesen Artikel versucht zu ergründen wer den ersten Orb gedreht und fotografiert hat. Mit Sicherheit kann ich das nicht sagen. Die ältesten Bilder, die ich finden konnte, sind von Trevor Williams (Tdub). Er gründete vor 10 Jahren die Gruppe "Light Junkies" bei flickr. Diese Gruppe war und ist eine der größten Inspirationsquellen für viele Light Painter.

Erschaffe ich etwas Besonderes?

Ich wurde letztens gefragt wie viele Mensche solche Bilder machen können wie ich. Diese Frage kann ich gar nicht beantworten. Vermutlich wird es niemanden geben der alle meine Bilder reproduzieren könnte wenn er es denn wollte. Die Anzahl der Kollegen, die in ähnlicher Art und Weise mit gesteuertem Licht in einer einzelnen Belichtung arbeiten ist recht überschaubar. Und keiner der geschätzten Kollegen benutzt genau die gleichen Lampen, Tools und Techniken wie ich. 

Die Frage nach dem Besonderen ist allerdings nicht so sehr von den besonderen Lampen und Tools abhängig. Das Besondere ist dann eher das besondere Ergebnis, völlig emanzipiert vom Aufwand für das Light Painting. Vor allem aber ist das besondere Erlebnis während des Light Painting wichtig. Da kann ich dann sehr schnell über kleine Fehler im Bild hinwegsehen.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Ja, ich erschaffe etwas Besonderes. Ob das viele andere Menschen ebenso sehen hat für meine Arbeit allerdings keine große Bedeutung. Die besonderen Erlebnisse und Gefühle während der Arbeit sind für den geneigten Betrachter des Bildes fast immer völlig unsichtbar, für mich aber der so ziemlich wichtigste Teil meiner Arbeit.

Welche Light Painting Techniken benutze ich? Wer hat sie erfunden?

- LIGHT PAINTING Hierbei werden vorhandene Gegenstände , Personen, Räume, Teile einer Landschaft oder andere real existierende Dinge vom Light Painter angeleuchtet und somit im Bild sichtbar gemacht. Die Lichtquelle selbst ist (gewöhnlicherweise) im Bild nicht zu sehen. Diese Technik ist im Prinzip so alt wie die Fotografie selbst. Wer zuerst künstliches Licht in der Fotografie benutzt hat vermag sicher niemand zu sagen.

- LIGHT DRAWING Die Lichtquelle dient hier als Pinsel. Es werden Lichtspuren erzeugt und mithilfe einer Kamera während einer Langzeitbelichtung aufgezeichnet. Wie bereits oben erwähnt benutzten u.a. Picasso und Matisse diese Technik. Sie waren allerdings ganz sicher nicht die Ersten.

- KINETISCHE FOTOGRAFIE  Durch Bewegungen der Kamera, bzw. des Objektivs, während der Belichtung male ich Lichtspuren auf den Kamerasensor. Auch hier konnte ich nicht "das erste Bild" finden, die Technik wird schon seit vielen Jahrzehnten benutzt.

 

Mehr machen wir im Light Painting dann auch eigentlich nicht. Man könnte jetzt die Verwendung von Fraktalfiltern, Schablonen , Kaleidoskopen oder einige andere Dinge aufzählen, aber essentiell für unsere Kunstform sind eigentlich nur die 3 Techniken von oben. 

 

Es gibt also nicht den einen Light Painting Pionier der alles erfunden hat. Ich hätte nicht das geringste Problem damit den Urheber dieser oder jener Technik zu benennen. In den meisten Fällen ist dies aber überhaupt nicht möglich weil es eben unklar ist wer der Erste war.

Viele Light Painter, wie auch ich, adaptieren verschiedene mehr oder weniger alte Techniken kombinieren sie auf neue Art und Weise und fügen eigene, kleine Neuerungen hinzu. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! 

 

Eric Paré ist wohl im Moment der berühmteste Light Painter. Viele Leute eifern ihm nach und verwenden "seine" Tubes und kopieren seine Bilder. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber ob Eric der Erste war der solche Tubes im Light Painting verwendet hat. Ich kenne Light Painting Bilder von 1978 in denen der Künstler Aby Rezny Tubes verwendet. Ich selbst verwende diese Tools seit vielen Jahren, lange bevor Eric sein erstes Light Painting gemacht hat.

Versteh mich bitte nicht falsch. Ich habe nichts gegen Eric, er ist einer der nettesten Menschen denen ich bisher in meinem Leben begegnet bin. Sein großer Einfluss ist gut für das Wachstum, der im Moment eher überschaubaren, Light Painting Community. Seine Arbeit nutzt somit allen Light Paintern. Und eigentlich ist die Situation für seine vielen Fans meiner Geschichte von oben recht ähnlich. Ich wusste es damals auch noch nicht besser. 

Nehmen wir uns selbst zu wichtig?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography
Light Painting: Hanna Schmeling

JA!

Das wurde mir erst letztens wieder so richtig bewusst. Kurz vor den Ferien leitete ich gemeinsam mit Erik ein Projekt an seiner Schule. Die Schülerinnen und Schüler waren zwischen 13 und 16 Jahren alt. Niemand hatte nennenswerte Erfahrungen und Kenntnisse im Bereich Fotografie. Mit Light Painting hatten sie bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Berührungspunkte.

Innerhalb kürzester Zeit hatten sie verstanden wie es funktioniert. Ihre coolen Ideen setzten sie sauber innerhalb weniger Versuche um. Auch ohne unsere Unterstützung wären sie sicher nicht gescheitert.

 

Ich bin kein Meister! Ich bin nur ein vom Light Painting Bessener, zuweilen mit einigen guten Ideen ...aber die haben andere auch.

 


In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht

 

Sven

 

PS: Während meiner Arbeit an diesem Artikel hat der überaus geschätzte Dan Chick einen Artikel mit ähnlichem Ansatz auf lightpaintingblog.com veröffentlicht, ebenfalls inspiriert von Denis Smith Beitrag.
Da hätte ich mir die Arbeit auch sparen können. ;-) 

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Mache ich heute ein Bild? Oder schaffe ich es nicht?

Kreative Blockaden

Ich denke, jeder Light Painter hat Blockaden und bringt wochen- oder  monatelang kein (brauchbares) Light Painting auf den Sensor seiner Kamera. Die Gründe dafür können vielfältig sein, Krankheit, Zeitmangel, fehlende Ideen, kein Model, kein Assi, schlechtes Wetter und einiges mehr. Die entscheidende Frage sollte sein: Wie gehe ich damit um?

Da das Light Painting ein wichtiger Teil meines Lebens ist kann es durchaus schwierig sein in solch einer Situation ruhig zu bleiben und mir zu sagen, dass die Zeit der (guten) Light Paintings ganz sicher bald wieder kommen wird.

 

Ich beneide ja manchmal einige Kollege, die ganz offensichtlich dutzende oder gar hunderte Bilder "auf Halde" haben und diese dann irgendwann in den sozialen Netzwerken zeigen können.  Manche der gezeigten Bilder sind mehrere Monate alt.  Solch eine "Reserve" hatte ich noch nie, mehr als 10 frische Bilder waren noch nie in meinem Upload-Ordner auf der Festplatte.

Jeden Tag ein Foto

Vor einigen Jahren hatte ich mir als Ziel gesetzt jeden Tag ein Bild zu veröffentlichen. Das kann ein Light Painting sein, ein Bild von einem Lost Place oder auch ein anderes Foto. Meist gelingt es mir auch dieses Ziel einzuhalten. 

 

Das bedeutet allerdings nicht, dass ich tatsächlich jeden Tag mit der Kamera unterwegs bin. Das funktioniert schon aus Zeitgründen überhaupt nicht. Ich arbeite 40 Stunden pro Woche in meinem Hauptberuf, die Vorbereitung und Durchführung unser Workshops und anderer Veranstaltungen nimmt recht viel Zeit in Anspruch. Ich möchte Zeit mit meiner Familie verbringen und einige andere soziale "Verpflichtungen" sind mir auch wichtig. Die Zeit mit meiner Frau Marla und unserem Sohn Erik  verbringen wir glücklicherweise oft gemeinsam beim Light Painting. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen. Die Beiden sind ebenfalls schon seit langer Zeit vom Light Painting Virus befallen.

 

Um mein Ziel etwas zu präzisieren: Ich nehme pro Woche mindestens sieben brauchbare Bilder auf und zeige dann jeden Tag eins davon bei flickr, 500px, Instagram, Facebook...

Mit guter Vorbereitung und etwas Glück mache ich die 7 Bilder in einer Nacht.

 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Ist es wichtig ein Ziel im Light Painting zu haben?

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Ich weiß nicht ob ich diesen selbst geschaffenen Druck tatsächlich brauche. Ich weiß nicht ob ich weniger Zeit mit dem Light Painting verbringen würde wenn ich mir das Ziel "Jeden Tag ein Bild" nicht selbst gesetzt hätte. Der Antrieb mit den Lampen loszuziehen ist jedenfalls meist ein anderer. Es geht nicht in erster Linie um das präsentationswürdige Ergebnis; es geht um den Spaß und die besonderen Gefühle und Erlebnisse während der Arbeit an unseren Light Painting Bildern. Manchmal ist auch die besondere Atmosphäre einer besonderen Location viel wichtiger als das perfekte Ergebnis.

Warum fehlt mir manchmal der Antrieb?

Die Gründe warum mir manchmal längere Zeit kein vernünftiges Light Painting gelingt können vielfältig sein. Umso länger ich kein Bild gemacht habe desto größer wird gewöhnlicherweise der Druck. Dieser Druck, endlich mal wieder die Lampen zu schwingen, ist für die Kreativität meist nicht besonders förderlich. 

 

Oftmals fällt mir einfach nichts Neues ein. Manchmal drehe ich dann einfach den dreihundertsten Orb, nur um überhaupt etwas zu machen. So nach dem Motto "Lieber ein langweiliges Light Painting als gar keins". Eigentlich ist mein Anspruch an meine Kunst allerdings ein anderer. Ich würde lieber immer was Neues, spannendes machen.

 

Dann gibt es Situationen in meinem Leben, in denen ich den Kopf nicht frei bekomme. Ich schaffe es dann einfach nicht mich auf die Arbeit im Light Painting zu konzentrieren.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Recht häufig denke ich viel zu viel nach wie ich das nächste Light Painting umsetzen kann. Welche Lampen und Tools brauche ich? Wie finde ich eine geeignete Location? Wer kann mich begleiten (Model, Assistent)? Wie setze ich die Bildidee um? Und, und, und... Dann verplempere ich so viel Zeit mit der Planung, dass die Idee irgendwann gar nicht mehr spannend erscheint. Ich sollte mich viel öfter selbst zwingen einfach los zu gehen und zu machen! Die besten Bilder entstehen oftmals einfach so, ohne vorherige genaue Planung. Das Bild oben z.B. entstand bei einem Ausflug in den Berliner Untergrund mit Dominic und Matti. Ich wusste nicht was uns in der Location erwartet. Ich hatte vorher keine Bildidee. Ich hatte einfach vorsichtshalber einige Lampen und Tools eingepackt. Das Bild entstand dann spontan innerhalb von ca. 10 Minuten. Eine schöne Erinnerung an den Ausflug ist es auf jeden Fall.

 

Und viel zu oft fehlt mir schlichtweg die Kraft; ich bin ja schließlich keine 18 mehr. 

Wie motiviere ich mich selbst?

Wenn ich die schnelle, einfache Methode zur Motivation wüsste würde ich diesen Artikel gar nicht schreiben. Ich habe also bisher keine Universal-Lösung gefunden. 

Die Vorbereitung und Durchführung unserer Light Painting Workshops ist immer Motivation für mich. Da hab ich automatisch Bock drauf; zum Glück. Aber in den Workshops geht es auch nicht primär um mich und meine Bilder, sondern um das besondere, gemeinsame Erlebnis mit den interessierten Teilnehmern. Ich habe einfach Spaß daran, die Workshop-Teilnehmer zu begeistern und ihnen die ganz besondere Kunstform Light Painting näher zu bringen.

 

Ähnlich verhält es sich wenn ich gemeinsam mit befreundeten Light Paintern los ziehe. Da kann ich mich dann meist ein wenig zurücklehnen falls mir gerade nichts Vernünftiges einfällt. Die Kollegen haben sicher genügend Ideen die wir dann gemeinsam umsetzen können.
Die gemeinsame Arbeit beschert mir dann oft neue Inspiration und Motivation für die nächste Zeit.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Der Bau neuer Lampen und Tools motiviert mich oft diese dann möglichst bald zu testen. Für einfache Testaufnahmen ist mir meine Zeit zu schade. Ich versuche dann also gleich ein richtiges Bild mit den neuen Sachen zu machen. Der Aufwand ist meist größer als wenn ich mit bewährtem Material arbeite. In den meisten Fällen gelingt mir aber trotzdem nach einigen Versuchen ein befriedigendes Lightpainting mit den neuen Spielzeugen.

 

Auch wenn mir neue Techniken, eine neue Arbeitsweise oder ähnliches durch den Kopf gehen habe ich den Drang das so schnell als möglich in die Tat umzusetzen.


Sicher, manchmal sind die Ideen oder das neue Tool einfach unbrauchbar für das Light Painting. Aber ohne diese Fehlschläge würde sich die Kunstform Light Painting nicht weiterentwickeln. Und genau das ist eigentlich mein größter Antrieb. Das befriedigende Gefühl wenn die neue Idee oder das neue Tool funktionieren möchte ich nicht missen. Selbst dann nicht wenn das Ergebnis nicht so wie geplant ist, sondern eine unerwartete Überraschung darstellt. Aber ich kann ja dann so tun als ob das so gewollt war. ;-)

Wozu der ganze Aufwand?

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Geld

Ich werde mit Light Painting nicht reich. Das will ich auch gar nicht. Mir genügt es wenn ich meine Ausrüstung, die Kosten für diese Homepage und meine Reisekosten damit finanzieren kann. Sicherlich freue ich mich wenn am Jahresende ein kleiner Gewinn übrig bleibt, aber angewiesen bin ich nicht darauf. Meinen Lebensunterhalt finanziere ich mit den Einnahmen aus meinem Hauptberuf. 

 

Wenn ich es darauf anlegen würde und meinen Hauptberuf kündigen würde könnte ich sicher ganz gut vom Light Painting leben. Allerdings müsste ich dann recht viele Aufträge annehmen, die mich künstlerisch eigentlich gar nicht interessieren. 


Ich wäre gezwungen so ziemlich jedes Sponsoring anzunehmen, egal ob mir die Geschäftspraktiken der Firma passen oder nicht. Dazu habe ich keine Lust! Ich möchte als Künstler möglichst frei von Zwängen arbeiten können. Ich möchte in meinem Tempo und Rhythmus arbeiten können. Ich will heute das Bild machen was mir heute im Kopf rumschwebt. Und wenn mir das heute nicht gelingt arbeite ich eben morgen daran weiter, oder übermorgen, oder nächste Woche.

Ruhm

Ja, ich bin eitel! Für mich ist es wichtig Anerkennung für meine Arbeit zu bekommen. Ich genieße es sehr, dass viele Menschen, die mit dem Thema Light Painting zu tun haben, wissen wer ich bin und sich an einige meiner Bilder erinnern. Ich bin stolz darauf, dass mich viele Light Painting Kollegen um Rat fragen oder Einige meine Ideen und Tools adaptieren.

 

Allerdings will ich nicht mit allen Mitteln und um jeden Preis berühmt werden. 

 

Ich habe keine Lust jeden Tag das gleiche Bild zu machen und zu posten nur weil das ähnliche Bild von letzter Woche viele Likes und Klicks gebracht hat. Das wäre mir viel zu langweilig.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Ich habe keine Lust ausschließlich Bilder mit jungen, ansehnlichen, leicht- oder unbekleideten Damen mit wohlgeformten, großvolumigen Brüsten zu machen nur um möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Der geneigte Betrachter soll das Bild wegen des Light Paintings gut finden und nicht wegen der Brüste! Der größte Teil des Erfolgs und Ruhms soll mir gehören und nicht dem Model, der lieblichen Landschaft, der Milchstraße, dem Polarlicht oder was sonst noch das Bild, abgesehen von der Lichtmalerei, attraktiv für den Betrachter macht. 

Therapie

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Light Painting macht glücklich!

Es ist ein unbeschreibliches Glücksgefühl wenn die verrückteste, sehr aufwändige Idee funktioniert und das fertige Light Painting dann tatsächlich so auf dem Sensor der Kamera landet wie ich es in meinem Kopf konstruiert hatte.

 

Durch die konzentrierte Arbeit an der Bildidee fallen für eine gewisse Zeit jeglicher Alltagsstress und alle Sorgen von mir ab. Ein guter Ausgleich zum täglichen Trott.

 

Oft arbeite ich allein. Ich kann dann so viele Versuche und Experimente machen wie ich will ohne andere Menschen zu nerven und zu langweilen. Hier liegt der Fokus meist auf der Entwicklung neuer Techniken und Ideen.


Manche Bilder kann oder will ich nicht alleine umsetzen. Wenn wir in der Gruppe arbeiten greifen wir allerdings meist zu bewährten Tools und Techniken. Die Arbeit in der Gruppe macht mehr Spaß. Die Anzahl der Fehlversuche ist geringer. Die Anzahl der guten Ergebnisse ist meist größer.

Beides hat zur richtigen Zeit seinen eigenen Reiz und seine Daseinsberechtigung. 

Popularität der Kunstform Light Painting

Einer der wichtigsten Aspekte meiner Arbeit im Bereich Light Painting ist es die Anerkennung und den Bekanntheitsgrad dieser Kunstform zu steigern. 

 

Geeignete Mittel sind nicht nur die Präsentation unsere Light Painting Kunstwerke an den passenden Stellen sondern vielmehr auch Hilfestellungen und Anregungen für die Neueinsteiger. Ich finde, es ist keine gute Idee jeden Light Painting Interessierten sofort vor den Kopf zu stoßen in dem man sich und sein Wissen und Können komplett abschottet.

 

Ich wünsche mir, dass viel mehr Leute selbst zum Lichtpinsel greifen und kreativ werden. Ich wünsche mir viele neue Light Painter mit vielen neuen, coolen Ideen. Ich wünsche mir, dass viele Light Painter gemeinsam los ziehen und Spaß miteinander haben. Und gerne gebe ich ihnen erste Tipps und Anregungen.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography
©Mart Barras - Light Painters United Berlin 2017

Der Zusammenhalt in der Gemeinschaft der Light Painter ist, bis auf einige wenige Ausnahmen, sehr groß. Etwas Ähnliches habe ich bisher in keiner anderen Community erlebt. Teil dieser einmaligen, ganz besonderen Gemeinschaft zu sein macht mich sehr stolz und glücklich. Und genau dafür betreibe ich den ganzen Aufwand!

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht

Sven

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Safety First

Sicherheit im Light Painting

Es gab in meinem Leben als Light Painter schon recht viele gefährliche Situationen. Es war manchmal nur dem Glück geschuldet, dass ich mir bisher keine ernsthaften Verletzungen zugezogen habe. Gerade in der Euphorie in meiner Anfangsphase im Lightpainting habe ich mir viel zu wenig Gedanken über das Thema Sicherheit gemacht. Das kam erst viel später.

Aus diesem Grund möchte ich gerade den Light Painting Einsteiger mit diesem Artikel etwas für das Thema Sicherheit sensibilisieren. 

 

Sicher ist es wichtig sich voll und ganz auf das geplante Light Painting zu konzentrieren. Bevor Du beginnst solltest Du aber immer einige Regeln zur Sicherheit beachten. Das Meiste davon kann man im Vorfeld vorbereiten und irgendwann geht das dann in Fleisch und Blut über.

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Licht

Zur eigenen Sicherheit solltest Du immer mindestens eine Lampe bei Dir haben. Immer, also egal ob Du als Model im Bild stehst, hinter der Kamera arbeitest oder mit dem Licht malst. Auch jeder Zuschauer sollte immer eine Lampe bei sich tragen. Im Falle von Gefahr solltest Du die Lampe auch sofort benutzen, egal ob das Bild dadurch versaut wird. Das Light Painting kannst Du wiederholen. Mit einem gebrochenen Bein machst Du sicher wochenlang kein Light Painting.

Stirn- oder Kopflampe

Solch eine Lampe sollte jeder Light Painter als erstes anschaffen. Man hat beide Hände frei und kann somit gut die Tools vorbereiten, die Einstellungen an der Kamera vornehmen, Zigaretten drehen, Bier öffnen und viele andere nützliche Sachen tun. 

Da die Lampe auf dem Kopf sitzt weiß ich immer sofort wo sie ist und muss nicht in meinen 17 Taschen nach der Lampe suchen.

 

Meistens benutze ich eine Coast HL8 . Die Lampe wird mit 4 Batterien oder Akkus der Größe R6 bzw. AA betrieben. Diese Standardbatterien sind überall auf der Welt erhältlich. Jeder hat vermutlich dutzende Akkus und Batterien in dieser Größe zu Hause. Die Lampe ist recht bequem zu tragen, lässt sich in der Helligkeit regeln und ist fokussierbar. Und mit ca. 60€ sprengt sie auch kein all zu großes Loch in den Geldbeutel. Was will man mehr?


Die Laufzeit ist hoch, normalerweise tausche ich die Akkus nur alle 2 bis 3 Monate aus.

 

Die Lampe hat zwar keine 3000 Lumen, aber wer braucht das schon im Light Painting? Ich leuchte doch mit der Stirnlampe kein Fußballfeld aus. Dafür benutze ich andere Lampen.

(Zweite) Taschenlampe

Neben der Kopflampe trage ich immer eine kleine Taschenlampe in einer Gürteltasche bei mir, aktuell eine Convoy S8. Diese Lampe benutze ich hauptsächlich als "normale" Taschenlampe wie "normale" Menschen auch. Während des Light Painting ist diese Lampe meine zusätzliche Sicherheit falls die Kopflampe ausfällt. In manchen Fällen benutze ich die Lampe auch direkt im Lightpainting.

In die Gürteltasche passt zusätzlich ein zweiter 18650 Akku. Falls der Akku in der Lampe leer ist hab ich den Ersatzakku sofort griffbereit. Ich muss mich also an einem gefährlichen Ort nicht bewegen um wieder Licht zu haben.

 

Und wenn das alles versagt habe ich immer noch die "Taschenlampe" in meinem Smartphone.

Akkus & Batterien

Die beste Lampe funktioniert nicht ohne Akku oder Batterie. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen empfiehlt sich der Einsatz von wiederaufladbaren Zellen. Gute Zellen vertragen mehrere tausend Ladevorgänge und verlieren nur langsam die Kapazität. Einzig hohe Temperaturen (>50°C) vertragen die Akkus nicht so gut.

 

Billige No Name Akkus zu kaufen ist meist keine gute Idee. Entweder sie geben nach einigen Lade- und Entladevorgängen komplett den Geist auf oder sie verlieren ganz schnell die Kapazität. Die angegebenen Werte für die Kapazität entsprechen bei den billigen Zellen nicht annähernd der Realität.


Bild oben vlnr: 18650 geschützt, 3 mal 18650 ungeschützt, 18350, 16340, 14500, AA, 10440, AAA

 

Li-Ion Akkus in den Größen 26650, 18650 & 18350 kaufe ich als sog. Rohzellen. Die sehen dann so aus wie im Bild oben, Schrumpfschlauch in verschiedenen Farben und einfache Beschriftung. Große Unterscheide zwischen den Zellen von Samsung, LG, Sanyo, Panasonic und Sony konnte ich bisher nicht feststellen. Alle sind langlebig und die angegebene Kapazität entspricht der Realität. Meist haben sie bei Raumtemperatur 10-20% mehr Kapazität als draufsteht.

 

Da diese Zellen mit ca. 5€ pro Stück kein Schnäppchen sind kaufe ich die Dinger gerne gebraucht. Selbst wenn die Zellen schon 2-3 Jahre alt sind und vorher im Notebook ihren Dienst versehen haben sind sie für den Einsatz im Lightpainting immer noch gut geeignet. Der Preis für gebrauchte 18650 liegt bei ca. 1€ pro Stück wenn man 30 bis 100 im Paket kauft. Gebrauchte Li-Ion Zellen in anderen Größen sind kaum erhältlich, da muss ich dann etwas tiefer in die Tasche greifen und neue Akkus kaufen.

 

1,2V Akkus in den Größen R3 (AAA) und R6 (AA) gibt es wie Sand am Meer. Von den meisten Exemplaren sollte man die Finger lassen, egal wie verlockend das Schnäppchen ist. Wir benutzen ausschließlich enelopp Akkus bzw. die baugleichen, preiswerteren LADDA Zellen von Ikea. Die Akuus halten sehr lange die Kapazität wenn sie ungenutzt rumliegen. Nach 1 Jahr haben sie noch mindestens 75% der geladenen Kapazität. Außerdem nimmt die Kapazität bei geringen Temperaturen nicht so stark ab wie bei den allermeisten anderen Akkus. Bei der Arbeit im Winter ein unschlagbarer Vorteil. Wenn es allerdings so richtig kalt ist (< -10°C) helfen nur noch 1,5V Li-Zellen wie Energizer Ultimate Lithium. Das sind meines Wissens nach die einzigen Batterien die bei derart niedrigen Temperaturen überhaupt noch eine nennenswerte Kapazität haben. 

Location

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

In einer Location wie in den Bildern oben sollte man besser überhaupt nicht in der Dunkelheit arbeiten, das ist bei Tageslicht schon alles andere als ungefährlich. Aber was macht man nicht alles für die Kunst? 

 

Schau Dir die Location bei Tageslicht an!

Bei Tageslicht kann man ganz in Ruhe die späteren Aufnahmen planen und vorbereiten. Bei dieser Gelegenheit kann man auch gleich evtl. vorhandenes Gerümpel aus dem Weg bzw. Bild räumen und Gefahrenstellen beseitigen wenn es denn möglich ist. 

Auf jeden Fall solltest Du Dir alle vorhandenen Gefahrenstellen genau einprägen und wenn möglich markieren. Alle Wege während des Light Painting sollten ebenfalls vorher geplant werden.

 

Gehe niemals alleine in solche Gebäude! Vor allem nicht in der Dunkelheit!

 

Sage mindestens einer weiteren Person wo Du bist! Vereinbare mit dieser Person eine Zeit zu der Du Dich bei ihr meldest. Falls Du dieses dann nicht kannst holt die Person Hilfe.

 

Nimm ein Mobiltelefon mit voll geladenem Akku mit und überprüfe bevor Du hineingehst ob Du Empfang hast!  

 

Nimm einen Verbandskasten mit! Lass Dich in Erster Hilfe ausbilden. Der Erste Hilfe Kurs für den Führerschein liegt bestimmt schon viele Jahre zurück.

Kleidung

Zuerst sollte Die Kleidung, die Du trägst, für die Arbeit im Light Painting geeignet sein, also möglichst dunkel und keine Reflektoren oder Ähnliches. Du willst ja schließlich nicht im Bild zu sehen sein. 

Darüber hinaus sollte die Kleidung bequem sein damit Du nicht beim Light Painting in Deinen Bewegungen eingeschränkt bist. 

 

Praktisch ist es wenn die Sachen viele Taschen haben um möglichst alle für das geplante Bild benötigten Lampen und Tools bei sich tragen zu können. Das erspart oft viele Wege und somit Zeit.

 

Die Bekleidung sollte einiges aushalten. Wenn ich mit der dünnen Leinenhose an einer scharfen Kante hängenbleibe wird wohl eine blutende Wunde kaum zu verhindern sein. Mit der dicken Bundeswehrhose komme ich vielleicht unverletzt aus der Situation.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Meist trage ich beim Light Painting eine schwarze Kapuzenjacke. Die Kapuze hilft in vielen Situation trotz heller Lampen im Bild unsichtbar zu bleiben. Und der Kopf ist mit der Kapuze etwas besser vor Verletzungen geschützt. Die Funken des Feuerwerks können mir nicht so schnell Löscher in die Glatze brennen.

 

Die Bekleidung sollte aus 100% Baumwolle bestehen, auf jeden Fall wenn Du Feuer oder Pyrotechnik einsetzen willst. Die meiste Bekleidung, auch Arbeitskleidung, besteht heutzutage aus einem recht großen Anteil an Kunstfasern. Dadurch fängt die Kleidung sehr schnell Feuer. Mit etwas Glück brennt der Pyro nur Löscher in das Beinkleid, mit weniger Glück steht das halbe Hosenbein sofort in Flammen.

 

Wenn Du in Lost Places oder unwegsamem Gelände unterwegs bist solltest Du feste Schuhe tragen. Die meisten Arbeitsschuhe sind allerdings ungeeignet, die Hersteller bringen gerne Reflektorstreifen an den Schuhen an. Falls Du solche Schuhe tragen willst empfiehlt es sich die Reflektoren mit Gaffatape abzukleben oder zu entfernen, wenn das möglich ist.

 

In vielen Situationen im Light Painting, z.B. beim Abbrennen von Feuerwerk aus der Hand, sind gute Handschuhe nötig. Ich nutze seit vielen Jahren Rigger-Handschuhe. Die sind bequem, man hat alles fest im Griff und sie bieten für die meisten Aufgaben ausreichenden Schutz der Hände.

Brandschutz

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Falls Du Feuer oder Pyrotechnik im Light Painting benutzen willst solltest Du Dir einige Gedanken zum Thema Brandschutz machen bevor Du das Feuerzeug zückst. 

Du solltest sämtliches brennbares Material wegräumen bevor Du beginnst, am Besten schon bei Tageslicht. 

 

Wir haben immer 2 kleine Feuerlöscher dabei. Alternativ kannst Du aber auch einige Flaschen Wasser mitnehmen. Ein Stück Molton leistet auch gute Dienste falls Du mal mit dem Pyro etwas in Brand setzt. Feuerlöschspray ist eine  weitere Möglichkeit.

 Alle Beteiligten sollten schwer entflammbare Kleidung (Baumwolle) tragen.

Eine Paintball-Maske ist ein recht guter Schutz für das Gesicht. Eine Schutzbrille kann auch nicht schaden.


Weise alle Anwesenden genau ein und erkläre ihnen was Du vor hast. Wer gerade nicht aktiv am Light Painting mitarbeitet sollte einen möglichst großen Abstand zum Geschehen halten. 

Achte darauf, dass Du nicht die Kamera, und vor allem nicht die Frontlinse des Objektivs, mit dem Feuerwerkskörper beschießt. Das könnte ansonsten schnell ein Fall für den Schrott werden.

Benutze nur Pyrotechnik die Du kennst und schon vorher verwendet und getestet hast. Sicher kann trotzdem was schief gehen, aber wenn ich 10 gleiche Römische Lichter kaufe und 5 davon schon benutzt habe ist es recht unwahrscheinlich dass beim sechsten die Kugeln 5 Meter weiter fliegen als bei den ersten 5.  

Kauf Dir ein gutes Feuerzeug. Ich benutze ein Jet-Flame Feuerzeug in Neongrün. Das Teil funktioniert auch bei etwas Wind sicher, hat einen großen Tank und geht wegen der auffälligen Farbe nicht so leicht verloren.

Laser

Laser lassen sich sehr wirkungsvoll im Lightpainting einsetzen. Allerdings sind solche Laser alles andere als ungefährlich. Im Bild auf der rechten Seite kam ein grüner Laser mit 500mW Leistung zum Einsatz. In die Strahlen solch eines Laser schaut man nur einmal! Also, äußerste Vorsicht beim Umgang mit solchen Lasern.

Schalte den Laser nur ein wenn Du sicherstellen kannst, dass kein Unbeteiligter, auch keine Tiere, von den Strahlen getroffen werden können. Benutze diese leistungsstarken Laser niemals im Freien. Neben der Gefährdung von Mensch und Tier kann daraus ganz schnell ein gefährlicher Eingriff in den Luft-, Eisenbahn- oder Straßenverkehr werden. Das bedeutet normalerweise eine empfindliche Strafe, spätestens wenn jemand vom Laser verletzt wurde. 

 

Alle Personen am Aufnahmeort sollten geeignete, also zur Wellenlänge des Lasers passende, Schutzbrillen tragen.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Bewahre den Laser sicher auf wenn Du ihn gerade nicht benutzt. Entferne sofort den Akku wenn Du mit dem Light Painting fertig bist. Falls der Laser über einen Schlüsselschalter verfügt benutze diesen auch. 

Und noch einige Kleinigkeiten

An den Beinen des Kamera-Stativs habe ich nachleuchtendes Klebeband angebracht. Ich sehe also immer wo die Kamera steht und ich laufe nicht Gefahr das Stativ mitsamt der Kamera umzuschmeißen. 

 

Schon lange Zeit benutzen wir Funkgeräte bei unserer Arbeit. Ich muss nicht brüllen wenn jemand von draußen ein Fenster anleuchtet oder ähnliches. Außerdem haben die Funkgeräte den Vorteil, dass man sich bei Gefahr sofort bemerkbar machen kann. Und sie funktionieren auch ohne Mobilfunknetz.

 

Gutes Gaffa-Tape dient ebenfalls der Sicherheit. Wenn der Feuerwerks-Vulkan beim Drehen wegfliegt weil das Gaffa-Tape nicht hält kann das schnell ins Auge gehen. Auch bei der Befestigung anderer Sachen, z.B. Absperrungen von Gefahrstellen, leistet das Tape oft gute Dienste. 

Fazit

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Damit Du in der nächsten Woche ein neues Light Painting machen kannst ist die erste Bedingung, dass Du den heutigen Ausflug unbeschadet überstehst. Bevor Du anfängst mit den Lampen, den Feuerwerkskörpern und dem Laser rumzufuchteln solltest Du immer erstmal kurz darüber nachdenken was Dir und anderen alles gefährlich werden könnte und dann diese Gefahren so weit es geht eliminieren.

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir immer einen sicheren Stand und allzeit gutes Licht.

Sven


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Light Painting Schulprojekt

4 Tage Light Painting im Klassenraum

Erik hatte vor langer Zeit die Idee im Rahmen der Projektwoche an seiner Schule ein Light Painting Projekt durchzuführen. Coole Idee, dachte auch ich. In der Vorbereitung und Durchführung unserer Workshops sind wir mittlerweile schon sehr geübt, aber die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen war für uns neu. Ich hatte keine genaue Vorstellung was uns erwartet. 

 

Vor fast einem Jahr fingen wir mit der Planung und Vorbereitung an. Einige Tage vor der Projektwoche konnten sich die Schülerinnen und Schüler für das Projekt einschreiben. Wir hatten die Befürchtung, dass wir die vereinbarten Plätze nicht voll bekommen werden. Erik machte Werbung für unser Projekt an der Schule. Völlig unnötig wie sich dann herausstellte; die Liste war innerhalb kürzester Zeit komplett gefüllt.  Viele Interessierte müssen leider bis zum nächsten Schuljahr warten.

 

Nachdem alle Formalitäten erledigt und ein mehr oder weniger gut geeigneter Klassenraum gefunden war ging es endlich am 27. Juni los. 

Wir luden einen großen Teil unserer Ausrüstung in das Auto und fuhren zur Schule. Alle Projektteilnehmer halfen sofort bereitwillig beim Ausladen und Hochtragen der Ausrüstung. Mit über 40 m² Molton verdunkelten wir gemeinsam den Raum und bauten uns eine schwarze Wand als Hintergrund. Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen der Langzeitbelichtung und einer kurzen Vorstellung einiger Lampen und Tools fingen die Schüler sofort an mit vollem Eifer ihre ersten eigenen Light Painting Kunstwerke zu malen. 

Einige Ergebnisse des ersten Tages:

Als das erste Bild des Projekts auf dem Sensor war, waren die jungen Damen und Herren kaum noch zu bremsen. Alle waren sofort fasziniert von der Arbeit mit Licht. 

Am meisten beeindruckt hat mich die sehr geringe Anzahl an Fehlversuchen. Benutzt haben sie unter anderem EL-Wire, eine UV-Taschenlampe, ein Lichtschwert, mehrere Light-Blades, einen Stick mit vielen einzelnen LED's, schwarze Glasfasern und verschiedene Taschenlampen.

Im weiteren Verlauf machten die Teilnehmer sich an Versuche der Camera Rotation Fotografie und der Arbeit mit mehreren Lichtebenen. Unglaublich, wie schnell alle die Arbeit mit Licht verstanden und umgesetzt haben.

Es hat mir wahnsinnigen Spaß gemacht. Ich danke euch allen für die sehr gute, kreative Zusammenarbeit und freue mich schon auf das nächste Light Painting Projekt an eurer Schule. Aber erstmal wünsche ich euch schöne Ferien! ... und das nächste Mal bringe ich mehr Gummibärchen mit.


Alle Bilder © die Schülerinnen und Schüler des Hans und Hilde Coppi Gymnasiums: Mara Scherer, Mathilda, Hanna Schmeling, Lena, Constantin, Max, Kamilla, Emma Feustel, Hannah und Topmodel Briksen ;-) 

 

Allzeit gutes Licht wünscht 
Sven

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10 Fragen an...

Pala Teth

Sein größter Antrieb ist der Spaß. In vielen seiner Light Paintings springt der Spaß, den er und seine Freunde während des Light Painting hatten, sofort auf den Betrachter über. Eine coole  Location, eine geile Idee, sauber gesteuertes Licht, die perfekte Wahl der Lichtfarben, gerne noch ein wenig ;-) Pyrotechnik - und fertig ist das Meisterwerk von Pala Teth. Für viele Light Painter auf der Welt ist er mittlerweile eine der größten Inspirationen. Viele haben seine Techniken, Ideen, Farben und Tools adaptiert.
Und so ganz nebenbei ist Pala Teth einer der angenehmsten Menschen, die ich bisher in meinem Leben kennenlernen durfte. 

1. Please introduce yourself shortly. Name, Age and where you from etc.

Hi, I’m Palateth, a Belgian light painter, from Liège (Lüttich) and I’m probably too old for this shit :-) (I’m 47) 

2. How and why did you start Light Painting?

In 2012, after 4 years of “traditional” digital photography (you know: birds, cats, flowers and other interesting subjects ...), I was lacking time for photography. Full time job, family, kids, there were lots of reasons to miss the perfect golden or blue hour, the sunshine, the sunrise or the myst. I was not able to be at the right place at the right time to shoot the picture I would have loved to shoot and it was very

frustrating. I was mostly available for photography at night, so I’ve started to shoot long exposure photography.

 

Till then, I’ve always thought about photography as a way to capture the reality, the documentary photography. Photography was a technical activity: framing, choosing the right settings, and trying to get the most interesting “natural” light to have a good picture.


And then I’ve suddenly realised I did not have to shoot the reality: I could create the reality I wanted to shoot! If I was not able to be at the right place when the natural light is perfect, then I could use artificial light. So I’ve started to read and learn about “strobism”, the off-camera flash techniques. And it has opened a whole new world for me, because if I was able to use artificial light, I could also create the story, the

subject, I could create everything and no longer be dependent of the reality and the time of the day!

 

Right after that, I’ve met a light painting picture on Flickr on a long exposure group (from Nocturnal Kansas). It was the rabbit who drove me through the hole into the light painting wonderland: the Flickr group “Light Junkies”. Holy broccoli! That was incredible: what these people were doing was fascinating! And with everything done in front of a camera, without photoshop, they were creating magic! I wanted to try!

But back then in 2012, no one was doing that type of things in my area. Fortunately, I’ve found the website lightpaintingphotography.com, from Jason D. Page, with the tutorials, the articles and other information, so -thanks to the people who have shared their knowledge- I was able to understand how to start and to do tests. That was the beginning of a strong addiction. :-)

3. What means Light Painting for you? What is yor motivation? What drives you?

For me, light painting is a fun, creative, accessible and very rewarding activity.

I like the idea of creating magic with pieces of cardboard, a light source, black tape and other ghetto-style DIY rickety tools. It’s all about  magination. There is nothing, it’s dark and everything has to be created.

 

I like the fact that everybody could start doing LP, right now, without having to spend thousands of whatever-money to get the mandatory big starter kit. It’s about creativity, and how wealthy or poor you are will not change anything. And I think it’s immediately rewarding: everybody like his/her first LP picture. There is nothing like 10 years of “wax on - wax off” training before being able to shoot a LP picture. The magic is immediately there, and the “wow” effect when people see a LP picture at the back of the camera is priceless.

 

Finally, it’s fun for me because I like it, and it’s also a social activity for me. I’ve almost always practiced LP with others. At the beginning, it was with a couple of friends who have asked to join me and it was a fun way to spend an evening together. And then their friends have joined too and it has become a weekly LP party. And then unknown people from Facebook or Flickr have asked to join too and it was and it’s still fun to practice LP with a bunch of people. It’s about sharing, having fun and trying stupid -but fun- ideas.

4. What gear do you always carry with you?

A camera, a tripod and a trigger are mandatory, of course, but my minimal package is a (bright) flashlight and pieces of colour filter gels. If I cannot do a backlight, I die a little bit, inside; so I always have what I need to be able to do a backlight. :-)

What wass your most memorable Lightpainting expirience, event or moment?

It’s hard to choose only one! I have tons of crazy memories with light painting, for sure.

 

So let’s take the last big one, which was the Lightpainters United meet-up here in Belgium: 35 light painting friends came for a week-end of light painting from various countries. This week-end was epic for me, for sure: I felt really honoured to have these highly skilled and creative people together here. There were lots of collaboration and lots of amazing pictures were created (have a look to the #lightpaintersunited hashtag on Instagram or Facebook, to have an idea). It’s like having 30 of your favourite music bands from worldwide coming for a week-end to do a jam session together in your backyard. That’s definitely a thrilling experience. :-)

5. Who or what inspires you?

Well, that’s not easy to answer. I do not have a single point of inspiration. Of course, I’m inspired by the light painting community and all these artists, there are so many techniques and people who get the best from anything which could be used for light painting, it’s amazing.

But I’m also inspire by the pop culture (movies, advertisings, books, tv series, ...) and by arts in general. I do not have an art background -or even an art culture-, but I like to watch the creativity of any type. 

 

Recently, I’ve watched videos on youtube from the Corning Museum of Glass, which is about artistic glass blowing and melting glass anipulations. I’ve seen very interesting patterns created by these glass artists and I’m slowly thinking about ways to translate these patterns in light painting. As soon as a subject “catches” my curiosity, my brain starts to digest these information in the background and sometimes an idea pops out from things I’ve watched months or years before.

6. What is going to be the next Light Painting Tool you build or buy?

I usually buy very few light painting tools because most of the tools available on the LP market are made to draw with light and I barely never draw with light.

 

I have a couple of ideas for new tools I might build someday, but I’m a master of procrastination, so these tools will probably be created by someone else before I even start working on it. :-)

7. What is your workflow? Do you work more spontaeous or do you plan out every little detail of you art?

I’m a lazy light painter. :-) I do with what I have where I am, and it’s mostly improvised on location. I’m very bad with planning every detail before. Of course, sometimes I’ve build a tool or I have an idea of something to try before being on location, but more than often the ideas I had before being there were not applicable because the place was not exactly how I’ve thought it would be.

8. Do you have certain concept, idea, philosophy or theme for your Light Paintings?

In general, I like the idea of creating magic with light and the philosophy of sharing the knowledge with others, definitely. So I like to spread my light painting enthusiasm to people, and to support the LP community, because I really think the collective is the optimal way to increase the creativity, to develop new techniques, etc.

 

I like the mental exercise to create everything in one single shot, with nothing added or remove in post production; so that’s my main principle for my light paintings.

 

Then, about my own pictures, I definitely love the explosions style. Surrounding a model with an explosion of lights/fire/fireworks/smoke/laser is always fun and attractive for me. At this point, I cannot not really call that a “philosophy”; it’s more a

topic to address with my psychotherapist. :-)

9. Do you have 3 Lightpainters you would like to / dream of, to have a colaboration with?

I’ve been more than blessed regarding this. Thanks to the meet-ups, congresses and exhibitions, I had the luck to meet lots of incredibly creative and talented light painters from everywhere in the world.

 

But I still have people on my list I would like to meet:

- Jason D. Page, because I would not have started LP without his website and all the efforts he has put in sharing information about LP.

 

- LED Eddie, because I’m a huge fan of his work (and his sense of humour too). He takes months to build a single picture, with very high precision and his pictures always unique, different.

 

- Dennis Calvert, because I’m also a big fan of his LP work. His pictures had a huge influence on the type of light painting I like to do: large scene, backlight, centered model, decayed locations, minimalistic effects.

10. What are your best or most favourite 3 pictures?

Well, my favourite pictures change with my mood, but my current favourite ones are:

Light Painting Fotografie & Light Art Photography
Pala Teth - I was cleaning it and it went off
Light Painting Fotografie & Light Art Photography
Pala Teth- Sixty feet under
Light Painting Fotografie & Light Art Photography
Pala Teth - Lost island

I love these for two reasons. First, each of these pictures was a great LP night with friends and lots of fun. I’m not a viewer of my own work; I cannot judge my pictures only about the result, the process of making these pictures is part of what I see in these pictures. And secondly, I like these because the result at the end of the exposure was a (good) surprise for me. I did not expect to get exactly these results and the result was better for me than what I was expecting, which is a thrilling feeling.

Mehr Bilder von Pala Teth findest Du hier:
flickr, Instagram, 500px

 

Tu es trop vieux? Que devrais-je dire? Je vais avoir 50 ans l'année prochaine.

Merci pour l'interview mon ami. J'espère que nous vous reverrons bientôt. Je vous souhaite beaucoup de plaisir et de bonne lumière dans vos aventures de Light Painting. 

 

Allzeit gutes Licht 

Sven

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Warum ich immernoch Lost Places fotografiere

Verlassene Orte

Meinen ersten Lost Place habe ich 1989 fotografiert, das E-Werk in der Berliner Wilhelmstraße, lange bevor der legendäre Club dort einzog. Eines sonnigen Sonntags zog ich mit meiner Praktika BX20 los und fand ziemlich schnell und einfach einen Zugang in das Gebäude. Damals gab es noch keine tausenden Urbexer in irgendwelchen wichtigen Facebook-Gruppen. Vermutlich gab es noch nicht einmal Begriffe wie Lost Place oder Urbex. Zu dieser Zeit sind die meisten Wichtigtuer unter den Urbexern noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum gerannt oder waren noch nicht geboren.

Mein Interesse bestand und besteht in erster Linie an guten Fotos. Ich wollte nicht der Erste und der Einzige sein der Bilder von der Location hat. Ich wollte nicht meine Sammlung von verlassenen Orten erweitern. Ich war und bin Fotograf. Wenn mich ein Ort fotografisch nicht interessiert dann fahre ich nicht dort hin, egal wie exklusiv und "neu" die Location ist.

Die meisten Urbexer haben offensichtlich einen ganz anderen Plan. Sie wollen ihre Sammlung vervollständigen. Und sie wollen als Einzige die Blaue Mauritius unter den Lost Places. Warum auch immer. Ich verstehe auch nicht warum jemand Bierdeckel, Kronkorken oder was auch immer sammelt.

Das wäre ja an sich auch unproblematisch wenn sich nicht viele der Urbexer so aufspielen würden und permanent andere maßregeln wollen. Mein Lieblingsspruch: "Verrate nicht den Ort damit die Vandalen dort nicht einfallen und alles kaputt machen". Wie muss ich mir das jetzt vorstellen? Es gibt also Leute die gezielt bei den Fotografen nach Lost Place Fotos mit Ortsangaben suchen, sich in ihr Auto setzen und 800 km fahren einzig um dort irgendetwas kaputt zu machen? Das glaubt ihr doch nicht wirklich, oder? 

urbex abandoned decay lost place
NSA Field Station Teufelsberg Berlin

Es ist ja eure Sache ob ihr irgendwem verratet in welcher abgerockten Bude ihr das Foto gemacht habt. Aber versucht nicht mich zu bevormunden oder mir irgendwelche Vorschriften zu machen! Ich bin erwachsen und ihr seid nicht meine Kindergartenerzieher. Wenn ich öffentlich poste wo ich ein Foto aufgenommen habe geht euch das gar nichts an. 
Und bitte, seid doch einfach ehrlich. Ihr verratet den Ort nur aus einem einzigen Grund nicht öffentlich; damit ihr möglichst die Bilder exklusiv in eurer Sammlung habt.

Wenn denn mal jemand bei Vandalismus oder Brandstiftung in einem Lost Place erwischt wird ist derjenige sicher in keiner wichtigen Lost Place Gruppe bei Facebook. Das ist der frustrierte, zugedröhnte 16-jährige, der in 500 Meter Entfernung von der Bude wohnt. Der braucht eure Ortsangabe nicht! ... und der Schrottdieb war sowieso schon vor euch da und hat alles Wertvolle mitgenommen, natürlich ohne dass ihm ein Urbexer den Ort verraten hat. 

urbex abandoned decay
Fleischfabrik Berlin Lichtenberg

Manchmal kann ich mich auch des Verdachts nicht erwähren, dass ein Fotografen-Kollege interessante Motive zerstört nach dem er seine Fotos gemacht hat damit er der Einzige ist der das tolle Bild auf dem Sensor hat. Oder zur "Verbesserung" des Motivs werden Teile entfernt wie im Bild links oder andere "Umbauten" vor Ort vorgenommen. Der Vandale hätte vermutlich alles zerdeppert und vor allem nicht so gleichmäßig die Glasbausteine entfernt. Aber das ist natürlich nur eine Mutmaßung, erwischt wurde dabei meines Wissens nach bisher niemand. 

 

Aber es geht noch lustiger: Da werden dann Locations getauscht wie Briefmarken. Gibst Du mir 3 Blaue Mauritius gebe ich dir die The Penny Black. Der Tausch von Adressen ist also im Gegensatz zum Verschenken OK? Der Tauschpartner könnte nicht vielleicht insgeheim ein Schrottdieb oder Vandale sein? 


Was soll das? Ich tausche "meine" Locations nicht. Sie gehören mir ja schließlich nicht! Manchmal hab ich den Drang die Wichtigtuer 500 Kilometer in die Wüste zu schicken. Aber ich mach das dann doch nicht, im tiefsten Innern bin ich doch ein netter Mensch. ;-)

 

Bisher habe ich nie länger als 2 Stunden Internetrecherche gebraucht um herauszufinden wo ein bestimmter Lost Place, der mich fotografisch interessiert, ist. Die Anzahl der auf Bildern zu sehenden Locations, zu denen ich bisher keinerlei Informationen gefunden habe, ist sehr überschaubar. 

Legal? Illegal? Egal?

Viele Lost Places habe ich mit der Zustimmung des Eigentümers oder Verwalters besucht. Vor allem wenn wir nachts zum Light Painting unterwegs sind. Das macht einfach nicht sonderlich viel Spaß 300 km mit dem Auto zur Location zu fahren, 150 kg Ausrüstung auszuladen und dann nach 10 Minuten von den Ordnungshütern vertrieben zu werden weil jemand die Lichter in der Dunkelheit gesehen und uns denunziert hat.

Ein zweiter Grund ist, dass wir unsere Bilder veröffentlichen und meist kommerziell verwerten. Das könnte ohne Zustimmung des Eigentümers durchaus rechtliche und somit finanzielle Schwierigkeiten geben sollte dieser die Bilder sehen.
Einige Lost Places sind darüber hinaus unerwartet gut gegen unbefugtes Betreten gesichert wie das Regierungskrankenhaus der DDR. Länger als 10 Minuten dürfte es nicht dauern bis die Staatsmacht vor Ort eintrifft nachdem die dort installierte Alarmanlage ausgelöst wurde.

urbex abandoned decay lost place
Regierungskrankenhaus der DDR in Berlin-Buch

Den Nervenkitzel von illegalen Fototouren brauche ich mittlerweile überhaupt nicht mehr. Es gibt kaum Locations wo ein Besuch wirklich lohnenswert ist, der Eigentümer mich legal nicht rein lässt und die Bude nicht so gesichert ist, dass ich ungesehen rein und raus komme ohne etwas zu beschädigen. 

Vier beeindruckende verlassenen Orte

Ich hab nicht gezählt wie viele verlassene Orte ich bisher mit meiner Kamera besucht habe. Ich führe keine Liste, ich habe keine Datenbank, ich markiere die Bilder nicht auf einer Karte. Und wenn ich nach zwei Jahren vergessen habe wo dieser oder jener Lost Place war dann war der Besuch dort nicht wichtig. Aber einige Orte vergisst man nie:

Heilstätten Beelitz

Es gibt auch einige andere leerstehende ehemalige Heilstätten, meist nach dem Zweiten Weltkrieg von den sowjetischen Streitkräften genutzt. Grabowsee, Hohenlychen um mal zwei zu nennen. Aber die Heilstätten in Beelitz sind immer noch der beeindruckendste Lost Place den ich bisher besucht habe. Sicher, es gibt mittlerweile hunderttausende Fotos aus Beelitz. Gefühlt jeder, der eine Kamera richtig herum halten kann war schon mal dort. Aber das hat keinen Einfluss auf meine Fotos, meine Erlebnisse, meine Gedanken und Gefühle die ich von meinen zahlreichen Besuchen mitgebracht habe. Ich will Anerkennung für das gute Foto und nicht für die Entdeckung eines neuen, unbekannten Lost Place.
Ein ganz besonderes Erlebnis war ein gemeinsamer nächtlicher Besuch mit JanLeonardo Wöllert. Passend zu den Geistergeschichten zog kurz nach unserem Eintreffen ein schweres Gewitter auf. Die ganze Nacht hindurch drangen undefinierbare Geräusche durch die Flure an unsere Ohren. Aber, wir haben es unbeschadet überstanden. 

Die Kirche in Żeliszów (Polen)

Eigentlich unvorstellbar, diese evangelische Kirche steht seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs leer und verfällt seit dem. Bis vor einigen Jahren einige Leute einen Verein zum Erhalt dieses einmaligen Bauwerks gegründet haben. Mittlerweile konnte durch Spendengelder das Dach abgedichtet werden und somit der weitere Verfall gestoppt werden. 

Trotz des schlechten Zustandes war ich sofort von der einmaligen Architektur beeindruckt. Von außen ist das Gebäude eher unscheinbar. 

Die Kirche in Goszcs (Polen)

Noch eine verlassene ev. Kirche in Polen. Der bauliche Zustand ist wesentlich besser als in der Kirche in Żeliszów, ganz im Gegensatz zum benachbarten Schloss. Da steht fast nur noch die Fassade. 
Gemeinsam mit Mafu Fuma, Heinz-Jörg Wurzbacher und Garry Krätz haben wir uns 2 Nächte in dieser Kirche um die Ohren gehauen und einige Light Paintings umgesetzt.  Das war ein feiner Ausflug Jungs, das sollten wir mal wiederholen!

Kaufhaus Görlitz

Das Kaufhaus Görlitz ist eigentlich kein Lost Place. Das Kaufhaus steht zwar im Moment leer, aber in nicht allzu ferner Zukunft wird das Kaufhaus wieder als solches die Türen für die Kunden öffnen. Bis dahin wird das Gebäude für verschiedene Veranstaltungen wie Modenschauen und ähnliches genutzt... oder den Light Paintern nachts zur Verfügung gestellt. Den Artikel über unseren Kaufhausbesuch findest Du hier.
Dieses beeindruckende Gebäude ist das einzige gut erhaltene Jugendstilkaufhaus in Europa. 

Darüber hinaus habe ich einige sehr beeindruckende Lost Places besucht ohne dort wirklich gute Fotos gemacht zu haben wie beispielsweise das Objekt 5001 (Ausweichführungsstelle des Nationalen Verteidigungsrates der DDR). Der Sohn des ehemaligen Kommandanten des Bunkers führte uns durch die Anlage; einen besseren Begleiter kann man sich nicht wünschen. Auch solche Erlebnisse möchte ich nicht missen, aber das sind für mich zwei verschiedene Sachen. Gute Fotos oder interessante Geschichte. Beides gleichzeitig hat man zwar in seltenen Fällen auch, aber das ist dann schon fast ein Lottogewinn.

Warum tue ich mir das alles an?

Wie Du sehen kannst dienen uns viele Lost Places zuerst einmal als Kulisse für unser Light Painting und Light Art Bilder. Das Finden und Erkunden von verlassenen Orten ist natürlich auch spannend und interessant. In fast allen Locations kommen uns allerdings meist sofort mehrere Ideen für unsere Light Paintings. Viele Locations können oder wollen wir aus den verschiedensten Gründen nachts allerdings nicht besuchen. 

Der Aufwand zum Finden und Besuchen der Lost Places ist im Vergleich zum Aufwand für unser Light Art und Light Painting Bilder eher gering. 

Meist schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Schöne Bilder der Location bei Tageslicht und später schöne Light Paintings im beeindruckenden Lost Place. 

Sicher gibt es auch viele interessante Orte die frei, legal und gefahrlos zugänglich sind aber irgendwie reizt mich immer noch der marode Charme vieler verlassener Gebäude. 

 

Auch wenn mir große Teile der Urbex-Szene immer mehr auf den Sack gehen hab ich mir bisher das Fotografieren verlassener Orte nicht vermiesen lassen. Aber den intensiven Besuch und Austauch in den einschlägigen Facebook-Gruppen haben sie mir schon vermiest. Der Umgangston ist dort meist alles andere als freundlich. Entweder heult der eine rum weil der andere ihm nicht verrät wo die Location ist, der andere maßregelt Leute die sich "falsch", also nicht entsprechend dem göttlichen "Urbexer-Code" verhalten und der dritte macht abfällige Bemerkungen über die schlechte Qualität der Bilder.

Da poste ich nur noch ab und an ein Bild und mehr nicht. Aber auch das werde ich wohl in Zukunft einschränken oder ganz sein lassen. Mehr als 5 hoch gestreckte Daumen und ein bis zwei "Tauschanfragen" erhalte ich meist nicht. Also, wozu?

 

In diesem Sinne allzeit gutes Licht und immer einen sicheren Stand im abgerockten Lost Place.
Sven

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10 Fragen an...

Roland Brei

Er ist (noch) nicht der Superstar unter den Light Paintern, aber spätestens seit den "Saturn" Bildern sollte man den Herren aus der Schweiz unbedingt ernst nehmen. Die allermeisten Betrachter konnten sich nicht vorstellen, dass man diese Bilder in einer einzelnen Belichtung umsetzen kann. Die Kollegen, die eine Idee hatten wie man es machen könnte haben das auf Grund des immensen Aufwandes dafür sofort verworfen. Und vielen Betrachtern ist vermutlich noch nicht einmal aufgefallen, dass sich die Lichtspuren des Orbs nicht mit den Spuren des Ringes kreuzen sondern sauber voneinander getrennt sind.

Um zu überprüfen ob meine Idee dazu in der Praxis funktioniert habe ich mich selbst an ein ähnliches Bild gewagt und kann bestätigen, dass man solch ein Bild durchaus in einer einzelnen Belichtung umsetzen kann.

 

Dieses Bild findest Du hier

 

Aber jetzt lass ich endlich Roland zu Wort kommen: 


Bitte stell Dich kurz vor:

 

Hallo Sven

Ich heisse Brei Roland, bin verheiratet und wir haben einen 17 jährigen Sohn, komme aus Lupfig in der Schweiz liegt in etwa 40km vor Zürich.

1. Wie und warum bist Du Light Painter geworden?

 

Um diese Frage zu beantworten bedarf es einer kleinen Geschichte.

Eigentlich bin ich ein begeisterter Planespotter, also einer der landende oder startende Flugzeuge fotografiert. Sehr oft bin ich am Flughafen Zürich anzutreffen, aber auch München sowie auch Frankfurt gehören zu meinen Lieblingsplätzen. Bei dieser Art von Fotografie versuche ich möglichst kreativ zu sein, so kann es vorkommen das ich Kilometer lange Fussmärsche in kauf nehme für ein spezielles Flugzeugbild. Im Jahr 2013 in einer Oktober Nacht, war mein Plan Flugzeuge im Landeanflug zu fotografieren und zwar in einer Langzeitbelichtung, ich wollte also die Lichter die vom Flugzeug kommen als Linien auf einem Bild haben. 


Als die ersten Bilder gemacht wurden kam ich auf die Idee mit einer Taschenlampe Texte zu schreiben. Kurze Zeit später wurde das erste Lightpainting Bild geboren, ein Flugzeug im Landeanflug in einer Langzeitbelichtung zusätzlich mit den Zahlen 2014. Ein Kollege der das Bild im Netz sah, kontaktierte mich kurze Zeit später und erklärte mir, dass ich an diesem Abend eventuell ein Lightpainting Bild gemacht habe. Danach verbrachte ich Nächte am Computer und habe im Internet nach Bildern und Anleitungen gesucht, wie man diese Art von Fotografie praktisch anwendet. Für mich einer der wichtigsten Augenblicke in meinem Lightpainting da sein, der Start in eine neue Geschichte.

 

2. Was bedeutet Light Painting für Dich? Was ist Dein Antrieb?

 

Lightpainting hat mein Leben verändert und dies auf positive Art, hier kann ich abschalten und zur Ruhe kommen!! Keine Termine, keine Hektik, nur die Dunkelheit und meine Ausrüstung die darauf wartet eingesetzt zu werden. Mit Lightpainting kann ich meiner Seele die Ruhe geben die sie braucht, kann aber auch meine Kreativität und die Leidenschaft mit Licht etwas darzustellen ausleben.

 

3. Welche Ausrüstung hast Du immer dabei?

 

Meine Fototasche mit meiner Canon EOS 5Dlll und diversen Objektiven, Stativ und sonstiges Zubehör.

2 Koffer mit Taschenlampen mit Produkten von Led Lenser und Fenix.

Bin glücklicher Besitzer von 2 Spezial Umbauten, eine Led Lenser X21R in Amber, und eine Led Lenser MT7 in Ultraviolett. Da ich leidenschaftlich Orb drehe kommt dieses Tool auch meistens mit.

 

4. Was war Dein bisher eindrücklichstes Erlebnis im Light Painting?

 

Lightpainting Helpdesk organisierte einen Event im Volksbad Nürnberg, vier Nächte lang durften wir uns in diesem Bad ausleben. Am zweiten Abend wollte ich mit meinem Lightpainting Partner