Light Painting mit Fenix Lampen

Review der Fenix PD36R, HM65R und FD41

Die Fenix Deutschland GmbH hat mir freundlicherweise die Lampen zur Verfügung gestellt, eine weitere Bezahlung für diesen Artikel erfolgt nicht.

 

Fenix hat aktuell ca. 60 verschiedene Taschenlampen im Portfolio, zwei davon, sowie die recht neue Kopflampe HM65R werde ich in diesem Artikel mal etwas genauer unter die Lupe nehmen. Die ersten Lampen, die ich im Light Paintng verwendet habe waren damals mehrere Fenix LD10. Alle Lampen funktionieren auch heute noch tadellos. Auf den ersten Blick hat sich an der Verarbeitungsqualität nicht viel geändert, keinesfalls ist diese schlechter geworden. Die neuen Lampen sollten also auch wieder viele Jahre lang sicher ihre Arbeit verrichten.


Neben der erwartet gute Verarbeitung aller drei Lampen fielen mehr einige Details auf, die mich sofort begeistert haben. Beim durchdachten Design der PD36R könnten sich die Wettbewerber mal 'ne Scheibe abschneiden. Durch die Kanten im Gehäuse rollt sie nicht weg. Beide Schalter lassen sich in jeder Situation sicher bedienen. Eigentlich ist das zwar unwichtig, aber der bronzefarbene Seitenschalter mit der integrierten LED macht optisch sehr viel her. Mit dem dicken 5000mAh Akku hält die Taschenlampe sicher auch die längste Light Painting Nacht durch. 

Von der Stirnlampe war ich ebenfalls sofort begeistertet. Durch das Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung und Aluminium wiegt die Lampe gerade einmal 97 g. Das Gehäuse ist nach IP68 staub- und wasserdicht. Stürze dürften dem Schmuckstück nicht das Geringste anhaben, die Linsen sind durch Messingringe gut geschützt. Durch das geringe Gewicht und die komfortablen Bänder stört die Lampe das Wohlbefinden auch nach mehreren Stunden auf dem Kopf nicht. 

Fenix HM65R

Im kleinen Gehäuse der Kopflampe sind zwei Led's verbaut, eine Cree XM-L2 U2 als Thrower und eine Cree XP-G2 R5 als Flood. Erstere leifert maximal 1000 Lumen, die Kleine 400 Lumen. Wenn man beide einschaltet haut die kleine Lampe also beachtliche 1400 Lumen raus. Für jede Led ist ein separater Schalter verbaut. Durch längeres Drücken (0,5s) wird die Lampe ein- und ausgeschaltet. Durch kurzes Drücken im eingeschalteten Zustand wechselt man die Modi. Wenn man einen oder beide Schalter länger als 3 Sekunden gedrückt hält wird die Lampe gesperrt bzw. entsperrt.

 

Betrieben wird die Lampe mit einem mitgelieferten 18650er Akku mit 3500 mAh. Der Akku lässt sich in der Lampe aufladen. Während des Ladens lassen sich beide Led's in der Stufe "Mittel" einschalten. 


Der Ladestrom über den USB-C Port beträgt 1,5 Ampere, nach ca. 2 Stunden ist der Akku voll geladen. Einzig das mitgelieferte Ladekabel könnte etwas länger sein. Da dieses allerdings ein ganz normales USB-C Kabel ist wird sich wohl schnell ein anderes Kabel im Haushalt finden. Der verbaute Akku lässt sich einfach wechseln. Zur Not kann man die Lampe auch mit zwei CR123 Batterien betreiben. Zwischen beiden Schaltern ist eine Anzeige für den Ladestand des Akkus verbaut. Der Akku sitzt direkt unter den Led's, somit baumeln keine Kabel an der Lampe herum mit denen man irgendwo hängen bleiben könnte.

In der hellsten Stufe der Thrower-Led mit 1000 Lumen läuft die Lampe ca. 2 Stunden, in der hellsten Stufe der Flood-Led mit 400 Lumen ca. 21 Stunden. Die Leuchtweite in der hellsten Stufe gibt Fenix mit 163 Metern an. Damit dürfte die Lampe für jede Situation während unserer nächtlichen Light Painting Abenteuer genug Power und Laufzeit haben. In der dunkelsten Stufe leuchtet die Flood-Led der HM65R mit gerade einmal 8 Lumen. Um die Kamera zu bedienen dürfte das in den meisten Situationen völlig ausreichend sein. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern gibt Fenix in der Bedienungsanleitung an wie schnell die Lampe in welcher Stufe herunterregelt. Ich finde das sehr gut, dass Fenix hier nicht versucht die Leute zu verarschen in dem sugeriert wird die Lampe läuft mit 3000 Lumen 8 Stunden. Zum thermischen Schutz der kleinen Lampe werden die 1000 Lumen des Turbo-Modes nach einigen Minuten auf ca. 400 Lumen runtergeregelt. Die Helligkeit in allen anderen Modi nimmt während der gesamten Laufzeit nur geringfügig ab. Soviele Situtationen fallen mir im Moment auch nicht ein, in denen ich über längere Zeit 1000 Lumen am Kopf brauchen würde.

 

Fenix hat glücklicherweise auf solch Blödsinn wie eine rote Led am Hinterkopf verzichtet. Mit vielen Kopflampen der Wettbewerber malt man dann lustig rote Linien ins Light Painting weil man beim Tragen der Lampe nicht sieht, dass das Rücklicht an ist. 

 

Die Lampe lässt sich in mehreren Stufen in der Halterung nach unten klappen. Sie rastet sauber ein und bleibt sicher in der Stellung. Für die Begleiter des Lichtmalers ist das recht angenehm wenn sie nicht dauernd von der Stirnlampe geblendet werden. ;-)

 

Die Lampe ist wirklich gut verarbeitet, alle verwendeten Materialen wirken sehr hochwertig. Die Lampe sitzt sicher und bequem auf dem Kopf, ich habe noch nie eine angenehmere Kopflampe auf dem Selben gehabt. 
Die Lampe kostet aktuell im Fenix Onlineshop 94,90€.  Aufgrund der ausgezeichneten Verarbeitung dürfte die Lampe viele Jahre im robusten Alltag des Light Painters durchhalten. Lampen der 30 - 40 € Klasse geben meist nach recht kurzer Zeit den Geist auf oder gehen beim Sturz aus 1,5 Metern Höhe sofort kaputt. Den Preis halte ich für angemessen. Mit der HM65R hat Fenix alles richtig gemacht. 

Fazit

positiv:

- Verarbeitung +++

- Größe und Gewicht +++

- Helligkeit ++

- Laufzeit ++

- Tragekomfort +++

- Betrieb mit einem leicht zu wechselnden Standard-Akku +++

 

negativ:

 

- das kurze Ladekabel 

neutral:

 

- recht hoher Preis


Fenix PD36R

In dieser Größe und Bauform gibt es Taschenlampen wie Sand am Meer. Auch im Light Painting ist diese Art Taschenlampen beliebt und weit verbreitet. Sie haben zwischen 900 und 1800 Lumen und werden meist von einem 18650 Akku befeuert. Das Bedienkonzept ist bei den meisten Lampen recht ähnlich. Da muss man sich als Hersteller schon etwas einfallen lassen um sich von den anderen Lampen abzuheben.  
Als Erstes viel mir das gute, durchdachte  Design der Taschenlampe positiv auf, vor Allem der bronzefarbene Seitenschalter hat mich begeistert. Die Lampe liegt perfekt in der Hand, durch die Kanten im Gehäuse rollt sie nicht weg wenn man sie irgendwo hinlegt. 


Die Verarbeitungsqualität ist, wie von Fenix gewohnt, über jeden Zweifel erhaben. Nichts wackelt, Led und Reflektor sind perfekt zentriert, die Schalter lassen sich sauber und sicher bedienen. Gerade Letzteres ist keine Selbstverständlichkeit, bei einigen anderen Taschenlampen verkanten die Schalter gerne mal wenn man nicht genau die Mitte trifft.

Als Stromversorgung hat Fenix der PD36R einen 21700 Akku mit 5000 mAh spendiert. Diesen kann man über die integrierte USB-C Buchse in der Lampe aufladen. Leider hat Fenix auch hier das gleiche sehr kurze Ladekabel in den Karton gepackt wie auch bei der HM65R. Der Ladestrom beträgt 2,5 A, nach 4 Stunden ist der Akku voll geladen. Während des Ladevorgangs kann man die Lampe im Modus Low einschalten. Somit findet man mithilfe einer Powerbank immer sicher nach Hause auch wenn der dicke Akku unterwegs schlapp macht.

In der Mitte des Bronze-Schalters ist eine kleine Led eingebaut. Diese zeigt den Ladezustand an. Ohne angeschlossenes Ladegerät zeigt die Led für kurze Zeit nach dem Einschalten die Restkapazität des Akkus an. Trotz des dickeren 21700 Akkus ist die Lampe nur geringfügig größer als vergleichbare Modelle mit 18650 Akku. Ich war überrascht als ich die Lampe das erste Mal öffnete als kein 18650er zum Vorschein kam. Zum Vergleich habe ich im Bild unten rechts eine typische Taschenlampe mit 18650er Akku (Nitecore P12) daneben gelegt.

 

Die Bedienung der Lampe ist denkbar einfach. Mit dem hinteren Schalter schaltet man sie Ein und Aus. Mit dem seitlichen Schalter wechselt man zwischen den Helligkeitsstufen bzw, schaltet in den Strobe-Modus. Die Lampe speichert die zuletzt gewählte Helligkeit automatisch. Der hintere Schalter lässt die Led bereits leuchten wenn man ihn halb drückt ohne ihn einzurasten. Somit kann man sehr komfortabel mit der Lampe blitzen. Mit den allermeisten Taschenlampen funktioniert das nicht. Entweder sie leuchten erst wenn man den Schalter komplett durchdrückt oder sie wechseln bei jedem Blitz den Modus. Der hintere Schalter steht über das Gehäuse raus. Somit trifft man immer perfekt den Punkt an dem sie blitzt. Auch mit dicken Handschuhen lässt sich der Schalter problemlos bedienen. Das hat allerdings auch einen Nachteil, die Lampe steht nicht auf dem Hinterteil.  

Leider kann man die Lampe nicht elektrisch gegen unbeabsichtigtes Einschalten sperren wie die HM65R, da hilft nur der mechanische lock-out, eine viertel Umdrehung des Lampenkopfes.

Die Fenix PD36R hat fünf Helligkeitsstufen sowie einen Strobe-Modus. Dieser läuft immer mit voller Helligkeit. Angaben zur Laufzeit im Strobe-Modus macht Fenix nicht.

Turbo
1600 Lumen
2h 50m
283 Meters

High

800 Lumen
5h 49m
197 Meter

Med
350 Lumen
8h 24m
128 Meter

Low

150 Lumen

26h

82 Meter

Eco

30 Lumen

115h

35 Meter


Auch hier gibt Fenix in der Bedienungsanleitung an wie schnell die Lampe runtergeregelt wird. Nach dem Einschalten im Turbo-Modus liefert die Lampe die angegebenen 1600 Lumen. Innerhalb von 20 Minuten regelt sie auf ca. 1350 Lumen herunter, nach weiteren 10 Minuten leuchtet sie dann mit ca. 800 Lumen. In der zweiten Stufe regelt sie nach ca. 15 Minuten langsam auf ungefähr 450 Lumen herunter. Mit diesem Lichtstrom leuchtet sie dann konstant weiter. Diese Regelung halte ich für übertrieben, die Lampe könnte sicher auch länger unbeschadet mit 800 Lumen leuchten. Im Turbo-Modus nimmt sie schließlich auch keinen Schaden. 

 

Die Lichtfarbe der Led ist neutral, für meinen Geschmack etwas zu kühl. Der Lichtkegel ist sehr homogen, besser geht es kaum. Der Spot ist recht groß und klar abgegrenzt.  Die Fenix PD36R ist nach IP68 staub- und wasserdicht. Der Hersteller gibt an, dass sie 30 Minuten in 2 Meter tiefem Wasser unbeschadet übersteht. Die Lampe wiegt inkl. Akku 154 g. Die Lampe ist 136 mm lang und hat an der dicksten Stelle einen Durchmesser von 26,4 mm. Mit einem Kopfdurchmesser von 25,4 mm passt sie perfekt und sicher sowohl in die Adapter von Light Painting Paradise als auch in den Universal Connector.

 

Der Strobe-Modus wechselt zwischen zwei verschiedenen Frequenzen. Für die meisten Einsatzzwecke im Light Painting ist das unbrauchbar. Allerdings ist eine Taschenlampe mit 1600 Lumen im Strobe ohnehin viel zu hell. Dafür nehme ich meist Taschenlampen mit maximal 300 Lumen. 

 

Was sich Fenix bei dem mitgelieferten Holster gedacht hat ist mir unverständlich. Diese hochwertige Lampe soll ich in das labberige, zu kleine Holster stecken? Allerdings ist das kein Kaufargument. Selbst bei recht teuren Lampen erwarte ich nicht, dass der Hersteller ein Holster mit in die Packung legt. Aber wenn eines drin ist sollte das so halbwegs zur Qualität der Lampe passen wie ich finde. 

 

Die Fenix PD36R kostet im Onlineshop 99,90€. Aufgrund der sehr guten Verarbeitung und Ausstattung, der hohen Helligkeit, der langen Garantiezeit von 5 Jahren und des dicken, mitgelieferten Akkus halte ich diesen Preis für absolut angemessen. Die Fenix PD36R wird mir in den nächsten Jahren ganz sicher ein treuer Begleiter bei meinen Light Painting Abenteuern sein. Ich hatte schon hunderte Taschenlampen von dutzenden verschiedenen Herstellern in den Fingern, bisher hatte sich noch nie eine Lampe sofort so gut angefühlt wie die PD36R.

Fazit

positiv:

- perfekte Verarbeitung und Design +++

- großer Akku mit 5000 mAh +++

- integrierte Schnellladung +++

- saubere Möglichkeit zum Blitzen +++

- sauberes Lichtbild +++

- einfache und sichere Bedienung ++

negativ:

- zu kurzes Ladekabel -

- Holster ---

neutral / Wünsche an den Hersteller:

- hoher Preis

- eine wärmere Lichtfarbe wäre gut

- bessere Regelung in der Stufe "high"

- ein zusätzlicher Ramping-Modus wäre gut

- Strobe mit fester Frequenz

- eine elektrische Sperre wäre wünschenswert


Nachtrag:
Die PD36R passt ebenfalls in den Halter für Farbfilter von Light Painting Paradise. Den Halter findest Du hier, die passenden Farbfilter hier. In dieses System passen so gut wie alle Taschenlampen dieser Bauform und Größe.

Fenix FD41

Im Gegensatz zu den beiden anderen Lampen wirkt die FD41 auf den ersten Blick recht unspektakulär. Das Besondere an dieser Lampe ist , dass sie über ein Fokus-System verfügt. Hier geht Fenix allerdings einen anderen Weg als die Wettbewerber. Durch Drehen des Rings unterhalb des Lampenkopfes wird der Lichtkegel verstellt. Der Ring ist recht "schwergängig", somit ist ein versehentliches Verstellen so gut wie ausgeschlossen auch wenn man die Lampe während des Light Painting in die Tasche steckt. Der Ring dreht sich um 360°, in der weitesten Stellung ist das Drehen dann spürbar etwas schwerer. Somit weiß man wo der "Anfang" ist.

In der weiten sowie in der engen Fokussierung liefert die Lampe einen sehr homogen Lichtkegel. Im mittleren Fokus-Bereich produziert sie ein deutlich sichtbares Donut-Hole, also einen dunklen Fleck in der Mitte des Lichtkegels. Das hat sicher keinen Einfluss auf die Ergebnisse im Light Painting weil der Kegel außen sauber abgegrenzt bleibt, besonders schön ist das aber trotzdem nicht. Das geht sicher besser. Da die FD41 die bisher einzige Fenix Lampe mit Fokus ist die ich in den Fingern hatte kann ich nicht sagen, ob die anderen Modelle auch Donut-Holes produzieren.

Auch die FD41 ist sehr gut verarbeitet, auch wenn mir hier der Bronze-Schalter der PD36R fehlt. ;-) Die Bedienung mit den zwei Schaltern ist genauso einfach und logisch wie bei der PD36R. Auch mit der FD41 kann man einfach und sauber Blitzen. Die hinteren Schalter sind offensichtlich identisch, jedenfalls fühlen sie sich gleich an. Auch der Seitenschalter arbeitet absolut sauber. Durch den montierten Ring liegt sie immer sicher. Wenn man allerdings den Ring entfernt sieht die Lampe irgendwie blöd aus und rollt dann lustig auf dem Tisch hin und her. Die FD41 kann man leider auch nicht auf's Hinterteil stellen.
Die Stromversorgung übernimmt hier ein 18650er Akku mit integrierter USB-Ladebuchse. 


Der Akku wurde mitgeliefert, ebenso wie, Du ahnst es sicher bereits, das gleiche kurze Ladekabel. Ob der Akku immer zum Lieferumfang gehört vermag ich nicht zu sagen. Zum Laden muss man demzufolge den Akku aus der Lampe entfernen und diesen dann einfach mit dem Kabel an ein USB-Ladegerät stecken. Der Akku hat eine Kapazität von 2600 mAh. Der Ladestrom beträgt 1 A, der Akku ist also nach ca. 2,5 Stunden voll geladen. Die Lampe lässt sich mit jedem geschützten 18650 Akku betreiben. Eine Anzeige für die Restkapazität fehlt der FD41 leider.

Die Taschenlampe wiegt inkl Akku 200 g, ist 146 mm lang und das Akkurohr hat einen Durchmesser von 25,4 mm. Mit einem Kopfdurchmesser von 40 mm passt sie gut in die Adapter von Light Painting Paradise. Um sie in den Universal Connector zu stecken muss man schon recht viel Kraft aufwenden, aber sie passt auch in diesen. In beiden Adaptern sitzt die Lampe dann fest und sicher, auch wenn sie in den Adaptern von Light Painting Paradise wegen des dickeren, stabileren Materials besser aufgehoben scheint.

 

Die FD41 arbeitet in 4 Helligkeitsstufen,  900 Lumen mit 1h 40m Laufzeit, 350 Lumen mit 3h 50m, 150 Lumen mit 10h 15m und 10 Lumen mit 150 Stunden. Die Leuchtweite ist abhängig von der gewählten Fokussierung. In der hellsten Stufe mit der engsten Fokussierung beträgt sie 340 Meter. Leider gibt Fenix für diese Lampe nicht an wie schnell sie runterregelt. Wegen des großen Kopfes und der relativ geringen Leistung dürfte diese recht moderat ausfallen. Ich werde das demnächst mal messen. 

Im Strobe leuchtet die Taschenlampe mit 900 Lumen, auch hier gibt Fenix keine Laufzeit an. Leider hat auch die FD41 keinen homogenen Strobe-Modus. Für das ein oder andere Light Painting kann man sicher auch diesen alternierenden Strobe kreativ einsetzen aber ich würde mir hier einen normalen Strobe wünschen. Mit 900 Lumen und Fokus könnte man diese Funktion sicherlich in einigen Light Painting Bildern sinnvoll einsetzen, um zum Beispiel lange Tubes damit zu beleuchten.

 

Der Preis im Fenix Onlineshop für die FD41 beträgt 84,90€. Auch auf diese Taschenlampe gewährt Fenix 5 Jahre Garantie. Wegen der guten Verarbeitung und des sehr guten Fokus-Systems ist das eine gute Investition für den Light Painter.

Fazit

positiv:

- gute Verarbeitung +++

- einfache, saubere Bedienung +++

- sehr gutes Fokus-System +++

- gutes, sauberes Lichtbild +++

- guter Preis +

negativ:

- das kurze Ladekabel -

 

neutral / Wünsche an den Hersteller:

- kein normaler Strobe

- ein zusätzlicher Ramping-Modus wäre cool

- eine elektrische Sperre wäre wünschenswert


Fenix hat hier bei allen Lampen gute Arbeit geleistet. Die Stirnlampe gebe ich nicht wieder her. Die PD36R wird ganz sicher mein neuer ständiger Begleiter.  Und auch die FD41 mit ihrem wirklich guten Fokus wird sicher bald zum Gelingen vieler Light Painting Bilder beitragen. Grundsätzlich gefällt mir, dass Fenix nicht irgendwelche schwer erhältlichen, schweineteuren Spezial-Akkus verbaut und eine lange Garantie auf die Lampen gibt. Ebenso lobenswert ist es, dass zumindest bei den ersten beiden Lampen Angaben zur Regelung in der Anleitung zu finden sind und diese recht moderat ausfällt. Wenn mir andere Hersteller Lampen mit 3000 Lumen verkaufen wollen, die im Constant Current Mode nach einer Minute nur noch mit 1200 Lumen leuchten fühle ich mich irgendwie verarscht. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

0 Kommentare

10 Fragen an...

Dennis Berka aka Ryu's Lightworks

Weiter geht's mit dem nächsten Interview. Dennis ist der Daniel Düsentrieb des Light Painting. Ohne den regen Austausch mit ihm zu den unterschiedlichsten technischen Problemen wäre ich an so manchen Aufgaben längst verzweifelt. Und ohne seine Taschenlampen, die er mir gebaut hat, hätte ich viele Bilder nicht umsetzen können. Und ein sehr freundlicher, angenehmer Mensch ist Dennis sowieso. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.

Bitte stell Dich kurz vor: (Name, Alter, Ort ...)

Hallo, ich bin Dennis Berka auch bekannt als Ryu’s Lightworks. Mittlerweile zähle ich 39 Jahre auf meiner Uhr und komme aus Recklinghausen in NRW. Das Lightpainting ist für mich ein Hobby oder auch eine Kunst bei der ich mich kreativ ausdrücken kann.

1. Wie und warum bist Du Light Painter geworden?

Das ist wahrscheinlich sogar recht ungewöhnlich. Technik und Elektronik hat mich schon immer fasziniert wodurch ich oft auch mal damit rum bastel. Vor einigen Jahren (ich glaube 5 Jahre ist das jetzt her, genau weiß ich das gar nicht mehr wann das war) habe ich also mit LEDs gespielt, z.B. eine 16x16 RGB Matrix gebaut mit Steuerung über eine Web Oberfläche. Mehr durch Zufall ist mir bei Aufnahmen dann aufgefallen, dass in einer Langzeitbelichtung solche LED Spielzeuge interessante Spuren auf dem Bild erzeugen. 


Da sowieso schon allerlei leuchtendes Zeugs auf meiner Werkbank lag, es sah vermutlich aus wie das Labor eines verrückten Wissenschaftlers (tut es immer noch) beschloss ich dann dies weiter zu verfolgen. Das Lightpainting habe ich also autodidaktisch erlernt, und weiter gemacht habe ich damit weil es mir die Möglichkeit gibt die Fantasie mit der Wirklichkeit zu verschmelzen. Als großer Fan von Fantasy und Sci-Fi Literatur ist das eine sehr verlockende Sache.

2. Was bedeutet Light Painting für Dich? Was ist Dein Antrieb?

Lightpainting ist für mich ein Hobby und eine Art meine eigenen Welten zu kreieren. Es ist eine wunderbare Kunstform, die es einem ermöglicht seine Fantasie in Fotos zu bannen und dabei mit der Realität zu vermischen. Wie schon erwähnt mag ich Fantasy und Sci-Fi sehr und das Lightpainting kann vieles was wir uns nur vorstellen können oder in Filmen mit aufwendigen Spezialeffekten produziert wird erschaffen. Mein Antrieb dabei ist die Bilder und Welten die mir ständig durch den Kopf gehen irgendwie fest zu halten oder ihnen eine physische Form zu geben.

3. Welche Ausrüstung hast Du immer dabei?

Oft packe ich schon gezielt für das was ich machen will meine Tools ein, wobei es auch da immer mehr ist als man eigentlich braucht. Aber immer dabei sind meine selbst gebauten Taschenlampen in mehreren Farbtemperatuen, Farbfilter, Acrylstäbe, das Pfeifenreiniger-Feuer-Tool und Lichtschläuche. Mit diesen Sachen kann man eigentlich schon jede Menge Effekte umsetzen. Auch seit einiger Zeit habe ich ein paar Tools von Lightpainting Paradise so gut wie immer dabei, die Farbfilter sind z.B. eine gute Alternative zu frickeligen Farbfolien die vom Wind immer in irgendwelche Büsche geweht werden. Dazu kommt dann Ausrüstung die meinem aktuellen Experimenten und Lieblingstechniken entsprechen. In letzter Zeit war es z.B. häufig ein paar Schablonen, eine schwarze Metalplatte und etwas Stahlwolle für meine Feuergolem und Feuereffekt Bilder.

4. Was war Dein bisher eindrücklichstes Erlebnis im Light Painting?

Das ist eine sehr schwer zu beantwortende Frage. Unvergesslich ist oft weniger das Lightpainting selbst sondern die Menschen und Orte die man dabei besucht. Unvergesslich sind da auf jeden Fall die Besuche in England mit Tim Gamble, Tom Hill, Chris Thompson, Phil Fischer und Kim von Coels. Ein Trip nach Spanien mit Ivan, Frodo, Iris und einigen mehr. Aber auch die Events an denen ich teilgenommen habe wie die im Volksbad Nürnberg von Lightpaiting-Helpdesk und das Light Up Berlin dies Jahr. Die für mich schönsten Momente im Lightpainting selbst waren die bei denen man die Aufnahme stoppt und erst mal mit offenem Mund vor dem Display der Kamera steht weil das Bild einfach so faszinierend geworden ist, dass man es selbst kaum glauben mag. Die beiden Bilder die mir dabei sofort einfallen ist das Flashdance Bild und das Dämon-Flügel Bild die ihr weiter unten seht. Gerade beim letzten ist direkt beim ersten Versuch einfach alles perfekt zusammen gekommen.

5. Was oder wer inspiriert Dich regelmäßig?

Inspiration kommt bei mir fast überall her. Gute Bücher die einen sowieso schon eigene Welten in den Kopf zaubern z.B. aber auch Filme oder Serien können sehr inspirierend sein. Musikvideos geben auch eine gute Inspirationsquelle ab oder einfach das aktuelle Weltgeschehen.

Es ist auch immer interessant sich mit anderen Lightpaintern zu unterhalten. Allerdings ist das für mich weniger eine Inspiration für Bildideen sondern eher dazu Techniken verfeinern oder vermischen.

6. Welches Light Painting Tool baust oder kaufst Du Dir als nächstes?

Ich warte aktuell darauf das der RVR von Sphero ankommt, das ist ein kleiner Roboter Buggy den man Programmieren und erweitern kann. Damit plane ich ein etwas größeres Projekt bei dem ich Muster auf den Boden malen kann. Aber dazu veröffentliche ich später sicherlich noch mehr Informationen wenn ich erste Ergebnisse habe ;)

Dann liegt hier noch die Acebeam W30 Taschenlampe, die ich noch ausgiebig testen will, und es sollten bald auch ein paar neue Neon LED Lichtschläuche ankommen, die recht vielversprechend sind.

Ansonsten gibt es in meinen Keller einen Schrank bei dem die Hälfte mit “zum Experimentieren” beschriftet ist... also es wird sicher nicht langweilig ;)

7. Arbeitest Du eher spontan oder planst Du Deine Bilder vorher bis ins kleinste Detail?

Das ist sehr gemischt. Bis ins kleinste Detail kann man eigentlich nie planen weil es halt immer etwas gibt, was man auf den Tag oder die aktuelle Umgebung anpassen muss. Aber meistens plane ich mittlerweile sehr viel. Wobei das kommt halt darauf an was man macht. Wenn ich für mich selbst raus gehe um ein Projekt um zu setzen dann ist das mittlerweile sehr durchgeplant. Wenn ich einfach mit ein paar anderen Lightpaintern rausgehe um ein bisschen Spaß zu haben ist es bis auf die Tools die man mitnimmt kaum geplant. Da kommen die Ideen mehr spontan.

8. Hast Du ein Konzept, einen roten Faden, für Deine Light Paintings?

Einen grundsätzlichen der sich überall durchzieht nicht. Aber ich habe sowas wie Phasen, in denen ich recht ähnliche Projekte umsetze. Das kommt manchmal durch Ideen, die ich habe und zu denen ich mehrere Sachen umsetzen will oder manchmal durch Techniken, mit denen ich gerade arbeite oder verfeinere wodurch die Projekte dann an der Technik angelehnt recht ähnlich sind.

9. Mit welchen drei anderen Light Paintern würdest Du gerne mal zusammen arbeiten?

Da ich mittlerweile schon sehr viele Lightpainter weltweit persönlich getroffen habe ist das schwer zu beantworten. Unter denen die ich schon kennengelernt habe aber noch nie zusammengearbeitet habe würde ich gerne mal mit Pala Teth in seinen Steinbrüchen arbeiten, oder mit Maria Saggese ein paar Bilder umsetzen. Von denen, die ich noch nicht persönlich kennen gelernt habe, ist glaube ich Jason Rinehart ein sehr witziger Zeitgenosse.

10. Welches sind Deine drei besten Bilder?

LightPainting
Dennis Berka - Ryu's Lightworks - Flashdance

Flashdance

Aus einem Experiment mit sehr schnellen Blitz Strobe um den Regen Effekt zu erzeugen ist diese Bildidee entstanden. Dies ist eines der Bilder die mich bis heute noch faszinieren, da es noch viel atemberaubender aus der Kamera gekommen ist als ich es mir beim Überlegen des Konzeptes vorgestellt habe. Noch heute ist es witzig wenn mich Leute dazu fragen wer das Model ist und ich erklären muss, dass die Dame eine ca 10cm große Pappfigur ist.

LightPainting
Dennis Berka - Ryu's Lightworks - Dämon im Feld

Dämon im Feld

Ein sehr neues Bild aber eines das für mich unvergesslich bleibt. Der Aufbau dafür war recht kompliziert da hier mit Schablonen, zwei Stativen und einem Objektivwechsel gearbeitet wurde. Erst hatte ich befürchtet, dass alles aufeinander auszurichten fast schon unmöglich ist, besonders da ich hier mit einem Model (Zombrina Roxx https://www.facebook.com/ZombrinaRoxxArtist/) gearbeitet habe. Aber direkt der erste Versuch hat so wunderbar gepasst, dass wir ein paar Minuten ungläubig auf das Display der Kamera gestarrt haben. Das war auch das letzte Bildkonzept an dem Abend und wir haben danach direkt zusammen gepackt weil uns klar war besser bekommen wir das eh nicht mehr hin ;)

LightPainting
Dennis Berka - Ryu's Lightworks - Erscheinung

Erscheinung

Technisch eigentlich gar nicht so perfekt geworden hat diese Bild dennoch einen hohen sentimentalen Wert für mich und das Gesamtbild hat eine starke Aussagekraft. Entstanden ist es in unserem England Urlaub bei einem sehr lustigen Abend mit Tom Hill und Chris Thompson in einem verlassenen Betonwerk.

 

Besuche Dennis hier: 


Ich danke Dennis, dass er sich die Zeit für dieses Interview genommen hat.

 

Allzeit gutes Licht
Sven

0 Kommentare

Light Painting ohne Objektiv

Refraktografie

Bei dieser fotografischen Technik wird ein Objekt, welches Licht brechen kann, vor der Kamera platziert und mit einem dünnen, hellen Lichtstrahl angeleuchtet. Der Sensor der Kamera nimmt dann diese Lichtbrechung auf. Hierbei wird die Kamera ohne Objektiv verwendet. Je nach verwendetem Material ergeben sich die unterschiedlichsten Formen. Durch Bewegung des Objektes vor der Kamera verändern sich Form, Größe und Helligkeit. 


Um ein ansehnliches Ergebnis auf den Sensor zu bekommen ist etwas Geduld und Fingerspitzengefühl nötig. Bei der kleinsten Bewegung ändert sich das Aussehen der Lichtfiguren oftmals schon sehr deutlich. Aber für verregnete Herbsttage ist das genau das Richtige wie ich finde. 

refractography light painting

Was brauche ich dafür?

refractography light painting

Zuerst einmal eine Kamera mit Wechselobjektivsystem. Das Objektiv wird für diese Art der Fotografie entfernt. Die Kamera muss in der Lage sein auch ohne Objektiv auszulösen. Bei einigen Kameras ist der Auslöser blockiert wenn kein Objektiv angeschlossen ist. Ich verwende für diese Bilder entweder meine Nikon D750 oder D300s.

Die Kamera sollte einen stabilen Stand haben, ein Stativ wäre also eine gute Idee. Als nächstes brauchst Du eine Taschenlampe. Für die Bilder in diesem Beitrag habe ich eine Convoy S2+ mit ca. 1000 Lumen benutzt. Dann brauchst du ein kleines Stück Pappe in der Größe des Lampenkopfes und etwas Gaffa-Tape

Und dann brauchst Du ein Objekt aus Glas oder Kunststoff welches Licht brechen kann. Für erste Versuche eignen sich Wein- oder Sektgläser gut.


Für die meisten Bilder in diesem Beitrag habe ich Glasbruch verwendet. Durch die vielen Bruchkanten ergeben sich mehr Möglichkeiten als mit Weingläsern oder Ähnlichem. Darüber hinaus wird mit dem Glasbruch zuweilen ein "Regenbogen" sichtbar. Mit intakten Gläsern gelang mir das bisher nicht.

 

Die "Schärfe" im Bild ist nach meinen Erfahrungen abhängig von der Qualität des Glases. Refraktografien von gutem, "sauberem" Glas sehen meist besser aus als solche von billigem Pressglas, wenn mit diesem überhaupt etwas zu sehen ist. Mit Kunststoff habe ich bisher keine Versuche gewagt, theoretisch sollte das aber ebenfalls funktionieren.

 

Wenn Du etwas Farbe ins Bild bringen willst brauchst Du noch ein paar kleine Stücken Farbfilterfolie.

Wie wird's gemacht?

Die Kamera stellst Du mit dem Stativ auf deine Arbeitshöhe ein und richtest sie halbwegs gerade aus. Vor der Kamera befestigst Du dein Objekt aus Glas, am besten so, dass es sich leicht bewegen lässt. Alternativ kannst Du alles aber auch einfach auf den Tisch legen. 

In das kleine Stück Pappe stichst Du ein kleines Loch, so ca. 2 bis 3mm groß. Mit dem Gaffatape befestigst Du die Pappe am Lampenkopf. Die Lampe befestigst Du genau parallel zur Kamera, das Licht leuchtet also vorne an der Kamera vorbei und trifft genau auf das Objekt aus Glas. Der Abstand zwischen Lampe und Glas sollte je nach Helligkeit der Lampe zwischen 2 und 5 Metern liegen.

refractography light painting

Auf keinen Fall sollte das ganze Glas hell leuchten, wir wollen ja ausschließlich die Brechungsspuren des Lichtes aufnehmen und nicht das eigentliche Objekt. Du solltest nicht auf die Idee kommen einen Laser zu verwenden. Das Licht ist viel zu hell und es besteht die Gefahr, dass der Sensor Deiner Kamera dadurch Schaden nimmt.

Jetzt schaltest Du den Live View der Kamera ein und bewegst das Objekt langsam und in kleinen Schritten vor der Kamera. Wenn Dir die Form gefällt machst Du die Aufnahme. Der ISO-Wert sollte zwischen 100 und 200 liegen. Mit der 1000 Lumen Lampe aus 3 Metern Abstand liegt die Belichtungszeit dann bei ca. 1 Sekunde. Hier helfen aber eigentlich nur Probeaufnahmen. Solange man das Glas oder die Lampe nicht bewegt bleibt das Bild gleich. Die Zeit variiert zueilen recht stark weil die Eigenschaften der verschiedenen Gläser unterschiedliche helle Muster auf den Sensor malen. 

 

Um etwas Farbe ins Bild zu bekommen scheidest Du schmale Streifen Farbfilterfolie zurecht. Diese hältst Du dann wahlweise zwischen Licht und Glas oder zwischen Glas und Kamera. Auch das erfordert etwas Fingerspitzengefühl, spätestens wenn man mehrere Farben in einem Bild verwenden will.

Refraktografie und Light Painting

refractography light painting

Man kann natürlich beeindruckende Bilder ausschließlich mit Refraktografie erschaffen. Aber wie Du im Beispielbild sehen kannst lässt sich das auch gut mit Light Painting kombinieren. Hier habe ich zuerst wie oben beschrieben die Refraktografie aufgenommen, die Taschenlampe ausgeschaltet und das Objektiv an die Kamera angeschlossen, in diesem Fall ein Helios 44-2. Danach habe ich die Kamera vom Stativ abgenommen und Freihand  das Bokeh aufgenommen. Dazu habe ich ein Bündel schwarzer Glasfasern und eine Taschenlampe im Blitzmodus benutzt. 

Denkbar sind natürlich auch Kombinationen mit anderen Light Painting Elementen, der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Du solltest allerdings darauf achten auch nur kleinste Bewegungen des Stativs oder des Glases zu vermeiden damit du das Bild bei Bedarf reproduzieren kannst.


Die Schwierigkeit liegt hier in der Planung. Man kann keine sichere Vorhersage treffen wie die Refractography aussehen wird und muss dann für das Light Painting improvisieren wenn man sieht welche Form die Refraktografie hat. Einzig die Farben kann man vorher bestimmen.

 

An dieser Stelle danke ich Rob Turney für seine Pionierarbeit. Ohne seine Bilder und seine Tutorials wäre ich vermutlich nie auf die Idee gekommen mich an der Refraktografie zu versuchen. 

http://robturneyvisuals.com/projects/refractograph/
https://lightpaintingphotography.com/light-painting-tutorials/rob-turney-refractographs/

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht.
Sven

0 Kommentare

10 Fragen an...

Tim Gamble

In letzter Zeit habe ich die Interview Serie etwas vernachlässigt. Aber heute geht es endlich weiter. In dieser Serie möchte ich Dir Light Painter vorstellen, die mich regelmäßig inspirieren, die mich mit ihren Arbeiten immer wieder beeindrucken und die Freunde sind mit denen ich gerne gemeinsam die Lampen schwinge. Wenn Du die anderen Interviews noch nicht gelesen hast findest Du diese hier:
Heinz-Jörg Wurzbacher https://www.lichtkunstfoto.de/2018/03/16/10-fragen-an/
Roland Brei https://www.lichtkunstfoto.de/2018/05/18/10-fragen-an/
Pala Teth https://www.lichtkunstfoto.de/2018/06/22/10-fragen-an/ 

Tim Gamble Light Painting fade to black light art

Beim Light Up Berlin scherzte ich mit einem befreundeten Light Painter, dass er der beste Light Painter auf der Welt sei. Ohne auch nur 1 Sekunde zu zögern sagte er: "No, it is Tim Gamble." Ich weiß nicht, ob es den besten Light Painter gibt, und vor allem finde ich es nicht wichtig der Beste zu sein. Es sollte doch im Light Painting eher um Kreativität, Spaß, Physik und vor allem um die wunderbaren Erlebnisse während der Arbeit gehen. Light Painting ist kein Wettbewerb, jedenfalls nicht für mich.

So ganz unrecht hatte der Kollege aber sicher nicht. Tim Gamble erschafft regelmäßig großartige Bilder mit zum Teil immensen, für die meisten Leute unvorstellbarem, Aufwand. 


Er hat immer wieder frische, spannende Ideen und setzt diese in ausdrucksstarken Bildern um. Egal wie verrückt und aufwändig die Idee ist, immer hat er das Ergebnis im Blick. Seine oft sehr surrealen Light Painting Bilder werden von den meisten Betrachtern sofort in die Kategorie Digital Art gesteckt, obwohl er das genaue Gegenteil davon macht. Das führte dann sogar zu einer Sperrung seines Account bei 500px, einer Plattform auf der es fast ausschließlich um das ausgefeilte Post-Processing geht und nicht um gute Fotografie. 

 

Genug gelabert, jetzt lassen wir Tim Gamble mal zu Wort kommen:

1. Please introduce yourself shortly. Name, Age and where you from etc.

 My name is Tim Gamble and I’m 41 years old from Manchester England.   

2. How and why did you start Light Painting?

I bought my first dslr (Canon 650D) to capture memories of my new-born son. I’ve always loved photography but knew nothing of manual mode so I bought a guide to digital photography book. Inside there was half a page about light painting and it sparked something inside me. After a short while on Google I found the Ball Of Light video. A 15 minute documentary which tells the story of Denis Smith and his journey from depression, debt and alcohol and his life changing discovery of Light Painting. Ever since seeing his incredible images that was me hooked and since 2013 I have light painted every week.

3. What means Light Painting for you? What is yor motivation? What drives you?

I’m motivated to light paint for many reasons, mainly the insatiable need to create. I’m not one for sitting in front of the tv so taking myself off to a dark room and creating some images is my way to unwind and de-stress. When I don’t light paint my mood worsens and life tends to get on top of me but as soon as the lights go out and my camera is sat on the tripod everything is well with the world.

4. What gear do you always carry with you?

My staple tool which I always carry with me is my camera rotation tool. Designed and created by Chris Thompson and his brother Alan. That is one tool I could not be without as it opens up so many compositional possibilities. I don’t own an auto lens as I find manual ones so much more versatile, helping me to swap lenses and change apertures mid-exposure much more easily. I also own a full set of Light Painting Brushes tools as I’m a brand ambassador for them, I don’t take them all out with me as I would need a Sherpa to carry them all but the Black Fibre Optic brush, some blades and universal connectors are always in my bag. Lastly an old pair of net curtains, used in conjunction with a universal connector, orange gel and my Ryus Lightworks modded torch I can create a beautiful fire effect with no danger of burning the model.

5. What was your most memorable Lightpainting expirience, event or moment?

My most memorable light painting experience was last year in Belgium at the Light Painters United meet up.  Meeting so many wonderful people with whom I had only ever conversed with online was a dream come true.  The locations, people and resulting images created over that weekend will stay with me forever and the hard work of the super friendly and inviting B Team is still very much appreciated.  

6. Who or what inspires you?

I draw inspiration from a great many sources. From other light painting artists, artists in other fields such as music, films, painting and advertising. Locations inspire and can have a massive impact on the final image even if it doesn’t appear anywhere in the frame. It can come from within; say an emotion I am feeling which will spark an idea or from aimless “faffing” at home which will usually give me a new effect which I will be able to implement into a shot when I’m out in the field.  

7. What is going to be the next Light Painting Tool you build or buy?

I’m currently working on a version of the Pala Teth backlight scanner which he so kindly shared with the wider community. I’m sure many people would keep such an idea to themselves but not him. A true gent and the solution to a problem which has been a headache since I started Light Painting.

8. What is your workflow? Do you work more spontaeous or do you plan out every little detail of you art?

My workflow tends to begin in my kitchen which is a sort of proving ground and a place to try different things out. A couple of weeks ago I was playing with rotating my camera around different axis which yielded a result I hadn’t seen before. The session gave me an image I was quite happy with but it didn’t look like a final image. The following week I was out with Tei in my favourite tunnel and I was able to implement the concept adding the tunnel we were in and the human form. 

9. Do you have 3 Lightpainters you would like to / dream of, to have a colaboration with?

Three light painters I would love to collab with are as follows.

Dana Maltby  (TCB)  I regularly trawl through his feed on Flickr and for me he has something special and his style has influenced me greatly along the way.  For me he is the best and top of my list of people I would love to collab with.

 

Ryan O’connell  (R Digi)  Is someone else who I would love to get together and paint with.  He has a raw and very individual style and comes across as a really top bloke.  

 

Jelle Schuurmans Is someone who I have long admired.  He has a super individual style and his sci-fi creations tick all of my boxes.

10. What are your best or most favourite 3 pictures?

Light Painting
Tim Gamble - Jurassic Shift

Jurassic Shift  -  This was shot on one of many visits to Padley Gorge with Chris Thompson.  Everything came together for this one and I can remember the sense of excitement when this popped up on the camera screen.

Light Painting
Tim Gamble - Point of no return

Point of no return  -  I shot this one with my mate Rob and was the most believable image I have created using refractographs. I  was particularly happy with his shadow which looks to be bowed on the wall behind.

Light Painting
Tim Gamble - Stormborn

Stormborn  -  I love looking back at this shot as the whole evening was perfect.  Full moon, no wind, beautiful location and awesome people.  Probably my favourite evenings light painting to date. Happy times.


 

Find Tim aka Fade To Black Light Art on:


Thank you for the interview and the inspiration mate. 

Allzeit gutes Licht
Sven

0 Kommentare

Light Up Berlin 2019

Die Light Painter kommen nach Berlin

LightUpBerlin LightPainting Berlin Event Light

Vor über einem Jahr saßen Gunnar, Marla, Erik und Sven erstmals zusammen um unsere Vision eines Treffens internationaler Light Painter zu planen. Schnell waren wir uns einig, wie die Veranstaltung gestaltet werden sollte. Auf einen Termin, den 5. Oktober 2019, konnten wir uns ebenfalls schnell verständigen. 

Wir begannen Light Painting Künstler aus der ganzen Welt einzuladen. Die meisten waren begeistert und sagten sofort ihre Teilnahme zu.

Zuerst musste ein geeigneter Ort gefunden werden, in Berlin nicht ganz so einfach. Die meisten Locations konnten wir aufgrund der Tagesmiete im fünfstelligen Euro-Bereich schnell von der Liste streichen. Einige Locations waren aus anderen Gründen ungeeignet. Mit dem Monopol fand Gunnar dann einen perfekt für unserer Veranstaltung Light Up Berlin geeigneten Ort. Der erste Kontakt mit den Leuten des Monopols war sehr angenehm und sie zeigten sich, obwohl von solcher Kunst unbeleckt, sehr interessiert und offen.


Ein Traum wurde wahr

Light Up Berlin sollte eine Mischung aus Vorträgen, Workshops, Ausstellung und Austausch Gleichgesinnter und Interessierter werden. Wir wollten auch das Interesse am Lightpainting von bisher mit dem Thema noch nicht vertrauten Menschen wecken. Auch der Nachwuchs interessiert uns sehr. Wichtig hierbei war es uns, dass der Spaß nicht zu kurz kommt, die Veranstaltung kurzweilig ist und auch dieses großartige Gemeinschaftsgefühl, welches bei vormaligen Treffen entstand, transportiert werden konnte.

 

Die Idee von Light Painting Meetups ist nicht neu, wir wollten keinesfalls die Erwartungen unserer Gäste enttäuschen. Unser Anliegen war es,  Light Painting nicht wie so oft nur in einem exklusiven, kleine Kreis auserwählter Light Painting Künstler auszuüben, sondern jeden der Interesse am Thema Light Painting hat einzuladen. 

LightUpBerlin LightPainting Berlin Event Light

Allmählich kamen unsere Gäste der Veranstaltung in Berlin an. Rob Turney und Denis Smith haben tatsächlich die weite Reise aus Australien auf sich genommen, um uns zu unterstützen. Auch Dan Chick und Reagen Nguyen kamen den weiten Weg aus Colorado. Von der großen Insel (UK) reisten Phil Fisher, Mart Barras und Tom Hill an und vom Festland des Kontinents kamen aus Frankreich, Stabeu, Mass und Dilliz, aus Belgien Palateth, aus Spanien Iris Cebrián - Shyrroii, Ivan Barco de Angelina und Vikthor Clarke, aus Portugal Natália Cerqueira. Aus Italien unterstützte und Maria Saggese, aus der Schweiz kamen Roland Brei und Marcel Kaul und aus Österreich Chris Noelle. Weiterhin wurden wir auch von deutschen Lightpaintern unterstützt, hierzu zählten Dennis Berka, "Mr. Fotobox" Bernhard Rauscher (an dieser Stelle nochmals vielen Dank für die Organisation und Ausführung), EMD unsere Lichtchefs und Jan Leonardo Wöllert. Light Up Berlin war schließlich keine etablierte Veranstaltung. Wir konnten nicht sicher vorhersagen ob 20 oder 200 Leute das Ereignis besuchen werden. 

Für die eingetroffenen Künstler arrangierten wir am Donnerstag ein kleines Rahmenprogramm als Dankeschön für Ihre Unterstützung. Nach einem Rundgang durch das Monopol gab es erstmal eine kleine Bastelstunde. Wir bauten gemeinsam Light Painting Tools aus Glas. Das war ein faszinierendes Erlebnis und die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen. Ein herzlichen Dank an Berlin Glas e.V. für diese besondere Erfahrung. 

Unweit des Monopols gibt es eine kleine Pizzeria, welche wir gern und mehrfach besuchten. Ich glaube die Kellner waren froh, als das verrückte Rudel Light Painter endlich wieder weg war. Besonders ruhig ging es nicht gerade zu, hatten wir uns doch viel zu erzählen und zu fachsimpeln. Kurze Absprachen wurden getroffen und die Veranstaltung bekam ihren letzen Schliff.

Am Freitag musste Light Up Berlin noch "aufgebaut" werden, Veranstaltungsräume herrichten, Monitore für die Galerie aufstellen und die Stromversorgung und  Beleuchtung installieren. Am Abend trafen sich Gruppen noch zum Lightpainten.

05. Oktober - es wurde ernst

LightUpBerlin LightPainting Berlin Event Light

Wir vom Organisationsteam waren sehr aufgeregt, es konnte noch so vieles schief gehen. Die erste Überraschung des Tages ließ auch nicht lange auf sich warten. Wegen des starken Regens der letzten Nacht und eines verstopften Gullys stand der Eingang zur Ausstellung unter Wasser und  die Tür lies sich nicht mehr öffnen. Unsere Gäste packten  sofort mit an, um die Probleme zu lösen. Pala Teth öffnete mit seinen übermenschlichen Kräften die Tür, Garry Krätz gelang es den Gully frei zu machen, so dass das Wasser abfließen konnte. Nun noch schnell das Wasser aus dem Vorraum der Ausstellung gefegt und schon sah es aus als wenn nie etwas gewesen wäre.


Um 12:00 Uhr trafen sich alle Helfer und Künstler zur Einweisung. Kurz darauf kamen schon die ersten Gäste. Nun lief glücklicherweise alles ohne größere Probleme, die Anspannung löste sich langsam.

Die Ausstellung

Alle Bilder der Ausstellung findest Du hier: Ausstellung. Von über 200 eingereichten Bildern wurden 83 von den 9 Kuratoren für die Light Painting Ausstellung ausgewählt. Die Bilder wurden auf 13 großen Monitoren  in einem separaten Raum gezeigt.

Während der Veranstaltung war mindestens ein Light Painting Künstler in der Ausstellung, um die Fragen der Gäste zu beantworten. Wir blickten in viele erstaunte Gesichter der Besucher, als sie realisiert hatten, dass es sich bei den Bildern um echte Fotografien handelt und nicht wie meist vermutet, um Montagen am Computer. Spätestens nach einem Besuch der Photo Booth oder einem der zahlreichen Workshops hatte niemand mehr Zweifel daran. Wir glauben, den Ein oder Anderen haben wir schon hier mit dem Virus Lightpainting infiziert.

LightUpBerlin LightPainting Berlin Event Light

Die Photo Booth

Dieser Programmpunkt wurde von Bernhard Rauscher alias Lumenman organisiert. Während der gesamten Veranstaltung konnten die Besucher Light Painting Portraits von verschiedenen Künstlern anfertigen und an der Bar ausdrucken lassen. Einige Light Painting Künstler waren so in ihrem Element, dass sie ihre Zeit "etwas" überzogen haben und mit den Nachfolgern gemeinsam aktiv wurden. Ein Portrait, welches von drei oder vier Light Paintern gleichzeitig gemalt wurde bekommt man auch nicht alle Tage.
Hier eine kleine Auswahl der Bilder:

Die Workshops

LightUpBerlin LightPainting Berlin Event Light

Viele Light Painting Künstler boten während der Veranstaltung Kurzworkshops von ein- bis eineinhalb Stunden an. Diese fanden in unterschiedlichen Räumen des Monopols statt. Der Andrang war sehr groß, meist waren viel mehr Teilnehmer am Treffpunkt als ursprünglich geplant. Die Themen der Workshops waren sehr vielfältig, von Portraits über Light Blading bis hin zu Light Painting mit Unterstützung von Virtual Reality. Das komplette Programm findest Du hier

Im Nachhinein betrachtet war das Programm vielleicht etwas zu voll gepackt. Einerseits konnten fast alle Besucher zumindest einen Workshop besuchen, andererseits musste sie sich an vielen Stellen entscheiden welchen Programmpunkt sie lieber besuchen möchten. Für das nächste Light Up Berlin werden wir sicher mehr Pausen einplanen und weniger Workshops und Vorträge gleichzeitig organisieren. 


Die Vorträge

Neben den Workshops gab es viele interessante Vorträge im "Haupthaus" dem Apparatehaus. Dafür wurden keine Plätze reserviert, jeder konnte zuhören und mitdiskutieren. Die Themen war sehr facettenreich.  Alle Referenten verstanden es das Publikum zu begeistern. Herauszustellen ist der Vortrag von Phil Fisher, der seinen Vortrag in ein zauberhaftes Deutsch übersetzte.

Für das nächste Light Up Berlin wollen wir die technischen Voraussetzungen schaffen, um die Vorträge aufzeichnen zu können und am Besten gleich als Live Stream zu senden. Es gibt sicher Light Painter, denen es leider nicht möglich war nach Berlin zu kommen und die gerne die Vorträge gehört hätten. 

LightUpBerlin LightPainting Berlin Event Light

Die Illumination

Unsere Location wurde von Garry Krätz und Heinz-Jörg Wurzbacher in das rechte Licht gerückt. Die Beiden haben jahrelange Erfahrung in der Illumination der unterschiedlichsten Gebäude. Und auch hier haben sie großartige Arbeit geleistet. Vielen Dank Jungs!

Fazit

Am Sonntag waren wir ausgelaugt aber glücklich, sehr glücklich. Die Veranstaltung lief (fast) reibungslos ab. Am Sonnabend haben wir in so viele glückliche Gesichter der Künstler und Besucher geschaut und haben viele interessante Gespräche geführt, schon allein dafür haben sich die ganzen Anstrengungen gelohnt. Auch drei Wochen nach dem Light Up Berlin haben wir immer noch nicht alle Eindrücke und Gefühle verarbeitet. 

 

Ein großartiger Tag für unsere besondere Kunstform Light Painting war der 5. Oktober 2019 auf jeden Fall. Darüber hinaus sind wir immer noch überwältigt so viele passionierte, freundliche, gut gelaunte Light Painter und Lightpainting - Interessierte wieder getroffen bzw. kennengelernt zu haben. Diesen besonderen Tag werden wir nie vergessen.

DANKE - THANKS - MERCI - GRACIAS - GRAZIE  - OBRIGADO

Zuerst möchten wir uns beim Organisations-Team bedanken. Ohne die perfekte, absolut professionelle Zusammenarbeit hätten wir das Ding ganz sicher nicht gerockt. Danke Erik. Danke Gunnar. Danke Dominic. Danke Natalia und Danke Matti. 

 

Die Künstler - ohne euch hätte es Light Up Berlin niemals gegeben. Ihr habt zum Teil unvorstellbare Entfernungen zurück gelegt um dabei zu sein. Wir vermissen Euch schon jetzt und hoffen Euch bald wieder zu sehen.

 

Ohne die vielen fleißigen Helfer hätten wir die Veranstaltung nicht reibungslos über die Bühne bekommen. Vielen Dank an Euch alle.

 

Vielen Dank an die Supporter, vor allem an Wolfgang, Karin und Manuel, die uns zusätzlich beim Event tatkräftig unterstützten.

 

Ein besonderer Dank geht an das Monopol, dass ihr eure Türen für Light Up Berlin geöffnet habt und uns bei der Veranstaltung unterstützt habt. 

 

Und natürlich danken wir allen Besuchern.

 

Bis zum nächsten #LightUpBerlin allzeit gutes Licht
Sven und Marla

1 Kommentare

Light Painting mit Altglas

Neue Möglichkeiten mit alten Objektiven

Die allermeisten neueren Objektive sind auf die bestmögliche Abbildungsqualität optimiert und vollgestopft mit Elektronik, zumindest die etwas besseren und teureren. Sie haben eine hohe Auflösung, die Helligkeit ist im gesamten Bild annähernd gleich,  sie sind relativ unempfindlich für Gegenlicht usw. 

Light Painting Light Art Photography Helios 44

Was den neuen Hightech Linsen allerdings meist fehlt ist Charakter, genau wie der Fotografie im Allgemeinen immer mehr die Seele verloren geht. Da zählt die höchste Auflösung und das ausgefeilte Post Processing mehr als das eigentliche Bild. Viele Fotografen verlieren immer mehr den Blick für das Wesentliche und konzentrieren sich bei ihrer Arbeit hauptsächlich auf irgendwelche technischen Parametern und das Zählen der Pixel.

 

Manchmal gibt es allerdings auch noch den ein oder anderen Lichtblick wie das World Press Photo 2015Dieses Bild ist "technisch" eine Katastrophe, unscharf, verrauscht, der Kopf des Protagonisten angeschnitten usw. Allerdings nimmt dieses Bild trotz, oder vielleicht sogar wegen der technischen Mängel, den Betrachter sofort mit in die Szene und in das Thema. 


Bei der Arbeit mit alten, "unperfekten", manuellen Festbrennweiten gelingt es oftmals viel einfacher sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Für ein gutes Bild braucht man keine 50 Megapixel. Für ein gutes Bild braucht man kein Objektiv mit einer Auflösung von 85 lp/mm. Für ein gutes Bild braucht man kein ausgefeiltes Post Processing.  Für ein gutes Bild braucht man eine gute Idee und gutes Licht... und manchmal ein wenig Glück. 

 

Es ist für 99,99999% aller Bilder völlig egal ob das Objektiv bei offener Blende bis in die Ecken scharf abbildet und keine Vignette zeigt. Was gibt es denn in den Ecken der allermeisten Bilder Wichtiges zu sehen? Genau, gar nichts. Durch Unschärfe und Vignette wird der Blick des Betrachters auf das eigentliche Motiv, welches meist eher in der Bildmitte ist, gelenkt.

 

Wozu brauch ich im Jahr 2019 Objektive mit Blende f1,8 oder sogar noch größer?  In der analogen Fotografie hatten solche Objektive in vielen Bereichen, wie zum Beispiel der Konzertfotografie, ihre Daseinsberechtigung. Da konnte ich dann anstatt des sehr grobkörnigen Films mit ISO 3200 den gefälligeren Film mit ISO 800 in die Kamera einlegen. Und auch an den ersten digitalen Kameras waren sehr lichtstarke Objektive noch nützlich. Da war nämlich meist bei ISO 3200 Schluss und die Bilder mit ISO 3200 waren oft aufgrund des starken Bildrauschens unbrauchbar. Aber heutzutage sind lichtstarke Objektive eigentlich unnötig. Mit der Nikon D750 kann ich mit ISO Werten von 6400 oder auch noch höher sehr brauchbare Bilder aufnehmen. Durch den hohen Dynamikumfang moderner Sensoren kann man darüber hinaus auch noch sehr viele zunächst unsichtbare Informationen während des Post Processing aus dem RAW-Bild heraus kitzeln.

Ach ja, da war ja noch was... "Freistellen". Portraits, die mit einer 85 mm Linse bei f1,4 aufgenommen wurden gefallen allerdings meist nur dem Besitzer der teuren Linse. Der normale Betrachter findet das Portrait besser wenn nicht nur die Wimpern des linken Auges der hübschen Dame scharf abgebildet werden. Und, um die Dame vor dem Hintergrund freizustellen genügt bei 85 mm Brennweite Blende f2,8 ganz locker. Aber f1,4 klingt natürlich ähnlich beeindruckend wie eine Leistung von 500 PS im Personenkraftwagen. Aber letztendlich bin ich mit dem 190 PS Toyota meist genauso schnell am Ziel wie der Porsche wenn ich 300 Kilometer durch Deutschland fahre. 

Einzig in der Astrofotografie kann man dann mit der größeren Blendenöffnung trotz sehr hoher ISO-Werte vielleicht noch den ein oder anderen Himmelskörper mehr auf den Sensor bannen als mit f2,8. 

 

Im Light Painting brauche ich ohnehin keine Objektive mit f1,8 oder f1,4. Da wäre bei den allermeisten Bildern die Gefahr viel zu groß, dass die Lichtspur ausbrennt. Bei den meisten unserer Light Painting Bilder steht der Blendenring auf Werten zwischen 5,6 und 16.  Manchmal öffne ich am Ende der Performance die Blende auf 2,8 oder auch 2 um schwaches Restlicht in relativ kurzer Zeit mit aufzunehmen. 

"Analoge" Objektive an digitalen Kameras?

Wenn ich jedes mal 1 Euro für den Spruch "Ein altes analoges Objektiv kann man an der Digitalkamera nicht verwenden" bekommen hätte, wäre ich reich, sehr reich. Dass der Verkäuferdarsteller im blöd ist geil Laden solche Unwahrheiten verbreitet ist ja die eine Sache, der will schließlich etwas verkaufen und dem ist das meist auch völlig Schnuppe ob der beglückte Kunde nächste Woche wiederkommt. Wenn allerdings Fachverkäufer im Fotofachgeschäft so etwas von sich geben und der angehende ambitionierte Hobby-Fotograf das glaubt und nachplappert finde ich das sehr bedenklich. 

Auch ohne Abitur-Leistungskurs Physik dürfte wohl jedem klar sein, dass ein Objektiv immer analog ist. Vorne fällt Licht ein, hinten kommt es wieder raus. Im Weg, den das Licht zurücklegt, liegt ausschließlich Glas, egal wie viel elektronischer Schnickschnack ansonsten im Gehäuse des Objektivs verbaut ist. Fast jedes Objektiv lässt sich an fast jeder digitalen Kamera mit der Möglichkeit zum Wechsel des Objektivs benutzen. In manchen Fällen ist das ganz einfach, zuweilen etwas schwieriger. 

 

Einzig auf den Autofokus muss ich bei den ganz alten Linsen verzichten. Mir fällt das nicht sonderlich schwer. Die wenigsten Objektive in meinem Fotorucksack verfügen über einen Autofokus, auch neue Objektive wie das Laowa 12/2,8, das 8mm Fisheye oder das Samyang 14/2,8 werden komplett manuell gebaut. Auch Hersteller sehr hochwertiger Objektive wie Zeiss bauen fast alle Objektive auch heute noch ohne Autofokus. Der Grund dafür ist sicher nicht an den Produktionskosten zu sparen. In sehr vielen Situationen funktioniert der Autofokus eben nicht so zuverlässig wie die Fokussierung mit der Hand. Wenn ich manuell fokussiere konzentriere ich mich viel mehr auf die Arbeit, ich werde vom Knipser zum Fotograf.

Außerdem begann meine Karriere als Fotograf vor der Erfindung des Autofokus. Und selbst nach der weiten Verbreitung dieser Funktion in den 1980er Jahre benutzte ich die alten Kameras und Objektive weiter. Wer allerdings bisher ausschließlich mit Autofokus gearbeitet hat dürfte sicher einige Zeit zum Üben benötigen um auch ohne automatische Fokussierung schnell und präzise scharf zu stellen. 

Objektive mit dem gleichen Objektivanschluss

Das Nikon F-Bajonett wurde 1969 eingeführt und seitdem, von der Einführung elektronischer Verbindungen zwischen Kamera und Objektiv abgesehen, nicht verändert. Jedes Objektiv mit F-Bajonett kann ich also an die neue D750 stecken, egal ob die Linse ebenfalls neu oder 50 Jahre alt ist. Durch die fehlenden elektrischen Kontakte des Objektivs von 1972 funktionieren einige Dinge, wie zum Beispiel die Übertragung der Daten zur eingestellten Blende und zur Entfernung zum Motiv, nicht. Ebenso fehlt die Möglichkeit die Blende elektronisch über die Kamera zu steuern. Gerade für die Arbeit im Light Painting spielt das allerdings keine Rolle weil die Kamera ohnehin im manuellen Modus betrieben wird. Ich stelle die passende Blende am Blendenring des Objektivs ein, fokussiere mit der Funktion Live View manuell und die Belichtung steht auf "bulb" oder "time". 

Auch die Anschlüsse anderer Kameras wurden vor vielen Jahren eingeführt, das L-Bajonett von Canon zum Beispiel im Jahr 1984. Auch hier gibt es also eine große Auswahl an alten, gebrauchten, preisgünstigen Objektiven. Sehr viele alte Objektive wurden komplett aus Metall hergestellt und sind von ausgezeichneter mechanischer Qualität. Ein russisches Objektiv aus den 1970er Jahren wird mechanisch bei halbwegs pfleglichem Umgang noch weitere 30 Jahre seinen Dienst versehen. 


Von links oben nach rechts unten: Soligor 135mm/f2,8 Nikon F - Meyer Optik Görlitz Figmentum 85mm/f2 Nikon F - Meyer Optik Görlitz Figmentum 35mm/f2 Nikon F - Helios 44-2 58mm/f2 M42 - Pentacon 29mm/f2,8 Exa - Mir 1b 37mm/f2,8 M42 - Soligor 25mm/f2,8 Nikon F - Meyer Optik Görlitz Lydith 30mm/f3,5 M42 - Helios 44-2 58mm/f2 (modifiziert) M42

Objektive mit "Fremdanschluss"

An Systeme wie Sony E oder auch dem neuen Nikon Z ist es recht einfach auch fremde Objektive mithilfe eines passenden Adapters anzuschließen. Bei Nikon F wird es wegen des geringen Auflagemasses etwas schwieriger. Unmöglich ist aber die Adaptierung von Altglas auch hier nicht. Um mit dem Fremd-Objektiv bis Unendlich fokussieren zu können benötigt man einen Adapter mit Korrekturlinse. Das ist nicht besonders elegant und mit einigen Einschränkungen verbunden. Je nach verwendeter Brennweite kann ich dann zwar bis Unendlich fokussieren aber es verändert sich die Nahstellgrenze. Wenn es auf die Beibehaltung der Nahstellgrenze ankommt empfiehlt es sich einen Adapter ohne Korrekturlinse zu verwenden.

Für fast alle aktuell verwendeten Anschlüsse und viele alte Anschlüsse wie M42 oder M39 sind Adapter erhältlich. Rein mechanische Adapter kosten nur einige wenige Euro. Adpater mit Korrekturlinse für Nikon F sprengen auch kein großes Loch in die Geldbörse. Ich habe letztens einen solchen Adapter für 12€ gekauft. 

Wieso Altglas?

Die Gründe für die Verwendung von alten, manuellen Objektiven im Light Painting, oder auch in der Fotografie allgemein, können vielfältig sein:

- Das ein oder andere Objektiv hat man vielleicht noch aus Zeiten der analogen Fotografie in der Schublade. Oder man hat es geerbt oder geschenkt bekommen.

- Die meisten alten Linsen fühlen sich viel besser an als die neumodischen, klapprigen Objektive aus Kunststoff. Die Gehäuse, sowie die Mechanik sind komplett aus Metall gefertigt. Blendenring und Fokus laufen im Idealfall butterweich und sitzen perfekt auf den Punkt.

 - Auch wenn man die alten Objektive heute kauft muss man gewöhnlicherweise kein Vermögen dafür ausgeben.

- Weil die Objektive alle über einen Blendenring verfügen ist es möglich die Blende auch während der Belichtung zu verstellen. Die allermeisten modernen Objektive, gerade Zoom-Objektive,  haben keine Blendenringe mehr.

- Die Abbildungsleistungen sind oftmals viel besser als man für die geringen Preise erwarten würden. Besser als das Kit-Objektiv mit dem großen Zoom-Bereich sind sie in jedem Fall.

- Die meisten oben abgebildeten Objektive zaubern ein sehr schönes bzw. sehr besonderes Bokeh ins Bild. Das Bokeh vieler moderner Objektive ist hart und nicht besonders ästhetisch. Somit eröffnen sich viele neue Möglichkeiten im Light Painting. Einige, weiter unten gezeigte, Light Painting Bilder bestehen ausschließlich oder zu einem großen Teil aus Bokeh.

Welche Objektive sind besonders für Light Painting geeignet?

Helios 44-2 - mehr Bokeh geht kaum

Brennweite 58mm, größte Blende f2, Bildwinkel 40°, Nahstellgrenze 50 cm, Anschluss M42, Markteinführung 1951 als Helios 44, 8 Blendenlamellen, Gewicht 230g. Verbaut sind 6 Linsen in 4 Gruppen.

Bis heute wird das Objektiv mit leichten Veränderung vom russischen Hersteller KMZ  als Nachbau des Zeiss Biotar 58/2 gebaut. Ich weiß nicht wie viel Millionen Exemplare dieses Objektivs bisher gebaut wurden, einen Engpass gibt es jedenfalls nicht. Zu Preisen um 50€ findet man jederzeit bei ebay mehrere Exemplare in sehr gutem Zustand. Die Unterschiede zwischen den vielen verschiedenen Versionen (ich glaube, es sind sieben) sind teilweise nicht nur äußerlicher Natur. Es gab Exemplare mit 13 oder auch nur 6 Lamellen, das wirkt sich auf jeden Fall auf das Aussehen des Bokehs aus. Die beiden oben im Bild zu sehenden 44-2 haben unterschiedlich große Gehäuse. Aus diesem Grund konnte ich bei dem kleineren die Frontlinse nicht umdrehen. Dazu gleich mehr.

Mechanisch sind alle Exemplare, die ich bisher in den Fingern hatte, wirklich gut. Alles läuft butterweich. Offensichtlich gibt es aber auch Exemplare die etwas schwergängig sind, die Qualitätskontrolle bei der Fertigung scheint nicht die höchste Priorität gehabt zu haben.


Das quallenartige Bokeh wurde mit dem modifizierten Helios 44-2 aufgenommen. Ich habe sowohl das Frontelement als auch das hintere Element gedreht. Das geht bei diesem Objektiv denkbar einfach. Beide Elemente werden von außen mit einem Ring gehalten. In den Ringen sind zwei kleine Kerben. Mit einem Metalzirkel oder einer dünnen, spitzen Schere dreht man den Ring raus, dreht das optische Element um und schraubt dann den Ring wieder fest. Zweckmäßigerweise sollte man fusselfreie Baumwollhandschuhe dabei tragen damit keine Fettfinger auf die Gläser gelangen. Wenn das Objektiv schon mal geöffnet ist kann man bei der Gelegenheit auch gleich mal den Staub aus dem Inneren blasen. Bei härteren Fällen kann man auch den Rest des Objektives recht einfach  zerlegen und alles reinigen und gängig machen. Das Helios ist sehr wartungsfreundlich weil es sich eben einfach öffnen und schließen lässt und keine Elektronik verbaut ist.

 

Wie bereits oben erwähnt funktionierte der Umbau bei einem der beiden Exemplare nicht. Die Unterschiede sind recht leicht auszumachen. Bei der Version mit der Seriennummer auf dem Ring der Frontlinse funktionierte der Umbau. Bei der Version mit der Seriennummer auf dem Gehäuse des Objektivs konnte ich das Frontelement nicht drehen. Einige Kollegen haben neuere Varianten wie Helios 44M oder 44M-4 ohne Probleme modifiziert. Allerdings haben die Versionen 44M-4. 44K-4, 44M-5, 44M-6 und 44M-7 nur 6 Blendenlamellen und erzeugen somit ein weniger beeindruckendes Bokeh als die alten 44, 44-2 und 44M. Das Helios 44-7 hat eine Vorwahlblende und somit ein komplett anderes Gehäuse. Ob sich bei dieser Version das Frontelement drehen lässt vermag ich nicht zu sagen. Ich freue mich auf Deinen Kommentar wenn Du solch ein Exemplar besitzt und erfolgreich modifiziert hast.

Мир 1в (Mir 1b) - noch ein Objektiv mit sehr besonderem Bokeh

Brennweite 37mm, größte Blende f2,8, Bildwinkel 60°, Nahstellgrenze 70cm, Anschluss M42, Markteinführung 1954, Nachbau des Zeiss Flektogon, 10 Blendenlamellen, 6 Linsen in 5 Gruppen, Gewicht 185g.

Auch bei diesem Schmuckstück habe ich sowohl das vordere als auch das hintere Element gedreht. Das gelingt genauso leicht wie beim Helios. Das Bokeh sieht zwar anders aus, aber die Sogwirkung ist ähnlich stark wie beim umgebauten Helios.

 

Mechanisch ist, zumindest mein Exemplar, über jeden Zweifel erhaben. Alles läuft butterweich, nichts hat Spiel. Das Mir 1b ist allerdings nicht so leicht erhältlich wie das oben erwähnte Helios. Die meisten bei ebay angebotenen Objektive dieses Typs kommen aus Russland oder der Ukraine. Neben dem Preis von 70 bis 90€ kommen noch 15 bis 20€ Versandkosten dazu. Ein Besuch beim Zollamt bleibt dem Käufer sicher auch nicht erspart. Auf den Gesamtpreis kommen dann noch 19% Einfuhrumsatzsteuer hinzu. 

Mit ein wenig Glück findet man einen Verkäufer im Baltikum, dann bleibt man zumindest vom Zoll und 19% Aufpreis verschont.


Meyer Optik Görlitz Lydith 30/3,5 (alt)

Brennweite 30mm, größte Blende 3,5, Nahstellgrenze 33cm, M42 Anschluss , 10 Blendenlamellen, 5 Linsen, Gewicht 183g, Markteinführung 1964.

Dieses Objektiv baut die Firma Meyer Optik Görlitz seit einiger Zeit wieder. Es ist für 599€ auf der Website des Herstellers erhältlich. 

Hier geht es allerdings um die alte Version aus der DDR. Diese ist bei ebay zu Preisen ab 30€ in recht großer Stückzahl erhältlich. Neben Meyer Optik hat die Firma Pentacon das gleiche Objektiv gebaut. Ob es zwischen den beiden Varianten irgendwelche Unterschiede gibt vermag ich nicht zu beurteilen. Ich halte das aber für recht unwahrscheinlich. 

Für den recht schlanken Preis bekommt man das für Meyer Optik typische wunderschöne Seifenblasen-Bokeh und auch ansonsten ein sehr brauchbares Arbeitsgerät. Das Teil macht zwar nicht ganz so einen robusten Eindruck wie die aus einem Stück gefeilten Objektive aus der Sowjetunion, aber gut verarbeitet ist es auf jeden Fall. 

 

Das von mir ebenfalls gerne verwendete neue Figmentum 35/2 ist optisch kaum vom alten Lydith zu unterscheiden. Aus diesem Grund verkneife ich mir einen eigenen Abschnitt zu diesem Objektiv.


Soligor 25/2,8

Brennweite 25mm, größte Blende 2,8, Gewicht 225g., Nahstellgrenze 30cm, 8 Blendenlamellen, Anschluss Nikon F.

Über dieses Objektiv findet man kaum Informationen. Ich weiß nicht wann es gebaut wurde, vermutlich in den 1970er Jahren. Und wenn man nicht viele Informationen findet, ist das Objektiv auch nicht an jeder Straßenecke zu bekommen. Ich habe gerade bei ebay geschaut; es wird genau ein Exemplar zum Preis von 129€ angeboten. Für meins hatte ich 57€ gezahlt. Dieser Preis ist mehr als angemessen. Das Soligor kann locker mit anderen Objektiven wie dem viel teureren Nikkor 24/2,8 aus Kunststoff mithalten. Im Gegensatz zum Nikkor ist diese Linse auch gut für die Infrarot-Fotografie geeignet.

 

Gebaut wurde das Soligor auch mit M42 Anschluss, dieses lässt sich dann, so wie die anderen Linsen oben, mittels Adapter am modernen Spiegelreflexboliden oder der modernen Systemkamera montieren. 

 

Im Bereich Light Painting ist das eine sehr interessante Brennweite und die optische und mechanische Qualität ist sehr gut.  


Was steht noch auf dem Wunschzettel?

-Cyclop 85mm/f1,5. Bisher konnte ich kein Exemplar dieses Monsters für unter 200€ finden. Wenn ich der klassische Porträtfotograf wäre, hätte ich mir auch für 300€ schon längst solch ein Teil gekauft. Aber für den gelegentlichen Einsatz im Light Painting will ich eigentlich nicht mehr als 100€ ausgeben.

- Meyer Optik Görlitz Oreston 50mm/f1,8. Diese Linse wird eine der nächsten Anschaffungen werden, bei ebay stehen recht viele zu Preisen ab 40€ zum Verkauf.

- Meyer Optik Görlitz Trioplan 100mm/f2,8. Davon hätte ich schon gerne eins, allerdings bin ich nicht bereit einen Betrag im mittleren dreistelligen Eurobereich dafür auszugeben. Diese Brennweite kann man im Light Painting kaum sinnvoll einsetzen, aber ein feines Objektiv ist das schon.

- Meopta Belar 50mm/f4,5. Dieses Objektiv ist eigentlich nicht für die Verwendung an einer Kamera vorgesehen. Es handelt sich um ein Objektiv für Vergrößerungsapparate. Das Teil hat nur 4 Blendenlamellen, bei f5,6 erzeugt dieses Schmuckstück quadratisches Bokeh. Diese Objektive sind für den schmalen Taler erhältlich, allerdings habe ich bisher keine vernünftige Lösung gefunden wie ich das Teil an die Nikon adaptieren kann. Das Anschlussgewinde ist 23,5 mm. Objektive für Vergrößerungsapparate haben keine Fokussierung. 

Links

Adapter:

Fazit

Für viele Fotografen sind alte Linsen, vor allem das modifizierte Helios 44-2, nicht mehr als ein Spielzeug. Der Effekt kann in klassischen Portraits oder Makro-Blümchen-Fotos auch ziemlich schnell ziemlich überstrapaziert werden. Im Light Painting allerdings verschaffen die alten Linsen dem Light Painter neue, interessante Möglichkeiten, gerade in Kombination mit anderen Techniken und dem Wechsel des Objektivs während der Belichtung sind der eigenen Kreativität kaum Grenzen gesetzt. 

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Spaß mit dem Altglas und allzeit gutes Licht
Sven

0 Kommentare

Instagram? Nein Danke!

Warum ich meinen Instagram Account gelöscht habe

Instagram war ja noch nie wirklich cool. Und vor Allem war Instagram noch nie geeignet um einem interessierten Publikum seine Kunst zu präsentieren. Instagram ist kurzlebig, Instagram ist oberflächlich. Was habe ich denn von den Likes bei Instagram? Richtig, ganz genau gar nichts. Die Hälfte der Likes stammt von irgendwelchen Robotern, 40% der Likes stammen von irgendwelchen Leuten die 3 Sekunden später vergessen haben, dass sie das Bild gesehen und "geliked" haben. Und die restlichen 10% der Likes stammen von Leuten, denen meine Bilder tatsächlich etwas bedeuten. 99% dieser Leute haben das Bild allerdings vorher schon woanders gesehen.

Andersrum sieht es nicht besser aus. Ich habe bei Instagram keine interessanten Light Painting Künstler entdeckt, die ausschließlich auf dieser sinnbefreiten Plattform unterwegs sind,  jedenfalls erinnere ich mich jetzt grad an keinen.

 

Die Zeit, die ich täglich dort verplempert habe hielt sich in Grenzen, mehr als 30 Minuten werden es wohl nie gewesen sein. Aber diese 30 Minuten kann ich auch mit etwas Sinnvollem verbringen, wie zum Beispiel mit dem Schreiben dieses Artikels oder der Umsetzung dieses Light Painting Bildes hier.

Light Painting

Problem Nummer Eins - Zensur

Light Painting

Ein Bild wie dieses könnte ich bei Instagram nicht zeigen. Vermutlich würde es nur 10 Minuten dauern bis irgendein Wichtigtuer das melden würde und Instagram das Bild und mich sperren würde. OHH MEIN GOTT - TITTEN! Mach schnell weg, das ist gefährlich! Da werden dann auch schon mal Bilder der Meerjungfrau-Statue in Kopenhagen gesperrt. Im Gegensatz dazu finden die Heuchler Hass und Gewalt ganz und gar nicht gefährlich, so etwas darf man dort ohne Zensur posten. Mir wird sich nie erschließen warum die Darstellung nackter Körper gefährlich sein soll. Und warum nackte Oberkörper von Männer geduldet werden und die von Frauen nicht. 

Recht befremdlich finde ich es, wenn die Künstler ihre Bilder selbst zensieren indem sie lustige Sternchen oder Streifen im Post Processing über die Nippel malen. Was soll dieser Quatsch? 


Beim Eigentümer Facebook selbst sieht es zwar nicht anders aus, allerdings will Facebook keine ausschließliche Plattform für Fotografie / Kunst sein. Bescheuert und heuchlerisch ist aber natürlich auch das. 

 

Genauso unverständlich ist für mich das Filtern des Streams. Wieso meint ein Algorithmus genau zu wissen was ich sehen will und was nicht? Das kann der doofe Computer gar nicht wissen weil er eben doof ist wie 'ne Scheibe Schwarzbrot. Da sehe ich also anstatt interessanter Light Painting Kunstwerke der geschätzten Kollegen irgendwelchen belanglosen Dreck wie zum Beispiel: 

Problem Nummer Zwei - Werbung

Dieses Problem habe ich erst seit letztem Jahr. Davor waren alle meine Mobiltelefone gerootet und somit werbefrei. *Notiz an mich selbst: Telefon rooten und Adblocker installieren.*  Bei Facebook wird man vermutlich genauso mit Werbung vollgeballert, das benutze ich allerdings meist am Computer, dort sehe ich ebenfalls keine Werbung. 

Grundsätzlich könnte ich es sicher tolerieren gelegentlich eine dezente Werbeanzeige angezeigt zu bekommen. Wenn ich allerdings innerhalb von 3 Minuten 3 Mal die gleiche bescheuerte Werbeanzeige für ein beknacktes Computerspiel angezeigt bekomme ist sofort Schluss mit Instagram. Die Werbedichte wurde, zumindest bei mir, in letzter Zeit massiv erhöht. Nach 3 Bilder wurde eine Werbung in den Stream geschleust. Wer soll so etwas aushalten? Ich jedenfalls nicht.

Problem Nummer Drei - Einschränkung der Reichweite

Wie bereits oben erwähnt filtert Instagram den Stream. Die Reichweite meiner Beiträge wird also künstlich eingeschränkt. Nicht alle meiner Follower bekommen den Beitrag zu sehen. Wie stark diese Einschränkung ist variiert. In der Hoffnung, dass ich endlich Geld bezahle damit mein Beitrag viele Likes bekommt wurde in letzter Zeit die Reichweite immer weiter künstlich eingeschränkt. 

Das mag mit like-geilen, unterbelichteten Teenagern die mit dem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen sind funktionieren aber doch nicht mit erwachsen Männern. 
Ich investiere doch kein Geld in diese merkwürdige Plattform wenn nicht die geringste Chance besteht auch nur einen einzigen Cent dort zu verdienen. Ich hatte das vor einigen Jahren mal mit einem Gutschein im Wert vom 10€ bei Fratzenbuch versucht. Diese Werbeanzeige hat genau gar nichts gebracht. Und das, obwohl ich bei FB im Gegensatz zu Instagram Links einbinden kann.

Problem Nummer vier - Bildgröße und Seitenverhältnis

Light Painting

Viele Light Painting Bilder funktionieren nicht auf dem kleinen Display des Smartphones. Vielen Bildern bekommt der quadratische Schnitt nicht gut. Bei der Arbeit an meinen Bildern denke ich in den allermeisten Fällen im Sensorformat, also 3:2. Die nachträgliche Änderung ist dann immer nur ein mehr oder weniger guter Kompromiss. Das natürliche Blickfeld  des Menschen ist nicht quadratisch, sonder eher 3:2 oder 16:9.

Bei den Instagram-Junkies mag das sicher anders aussehen. Vermutlich ist ihnen von vornherein klar, dass das Ergebnis im Format 1:1 dargestellt werden soll.


Seit einiger Zeit kann man zwar die Bilder auch in anderen Formaten bei Instagram posten, aber ein wirklicher Gewinn ist das nicht weil die dargestellte Bildfläche noch kleiner wird. Wichtige Details gehen dabei meist verloren. Man  könnte sich die Bilder zwar auch auf dem Rechner etwas größer ansehen, aber ich denke, das macht kaum jemand.

Instagram bringt keinen Nutzen...

... zumindest, wenn es darum geht die Mitmenschen für die eigene Kunst zu begeistern. Die Reichweite bei Instagram ist völlig bedeutungslos. Egal ob 150, 15000 oder nur 15 Leuten mein Bild gefällt, die wenigsten Likes sind echt. Entweder sind sie von irgendwelchen Robotern generiert oder von Mitmenschen, die sich erhoffen als Gegenleistung selbst ein Like zu bekommen. Wie viele meiner zuletzt 1500 Follower "echt" waren und meinem Stream folgten weil sie tatsächlich die Bilder sehen wollten kann ich natürlich nicht empirisch belegen, mit ein wenig Wohlwollen werden es wohl nicht mehr als 10% gewesen sein. Es geht mir dabei auch nicht nur um meine Befindlichkeiten, der gesamten Light Painting Szene nutzt dieser aufgeblasene Blödsinn meiner Meinung nach ebenfalls sehr wenig, Zur Steigerung der Popularität und Akzeptanz dieser besonderen Kunstform trägt Instagram nicht bei. Im besten Fall wurde mein Stream mit immer mehr Stahlwolle -oder ewig gleichen Tube-Bildchen überschwemmt. Meinen Ansprüchen genügt es vollkommen diese Bilder einmal zu sehen. Eine große Reichweite bekommen dort nicht die wirklich großartigen, kreativen Light Paintings sondern eher das fünf tausendste langweilige Bild der Stahlwolle-Schwinger.

 

Aber vielleicht fehlt mir einfach nur der Weitblick. Für viele Instagramer scheint dieses Getue dort so wichtig zu sein, dass sie Geld ausgeben und viel Zeit auf Instagram verbringen um immer mehr Follower und Likes für ihren mittelmäßigen Content zu bekommen. Diese Menschen sind so seltsam uneitel, dass für sie nur die Zahlen zählen und nicht die Qualität ihrer Bilder. Für mich ist das völlig unverständlich. 

Gibt es Alternativen zu Instagram?

Wenn ich das auf das Thema Light Painting beschränke gibt es seit einigen Tagen eine gute Alternative, den Stream in der LightPainters.com App. Die App steckt noch in den Kinderschuhen hat aber sicher ein großes Potential. Von den Einschränkungen der Anzeigegröße ist diese App aber genauso betroffen. Hier hilft aber ein Besuch der Website, auf dieser wird der Stream ebenfalls dargestellt. 

 

Ansonsten bleibt mir noch der Verweis auf flickr. Flickr fehlt zwar der Coolness-Faktor, aber dafür bleibe ich dort von den ganzen oben genannten Unzulänglichkeiten verschont. Dort sind kein like-geilen Teenager und Roboter unterwegs, ich muss keine Werbung sehen, meine Reichweite wird nicht eingeschränkt usw. Und nicht zu vergessen die sehr aktiven Light Painting Gruppen, die es seit sehr vielen Jahren bei flickr gibt. Gruppen wie Light Junkies haben enorm die Popularität der Kunstform Light Painting gefördert. Ohne diese Gruppen würde es vermutlich heute nicht einmal halb so viele Light Painter auf der Erde geben. Und dafür bezahle ich gerne ein paar € für meinen Pro-Account. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

1 Kommentare

X21R - Lohnt sich die Neue für den Light Painter?

Light Painting mit dem 5000 Lumen Schwergewicht

5000 Lumen? Da zuckt der Profi im Jahr 2019 nur müde mit den Schultern. Da geht heutzutage schon mehr... viel mehr, wie Taschenlampen, wie die letztens gesteste Sofirn SP36, oder auch die Imalent DX80 zeigen. Letztere ballert mit den 8 verbauten Cree XHP70.2 Led's  32000 Lumen aus dem kleinen Lampenkopf, also soviel Licht wie ZEHN Led Lenser X21R.2 zusammen. Und wem das immer zu wenig ist: Imalent MS12.

Aber hohe Zahlen bei der Angabe des Lichtstroms sind nicht alles. Im Light Painting interessieren mich auch noch einige andere Aspekte wie Handhabung, Verarbeitungsqualität, Laufzeit, Betriebstemperatur, Form und Größe des Beams, Lichtfarbe, Größe, Gewicht, Preis usw. 

 

Dann schauen wir uns die neue Led Lenser X21R mal genauer an:

Light Painting Taschenlampe
Led Lenser X21R.2 und X21R (neu)

Warum Fokus?

Light Painting

Einige geschätzte Light Painting Kollegen und vor allem die Taschenlampen-Profis belächeln einen zuweilen wenn man mit einer Led Lenser Lampe unterwegs ist. "Mit einem Thrower und einem Flooder brauch ich keinen Fokus" höre ich häufiger. Zwei gute, helle Lampen, eine mit weitem und eine mit engem Lichtstrahl, sind dann meist auch viel kleiner, leichter und zuweilen zusammen preisgünstiger als die eine dicke X21R.

Viele alte Hasen im Light Painting benutzen allerdings fokussierbare Taschenlampen, vor allem die X21R.2 von Led Lenser. Und das machen sie aus gutem Grund und nicht etwa weil sie nicht informiert sind.
Im Beispielbild kamen zur Ausleuchtung der Light Painting Szene eine Led Lenser X21 (UV-Version) sowie die X21R.2 zum Einsatz. 


Zuerst hatte ich den Orb gedreht. Im nächsten Schritt hatte ich die Kugel im Vordergrund ausgeleuchtet. Dazu hatte ich den Fokus der X21 genau auf die Größe der Kugel eingestellt. Im nächsten Schritt hatte ich die Lampe enger fokussiert damit der Lichtkegel genau die Größe der hinteren Kugel hat.  Als letzten Schritt habe ich mit der weit fokussierten X21R.2 den Rest der Szene ausgeleuchtet. Eine solche Vorgehensweise wäre mit festem Fokus kaum möglich. 

 

Viele Aufgaben im Light Painting kann man natürlich auch ohne Fokussierung komfortabel erledigen, aber manche eben nicht wie das Beispiel zeigt.  Der eigentlich wichtige Aspekt ist, dass der Lichtkegel in jeder Fokus-Stellung sehr homogen ist. Bei fast allen Throwern geht ein Teil des Lichtes am eigentlich engen Lichtstrahl vorbei. Ich leuchte also benachbarte Bereiche ungewollt mit aus. Oftmals stört das zwar nicht sehr, aber in manchen Situationen eben doch. Und viele Flooder haben ebenfalls keinen sehr homogenen Lichtkegel sondern projizieren lustige Kringel in den Beam.

 

Für andere Aufgaben im Light Painting ist ebenfalls ein gutes Fokus-System von Vorteil. Mit kleinen Lampen wie der Led Lenser P5R.2 oder M3R ist es einfach auch längere Rohre oder Stäbe aus Acrylglas gleichmäßig auszuleuchten weil ich den Fokus auf die Länge anpassen kann.

Erster Eindruck

Was sich die Marketingabteilung von Led Lenser bei der Wahl des Namens gedacht erschließt sich mir ganz und gar nicht. Vor der X21R.2 (im Bild oben links) gab es nämlich schon mal eine X21R. In einigen Shops ist diese auch immer noch erhältlich. Beim Kauf sollte man also genau schauen ob es sich bei dem Angebot um die alte oder neue X21R handelt. Ich hätte das Teil logischerweise X21R.3 genannt. Aber ich bin ja auch kein "Marketingfachmann". 

Die neue X21R gleicht dem Vorgänger X21R.2 inkl Koffer und Zubehör wie ein Ei dem Anderen. Einzig am roten Ring am Lampenkopf kann man sie sofort unterscheiden. Bei genauerem Hinsehen fallen die größeren Led's ins Auge. 

 

Nun hätte man zum Beispiel das Fokussystem verbessern können. Dieses ist zwar optisch über jeden Zweifel erhaben, von der Bedienung her könnte sich Led Lenser allerdings beim Mitbewerber Walther Pro 'ne Scheibe abschneiden. Da lässt sich auch bei den dicken XL7000R oder XL8000R der Kopf mit dem Daumen hin- und herschieben. Dagegen ist eine Bedienung der X21R mit einer Hand eigentlich nicht möglich. Gute Alternativen sind die Walther Lampen aber für mich trotzdem nicht. Die Firma baut Waffen, die sie in Krisengebiete exportieren. Das ist nicht gut für's Karma wenn man so etwas kauft, abgesehen von den Unzulänglichkeiten der Steuerung der Walther Lampen.

 

Für mich überwiegen aber letztendlich die Vorteile durch die Bruderschaft zur X21R.2. Der Akku ist gleich, somit ist also auch das Ladegerät das gleiche. Ein Ersatzakku ist schwer erhältlich und teuer. Für 2 oder 3 Lampen genügt mir dann ein Reserveakku. Hätte Led Lenser das Design geändert bräuchte ich mindestens zwei.  Alle anderen Zubehörteile wie Stativhalter und Wegrollschutz sind ebenfalls für beide Modelle passend. Das spart auf Reisen Gewicht und Stauraum. Als Light Painter schleppen wir ohnehin schon immer viel zu viel Zeugs durch die Botanik. 

Messwerte

Light Painting Taschenlampe

Zuerst hat mich interessiert ob die Angaben des Herstellers den Tatsachen entsprechen und wie stark die Lampe die Helligkeit reduziert.

Die vom Hersteller angegeben 3500 Lumen in der hellsten Stufe werden in den ersten 3 Minuten etwas übertroffen. Angemerkt sei hier, dass mein Messaufbau  keiner wissenschaftlichen Prüfung standhält. Im Vergleich mit anderen Taschenlampen sind die Werte allerdings plausibel. 

Die Lampe war während der Messung im Constant Current Mode, dieser regelt eigentlich, wie der Name schon sagt, einen konstanten Strom. Wenn dem tatsächlich so wäre, würde die Helligkeit nicht in den ersten 15 Minuten nach dem Einschalten um über 25% abnehmen. 


Für Led Lenser Verhältnisse ist das allerdings kein schlechter Wert. Die MT18 zum Beispiel regelt innerhalb einer Minute von den angegebenen 3000 Lumen auf magere 1200 Lumen runter. Wohlgemerkt ebenfalls im Constant Current Mode. 1200 Lumen trage ich permanent an meinem Gürtel - Convoy S2, 122 mm Länge, 24 mm Durchmesser, 80g Gewicht, ca. 20€ Anschaffungspreis.

 
Grundsätzlich ist es natürlich eine gute Idee die Lampe runterzuregeln um sie vor Überhitzung zu schützen. Wenn diese Regelung tatsächlich temperaturgesteuert ist, halte ich den Entwickler für ziemlich paranoid. 48°C am Lampenkopf halte ich für absolut harmlos. Meine eigenen modifizierten Taschenlampen regeln, wenn überhaupt, erst bei 65°C herunter. Die Raumtemperatur lag zum Zeitpunkt der Messung bei 30°C. Bei Gelegenheit werde ich die Messung bei geringerer Temperatur wiederholen.  

 

Bei der Verwendung als "normale Taschenlampe ist die Abnahme der Helligkeit nicht problematisch. Bei der Verwendung solcher Lampen im Light Painting bringt das allerdings oftmals einige Schwierigkeiten mit sich. Durch die Hell-Dunkel-Adaptierung des Auges ist die Abnahme der Helligkeit nicht sichtbar. Die Kamera sieht das allerdings sofort. Wenn ich also mit der X21R eine größere Light Painting Szene ausleuchte werden unter Umständen Unterschiede in der Helligkeit im Bild sichtbar.

 

Die für den Turbo-Modus angegebenen 5000 Lumen wurden in meiner Messung knapp verfehlt. Allerdings habe ich diese Messung direkt im Anschluss an die erste Messung gemacht. Der Lampenkopf hatte beim Einschalten des Turbo also schon eine Temperatur von 48°C. 

X21R.2 vs. X21R

Brauche ich die neue X21R wenn ich schon die X21R.2 habe? Das ist eine gute Frage. Bisher bin ich mit der X21R.2 noch nie an irgendwelche Grenzen gestoßen. Weder hat die Helligkeit mir nicht gereicht, noch hat der Akku jemals während des Light Painting schlapp gemacht, selbst wenn es mal etwas länger gedauert hat. 

Also meine Motivation zum Kauf waren einerseits Neugier und andererseits die höhere Helligkeit. Mit 5000 Lumen gehen einige Dinge einfach etwas schneller, aber wirklich wichtig ist das für die meisten Light Painting Bilder nicht.

Nach meinen Messungen regelt die neue X21R etwas moderater runter als die X21R.2. Ob das aber Auswirkungen auf die Arbeit hat kann ich im Moment noch nicht beurteilen. Nebenbei gefällt mir die etwas wärmere Lichtfarbe der Led's gut.

Light Painting Taschenlampe

Light Painting Taschenlampe
Led Lenser X21R.2
Light Painting Taschenlampe
Led Lenser X21R (neu)

Die höchste Stufe mit 5000 Lumen lässt sich allerdings nicht komfortabel benutzen. Um diese zu erreichen muss man nämlich den Schalter gedrückt halten. Wenn man ihn durchdrückt geht die Lampe sofort in den High Modus mit 3500 Lumen. Aus diesem Grund ist in der Messung von oben nur 1 Minute angegeben. Kaum jemand wird wohl den Schalter länger als 1 Minute in der halben Stellung festhalten wollen. 

Die X21R.2 zeigt ein ähnliches Verhalten wenn man nach einer Weile die Lampe ausschaltet blitzt sie beim Betätigen kurz nochmal in der maximalen Helligkeit. Auch ansonsten hat sich an der Bedienung nichts geändert, von einigen neuen Blitzmodi in der neuen X21R mal abgesehen. Auch die stufenlose Helligkeitsregelung hat die neue X21R von der X21R.2 geerbt. Das ist bei dem großen Helligkeitsunterschied zwischen High (3500 Lumen) und Low  (200 Lumen) sehr sinnvoll. Oftmals sind 3500 Lumen zu viel und 200 Lumen viel zu wenig.

 

Aktuell ist der Preis für die neue X21R geringer als für die X21R.2. Schon aus diesem Grund würde ich letztere nicht mehr kaufen.

Fazit

Was mir gefällt:

- Die hohe Helligkeit.

- Der saubere, homogene Lichtkegel in jeder Fokusstellung.

- Die Kompatibilität zur alten alten X21R.2 (Akku, Ladegerät, Zubehör)

- Der Drehschalter mit der Möglichkeit die Lampe zu sperren.

- Die neutrale Lichtfarbe der Led's.

- Das magnetische Ladesystem

 

Was mir nicht gefällt:

- Die fehlende Möglichkeit die Lampe mit normalen Akkus (32700) bzw. mit normalen Batterien (D-Zellen) zu betreiben. Wenn der Akku-Stab während des Light Painting alle ist, ist er alle. Ein Ersatz-akkustab ist schwer erhältlich und mit 150€ alles andere als ein Schnäppchen. Einzelne 32700 Akkus kosten ca. 10€ pro Stück.  

Light Painting Taschenlampe

- Die recht paranoide Helligkeitsregelung. Der große Lampenkopf könnte meiner Meinung nach durchaus höhere Temperaturen unbeschadet überstehen.  

- Das Fokussystem lässt sich eigentlich nur mit zwei Händen vernünftig bedienen. Das geht besser, wie bereits weiter oben erwähnt.

- Die X21R steht auf dem Hinterteil, genau wie ihr Vorgänger auch, alles andere als sicher weil der Kopf recht groß und schwer ist. Auf leicht unebenen Untergrund kippt sie sofort um. Bei etwas stärkerem Wind sollte man sie lieber auch nicht hinstellen. Abhilfe könnte Led Lenser eventuell durch einen anderen/größeren Wegrrollschutz am Ende der Lampe schaffen. Wenn ich sie in der Location nach oben leuchten lassen will befestige ich meist eine Manfrotto 035 Klemme unten an der Lampe um die Standsicherheit zu erhöhen. 

- Die Lampe ist groß, schwer und nicht gerade ein Schnäppchen.

 

Letztendlich habe ich den Kauf nicht bereut. Mit der X21R baut die Firma Led Lenser ein grundsolides, zuverlässiges Werkzeug für den Light Painter. Den sauberen Beam sowie die große Helligkeit möchte man im Light Painting irgendwann nicht mehr missen wenn man eine Weile mit der X21R, oder dem Vorgänger X21R.2,  gearbeitet hat. Gewöhnlicherweise sind die Lampen sehr langlebig. Die X21R.2 nutze ich ohne Probleme seit vielen Jahren. Besonders sorgsam gehe ich mit meinen Taschenlampen nicht gerade um. Sie mussten schon so manchen Sturz, Regenschauer und andere Widrigkeiten überstehen. Auch einige Kleinigkeiten wie die einfache Möglichkeit zur Befestigung von Farbfiltern mithilfe des Wegrollschutzes oder den mitgelieferten Halter um die Lampe auf einem Stativ befestigen zu können möchte ich mittlerweile nicht mehr missen. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

0 Kommentare

6000 Lumen für die Hosentasche

Sofirn SP36 - die ultimative Light Painting Taschenlampe ?

Light Painting Sofirn SP36

Zugegeben, in der Hosentasche trägt die Lampe etwas auf aber sie passt, zumindest in meine Hosentasche, hinein. Die Lampe wiegt inkl. Akkus 429g, sie ist 126mm lang und hat einen Durchmesser von ca. 50mm.

 

Im Kopf sind 4 Cree XPL-L2 Led's verbaut. Die vom Hersteller angegeben 6000 Lumen klingen nicht nur brachial, sie sind auch brachial. Zumal in der Realität diese 6000 Lumen noch übertroffen werden.

Ebenso wie die kleine Schwester Q8 mit "nur" 5000 Lumen stammt das ursprüngliche Design aus dem Budget Light Forum.

Die Lampe ist gut verarbeitet, besser als man bei dem geringen Preis erwarten würde. Durch die Konstruktion mit dem breiten flachen Hinterteil steht sie auch auf nicht ganz ebenen Flächen sicher. 

Geliefert wird die Lampe in einem schlichten Karton mit 3 18650 Akkus, einem USB-C Ladekabel, Ersatzdichtungen und einer Bedienungsanleitung. Ein Lesen dieser ist nicht nur für alte, halbblinde Menschen wie mich wegen der mikroskopisch kleinen Schrift ein Zumutung. Die Anleitung als gut lesbares PDF findest du hier.


Es werde Licht!

Direkt nach dem Einschalten haut die SP36 sagenhafte 6600 Lumen raus. In den ersten 10 Sekunden pendelt sich der Lichtstrom bei den vom Hersteller angegebenen 6000 Lumen ein. In dieser Helligkeit leuchtet das Monster dann ca. 2 Minuten. Danach taktet der Treiber die Lampe auf 56% runter. Nach weiteren 5 bis 7 Minuten arbeitet die Lampe mit 29% des maximalen Lichtstroms. 29% klingt recht wenig, wir reden hier aber immer noch über ca. 2000 Lumen. Zum Vergleich, die dicke Led Lenser X21R.2 leuchtet nach dieser Zeit nur noch mit ca. 1200 Lumen.

Wo Licht ist, ist auch Schatten...

... oder besser gesagt Wärme. Das kleine Gehäuse wird bei voller Helligkeit schnell heiß. Im Winter kann man sich nach einigen Minuten Betrieb gut die Hände wärmen. Die oben erwähnte Regelung dient einzig dem thermischen Schutz der Elektronik und nicht der künstlichen Verlängerung der Laufzeit. 

 

Mit einem Lichtstrom von ca. 2000 Lumen leuchtet die kleine Lampe allerdings so lange bis die Akkus leer sind. Dabei steigt die Temperatur nicht über 55°C. In dieser Einstellung kann man dann auch ganz beruhigt Farbfilter am Lampenkopf anbringen. In der höchsten Leuchtstufe könnte die Folie, oder wahrscheinlich eher noch das Gaffa-Tape um die Folie zu befestigen, in Flammen aufgehen. Auf jeden Fall sollte nur hitzebeständige Scheinwerferfolie vor die SP36. An einem vernünftigen, hitzebeständigen  Befestigungssystem wird gerade noch getüftelt. Vielleicht nimmt auch das Light Painting Paradise demnächst noch andere Größen des Halters für die Farbfilter mit ins Programm. Bisher ist das System nur für die Led Lenser MT18 erhältlich.

 

Ganz Mutige können die Temperaturregelung ändern oder sogar komplett ausschalten. Dann leuchtet die Lampe so lange mit der maximalen Helligkeit bis die Elektronik ausglüht, die Akkus explodieren oder das Aluminium anfängt zu schmelzen. Ich habe die Regelung bei der Werkseinstellung von 55°C belassen, ich will noch eine Weile Freude an der Lampe haben.

Steuerung

Im Gegensatz zu den meisten Taschenlampen mit 3 oder 5 verschiedenen festen Modi gefällt mir das Konzept der SP36 ausgesprochen gut. In der Grundeinstellung ist die Lampe im Ramping-Modus. Einschalten, so lange den Schalter gedrückt halten bis die gewünschte Helligkeit erreicht ist, Schalter loslassen und schon ist diese Einstellung gespeichert. Bei jedem Druck auf den Schalter schaltet die Lampe in dieser vorgewählten Helligkeit ein bzw. aus. Durch erneutes Drücken und Halten wird die Helligkeit wieder verändert. Der Ramping-Modus funktioniert dabei vorwärts und rückwärts. Das Erreichen der maximalen Heiligkeit wird durch einmaliges kurzes Blinken signalisiert. Mit der gespeicherten Helligkeit ist dann eine saubere, reproduzierbare Arbeit im Light Painting möglich.

Ein Doppelklick schaltet die Lampe in diesem Modus immer in die hellste Stufe, ein weiterer Doppelklick in den ersten Strobe-Modus. Strobe mit 6000 Lumen ist alles andere als ein Spaß! Also Vorsicht damit. 

 

Durch viermaliges Drücken wird die Lampe gesperrt. Das erspart das Entfernen der Akkus beim Transport. Durch fünfmaliges Drücken wird der Schalter der Lampe in den Taster-Modus umprogrammiert. Jetzt leuchtet die Lampe nur so lange wie man den Schalter gedrückt hält. Für viele Einsatzzwecke im Light Painting kann das sehr nützlich sein.

 

Der Treiber der Lampe lässt sich allerdings auch umprogrammieren wenn man statt des Ramping-Modus lieber feste Leuchtstufen haben will. Es können 12 verschieden Modi mit jeweils 1 bis 7 vorgegebenen Helligkeitsstufen programmiert werden. Von Modus 1 (nur volle Helligkeit) bis zu den 7 Stufen mit 0,18, - 0,7 - 1,8 - 3 - 29 - 56 und 100% Leistung wird sicher für jeden Bedarf und Geschmack die passende Einstellung vorhanden sein. Darüber hinaus lässt sich beispielsweise die Indikator-Led im Schalter abschalten und noch einige andere Dinge mehr.

 

Man muss sich zwar die Mühe machen die Anleitung zu lesen um die Lampe an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, aber der Aufwand lohnt sich. Da ich auch nicht mehr der Jüngste bin hab ich mir die PDF-Datei auf mein Mobiltelefon kopiert und kann dann also bei Bedarf auch während des Light Painting nachlesen wie das Schmuckstück gesteuert wird.

Braucht man 6000 Lumen im Light Painting?

Haben ist besser als brauchen. Viel interessanter als die brutalen 6000 Lumen ist für mich allerdings eher die Möglichkeit die Lampe mit über 3000 Lumen mehrere Minuten zu betreiben oder mit 29% auch noch länger. Was mir ebenfalls gut gefällt ist, dass die Stufen sehr stabil sind, also die Helligkeit nicht langsam abnimmt um die Laufzeit künstlich zu verlängern wie bei vielen anderen Lampen. Im Momentary-Mode (Taster) kann man die Lampe gut als Blitz verwenden, der kompakte Aufsteckblitz liefert jedenfalls kaum mehr Licht.

 

Für die Verwendung an den meisten Light Painting Tools ist die Lampe zu groß und zu schwer. Die volle Helligkeit kann man kaum sinnvoll an den Tools einsetzen. Die verschiedenen Strobe-Modi sind ebenfalls viel zu hell. Es besteht die Gefahr, dass die Hitze das Tool beschädigt. Außerdem wird die Wärme nicht mehr vernünftig abgeleitet wenn man die Lampe beispielsweise in einen Tube steckt. Für diese Zwecke ist die kleinere Sofirn SP32A mit einem sehr ähnlichen Bedienkonzept und maximal 1300 Lumen viel besser geeignet. 

 

Für die Ausleuchtung großer Räume, Gebäude oder Landschaften kann man die Lampe allerdings sehr gut verwenden. Selbst wenn man sie "nur" in der zweiten Stufe mit 56% betreibt hat sie mehr Power als die dicke Led Lenser X21R.2, und das bei viel geringerer Größe, einem Bruchteil des Gewichts, und vor allem des Preises.

Fazit

Was mir gefällt:

- Die große Helligkeit.

- Der geringe Preis, aktuell kostet die Lampe bei Amazon inkl. Akkus 89,99€. Zum Vergleich: die neue Led Lenser X21R mit maximal 3200 Lumen kostet mehr als das Dreifache, die Led Lenser MT18 mit angegebenen 3000 Lumen kostet das Doppelte.

- Die Akkus lassen sich austauschen. Wenn bei der dicken Led Lenser der Akku alle ist, ist die Light Painting Session beendet, es sei denn man schleppt noch ein zweites Exemplar (1,3kg und noch mal 300€) mit sich rum. 

- Die kompakte Größe und das geringe Gewicht.

- Die recht gute Verarbeitung der Lampe.

- Die durchdachte, sehr flexible Steuerung.

- Die Helligkeit nimmt in der gewählten Stufe kaum ab. Die Schutzschaltung schaltet in großen, und somit sofort sichtbaren, Stufen runter.

- Der Schalter hat einen guten Druckpunkt. Die Lampe lässt sich in jeder Situation sicher und sauber steuern.

- Der USB-C Port zum Laden der Akkus in der Lampe, auch wenn der maximal mögliche Strom nicht ausgereizt wird und somit die Ladezeit recht lang ist. Ich muss nicht noch ein zusätzliches Ladegerät wie für die X21R.2 mitschleppen wenn der Light Painting Ausflug einige Tage dauert. Die Lampe lässt sich zur Not auch mit einer Powerbank, über den Zichtenanzünder im PKW oder einem Solar-Panel, also komplett ohne Netz, laden. 

 

Was mir nicht so gefällt:

- Mit einem OP-Reflektor würde die Lampe sicher einen homogeneren Lichtkegel raushauen und somit die Ausleuchtung etwas einfacher machen. Leider konnte ich keine Variante dieser Lampe mit einem anderen Reflektor finden. Abhilfe schafft hier ein Stück Backpapier.

- Die Farbtemperatur ist nicht wählbar. Es werden ausschließlich Led's mit 5350 - 5700k verbaut. Ich hätte lieber etwas wärmere Led's mit 3500 - 4000k. Vielleicht erbarmt sich der Hersteller ja mal irgendwann und bietet andere Varianten an. Aber auch hierfür ist das Backpapier erstmal eine gute Lösung.

- Keine Möglichkeit zur Befestigung der Lampe an einem Stativ, da muss dann eine Manfrotto 035 ran. Ebenfalls fehlt eine Öse zur Befestigung einer Handschlaufe, könnte zum Sichern der Lampe manchmal ganz nützlich sein. 

 

Mit der SP36 erhält man für den mehr als angemessenen Preis von derzeit 90€ inkl. 3 18650 Akkus eine brutal helle, kleine, leichte  Lampe welche durch die vielen verschiedenen Möglichkeiten der Steuerung wirklich gut für den Light Painter geeignet ist. In der Stufe mit 2000 Lumen ist die Lampe dauerbetriebsfest; das sollte für die allermeisten Light Painting Bilder ausreichend sein. Die Lampe liegt gut, und durch den geriffelten Griff sicher, in der Hand. 

 

Allzeit gutes Licht mit dem Lichtmonster

Sven

4 Kommentare

Warum ich immer noch keine spiegellose Vollformatkamera kaufe

Don't believe the hype!

Mein Artikel zum Hype um Kameras wie der Sony α 7 ist mittlerweile über 2 Jahre alt. Zeit zum Auffrischen also. Vielleicht haben mich die Hersteller der angesagten, modernen Technik mittlerweile umgestimmt. Den alten Artikel findest Du hier

 

Ich bin natürlich kein Maßstab weil ich nicht alles sofort kaufen muss was vermeintlich neu und chic ist. Ich hinterfrage viele Dinge, die die meisten Zeitgenossen (erst einmal) als gegeben hinnehmen. Meist genügt es schon irgendwelche "Wahrheiten" oft genug zu wiederholen. Viele "Fachzeitschriften" und "Experten" im Internet übernehmen die blumigen Versprechen der Hersteller meist recht unkritisch. Aber ich schweife ab... Zurück zur Technik.

 

Um es mal gleich vorweg zu nehmen, ich renne immer noch mit Nikon D750, D300 und D300s durch die Gegend. Aber vielleicht kommt irgendwann die Zeit des Wechsels auf die Kamera ohne Spiegel. So langsam geht die Entwicklung dieser Kameras jedenfalls in die richtige Richtung. Bei den spiegellosen Nikons kann ich zumindest den elektronischen Sucher und die Hintergrundbeleuchtung des Displays ausschalten. Das Display der Sony α 7RIII  hat während der langen Belichtung die gesamte Zeit über lustig geleuchtet und somit den Akku leer gelutscht und das Gehäuse unnötig erwärmt. Für Langzeitbelichtung und Light Painting ist so etwas völlig ungeeignet.

Was gibt es Neues?

Mittlerweile sind die Freunde im Sonderbezirk 千代田区 aus dem Koma erwacht und bauen mit der Z6 und Z7 zwei ähnlich "coole" Kameras wie der Mitbewerber Sony. Alles was Sony bei den α 7 Modellen falsch gemacht hat versuchen sie besser zu machen. An einigen Punkten gelingt ihnen das sogar. Auch der Platzhirsch Canon baut mittlerweile Kameras ohne optischen Sucher und Spiegel. Bisher hatte ich noch keine Canon R in der Hand, ich kann also über diese Kameras nicht viel Erhellendes berichten. 

Die Z6 und Z7 fühlen sich gut an. Die Bedienung ist, im Gegensatz zu den vielen Merkwürdigkeiten der Sony-Kameras, gewohnt gut und durchdacht. Jeder Nikon Fotograf dürfte kaum Schwierigkeiten beim Umstieg von der DSLR auf die neuen Kameras haben. Die Ausstattung ist gut. Einzig, dass man ausschließlich eine XQD Karte zum Speichern der Bilder verwenden kann ist ärgerlich. Platz für ein zweites Kartenfach für SD-Karten wäre sicher vorhanden, so klein ist das Gehäuse ja nun auch nicht.

Lohnt sich denn nun die Anschaffung des neuen Systems?

Für die Nikon Z6 gestaltet sich der Vergleich für mich recht einfach weil ich aktuell meist mit der D750 arbeite. Bisher hatte ich noch keine Möglichkeit die Z6 ausgiebig zu testen, die meisten Aspekte lassen sich aber auch ohne Langzeitstudie gut vergleichen. In der Z6 ist der gleiche Sensor wie in der D750 verbaut, die Z7 wird mit dem Sensor der D850 bestückt. Ich habe also höchstwahrscheinlich keine Vorteile was die Bildqualität anbelangt. Vermutlich wird sogar das Bildrauschen etwas stärker ausgeprägt sein weil die etwas kleineren Gehäuse die Wärme nicht so gut vom Sensor ableiten können wie die dicken DSLR's.

 

Die Z6 wiegt laut Hersteller inkl. Akku und Speicherkarte 675g. Um meine Objektive am neuen System nutzen zu können bräuchte ich den FTZ Adapter, dieser wiegt 136g. Macht zusammen 811g. Die Nikon D750 wiegt laut Hersteller inklusive Akku und Speicherkarten 840g. Sagenhafte 29 Gramm weniger im Fotorucksack! 

Die Größe der Z6 ist mit 100,5 x 134 x 67,5 mm angeben, die D750 ist mit 113 x 140 x 78 mm etwas größer. Mehr freien Platz im Fotorucksack verschafft mir das allerdings nicht, schon gar nicht, wenn der Adapter montiert ist. Dann wird die Z6 plötzlich sogar "dicker" als die DSLR. An diesem Punkt habe ich also nicht geringsten Vorteil. 

Beim Vergleich der Z7 mit der D850 sieht es ein wenig anders aus. Die D850 ist ca. 160g schwerer als die D750. Nikon Z6 und Z7 wiegen das Gleiche. Aber auch hier reden wir von einer Erleichterung für den Rücken von nur knapp unter 200 Gramm. Das ist für mich kein Argument um 3000€ in die Hand zu nehmen.

 

Mein Hauptkritikpunkt damals war ja die sehr kurze Akkulaufzeit der Sony α 7. Nikon gibt vorsichtshalber für die Z6 und Z7 keine Akkulaufzeit an. Die CIPA testet alle Kameras nach einem standardisierten Verfahren auf die Akkulaufzeit. Für die Z6 schafften die Herrschaften 330 Auslösungen mit dem frisch geladenen Akku. An der D750 konnten die Freunde 1230 mal auf den Auslöser drücken bevor der Strom alle war. In beiden Kameras steckt der gleiche Akku. Demzufolge ist der Stromverbrauch der Spiegellosen viel höher. Und weil die Technik keinen Wirkungsgrad von 100% hat wird zwangsläufig mehr Wärme produziert, was dann höchstwahrscheinlich stärkeres Bildrauschen zur Folge hat. Im Falle der letztens von mir ausgiebig getesteten Sony α 7RIII war das zumindest so. Für die meisten Fotografen dürfte das keine Rolle spielen, unter normalen Bedingungen werden auch deutlich mehr als 330 Aufnahmen mit der Z6 gelingen. Für Langzeitbelichtung und Light Painting ist das allerdings ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl der "richtigen" Kamera. Die Sony α 7RIII signalisierte mir nach 3 Aufnahmen mit 10 Minuten Belichtungszeit, dass sie einen neuen Akku haben will. Die Gefahr, dass der Akku während der Langzeitbelichtung schlapp macht ist also viel größer als bei der DSLR. 

 

Alle anderen Aspekte wie den elektronischen Sucher lasse ich hier mal unbeachtet weil sie keine große Bedeutung für die Arbeit im Light Painting haben.

 

Ach ja, da war ja noch was... der Preis. Die Z6 kostet inkl. Adapter aktuell bei Amazon  1799€, die D750 mit 1169€ über 600€ weniger. Auf Grund der kurzen Akkulaufzeit wird dann die Anschaffung von 1 oder besser 2 Reserveakkus notwendig; nochmal 150€. Dazu kommen dann noch ca. 150€ für die 64GB XQD-Speicherkarte, ein zweite als Reserve wäre sicher auch ganz gut. Wer sehr viele Bilder knipst wird vielleicht sogar die Variante mit 120GB für stolze 235€ in die Kamera stecken wollen. Zum Vergleich: gute SD-Karten mit 64GB kosten aktuell ca. 20€, die Exemplare mit doppelter Kapazität kosten auch das Doppelte, also ca. 40€.

Spätestens hier bin ich raus. Für den Mehrpreis kann ich 'ne zweite D750 kaufen oder ein gutes Objektiv oder 87 Kästen Bier... Der Hersteller lässt den mechanisch aufwendigen Spiegel weg und die Kamera ist trotzdem teurer? Aber so funktioniert das im Kapitalismus, der Preis wird erst gesenkt wenn erheblich weniger Exemplare verkauft als hergestellt werden.

 

Beim zweiten Vergleich sieht es etwas besser für die Systemkamera ohne Spiegel aus. Die Z7 bevorratet der Onlinedealer zum Preis von aktuell 3009€, die D850 wechselt für ca. 70€ weniger den Besitzer. Insgesamt (Akkus, Speicherkarten) ergibt sich aber immer noch ein Mehrpreis im dreistelligen Eurobereich. Und wofür? Nur um das neuste Modell sein eigen zu nennen? Um das Beste zu haben, ohne die Möglichkeiten der alten Kamera auch nur ein einziges Mal annähernd ausgeschöpft zu haben? Da warte ich lieber ab bis die spiegellose Systemkamera nur noch halb so viel kostet wie die vergleichbare DSLR... wenn dann der Hersteller solche überhaupt noch baut. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

5 Kommentare

Light Painting mit Ultraweitwinkelobjektiv

Kurz, kürzer und noch kürzer

Der Bagger im Bild ist groß, sehr groß. Nach hinten ist nicht unbegrenzt Platz. Das Bild hätten wir mit einer längeren Brennweite so nicht umsetzen können. Aufgenommen haben wir dieses Light Painting mit einer Brennweite von 14 mm an der Nikon D750. Der Bildwinkel liegt bei dieser Linse bei 114°. 

Möglichst viel ins Bild zu bekommen ist allerdings nur ein Grund für die Verwendung von Ultraweitwinkelobjektiven. Im Light Painting ist es durchaus sehr nützlich wenn der Abstand zwischen Kamera und Lichtquelle möglichst gering ist. Licht nimmt, wie alle anderen Wellen auch, mit der Entfernung quadratisch ab. Wenn hier also der Abstand zum Bagger doppelt so groß wäre würde sich die Belichtungszeit bei der Verwendung der gleichen Lampen und der gleichen Arbeitsweise deutlich verlängern. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Alternativ könnte man natürlich die Blende öffnen, das hätte dann allerdings Auswirkungen auf die Tiefenschärfe im Bild. Die dritte Möglichkeit, die Erhöhung des ISO-Wertes, ist bei langen Belichtungszeiten keine gute Idee. Das Bildrauschen würde zunehmen. Das Ergebnis wird meist besser wenn man 10 Minuten bei ISO 100 belichtet als 2,5 Minuten bei ISO 400. Das ist allerdings sehr stark von der eigenen Kamera abhängig und keine grundsätzlich geltende Regel. Einige Kameras habe ich vor einiger Zeit auf ihr Rauschverhalten getestet. Den Artikel dazu findest Du hier.

Definition Weitwinkel

Diese Definition gilt nur für Aufnahmemedien im Kleinbildformat (36*24 mm). Als Normalbrennweite werden Objektive bezeichnet die dem natürlichen Blickwinkel des menschlichen Auges beim Betrachten einer Szene entsprechen, dieser liegt bei 40° bis 55°. Die Normalbrennweite entspricht der Diagonale des Aufnahmemediums. In unserem Fall sind das rechnerisch 43,3 mm was einem Bildwinkel von 53,13° entspricht. Eingebürgert hat sich allerdings eine etwas längere Brennweite von 50 mm als Normalobjektiv. Das entspricht einem diagonalen Bildwinkel von 46,8°. 

Brennweiten länger als 80 mm werden als Teleobjektiv bezeichnet. Kürzere Brennweiten als 35mm gelten als Weitwinkelobjektiv. Als moderate Weitwinkel werden Objektive mit Brennweiten zwischen 35 und 24 mm bezeichnet. Verbreitete Objektive in diesem Bereich sind 35 mm mit einem Bildwinkel von 63°, 28 mm mit einem Bildwinkel von 75° sowie 24 mm mit 83° Bildwinkel. Alle kürzeren Brennweiten werden als Ultra- oder gelegentlich Superweitwinkel bezeichnet.

Verbreitete Brennweiten sind hier 21 mm (92°), 18 mm (100°), 15 mm (110°), 14 mm (114°) sowie 12 mm (122°). Da bei Spiegelreflexkameras der Platz für den Spiegel frei gehalten werden muss und sich somit das Objektiv nicht beliebig nah an die Aufnahmeebene bringen lässt ist die Konstruktion solcher kurzen Brennweiten sehr aufwändig. Das meines Wissens nach aktuell kürzeste verzeichnungsfreie Objektiv für Spiegelreflexkameras ist das Samyang 10/3,5 mit einem diagonalen Bildwinkel von sagenhaften 130°. 

 

Zu den Weitwinkelobjektiven gehören darüber hinaus Fisheye-Objektive. Das geht dann noch kürzer. Das Objektiv mit der bislang kürzesten Brennweite für das Kleinbildformat ist das Nikon 6mm/f2,8 mit einem Bildwinkel von 220°. Das Ding kann also einen Bereich hinter der Aufnahmeebene fotografieren, Selfie hinter der Kamera sozusagen.

Zoom oder Festbrennweite?

Ein Objektiv kann der Hersteller bei der Rechnung und der Herstellung immer nur auf eine Brennweite, eine Blende und eine Entfernung optimieren. Die Abbildungsleistungen nehmen ab wenn man von diesen optimalen Werten abweicht. Gewöhnlicherweise wird der Hersteller also das lichtstarke Objektiv auf die beste Darstellung bei Blende 4 oder 5,6 optimieren. Bei größeren Blenden werden die Abbildungsleistungen oft sichtbar schwächer, Schärfe und Kontrast nehmen ab. Bei kleineren Blenden wird bei den meisten Objektiven aufgrund der größeren Schärfentiefe die Schärfe nicht sichtbar abnehmen.

Die meisten Objektive werden auf die beste Abbildungsleistung bei Entfernungen kurz vor unendlich optimiert. Einzig bei Makro-Objektiven wird der Hersteller das Objektiv so konstruieren, dass die größte Schärfe im Nahbereich liegt.


Ein Zoomobjektiv kann nur auf eine Brennweite optimiert sein, meist wird das die Brennweite sein, die genau in der Mitte liegt. Das unten erwähnte Nikkor 17-35 hat also die größtmögliche Schärfe bei einer Brennweite von ca. 26mm. Wenn ich also mit kürzeren Brennweiten arbeite werden Schärfe und Kontrast abnehmen. Der Effekt wird stärker umso weiter ich von der mittleren Brennweite abweiche. Aus diesem Grund sind Objektive mit großen Brennweitenbereichen, wie 18-300, kaum zu gebrauchen und meist die 2,50€, für den Karton in dem sie eingepackt sind, nicht wert. Bei relativ kleinen Zoombereichen und guter, sauberer Konstruktion des Objektivs ist die Verschlechterung der Abbildungsleistung beim Betrachten der Bilder meist überhaupt nicht sichtbar. Auch auf dem 3 Meter großen Print sieht das Bild mit 17mm Brennweite nicht schlechter aus als das mit 26mm. Irgendwelche Messwerte geben zwar einen ersten Anhaltspunkt sagen aber oft nicht viel über die tatsächliche Qualität des Ergebnisses aus.

Von der geringeren Schärfe abgesehen werden die meisten Zoom-Objektive eine stärkere Verzeichnung und Vignettierung aufweisen als Festbrennweiten, die im Brennweitenbereich des Zooms liegen, besonders, wenn die Anfangsbrennweite des Zommobjektivs sehr kurz ist.

Wenn ich also ergebnisorientiert arbeiten will und mir eine hohe Abbildungsqualität wichtig ist weil ich von meinen Bildern große Prints herstellen will werde ich immer zur Festbrennweite greifen und das Zoomobjektiv in der Tasche lassen.

Welche Objektive befinden sich in unserer Tasche?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Laowa 12mm/f2,8

Der chinesische Hersteller Venus Optics baut mit dem Laowa 12mm/f2,8 eines der besten Ultraweitwinkelobjektive. Der Preis von ca. 1200€ ist zwar kein Schnäppchen, bisher habe ich den Kauf aber noch keine Sekunde bereut. Das Objektiv besteht aus Metal und Glas, einzig der recht merkwürdige Objektivdeckel ist aus Kunststoff. Das Teil fühlt sich so an als könnte man viele Jahre uneingeschränkte Freude damit haben. Nichts wackelt oder klappert, Blendenring und Fokus laufen absolut sauber und butterweich.

Das Versprechen des Herstellers "Zero D", also keine Verzeichnung, erfüllt das Objektiv voll und ganz. Ich hätte das vorher nicht für möglich gehalten, dass eine derart kurze Brennweite keine sichtbare Verzeichnung aufweist.  


Die Abbildungsleistungen des Laowa sind über jeden Zweifel erhaben. Selbst bei offener Blende ist die Schärfe bis in die Ecken sehr gut, wie im Beispielbild gut zu sehen ist. Auch an der undefiniert umgebauten Nikon D300 in Verbindung mit Infrarotfiltern macht das Objektiv eine gute Figur.  

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Möglichkeit Filter montieren zu können. Bei Ultraweitwinkelobjetiven ist das meist nicht so einfach oder gar unmöglich. Venus Optics bietet zwar selbst einen passenden Filterhalter für das Laowa an, ich habe mich allerdings für den Halter von Nisi entschieden weil mir die Bedienung und Verarbeitung besser gefielen. Inklusive passendem Polarisations-filter kostet der Halter ca. 140€. Neben dem Polfilter lassen sich noch 2 100 x 100 mm Filter vor der Optik befestigen.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Das Laowa ist komplett manuell, kein Autofokus, keine elektronische Blendeneinstellung, keine elektronische Übertragung irgendwelcher Daten an die Kamera. Auf den Autofokus und die Blendeneinstellung durch die Kamera kann ich verzichten, dieses benutze ich ohnehin nie. Was allerdings manchmal ganz hilfreich ist, wenn im Bild die Blende, mit der es aufgenommen wurde, gespeichert wäre. Aber wirklich wichtig ist auch das nicht, bei Bedarf notiere ich mir das.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Samyang 14mm/f2,8

Das Samyang wird ebenso wie das Laowa ohne Autofokus gefertigt. Die Verarbeitung ist zwar nicht auf dem Niveau des Laowa oder dem von Herstellern wie Zeiss oder Meyer Optik Görlitz, für den recht geringen Preis von ca. 400€ aber akzeptabel. 

Optisch ist dieses Objektiv recht gut. Bei offener Blende bildet es an den Rändern recht unscharf ab, Abblenden auf f5,6 bringt hier eine deutliche Verbesserung. Die recht starke Verzeichnung lässt sich zwar am Computer korrigieren, beim Beispielbild verwandelt die Linse den runden Orb trotzdem in ein Ei. 

Gerne verstellt sich beim Samyang der "Anschlag" für den Fokus. Nach ca. 2 Jahren war bei meinem Exemplar ∞ bei 0,7m. Das lässt sich einfach neu justieren aber so etwas nervt natürlich.


Für das Samyang ist ein Filterhalter für die Verwendung von 150 x 150mm großen Filtern erhältlich. Für ca. 20€ bekommt man dann einen billigen, schlecht sitzenden Halter aus Kunststoff. Filter in dieser Größe sind schlecht erhältlich und meist alles andere als ein Schnäppchen. Polfliter lassen sich damit überhaupt nicht verwenden. Weil es keine Infrarotfilter in dieser Größe gibt, jedenfalls konnte ich bisher keine finden, kann ich keine Aussage über die Tauglichkeit dieses Objektivs in der Infrarotfotografie treffen. 

 

Als Alternative zum Samyang und auch dem Sigma aus dem nächsten Abschnitt fällt mir nur das Zeiss Distagon 15/2,8 oder das neuere Milvus ein. Wobei Letzteres nicht über einen Blendenring verfügt. Sicher sind diese Linsen keine Schnäppchen, aber dafür erhält man Abbildungsleistungen, die dem Laowa 12/2,8 mindestens ebenbürtig sind. Eventuell wäre das Irix 15/2,4 ebenfalls eine gute Alternative, allerdings habe ich dieses Objektiv noch nicht in den Fingern gehabt und kann somit wenig über die Qualität sagen.

Sigma 14mm/f2,8

Noch schlimmer sieht es bei dem alten Sigma 14/2,8 aus, für dieses Objektiv gibt es keine Möglichkeit Filter zu montieren. Die Abbildungsleistungen sind dem Samyang recht ähnlich, bei offener Blende sind Ränder und Ecken sichtbar unscharf.

Das Sigma wurde in den 1990er Jahren gebaut. Das Gehäuse besteht aus Metal und macht einen langlebigen Eindruck. Der Eindruck bestätigte sich, ich benutze das Objektiv schon viele Jahre. Einzig die verbaute Elektronik hat vor einigen Jahren den Geist aufgegeben. Wie bereits weiter oben erwähnt ist das für die Arbeit im Light Painting aber unerheblich. 

Gelegentlich taucht mal ein Exemplar bei ebay auf. Für 200 bis 300€ gehört das Schmuckstück dann Dir.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Nikkor 17-35mm/f2,8

Na ja, was will man zu diesem Objektiv groß sagen... Das Nikkor 17-35/2,8 ist das einzige Zoom-Objektiv, was aktuell noch gebaut wird und über einen Blendenring verfügt. Das Nikkor stecke ich beim Light Painting eigentlich nur an die Kamera wenn ich während der Belichtung am Zoom drehe. Die Abbildungsleistung ist für ein Zoom-Objektiv wirklich gut, allerdings von den meisten Festbrennweiten doch noch ein Stück entfernt. 

Im Gegensatz zu den neueren Plastik-Objektiven ist das 17-35 für die Ewigkeit gebaut, einzig der Ultraschallmotor gibt gerne mal den Geist auf, wie bei meinem Exemplar. Auf der anderen Seite trägt das 17-35 ganz schön auf und bringt doch einiges an Gewicht auf die Schultern des geplagten Light Painters.


Der Fantasiepreis von ca. 1800€ dürfte allerdings die meisten Interessenten abstoßen. Bei ebay  finden sich regelmäßig Angebote für gut erhaltene Exemplare zu Preisen zwischen 500 und 800€. Ein Nikkor 17-35 mit kaputtem Ultraschallmotor findet man auch schon mal für 300€. Das Objektiv hat ein 77mm Filtergewinde, somit lassen sich alle möglichen Filter und Filterhalter uneingeschränkt verwenden. In der Infrarotfotografie macht das Nikkor eine wirklich gute Figur, kaum Fokus-Abweichung und keine Hotspots.

Wer nur ein Objektiv im Light Painting verwenden will ist mit dem Nikkor 17-35 wirklich gut bedient. Für die anstrengende Wanderung mit möglichst wenig Gepäck ist dieses Objektiv jedenfalls die erste Wahl. 

Die einzige, mir halbwegs sinnvoll erscheinende, Alternative wäre das alte Nikkor 20-35/2,8. Allerdings gibt es die Dinger nicht gerade wie Sand am Meer, und meist auch nicht für Preise unter 500€ für ein gut erhaltenes, gebrauchtes Exemplar. 

 

Vergleichbare Objektive wie das Canon 16-35/2,8, Sigma 18-35/1,8, Tokina 17-35/4, Tamron 15-30/2,8, Nikkor 12-24 usw. verfügen nicht über Blendenringe. Somit entfällt die Möglichkeit die Blende während der Belichtung verändern zu können. Die Preise sind zum Teil noch höher als für das Nikkor 17-35. Die meisten alten Zoom-Objektive mit Blendenring weisen eine für heutige Maßstäbe inakzeptable Abbildungsleistung auf.

Fazit

Mit dem Laowa 12mm/f2,8 gelingen Light Painting Bilder auf hohem technischen Niveau. Keine sichtbare Verzeichnung, bereits bei offener Blende hervorragende Schärfe über den gesamten Bildbereich sowie excellente Verarbeitung lassen einen den recht hohen Anschaffungspreis leicht und schnell verschmerzen. 

Als gutes Zoomobjektiv eignen sich Nikkor 17-35 oder das fast verzeichnungsfreie Nikkor 20-35 ebenfalls gut für die Arbeit im Light Painting. Wer auf einen Blendenring verzichten kann macht mit dem recht günstigen Tokina 17-35/4 nicht viel falsch. Das Tokina 12-24/4 für das kleinere DX-Format macht ebenfalls eine gute Figur. Diese Linse habe ich viele Jahre ohne Probleme in den abgerocktesten Lost Places benutzt.

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht.
Sven

2 Kommentare

Grundlagen der IR und UV Fotografie

Fotografie mit Licht im unsichtbaren Spektrum

In diesem Artikel geht es mal ausnahmsweise nicht (nur) um Light Painting. Ich versuche Dir die grundlegenden Ideen der Fotografie mit Wellen aus dem für das menschliche Auge unsichtbaren Spektrums etwas näher zu bringen. Kompliziert geht auch ohne Light Painting ;-)

Die in diesem Beitrag von mir vermittelten Weisheiten sind nicht unbedingt empirisch belegt und beruhen zu einem großen Teil auf meinen Erfahrungen mit der von mir verwendeten Ausrüstung. Dieser Artikel ist alles andere als eine vollständige Anleitung zur Fotografie mit dem vollen Lichtspektrum. Zum Thema Infrarot findet man recht viele Information im Internet, mal fundiert, mal gefühlt. Zum Thema ultraviolette Fotografie findet man eher wenig. Das dürfte vor Allem dem Umstand geschuldet sein, dass reine UV-Fotos meist ziemlich unästhetisch aussehen. Außerdem sind UV-Pass-Filter sehr teuer. Aus diesen Gründen habe ich bisher kein UV-Pass-Filter gekauft und nutze ultraviolettes Licht ausschließlich im Light Painting, meist in Kombination mit anderen Wellenlängen. UV reflektierende Farben lassen sich ohne Modifikation und Filter mit jeder Kamera aufnehmen. Hier genügt es diese Farben mit einer UV-Lampe zum Leuchten anzuregen.

Grundsätzliches

Wir Menschen können Licht im Wellenlängenbereich von 400nm (violett) bis 750nm (rot) ohne Hilfsmittel sehen. "Unten" beginnt der Bereich der ultravioletten und "oben" der infraroten elektro-magnetischen Strahlung. In der Tierwelt sieht das anders aus. Einige Vögel zum Beispiel können im ultravioletten Spektrum sehen.

In der Fotografie wird schon sehr lange infrarotes Licht aus verschiedenen Gründen eingesetzt. 


Infrarotes Licht wird durch Dunst oder Luftverschmutzung weniger gestreut als sichtbares Licht. Es ist also damit möglich Objekte sichtbar zu machen die eigentlich auf Grund der Sichtbeeinträchtigung kaum zu sehen wären. 

Infrarotes Licht hat andere Reflexionseigenschaften als sichtbares Licht. Ein getarnter Panzer im Wald lässt sich mit Infrarot Fotografie einfach aufspüren. Die Firma Kodak entwickelte um 1960 einen Falschfarben-Infrarotfilm namens Aerochrome. Dieser wurde zur Luftaufklärung eingesetzt und stellte Bereiche mit hoher IR-Strahlung, also vor Allem Bäume, in sattem Rot bis Magenta dar. Die im Wald getarnten feindlichen Stellungen waren auf diesen Bilder einfach und deutlich erkennbar obwohl sie für das menschliche Auge so gut wie unsichtbar waren. Dieser Film wurde auf Grund der ungewöhnlichen Bildergebnisse von einigen Künstlern eingesetzt. Leider wird dieser Film seit vielen Jahren nicht produziert. Vereinzelt bei ebay auftauchende Rollen gehen für Preise von 30€ aufwärts über den Tresen. 

Ein weiteres Einsatzgebiet für die Infrarot Fotografie ist die Spionage und Überwachung. Da auch sehr starke, künstliche Infrarot Lichtquellen für das menschliche Auge unsichtbar bleiben ist es möglich unbemerkt gute, helle Aufnahmen in der Dunkelheit anzufertigen.

 

Die Sensoren gängiger Digitalkameras zeichnen Licht im Spektrum von ca. 350nm bis ca. 1100nm auf. Allerdings bauen alle Hersteller einen Hot-Mirror-Filter vor den Sensor. Dieses Filter beschränkt das Lichtspektrum auf den sichtbaren Bereich. Dieses Filter hat einen gewissen Transmissionsgrad, es filtert also nicht das komplette infrarote Licht. Aus diesem Grund kann man mit fast jeder digitalen Kamera Infrarot Fotos aufnehmen ohne das Hot-Mirror-Filter zu entfernen. Je nach Stärke des Hot-Mirror-Filters verlängert sich dann die Belichtungszeit ganz erheblich. Aus 1/500 bei ISO 200 werden dann mal schnell 30 Sekunden bei ISO 800. Ohne Stativ oder mit bewegten Motiven wird das also nichts. Für erste Versuche im Bereich der Infrarot-Fotografie genügt das aber sicher. Das Einzige was Du dafür brauchst ist ein IR-Filter den Du auf das Objektiv schraubst. Dazu später mehr.

 

Da der Anteil von infrarotem und ultraviolettem Licht für unser Auge unsichtbar ist lassen sich keine sicheren Vorhersagen treffen wie das Bild am Ende aussehen wird. Grundsätzlich ist bei strahlendem Sonnenschein im Sommer mit erheblich mehr UV und IR Strahlung zu rechnen als an einem regnerischen Tag im Oktober. Pflanzen, vor allem das Blattwerk der Bäume, reflektieren IR-Strahlung sehr stark. 

Kamera

Mit analogen Kameras ist Infrarot-Fotografie denkbar einfach. Deckel auf, Infrarot-Film einlegen, Deckel zu und schon kann es losgehen. Bei digitalen Kameras sieht das etwas anders aus da der verbaute Sensor zwar grundsätzlich auch sensibel für infrarotes Licht ist, dieses aber, wie bereits oben erwähnt, durch das Hot-Mirror-Filter zum größten Teil blockiert wird. Das zweite Problem ist, dass der Sensor eben nicht ausschließlich auf infrarotes Licht reagiert wie der IR-Film in der analogen Kamera.

Wenn Du regelmäßig und ernsthaft mit Deiner Kamera Infrarot und/oder UV Aufnahmen machen willst kommst Du um den Ausbau des Hot-Mirror-Filters aus Deiner Kamera nicht herum. Bei einigen Kameras, wie der Nikon D300, kann man das mit etwas Erfahrung, Geschick und Geduld selbst erledigen. Meinen Artikel darüber findest Du hier.


Es gibt mehrere professionelle Werkstätten die diese Umbauten übernehmen. Die Werkstätten geben gewöhnlicherweise eine Garantie auf den Umbau. Da ich keinerlei Erfahrungen damit habe weil ich bisher alle Kameras selbst umgebaut habe kann ich hier keine Empfehlung für eine bestimmte Werkstatt aussprechen. Einige deutsche Anbieter für Umbauten:
http://www.optic-makario.de/kameraumbau/

http://dslr-astrotec.de/modifikationen.html

http://www.irrecams.de/

 

Nachdem das Filter aus der Kamera entfernt wurde setzt die Werkstatt auf Wunsch ein anderes Filter vor den Sensor um die Kamera beispielsweise definiert nur noch als IR-Kamera zu betreiben. Die meines Erachtens nach beste Lösung ist allerdings der Umbau zu einer undefinierten Kamera. Dazu wird einfach Klarglas eingesetzt oder gar nichts, wie bei meiner D300. Dort ist das Schutzglas nicht mit dem Hot-Mirror-Filter verklebt und kann somit einfach wieder eingebaut werden. Durch den undefinierten Umbau kann die Kamera nun also UV, sichtbares Licht sowie IR aufzeichnen. Ohne Filter vor dem Objektiv tut sie genau das alles gleichzeitig. Die so aufgenommen Bilder sind von normalen Fotos in den meisten Fällen kaum zu unterscheiden. Ich kann die Kamera als normale Kamera benutzen, so wie vor dem Umbau auch. 

Alle Automatikfunktionen der Kamera, wie Weißabgleich-Automatik, Belichtungsautomatik und Autofokus sind auf das sichtbare Lichtspektrum ausgelegt. Umso höher der Anteil des unsichtbaren Lichts in der Aufnahme ist desto wahrscheinlicher sind Fehlfunktionen der Automatiken. In Kombination mit Infrarotfiltern mit Wellenlängen länger als 720nm dürfte keine der Automatiken zuverlässig funktionieren. Hier helfen nur Testaufnahmen im manuellen Modus der Kamera. Für die "richtige" Belichtung ist es ratsam Belichtungsreihen aufzunehmen. 

Wenn die Kamera ausschließlich Licht des sichtbaren Spektrums aufnimmt sollten alle Funktionen so arbeiten wie vor dem Umbau. Ob ich das unsichtbare Licht direkt vor dem Sensor aussperre oder schon am Eingang, also vor dem Objektiv hat keinen Einfluss auf die Arbeitsweise der Elektronik in der Kamera.


Objektiv

Bis auf wenige Spezial-Objektive sind alle Linsen auf Brechung von sichtbarem Licht berechnet. Das hat zum Einen zur Folge, dass bei infrarotem Licht der Fokus höchstwahrscheinlich an einer anderen Stelle sitzt als bei sichtbarem Licht, meist etwas näher. Zum Anderen haben viele Objektive die Eigenschaft in der Mitte einen hellen Fleck abzubilden weil das infrarote Licht an "falschen" Stellen innerhalb des Objektivs gebrochen und reflektiert wird. Einige, gerade moderne, Objektive sind kaum für die Infrarot-Fotografie geeignet. 

Bei ultraviolettem Licht sind die Auswirkungen nach meinen Erfahrungen nicht ganz so stark ausgeprägt. Durch die kurzen Wellenlängen wirken die Bilder allerdings oft etwas unscharf, auch wenn richtig fokussiert wurde. Bei längeren Brennweiten tritt dieser Effekt stärker auf als bei kurzen.


Meist sind "einfache" Objektive mit möglichst wenigen verbauten Linsen besser für die Brechung unsichtbaren Lichtes geeignet als aufwändige Zoom-Objektive. Wenn das infrarote Licht durch viele Linsen gestreut wird nehmen Kontrast und Schärfe ab. Umso größer der Brennweitenbereich des Objektivs desto stärker werden die o.g. Bildfehler sichtbar. Mit dem 18-300 für 199€ wird wohl kaum eine gute IR-Aufnahme gelingen. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Zoom-Objektive Hotspots produzieren und inakzeptable Schärfe und Kontrast aufweisen . Das ist von vielen Faktoren abhängig. Eine gute Übersicht über alle gängigen Objektive hinsichtlich ihrer Eignung für IR-Fotografie findest Du bei Kolari Vision.

Gute Erfahrungen habe ich mit verschiedenen Meyer Optik Görlitz Objektiven sowie dem Helios 44-2 gemacht. Ein Meyer Optik Görlitz Lydith 30/3,5 ist in einem guten Zustand bei ebay für 30-40€ erhältlich, keine großartige Investition also. Mittels einfachem Adapter M42 - Nikon F  für einige Euros kommt dann das alte Schmuckstück an die moderne Kamera.

Letztendlich helfen aber nur Testaufnahmen mit den verschiedenen Objektiven, nur anhand des Alters oder der Anzahl der verbauten Linsen lässt sich die Eignung eines Objektivs für die Infrarot-Fotografie nicht vorhersagen. 

Filter

Die unten beschriebenen Filter bestehen aus Spezialglas. Diese Gläser sind nicht nur außen beschichtet, sondern bestehen meist aus mehreren Schichten. Somit wird die Wirkung stärker wenn das Glas dicker ist. Ein 2 mm dickes Glas wird seine Aufgabe besser erfüllen als ein 1 mm dickes Glas. Du solltest vor dem Kauf darauf achten, dass der Hersteller angibt wie dick das verbaute Glas ist. Für einige schwer erhältlichen Filter kann es nötig sein, dass passende Glas selbst in einen Filterring zu montieren. Dafür benutze ich alte, billige Filter. Alternativ kaufe ich ein billiges Farb- oder UV-Filter. Ich baue das Originalglas aus und setze dann das Neue ein. 

 

Der chinesische Hersteller STC Optics bietet sogenannte Clip-Filter an. Diese werden vor dem Sensor befestigt. Das sieht nach etwas Fummelei aus, könnte aber eine gute Alternative zu den Schraubfiltern sein. Vor Allem, wenn man Objektive verwenden will, an denen man keine Filter befestigen kann wie z.B. Fisheye oder mein Sigma 14/2,8. Für die Arbeit im Light Painting sind diese Filter allerdings nicht sehr geeignet. In der Dunkelheit während der Belichtung die Clip-Filter ein- und auszubauen dürfte schnell zur Geduldsprobe werden.

Um zu steuern ob sichtbares, infrarotes oder ultraviolettes Licht aufgenommen werden soll und in welchen Anteilen, kommen verschiedene Filter zum Einsatz. Die meisten der unten genannten Filter sind schwer erhältlich und zum Teil sehr teuer. Für eckige Filter-System sind die meisten Filter überhaupt nicht erhältlich. 

Ich verwende Step-Down-Ringe um die großen 77 mm Filter an Objektive mit kleinerem Filter-Gewinde benutzen zu können. Das spart den mehrfachen Kauf des jeweiligen Filters. 77 mm ist das Maß meiner "größten" Objektive, von den 86mm des Halters für das Laowa 12/2,8 mal abgesehen.

Bei den Filtern sollte man nicht unbedingt auf die billigen Exemplare vom Mann aus Fernost zurückgreifen. Die Gläser haben immer Einfluss auf die Bildqualität, sie liegen schließlich mit in der gesamten Optik.

UV-IR Cut Filter

infrarot Fotografie

Dieses Filter hat genau die gleiche Wirkung wie das Filter vor dem Sensor welches wir aus der Kamera entfernt haben. Die Kamera nimmt mit diesem Filter nur Licht aus dem sichtbaren Spektrum auf. Dieses Filter benötigt man wenn man uneingeschränkt normale Fotos machen will, so wie vor dem Umbau.

 

Gute Erfahrungen habe ich mit Filtern der Firma Hoya gemacht. Sie liefern gute Ergebnisse und kosten nicht so viel wie andere gute Filter von B+W oder Heliopan. Hoya UV IR Cut Filter  

IR Pass Filter

IR Filter sind in unterschiedlichen Wellenlängen erhältlich. Die gängigste, und somit recht einfach und für einen angemessenen Preis zu bekommende, Variante hat eine Wellenlänge von 720nm und liegt somit zum Teil im sichtbaren Spektrum. Die Angaben auf den Filtern beziehen sich gewöhnlicherweise auf eine Transmission von 50% beim angegebenen Wert. Dieses Filter lässt also Licht mit 720nm zu 50% passieren. Die Kurve nimmt nach links steil ab und steigt nach rechts, also im IR-Bereich, stark an. Mit diesem Filter nehme ich demzufolge kein reines IR-Foto auf sondern immer einen gewissen Anteil an sichtbarem Licht plus einen hohen Anteil an IR. Mit diesem Filter werden typischerweise Falschfarben-Infrarot-Bilder (weiße Bäume und blauer Himmel) das Ergebnis sein, möglich ist aber auch ein monochromes Bild in der Bildbearbeitung zu erzeugen. Hoya R72

 

Um ein reines Infrarot-Foto aufzunehmen benötigt man Filter mit höheren Wellenlängen. Dadurch gelangt kein sichtbares Licht mehr in die Kamera. Das B+W Infrafotfilter hat bei 800nm einen Transmissionsgrad von nur 1% , bei 850nm 50% und bei 900nm 88%. Das Ergebnis mit solch einem Filter ist dann ein klassisches monochromes IR-Foto.

 

Mit Filtern mit Wellenlängen von über 950nm habe ich bisher keine Erfahrungen gesammelt.

 

Erhältlich sind ebenfalls Filter mit kürzeren Wellenlängen. Diese lassen also einen noch größeren Anteil des sichtbaren Lichtes passieren. Ich benutze neben dem oben erwähnten 720nm Filter einen 590nm Filter, um genau zu sein einen B+W 090. Auch dazwischen sind Filter erhältlich wie z.B. der B+W 091 mit 630nm. Hier findest Du eine gute Übersicht über die Effekte der verschiedenen Filter: http://infrarouge.photo/2015/09/16/le-comparatif-des-filtres-ir/

UV Pass Filter

Diese Filter sind sehr schwer erhältlich und sehr teuer. Bei Kolari Vison kostet die Variante mit 58mm Gewinde 250$ plus Versand. Größere Varianten sind dort nicht erhältlich. Dieses Filter lässt UV-Licht passieren und blockt fast das gesamte sichtbare Spektrum. Gewöhnlicherweise haben diese Filter ca. 50% Transmission im IR-Bereich. Ein "sauberes" UV-Filter erhält man somit nur in Kombination mit einem IR-Sperrfilter. 

UV-IR Pass Filter

Dieses Filter blockiert sichtbares Licht und lässt UV und IR passieren. Auch diese Filter sind sehr schwer erhältlich und sehr teuer. Die Transmission liegt sowohl im UV als auch im IR Bereich bei ca. 90%

Farbfilter

Bei der Verwendung von Farbfiltern werden ebenfalls bestimmte Wellenlängen blockiert bzw. reduziert. Farbfilter wirken, von (dunkel)roten Filtern mal abgesehen, allerdings nur auf Wellenlängen im sichtbaren Spektrum des Lichts. Einige Rotfilter reduzieren ebenfalls den IR Anteil. Ein Gelb- oder Orangefilter beispielsweise reduziert den blauen Anteil des Lichts. 

Stacking mehrere Filter

Bestimmte Effekte in der IR-Fotografie lassen sich recht einfach durch das Stacking mehrerer Filter erreichen. Durch die Kombination eines gelben Farbfilters mit einem 590 nm IR-Filter wird der Anteil des blauen Lichtes reduziert und der Anteil des IR-Lichts welches den blauen Kanal des Sensor anregt erhöht. Somit bekommen stark IR reflektierende Bildteile wie Bäume eine blaue Färbung. Der blaue Himmel hat dann im Bild einen Gelbstich, der Himmel selbst hat keinen großen IR-Anteil. Die Kombinationsmöglichkeiten von verschiedenen Filtern sind nahezu grenzenlos.

Weißabgleich

Jetzt wird es etwas schwieriger. Der automatische Weißabgleich der Kamera funktioniert nicht mit Licht aus dem unsichtbaren Spektrum. IR-Fotos sind stark rotlastig, UV-Fotos werden blau dargestellt. Um den Weißabgleich später in der Bildbearbeitung korrigieren zu können solltest Du in jedem Fall im RAW Format aufnehmen. Im JPEG-Format ist eine nachträgliche Korrektur nur sehr eingeschränkt möglich. Die Kameras können oftmals nicht auf den "richtigen" Wert eingestellt werden. Der kleinste Wert für den manuellen Weißabgleich meiner Nikon D300 liegt bei 2500K. In der Bildbearbeitung stelle ich den Weißabgleich oft auf einen noch kleineren Werte ein. 

Ein gängige Methode für das Einstellen des Weißabgleichs für die typischen 720nm Infrarotaufnahmen ist es den Weißabgleich auf Blätter von Bäumen oder den Rasen einzustellen. Dafür belichtest Du nur auf die Blätter oder das Gras und nimmst dieses Bild als Referenz für den Weißabgleich. Das Ergebnis sind dann die typischen 720nm Bilder mit den weißen Bäumen. 

In vielen Aufnahmesituationen fertige ich Weißabgleichsreihen an. Ich erhöhe dabei den manuellen Weißabgleich, beim kleinsten Wert 2500K beginnend, um jeweils ein oder zwei Stufen.

Belichtung

Als Erstes mache ich immer einige Testaufnahmen im Automatikmodus. Ich stelle die Blende ein und lasse die Kamera die passende Belichtungszeit wählen. In vielen Situationen und mit manchen Objektiven funktioniert das ganz gut. Mit anderen Objektiven ist das Bild viel zu dunkel. Mit den Testaufnahmen als Grundlage stelle ich im zweiten Schritt die Kamera in den manuellen Modus und wähle die Belichtungszeit. Wenn das Bild vorher zu dunkel war verlängere ich die Belichtungszeit so lange bis es passt. Alternativ kann man natürlich weiter aufblenden oder den ISO-Wert erhöhen. 

Da infrarotes Licht anders gebrochen wird als sichtbares tritt der Effekt der Beugungsunschärfe schon bei größeren Blenden auf. Je nach Objektiv bei Blende 8 oder sogar 5,6. Scharfe Infrarot Aufnahmen werden wohl mit kaum einem Objektiv mit Blenden von 11 oder kleiner gelingen. 

Es ist empfehlenswert Belichtungsreihen aufzunehmen. Oft kann man vor Ort auf dem kleinen Display der Kamera nicht vernünftig beurteilen ob die Belichtung passt. Somit kann man dann später am Computer das "richtige" Bild aussuchen und weiter bearbeiten. Denkbar wäre darüber hinaus auch das Verrechen der Belichtungsreihe zu einem DRI oder auch HDR

Fokussieren

Mit montiertem 720nm IR-Filter sieht man im Sucher meist genau gar nichts. Auch der Autofokus ist dann blind. In den meisten Fällen fokussiere ich zuerst ohne Filter, entweder mit dem Autofokus oder mithilfe der Funktion Live View per Hand. Die meisten von mir verwendeten Linsen haben ohnehin keinen Autofokus. Im Anschluss daran schalte ich den Autofokus an der Kamera aus und schraube das Filter an das Objektiv und mache eine erste Aufnahme. Bei einigen Linsen wie dem Meyer Optik Görlitz Figmentum 35/2 passt das dann meist. Sollte der Fokus nicht sitzen helfen nur weitere Testaufnahmen. Wie oben erwähnt sitzt der Fokus bei infrarotem Licht bei den meisten Objektive etwas näher als bei sichtbarem Licht. 

 

Im Light Painting ist das Fokussieren mal ausnahmsweise recht einfach. Im Beispielbild habe ich den Schädel mit einer leistungsstarken IR-Taschenlampe angeleuchtet und über Live View fokussiert. Da der Raum komplett dunkel war konnte ich ohne Filter nur mit infrarotem Licht fokussieren. Diese Methode eignet sich darüber hinaus ganz gut um den Unterschied im Fokus zwischen sichtbarem und infraroten Licht für das benutzte Objektiv zu ermitteln. Einmal den Schädel, oder gerne auch etwas weniger Morbides, mit sichtbarem Licht anleuchten, fokussieren, anschließend mit infrarotem Licht anleuchten und kontrollieren ob der Fokus noch passt.  Sollte das Motiv im Schritt zwei unscharf sein kann man jetzt recht einfach den Unterschied ermitteln und ggf. Markierungen am Objektiv anbringen oder Notizen machen. 

infrarot full spectrum Light Painting

Diese Prozedur sollte man mit verschiedenen Motivabständen durchführen, 0,5, 1, 2, 3, 4 Meter und je nach dem, wann die Einstellung unendlich erreicht ist, noch darüber hinaus. Um diese Einstellungen einmal richtig zu ermitteln empfiehlt es sich die Kamera mit Computer oder Tablet zu verbinden um im größeren Live View Bild besser die Schärfe beurteilen zu können als auf dem kleinen Mäusekino auf der Rückseite der Kamera.

Es ist ratsam in der Infrarotfotografie mit möglichst wenigen verschiedenen Objektiven zu arbeiten weil der Aufwand für das Fokussieren meist recht groß ist. Wenn Du ein Objektiv gefunden hast, welches keinen Unterschied im Fokus auf sichtbares und infrarotes Licht aufweist solltest Du dieses verwenden um die Arbeit zu erleichtern auch wenn es nicht Dein "bestes" Objektiv ist.

Geeignete Motive

Infrarot Light Painting
© Dan Chick

Welche Materialen infrarotes Licht (stark) reflektieren oder nicht ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Weder Pala Teth noch ich hatten im Beispielbild vom geschätzten Dan Chick weiße bzw. hellgraue Bekleidung an. Mit infraroten Licht wird dann die schwarze Klamotte plötzlich viel heller... oder auch nicht. Nur weil zwei Sachen schwarz sind bedeutet das nicht, dass sie auch im Infrarotfoto gleich aussehen. Unter Umständen bleibt die Hose schwarz und die Jacke wird weiß/hell. Oder das weiße T-Shirt wirkt viel dunkler als die schwarze Hose. Auch hier helfen wieder nur, Du ahnst es bestimmt schon, Testaufnahmen. 

 

Aber genau solche Überraschungen machen für mich einen großen Reiz der Fotografie mit Licht aus dem unsichtbaren Spektrum aus. 


Im Light Painting kann man die Helligkeit im Bild über die Helligkeit der verwendeten infraroten Lichtquellen steuern, beim Fotografieren mit natürlichem Licht geht das nicht. Da muss man nehmen was kommt. Und weil eben mit bloßem Auge das infrarote Licht nicht zu sehen ist gibt es zuweilen einige Überraschungen. Grundsätzlich reflektieren die meisten Pflanzen infrarotes Licht recht stark. Aber auch hier kann es passieren, dass die Blätter des Laubwaldes viel heller im Bild sind als die davor liegende Wiese. 

Bildbearbeitung

Das Bild links ist die Originalaufnahme aus der Kamera mit automatischem Weißabgleich. Fotografiert habe ich mit dem Meyer Optik Görlitz Lydith 30mm und aufgeschraubten Hoya R72 Filter. Für das Ergebnis rechts habe ich in Darktable das Eingabeprofil auf "lineares Infrarot-BGR" eingestellt, den Weißabgleich manuell auf die Bäume gewählt, den Kontrast gespreizt und die Sättigung etwas erhöht. In anderen Bildbearbeitungsprogramme ist der Wechsel des Eingabeprofils auf BGR meines Wissens nach nicht möglich, da hilft dann nur das Tauschen des roten und blauen Farbkanals im Kanalmixer. Das Ergebnis ist dann sehr ähnlich. 

Light Painting mit unsichtbarem Licht

Das für mich eigentlich Spannende bei der Arbeit mit unsichtbarem Licht ist natürlich die Arbeit mit gesteuertem Licht im Light Painting. Mit infrarotem Licht einen Teil des Bildes in "schwarzweiß" und den Rest als "normales" Farbfoto aufzunehmen eröffnet ganz neue Möglichkeiten im Light Painting. 

Die Arbeitsweise sieht gewöhnlicherweise so aus, dass ich ein IR-Filter montiere und mit einer IR-Taschenlampe den Teil des Bildes ausleuchte, der monochrom dargestellt werden soll, wie  der Schädel im Beispielbild. Während dieses Arbeitsschrittes schalte ich meist eine grüne Taschenlampe ein um überhaupt etwas sehen zu können. Das grüne Licht wird von IR-Filter komplett blockiert und ist somit im Bild nicht sichtbar. Im nächsten Schritt entferne ich das IR-Filter und montiere ein UV/IR Cut Filter.  


In diesem Zustand funktioniert die Kamera dann wie eine nicht modifizierte Kamera. Ich kann also Lichtspuren mit sichtbarem Licht aufzeichnen. Die Schwierigkeit besteht allerdings bei der Einstellung des richtigen Weißabgleichs. Wenn ich den Weißabgleich so einstelle, dass der infrarote Teil des Light Paintings monochrom ist "verschieben" sich die Farben aus dem sichtbaren Spektrum mehr oder weniger stark. Besonders schwierig bis unmöglich den "richtigen" Weißabgleich einzustellen wird es bei der Arbeit mit ultraviolettem und infraroten Licht in einer Aufnahme. Aber genau das ist für mich ein spannender Aspekt im Light Painting; das Entwickeln neuer Techniken, neuer Ideen und das Ausloten der physikalischen Grenzen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht, ob nun sichtbar oder unsichtbar.
Sven

4 Kommentare

Bokeh als Light Painting Stilmittel

Light Painting mit Blasen und Quallen

Was ist Bokeh?

Der Begriff stammt vom japanischen Wort "boke" ab und bedeutet so viel wie verschwommen oder unscharf. In der Fotografie beschreibt Bokeh die Qualität der Unschärfe eines Objektivs. Die Qualität des Bokehs ist kaum messbar und beschreibt nur die Form der Unschärfebereiche und nicht die Stärke des Effekts. Ob ein Bokeh als schön wahrgenommen wird oder nicht ist stark vom eigenen ästhetischen Empfinden abhängig. Unser Auge sieht solche Unschärfen nicht oder anders. Sie entstehen ausschließlich im Objektiv.

Die "Quallen" im Beispielbild sind ein gutes Beispiel. Vor der Kamera waren nur kleine Lichtpunkte, die Quallen hat das Objektiv "gemalt". Dieses Quallen-Bokeh ist mit keinem handelsüblichen Objektiv möglich, das geht nur wenn man das Objektiv modifiziert. Dazu später mehr.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Wie entsteht das Bokeh?

In der Fotografie werden aus gestalterischen Gründen gerne bewusst bestimmte Bereiche unscharf dargestellt, beispielsweise der Hintergrund eines Porträts oder auch der Vordergrund in der Landschaftsfotografie. Oftmals wird gerade in der Porträtfotografie versucht den Schärfebereich möglichst gering zu halten. Die Schärfentiefe ist abhängig von der Brennweite und der gewählten Blende. Umso länger die Brennweite und umso größer die Blende desto kleiner ist der scharf abgebildete Bereich in der Tiefe von der Kamera aus gesehen. Bei 14mm Brennweite, f11 und richtigem Fokus wird es keine sichtbaren Unschärfebereiche geben. Mit derart kurzen Brennweiten lässt sich meist kaum Bokeh darstellen.

 

Im Light Painting kann ich ganz anders an die Sache gehen. Beim Bild oben habe ich mit dem umgebauten Helios ganz bewusst den Fokus "falsch" eingestellt um nur das Bokeh aufzunehmen. Für die anderen Bildteile (Schädel und Orb im Mund des Schädels) habe ich die Einstellungen des Objektivs verändert bzw. das Objektiv während der Belichtung gewechselt. Somit kann ich im Lightpainting das Bokeh genau so aufnehmen wie ich will. In dem Moment, in dem ich das Bokeh aufnehme muss kein Bereich des Bildes scharf abgebildet werden. 

Was hat Einfluss auf das Aussehen des Bokehs?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

In unscharfen Bereichen nimmt jeder Lichtpunkt die Form der Blende bzw. der Eintrittspupille des Objektivs an. Was allerdings alles genau Einfluss auf das Aussehen des Bokehs hat konnte bisher noch nicht komplett ergründet werden. Mittlerweile gibt es zwar einige Objektive die speziell für ein schönes Bokeh konstruiert werden, bei den allermeisten Objektiven ist ein schönes Bokeh aber eher ein angenehmer Nebeneffekt als das Hauptziel bei der Rechnung der Objektivkonstruktion.  Pauschal kann man auch nicht sagen, dass die Linsen vom Hersteller A allgemein ein schöneres Bokeh zeichnen als die Linsen von Hersteller B. Grundsätzlich lässt sich allerdings feststellen, dass Zoom-Objektive meist kein schönes Bokeh darstellen und das Objektive von Nikon und Canon meist auch nicht die Könige des Bokehs sind.


Allgemein wird ein weiches, rundes Bokeh als angenehmer wahrgenommen als ein hartes weil es mehr Ruhe ins Bild bringt und somit nicht so sehr vom eigentlichen Motiv ablenkt. Die Anzahl, die Form und die Fertigungsqualität der Blendenlamellen hat den größten Einfluss auf das Aussehen des Bokehs. Bei 4 Blendenlamellen ist das Bokeh zwangsläufig quadratisch, umso mehr Blendenlamellen verbaut sind desto wahrscheinlicher wird das Bokeh kreisrund. Die Form der Blendenlamellen hat darüber hinaus Einfluss auf die Qualität des Bokehs. Eine saubere, ohne jeglichen Grat mit dem Laser geschnittene Lamelle wird ein härteres Bokeh darstellen als das Objektiv von 1960 mit den handgefertigten Lamellen. An den "rauhen" Kanten wird das Licht stärker gebrochen, der Unschärfe-Effekt also noch verstärkt. Eine sichere Vorhersage ob ein bestimmtes Objektivs ein angenehmes Bokeh darstellen kann lässt sich allein mit dem Wissen um Anzahl der Blendenlamen und Herstellungsjahr allerdings nicht treffen. Da hilft nur etwas Recherche im Internet. Hier zum Beispiel findest Du einige Aufnahmen des Meopta Belar 75mm, eines der weinigen Objektive mit nur 4 Blendenlamellen:  https://www.sample-image.com/meopta-belar-75mm-f4-5/ 

 

Das Aussehen des Bokehs verändert sich bei vielen Objektiven abhängig davon ob der Vordergrund oder der Hintergrund unscharf abgebildet wird. Das Aussehen des Bokehs lässt sich durch Verstellen der Blende und/oder der Fokussierung beeinflussen. Im Beispielbild habe ich während der Belichtung sowohl Blende als auch den Fokus verändert. Aus diesem Grund sind die "Quallen" unterschiedlich groß und haben verschiedene Formen. Der Effekt ist bei diesem Objektiv am Bildrand stärker als in der Bildmitte. 

 

Bei einigen Objektiven entstehen durch die Lichtbrechung an den Lamellen in Verbindung mir einer schlechten Vergütung der Linsen zusätzlich lustige Farben im Bokeh, die eigentlich gar nicht da sind.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Welches Objektiv zaubert das schönste Bokeh ins Light Painting?

Bitte auf die Bilder klicken. Alle Bilder wurden mit der gleichen Lichtquelle, einem Bündel schwarzer Glasfasern, aufgenommen. Es wurde die größte Blende eingestellt und auf Unendlich fokussiert. Der Abstand zwischen Kamera und Glasfasern war ungefähr gleich. Aus diesem Grund ist das Bokeh der Teleobjektive eigentlich so nicht zu beurteilen. Alle Aufnahmen wurden mit der gleichen Belichtungszeit angefertigt.

Das für meinen Geschmack hässlichste Bokeh hat mit Abstand das Nikkor 35/1,8 (Bild 8). Die Zoom-Linsen (Bild 1 und 3) sowie das Nikkor 50/1,8 (Bild 6) fabrizieren ebenfalls kein schönes Bokeh. Vom Sigma 14/2,8 (Bild 2) war ich recht überrascht. Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Das hatte ich vorher noch nie getestet. 

Ein wirklich schönes Bokeh malen die Meyer Optik Linsen (Bild 7, 9 und 11) auf den Sensor. Bild 10 wurde mit dem modifizierten Helios 44-2 aufgenommen. Mehr Bokeh geht nicht. Diese besondere Tiefenwirkung allein durch das Bokeh habe ich bisher bei keinem anderen Objektiv gesehen. 

 

Dieser Artikel kann kein ausführlicher Test sein. Die Anzahl der Objektive ist unüberschaubar, niemand könnte sie alle testen. Wie in den Bildern oben gut zu sehen ist sind die Unterschiede schon recht deutlich.

Das schöne Bokeh macht die alte Festbrennweite und nicht das neue Highttech-Zoom. Auch wenn einige Objektive, wie die Meyer Optik Görlitz Figmentum, nicht alt sind, so ist doch die Rechnung alt. Der Hersteller versucht mit der Fertigung sehr nah am alten Original zu bleiben. 

Bokeh 2.0 - Frontlinse des Helios 44-2 umdrehen

Helios 44-2

Das Helios macht schon so wie es ist ein durchaus ansehnliches Bokeh, ähnlich dem der Meyer Optik Linsen. Der Effekt lässt sich durch Drehen der Frontlinse noch deutlich verstärken. Darüber hinaus ändert sich dadurch die Form des Bokehs. Aus den runden Blasen werden, gerade in den äußeren Bereichen Quallen.

 

Der Umbau ist denkbar einfach. Die Frontlinse wird von einem Gewindering gehalten. In diesem sind zwei kleine Kerben. Mit einem geeigneten Werkzeug, z.B, ein Zirkel mit zwei Metalspitzen, dreht man diesen Ring raus, dreht die Linse um und dreht dann den Gewindering wieder ins Objektiv. 

 

Bei den allermeisten Objektiven würde solch ein Umbau nicht so einfach funktionieren und, vor allem, nicht diesen Effekt bringen. Bei einigen anderen alten russischen Objektiven kann man auf die gleiche einfache Weise die Frontlinse drehen und eine Verstärkung des Bokehs erreichen. Lohnenswert ist das beim Jupiter 9 sowie Mir 1b. Das Jupiter 9 ist allerdings im Moment nicht für einen vernünftigen Preis zu bekommen, unter 150€ ist kein gut erhaltenes Exemplar zu ersteigern. 


Beim Mir 1b sieht es nicht viel besser aus. Über ebay kann man zwar in Russland ein Exemplar für 60 bis 70 € kaufen, allerdings kommt dann neben ca. 15€ für den Versand noch der Besuch beim Zollamt des Vertrauens inkl. der Zahlung von 19% Einfuhrumsatzsteuer auf einen zu. In weit das Drehen anderer Linsen aus der UdSSR etwas bringt vermag ich im Moment nicht zu sagen. Einen Versuch wäre es sicher wert die Front Elemente von Linsen wie Zenitar M-50, Jupiter 8, Industar 69, oder Volna 3 umzudrehen. Mit etwas Glück bekommt man solch eine Linse für einen vernünftigen Preis bei ebay.

Light Painting mit dem Altglas

In den Bildern kamen Helios 44-2, Meyer Optik Lydith und Figmentum zum Einsatz:

Auch ohne Modifikation machen fast alle anderen Meyer Optik Görlitz Objektive ein feines Bokeh. Gute Kandidaten sind das Oreston 50/1,8, Trioplan 50/2,9, Primoplan 58/1,9  und natürlich das Trioplan 100/2,8 wenn man das nötige Kleingeld hat. Auch andere DDR Objektive sind durchaus sinnvoll im Light Painting einsetzbar, wie Carl Zeiss Jena Flektogon 35/2,8 und Biotar 58/2. 

Wie kommt das Altglas an die moderne DSLR?

Objektive mit sehr seltenen, heute überhaupt nicht mehr verwendeten Anschlüssen wie Praktina, Exakta, P6-Bajonett o.a. habe ich auch schon mal mit Gaffa Tape an die Kamera geklebt. Das ist nicht besonders elegant, aber zur Not funktioniert auch das.  Da in den alten Linsen keinerlei Elektronik verbaut ist lassen sich Objektive mit M42 oder M39 Anschluss mit einem einfachen Adapter für das eigene System umrüsten. Diese Adapter kosten nur einige wenige Euro. 

M42 - Nikon F - M42 - Canon L - M42 -Sony E - M42 - Sony (Minolta) - M42 - Olympus - M42 - Pentax K - M42 - Fuji X

Bei manchen Kameras, wie z.B. Nikon ist mit diesen Adaptern keine Fokussierung auf unendlich möglich. Dafür benötigt man dann einen Adapter mit Korrekturlinse. Für unseren Einsatzzweck spielt das allerdings keine Rolle weil wir ja bewusst Unschärfe aufnehmen wollen. Wenn du das Objektiv an Deiner Nikon auch für "normale" Fotografie verwenden willst ist die Investition in einen Adapter mit Korrekturlinse sicher eine Überlegung wert.

Die oben genannten Adapter sind ebenfalls für M39 Gewinde erhältlich.

Wie viel Glas braucht der Light Painter?

Haben ist ja immer besser als Brauchen. Allerdings fällt mir keine Situation ein, in der ich die Linsen aus dem Beispielbild alle gebrauchen könnte, nicht einmal der dreiwöchige Urlaub. Im Fotorucksack sind nie mehr als 5 Linsen verstaut, allerdings wechseln sie gelegentlich. Wenn ich ausschließlich Light Painting mache nehme ich andere Linsen mit als wenn ich Lost Places fotografiere. 

Die meisten Light Painting Bilder mache ich mit dem Sigma 14/2,8 (oben links). Das Tokina 19-35 (rechts daneben) habe ich auch so gut wie immer dabei. Meist verwende ich diese Linse allerdings nur wenn ich während der Belichtung am Zoom drehe. Das Meyer Optik Görlitz 35/2 (dritte Reihe, zweites von links)  befindet sich genauso immer im Rucksack wie das Helios (ganz unten).  


Für fast alle Light Painting Ausflüge ist das absolut ausreichend. Für spezielle Aufgaben verwende ich gelegentlich das 100er Makro Objektiv (nicht im Bild weil an der fotografierenden Kamera). Das 85er Meyer Optik benutze ich manchmal für Light Painting Porträts. Alle anderen Linsen verwende ich fast ausschließlich für "normale" Fotografie. Das 8mm Fisheye benutze ich nur für 360° Panoramen. Und überhaupt sollte ich die Linsen mal putzen wenn ich mir das Bild so anschaue...

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht und wenig Dreck auf der Linse
Sven

0 Kommentare

Light Painting und Social Media - Fluch oder Segen?

Ohne Facebook und Instagram kein Light Painting?

Ich weiß nicht wie die Light Painting Gemeinschaft heute ohne die fantastischen Möglichkeiten des Internets, und vor allem der Social Media Plattformen, aussehen würde. Höchstwahrscheinlich wäre die Anzahl der Light Painting Besessenen wesentlich kleiner. Viel gravierender, zumindest für mich, wäre allerdings, dass ich von der Existenz der anderen Light Painter vermutlich nichts wüsste. Es würde wenig oder gar keinen Austausch geben. Ich könnte nicht gemeinsam mit Pala Teth, Mart Barras, Dan Chick, Frodo und anderen Verrückten aus allen Teilen der Welt der Berliner Malzfabrik mit den Lampen neues Leben einhauchen. 

Die meisten Kollegen, so wie ich auch, sind erst durch den Austauch in den sozialen Netzwerken überhaupt auf das Thema Light Painting gestoßen. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Andererseits gibt es die Kunstform Light Painting schon länger als das Internet und Facebook. Die ältesten bekannten Light Painting Fotografien stammen aus dem Jahr 1889, nein ich hab mich nicht vertippt, achtzehnhundertneunundachtzig. Es gab also schon seit Anbeginn der Fotografie Künstler die kreativ mit langen Belichtungszeiten gearbeitet haben. 

So richtig Schwung hat Light Painting allerdings erst seit einigen Jahren bekommen. Neben der einfachen Verbreitung im Internet ist dieser Umstand der rasanten Entwicklung der digitalen Fotografie sowie der Entwicklung immer leistungsfähigerer LED-Lampen zu verdanken. 

Was ist mein Antrieb? Was sind meine Ziele?

Light Painting ist für mich so viel mehr als das perfekte Ergebnis. Light Painting ist der gesamte Prozess von der ersten verrückten Idee, dem Bau geeigneter Tools über die Suche nach der geeigneten Location bis hin zu den besonderen Erlebnissen und Gefühle während der kreativen Arbeit mit bewegtem Licht. Light Painting ist das Verstehen wie Licht funktioniert; welche ungeahnten Möglichkeiten die kreative Arbeit mit Licht bietet. Mir ist es ziemlich Schnuppe ob das Bild hunderte Likes und dutzende Kommentare in den sozialen Netzwerken bekommt. Mein Light Painting ist gut wenn es mir und den anderen an der Entstehung Beteiligten gefällt. Kunst liegt nicht im Auge das Betrachters, Kunst liegt in der Seele des Künstlers! Und wenn ich der Einzige bin der das Bild versteht, dann ist das eben so.  Der Eitelkeit schadet es aber natürlich nicht wenn den Light Painting Kollegen gefällt was ich so mache, meine Arbeitsweise werde ich deswegen aber sicher nicht dem Geschmack der Kollegen anpassen.

Austausch, Inspiration und gegenseitige Hilfe

Die meisten Light Painting Bilder die man mittlerweile so täglich bei Instagram und Facebook sieht sind eher Mimikri als Kunst. Der große Meister der Lichtröhren zeigt den Kindern wie es geht und hunderte "Light Painter" adaptieren die Technik 1:1 oder versuchen sogar gleich die kompletten Bilder zu kopieren.  Das macht den Beteiligten sicherlich viel Spaß, besonders kreativ ist das allerdings nicht. Als Künstler will ich doch meine eigenen Ideen und Gefühle sichtbar machen und nicht fremde. Solange das nur der Einstieg ins Thema Light Painting ist und sich der Künstler auf dieser Basis selbst weiterentwickelt, ist das allerdings durchaus legitim. Nur wenn der Künstler jeden Tag das gleiche Light Painting macht weil er ja damit sooooo erfolgreich bei Instagram ist kann ich das nicht so recht ernst nehmen. Eine Bereicherung der Light Painting Gemeinschaft ist so etwas jedenfalls nicht.

Man sollte allerdings etwas vorsichtig sein jemand eilig des Kopierens zu verdächtigen und lieber zwei Mal hinschauen. Manchmal haben nämlich einfach auch zwei oder mehr Leute den gleichen Geschmack und ähnliche Ideen.

 

Es ist oft eine Gratwanderung sein Wissen zu teilen ohne Gefahr zu laufen 1:1 kopiert zu werden. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es in den letzten Jahren immer mal wieder "Kopien" gab die mit viel lautem Geklapper erfolgreicher wurden als das Original. Und meist vergessen sie auch nur mit einer Silbe zu erwähnen wer sie "inspiriert" hat. Lange Zeit habe ich mein Wissen ausschließlich in unseren Workshops geteilt um eben dieser Gefahr vorzubeugen. Auf der anderen Seite habe ich den Wunsch die Light Painting Gemeinschaft zu vergrößern und zu stärken. Und dafür ist es eben hilfreich gerade Einsteigern Hilfestellungen zu geben damit sie nicht gleich wieder frustriert aufgeben. Wer gerade frisch auf die Kunstform Light Painting aufmerksam geworden ist bucht gewöhnlicherweise nicht sofort einen Workshop für einige hundert Euro. Das kommt dann erst später. Also versuche ich Einsteigern und manchmal auch erfahrenen Light Paintern Hilfe in Form von Beiträgen für diesen Blog, den Light Painting Blog und auch in verschiedenen Gruppen bei Facebook anzubieten. Alle meine Tricks verrate ich aber auf keiner dieser Plattformen. Außerdem vermeide ich es genaue Bau- oder andere Anleitungen zu veröffentlichen. Wenn dem geneigten Leser schon die Fantasie fehlt mit meiner Hilfe das geeignete Werkzeug zu bauen ist Light Painting dann vielleicht doch nicht das Richtige für sie oder ihn. Es soll nicht darum gehen meine Tools und Techniken 1:1 zu kopieren. Sie sollen nur den ein oder anderen Aha-Effekt auslösen und dem Leser helfen eine für ihn geeignete Lösung zu finden.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mit einigen langjährigen Light Painting Kollegen werden dann auch schon mal die Blaupausen für Tools oder die genaue Arbeitsweise ausgetauscht. Meist nicht so sehr um das Tool dann tatsächlich genau so nachzubauen, sondern eher um die Arbeitsweise und die Ideen des geschätzten Kollegen besser verstehen zu können.

Nun ist es allerdings nicht so, dass ich nicht auch manchmal Hilfe brauche. Ohne den Austausch mit anderen Light Paintern würde ich einige Dinge bis heute noch nicht verstehen. Die auf volles Lichtspektrum umgebauten Nikon D70 und D300 hätte ich ohne den regen Austausch mit Dan Chick vermutlich schon aus dem Fenster geworfen. Er hat sich schon viel länger mit diesem Thema beschäftigt und hat außerdem als Physiker ein besseres Verständnis des Themas. Um nur mal ein Beispiel zu nennen.


Im Light Painting habe ich keine Konkurrenten denen ich etwas wegnehmen will oder die mir etwas wegnehmen könnten. Viele sehe ich als gleichberechtigte Kollegen oder sogar Freunde. Gerne können sie in unseren Koffern kramen und sich alles genau ansehen. Und wenn dann einer mal eines unserer Tools genau nachbaut fühle ich mich genauso geehrt als wenn große Künstler wie Mart Barras oder Pala Teth mit von mir modifizierten Taschenlampen arbeiten. 

 

Viele Light Painting Künstler inspirieren sich gegenseitig, egal ob Einsteiger oder alter Hase. Wenn ich mir jeden Tag dutzende Bilder anderer Light Painter anschaue bleibt immer etwas hängen. Ich renne dann allerdings nicht los und versuche die Technik sofort zu reproduzieren oder das neue Tool des Kollegen gleich nachzubauen. Aber oft fließen dann die verschiedenen Ideen in irgendeiner Weise in meine Arbeit mit ein. Ob nun ganz bewusst oder eher unbewusst sei jetzt mal dahin gestellt. Oft weiß ich nach einem Jahr nicht einmal mehr wer mich zu dieser Idee inspiriert hat. Manchmal weiß ich das allerdings noch ganz genau. Wie zum Beispiel beim Bild oben. Etwas ähnliches hatten Heinz-Jörg Wurzbacher und Garry Krätz vor einigen Jahren mal gemacht.
Wenn ich nicht viele gute Bilder anderer Light Painting Künstler gesehen hätte und immer wieder sehen würde wären mir sicher einige Ideen zur Umsetzung meiner Bilder nicht in den Sinn gekommen. Und ohne die sozialen Netzwerke hätte ich alle dieser Bilder vermutlich nie gesehen... und niemand würde meine Bilder sehen.

Nachteile für die Kunstform Light Painting

Wie oben schon angedeutet sehe ich den größten Nachteil der sozialen Netzwerke, vor allem von Instagram, in der Geilheit vieler Nutzer nach Followern und Likes. Es geht nicht um Kreativität. Es geht nicht um Kunst. Es geht nicht um Light Painting. Diese Leute wollen nur viele Follower und Likes. Sie sind sich nicht zu schade diese Likes mit Mimikri zu bekommen. Wozu das allerdings gut sein soll wird sich mir wohl nie erschließen. 

 

Problematisch wird es wenn man als Light Painting Künstler anfängt zu analysieren welche Bilder "erfolgreich" sind um dann seine Ideen, Arbeitsweise, Farben, Locations oder was auch immer zu verändern um allen Bildern mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das grüne Light Painting hatte letzte Woche doppelt so viele Likes wie das Blaue, also mache ich jetzt mehr grüne Bilder auch wenn das eigentlich gar nicht zu meiner aktuellen Idee und meiner Stimmung passt.

Aus mir völlig unerfindlichen Gründen  bekommen gerade bei Instagram, Bilder, die die Nutzer schon hunderttausend Mal gesehen haben, viel mehr Aufmerksamkeit als neue, spannende, einzigartige Bilder, egal wie gut sie sind.  

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Brandenburger Tor und Fernsehturm gehen immer, unbekannte Locations eher nicht, egal wie sexy sie sind und egal wie gut das Foto davon ist. 

Man muss schon sehr wach und vorsichtig sein um selbst nicht diesem unkreativen, letztendlich völlig bedeutungslosen, Blödsinn zu verfallen. Was habe ich denn von der großen Aufmerksamkeit bei Instagram? Richtig, nichts! Das sind nur Zahlen die keine Bedeutung für das reale Leben haben. Nur weil ich mehr als 100000 Follower habe bin ich noch lange nicht automatisch Millionär. Und ganz sicher bin ich nicht (mehr) besonders kreativ und meiner Kunst, meiner Passion, treu. Applaus ist für alle Künstler wichtig, auf diese Art Applaus kann ich allerdings durchaus verzichten. Vor allem wenn ich vergleiche welche meiner Bilder als großer Print über der Couch von realen "Followern" hängen. Das sind meist nicht die Startseiten-Bilder bei View oder Fotoforum und vor Allem nicht die Light Paintings mit besonders vielen Likes bei Instagram. Und dabei geht es mir nicht vordergründig darum mit dem Verkaufserlös neue Taschenlampen zu kaufen. Viel wichtiger ist das besondere Glücksgefühl, dass einigen Menschen meine Kunst so gut gefällt, dass sie viel Geld ausgeben um damit ihr Zuhause zu schmücken. Mehr kann man als Künstler eigentlich gar nicht wollen.

 

Allerdings sollte man auch nicht zu paranoid sein. Ich habe mich zuweilen schon dabei ertappt bestimmte Bilder nicht umzusetzen oder hochzuladen weil ähnliche Bilder recht erfolgreich in den Netzwerken waren. Letztendlich ist aber auch das kein guter Einfluss auf das eigene künstlerische Schaffen. Man sollte sich als Künstler treu bleiben und seine Ideen genau so umzusetzen wie man sie im Kopf hat, völlig unabhängig davon wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Light Painting bei Instagram "durch die Decke geht". 

 

Was mir auch nicht so recht verständlich ist warum Aktfotografen ihre Bilder mit Sternchen, Balken oder womit auch immer verunstalten. In den wenigsten Fällen gelingt eine "unauffällige" Retusche. Wenn das Bild mit Sternchen über den Nippeln geplant war dann klebe ich dem Model die Sterne gleich ans Gesäuge und verkaufe das als Burlesque und bastel das nicht für die "Facebook-Variante" am Computer ins Bild. Man kann diesen kranken Blödsinn in den Regeln von Fratzenbuch und Instagram ja Scheiße finden wie man will, es nutzt nur genau gar nichts sich darüber aufzuregen. Facebook und Instagram werden diese Regel nicht abschaffen. Wenn ich ausschließlich, oder hauptsächlich unbekleidete Damen ablichten würde hätte ich keinen Account bei Instagram. Wozu auch? Aber Konsequenz wird ja in der heutigen Zeit immer unpopulärer.

 

Warum ich überhaupt meine Light Painting Bilder bei Instagram poste wenn das alles so fürchterlich ist? Weil ich die Hoffnung habe nur echte Follower und echte Likes zu bekommen, jedenfalls schleime ich mich dort bei niemandem ein damit er mir folgt. Weil ich mit meinen Bildern die Kunstform Light Painting populären machen will. Weil ich zeigen will was kreative Arbeit mit Licht ist. Und wenn auch nur 5 meiner aktuell 1400 Follower vom Virus Light Painting durch meine Bilder angesteckt werden hat sich der Aufwand gelohnt.

 

Weniger stark sind diese Phänomene auf den anderen Online-Galerien wie flickr oder 500px ausgeprägt. Dort bin ich nicht so schnell gelangweilt vom sieben-tausendsten Stahlwolle-Bildchen. Dort wollen die meisten Nutzer ihre eigenen Bilder zeigen und nicht die Kopie der Kopie der Kopie. Für die Like-Geilen sind flickr und 500px glücklicherweise nicht hip genug. Dort funktioniert der Mimikri-Plan nicht so gut. Und außerdem ist es sowohl bei flickr als auch bei 500px wahnsinnig gefährlich weil Mark Zuckerberg nicht peinlich darauf achtet, dass ich keine weiblichen Brustwarzen zu sehen bekomme. Das könnte schließlich schwerste Traumata auslösen. 

Was können die verschiedenen Plattformen, was nicht?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Facebook

Facebook hasst jeder, oder? Ich hab noch nie jemanden sagen hören, dass Facebook toll wäre. Alle regen sich auf, dass irgendwelche Algorithmen zur Anzeige der Beiträge geändert wurden, dass Facebook sich einen Dreck um Datenschutz kümmert usw.. Aber irgendwie sind "alle" bei Facebook angemeldet und mehr oder weniger aktiv. 

Eigentlich ist das ganz einfach:
1. Facebook kostet nix. Wenn irgendwas für umme ist rege ich mich nicht auf, dass mir irgendwas grundsätzliches nicht passt. Mich zwingt ja schließlich niemand dazu mitzumachen.

2. Datenschutz. Auch ganz einfach. Ich poste dort ausschließlich Sachen, die ich jedem mir unbekannten Menschen auf der Straße auch erzählen oder zeigen würde.


Wer reich illustrierst über den sauber abgekniffenen Stuhl des Erstgeborenen berichtet hat den Knall nicht gehört. Man postet keine Bilder  seiner Kinder im Internet! Es sei denn sie sind alt und schlau genug um die Folgen zu überblicken und Mutti und Vati haben vorher artig gefragt. Sie suchen schließlich später den Platz im Geronten-Aufbewahrungs-Container für Mutti und Vati aus.

3. Ach nee... das mit den Titten hatten wir oben schon.

4. Facebook sieht Scheiße aus! Aber sowas von... Als visueller Künstler kommt mir regelmäßig das Abendbrot von vorgestern hoch wenn ich die Seite auf mich wirken lasse. Aber Facebook will auch gar keine ansprechende Online-Galerie für Künstler sein.

5. Die Wahrscheinlichkeit, dass Du diesen Artikel hier nur liest weil Du den Link bei Facebook angezeigt bekamst ist sehr hoch. Ohne Facebook hätte ich geschätzt nur ein Drittel so viele Leser. Geschätzt die Hälfte unserer Workshop Teilnehmer buchen die Workshops weil ich diesen bei Facebook geteilt habe. Ob nicht auch ohne Facebook alle Plätze des Workshops gebucht werden würden vermag ich nicht zu beurteilen, aber das Verbreiten auf Facebook nutzt mir jedenfalls etwas.

6. Facebook ist völlig ungeeignet um seine Bilder aussagekräftig, fundiert und konstruktiv kritisieren zu lassen. Die Anzahl der Likes sowie die Anzahl und Art der Kommentare ist oftmals völlig emanzipiert von der Qualität des Light Painting Bildes. Meist beschränken sich die Kommentare ausschließlich auf Lobhudelei oder Herabwürdigung. Nur in sehr seltenen Fällen liest man konstruktive Kritik. Ich habe mir das auch irgendwann abgewöhnt. Viele Künstler wollen so etwas nicht lesen und sind dann beleidigt. Vielen Menschen kommt überhaupt nicht in den Sinn ihre Arbeit zu verbessern indem sie Kritik annehmen. Komische neue, digitale Welt...

Instagram

Ich habe es aufgegeben verstehen zu wollen wie Instagram funktioniert. Die fundamentalen Ideen "Follow for Follow" und "Like for Like" sind mir so was von fremd. Da wird dann ein neuer Follower angezeigt damit man ihm auch folgt und dann drückt das Pufferhirn wieder auf "unfollow".

Da kann man sich dann Follower, Likes und Kommentare kaufen. Ja, tatsächlich, für reales Geld bekommt man bedeutungslose, wertlose, Follower und Likes. Kommentare sehen meist so aus: ⚡⚡⚡  👍⭐⭐ Was soll dieser Scheiß? Nur weil ich viele Follower habe bekomme ich noch lange nicht irgendwelche Aufträge, schon gar nicht wenn ich den Auftrag nicht ausführen kann weil ich keine Ahnung vom Thema habe. Und selbst wenn, will der Auftraggeber gewöhnlich kein Geld ausgeben, wie ich in jüngster Zeit selbst wieder einmal erleben durfte. Die große Agentur sucht für einen riesengroßen Auftrag (ein großer Autobauer) einen Light Painter. Bezahlen wollen sie aber nur 2,50€, oder besser gar nichts. Solche Anwandlungen wäre ohne Instagram kaum denkbar. Ich hoffe, sie suchen immer noch... bis sie schwarz werden! 

Miyuki Matsunaga @ Japan Festival Berlin 2017
Miyuki Matsunaga @ Japan Festival Berlin 2017

Ich folge Profilen weil ich tatsächlich die Bilder sehen will. Ich drücke zweimal auf ein Bild wenn es mir gefällt. Ich schreibe einen Kommentar wenn ich was zu sagen haben. Und das Gleiche erwarte ich andersrum. Bin ich deshalb geisteskrank? Muss ich in die Klappsmühle? Oder bin ich einfach zu alt für Instagram?

Ob Instagram einen realen Nutzen für die Stärkung der Light Painting Community hat vermag ich nicht zu beurteilen. Das ganze Medium ist dafür vermutlich viel zu schnelllebig. Da aber das Teilen eines Bildes mit dem Smartphone von flickr zu Instagram inklusive kopieren von 30 Tags nur 11,358 Sekunden dauert kann man ja versuchen auch über diese Plattform ein paar neue Light Painting Junkies zu rekrutieren. 

Flickr und 500px

500px bedient ausschließlich das Thema Fotografie, flickr lässt auch Digital Art und andere Kunst zu. Wenn ich einen Anhaltspunkt haben will ob mein Bild nicht nur mir alleine gefällt lade ich es bei flickr und 500px hoch und schau dann nach ein paar Tagen wie viele Leute es als Favorit markiert und kommentiert haben. Die "Qualität" dieser Bewertung ist meiner Meinung nach eine ganz andere als bei Instagram oder auch Facebook weil dort einerseits fast ausschließlich andere Fotografen und Künstler unterwegs sind und weil sich diese mehr Zeit nehmen um die Bilder zu betrachten. 

Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Plattformen ist die "Kurzlebigkeit" von 500px. Nach 24 Stunden sinkt die Zahl der Aktivitäten für das hochgeladene Bild rapide ab. Bei 500px wird für jedes Bild der sogenannte Pulse angezeigt. Um so höher dieser, desto mehr Aktivitäten gab es von anderen Nutzern für dieses Bild. 

Bei den Fickr Pro-Accounts hat man die Möglichkeit eine Statistik der Aktivitäten anzeigen zu lassen (siehe Bild).  

Wie aussagekräftig diese "Messungen" sind hängt von vielen Faktoren ab. Wochentag, Uhrzeit, Wetter, Anzahl der Follower... Ein Bild, dass bei Flickr Explore gezeigt wird bekommt automatisch viel Aufmerksamkeit auch wenn es kein Meisterwerk ist.


Man sollte, wie schon weiter oben geschrieben, keine Konsequenzen für seine zukünftige Arbeit aus diesen Zahlen ziehen. Es sind nur Zahlen. Ich kann nicht in die Köpfe und Herzen meiner Follower schauen. Ich kenne also ihre Motivation mein Bild zu kommentieren oder zu ihren Favoriten hinzuzufügen in den allermeisten Fällen nicht. Was sich allerdings meiner Meinung nach gut ablesen lässt ist die eigene "Qualitätssteigerung" über einen längeren Zeitraum. Ich weiß auch ohne irgendwelche Statistiken, dass ich heute bessere Light Painting Bilder mache als vor 5 Jahren. Das ist schließlich auch genau der Plan - immer bessere Light Paintings machen. Als zusätzliche Bestätigung und Messung taugen Instrumente wie Pulse bei 500px und die Statistiken bei Flickr durchaus. 

Den Applaus durch Kommentare, Favoriten und Pulse nehme ich bei diesen Plattformen gerne als solchen an. Nach meinen Erfahrungen geht es bei Flickr und 500px nicht so sehr ums Einschleimen um selbst Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn mir jemand folgt bleibt er in den allermeisten Fällen mein Follower auch  wenn ich ihm oder ihr nicht "zurück folge".  Fazit: meine Follower sind interessiert an meiner Kunst.

 

Die "beliebten Fotos" bei 500px beschränken sich in 99% der Fälle auf die technische Qualität. Gezeigt werden dort fast ausschließlich Piepmätze, leicht oder unbekleidete junge Damen, Makroinsekten mit "Tautropfen", niedliche Tierbabys, Polarlichter... alles "perfekt" bearbeitet und glatt gebügelt. Die meisten Bilder nehmen mich nicht mit, sie erzählen keine Geschichte, sie erzeugen kein Gefühl, sie sehen einfach nur nett aus und sind dabei völlig belanglos und austauschbar.  Die "beliebten Fotos" sehen irgendwie jeden Tag gleich aus, ich könnte jedenfalls nicht sicher sagen ob dieses oder jenes Bild nicht schon letzte Woche gezeigt wurde.

 

Ganz anders bei Flickr Explore. Die meisten Bilder sprechen mich dort zwar auch nicht an aber zumindest werde ich nicht täglich mit dem fünftausendsten austauschbaren Bild des Eisvogels genervt. Dort gibt es tatsächlich dem Namen entsprechend so einiges zu entdecken wenn man denn was Neues entdecken will. 

 

Eine wichtige Rolle spielen bei Flickr die Gruppen. Ohne die Light Painting Gruppen, vor allem die 2008 von Trevor Williams gegründete Gruppe "Light Junkies" wären wohl viele Light Painter der heutigen Zeit nie auf das Thema Light Painting aufmerksam geworden. In den meisten Light Painting Gruppen gibt es dann tatsächlich auch nur zum Thema Light Painting passende Bilder zu sehen. Die Gruppenmitglieder sind höchstwahrscheinlich wirklich am Thema interessiert und haben ein gewisses Verständnis was Light Painting ist. 

Die lokalen Seiten - Fotoforum, View, Heise, Fotocommunity

Die Reichweite ist natürlich nicht annähernd so groß wie bei den großen internationalen Seiten. Die Light Painting Gemeinschaft ist zwar in Deutschland recht groß, aber so viel kann man in den deutschen Communities nicht erwarten. Die Fotocommunity war bis vor einigen Jahren eine recht angenehme Plattform zum Austausch mit gleichgesinnten. Leider sind diese Zeiten vorbei. In der Galerie sind seit einiger Zeit auch wieder einige interessante Bilder zu sehen, das meiste ist allerdings ebenso belanglos wie bei 500px, glatt gebügelt und austauschbar. Die "Geschäftsidee" der fc finde ich sehr befremdlich. Man versucht die Mitglieder zu einem Bezahl-Account "zu motivieren" indem man die Anzahl der Bilder auf 100 beschränkt, ihnen den Zugang zu den Tittenbildern verwehrt und die Teilnahme am Voting verbietet anstatt ihnen tatsächlich einen Mehrwert zu bieten. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Davon abgesehen sind in der fc viele Klugscheißer und Trolle unterwegs, die nicht den blassesten Schimmer haben was Light Painting ist aber trotzdem irgendwelche sinnfreien, respektlosen, herabwürdigen Kommentar abgeben. Für Auseinandersetzungen mit diesen Zeitgenossen fehlt mir die Zeit und der Nerv. Aus diesem Grund habe ich meinen Bezalh-Account vor einigen Jahren gekündigt. Etwas wehmütig war ich allerdings schon. Schließlich war die Light Art Gruppe in meinen Anfangszeiten als Light Painter eine ähnlich große Inspiration wie die Light Junkies bei Flickr.

Beim Fotoforum dagegen bekomme ich für die Bezahl-Mitgliedschaft das meist sehr lesenswerte Fotoforum Magazin zugesandt und kann kostenlos an allen Wettbewerben teilnehmen. Hier ist die Anzahl der Fotos auch im Free Account unbegrenzt, der Upload aber auf 1 Bild pro Woche beschränkt. Aber mal ehrlich, wer macht schon mehr als ein wirklich zeigenswertes Bild pro Woche? Da sucht man dann einfach viel sorgfältiger aus was man hochlädt. Mit meinem Premium Acoount könnte ich zwar 20 Bilder pro Woche hochladen, aber mehr als 3 habe ich dort noch nie in einer Woche gepostet. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Und wenn man bei einem der Wettbewerbe einen der ersten Preise gewinnt hat man die Kosten für die Mitgliedschaft für ein paar Jahre "gespart". 

 

Bei View bekommt das Thema Light Painting recht viel Aufmerksamkeit. Bisher waren 25 meiner Bilder auf der Startseite. Auch die Light Painting Bilder der Kollegen sieht man recht häufig auf der Startseite. Solche Bilder schauen sich dann schon mal 1000 Leute an diesem Tag an. Für eine deutschsprachige Seite ist das schon recht beachtlich. 

 

Bei Heise Foto lade ich zuweilen auch das ein oder andere Light Painting hoch. Die Reichweite ist dort nicht besonders groß. Aber sicher gibt es auch dort einige Menschen, die sich für das Thema Light Painting interessieren.

 

Im Vergleich zu den internationalen Seiten ist die Reichweite naturgemäß kleiner. Aber einige Leute werden sich auch dort auf das Thema Light Painting aufmerksam.


Es gibt noch mehr soziale Netzwerke und Foto Communities. Aber wer kann die schon alle regelmäßig bedienen? Ich schaffe das jedenfalls nicht. 

Gerne kannst Du schauen was ich auf den verschiedenen Plattformen so mache. Klicke einfach auf die Bildchen:


Allzeit gutes Licht
Sven

5 Kommentare

Stative für Langzeitbelichtung und Light Painting

Ohne Stativ kein Light Painting

Sicher kann man der Kamera auch ohne Stativ einen festen Stand verschaffen, aber kaum ein Light Painter oder Nachtfotograf wird wohl ernsthaft ohne Stativ losziehen. 

Ich gebe in diesem Artikel keine Kaufempfehlung für das ultimative Stativ. Ich habe nicht dutzende verschiedene Stative getestet. Vielmehr soll er einige grundsätzliche Fragen klären und Dir somit die Entscheidung vor dem Kauf des neuen oder ersten Stativs etwas erleichtern.

Welche Anforderungen sollte ein Stativ erfüllen?

Als erstes sollte das Stativ genau das machen wofür es gebaut wurde, nämlich die Kamera sicher und ruhig in Position halten.  Ungewollte Bewegungen der Kamera während der Belichtung kann man im Light Painting mal so gar nicht gebrauchen.

Zweitens sollte sich das Stativ sicher und einfach bedienen lassen. Auf umständliches Gefummel kann man gerade in der Dunkelheit sehr gut verzichten.

Drittens sollte das Stativ robust sein und auch den hundertsten harten Einsatz im abgerockten Lost Place unbeschadet überstehen. Als vierten Punkt möchte ich die  mögliche Arbeitshöhe anführen. Für viele Bilder kann es sehr entscheidend sein ob ich die Kamera hoch, oder auch tief genug platzieren kann,

Als letzter wichtiger Punkt muss das Objekt der Begierde dann nur noch ins eigene Budget passen.

 

Alle weiteren Eigenschaften, wie Material, Gewicht, Packmass, Farbe usw, sind dann nur die Kür. Einige der genannten Punkte können zwar die Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen, mit der eigentlichen Arbeitsaufgabe des Stativs haben sie aber nichts zu tun. 


Glaubenskrieg Material - Carbon vs. Aluminium

Gleich vorweg: Ein Stativ aus Carbon ist nicht besser, stabiler und tragfähiger als ein gleiches Stativ aus Aluminium. Bisher habe ich jedenfalls keine aussagekräftigen, belastbaren Messungen gefunden, die diese weit verbreitete Behauptung stützen würden. Nur weil das Verbundmaterial Carbon selbst eine höhere Steifigkeit und Tragfähigkeit hat als Aluminium bedeutet das noch lange nicht, dass das Stativ mit seinen Verbindungen und dem Stativkopf insgesamt steifer ist. Mal abgesehen von der Tatsache, dass die Materialunterschiede bei Carbon wesentlich größer sind als bei Aluminiumrohren. Ein Stativ aus schlechtem Carbon wird wohl viel stärker wackeln und schwingen als eines aus Aluminium. Die Schwachstellen eines jeden Stativs ist nicht das verwendete Material für die Rohre der Beine sondern die Verbindungen der Rohrsegmente und die Gelenke zwischen Beinen und Stativschulter. 

Carbon hat allerdings den Vorteil des geringeren Gewichts, ein baugleiches Stativ wiegt dann etwas weiniger als die Alu-Variante. Eine viel entscheidendere Gewichtsreduzierung erfährt allerdings der Geldbeutel. Zum Vergleich: Das oben im Bild zu sehende Manfrotto 055 kostet in der Variante aus Aluminiumrohren aktuell bei Amazon inkl. 3-Wege-Neiger 179€. Das 055 aus Carbon ohne Stativkopf kostet dort aktuell 405€. Die vom Hersteller angegebene maximale Traglast liegt bei beiden Stativen bei 9kg, das Packmass gibt Manfrotto für die Alu-Variante mit 61 cm und für die Carbon Ausführung mit 63 cm an. Warum das Carbon Teil 2cm länger sein soll ist mir allerdings völlig unklar. Es könnte durchaus sein, dass diese Angabe nicht stimmt. Das Carbon Stativ ist mit 2000g glatte 500g leichter als das 055 aus Aluminium, ein halbes Kilo Gewicht für fast 300€ Mehrpreis eingespart, oder anders gesagt für ungefähr den dreifachen Verkaufspreis.

Carbon hat allerdings auch weitere Nachteile. Beschädigungen der Rohre durch Stürze an oder auf scharfe Kanten können das Stativ schnell unbrauchbar machen. Wenn die Fasern im Verbundstoff reißen ist es vorbei mit der Stabilität des Materials. Eine Beule im Alurohr hat in den meisten Fällen keinen Einfluss auf die Stabilität des Stativs, das sieht dann nur Scheiße aus.

Wer oft im eisigen Winter mit dem Stativ unterwegs ist sollte vielleicht aber trotzdem die Anschaffung eines Carbon Stativs in Erwägung ziehen. Carbon dehnt sich bei Erwärmung nicht so stark aus wie Aluminium, oder anders herum, es zieht sich bei großer Kälte nicht so stark zusammen. Und am Carbon Stativ frieren im Winter nicht gleich die Hände fest, aber dafür gibt es ja Handschuhe oder Ummantelungen aus Schaumstoff an den Stativbeinen.

 

Damit allerdings möglichst viele Menschen ein teures Stativ aus Carbon kaufen haben die Hersteller von den üblichen Marketingsprüchen abgesehen ein paar Tricks auf Lager. Das 055 mit 4 Beinsegmenten und somit einem kürzeren Packmass von 54 cm ist nur mit Carbonrohren erhältlich. Wer sein Stativ also öfter mal im Handgepäck im Flugzeug verstauen will wird dann vielleicht doch den Lottogewinn in ein Carbon Stativ investieren. Das Teil mit den 4 Beinsegmenten ist nicht teurer als das mit 3. Nebenbei gesagt ist Manfrotto nicht der einzige Hersteller mit solchen Tricks. 

Legierungen mit Magnesium und Holz

Neben den oben genannten und weit verbreiteten Varianten aus Carbon und Alu bauen einige Hersteller die Rohre für die Stativbeine aus einer Magnesium-Aluminium Legierung. Die Steifigkeit ist größer, das Gewicht ist geringer als bei Rohren aus Aluminium. Ich habe bisher keine Erfahrungen mit solchen Stativen sammeln können. Eine schnelle Suche im Internet förderte ausschließlich niedrigpreisige Exemplare aus Fernost mit mir nicht geläufigen Herstellernamen ans Tageslicht.

 

Stative aus Holz sind geil. Im Punkte Stabilität und Schwingungsdämpfung sind sie den anderen Varianten überlegen. Die Preise sind niedriger als man zunächst erwartet. Das Berlebach Report 332 kostet aktuell bei Amazon 276 €. Allerdings ist die maximale Arbeitshöhe von 1,43 m nicht sehr überzeugend, erhältlich sind allerdings auch Ausführungen mit Mittelsäule. Da kommt man dann in ca. 1,80 m Höhe.  Das Teil wiegt über 3 kg. Die Transportlänge beträgt fast 90 cm. Wenn man das Stativ öfter in den Regen stellt wird sich das Holz vielleicht irgendwann verziehen. Ich sehe allerdings öfter buntbewestete Herrschaften mit Vermessungsgerätschaften auf ihren Holzstativen bei Wind und Wetter durch die Straßen ziehen. Vermutlich kaufen die nicht jede Woche neue Stative. Für den Einsatz im Studio oder anderen geschlossen Räumen ist ein Holzstativ aber auf jeden Fall perfekt geeignet.

Besondere Anforderungen an das Stativ im Light Painting

Ein Light Painting wie dieses erfordert zwingend absolute Standsicherheit des Stativs. Mit dem klapprigen Reisestativ in der 1kg-Klasse wird das ganz sicher nichts, egal wie viele Lagen Carbon das Material für die Rohre hat und wie teuer das Schmuckstück ist. Für viele Einsatzzwecke genügt sicher auch ein kleines, leichtes Stativ. Wenn das Stativ erst einmal steht und man die Kamera mit dem Fernauslöser bedient wird die Aufnahme in den meisten Fällen auch mit dem Leichtgewicht gelingen. Wenn man aber während der Belichtung an der Kamera manipuliert, wie bei der Aufnahme des Beispielbildes, sind die Anforderungen viel größer. 

Erste Anhaltspunkte ob ein Stativ bewegungslos stehen bleibt wenn man die Kamera bewegt können sein: 
Die Größe und das Gewicht. Umso dicker die Rohre und das Material der selben desto stabiler ist das Stativ.


Die Anzahl der Segmente. Jede zusätzliche Verschraubung der Rohre bedeutet zusätzliche potentielle Schwachstellen. Also besser das Stativ mit den 70 cm Transportlänge kaufen als das was in die Handtasche passt.

Der Preis bietet unter Umständen auch einen Anhaltspunkt zur Fertigungsqualität des Stativs, aber nicht unbedingt. Es wird auch viel Schrott zu hohen Preise verkauft.

Darüber hinaus ist es sicher eine gute Idee ein Stativ eines Hersteller zu erwerben der schon langjährige Erfahrungen im Bau von Stativen hat und nicht noch "nebenbei" hunderttausend andere Sachen unter seinem "Markennamen" verkauft. Vielleicht ist das ein oder andere Stativ von Rollei ganz OK, aber eigentlich ist das nur ein Handelsname, das kann also nächste Woche ganz anders aussehen. Das High-End-Model für 450€ mag bombenfest stehen, das Teil für 200€ wackelt hingegen vielleicht wie ein Lämmerschwanz. Erfahrungen mit solchen Stativen konnte ich allerdings bisher nicht sammeln.

 

Auch für andere Zwecke im Light Painting verwenden wir die unterschiedlichsten Stative. Zum Drehen des UFO's oder der großen Kreisscheibe darf es dann gerne etwas richtig stabiles sein wie unser Benbo MK2. Das Stativ kann man locker auf eine Höhe von 2,50 m bringen. Die 5 Meter Kreisscheibe ist somit kein Problem. Durch die einzigartige Konstruktion kann man das Stativ auch sicher auf sehr unebenen Untergrund aufstellen. Allerdings ist das Teil mit einem Packmass von 1,14 m und einem Gewicht von 3,7 kg nicht so einfach zu transportieren. 

 

Um einen Laser oder eine Taschenlampe in der Light Painting Szene aufzustellen genügt auch das klapprige 30€ Stativ. Wir verwenden dafür meist kleine, leichte Reisestative wie das Giottos Vitruvian. 

Zusätzliche Features

Viele Stative haben am unteren Ende der Mittelsäule einen Haken um irgendwelches Gepäck daran anzuhängen. Falls Dein Stativ einen solchen Haken hast solltest Du Dir eine Puk-Säge besorgen, den Haken damit absägen, das Fenster weit öffnen und den abgesägten Haken in hohem Bogen aus diesem werfen. Was passiert wenn man Gewicht an diesen Haken hängen würde? Richtig, die Last auf der Stativschulter wird größer und das ganze Gebilde wird instabiler und fängt irgendwann an zu wackeln. Dass der Druck auf die Beine durch zusätzliches Gewicht erhöht wird ist zwar grundsätzlich eine gute Idee, um aber tatsächlich die Standsicherheit des Stativs zu erhöhen müssen die zusätzlichen Gewichte unten an den Stativbeinen angebracht werden, auf keinen Fall oben. Und schon gar nicht wenn die Tragfähigkeit des Stativs damit überschritten würde. Traglast des Stativs = 5 kg, Stativkopf = 1 kg, Kamera mit Objektiv = 2,5 kg, Fotorucksack am Haken = 10kg - das passt also nicht. Man könnte beispielsweise solche Gewichtsmanschetten kurz über dem Boden an den Beinen des Stativs befestigen. Das erhöht dann tatsächlich die Standsicherheit.

 

Austauschbare Füße sind sicher eine gute Idee. Je nach Untergrund kann man dann entweder Metall-Spikes oder Gummifüsse verwenden. Auf dem wackligen Holzboden werden die Schwingungen das Bodes mit den spitzen Spikes eher gedämpft als mit den dicke Gummiteilen. Es nutzt nichts wenn das Stativ bombenfest steht aber Schwingungen des Untergrunds auf das ganze Stativ übertragen werden. 

 

Umbau zum Einbeinstativ. Bei manchen Stativen lässt sich eines der Beine abschrauben und mit der Mittelsäule zu einem Einbeinstativ verbinden. Im Light Painting fällt mir nur ein Einsatzzweck dafür ein. Man könnte Lampen daran befestigen und dann dieses Teil zum Drehen von Orbs oder anderen Figuren verwenden. Das Problem ist dann allerdings, dass der Rest des Stativs nicht mehr zum Aufnehmen des Light Painting mit der Kamera verwendet werden kann.

 

Ummantelung an einem, oder mehreren Stativbeinen. So etwas ist im Winter auf jeden Fall sehr angenehm. Wenn das Stativ der Begierde keine Ummantelung hat kann man diese aber auch selbst anbringen. Das sieht dann vielleicht nicht sehr professionell aus, aber den Zweck erfüllt auch diese Lösung.

 

Ein Zubehöranschluss wie ihn beispielsweise das 055 von Manfrotto hat ist sehr nützlich, allerdings würde ich die Kaufentscheidung nicht davon abhängig machen. Man kann Zubehör wie Halterungen für das Tablet, Fraktalfilter oder ähnliches auch auf andere Weise, zum Beispiel mit einem Magic Arm, am Stativ befestigen. Der Magic Arm passt zwar in den Anschluss des Stativs, man kann diesen aber auch mit mit der kleinen Klemme an einem der Beine befestigen.

 

Manche Hersteller bewerben ihre Stative damit, dass sie wasserdicht seien. Wenn Du also das Stativ öfter mal im Fluss oder der Ostsee aufstellen willst wären solche Stative sicher eine gute Wahl. Das 055er findet solche Aktionen nicht so sehr lustig. Das Wasser lässt sich nur entfernen indem man die Verschlüsse an den Beinen demontiert und das ganze Teil zerlegt und trocknen lässt.

Wie viel Geld muss ich für ein Stativ ausgeben?

Ein Stativ für 30€ ist nicht besser als gar keines. In dieser Preisklasse wird sich wohl kein Stativ finden lassen welches den eigentlichen Zweck erfüllt, nämlich die Kamera während der Aufnahme ruhig zu halten. Die 30€ sollte man besser in 3 Kästen Bier investieren und die Kamera dann auf diese stellen.

Das billigste brauchbare Stativ was ich bisher benutzt habe hat ca. 100€ gekostet. Das Stativ selbst ist ganz in Ordnung, der mitgelieferte Kugelkopf allerdings ein Fall für den Schrottcontainer. Diesen habe ich gegen einen Sirui G-10X ersetzt. Der Kopf ist jetzt also teurer als das Stativ. 

Mit dem oben erwähnten Manfrotto 055 inkl. 3-Wege-Neiger für aktuell 179€ kann man nicht viel verkehrt machen. Wir benutzen mehrere dieser Stative seit vielen Jahren, ohne dass wir bisher ernsthafte Probleme gehabt hätten. 


Nach oben gibt es kaum Grenzen. Ob sich eine höhere Investition für Dich lohnt hängt vom geplanten Einsatzzweck ab. Bei wirklich starker und häufiger Beanspruchung des Stativs wird das Gitzo aus der 1000€ Klasse sicher länger überleben als das 055 für 179€ Ob das Ding allerdings acht mal so lange hält ist fraglich. Nach meinen Erfahrungen sind Stative mit Preisen über dem des 055 bis 600€ nicht stabiler und besser als das stinksolide Manfrotto. Und, nein, ich werde nicht von Manfrotto gesponsert. 

Welchem Hersteller sollte man vertrauen?

Die Anzahl der aktuell erhältlichen Stative ist unüberschaubar. Mehr als 30 Hersteller mit jeweils vielen verschiedenen Modellen ringen um die Gunst des Kunden. In recht kurzen Zeitabständen werden neue oder verbesserte Modelle raus gehauen.

Ein Stativ der Hersteller Linhof oder Gitzo wird man wohl nur einmal in seinem Leben kaufen. Die meisten Modelle sind über jeden Zweifel in Punkto Standsicherheit, Haltbarkeit und Schwingungsdämpfung erhaben. Ich kenne Fotografen die ihr Gitzo ohne jegliche Probleme schon seit über 40 Jahren im Einsatz haben. 

 

Der Marktführer wird wohl Manfrotto sein und auch noch eine Weile bleiben. Ich kenne allerdings keine Verkaufszahlen. Das ist also nur eine Vermutung. Das mit den Verkaufszahlen ist aber immer so eine Sache. Nur weil der VW Konzern allein in Deutschland jeden Monat 40000 PKW Golf verkauft bedeutet das ja nicht, dass das auch ein gutes Auto ist was seinen Preis wert ist.  Aber ich schweife ab... 
Manfrotto baut ganz sicher nicht die besten Stative. Allerdings ist das Preis- Leistungsverhältnis gut. Egal ob 055 oder 190, die Stative erfüllen ihren Zweck und sind ihr Geld wert. Vergleichbare Stative der Mitbewerber sind meist teurer. 

 

Jenseits von Manfrotto haben wir bisher gute Erfahrungen mit verschiedenen Stativen von Sirui und Benro gemacht. Allerdings sind die guten Stative der genannten Hersteller meist kein Schnäppchen. 

Was solltest Du bei der Wahl des richtigen Stativs beachten?

- Tragfähigkeit: umso mehr Gewicht das Stativ sicher tragen kann desto stabiler wird es wohl auch sein. Den Angaben der namhaften Hersteller kann man sicher auch vertrauen. Ob es allerdings gleich das 65 kg-Monster sein muss ist fraglich. Umso höher die Tragfähigkeit desto mehr Gewicht bring das Stativ auf die Waage. Du solltest also eher einen vernünftigen Kompromiss finden. Wenn Deine Kamera mit aufgesetztem Objektiv 3 kg wiegt solltest Du etwas Reserve einplanen. Mindestens 6 kg halte ich für sinnvoll.

- Arbeitshöhe: Bei meiner Körpergröße von 1,90 m würde ich bei einer maximalen Arbeitshöhe von 1,35 m ganz schnell Rückenbeschwerden bekommen. Das Stativ sollte im Idealfall ohne ausgefahrene Mittelsäule eine angenehme, zur eigenen Körpergröße passende, Arbeitshöhe bieten. Zur angegeben Höhe muss dann noch die Höhe des verwendeten Kopfes addiert werden. Die Mittelsäule sollte man nur im "Notfall" ausfahren. Mit ausgefahrener Mittelsäule büßt man viel an Stabilität ein. Auch eine kleine minimale Arbeitshöhe, kurz über dem Boden, ist für viele Bildideen von Vorteil. 

- Verarbeitungsqualität: Du solltest das Objekt der Begierde vor dem Kauf ausgiebig auf Stabilität testen indem Du einfach mal am Stativ wackelst. Du solltest kontrollieren ob die Verschlüsse und Gelenke sauber funktionieren und alles fest und stabil ist wenn sie weider eingerastet sind.

- Handhabung: Alles sollte leichtgängig sein und sich intuitiv bedienen lassen. Wenn man für bestimmte Einstellungen Werkzeug benötigt ist das nicht unbedingt benutzerfreundlich, genauso wenn man sich irgendwo die Finger einklemmen könnte.

- Kompatibilität: Mein größter Kritikpunkt an Manfrotto ist die Verwendung mehrerer verschiedener proprietärer Schnellwechselsysteme. Komfortabler ist es wenn das gesamte System Arca Swiss kompatibel ist. An unseren Kameras ist immer ein L-Winkel. Diese Winkel sind systembedingt nur als Arca Swiss erhältlich und passen somit nicht auf die Manfrotto Systeme. Die Manfrotto Köpfe haben wir auf Arca Swiss umgebaut. Alle anderen Köpfe, wie der Benro Getriebeneiger, sind Arca Swiss kompatibel.

- Packmass: Wenn Du das Stativ nicht im Flugzeug transportieren willst ist relativ egal wie klein Du das Stativ zusammenschieben kannst. Grundsätzlich wird ein Stativ mit jeder zusätzlichen Beinverschraubung etwas instabiler. Ein weiterer Aspekt ist, dass die maximale Arbeitshöhe klein ist wenn das Stativ ein Packmass von 40 cm hat. Der Kauf eines zweiten kleinen Reisestativs stellt meist nur eine unbefriedigende Notlösung dar. Wenn Du etwas mehr Geld in die Hand nimmst findest Du ein gutes Universalstativ mit großer Arbeitshöhe und ausreichend kleinem Packmass wie z.B. das Benro TMA38CL

Stativköpfe

Viele Stative werden als Kit mit einem Kopf verkauft. Oft packen die Hersteller einen Kugelkopf mit in den Karton. Meist sind diese allerdings von eher mäßiger Qualität. Die Kamera sackt nach dem Festschrauben bei den meisten Kugelköpfen nach. Ohnehin sind Kugelköpfe im Light Painting nicht so gut geeignet.

Wir verwenden 3-Wege-Neiger und Getriebeneiger von Manfrotto und Benro. Mit dem im Bild zu sehenden GD3WH hat Benro einen ordentlichen Kopf mit Arca Swiss Aufnahme zu einem vernünftigen Preis im Angebot. 

Beim Kopf gilt es wiederum die Tragfähigkeit zu beachten. Es nutzt nichts wenn das Stativ 12 kg tragen kann und der Kopf nur 1,5 kg, zumindest wenn die Kamera mit Objektiv schwerer ist als die angegebenen 1,5 kg des Kopfes. 


Aktuell haben wir für unsere Light Painting Ausflüge das Manfrotto 055 mit 3 Beinsegmenten aus Aluminium mit dem Benro Getriebeneiger im Gepäck. Das Stativ hat eine Tragfähigkeit von 9 kg, Benro gibt die Tragfähigkeit für den Kopf mit 6 kg an. Der Kopf selbst wiegt etwas weniger als 1 kg, die Nikon D750 mit dem dicken 14 mm Sigma Objektiv ca. 2,5 kg. Für Camera Rotation Light Painting kommt dann noch das Camera Rotation Tool zusätzlich auf den Getriebeneiger. Alles sitzt fest, in den Bildern sind bisher keine Wackler beim Drehen der Kamera sichtbar geworden. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

0 Kommentare

Kamera Test Light Painting

Welche Kamera für Langzeitbelichtung und Light Painting?

Jede neue Kamera wird von den verschiedensten Fachzeitschriften, Blogs, Vergleichsportalen, Onlineshops und vielen Hobby- und Berufsfotografen getestet. Meist finden sich allerdings keinerlei aussagekräftige Messergebnisse und Testaufnahmen zum Thema Langzeitbelichtung und Light Painting. 

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Testreihen mit den verschiedenen Kameras wurden nicht unter Laborbedingungen durchgeführt. Messfehler sind somit nicht auszuschließen. Die Ergebnisse sollen nur einen groben Überblick geben und einige Fragen beantworten.
Ist eine neue Kamera per se besser für lange Belichtungszeiten geeignet als eine drei Jahre alte? Erzeugt eine höhere Auflösung grundsätzlich mehr Bildrauschen? Sind Kameras von Nikon und Sony grundsätzlich besser als die Modelle von Canon oder Olympus? 


Welche technischen Eigenschaften der Kamera haben Einfluss auf die Bildqualität?

Ich bin nun wahrlich kein Pixelzähler. Ich schaue mir meine Bilder nicht in 300% Vergrößerung an und zähle die "Fehlpixel". Ein gutes Bild ist ein gutes Bild, egal ob es mit einer analogen Kamera, der 10 Jahre alten Digitalkamera mit 12 Megapixeln oder dem nagelneuen, hippen, "spiegellosen" 50 Megapixel Boliden aufgenommen wurde.  Der Einfluss der Kamera auf das Gesamtergebnis ist in den allermeisten Fällen recht klein. Die Arbeit vor der Kamera, die Idee, die Qualität des Objektivs und unter Umständen das Post Processing haben einen viel größeren Effekt auf das fertige Bild als die Anzahl der Bildpunkte und die technische Qualität des Sensors. Solange das Bild keine Stimmung erzeugt, kein Gefühl vermittelt, die besonderen Erlebnisse und Gedanken das Light Painters während der Arbeit unsichtbar bleiben und der Betrachter nicht mit in das Geschehen genommen wird spielt die Technik keine Rolle. Den dreihundertvierundsiebzigsten unmotivierten "Testshot" vom tollen neuen Light Blade wird ohnehin niemand ernsthaft und tiefgründig betrachten oder sich als Print über die Couch hängen. 

 

Die meisten modernen Digitalkameras sind grundsätzlich für Belichtungszeiten von mehreren Sekunden bis zu mehreren Minuten geeignet. Bei kaum einer aktuellen Spiegelreflex- oder sogenannten Systemkamera wird das Bildrauschen so groß sein, dass das 5 Minuten Light Painting dadurch versaut werden würde. 

 

Zu den Themen Auflösung, Schärfe usw. gibt es für jede Kamera unendlich viele Messungen. Das wird also kein Thema dieses Artikels sein. Wir versuchen einzig Unterschiede im Rauschverhalten bei langen Belichtungszeiten, bei hohen ISO-Werten in Kombination mit langen Belichtungszeiten sowie im Dynamikumfang des Sensors auszumachen, und vor allem zu ergründen ob die Unterschiede so groß sind, dass man ernsthaft über einen Wechsel der Kamera nachdenken sollte. Darüber hinaus ist der Artikel für den Light Painting Einsteiger vielleicht eine gute Hilfe wenn er oder sie vor der Frage nach der ersten "richtigen" Kamera stehen. 

Bildrauschen

Der Sensor zeichnet Bildinformationen auf wo gar keine sind. Im Beispielbild ist das gut zu sehen. Es gelangte während der Aufnahme kein Licht auf den Sensor und trotzdem besteht das Bild aus lauter lustigen bunten Pixeln. Dieses Rauschen nennt man auch Dunklerauschen. Verursacht wird es durch den Ruhestrom der einzelnen Pixel sowie das Rauschen des Ausleseverstärkers. 

Bildrauschen ist ein thermisches Problem. Umso höher die Temperatur des Sensors, desto stärker das Bildrauschen. Hätte ich die Aufnahme bei -20°C gemacht wäre das Bild vermutlich komplett schwarz, getestet habe ich das allerdings nicht. 

Einfluss auf die Oberflächentemperatur des Sensors haben die Umgebungstemperatur, der eingestellte ISO-Wert sowie die Belichtungszeit.


An der Umgebungstemperatur kann ich in den allermeisten Fällen nichts ändern. Es gibt zwar einige Lösungen zur aktiven Kühlung des Sensors, das würde aber den Rahmen hier sprengen. Dessen ungeachtet sind diese Lösungen sehr teuer und aufwändig zu realisieren.

 

Die Belichtungszeit eines Light Painting Bildes kann ich zwar immer beeinflussen. Man sollte allerdings nie auf die Idee kommen sich beim Lichtmalen abzuhetzen um die Belichtungszeit zu verkürzen. Das wird dann nämlich meist nichts. Es ist immer besser ruhig und konzentriert zu arbeiten und nicht über die Belichtungszeit nachzudenken. Was man aber durchaus machen sollte, ist die Optimierung der Arbeit. Ich stecke alle benötigten Lampen in meine Taschen oder platziere sie an den richtigen Positionen um nicht unnötige Wege während des Light Painting zu haben. Ich stelle sicher, dass alle Akkus geladen sind und das Feuerzeug zum Zünden des Feuerwerks funktioniert, ich weise alle Beteiligten vorher genau ein was zu tun ist usw.. 

 

Den größten Einfluss kann der Light Painter über den ISO-Wert nehmen. Umso höher der eingestellte ISO-Wert, desto mehr wird das Signal des Sensors verstärkt. Und damit wird dann eben auch das Bildrauschen verstärkt. Die denkbar ungünstigste Kombination ist ein hoher ISO-Wert, eine hohe Umgebungstemperatur und eine lange Belichtungszeit. Das Beispielbild oben wurde bei 20°C Umgebungstemperatur aufgenommen. Der ISO-Wert war 25600, die Belichtungszeit 30 Sekunden. Hätte ich tatsächlich eine Aufnahme mit diesen Einstellungen gemacht wäre diese unbrauchbar. Das Bildrauschen würde sehr große Teile der realen, gewollten Bildinformationen negativ beeinflussen.

Also wird der Light Painter den ISO-Wert immer so klein als möglich wählen und lieber die Blende weiter öffnen und/oder eine hellere Lampe verwenden. Es schadet allerdings nicht wenn man die Grenzen der eigenen Kamera kennt. Dazu kannst Du einfach einige Testaufnahmen mit aufgesetztem Objektivdeckel machen. Die Schmerzgrenze meiner Nikon D750 ist ISO 3200. Aufnahmen mit Belichtungszeiten bis zu 1 Minute bei 20°C sind durchaus mit diesem ISO-Wert noch möglich.

 

Die Fertigungsqualität des Sensors hat ebenfalls eine großen Einfluss auf die Stärke des Bildrauschens. Ob ein neuerer Sensor besser ist als ein alter, und ob Sensoren vom Kamerahersteller A grundsätzlich besser sind als die von Hersteller B versuchen wir mit den nachfolgenden Testaufnahmen zu ergründen.

 

Oft hört und liest man, dass eine höhere Pixeldichte, also die Anzahl der Pixel auf einer bestimmten Fläche des Sensors, mehr Bildrauschen produziert. Meiner Meinung nach kann man diesen Effekt vernachlässigen weil dieser nur bei gleichen Bildausschnitten sichtbar wird. Bei gleicher Betrachtungsgröße des kompletten Bildes, gleicher Fertigungstechnologie des Sensors und gleicher Sensorgröße ist das Rauschverhalten annähernd gleich.

Rauschreduzierung

Da es in vielen Situationen und mit vielen Kameras unmöglich ist das Bildrauschen während der Aufnahme komplett zu unterdrücken schauen wir uns einige Möglichkeiten zur Rauschreduzierung an.

 

Eine einfache Möglichkeit ist es das Motiv möglichst hell abzubilden. Dabei sind die gewollten Informationen, die vom Sensor aufgezeichnet werden, stärker als das ungewollte Bildrauschen. Das Bildrauschen wird somit "überschrieben", um es mal einfach auszudrücken.

 

Im Light Painting ist es weit verbreitet die Funktion "Live View" zu verwenden um den Bildausschnitt festzulegen und zu fokussieren. Da das Live View Bild vom Sensor aufgenommen und auf dem Display dargestellt wird erwärmt sich auch hier der Sensor. 


Das Display hat ebenfalls keinen Wirkungsgrad von 100% und trägt somit zusätzlich zur Erwärmung des Kameragehäuses bei. Es empfiehlt sich nach dem Einrichten der Kamera mittels Live View dieses abzuschalten und dem Sensor etwas Zeit zum Abkühlen zu lassen bevor man mit dem Light Painting beginnt. 

 

Die meisten Kameras verwenden spezielle interne Algorithmen zur Rauschreduzierung. Meist kann man diese im Menü ein- oder ausschalten. Grundsätzlich gibt es zwei Varianten zur kamerainternen Rauschreduzierung. "Rauschreduzierung bei hohen ISO-Werten" hat nur Einfluss auf das komprimierte JPEG-Bild, aus diesem Grund ist diese Funktion für die meisten Light Painter uninteressant. In den allermeisten Fällen werden wir unsere Light Painting Bilder im RAW-Format aufnehmen.

 

Die Funktion "Rauschreduzierung bei langen Belichtungszeiten" wirkt (auch) auf das RAW-Bild. Diese Funktion, kann je nach Kamera und den anderen oben genannten Faktoren, durchaus für ein besseres Ergebnis sorgen. Bei dieser Funktion wird nach der eigentlichen Aufnahme eine weitere Aufnahme gemacht ohne den Verschluss zu öffnen, ein Dunkelbild also. Alle Informationen in diesem Dunkelbild sind zwangsläufig ungewolltes Bildrauschen. Die Informationen werden dann vom eigentlichen Bild vor der Speicherung "abgezogen" und mit Informationen aus den Nachbarpixeln aufgefüllt. Das funktioniert allerdings nur bis zu einer bestimmten Stärke des Bildrauschens ohne sichtbaren Qualitätsverlust. Die Belichtungszeit ist, von einigen Canon Kameras abgesehen, genau so lang wie die der eigentlichen Aufnahme. Und genau da sind wir beim Hauptproblem dieser Funktion. Der ungeduldige Light Painter muss nach der 10 Minuten Performance weitere 10 Minuten abwarten bis er ein Blick auf das Display der Kamera werfen kann und dann entweder das Light Painting wiederholen oder das nächste Bild in Angriff nehmen kann. Auf der anderen Seite ist das Bildrauschen bei kürzeren Belichtungszeiten (bis 2 Minuten) bei den allermeisten Kameras im fertigen Ergebnis nicht sichtbar, die Funktion bringt dann also keinerlei Verbesserung. An unseren Kameras ist aus diesem Grund die Funktion fast immer ausgeschaltet. 

Darüber hinaus hat die nachträgliche Rauschminderung, egal ob in der Kamera oder im Post Processing am Computer, fast immer negativen Einfluss auf andere Aspekte der Bildqualität (Schärfe, Kontrastumfang). Um diese Funktion sinnvoll einsetzen zu können solltest Du mit Deiner Kamera einige Testaufnahmen machen. Wenn das Bild mit aufgesetztem Objektivdeckel bei ISO 100, 20°C Umgebungstemperatur und 10 Minuten Belichtungszeit fast komplett rauschfrei auf der Speicherkarte landet kannst Du diese Funktion getrost ausschalten. Die meisten Light Paintings wirst Du wohl innerhalb dieser Parameter umsetzen. 

 

Nötigenfalls ist eine Rauschreduzierung auch in der Bildbearbeitung am Computer möglich. Durch das fehlende Dunkelbild kann diese allerdings nicht so effektiv arbeiten wie die interne Rauschreduzierung der Kamera. Wobei es natürlich auch möglich ist das Dunkelbild selbst anzufertigen und dem Computer zu übergeben (10 Light Painting Bilder a 10 Minuten - 1 Dunkelbild a 10 Minuten). Im Bereich der Astrofotografie ist diese Arbeitsweise weit verbreitet. 

Dynamikumfang, Auflösung, Schärfe, Farbwiedergabe...

Auf die oben genannten physikalischen Eigenschaften kann der Light Painter wenig bis gar keinen Einfluss nehmen, diese Parameter sind vom Hersteller während der Produktion der Kamera festgelegt worden. Einzig in der nachträglichen Bildbearbeitung kann man daran etwas ändern. Allerdings auch nur soweit wie der Sensor Information aufgezeichnet hat.

Ein moderner Sensor von Sony hat konstruktionsbedingt einen größeren Dynamikumfang als Sensoren von Canon oder Olympus. Der Sensor nimmt also mehr Information auf. 

 

Auflösung und Schärfe sind bei fast allen halbwegs aktuellen Kameras auf so hohem Niveau, dass problemlos große Prints von den Aufnahmen angefertigt werden können. Die Anzahl der Pixel spielt für die meisten Anforderungen kaum eine Rolle. 12 Millionen Bildpunkte entsprechen bei der Darstellung auf einem Monitor mit den üblichen 75ppi einer Fläche von ca. 150 x 100 cm. Prints mit 300 dpi sind bis zur Größe Din A3 möglich. Da der Betrachtungsabstand bei größeren Abzügen steigt kann man durchaus auch größere Formate in geringerer Auflösung drucken. Niemand betrachtet die 3 Meter große Leinwand ernsthaft aus 5 cm Entfernung.

 

Im Light Painting interessiert uns also einzig der Dynamikumfang und das Rauschverhalten des Sensors. Alle anderen Eigenschaften sind entweder nicht von großem Belang oder lassen sich mit einfachen Mitteln am Computer korrigieren, wie der Weißabgleich beispielsweise. 

 

 


Wie haben wir getestet?

Mit allen Kameras wurden zwei Testreihen angefertigt. Beide Reihen wurden jeweils in geschlossenen Räumen bei 20°C Raumtemperatur durchgeführt. Die Kameras wurden während der Aufnahmen nicht bewegt. Entweder war der Objektivanschluss mit dem passenden Deckel verschlossen oder das Objektiv mit dem Objektivdeckel abgedeckt. Alle Bilder wurden als RAW in voller Auflösung aufgenommen. Die Funktion zur Rauschreduzierung war ausgeschaltet.

Für die erste Testreihe wurden Aufnahmen mit jeweils 30 Sekunden Belichtungszeit mit allen ganzen ISO-Werten durchgeführt. In einigen Fällen werden wir auch im Light Painting mit höheren ISO-Werten als 100 arbeiten.

 

Im zweiten Durchgang wurden bei ISO 100 Aufnahmen mit folgenden Belichtungszeiten aufgenommen: 30, 60, 90, 120, 150, 180 und 600 Sekunden. Dieser Teil ist der eigentlich interessante für die Arbeit im Bereich Langzeitbelichtung und Light Painting.

 

Ausgewertet habe ich die Ergebnisse über das Histogramm. Umso weiter das Histogramm nach rechts wandert desto mehr Informationen hat der Sensor aufgezeichnet. Da während der Aufnahmen kein Licht auf den Sensor auftraf sind alle aufgezeichneten Information Bildrauschen und somit ungewollt.

 

Der dargestellte Bereich reicht von 0 bis 255. 0 bedeutet dass keinerlei Informationen aufgezeichnet wurden, 255, dass alle Pixel weiß bei voller Helligkeit angeregt wurden. Das rechnerische Mittel wurde von mir als Kriterium für den Vergleich herangezogen. Das Histogramm aus dem Beispiel ist von der Aufnahme des Bildrauschens von oben. 31,2 ist ein extrem hoher Wert für ein Dunkelbild. Mit diesen Einstellung ist eine normale Aufnahme kaum mehr möglich. 

Zum Vergleich: das rechnerische  Mittel des Light Painting Bildes aus dem vorherigen Abschnitt beträgt 80,8. Auch bei recht hellen Bildern, wie dem mit der Hand weiter oben, liegt es meist nicht über 100.

 

Unten ist die Verteilung auf die einzelnen Farben dargestellt. Für das Ergebnis ist allerdings meist völlig unerheblich ob das Rauschen einen höheren Anteil rot, grün oder blau hat. Wenn die Hauptfarbe des Light Paintings blau ist wird allerdings ein hoher Anteil an blauen Hotpixeln nicht so sehr stören wie die roten und grünen Hotpixel. Für die praktische Arbeit im Light Painting spielt das aber keine Rolle, niemand wird seinen Sensor genau analysieren und danach die Hauptfarbe für das Light Painting auswählen.


Im Idealfall beträgt das rechnerische Mittel für unsere Dunkelbilder 0, also keinerlei Bildrauschen. Im Dunkelbild bei 100% Vergrößerung deutlich sichtbar wird das Rauschen ab Werten von ca. 6. Wann das Bildrauschen in richtigen Bildern sichtbar wird ist schwer vorauszusagen und vor allem abhängig vom Schwarzanteil im Bild. Wie oben schon ausgeführt ist das Bildrauschen in hellen Bildbereichen weniger sichtbar. Bei Werten ab 12 ist das Rauschen schon im kleinen Vorschaubild deutlich sichtbar. Somit wird das in den allermeisten Bildern als störend wahrgenommen werden. Die Rauschreduzierung der Kamera wird sicher fast immer das Ergebnis verbessern, aber irgendwann kommt auch diese an ihre Grenzen. Bilder mit Werten größer als 25 sind vermutlich fast immer ein Fall für den Mülleimer. Hier mal einige Beispielbilder als 100% Crop (zum Vergrößern anklicken): Rechnerisches Mittel von links nach rechts 0,2 - 1,4 - 5 - 12 - 23 -33

Bedeutung der Angaben in den folgenden Tabellen:
- In der Spalte "Jahr" ist das Jahr der Markteinführung angegeben. Evtl. technische Änderungen ohne Änderung der Modellbezeichnung sind unberücksichtigt. 

- "Preis" ist der aktuelle Straßenpreis. Bei Kameras, die nicht mehr produziert werden der durchschnittliche Preis für ein gebrauchtes Exemplar in gutem Zustand

- In der Spalte "Mpix" steht die vom Hersteller angegebene Auflösung.

- in den anderen Spalten ist das rechnerische Mittel für die Farben aus dem Histogramm angegeben. (s.o.) - 180s und 600s bei ISO 100 - ISO 800 und 3200 mit 30 Sekunden Belichtungszeit

- die Sensorgrößen: FX (Kleinbildformat) - 36 x 24 mm - DX 23,6 x 15,8 mm - APS-C 22,5 x 15 mm - MFT 17,3 x 13 mm
Die tatsächliche Größe der Sensoren weicht bei einigen Modellen geringfügig von den obigen Angaben ab.

 

Nikon

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
D7200 2015 920€ 24,2 DX 0,1 0,8 1,0

10,1

D300 2007 150€ 12,3 DX 1,6 6,6 2,3

11,3

D300s 2009 300€ 12,3 DX 0,0 0,1 1,0

3,8

D750 2014 1700€ 24,3 FX 0,1 0,3 1,3

5,1

Die "alte" D300s liefert erstaunlich gute Ergebnisse ab. Bei der D300 (ohne S) habe ich das Infrarot-Sperrfilter ausgebaut. Ich kann nicht sagen ob das Auswirkungen auf das Bildrauschen hat. In der D300 ist ein anderer Sensor verbaut als in der D300s auch wenn die angegebene Auflösung gleich ist. Die D300 hat genau 12389760 Bildpunkte, die D300s mit 12212224 Pixeln eine etwas geringere Auflösung. Auch die anderen Nikon Modelle schlagen sich gut bei langen Belichtungszeiten. Mit der D300s und der D750 sind darüber hinaus auch relativ lange Zeiten bei ISO-Werten bis 3200 problemlos möglich.

Canon

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
EOS 1000D 2008 135€ 10,1 APS-C 4,2 4,9

6,9

10,4*
EOS 80D 2016

885€

24,2 APS-C 1,4 2,7 4,7

12,9

EOS 70D 2013  760€ 20,2  APS-C        
EOS 5D 2005 300€ 12,8 FX 3,6 10,7 3,2 12,3
EOS 5D Mark III 2012 1780€ 22,3  FX  2,6 2,6  3,9 8,8 
EOS 5D Mark IV 2016 3000€ 30,1 FX 1,2 1,3

2,1

6,6
EOS 6D 2013 1000€ 20 FX 1,4 2

7,4 

* ISO 1600 - der höchste ISO-Wert der 1000D
Die Canon Kameras weisen allgemein ein geringfügig höheres Bildrauschen bei langen Belichtungszeiten auf als die vergleichbaren Nikon Modelle.
Mit der EOS 6D zum Preis von ca. 1000€ hat man auf jeden Fall ein grundsolides Arbeitsgerät im FX-Format mit geringem Bildrauschen bei langen Belichtungszeiten. Nur wenn es wirklich auf höchste Qualität für große Abzüge ankommt lohnen sich die ca. 700€ Mehrinvestition für eine  Nikon D750. 

Die alte 5D von 2005 ist für Langzeitbelichtungen und Light Painting nur sehr bedingt zu gebrauchen. Für die aktuellen Preise für gebrauchte Exemplare ist man mit der Nikon D300s auf jeden Fall besser bedient.

 

Sony

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
α7II 2014 1160€ 24,3 FX  0,3 1,8  3,2  11,2 
α77 2011  340€ 24,3  APS-C  0,4 6,2  22,8 
α7R III 2017 2900€ 42 FX

0,2

0,4  1,6 7,6 

Hier haben mich die Ergebnisse dann doch ein wenig überrascht. Von den Sony Kameras hatte ich mehr erwartet. Im direkten Vergleich mit der Nikon D750 schneidet die Sony α7II etwas schlechter ab. Das höhere Bildrauschen der Sony ist vermutlich der etwas schlechteren Wärmeableitung des kleineren Gehäuses geschuldet, aber dafür kostet das Schmuckstück auch 500€ weniger als der Nikon-Bolide.

 

Die günstige α77 schlägt sich bei ISO 100 und langen Belichtungszeiten recht gut. Bei ISO 3200 rauscht das Ding allerdings wie ein Wasserfall.

 

Die α7RIII hat die höchste Auflösung im Test. Die Werte bei langen Belichtungszeiten und hohen ISO Werten sind gut. Allerdings ist die Bedienung dieser Kamera eine Katastrophe wenn man mit langen Belichtungszeiten arbeiten will. Es gibt keinen "Time" Modus, der "bulb" Modus funktioniert nicht im "silent shooting" Modus, da muss man erstmal drauf kommen. Während der Belichtung war die ganze Zeit die Hintergrundbeleuchtung des Displays an. Was soll dieser Mist? Der Akku wird leer gelutscht und das Display erwärmt zusätzlich das Gehäuse, somit nimmt das Bildrauschen völlig unnötig zu. Da das Gehäuse im Vergleich mit den dicken DSLR's kleiner ist, sind die meisten Bedienelemente auch kleiner. Dieses Drehrad rechts neben dem Display war überhaupt nicht mein Freund. Eine Bedienung in der Dunkelheit wird somit zur Herausforderung, zumindest in meinem Test an einem Wochenende. Ich war nicht wirklich traurig als ich die Kamera wieder abgeben musste.

Olympus

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
OM-D E-M1 2013 1000€ 16 MFT  19,1

k.A. 

10,9 33
OM-D E-M10 II 2015 365€ 16 MFT 3,6 11,5 2,8  9,1 

Die kleinen MFT-Sensoren weisen ein allgemein hohes Bildrauschen auf. Die E-M1 von 2013 ist für lange Belichtungszeiten kaum zu gebrauchen, selbst bei Belichtungszeiten von 60 Sekunden bei ISO 100 beträgt das rechnerische Mittel schon 9. Bei einer längeren Light Painting Performance wird auch die interne Rauschreduzierung an ihre Grenzen stoßen. Einzig die von vielen Light Paintern geschätzte Funktion "Live Composite" ist ein Argument für den Kauf einer Olympus. Wer ergebnisorientiert arbeiten will und oft Light Painting mit Belichtungszeiten von mehr als 5 Minuten machen will sollte besser keine Olympus-Kamera verwenden.

Fujifilm

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
X-T1 2014 1500€ 16 APS-C 0,5 0,6  1,4  3,9 
X-T10 2015 700€ 16 APS-C 0,8 0,6 1,9 4,4

Der kleinste ISO-Wert für das RAW-Format der Fuji Kameras ist 200, also sind die Werte für 180 und 600 Sekunden nicht wie bei den anderen Kameras mit ISO 100 aufgenommen. ISO 200 können allerdings für einige Light Painting Ideen zu hoch sein. 

Fazit

Nach den bisherigen Testreihen geht die Empfehlungen ganz klar an die Nikon D300s. Eine gebrauchte Nikon D300s in gutem Zustand mit nicht mehr als 50000 Auslösungen ist aktuell für unter 300€ zu bekommen, Light Painting Spaß für den kleinen Geldbeutel. Die Kamera ist sehr robust, Nikon gibt auf den Verschluss eine Garantie für 150000 Auslösungen. Somit hat man sicher auch mit einem gebrauchten Exemplar noch lange Zeit seine Freude. Unsere beiden D300(s) haben schon sehr viel mitgemacht und funktionieren tadellos wie am ersten Tag.

Wer lieber eine neue Kamera kaufen will sollte sich die Canon EOS 6D und die Nikon D750 etwas eingehender anschauen.  

Die X-T1 von Fujifilm macht eine gute Figur, ist allerdings nicht unbedingt ein Schnäppchen für eine APS-C Kamera. 


Eigentlich hatte ich den Plan zusätzlich Vergleichsaufnahmen zum Thema Dynamikumfang zu machen. Da der Artikel aber schon recht ausführlich ist werde ich das Thema in einem separaten Artikel aufnehmen. Das liest sonst niemand. ;-)

DANKE

Ich danke sehr herzlich allen, die mich bei diesen Artikel unterstützt haben: Matti Thurley, Dominic Poncé, Gunnar Heilmann, Manuel Paul, Ulrich Günther, Erich Klingenberg, Roland Brei, Martin Wink ... ich hoffe, ich habe niemanden vergessen.

tbc

Ich würde gerne den Artikel ständig mit den Testergebnissen weiterer Kameras erweitern. Wenn Du also eine Kamera hast die hier noch nicht getestet wurde und Du eine Stunde Zeit für die Anfertigung der Testbilder erübrigen kannst freue ich mich über Deine E-Mail. sven(at)lichtkunstfoto.de

0 Kommentare

Benro Getriebeneiger

Der perfekte Light Painting Stativkopf?

Die Anzahl der erhältlichen Getriebeneiger ist recht überschaubar. Spontan fallen mir nur die Hersteller Arca Swiss und Manfrotto ein, die solche Stativköpfe bauen. Für den Erwerb eines Neigers der Firma Arca müssten die meisten Menschen erst einmal eine Bank überfallen, das Model D4 geared pan kostet schlanke 1514,87€, die geared "Cube" Teile sind noch teurer. 
Die Getriebeneiger der Firma Manfrotto sind zwar preiswerter, haben, wie alle Köpfe von Manfrotto, allerdings einen entscheidenden Nachteil, sie sind nicht Arca Swiss kompatibel. Ich bin also gezwungen diese proprietären Manfrotto-Schnellwechsleplatten zu verwenden oder das Teil auf Arca umzubauen. So richtig lustig finde ich, dass die Manfrotto-Teile schon untereinander nicht kompatibel sind. Wenn ich mich nicht irre gibt es mittlerweile drei verschiedene Manfrotto-Systeme. 

An allen unseren Kameras sind passgenaue L-Winkel montiert. Diese Winkel sind immer Arca Swiss kompatibel. Für keines der Manfrotto-System sind solche L-Winkel erhältlich. Aus diesem Grund habe ich den 3-Wege-Neiger von Manfrotto auf Arca Swiss umgerüstet. Diese Lösung ist nicht optimal weil ich ein zusätzliches, geschraubtes Bauteil habe was unter Umständen Einbußen bei der Stabilität der Kombination aus Stativ, Kopf und Kamera zur Folge hat. Und mehr Gewicht trage ich dann auch mit mir herum.

Warum Getriebeneiger?

Im Gegensatz zu Kugelköpfen oder auch 3-Wege-Neigern kann man mit einem Getriebeneiger die Kamera ausrichten ohne den Kopf lösen zu müssen. Während der Ausrichtung der Kamera bewegt sich die Kamera nur wenn man am Getriebe dreht. Wenn man aufhört zu drehen ist die Kamera immer genau in der letzten Position fixiert. 


Bei Kugelköpfen sackt die Kamera meist nach dem Festdrehen etwas nach. Beim 3-Wege-Neiger verändert sich die Position oft ebenfalls geringfügig beim fixieren. Obwohl der 3-Wege-Neiger zumindest den Vorteil hat, dass sich die Richtungen getrennt einstellen lassen und nicht wie beim Kugelkopf alles gleichzeitig ausgerichtet werden muss.

Dieses Gefummel mit einem Kugelkopf kann recht zeit- und nervenraubend sein. Kugelköpfe halte ich für sehr ungeeignet wenn es auf genaue Ausrichtung der Kamera ankommt um beispielsweise stürzende Linien im Bild zu vermeiden. In der Langzeitbelichtung und im Light Painting ist darüber hinaus ein absolut fester Halt der Kamera notwendig. 

Seit Mitte 2018 bietet der chinesische Hersteller Benro einen Arca Swiss kompatiblen Getriebeneiger an. Vor einigen Tagen ist das Paket bei mir eingetroffen. Der erste Eindruck ist gut. Alles ist sauber verarbeitet und wirkt stabil und robust. Ob der erste Eindruck sich im harten Alltag bestätigt wird die Zeit zeigen. 

Auf dem Manfrotto 055 sieht der Neiger im Vergleich zum Manfrotto 3-Wege-Neiger etwas verloren aus. Durch die breite Schulter des Stativs ist der Platz zwischen Stativ und dem unteren Knopf recht knapp. Man kann das zwar noch gut bedienen aber komfortabler wäre es wenn entweder der Knopf etwas länger wäre oder das Unterteil des Neigers etwas höher und größer wäre. Da dieser Knopf ausschließlich für die Drehung zuständig ist wird man diesen aber nicht so oft betätigen. Auf Stativen mit breiteren Schultern als beim 055er wird man sicher Schwierigkeiten haben den Kopf überhaupt auf dem Stativ befestigen zu können.

 

In der Grundstellung sind alle 3 Wege fest. Wenn man das Außenteil des Knopfes dreht verstellt man die jeweilige Richtung ganz fein über das eingebaute Getriebe. Wenn man das vordere, gezahnte Teil dreht löst man die Arretierung für die jeweilige Richtung und kann den Kopf in der jeweiligen Richtung frei bewegen. Sobald man das Zahnrad loslässt wird dieses mit der eingebauten Feder wieder zurück in die Ausgangspostion bewegt und der Kopf ist wieder arretiert. 

 

Die eingebauten Libellen und die aufgebrachten Grad-Skalen sind meines Erachtens nach überflüssig. Ich verlasse mich lieber auf den virtuellen Horizont in der Kamera. In der Dunkelheit ist dieser auf jeden Fall besser zu erkennen als die Libellen am Stativ.

 

Was mir besonders gut gefällt ist die Arca Swiss Klemme. Die Schraube lässt sich erstmal nur soweit aufdrehen, dass die Kamera sich zwar nach links und rechts verschieben lässt aber nicht aus der Klemme rutschen kann. Abstürze sind somit ausgeschlossen. Um die Kamera vom Neiger entfernen zu können zieht man die Schraube etwas nach hinten und kann dann weiter auf drehen. 


Kaufen kann man das gute Stück unter anderem bei Amazon. Der Preis liegt aktuell bei 230€, ungefähr soviel wie der Manfrotto MA 410. Der Hersteller gibt die Tragfähigkeit mit 6 kg an, völlig ausreichend für den Einsatz im Light Painting. Für das dicke Paparazzo-Tele könnte das Teil allerdings zu schlapp sein. Das Gewicht gibt Benro mit 740 g an, auf dem Display meiner Küchenwaage stehen allerdings fast 100 g weniger. Vermutlich haben die Freunde aus Fernost die mitgelieferte Arca Schnellwechselplatte mit gewogen. Diese macht, nebenbei bemerkt, einen sehr vernünftigen Eindruck und sieht mit der blauen Eloxierung ziemlich cool aus. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

0 Kommentare

Light Painting mit unterschiedlich starken Lichtquellen

Flexible Belichtung im Light Painting

Im Beispielbild haben wir in einer einzelnen Belichtung mit EL-Wire, LED-Tagfahrlichtern, RGB-Scheinwerfern, Feuerwerk und starken LED-Taschenlampen gearbeitet. Dieses Bild haben wir während des Workshops im April 2018 aufgenommen. Die Kombination derart unterschiedlich heller Lichtquellen ist alles andere als einfach in einem Lightpainting unterzubringen, aber machbar wie Du siehst. Dieser Artikel soll Dir etwas Erhellung zum Thema flexible Belichtung bringen.

Grundlagen

Grundsätzlich haben folgende Faktoren Einfluss auf die Helligkeit im fertigen Light Painting:

ISO Wert, Blende, Helligkeit der Lichtquelle, Entfernung zwischen Sensor und Licht und die Bewegungsgeschwindigkeit der Lichtquelle.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Kamera und Objektiv

Vor einigen Jahren haben wir uns angewöhnt fast ausschließlich mit ganzen ISO-Werten und ganzen Blenden zu arbeiten, auch wenn alle modernen Kameras die Möglichkeit bieten sowohl den ISO-Wert als auch die Blende in Driitel- oder zumindest in halben Stufen einzustellen. Ein Grund ist, dass wir die Blende meist am Blendenring des Objektivs einstellen und dieser bei den meisten Objektiven nur bei den ganzen Blenden einrastet. Der zweite Grund ist, dass die Berechnungen zur Helligkeit einfacher sind.

 

Die ganzen ISO-Werte sind 25, 50, 100, 200, 400 usw.. Der Wert verdoppelt sich also immer. Bei der Erhöhung des Wertes um eine ganze Stufe nimmt der Sensor die doppelte Lichtmenge auf. Hohe ISO-Werte haben allerdings einen entscheidenden Nachteil. Bei den meisten Kameras nimmt das Bildrasuchen stark zu wenn man höhere ISO-Werte einstellt. Aus diesem Grund werden wir im Light Painting in den meisten Fällen mit dem kleinsten nativen ISO-Wert arbeiten. Dieser ist z.B. bei der Nikon D750 100. Bei dieser Einstellung hat der Sensor den größten Dynamikumfang.

 

Die ganzen Blenden sind 1 - 1,4 - 2 - 2,8 - 4 - 5,6 - 8 - 11 - 16 -22 - 32 - und theoretisch 45 - 64 - 90 - 128. Mir ist allerdings kein Objektiv bekannt welches sich weiter als bis f32 abblenden ließe, meist ist schon bei f22 Schluss. Bei den meisten Objektiven tritt bei sehr kleinen Blenden der Effekt der Beugungsunschärfe ein. Bei großen Sensoren wird dieser Effekt noch verstärkt. Aus diesem Grund blenden wir möglichst nie weiter als bis f16 ab.

Auch hier verdoppelt sich die vom Sensor aufgezeichnete Lichtmenge wenn man die Blende um eine ganze Stufe weiter öffnet. Bei der Blende verhält es sich allerdings "falsch herum". Umso kleiner die Zahl desto größer die Blenden-Öffnung, f8 ist also doppelt so "hell" wie f11.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mir ist keine Kamera bekannt bei der sich der ISO-Wert während der Belichtung verstellen ließe. Technisch dürfte das kein großes Problem darstellen, wenn die Bedienung der Kamera nur nicht während der Belichtung blockiert wäre.

Also müssen wir uns im Light Painting vor der Aufnahme auf einen ISO-Wert festlegen, an diesem Punkt können wir also nicht während der Belichtung steuernd eingreifen. Aber glücklicherweise haben wir noch die anderen oben genannten Möglichkeiten.

 

Die elektronische Steuerung der Blende über das Drehrad der Kamera ist zwar ebenfalls während der Belichtung gesperrt, wenn man aber ein Objektiv mit einem Blendenring verwendet kann man durchaus während der Belichtung die Einstellung für die Blende verändern.


Wie bereits oben erwähnt ist mithilfe des Blendenringes bei den meisten (von uns verwendeten) Objektiven die Einstellung der Blende nur in ganzen Schritten möglich. Einige Objektive, wie Meyer Optik Görlitz oder Helios lassen sich allerdings im Prinzip stufenlos verstellen weil der Weg zwischen f8, f5,6 und f2 oder f2,8 recht lang ist. Man kann also einfach zwischen dem Raster anhalten.

 

Einige Empfehlungen für Objektive mit Blendenring:
Nikkor 17-35/2,8 - eines der sehr wenigen Zoom-Objektive mir manueller Blendensteuerung

Im Portfolio der Firma Canon befindet sich aktuell kein Zoom-Objektiv mit Blendenring. Von einigen gebrauchten Linsen abgesehen, fällt mir spontan auch kein Drittanbieter ein, der Blendenringe an seinen Zoom-Objektiven verbaut. Mithilfe eines Adapters ist dieses Objektiv an Canon oder Sony Kameras nutzbar.

Nikkor 24/2,8 - klein, leicht und hervorragende Abbildungsleistung 

Samyang 14/2,8 - komplett manuelles Super-Weitwinkel - erhältlich für alle gängigen Kameras

Samyang 24/1,4 - ebenfalls komplett manuell - sehr lichtstark

Laowa 12/2,8 - beeindruckend kurze Brennweite - fast ohne Verzeichnung - recht teuer

Darüber hinaus sind auch einige längere Festbrennweiten mit manueller Blendeneinstellung erhältlich. 

ND-Filter

Falls die Lichtquellen für das geplante Light Painting einen größeren Helligkeitsunterschied haben als sich mit dem Spielraum von f2 bis f16 aufzeichnen lässt hilft die Verwendung eines, oder auch mehrerer, Neutraldichtefilter weiter. Diese Filter sind in unterschiedlichen Dichten erhältlich und ermöglichen somit verschiedene Stufen der Abdunklung. Beim Kauf der Filter solltest Du die Beschreibung genau lesen. In vielen Fällen wird anstelle des Wertes der Dichte (ND) der Wert für die Verlängerung der Belichtungszeit angegeben der "ND8" Filter ist in diesem Fall ein Filter mit ND 0,9. Hier mal ein Überblick der gängigen Filter:

ND

0,3

0,45

0,6

0,9

1,0

1,2

1,8

2,0

3,0

Verlängerungsfaktor

2

3

4

8

10

16

64

100

1000

Blendenstufen

1,0

1,5

2,0

3,0

3,3

4,0

6,0

6,6

10

Durchlässigkeit

50%

35%

25%

12,6%

10%

6,3%

1,6%

1,0%

0,1%


Erhältlich sind diese Filter als Schraubfilter für alle gängigen Gewinde und als eckige Filter für die verschiedenen Systeme. Bei der Kombination mehrerer Filter gilt es zu beachten, dass sich die Werte nicht addieren sondern multiplizieren. Zwei Filter ND 3,0 entsprechen dann also einem Verlängerungsfaktor für die Belichtungszeit von 1 Million. Aus 1 Sekunde Belichtungszeit werden dann also 277,77 Minuten.

 

Am zweckmäßigsten und preisgünstigsten ist es Schraubfilter in der Gewindegröße des größten verwendeten Objektivs anzuschaffen und mithilfe von Adapterringen an die kleineren Objektive zu adaptieren. In unserem Fall ist dies 77mm. Mit diesem Kit hast Du einen guten Einstieg. Die Filter von Haida verwenden wir schon sehr lange. Sie sind gut verarbeitet, haben einen dünnen Rahmen und lassen sich dadurch auch an sehr kurzen Brennweiten verwenden ohne das Bild negativ zu beeinflussen. Billige Filter sind aus Kunststoff gefertigt und aus diesem Grund von nicht so hoher optischer Qualität und nicht sehr robust gegen Kratzer.

Ein Sonderfall sind variable ND-Filter. Bei diesen lässt sich der Grad der Verdunklung stufenlos einstellen. Bisher habe ich keine Erfahrung mit solchen Filtern sammeln können. Offensichtlich ist die optische Qualität dieser Filter nicht wirklich gut, bei bestimmten Einstellungen bildet sich in der Mitte ein dunkles Kreuz, oder der Bildränder werden deutlich stärker abgedunkelt als die Mitte.

Vor der Kamera

Helligkeit der Lichtquelle

Umso heller unsere Lichtquelle leuchtet desto heller wird die Lichtspur im fertigen Light Painting sein. Grundsätzlich ganz einfach, oder? Schwierig wird es wenn im Bild eine sehr helle Lichtquelle dargestellt werden soll welche nicht vom Light Painter ein- und ausgeschaltet werden kann wie der Leuchtturm im Beispielbild. Hier hilft es nur für das Light Painting sehr helle, möglichst fokussierbare, Lampen zu verwenden. In diesem Fall haben wir eine Led Lenser X21R.2 zur Ausleuchtung benutzt. Marla habe ich mit einem Led-Tagfahrlicht angeleuchtet. Das Light-Blade aus Plexiglas wurde mit einer Led Lenser M7RX beleuchtet. 

Bei der Arbeit im dunklen Raum empfiehlt es sich eher nicht so brutal helle Lampen zu verwenden und das Arbeitstempo zu verringern, und somit die Präzision zu verbessern.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Grundsätzlich sind (Taschen-) Lampen mit mehreren Helligkeitsstufen für die Arbeit im Light Painting eine gute Wahl. Ich kann somit die Helligkeit an die Erfordernisse anpassen. Einige Taschenlampen bieten sogar eine stufenlose Regelung wie die Sofirn Q8. In vielen Situationen im Light Painting kann das sehr nützlich sein, allerdings ist die Helligkeit schlechter reproduzierbar als bei Lampen mit festen Stufen. Mit bloßem Auge ist nicht zu erkennen ob die eingestellte Helligkeit genauso ist wie beim Light Painting vor einer Woche.

 

Die meisten Taschenlampen verringern während des Betriebs die Helligkeit. Einerseits um die Lampe vor zu hohen Temperaturen zu schützen und andererseits um die Laufzeit zu verlängern. 3000 Lumen und 4 Stunden Laufzeit hört sich ja viel besser an als realistische 1600 Lumen 3 Minuten nach dem Einschalten. Mit bloßem Auge ist diese Verringerung der Helligkeit kaum wahrzunehmen weil sie langsam und gleichmäßig ist, die Kamera sieht das allerdings sofort. Wenn das Light Painting länger als 1 bis 2 Minuten dauert sollte man, gerade bei der Ausleuchtung von Landschaften oder großen Räumen die Lampe zwischenzeitlich aus- und wieder einschalten um im ganzen Light Painting mit gleicher Helligkeit zu arbeiten. 

 

Grundsätzlich ist es für die Arbeit im Light Painting immer komfortabler wenn alle Lichtquellen eine ähnliche Helligkeit haben und ich somit auf die Veränderung der Blende bzw. die Verwendung von ND-Filtern verzichten kann. In vielen Situationen, beispielsweise bei der Verwendung von Feuerwerk, ist das allerdings kaum möglich. 

Abstand

Licht nimmt, wie alle Wellen, mit der Entfernung quadratisch ab. Wenn der Light Painter also mit der Lampe doppelt so weit vom Sensor mit der Lampe rumfuchtelt kommt nur noch ein Viertel des Lichtes in der Kamera an. Das bedeutet also wenn ich das Light Painting im Abstand von 3 Metern zur Kamera male stelle ich, abhängig von der Helligkeit und der Bewegungsgeschwindigkeit, beispielsweise Blende 11 ein. Wenn ich dann mit dem gleichen Tool und der gleichen Arbeitsweise das Light Painting in 6 Metern Entfernung zur Kamera male stelle ich die Blende auf 5.6 um die gleiche Helligkeit der Lichtspur im Bild zu haben. Andersrum verhält es sich natürlich genauso. 

Bewegungsgeschwindigkeit

Umso schneller ich die Lichtquelle bewege desto dunkler wird die Lichtspur im fertigen Light Painting dargestellt. Ich kann also somit während des Light Painting durch die Veränderung des Tempos direkt auf die dargestellte Helligkeit einwirken. Wenn ich mich mit meinem Tool weiter von der Kamera entferne werde ich die Bewegungen verlangsamen. Wenn die Lichtspur in einigen Bereichen dunkler dargestellt werden soll werde ich die Bewegung beschleunigen. Somit habe ich eine sehr einfache Möglichkeit der Lichtspur Struktur zu verleihen. Das funktioniert allerdings nur bei der Arbeit in einer Langzeitbelichtung. Durch Funktionen wie Live Composite wird die Lichtspur meist sehr homogen sein und eher wie reingestempelt aussehen weil die Helligkeit bis zur eingestellten Grundhelligkeit addiert wird.


Zwischenfazit

ISO, Blende, Entfernung, Helligkeit, Bewegungsgeschwindigkeit - für den Light Painting Einsteiger klingt das sicher erst einmal recht kompliziert. Und ehrlich gesagt ist es das auch. Aber genau diese Komplexität ist für mich ein wichtiger Grund Light Painter zu sein. Ich suche immer wieder nach neuen Herausforderungen. 


Nach einer Weile stellt sich sicher auch bei Dir eine gewisse Routine und ein gewisser Automatismus ein. Gerade als Einsteiger solltest Du nicht einfach wild mit den Lampen vor der Kamera rumfuchteln. Überlege vorher was Du machen willst. Verwende möglichst wenige verschiedene Lichtquellen. Schau Dir Deine Bilder genau und kritisch an. Mach Dir Notizen zu den verwendeten Lichtquellen und den Einstellungen an der Kamera. Notiere was Du beim nächsten Mal besser machen willst und wie Du das erreichen kannst. Verzichte auf Hilfsmittel wie Live Composite. Wenn Du Dich auf diese Funktion verlässt wirst Du nie lernen wie Licht funktioniert und wie man mit verschiedenen Ebenen aus Licht vor der Kamera arbeitet. Light Painting ist für mich so viel mehr als das schnelle Ergebnis. Light Painting ist der Prozess von der ersten verrückten Idee, über die Suche nach geeignetem Material, dem Bau der benötigten Tools, dem Erarbeiten der Choreografie, den besonderen Erlebnissen und Gefühlen während des Light Painting bis zum besondern Gefühl der Befriedigung in dem Moment wenn die verrückt Idee auf dem Display der Kamera sichtbar wird.

Anwendung im Light Painting

Wie wendet man nun das Wissen aus den vorherigen Abschnitten praktisch im Light Painting an?

Als erstes gilt es immer das vorhandene Licht an der Location zu berücksichtigen (Mond, Straßenbeleuchtung, usw.). In den meisten Fällen, wie z.B. am Leuchtturm von oben, werden wir dieses Licht nicht beeinflussen können. Ich kann ja schließlich nicht den Leuchtturm ausschalten. Es empfiehlt sich einige Testaufnahmen zu machen um zu ermitteln wie lange ich bei welcher Blende maximal belichten kann ohne, dass die vorhandenen Lichtquellen überstrahlen. Diese maximale Belichtungszeit ist dann also die für das Light Painting zur Verfügung stehende Zeit.

Sollte unsere Light Painting Location komplett dunkel sein können wir diesen Schritt natürlich überspringen.


Nachdem nun klar ist, dass ich beispielsweise bei Blende 11 maximal 2 Minuten Zeit habe um mein Light Painting an dieser Location umzusetzen ist der nächste Schritt die Wahl der geeigneten Lampen und Tools. Bei Blende 11 und 10 Meter Abstand zur Kamera benötige ich also eine recht helle Taschenlampe. Im nächsten Schritt überprüfe ich mit weiteren Testaufnahmen ob die Helligkeit des Tools mit der geplanten Bewegungsgeschwindigkeit zur eingestellten Blende passt. Gegebenenfalls benutze ich ein hellere bzw. schwächere Lampe oder arbeite langsamer bzw. schneller. Alternativ bliebe mir die Möglichkeit durch Abblenden einzuwirken. Ist die gewählte Lampe zu hell blende ich auf f16 ab. Sollte das immer noch nicht genügen, wie z.B bei (hellem) Feuerwerk, benutze ich einen ND-Filter. Ein weiterer Vorteil wäre in diesem Beispiel die Verlängerung der maximal möglichen Belichtungszeit auf 4 Minuten wenn ich auf f16 abblende. Ich hätte mehr Zeit um mit den Lampen durch das Bild zu laufen. Anders herum halbiert sich natürlich die Zeit wenn ich die Blende von 11 auf 8 stelle. 

 

Wenn ich mehrere verschiedene Lichtquellen verwenden will mache ich im nächsten Schritt Testaufnahmen mit diesen. Als Beispiel will ich jetzt ein Blade aus Plexiglas und Feuerwerk in meinem Light Painting einsetzen und das Ganze an der Location mit vorhandenem Licht aus dem Beispiel von oben: 
Location = f11 - max 120 Sekunden

Blade = f8 - max. 60 Sekunden

Feuerwerk = f16 - max. 240 Sekunden 

Jetzt gilt es also alle Teile so zu kombinieren, dass alles in der gewünschten Helligkeit dargestellt wird. Keine der drei Lichtquellen ist überstrahlt, alle Lichter werden ausreichend hell dargestellt. Ich stelle die Blende auf 16 und belichte 20 Sekunden auf das Feuerwerk. Es bleiben dann noch 220 Sekunden bei f16 Restzeit, bei f11 110 Sekunden und bei f8 55 Sekunden. Ich stelle die Blende auf f8 für die Lichtspur mit dem Blade. Um diese zu malen benötige ich 30 Sekunden. Es bleiben dann also noch 25 Sekunden bei f8 übrig, oder 50 bei f11, oder 100 bei f16 um die Location in der gewünschten Helligkeit darzustellen. Entweder lasse ich jetzt die Blende auf 8 stehen und belichte noch weitere 25 Sekunden. Oder ich blende wieder ab um zum Beispiel Sternenspuren aufzunehmen. 

Einfacher und entspannter wird die Arbeit wenn die Location komplett dunkel ist, wie der Raum im Beispielbild. Hier kann ich die Choreografie (fast) komplett frei planen. Es spielt keine Rolle wie lange ich belichte, abgesehen vom zunehmenden Bildrauschen bei sehr langen Belichtungszeiten und der Laufzeit des Kamera-Akkus.

Im Beispiel habe ich  EL-Wire benutzt, eine sehr schwache Lichtquelle. Um die nebelartigen Lichtspuren des EL-Wire ausreichend hell darzustellen hatte ich die Blende des 14mm Objektivs aus 4 gestellt. Für die Lichtfigur stellte ich die Blende auf 11. Benutzt habe ich dafür drei Led Lenser M3R. Der Abstand betrug ca. 4 Meter. Die Ausleuchtung des Raumes habe ich mit drei RGB-Taschenlampen ebenfalls bei Blende 11 umgesetzt. Die dafür nötige Zeit hatte ich zuvor in Testaufnahmen ermittelt.


Die drei Lampen verbleiben in ihren Positionen und wurden für die Ausleuchtung ein- und dann wieder ausgeschaltet. Solch ein Bild gelingt gewöhnlicherweise nicht beim ersten Versuch. 

Der kleinste gemeinsame Nenner ist hier das EL-Wire bei Blende 4. Die Ausleuchtung ließe sich nötigenfalls ebenfalls bei f4 realisieren. Bei der Lichtfigur ist dies nahezu unmöglich. Mir ist keine (konventionelle) Lampe bekannt die einen derart lichtschwachen Strobe-Modus hätte, dass dies zur Blende 4 passen könnte. Ohne die Möglichkeit der flexiblen Belichtung hätte ich dieses Light Painting nicht umsetzen können. Spätestens beim Einsatz von Feuerwerk und EL-Wire in einem Bild habe ich ohne diese Technik keine Chance beides vernünftig darzustellen. Ein weiterer Aspekt ist die abnehmende Schärfentiefe bei f4. Wenn ich den kompletten Raum und alle Teile des Light Painting scharf haben will funktioniert das nur bei Blenden kleiner f8. 

Einen weiteren Aspekt sollte man bei der Planung des Light Painting ebenfalls immer berücksichtigen. Wenn ein Model im Bild steht sollte man die Zeit so weit es irgend möglich ist reduzieren damit das Model nicht unnötig lange im Bild stehen muss. Kaum jemand kann mehrere Minuten absolut regungslos stehen bleiben, und selbst wenn ist das für das Model sicher nicht besonders angenehm. Hier haben wir mehrere recht helle Lampen gleichzeitig zur Ausleuchtung des Kaufhauses benutzt. 

 

Ich hoffe der Artikel konnte etwas zu Deiner Erhellung beitragen.

 

Ich wünsche Dir allzeit gutes Licht

Sven


3 Kommentare

Camera Rotation Light Painting

Light Painting "Andersrum"

In den meisten Fällen wird der Lightpainting Künstler mit bewegtem Licht vor der Kamera arbeiten. Eine nicht so weit verbreitete Form des Light Painting ist die kinetische Fotografie. Dabei werden während der Belichtung choreografierte Bewegungen mit der Kamera ausgeführt. In den meisten Fällen sind die Lichtquellen dabei fest, die Lichtspuren werden dann ausschließlich durch die Kamera-bewegungen ins Bild gemalt. 

Mit recht einfacher Ausrüstung sind hier Rotationen um die optische Achse, wie im Bild rechts, Drehen am Zoom des Objektivs, Schwenk nach links, rechts, hoch, runter oder auch die Drehungen um die Achse des Stativkopfes denkbar. Für andere Bewegungsrichtung benötigt man Spezialausrüstung wie Slider. Das wird nicht Gegenstand dieses Artikels sein, kaum jemand wird solche Ausrüstung zu Hause haben.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Grundsätzliches

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Für diese Art des Light Painting ist ein absolut fester Stand der Kamera unerlässlich. Wenn die Lichtspuren sauber und gerade sein sollen darf sich die Kamera während der Belichtung nicht bewegen.

Kurze Brennweiten sind für solche Bilder besser geeignet als lange. Umso größer die Brennweite desto mehr sieht man kleine Verwacklungen; die Lichtspuren laufen dann aus der Bahn.

 

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arbeitsweisen Entweder werden durch die Bewegungen der Kamera Lichtspuren gezeichnet oder es werden verschiedene Steps aufgenommen. Dafür wird das Objektiv zwischenzeitlich, also während der Bewegung, abgedeckt. Aber auch Kombinationen aus beiden Techniken in einer Aufnahme können sehr spannend sein.


Zoom

Die "einfachste" Variante der choreografischen Fotografie. Einfach deshalb weil fast jeder Fotograf ein Zoom-Objektiv in seinem Besitz hat. Während der Belichtung des Brandenburger Tors habe ich mehrfach den Zoom-Ring des Objektivs bewegt.

 

Der Zoom-Bereich muss nicht groß sein, für das Beispielbild hatte ich ein Tokina 19-35 mm an der Nikon D750. Um nicht all zu harte Anfänge und Enden der Lichtspuren im Bild zu haben habe ich den Zoom nicht bis zum Anschlag bewegt sondern nur bis kurz davor und dann unverzüglich wieder in die andere Richtung. Um das Brandenburger Tor deutlicher sichtbar zu machen habe ich im Anschluss noch einige Sekunden ohne Zoom-Bewegung belichtet. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Beim zweiten Bild vom Brandenburger Tor (Mitte) habe ich zwischendurch immer wieder das Objektiv abgedeckt und dann jeweils einige Sekunden mit den verschiedenen Brennweiten belichtet.

Camera Rotation Light Painting - Drehung um die optische Achse

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mittlerweile ist diese Light Painting Technik recht verbreitet. Viele Künstler arbeiten mit den verschiedensten Werkzeugen, Ideen und Arbeitsweisen mit der Technik der Camera Rotation Fotografie. Die Möglichkeiten mit dieser Technik eindrucksvolle Kunstwerke zu erschaffen sind nahezu grenzenlos. Eine recht einfache Variante ist es das Bild in zwei Teilen aufzunehmen, einmal richtig herum und noch einmal auf dem Kopf stehend, also um 180° gedreht. 

Die Anzahl der Steps lässt sich natürlich erhöhen. Für das Bild auf der linken Seite waren es 13. Ich habe hier jeweils einige Sekunden belichtet, das Objektiv mit einer schwarzen, lichtundurchlässigen Mütze abgedeckt, die Kamera ein Stück um die optische Achse gedreht, die Mütze für einige Sekunden entfernt und immer so weiter bis ich eine Umdrehung fertig hatte.


Den Berliner Dom oder auch das Rathaus in Görlitz genau mittig auf den Kopf zu drehen ist alles andere als einfach. Ohne ein präzises Tool und peinlich genauer Ausrichtung der Kamera sind solche Aufnahmen nicht möglich. Die drei Lichtspuren im mittleren Bild stammen von einem beleuchteten Schiff auf der Spree und sind somit nicht durch Bewegungen der Kamera entstanden.

Andere Bewegungen

Durch Bewegungen wie Kippen, Neigen, Ändern der Höhe oder Drehen um den Fixpunkt der Kamera auf dem Stativ sind ebenfalls eindrucksvolle Effekte im Lightpainting umsetzbar.

Ausrüstung

Je nachdem welche Effekte Du in Deinen Light Painting Bildern mit dieser Technik umsetzen willst benötigst Du verschiedene Hilfsmittel. Neben Deiner Kamera und mindestens einem Objektiv solltest Du eine lichtundurchlässige Kappe oder Mütze mitnehmen. Mit dieser kannst Du dann Dein Objektiv abdecken um Bewegungen "unsichtbar" ausführen zu können. Ein (Funk)Fernauslöser erleichtert die Arbeit. Meist benutze ich einen einfachen Kabelauslöser für einige wenige Euros.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Stativ

Mit dem klapprigen, leichten Reisestativ werden Dir solche Aufnahmen nur schwerlich gelingen. Ein absolut sicherer Stand der Kamera ist für diese Art Lightpainting unerlässlich. Für alle in diesem Artikel gezeigten Aufnahmen hab ich ein Manfrotto 055 mit 3 Segmenten benutzt. Das Teil ist nicht gerade ein Leichtgewicht und in den kleinen Rucksack passt das Stativ auch nicht, aber dafür steht das Ding bombenfest. Die schwere DSLR mit dem schweren 14mm Objektiv, alles befestigt am Camera Rotation Tool, wird sicher gehalten. Und, noch viel wichtiger, ich muss keine Angst haben, dass mir das Stativ samt Kamera beim Light Painting umfällt.

Um die Beine des Stativs habe ich nachleuchtendes Klebeband geklebt damit ich, und auch andere Menschen, in der Dunkelheit nicht gegen die Kamera laufen.


Stativkopf

Für einige der oben erwähnten Techniken benötigt man nicht unbedingt einen Stativkopf, man könnte die Kamera direkt auf das Stativ schrauben. Das hat den Vorteil größerer Stabilität, allerdings verliert man dadurch viel Komfort bei der Ausrichtung der Kamera. Für meine Light Painting Bilder benutze ich fast immer einen 3-Wege-Neiger von Manfrotto. Eine saubere Ausrichtung funktioniert damit besser und einfacher als mit einem Kugelkopf weil dieser sich immer in alle Richtungen gleichzeitig bewegt wenn man ihn löst. Mit dem 3-Wege-Neiger kann ich jede Richtung separat einstellen. Ein Video-Neiger würde eventuell auch gut funktionieren, getestet habe ich das aber noch nicht.

Egal welchen Stativkopf Du verwenden willst, Du solltest darauf achten, dass dieser das Gewicht der Kamera und des Objektivs sowie des Camera Rotation Tools sicher tragen kann.  In meinem Fall sind das insgesamt ca. 3 Kilogramm.


Camera Rotation Tool - Gimbal Head

Mit dem Gimbal Head kannst Du ein "fertiges" Camera Rotation Tool kaufen. Eigentlich sind die Teile für die dicken Teleobjektive der Paparazzi und Piepmatz-Fotografen gedacht, wenn man aber anstatt des Teles die Kamera auf dem Gimbal montiert hat man die Möglichkeit die Kamera um die eigene optische Achse zu drehen. 

Bevor Du das Tool benutzen kannst musst Du die zu Deiner Kamera passende Höhe einstellen. Am einfachsten geht das mit Hilfe der Funktion Live View. Du schaltest diesen ein, lässt Dir die Gitterlinien einblenden, suchst Dir ein kleines Objekt, welches Du genau in der Mitte des Bildes platzierst, und drehst dann die Kamera um die optische Achse. Wenn sich das Objekt nicht aus der Mitte bewegt hast Du die richtige Höhe eingestellt. Entweder Du schreibst den Wert von der Schiene ab oder Du markierst die Position.

 

Diese Lösung hat allerdings einige Nachteile, Zum Einen ist ein Gimbal Head gewöhnlicherweise nicht gerad für einen Schnäppchen Preis zu bekommen und zum Anderen ist das Teil groß und schwer. Ich hatte den Gimbal gerade mal auf die Waage gestellt, 1,2 kg. Wenn ich den Gimbal Head benutze montiere ich diesen direkt auf dem Stativ und nicht auf dem Kopf um die Verwacklungsgefahr zu minimieren. Für den Stativkopf ist die Kombination aus Gimbal, Kamera und schwerem Objektiv kaum noch zu halten.

Ein weiterer Nachteil ist, dass der Gimbal kein Raster für den Winkel hat wie das CRT aus dem nächsten Abschnitt. Ich brauche also zusätzlich einen Winkelmesser, z.B. als App auf dem Mobiltelefon.

 

Durch die massive Bauweise ist dieses Tool allerdings sehr stabil und laufruhig. Es besteht kaum die Gefahr während der Drehung zu wackeln.


Camera Rotation Tool - DIY CRT 2.0

Wegen der oben genannten Gründe wollte ich vor einigen Jahren den schweren Gimbal ersetzen. Nach vielen Tests und Umbauten sieht mein Camera Rotation Tool aktuell so aus wie im Bild rechts. Die vielen Zwischenschritte bis zum aktuellen CRT erspare ich Dir hier.

Das Tool besteht aus folgenden Komponenten:
- Arca Swiss Schnellwechselpatte 

- Panoramakopf mit Indizierung 

- Arca Swiss Winkel

- Arca Swiss Platte 180mm 
- 2 Schrauben M6 x 20

- Schraubenkleber

- Arca Swiss Klemme

 

An die Unterseite des Pano-Kopfes kommt die Arca Schnellwechsel-platte um das CRT dann einfach am Stativkopf befestigen zu können. Den Manfrotto 3 Wege-Neiger habe ich auf Arca Swiss umgerüstet weil ich an den Kameras immer passende L-Winkel habe. Diese sind immer Arca Swiss und passen nicht in die proprietäre Manfrotto Aufnahme. Ich habe einfach die Manfrotto Platte mit einer Arca Klemme (siehe oben) verschraubt.

 

Den oben erwähnten Winkel habe ich auseinander geschraubt und das kurze Teil durch die 180mm Plate ersetzt. Da die Original Schrauben zu kurz sind habe ich diese durch längere ersetzen müssen. Damit diese sich nicht lösen habe ich Schraubenkleber benutzt. Leider fand ich bei meiner Recherche keinen passenden Winkel, entweder ist eine Seite zu kurz, wie der von mir verwendete, oder unnötig lang und damit wieder unnötig groß, schwer und teuer.


Die lange Seite des Winkel habe ich an der Arca Klemme des Panokopfes befestigt. Auf die kurze Seite habe ich die Arca Klemme geschraubt. Nachdem alles montiert und genau eingestellt war habe ich die lange Schiene am Ende des Panotellers abgesägt. Das CRT ist jetzt nicht größer als nötig und das Display der Nikon D750 lässt sich jetzt über das CRT klappen. Somit kann ich auf diesem auch etwas sehen.

 

Die Winkeleinstellung erfolgt über das Drehrad an der Seite des Panotellers. Bei den Einstellungen 15°, 30°, 45°, 60° und 90° rastet der Teller spürbar ein. In der Stellung 0° läuft der Teller frei. Im Gegensatz zu anderen Panotellern mit Winkelvorwahl gefällt mir hier die Lösung mit dem Drehrad besonders gut. Bei den anderen Panotellern muss man eine Schraube von außen in das jeweilige Gewinde für die verschiedenen Winkel drehen. Das ist somit weniger komfortabel beim Verändern der Einstellung und außerdem sind diese Teile größer und schwerer. 

Da ich diesen Panoramakopf noch nicht sehr lange einsetze kann ich im Moment zur Robustheit und Haltbarkeit noch nichts sagen. Auf den ersten Blick ist das Teil gut verarbeitet, alles hält fest und sicher. Der Teller läuft sauber und gleichmäßig.

 

Praxistest bestanden:

Ich wünsche Dir viel Erfolg und Spaß beim Nachbau, und vor allem bei der Verwendung des Light Painting Tools. 
Allzeit gutes Licht

Sven 

2 Kommentare

Digital Art, Fotografie, Light Painting

Fotografie oder Digital Art?

In der heutigen Zeit wird der Begriff Fotografie immer mehr verwässert, verändert, er verliert seine eigentliche Bedeutung. Viele Leute denken weil sie gut in der Computer-Bearbeitung ihrer Bilder sind wären sie gute Fotografen. Und wenn sie dann noch zehntausende Follower bei Instagram haben fühlen sie sich erst recht in ihrer Annahme bestätigt. 

 

Ein guter Fotograf braucht für seine Arbeit keinen Computer! Er weiß was er in seinem Bild umsetzten will. Er weiß wie er seine Idee umsetzten kann. Das Einzige was er dafür braucht ist eine Kamera und Licht. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Schöne neue digitale Welt

Es ist ja sooo schön einfach. Selbst viele Profis arbeiten so. Da werden dann im Studio in einer Stunde 500 Fotos geknipst und dann am Rechner die zwei aussortiert die zufällig besser geworden sind als die anderen 498. Bei so einer immens hohen Zahl an Bildern wird schon was halbwegs Vernünftiges dabei sein. Und wenn nicht wird noch mal 'ne halbe Stunde weiter geknipst. Und mit ein paar Tricks und Kniffen am Computer wird das schon.  Und weil ich für den Spaß nicht 180 Filme kaufen und entwickeln muss ist die Verlockung ungleich größer diesem unkreativen, lotterieartigen Blödsinn zu verfallen. 

Die beiden Bilder werden dann am Computer solange bearbeitet bis das Ergebnis den eigenen, mehr oder weniger großen, Ansprüchen genügt. Die Möglichkeiten im Post Processing sind ja heutzutage fast grenzenlos, bis hin zur kompletten Gestaltung des Bildes aus dem Nichts (CGI).

Aber "Profi" bedeutet ja erst einmal nur, dass jemand Geld mit seinem Tun verdienen will. Oftmals ist die Arbeitsweise im Bereich Fotografie weit davon entfernt tatsächlich professionell oder gar meisterhaft zu sein.

 

Als ich meine erste Kamera geschenkt bekam, das war vor über 40 Jahren, musste ich die Filme von meinem spärlichen Taschengeld kaufen und von diesem auch die Entwicklung der Selben finanzieren. Da hab ich natürlich dreimal überlegt ob ich genau jetzt den Auslöser betätige oder eben nicht. Sicher haben mich diese Erlebnisse meiner Anfangszeit als Fotograf bis heute geprägt. Ich investiere auch heute noch viel lieber viel Zeit in eine vernünftige Planung, Vorbereitung und Ausführung meiner Bilder als in stundenlange sog. Nachbearbeitung am Computer. Auch heute noch verwende ich lieber Festbrennweiten als Zoom-Objektive mit ihren teilweise fantastisch großen Brennweitenbereichen. Ich wähle den Bildausschnitt viel sorgfältiger wenn ich mich bewegen muss anstatt am Zoom-Ring des Objektivs zu drehen. Von der besseren Bildqualität rede ich erst gar nicht.  Aber auch dieses Problem meinen viele Zeitgenossen durch exzessive Bildbearbeitung im Nachgang gerade biegen zu können. Das mag in vielen Fällen auch tatsächlich funktionieren. Trotzdem stellt sich mir immer die Frage warum die Herrschaften ihre Bilder nicht einfach so aufnehmen wie sie sie haben wollen.
Auch heute noch steht mein digitaler DSLR-Bolide mit seinen dutzenden Automatikfunktionen meist auf "M" und "Raw". Das zwingt mich immer wieder zu überlegen was ich erreichen will, und vor allem wie. Jede noch so ausgefeilte Automatik ist nun einmal blöd, die Elektronik der 3000€-Kamera kann nicht in meinen Kopf und mein Herz sehen. Die doofe Maschine weiß nicht wie mein Bild aussehen soll. Das Ergebnis wird in den meisten Fällen nur austauschbares Mittelmaß.

Kreative Bildbearbeitung

Ich will die digitale Bildbearbeitung mit all ihren fantastischen Möglichkeiten gar nicht verteufeln. Das Bild rechts habe ich am Computer aus 75 Einzelaufnahmen zusammen gebastelt. Zuerst habe ich HDR-Bilder aus den 15 Belichtungsreihen aus jeweils 5 Aufnahmen (mit je einer Blende Unterschied) erstellt. Im Anschluss habe ich aus diesen HDR's das Panorama gestitcht und dieses dann in Gimp mit mehreren Ebenen recht exzessiv bearbeitet. Jedem Betrachter dieses Bildes ist sofort klar, dass es sich hierbei eben nicht um eine Fotografie handelt sondern um ein am Computer erzeugtes Bild.


Und selbst wenn moderne Kameras die oben erwähnten Arbeitsschritte übernehmen wäre das immer noch kein "richtiges" Foto. Es macht für mich keinen Unterschied ob die Software in der Kamera oder mein Linux Rechenknecht die Belichtungsreihe zu einem HDR rechnet. Es wird dort nur Software zur Bildmanipulation von einem Computer auf ein anderen Computer, verpackt in ein Kamera- oder Smartphonegehäuse, verschoben. 

 

Solange man sieht, oder der Bildgestalter dieses klar kennzeichnet, wie viel Arbeit am Computer im Ergebnis steckt habe ich nicht das geringste Problem mit stark am Computer manipulierten Digitalbildern. Ich finde es allerdings aus mehreren Gründen schwierig und unfair wenn solch ein Bild dem Betrachter als "richtiges" Foto präsentiert wird. Viele Betrachter sehen nicht, dass das Bild am Computer stark verändert wurde. Das Grundvertrauen vieler Menschen, dass ein Foto die Realität abbildet, wird erschüttert. Selbst wenn der erfahrene Fotograf weiß, dass ein Digitalfoto nur recht selten besonders viel mit der Realität zu tun hat. Im Bereich der analogen Fotografie wurde zwar auch schon immer manipuliert, allerdings sind die Möglichkeiten eher eingeschränkt und auch nur einem recht kleinen Personenkreis zugänglich. Der Aufwand und die Kosten für die Manipulation analoger Fotografien ist um ein vielfaches größer als in der Digitalfotografie.


Gerade Einsteiger werden stark frustriert weil ihre Bilder eben nicht annähernd so wie die manipulierten Meisterwerke der Profis aussehen wenn sie auf das Display ihrer Kamera schauen. Sie fangen dann meist erst einmal zu zweifeln ob ihre Ausrüstung gut genug ist und kaufen sich dauernd unnötigerweise neue Kameras und Objektive. Im nächsten Schritt denken sie, dass sie zu blöd sind und geben dann im schlimmsten Fall frustriert ihr Hobby auf. Dabei sollte man doch als anständiger Mensch eher versuchen die Einsteiger für die Fotografie  zu begeistern und sie motivieren ihre eigenen Fähigkeiten zu verbessern anstatt sie zu täuschen und sie in ihrem Glauben des eigenen Unvermögens zu lassen. Der Einsteiger hat sicher schon von Programmen wie Photoshop gehört, meist sind ihm die vielen Möglichkeiten der Manipulationen aber überhaupt nicht bewusst. Der Einsteiger geht mit der Kamera raus und versucht gute Bilder zu machen und hat keine klare Vorstellung was er später am Computer noch aus seinen Dateien "rausholen" kann. Das kommt alles erst viel später... wenn er denn so lange durchhält.

Und was hat das jetzt alles mit Light Painting zu tun?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die Generation Digital macht natürlich auch im Light Painting mit. Die Idee, später am Rechner das schon irgendwie richten zu können, macht auch vor dieser besonderen Kunstform nicht halt. Für einige Leute ist Light Painting nur eine fotografische Technik, sie sehen nicht das Besondere im Light Painting. Light Painting ist so viel mehr als irgendein gutes oder eben weniger gutes Ergebnis mit möglichst wenig Aufwand zu erstellen.

 

Light Painting ist der Prozess von der ersten vagen Idee über die Suche nach geeignetem Material, dem Bau der passenden Tools bis hin zur Umsetzung. Ohne diesen gesamten Prozess würde mir, wie den meisten geschätzten Kollegen, etwas fehlen. Ich könnte auf den riesengroßen Aufwand durchaus verzichten wenn mich nur das Ergebnis interessieren würde. 


Dann würde ich Bilder wie dieses, einfach am Computer aus mehreren Ebenen zusammen basteln weil es um Einiges einfacher ist als mich, die beiden Orbs und den Laser genau auszurichten. Ich müsste nicht so lange im kalten Keller stehen und könnte die Zeit gemütlich am Computer mit einem Bier verbringen. 

Ich suche allerdings genau diese Herausforderung solche Bilder rein fotografisch umzusetzen. Alles was später im Bild sichtbar ist wird während einer einzelnen Langzeitbelichtung in Echtzeit auf den Kamerasensor gemalt. Das besondere Gefühl des Glücks und die Befriedigung wenn dann die verrückteste Idee auf dem Display der Kamera sichtbar wird ist einzigartig, unbeschreiblich. Allein für dieses Gefühl lohnt sich der zum Teil immense Aufwand.

 

Da zu keinem Zeitpunkt der komplette Orb in der Realität sichtbar ist weil die abstrakte Szene auf den Sensor, also die leere Light Painting Leinwand, gemalt wird, ist jedem Betrachter sofort klar, dass es sich nicht um ein "echtes" Foto handeln kann. Das Ergebnis wird normalerweise erst nach dem Ende der Performance und dem Schließen des Kameraverschlusses sichtbar, es sei denn ich arbeite mit Techniken wie Live Composite. Im Light Painting wird nie die Realität abgebildet, der Light Painter erschafft seine eigene Realität. Aus diesem Grund ist es, auch für mich als alten Hasen, extrem schwer nachträgliche Manipulationen zu erkennen. Es könnte ja schließlich alles so vom Light Painter vor der Kamera gemalt worden sein. Das RAW-Bild aus der Kamera bekomme ich meist nicht zu sehen. 

 

Ich muss also auf den Anstand und die Ehrlichkeit des Light Painting Künstlers vertrauen wenn er sein Bild mit SOOC - Straight Out Of the Camera markiert. Es gibt natürlich einige Anhaltspunkte um nachträgliche Manipulationen zu erkennen, aber meist habe ich keinen Bock ein Light Painting genau forensisch zu analysieren um einen "Betrug" aufzudecken. Die Zeit stecke ich lieber in die Umsetzung meiner eigenen Bilder.

Einige Kollegen, wie der überaus geschätzte Tim Gamble, erklären in der Bildbeschreibung meist sehr präzise wie sie das Light Painting umgesetzt haben. Anhand der Erklärung ist dann meist klar, dass der Light Painter das Bild tatsächlich so in einer einzelnen Belichtung auf den Sensor der Kamera gemalt hat. Zuweilen erlebe ich auch das Gegenteil. Weil sich ein Zeitgenosse nicht vorstellen kann, dass man sehr komplexe Light Painting Szenen erschaffen kann und in einer Belichtung aufnimmt wird dann gerne mal behauptet, dass es am Computer erstellt bzw. manipuliert wurde.

Light Painting vs. Digital Art

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Leider gelingt es mir nicht gelassen mit den Schultern zu zucken wenn Light Painter mir am Computer manipulierte Bilder als echtes Light Painting unterjubeln wollen. Genauso wenig wie ich gelassen bleiben kann wenn Light Painter vehement ihre für mich fragwürdige Arbeitsweise inkl. Manipulationen am Computer als meiner Arbeitsweise gleichwertig darstellen.

Ich kann Sätze wie "Es zählt doch nur das Ergebnis", "Das ist doch das Gleiche" oder "Viele Wege führen zum Ziel" nicht mehr hören. Es ist eben nicht das Gleiche!  Einige Gründe dafür habe ich weiter oben schon angeführt. So richtig "lustig" wird es dann wenn solche Light Painting Bilder bei Wettbewerben eingereicht werden, deren Teilnahmebedingungen eindeutig die Arbeit in einer einzelnen Belichtung vorschreiben. 


Spätestens wenn solch ein Bild den Hauptpreis im Wert von 3000€ gewinnt werden wohl alle, die sich an die Wettbewerbsbedingungen gehalten haben, völlig zu recht ungehalten werden. Ich bin kein Jurist, aber neben der (nachträglichen) Disqualifikation und Aberkennung des Preises kommt evtl. auch der Tatbestand des Betruges zum Tragen. Die Jury wurde schließlich arglistig getäuscht. Und ob es nun um viel Geld, teure Sachpreise oder nur um einen Wettbewerb für das Titelbild einer Facebook-Gruppe geht, am Gefühl der anderen Teilnehmer, betrogen worden zu sein, ändert das nichts.

 

Klar kann ich versteckte kleine Elektromotoren in mein Rennrad einbauen und damit bei der Tour de France mitfahren. Wenn ich erwischt werde ist meine Teilnahme an dieser und sicher auch an etlichen weiteren Rennen vorbei. Darüber hinaus wird wohl eine saftige Geldstrafe fällig werden. Und dann kann ich auch nicht erklären, dass nur das Ergebnis zählt und es die gleiche Leistung wie mit dem Rad ohne Motoren sein würde. Und um nicht in Versuchung zu kommen sollte man erst gar keine Motoren ins Fahrrad einbauen, nicht einmal im Training.  Man verlässt sich nämlich dann viel zu schnell auf die illegale und unanständige Hilfe. Ich könnte nicht mehr in den Spiegel schauen wenn ich die Leute derart täuschen würde.

 

Bisher konnte mir niemand plausibel erklären warum er seine Light Painting Bilder am Computer verändern muss. Ich rede jetzt nicht von Schärfen, Entrauschen, Anpassung des Weißabgleichs und ähnlichen Veränderungen die gewöhnlicherweise in der Kamera erledigt werden wenn man im JPEG-Format aufnimmt oder den Schnitt. Ich meine Dinge wie das Klonen oder Spiegeln von Bildteilen, die Retusche von störenden Bildteilen, insbesondere von Lichtspuren die unbeabsichtigt ins Bild gemalt wurden, das Zusammenrechnen aus mehreren Einzelbildern mittels Ebenen und ähnliche Arbeitsschritte die das eigentliche Bild erst am Rechner entstehen lassen. Das nennt man dann Composing. Ich hab nichts gegen Montagen oder Composings, auch nicht wenn ein Teil des Bildes ein Light Painting ist, jedenfalls nicht so lange der Künstler diese als solche klar kenntlich macht. Ungeachtet dessen habe ich bisher kein Composing im Light Painting gesehen das man nicht auch in einer Einzelbelichtung hätte umsetzen können. Das ist ja das Schöne am Light Painting, man kann mit Licht eine komplette Szene aus dem Nichts erschaffen. 

Dieses Light Painting entstand im dunklen Keller. Vom Raum ist im Bild nichts sichtbar. Das Bild hätte ich also an jedem anderen Ort aufnehmen können wenn dieser nur dunkel genug wäre. 

Der Aufwand für dieses Bild war recht groß. Zuerst habe ich eine Glühbirne gesucht; im Jahr 2018 nicht mehr ganz so einfach. Dann habe ich das Innenleben aus dieser entfernt. Die Öffnung die dadurch an der Unterseite entstanden war habe ich mit schwarzer Knete verschlossen. In die Knete steckte ich einen Schweißdraht und fixierte damit die Glühbirne für das Light Painting. Dann begann ich mit Testaufnahmen zur Ausleuchtung der Birne. Nach über 20 Testaufnahmen hatte ich die Position der Lampe ermittelt bei der möglichst wenig Reflexionen  auf der Glasoberfläche sichtbar waren. So richtig zufrieden bin ich allerdings nicht mit dem Ergebnis, meine Idee war gar keine Reflexionen auf der Glühbirne zu haben. Das wird mir bestimmt auch mit anderen Lampen und Diffusoren beim nächsten Mal gelingen.

Für die restlichen Teile des Light Paintings verzichtete ich auf Testaufnahmen. Also konnte es los gehen:
- Schritt 1: Kamera mit dem Meyer Optik Görlitz 2/35 mit eingestellter Blende 11 auf dem ersten Stativ befestigt und fokussiert, Belichtung gestartet, Glühbirne ausgeleuchtet

- Schritt 2: Blende des Objektivs auf 2,8 gestellt, Fokus auf ∞ gestellt, mit einem Bündel schwarzer Glasfasern das Bokeh ins Bild gemalt

- Schritt 3: Wechsel des Objektivs auf das Sigma 14/2,8 mit Blende 11, Wechsel der Kamera auf das zweite Stativ mit dem montierten Rotation Tool, zwei Blades aus Plexiglas mit dem Akkuschrauber gedreht, nach jeder Umdrehung die Kamera 60° um die optische Achse gedreht. 

Beim ersten Versuch gefiel mir das Bokeh nicht also wiederholte ich die Aufnahme. Du siehst hier den zweiten Versuch.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die meisten Menschen halten mich wegen des immensen Aufwandes für solche Light Painting Bilder für komplett verrückt. Der Aufwand für die Umsetzung solch eines Bildes ist ja nur ein recht kleiner Teil der Arbeit. Die Entwicklung der Choreografie, basierend auf der verrückten Idee, nimmt meist viel mehr Zeit in Anspruch als die Ausführung. Das Ergebnis wird dann ganz schnell zweitrangig. Der für mich wichtige Punkt ist der gesamte Prozess um solch ein Bild zu erschaffen.

 

Wenn es eine Möglichkeit gäbe dieses Bild genauso am Computer zu generieren oder mit Ebenenarbeit in der Bildbearbeitung den Aufwand für das Light Painting erheblich zu minimieren würde ich diese Techniken nicht nutzen. Ich bin Light Painter und kein Digital Artist. Ich arbeite mit choreografiertem Licht vor der Kamera und schubse keine Einsen und Nullen am Computer hin und her. Ich bin "Physiker" und kein Mathematiker. Ich will nicht mit möglichst geringen Aufwand das perfekte Bild. Ich will mit den Lampen vor der Kamera arbeiten weil es Spaß macht. Ich will der Magier ohne gezinkte Karten sein.

 

Ich wünsche Dir allzeit gutes Licht
Sven

0 Kommentare

Taschenlampen für den Light Painting Einsteiger

Welche Taschenlampe sollte ich zuerst kaufen?

Ich sage ja gerne "Light Painting funktioniert mit allem was leuchtet". Und genau so haben wir damals selbst angefangen, alles was leuchtet aus der Wohnung und dem Keller eingepackt, Belichtung gestartet und dann wild mit den verschiedensten Lichtquellen vor der Kamera rumgefuchtelt. Vieles stellte sich aus den unterschiedlichsten Gründen als ungeeignet heraus. Dieser Artikel soll dem Light Painting Einsteiger einige Arbeit beim Testen der verschiedenen Lampen und etwaige Fehlinvestitionen ersparen.

Viele unserer Light Painting Workshop Teilnehmer schauen ehrfürchtig in unsere Koffer und fragen sich, ob sie tatsächlich so viele Lampen brauchen um gute Light Paintings machen zu können. Ich hab mal gezählt; wir benutzen über 60 Taschenlampen mehr oder weniger regelmäßig in unseren Bildern. Darüber hinaus habe ich mal überlegt wie viele ich davon mitnehmen würde, wenn die Location einen längeren Fußmarsch vom Parkplatz entfernt wäre. Je nach der Bildidee, die an der Location umgesetzt werden soll, wären es nie mehr als 10 Taschenlampen. Wenn davon allerdings 8 kaputt gehen würden könnten wir das Bild sicher auch mit zwei Lampen auf den Kamerasensor malen können.

Also, nein, man braucht nicht so viele Lampen. Letztendlich genügen zwei Stück... oder auch nur eine, wenn es denn die richtigen sind und man im Umgang mit den Lampen geübt ist. Sicher fragst du Dich jetzt warum der Herr Gerard dann so viele Taschenlampen hat und mit sich rumschleppt.


Dafür gibt es mehrere Gründe. Erst einmal ist Haben immer besser als Brauchen ;-). Zum zweiten benutzen wir einige Spezial-Lampen für ganz besondere, einzigartige Lichteffekte. Diese Lampen können dann allerdings meist genau nur diesen einen besonderen Effekt und sonst nix. Punkt drei ist die Zeiteinsparung und Bequemlichkeit. Wenn ich mit 6 Lampen die Ausleuchtung des Raumes in kürzerer Zeit realisieren kann dann nehme ich eben 6 Lampen anstatt einer. Ein weiterer Aspekt ist die Ausfallsicherheit. Wenn ich 500 km zu Location fahre und dann das Bild nicht umsetzten kann weil meine einzige Lampe den Geist aufgibt ist das mehr als ärgerlich. Die meisten Lampen sind mindestens doppelt in unserem Koffer. Ich lasse die Lampen gerne an den Light Painting Tools damit sie immer sofort einsatzbereit sind; acht Tubes = acht Led Lenser P5R.2. 

Light Painting mit vielen Taschenlampen

Während der Vorbereitung des Artikels habe ich überlegt welches Bild mit wirklich vielen Lampen von uns umgesetzt wurde, und ob das Light Painting auch mit (viel) weniger Lampen funktioniert hätte.

Ich bin mir nicht sicher, ob das Bild rechts unser Light Painting mit den meisten Taschenlampen ist, aber es waren schon recht viele, 10 um genau zu sein. Vier rote Lampen in der oberen Etage, zwei Lampen auf der Treppe, zwei Led Lenser X21R.2 in der unteren Etage, eine Led Lenser P5R.2 für den blauen Orb und eine weitere Lampe zum Einleuchten des Models. Das orange Licht am Fenster hat uns die Görlitzer Straßenbeleuchtung ins Bild gemalt.

Letztendlich hätte man dieses Light Painting auch mit nur zwei Taschenlampen umsetzen können, eine für den Orb und eine zweite für die restlichen Aufgaben.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die Lampen oben und auf der Treppe bleiben während der gesamten Zeit an ihrem Platz. Die zwei Led Lenser X21R.2 lagen unten griffbereit an den richtigen Stellen. Ein solches Bild klappt meist nicht beim ersten Versuch. Aus diesem Grund wird der Zeitaufwand für die Wiederholungen erheblich verringert wenn die Lampen zur Ausleuchtung an ihrem Platz verbleiben. Wir mussten das Licht also nur einmal einrichten und nicht bei jedem Versuch wieder neu. Und das funktioniert eben nur wenn man genügend Lampen dabei hat.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Zur Umsetzung bestimmter Light Painting Bilder ist die Verwendung mehrerer Lampen gleichzeitig erforderlich. Im Beispiel auf der linken Seite habe ich zwei modifizierte Convoy S2 gleichzeitig zur Ausleuchtung des Tunnels verwendet. Nacheinander, also zuerst blau und dann orange, hätte das Bild vermutlich nicht funktioniert. Das Model hätte viel länger still stehen müssen. Ich hätte peinlich genau darauf achten müssen, dass die Zeit für beide Farben gleich ist und es wäre ungleich schwerer gewesen die Farben sauber zu trennen.

 

Die Lampen hatte ich zuerst hinter dem Model platziert und anschließend noch etwas von vorne den Tunnel ausgeleuchtet.


Light Painting auf Reisen

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die Insel Hiddensee ist nur mit der Fähre erreichbar. Auf der Insel gibt es keinen (privaten) Autoverkehr. Der Transport unserer Ausrüstung gestaltet sich also recht schwierig; entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Für das Bild links hatten wir die folgenden Sachen dabei:

- Stativ, Kamera, Objektiv, Fernauslöser und eine Kappe zum Abdecken des Objektivs

- Material für den Schwanz der Meerjungfrau

- Eine Led Lenser M7RX, einen Universal Connector und Farbfilter

Mit der einzigen Taschenlampe habe ich zuerst den Schwanz ins Bild gemalt im Anschluss habe ich den Universal Connector und das Farbfilter entfernt. Ich habe die Lampe weit fokussiert und den Strand und die Steine ausgeleuchtet.


Um den Himmel etwas heller darzustellen haben wir die Kamera einfach noch etwas weiter belichten lassen.

 

Das gesamte Material, einschließlich einer Flasche Bier,  konnten wir in einem kleinen Rucksack verstauen und damit bequem zum Strand und zurück spazieren.

Sicher wäre es einfacher gewesen, und hätte nicht so viel Zeit gekostet, wenn ich den Strand mit der dicken X21R.2 ausgeleuchtet hätte, aber die Lampe hat fast das gleiche Gewicht wie die gesamte oben genannte Ausrüstung.

Die ultimative Light Painting Taschenlampe

... gibt es nicht, und wird es sicher auch nie geben. Wünschenswert wären ein hoher Lichtstrom, möglichst viele Helligkeitsstufen, ein gutes Fokus-System, variabler Strobe in jeder Helligkeit, eine geringe Größe und ein geringes Gewicht, eine ausreichend lange Laufzeit und ein günstiger Anschaffungspreis. Gut wäre es, wenn die Lampe in den Universal Connector passt. Das erleichtert den Wechsel der Lampen und Light Painting Tools ungemein, einfach Tool und Lampe zusammenstecken und fertig. Oder wie im Beispiel von oben die Lampe einfach aus dem Connector ziehen um im zweiten Schritt die Ausleuchtung zu machen.

Welche Lampen kommen den Wünschen von oben am nächsten? 

Lampen wie die Led Lenser M7RX kommen den Anforderungen schon recht nah. Ein gutes, arretierbares Fokus-System, Lichtstrom ca. 900 Lumen, zwei Helligkeiten plus Turbo, Strobe, Blinken und SOS. Betrieben wird sie mit einem 18650 Akku.

Leider wird eben diese Taschenlampe nicht mehr hergestellt. Einen adäquaten Nachfolger gibt es nicht. Die neueren Lampen von Led Lenser sind meines Erachtens für das Light Painting nicht zu gebrauchen weil sie sehr schnell und sehr stark nach dem Einschalten in der hellsten Stufe die Helligkeit runter regeln. Eine saubere, gleichmäßig Ausleuchtung einer größeren Szene ist damit kaum zu realisieren.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Aber nun ist ja Led Lenser glücklicherweise nicht der einzige Hersteller von Led-Taschenlampen. Die Firma Walther bietet mit der PL70R eine sehr ähnliche Lampe an, mit der PL75MC sogar eine Variante mit 4 Led's (weiß, rot, grün, blau). Meines Wissens nach ist dies die einzige fokussierbare Taschenlampen mit mehreren Lichtfarben. Lampen wie der Led Lenser P7QC oder T2QC fehlt das Fokus-System. 

Eine gute, preisgünstige Alternative ist die, den oben genannten Lampen sehr ähnliche Anker LC90. Vertrieben wird sie eigentlich ausschließlich über Amazon. Man kann diese Lampe aber auch bei einigen anderen  Händler oder bei ebay kaufen, allerdings für zum Teil erheblich höhere Preise. Im Moment kostet das Schmuckstück bei Amazon schlanke 27,99€. Im Vergleich zu den 150€ für die M7RX ein echtes Schnäppchen. 

 

Sicher kann man auch ohne Fokussierung beeindruckende Light Painting Bilder umsetzen, für die meisten Aufgaben benötigt man keinen Fokus. Die Zahl der Lampen ohne Fokus ist unüberschaubar, deshalb von mir zwei Empfehlungen:
- Thorfire TK15S 
- Convoy S3

Beide Lampen sind gut verarbeitet, mit ca. 1000 Lumen für unsere Zwecke ausreichend hell und sie reißen kein großes Loch in den Geldbeutel. Alle hier genannten Lampen kann man sowohl gut benutzen um Lichtspuren ins Bild zu malen als auch um kleine bis mittlerer Szenen auszuleuchten. An der Thorfire stört mich allerdings etwas, dass man den Schalter an der Seite der Lampe nicht mehr gut erreichen kann wenn sie im Universal Connector steckt.

Ausleuchtung von großen Szenen

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mit ca. 1000 Lumen sind die kleinen Lampen aus dem letzten Abschnitt für die meisten Einsatzzwecke im Light Painting völlig ausreichend. Manchmal muss aber auch mehr Licht, oder mehr Leuchtweite, ins Bild. Gerade die hintere Kugel im Beispielbild hätten wir mit einer kleinen Lampe, vor allem wenn diese keinen Fokus hat, wohl kaum im Light Painting sichtbar machen können.

Benutzt haben wir hier eine von Heinz-Jörg Wurzbacher auf UV-Led's umgebaute Led Lenser X21. Durch das gute Fokus-System der Led Lenser konnte ich den Lichtkegel genau auf die Größe der Kugel einstellen. Wie hoch der Lichtstrom dieser Lampe ist vermag ich nicht zu sagen. Ich bin mir nicht sicher, ob man UV-Licht überhaupt mit den gängigen Methoden messen kann. Von der Zeit, die ich für die Beleuchtung der Szene benötigt habe ist die Lampe vergleichbar


mit der X21.2 mit weißen Led's. Falls wir noch mehr Licht brauchen nehmen wir eine, oder auch mehrere, Led Lenser X21R.2. Die Lichtstrom nach dem Einschalten in der höchsten Stufe liegt bei ca. 3200 Lumen. Nach einigen Minuten regelt die Lampe die Helligkeit runter, nach 12 Minuten leuchtet eines unserer Exemplare gerade mal noch mit 1200 Lumen.

Alternativen zur X21 gibt es sehr wenige. Spontan fallen mir nur Walther Pro XL3000, XL7000R und XL8000R ein. Ich kenne keine weiteren Lampen über 2500 Lumen mit Fokus-System. Wenn man auf den Fokus verzichten kann und will kann man für einen ähnlichen Preis auch solch eine Lampe kaufen:

Die (vermutlich) hellste Taschenlampe der Welt

Unglaubliche 32000 Lumen (nein, ich hab nicht aus Versehen eine 0 zu viel geschrieben) rotzen die 8 verbauten Cree XHP70.2 Led's aus dem recht kleinen Kopf der Lampe raus. So viel wie 10 X21R.2, und das zum Preis und mit dem Gewicht von einer der Led Lenser Schmuckstücke. 
Leider habe ich kein Exemplar dieser Lampe. Ich wüsste auch nicht so recht wofür ich ein solches Monster im Light Painting einsetzen sollte. Beeindruckend ist das Teil aber schon: Imanent DX80 

 

Wenn man den Messergebnissen der Freunde im TLF vertrauen kann liegt der Lichtstrom 30 Sekunden nach dem Einschalten bei knapp unter 30000 Lumen. Die Herstellerangaben für die kleineren Stufen werden dagegen in der Realität übertroffen, high - 13750lm, mid - 6250lm, low - 2500lm. Low sollten laut Hersteller nur 1000 Lumen sein, Mid nur 5000. Darüber hinaus lässt sich die Helligkeit in zwei weiteren Stufen reduzieren, 500 und 120 Lumen. Ich vermute, auch hier wird der Lichtstrom größer sein als angegeben.

Durch die geschickte Konstruktion des Gehäuses mit den vielen Luftschlitzen hält sich die Erwärmung in Grenzen. In der höchsten, für den Light Painter interessanten, Stufe "mid" mit 6250 Lumen wird man sich auch nach 15 Minuten nicht die Finger am Gehäuse verbrennen. Die vom Hersteller angegebene Wasserdichtigkeit nach IPX8 dürfte allerdings eher ein Spaß sein, durch die Schlitze dringt sicher Wasser ins Innere der Lampe. Ich würde die Lampe jedenfalls nicht ins Wasser schmeißen.

 

Da geht aber noch mehr. Neuerdings baut der Hersteller eine Lampe mit 12 der oben genannten Led's: Imalent MS12. Viel findet man noch nicht über dieses Monster, offensichtlich sind die üblichen Verdächtigen noch vom hohen Preis abgeschreckt. Aber lange dürfte es nicht dauern bis der erste Flashoholic das Teil im TLF vorstellt. 

Kleine Light Painting Taschenlampen

Um Lichtspuren wie im Bild rechts ins Bild zu malen sind 1000 Lumen viel zu viel. Selbst mit den schwachen 80 Lumen der Led Lenser M3R in der kleinen Helligkeitsstufe sind einige Bereiche im Bild rechts schon überstrahlt. Das Light Painting habe ich bei ISO 50 und Blende 11 in ca. 2 Metern Entfernung zur Kamera gemalt... und eingeschlafen bin ich dabei auch nicht, sonst würde man den Strobe-Effekt durch die Pulsweitenmodulation nicht im Bild sehen.

 

Die M3R wird, wie viele der guten Led Lenser Lampen, nicht mehr hergestellt. Im Moment sind bei einigen Händlern noch Restposten erhältlich. Für mich ist diese Lampe neben der ebenfalls nicht mehr produzierten P5R.2, eine der besten Light Painting Lampen. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Alternativ könnte man eine größere Lampe mit vielen Helligkeitsstufen wie die oben erwähnte Thorfire an das Plexiglas-Blade stecken und die Helligkeit entsprechend runter regeln. Allerdings hätte ich dann nicht diesen Strobe-Effekt weil die Thorfire nicht über PWM geregelt wird.

Fazit

Für die ersten Gehversuche im Light Painting genügt erst einmal eine gute Lampe wie die Thorfire TK15S. Erst wenn Du bei Deinen Light Paintings an die Grenzen stößt solltest Du über die Anschaffung größerer Lampen nachdenken. Um eine gewisse Sicherheit zu haben ist es eine gute Idee 2 gleiche Lampen zu kaufen. Ebenfalls eine gute Idee ist es, wenn alle verwendeten Taschenlampen mit dem gleiche Typ Akkus betrieben werden. Die gebräuchlichsten sind Akkus in der Größe 18650. Nur mit Lithium-Zellen ist es möglich einen hohen Lichtstrom mit einer kleinen Lampe zu realisieren. AA Batterien können maximal einen Strom von 0,5 Ampere abgeben, das genügt nur für ca. 90 Lumen pro Batterie. 18650 Akkus geben Ströme von 30 Ampere und mehr ab. Für die 1000 Lumen der Thorfire schiebt der Treiber ca. 2,8 Ampere bei 3,7 Volt in die Led. 

 

Zur eigenen Sicherheit sollte spätestens Deine zweite Taschenlampen-Anschaffung eine gute Stirnlampe sein. Diese gibt es mittlerweile auch wie Sand am Meer. Marla und ich laufen seit einiger Zeit mit Coast HL8 durch die Nacht. Die Akkus bzw. Batterien halten ewig, die Lampen sind bequem zu tragen, verfügen über eine gutes Fokus-System und lassen sich in der Helligkeit gut regeln. Alles was der Light Painter braucht um vernünftig arbeiten zu können.

Die Strinlampen von Led Lenser sind eigentlich auch ganz ordentlich, Erik benutzt seine immer noch gerne, allerdings nervt mich dieses rote Licht am Hinterkopf. Wahrscheinlich soll das für den Radfahrer sein. Man sieht selbst nicht ob das gerade an oder aus ist und malt dann damit zuweilen ungewollt lustige Lichtspuren ins Bild. Viele Kollegen benutzen Strinlampen der Firma Petzl. Die guten Lampen von Petzl finde ich allerdings zu teuer.

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht

Sven

2 Kommentare

Light Painting Paradise

Light Painting Tools

English version on Light Painting Blog

 

Light Painting Paradise hat mir freundlicherweise die Tools für diesen Artikel zur Verfügung gestellt. Eine weitere Bezahlung erfolgt nicht, ich erhalte keine Provision. 

Versand

Das Paket wurde um 18:35 Uhr in Madrid aufgegeben. Am nächsten Tag um 14:15 Uhr hielt ich es in meinen Händen. Das nenne ich doch mal eine schnelle Lieferung. Ivan von Light Painting Paradise hat mir versichert, dass alle Bestellungen so schnell verschickt werden. 

Alles war gut und sicher in einem stabilen Karton verpackt. Einzig die kleine Tüte Gummibärchen fehlte. ;-)

Was war im Karton?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Im Karton waren alle Adapter, alle Farbfilter, zwei Stäbe aus Plexiglas, fünf verschiedene Glasfaser-Bündel sowie vier Plexy Shapes. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Adapter

Das System besteht aus runden und flachen Adaptern. Die Adapter mit den runden Öffnungen sind für die Plexiglas-Stäbe, Plexiglas-Rohre und die Glasfasern. Die Adapter mit den schlitzförmigen Öffnungen sind für die Light Blades gedacht.

Alle Adapter sind im Vergleich mit anderen Systemen aus sehr dicken Material und somit sehr stabil. Auch mit langen, schweren Tools und schweren, dicken Taschenlampen ist die Verbindung sehr fest und stabil. Alles ist passgenau gearbeitet, nichts wackelt, man läuft keine Gefahr, dass einem das Tool beim Light Painting durch die Landschaft fliegt. Dadurch ist allerdings das Zusammenstecken der Teile manchmal etwas mühselig und kraftaufwändig. In die Adapter passen Lampen mit einem Kopfdurchmesser von 25 bis 38,5mm.


Die flachen Adapter gibt es mit zwei verschieden großen Schlitzen, entweder für ein Light Blade oder für zwei. Die runden sind ebenfalls für entweder ein oder zwei runde Tools erhältlich. Gerade der Doppel-Adapter eröffnet einige neue Möglichkeit. Man könnte beispiels-weise zwei verschiedene Glasfaser-Bündel montieren.

 

Eine Sonderstellung nimmt der Adapter zum seitlichen befestigen eines runden Tools ein. Der Stab oder das Rohr werden damit von der Seite, und nicht wie sonst üblich, von einem Ende beleuchtet.

Farbfilter

Zwei Adapter-Systeme = zwei Farbfilter-Systeme. Die Farbfilter für die flachen Adapter sind passende Streifen aus Farbfilterfolie (Par 64 von Lee Filters). Verpackt sind sie, genau wie die runden Farbfilter, in einer kleinen Metallbox. Diese Folien könnte man auch selbst in der passenden Größe zuschneiden. Das ist also eher etwas für den Einsteiger, der nicht 20 Rollen Lee-Folie im Keller liegen hat. Wenn man 12 Rollen kauft wird das auf jeden Fall viel teurer als die kleine Box.

 

Die runden Farbfilter sind Scheiben aus eingefärbtem Plexiglas. Sie werden zuerst in den Adapter gesteckt, dann steckt man das Tool hinein. Ein coole Idee wie ich finde, wir fummeln sonst kleine, selbst zurecht geschnittene Folien zwischen Tool und Taschenlampe.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Das flache System besteht aus 12 Farben, das runde aus 13. Alle Farben gefallen mir gut, sie sind eher dezent. Knallrot, kräftiges Blau, Grasgrün... so etwas haben die meisten Light Painter ohnehin schon in ihrem Koffer. Man schneidet dann einfach Streifen oder runde Kreise aus und benutzt dann diese in den Adaptern.  

 

Vier der Farbfilter (im Bild liegen sie im Deckel) sind UV aktiv. Gleichzeitig zur normalen Ausleuchtung hatte ich für dieses Bild mit einer kleinen UV-Taschenlampe in die Schachtel geleuchtet. In der Beschreibung des Shops ist das nicht erwähnt. Ich habe das eher zufällig entdeckt.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Plexy Shapes

Die Plexiglasteile werden in passenden Taschen geliefert. In dieser sind sie beim Transport gut geschützt. Die Kanten der Blades sind nicht poliert, sonder etwas rau. Dadurch erzeugen sie gut strukturierte Lichtspuren im Bild. Die polierten Kanten anderer Blades rauen wir vor dem Gebrauch mit Schleifpapier auf, dieser Arbeitsschritt entfällt hier. Ivan hat mir die für mich interessantesten Formen geschickt, Diablo, Italian Horn, Thunderbolt und Ice Cream. Darüber hinaus sind im Shop die Formen Diamond, Rectangle, und Round erhältlich. 

 

Alle Plexy Shapes sind sauber verarbeitet. Sie passen perfekt in die Adapter. Etwas fummelig wird es wenn man gleichzeitig eine Farbfolie hinein stecken will. Dafür hält dann selbst im Adapter für zwei Blades alles bombenfest. 


Die Plexy Shapes sind zwischen 23 und 27 cm lang und ca. 10 cm breit. Mir gefällt die Größe gut, mit fast jeder Taschenlampe wird die Fläche gut ausgeleuchtet. EIn Fokus-System wie bei Led Lenser ist bei dieser Größe eigentlich unnötig. Erste Versuche habe ich mit einer Convoy S8 gemacht, das sah so erstmal ganz gut aus.

Plexiglas-Stäbe

Im Shop sind vier verschiedene Stäbe erhältlich, Bubbles, Linear, Spiral und Transparent. Die Stäbe sind 40 cm lang und haben einen Durchmesser von 2 cm. Die recht schweren Stäbe werden sicher von den Adaptern gehalten. 

 

Transparent ist, wie der Name schon sagt, transparent, im Bubbles sind lauter kleine Luftblasen, im Linear sind gerade Linien über die gesamte Länge und im Spiral ist eine Spirale mit eingegossen. Das Innenleben sieht aus wie ein DNA-Strang. In meinem Paket waren Bubbles und Spiral. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die Stäbe lassen sich mit fast jeder Taschenlampe gleichmäßig und komplett ausleuchten. Auch hier braucht man wieder keine teure Fokus-Lampe weil der Adapter die Lampe mit dem Stab auf kurzen Weg sicher und gerade verbindet.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Glasfasern

Verschiedene schwarze und weiße Glasfasern verwenden wir schon sehr lange in unseren Light Painting Bildern. Blau, Grün und Rosa kannte ich bisher nicht. Im Paket war das komplette Set aus 5 verschieden farbigen Glasfasern.

Die Bündel sind etwas dünner als die Glasfasern aus anderen Light Painting Shops damit sie in den gleichen runden Adapter wie die Stäbe und Rohre passen. Allerdings sind vom ersten Eindruck her fast genauso viele Fasern verklebt. Wenn man das Tool in den Adapter steckt und senkrecht auf den Tisch stellt ist der "Blumenstrauß" genauso groß wie bei den Glasfaser-Tools aus den anderen Shops. 

Die schwarzen Glasfasern leuchten ausschließlich an den Enden. Blau und Grün geben sehr wenig Licht zur Seite ab und sind den schwarzen recht ähnlich. Rosa leuchtet eher Rot und an den Enden weiß, oder wenn man einen Farbfilter mit in den Adapter steckt, eben in dieser gewählten Farbe. Die weißen Fasern leuchten über die gesamte Länge, am hellsten an den Enden.


Plexiglas-Rohre

Die Rohre habe ich nicht zum Testen zugesandt bekommen. Wenn ich alles so viel hätte wie Plexiglas-Rohre... ;-) Im Shop sind Rohre in verschiedenen Längen erhältlich: 14, 36, 50 und 100 cm. Sie sind 2 cm dick und passen, Du hast es sicher schon selbst erraten, in den runden Adapter. 

Preise

Vergleichbare Tools sind in den meisten anderen Light Painting Shops teurer. Die Adapter sind mit 23€ für die einfachen und 32€ für den doppelten Runden nicht gerade ein Schnäppchen. Da sollte man über den Kauf eines Kits nachdenken, man spart einige Euros. Allerdings ist der Universal Connector auch nicht viel billiger und wegen des dünneren Materials nicht so stabil. 
Die Preise für die Plexy Shapes, Tubes und Rods finde ich angemessen. Plexiglas ist im Einkauf teuer, wenn ich eine Platte kaufe und die Teile selbst schneide spare ich kaum etwas, vor allem wenn ich dann noch Ausschuss produziere. 

Was gibt es sonst noch im Light Painting Paradise?

Neben den oben genannten "Exclusive Products" vertreibt das Light Painting Paradise noch andere Sachen die das Herz des Light Painters höher schlagen lassen wie Taschenlampen, Laser, EL-Wire,  EL-Tape und einige andere Kleinigkeiten. Schau Dich einfach im Shop um. Aus der Ferne gefallen mir die dicken 3-fach EL-Wire ganz gut. Die Dinger sollten deutlich heller sein als die normalen, einfachen EL-Wire, die wir sonst benutzen.

Was können die Tools im Light Painting?

Die montierten Plexy Shapes und Stäbe liegen gut in der Hand. Die Gewichtsverteilung ist mit einer mittelgroßen Taschenlampe wie der Convoy M1 gut. Die Tools lassen sich somit sauber und sicher durch die Luft schwingen. Alles sitzt fest und sicher. Ich hatte selbst bei schnellen Bewegungen keinerlei Befürchtungen, dass mir ein Plexy Shape oder recht schwerer Stab aus dem Adapter rutscht.

Die runden Farbfilter passen perfekt in die Adapter. Wenn man das Tool aus dem Adapter zieht kann man das Farbfilter aus dem Adapter schütteln. In der Dunkelheit könnten die kleinen Filter allerdings schnell in schwarzen Löchern verschwinden. Am Besten, man bereitet die Tools zu Hause vor und baut sie auch dort wieder auseinander.

Beim Entfernen der Glasfasern sollte man vorsichtig sein, sie sitzen recht stramm in den Adaptern. Die Glasfaserbündel sind allerdings ohnehin Verschleißartikel. Egal wie vorsichtig man damit hantiert, die Fasern brechen irgendwann weil sie dünn und starr sind.  Zum Transport sollte man sie immer in den mitgelieferten Hüllen aufbewahren.

Es werde Licht

Mir gefallen die Lichtspuren der Blades wirklich gut. Durch die relativ rauen Kanten haben die Spuren eine schöne Struktur.

Links siehst Du den Stab mit der Spirale und rechts den Stab mit den Blasen.

Die blauen und grünen Glasfasern sind viel heller als ich erwartet hatte. Als sie mit eingeschalteter Lampe auf dem Tisch lagen war vom grün und blau kaum etwas sichtbar. Interessant ist hier die Möglichkeit die Farbe der Glasfasern (blau, grün, rosa) mit einer zweiten Farbe für die Enden der Glasfasern zu kombinieren, wie im Bild 1.

 

Hier noch einige Bilder mit Plexy Shapes und schwarzen Glasfasern:

Fazit

Wer keine Möglichkeit oder keine Lust hat alle seine Tools selbst zu bauen hat mit den Tools aus dem Light Painting Paradise sehr vernünftige Werkzeuge zur Verfügung. Auspacken - Tool, Adapter, Farbfilter und Lampe zusammen stecken - und schon kann der Light Painting Spaß beginnen.

 

Allzeit gutes Licht
Sven

0 Kommentare

Farben im Light Painting Teil 4

Farbiges Licht im Light Painting - praktische Umsetzung

Nach den drei ersten, eher theoretischen und philosophischen, Teilen des Artikels geht es in diesem Teil um die praktische Umsetzung in unseren Light Painting Bildern. Welche Möglichkeiten habe ich um mit buntem Licht Lichtspuren ins Bild zu malen? Wie leuchte ich den Raum farbig aus?

 

Die ersten drei Teile findest Du hier:

 

Farben im Light Painting Teil 1

Farben im Light Painting Teil 2

Farben im Light Painting Teil 3

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Light Painting mit Farbfolien

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die wohl am häufigsten im Light Painting verwendete Methode um Licht "einzufärben" ist die Verwendung von Farbfilterfolien. Die Folien sind in vielen verschiedenen Farben erhältlich, sie sind hitzebeständig und sie kosten kein Vermögen. Wir kaufen meist Folien von LEE-Filters. Die Folien sind zwar recht teuer, aber sie haben saubere, definierte Farben. Wenn ich also nach 3 Jahren eine neue Rolle "Tokyo Blue" kaufe kann ich absolut sicher sein, dass die Farbe nicht einen Hauch von der alten Rolle abweicht. Bei vielen preisgünstigen Folien sieht das anders aus, zumal dort meist die Farbe nicht so präzise angegeben wird. Das heißt dann einfach Rot oder Blau.

Auf jeden Fall solltest Du darauf achten, dass die Folien für Beleuchtungszwecke (Scheinwerfer) ausgelegt sind. Die lustige bunte Bastelfolie aus dem 1-Euro-Shop fackelt ganz schnell an der 2000 Lumen Taschenlampe ab.


Wie kommt die Farbfolie an die Lampe?

Am Einfachsten lässt sich die Farbfilterfolie an der Led Lenser X21 befestigen und wechseln. Wir haben runde Stücken in der Größe des Lampenkopfes zugeschnitten und klemmen sie dann zwischen Kopf und Wegrollschutz. 

 

Bei den meisten anderen von uns verwendeten Lampen geht das leider nicht so einfach. Für die Verbindung von Taschenlampe und Lichtwerkzeug verwenden wir meist den Universal Connector von Jason Page. 20€ für ein Stück Gummi ist zwar alles andere als ein Schnäppchen, bisher konnte ich allerdings keine Alternative ausfindig machen. Wir stecken dann einfach eines, oder auch manchmal mehrere, Stücken Folie in den Connector und schon wird es bunt. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Eine weitere, nicht so elegante, Lösung ist die Befestigung mit Klebeband am Lampenkopf. Bei den billigen China-Lampen lasse ich die Folie meist dran. Bei einem Preis von 2 bis 3€ kaufe ich dann lieber ein paar Lampen nach als mühsam die Folie zu entfernen und neu anzubringen.

Farbige Light Painting Pinsel

Light Painting Fotografie & Light Art Photography
Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Wenn der Pinsel zum Malen der Lichtspuren schon gefärbt ist erspart das natürlich den Einsatz von Farbfilterfolie, Taschenlampe ran und fertig.

Einziger Nachteil ist natürlich, dass ich fünf verschiedenfarbige Tools einpacken muss wenn ich fünf verschiedene Farben malen will. Das nimmt dann mehr Platz im Rucksack ein als fünf kleine Stücken Folie und nur ein Tool.

Man kann natürlich auch die Tools einfärben oder von außen mit  verschiedener Folie bekleben wenn man ein mehrfarbiges Tool haben möchte.

Die hier gezeigten Tools sind allesamt sehr günstig, meist landen solche Sachen im Müll. Halte einfach die Augen offen und stecke eine Taschenlampe in den neuen potentiellen Light Painting Pinsel. Einen eigenen Artikel zu diesem Thema findest du hier.


Taschenlampen mit farbigen Led's

Die besten Methode ist meiner Meinung nach das Licht gleich in der gewünschten Farbe zu emittieren anstatt es mit einem Filter "einzufärben". Genau das macht eben das Filter nicht. Das Licht wird nicht eingefärbt, das Filter blockiert alle Wellenlängen außer der eigenen.

Somit nimmt die Helligkeit zum Teil sehr stark ab. Vor allem, sind die Unterschiede zwischen den Farben recht groß. Ein helles Orange absorbiert etwa 20% des einfallenden Lichts, ein dunkles Blau mindesten 80%. Aus den 3000 Lumen der Led Lenser X21R.2 werden dann bei Orange 2400 Lumen und bei Blau schwache 600 Lumen.

 

Wenn ich also diese beiden Farben in einem Bild verwenden will werden sie stark unterschiedlich hell dargestellt. Ich muss mit dem Blau viel länger arbeiten als mit dem Orange.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Die Led's der Lampen im Bild sind von der Leistung her identisch. Alle Farben haben einen Lichtstrom von ca. 900 Lumen und sind somit auch im fertigen Light Painting annähernd gleich hell dargestellt. Die Anzahl der lieferbaren Farben ist allerdings begrenzt. Aktuell erhältlich sind rot, grün, blau, violett, hellblau und orange. Manchmal werden auch gelbe Led's angeboten, technisch sind sie aber mit den orangen identisch, sie sind nur etwas heller. Wenn ich im Bild gelb haben will lass ich einfach das orange Licht etwas ausbrennen, dafür brauche ich keine weitere Lampe.

 

Das einzige Problem: man kann solche Lampen nicht kaufen, jedenfalls ist mir keine Bezugsquelle bekannt. Diese Lampen habe ich selbst gebaut. Einen eigenen Artikel über den Bau dieser Taschenlampen findest Du hier.

RGB-Taschenlampen

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

In der Vergrößerung sieht man diesen Effekt recht gut. Den Orb habe ich noch nicht einmal besonders schnell gedreht. Man kann diesen Effekt natürlich positiv und bewusst im Light Painting nutzen, saubere und gleichmäßigen Farben lassen sich mit diesen Lampen aber nur schwer darstellen.

Ein weiterer Aspekt ist die relative geringe Helligkeit der Lampen. Zur Ausleuchtung größerer Bereiche sind sie nicht geeignet. 

 

Bis vor einiger Zeit waren solche RGB-Lampen bei Amazon oder Pearl erhältlich. Vermutlich hat sie aber kaum jemand gekauft. Die einzige, mir bekannte aktuelle Bezugsquelle ist Aliexpress. Der Versand erfolgt aus China. Unter Umständen wird ein Besuch beim Hauptzollamt Deines Vertrauens sowie die Zahlung von Einfuhrumsatzsteuer  nötig.

Taschenlampe die verschiedene Farben darstellen können, Farbwechsel und Fading beherrschen? Wie im Beispielbild zu sehen gibt es solche Lampen. Diese sind allerdings von der Qualität her sehr miserabel und außerdem recht schwer zu bekommen. Die Laufzeit der Batterien ist sehr kurz. Wenn die Spannung der Batterien abnimmt wechselt das Schmuckstück schon mal gerne selbstständig die Farbe. Zwei gleiche Lampen stellen Mischfarben nicht unbedingt gleich dar.

Diese Lampen arbeiten mit Pulsweiten-modulation. Bei gemischten Farben werden die einzelnen Farben sehr schnell ein und ausgeschaltet, für das menschliche Auge entsteht so der Eindruck von z.B. lila und nicht rot und blau. Bei ausreichend schneller Bewegung der Lampe sieht die Kamera das allerdings.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Weitere Möglichkeiten

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Neben den oben genannten Möglichkeiten Farbe ins Light Painting zu bringen fallen mir noch einige andere Sachen ein: Man kann Light-Blades aus Plexiglas mit verschiedenen Eddings bemalen oder mit buntem Papier bekleben. Das funktioniert natürlich auch mit anderen geeigneten Lichtformern wie PET-Flaschen. Das Anleuchten und Bewegen von farbigen, nicht lichtdurchlässigen Gegenständen und Materialen ist in manchen Fällen auch eine gute Methode um Lichtspuren ins Bild zu malen. Indirektes Light Painting sozusagen. 

Eine weitere Möglichkeit sind farbige Lichtquellen wie z.B. EL-Wire. Die dünnen Lichtschläuche sind nicht teuer und in vielen Farben und Längen erhältlich. Nachteile von EL-Wire sind allerdings, dass sie nicht besonders hell sind und recht schnell kaputt gehen. 

Im Gegensatz dazu ist farbiges Feuerwerk sehr hell. Fontänen, Vulkane, römische Lichter und bengalische Feuer kann man gut im Light Painting einsetzen.

Und zu guter letzt sollten Laser nicht unerwähnt bleiben. Leistungsstarke Laser sind zwar alles andere als Spielzeug, aber bestimmte eindrucksvolle Effekte, wie im Bild nebenan, lassen sich eben nur mit Lasern umsetzen.


In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht und möge Dir der Spaß am Light Painting nie vergehen.
Sven

1 Kommentare

Full spectrum Light Painting

How to convert a Nikon D300 into full spectrum

Last year i converted my old  Nikon D70, but the image quality, especially in long exposures, is very poor. After buying a Nikon D300 in quite good condition for only 142€ i decided to convert it to full spectrum by removing the hot mirror filter. 

WARNING

- Be carefull!

- This tutorial is intended for experienced professionals.

- Open your camera will void your warranty.

- You do that at your own risk. I am not responsible for any damage of your camera.

- Be very carefull while removing and mounting the sensor frame. You could potentially ruin the factory calibration for the focus.

You need:

- small philips screwdriver

- soldering iron

- tweezers

- canned air or blower

- alcohol & q-tips or any other sensor cleaning solution

- maybe glue to fix the rubber (Pattex)

Here we go:

Step 1: Remove battery door and bottom rubber and remove all red marked screws.

Step 2: Remove the two marked screws.

Step 3: Remove the four marked screws. Don't remove the complete rubber.

Step 4: Lift the back rubber a little and remove the one marked screw. 

Step 5: Flip over the rear cover, remove all red marked screws and desolder the blue marked ground tabs. Remove the metal sheet.

Step 6: Remove the blue maked cables and flip over circiut board.

Step 7: Remove screws on the three red marked positions.

Step 8: Flip over the sensor frame and remove the two red marked screws and the metal springs.

Step 9: Flip over retainer with dust reduction filter. Remove the white marked hot mirror filter.

Before reassemble the camera in reverse order clean all parts, especially sensor with canned air. After reassemble retainer with dust reduction filter clean the surface with alcohol. 

 

good succeed & stay tuned for the first full spectrum Light Paintings taken with the converted Nikon D300.

Sven

0 Kommentare

Light Painting am Bagger

2000t Stahl und zwei Light Painter aus Berlin

10. November 2018, 12 Uhr - das Abenteuer beginnt.

Gunnar, Dominic, Matti und ich beluden das schöne, große Auto und machten uns auf den Weg nach Hagenwerder. 

Wir hatten bei der Abfahrt keinen Plan was für Light Painting Bilder wir in dieser Nacht umsetzen werden. Wir wollten uns vom Bagger inspirieren lassen.

Nach entspannter dreistündiger Fahrt standen wir vor dem Monster: 75 Meter lang, 48 Meter breit, 34 Meter hoch und 2000 Tonnen schwer.  Die freundlichen Herren vom Verein bergbaulicher Zeitzeugen führten uns um und auf den Bagger. Spätestens nach der Führung war uns klar: das wird alles andere als einfach. Mehr als 3 Bilder werden wir wohl in dieser Nacht kaum zustande bringen. 

Gunnar erkundete das Gelände und das Monster dann erstmal mit seiner Drohne von oben. 

 


Beide Bilder © Gunnar Heilmann

 

Wir luden das Auto aus und stärkten uns an der leckeren Suppe, die der gute Danilo organisiert hatte. Als alle gestärkt waren fingen wir an, immer noch ohne klaren Plan.

Light Painting Nr.1

Für das erste Bild stellte sich Danilo als unser Light Painting Model vor eines der 3 Raupen-Paare. Die Teile sind über 2 Meter hoch. 

Wir waren alle noch nicht so richtig warm, wir haben 4 Versuche für dieses Bild gebraucht. Die größte Schwierigkeit bestand darin ,diese riesengroßen Strukturen vernünftig auszuleuchten. 

Oben hinter den Fenstern hatten wir mehrere orangefarbene Led-Lampen platziert, diese blieben die ganze Zeit eingeschaltet. Hinter Danilo habe ich mit einer leistungsstarken E-Zigarette Dampf erzeugt und mit einer modifizierten Convoy S2 (10 Watt orange) das orange Licht gesetzt. Im Anschluss haben Gunnar und ich gleichzeitig mit je einer modifizierten Convoy S2 (10 Watt hellblau) den Bagger ausgeleuchtet. Die Belichtungszeit für diese Aufnahme betrug 212 Sekunden.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Der Himmel war sternenklar, der Bagger steht frei, es war windig. Nach diesem Bild konnten wir uns glücklicherweise im gut geheizten Aufenthaltsraum aufwärmen bevor es weiter ging.  

Light Painting Nr.2

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Zuerst platzierten wir die roten Lampen im Führerhaus und machten eine Testaufnahme. Wir veränderten Position und Anzahl der Lampen, dann passte dieser Bildteil schon mal. 

In weiteren Testaufnahmen leuchteten Gunnar und ich das 9 Meter hohe Schaufelrad ein.  Als auch dieser Teil passte kletterte unser Model Matti auf den Bagger. Das war nicht so einfach, der Weg dorthin ist ziemlich lang und es geht mehrfach hoch und wieder runter. 

Zuerst leuchtete ich Matti mit einer Taschenlampe ins Bild. Danach leuchtete ich mit der gleichen Lampe das Schaufelrad aus. Im letzten Schritt leuchtete Gunnar mit einer roten Lampe die Schaufeln und die Walze des Förderbandes aus. Das Licht im Führerhaus blieb wieder während der gesamten Performance eingeschaltet.


So langsam lief es besser. Für dieses Bild haben wir, abgesehen von den Testaufnahmen, nur drei Versuche gebraucht. Nach 10 Minuten war Matti erlöst und konnte wieder vom Bagger herunter klettern. Wir machten eine kurze Pause, dann ging es für Dominic, Matti und mich ganz nach oben.

Light Painting Nr.3

Im Gepäck hatten wir, glücklicherweise genügend, Feuerwerks- körper. 

 

Gunnar startete seine Drohne. Der Plan war die Szene gleichzeitig mit der Drohne sowie einer Kamera vom Boden aus zu fotografieren. Der Wind ließ nur Belichtungszeiten von wenigen Sekunden mit der Drohne zu, nach 3 Sekunden waren die Bilder verwackelt.

 

Das Bild auf der rechten Seite ist die Ausnahme der Kamera am Boden. Während der Belichtung feuerte ich den Feuerwerkskörper ab und Gunnar leuchtete von unten den Bagger ins Bild. Wir haben die Aufnahme solange wiederholt bis die 6 Pyros alle waren. Dieses Bild gefällt uns am Besten. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Der Weg nach unten war noch beschwerlicher als der Weg hoch. Gefühlt war es da oben 10 Grad kälter als am Boden. Von der Idee weitere Bilder oben auf dem Bagger zu machen verabschiedeten wir uns.

Hier noch zwei der Drohnen-Bilder: 

Light Painting Nr.4

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Neben dem Bagger haben die Jungs vom Verein noch einige andere schöne Sachen auf dem Gelände stehen, wie die feine grüne Krokodil Lokomotive. Matti hatte sich wieder aufgewärmt und stieg in den Führerstand der Lok. Sieht sehr professionell aus, oder? Das könnte daran liegen, dass der gute Matti im realen Leben das Ding vermutlich tatsächlich von der Stelle bewegen könnte. Jedenfalls gelingt ihm das mit Berliner U-Bahnfahrzeugen.

Unser zweites Model Marlene war mittlerweile ebenfalls an unserm Abenteuerspielplatz eingetroffen und stellte sich mutig auf die Gleise. 

 

Wir platzierten 2 rote Lampen im Fahrerstand, dann leuchtete ich Marlene und Matti ein. Anschließend leuchtete ich die Lok ins Bild. 


Nachdem Dominic die Blende von 8 auf 16 geändert hatte zündete ich einen kleinen Feuerwerksvulkan und lief damit an den Rädern der Lok entlang. Nach 2 Versuchen war dieses Light Painting im Kasten.  Wir machten dann noch weitere Light Paintings an der Lok, allerdings ist keines so gut geworden, dass ich es hier zeigen müsste. Aber so ist das nun mal im Light Painting, Fehlversuche, Ideen die nicht funktionieren, Models die frieren, Akku leer, ... irgendwas ist immer. Wir waren trotzdem mehr als zufrieden mit unserer Ausbeute an Bildern. Es gibt auch Tage an denen einfach gar nichts gelingen will und wir ohne ein einziges vernünftiges Bild nach Hause fahren. 

Intermezzo

Nebenbei haben wir noch zwei Porträts von Danilo gemacht, und Gunnar hat noch einige andere Light Paintings umgesetzt. Den Bagger hat er allein mit einer einzigen Taschenlampe beleuchtet.

Bilder © Gunnar Heilmann

Light Painting Nr.5 - Finale

Einen der zwei letzten dicken Mehrfach-Röli feuerte ich in diesem Bild ab. Wir wollten die Dinger nicht wieder mit nach Hause nehmen. Und Feuerwerk macht Spaß, auch wenn das Bild  nicht so gut wird. 

Hier stand ich mit dem Feuerwerk in der Hand als Model im Bild. Dominic leuchtete mich mit einer orangen Taschenlampe von vorne an. Gunnar bediente die Kameras und leuchtete mit einer hellblauen Taschenlampe den Bagger aus. Die Belichtungszeit betrug 106 Sekunden, zuerst bei Blende 16, als der Pyro abgebrannt war bei Blende 8.

 

Nach diesem Light Painting waren alle durchgefroren und müde. Wir luden unsere Ausrüstung ins Auto. Nachdem wir uns von allen verabschiedet hatte traten wir unsere entspannte Heimreise an.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Während wir die oben gezeigten Light Painting Bilder umgesetzt haben kamen allen Beteiligten dutzende neue Ideen in den Kopf. Wir waren uns einig; wir kommen wieder.

 

Ich danke alle Beteiligten, ihr wart großartig!

Mein besonderer Dank gilt Danilo für die perfekte Organisation und die Verpflegung, sowie dem Verein bergbaulicher Zeitzeugen für's Aufschließen und das gemeinsame nächtliche Frieren am Bagger.

 

Den Artikel der Sächsischen Zeitung über unseren Besuch des Baggers findest Du hier: https://www.sz-online.de/nachrichten/leuchtender-bagger 

Und zum Schluss noch das Video von Gunnar:

Allzeit gutes Licht
Sven

0 Kommentare

Guter Light Painter, schlechter Light Painter

Was macht einen guten Light Painter aus?

In meiner unnachahmlichen Großmäuligkeit behauptete ich kürzlich in einer Diskussion, dass Herr xxx kein guter Light Painter sei. Mein Gegenüber stellte dann die unausweichliche Frage woran ich das denn festmachen würde. 

Dann versuche ich die Frage mal zu beantworten. Das wird jetzt hier etwas ausführlicher als in unserem Gespräch.

 

Während meiner Antwort dachte ich einige Male: " Das ist ja schön und gut was ich hier von mir gebe, aber vielleicht sollte ich mir an dem ein oder anderen Punkt erstmal an meine eigene Nase fassen". Gesagt habe ich das natürlich letztens nicht. Ich bin ja schließlich der allergrößte Light Painter aller Zeiten. ...ach nee, geht ja nicht, diese Position ist ja schon besetzt... mehrfach sogar. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Woran erkennt man ein gutes Light Painting?

Als Erstes versuche ich mal ausschließlich das Ergebnis zu betrachten, völlig emanzipiert von der Arbeitsweise des Light Painting Künstlers. Oft weiß ich schließlich auch gar nicht so genau was im Bild am Computer manipuliert wurde und ob der Light Painter Techniken wie Mehrfachbelichtung, Live Composite oder Ähnliches benutzt hat. Dazu später mehr.

Natürlich kann man gegen die folgenden Regeln bewusst verstoßen. Wenn allerdings nicht sofort erkennbar ist, dass der Bildgestalter das absichtlich "falsch" gemacht hat wird jeder halbwegs geübte Betrachter das Bild sofort ablehnen.

 

Zuerst einmal erfüllt ein gutes Light Painting die gleichen technischen Anforderungen wie jedes andere Foto auch. Es ist scharf, richtig fokussiert, und Helligkeit, Kontrast, und Weißabgleich sind richtig.  Wobei natürlich unscharfe Bereiche im Bild durchaus die Attraktivität erhöhen können, wenn der Lichtmaler weiß was er tut.

Das Bildrauschen hält sich in Grenzen. Es gibt keine (größeren) Bereiche ohne Zeichnung, also nichts ist ausgebrannt oder abgesoffen, wobei größere dunkle Bereiche von den meisten Betrachtern nicht als sehr störend empfunden werden.

 

Falls das Bild in einem Raum oder vor einem Gebäude aufgenommen wurde gibt es keine stürzenden Linien. Die Kamera wurde so ausgerichtet, dass das Ergebnis symmetrisch ist. Wenn der Orb in der Mitte sein soll ist er auch exakt in der Mitte.

 

Das Bild hat insgesamt eine gute technische Qualität, die es zulässt einen (großen) Print anzufertigen.

 

Im Bild sind keine störenden, nicht zur Bildaussage  gehörende Dinge zu sehen. Alles was stört räumt der Light Painter weg, deckt sie ab oder ändert die Position der Kamera entsprechend. Oft genügt es unerwünschte Teile einfach nicht auszuleuchten.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Ein gutes Light Painting hat einen erkennbaren Bildaufbau. Ob dieser nun irgendwelchen Grundregeln (Drittelregel, goldener Schnitt...) entspricht spielt erstmal keine Rolle. Es muss nur erkennbar sein, dass der Light Painter aus gutem Grund und überlegt die Bildelemente dort platziert hat wo sie sind. Wenn man die grafischen Gestaltungsregeln kennt kann man diese natürlich auch bewusst missachten.

 

Ein gutes Light Painting hat eine überlegte, harmonische Farbgestaltung. Nur weil ich 12 verschieden farbige Lampen in meinem Koffer habe benutze ich sie noch lange nicht alle in einem Bild. 

 

Ein gutes Light Painting erzählt eine Geschichte und/oder vermittelt eine bestimmte Stimmung oder ein bestimmtes Gefühl, wie jedes andere gute Bild eben auch. Orb, Kreisscheibe, Domes, Stahlwolle; alles unmotiviert in allen Farben des Regenbogens in einem Bild verteilt erzählt meist genau gar nichts.

 

Wenn im Light Painting eine Figur aus Licht abgebildet ist sollte diese auch sauber gearbeitet sein. Ein Orb sollte rund und gleichmäßig sein, eine Kreisscheibe rund und ohne den "Anfang" zu sehen usw.

 

Falls im Light Painting ein Model zu sehen ist sollte man die Dame oder den Herren genauso sorgfältig in Szene setzen wie in einem normalen Foto auch.

 

Ein gutes Light Painting führt den Blick des Betrachters mit geeigneten Mitteln zum eigentlichen (Haupt-)Motiv bzw. durch die Idee oder Geschichte des Bildes.


Da die meisten Menschen von links nach rechts lesen und schreiben scannen sie ein Bild auch unbewusst von links nach rechts ab. Im Beispielbild oben schaut man also zuerst auf unser bezauberndes Model und dann über die Waffe zum UFO. Die Geschichte wird also richtig erzählt.

Ebenso unbewusst wandert der Blick des geneigten Betrachters immer zu den hellsten Stellen im Bild. Wenn diese Stellen keine Bedeutung für die Bildaussage haben funktioniert das Bild nicht, die meisten (geübten) Betrachter lehnen das Bild sofort ab weil es an den hellen Stellen nichts zu entdecken gibt. Die hellsten Stellen im Bild oben sind einerseits das Mündungsfeuer der Waffe und das Ziel des Schusses. Da die Verteilung der hellsten Stellen im Bild plausibel und logisch ist bleibt der Betrachter mit dem Blick im Bild.

Einziges Manko des obigen Bildes ist das Hochformat. Da unsere Augen neben- und nicht übereinander in unseren Köpfen montiert sind ist das natürliche Format quer und nicht hoch. Für das Beispielbild würde das allerdings bedeuten, dass es links und rechts viel "Nichts" zu sehen gäbe bzw. die Flächen mit, nicht zur Bildidee gehörendem, Light Painting Zierrat gefüllt wären.

 

Einige der oben genannten Punkte vergisst man zuweilen recht schnell in der Euphorie während der Arbeit. Auch ich bin davor nicht gefeit einige dieser "Kleinigkeiten" zu übersehen. 

 

Einige andere Faktoren erhöhen meist die Attraktivität des Bildes: Restliches Sonnenlicht am Horizont, Sterne, Spiegelungen, Laserstrahlen, lange Schatten, eine beeindruckende Location und einiges mehr.

 

Den Ausführungen bis zu diesem Punkt werden sich wohl die allermeisten erfahrenen Hobby- oder Berufsfotografen sofort anschließen. Ich erkläre zwar gerne jedem, der es nicht wissen will, dass Light Painting eine eigene Kunstform ist. Das schützt allerdings nicht davor einige grundlegenden Regeln der Fotografie, Malerei, Grafik, Gestaltung, usw zu kennen und zu beachten. 

 

Unter Beachtung der bisherigen Punkte sind die allermeisten Light Painting und auch sonstigen Bilder, die einem so tagtäglich bei Instagram, Facebook und Co. um die Augen gehauen werden sofort raus, egal ob die Groupies 1000 mal auf das ♥ gedrückt haben oder nicht. Die Anzahl der Likes sagt meist nicht das Geringste über die Großartigkeit des Light Painting Kunstwerkes aus. 

Künstlerische Freiheit?

Manche Künstler machen es sich recht einfach wenn sie jeden Fehler als künstlerische Freiheit abtun. Wenn es mir völlig Schnuppe ist ob andere Menschen meine Kunst verstehen und mögen mag das noch eine akzeptable Idee sein. Wenn ich meine Kunstwerke verkaufen will oder ernsthafte Beachtung und Anerkennung für meine Arbeit haben will funktioniert das nur, wenn ich mich zumindest an einige der Regeln von oben halte.

Die Idee alle Regeln über den Haufen zu schmeißen und etwas komplett Neues und Anderes zu kreieren ist zwar sehr sympatisch und verständlich aber meist funktioniert das eben nicht. Die meisten Regeln zur Bildgestaltung sind hunderte Jahre alt und bewährt, und das nicht ohne Grund. Als Betrachter von visueller Kunst kann ich nicht komplett frei sein.


Light Painting für den Light Painter

Für wen mache ich meine Bilder? Für normale Betrachter oder für andere Light Painter? Zuerst einmal für mich selbst! Der Eitelkeit schadet es allerdings nicht wenn mein Bild den geschätzten Kollegen gefällt, vor allem den wirklich guten Light Paintern.

 

Light Painter sind schon sehr merkwürdige Menschen. Sie wollen nicht nur, dass den Leuten ihre Bilder gefallen. Sie wollen auch dafür gefeiert werden WIE sie diese Bilder machen.

 

Als Light Painter interessiert mich beim Betrachten anderer Bilder immer wie der geschätzte Kollege das Light Painting umgesetzt hat. In 99% der Fälle hab ich sofort eine Idee wie es gemacht wurde bzw. wie es funktionieren könnte.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

So richtig spannend wird es wenn ich nicht sofort eine Idee habe wie der Light Painting Kollege das Bild gemacht hat. Einige Bilder bzw. Light Painting Techniken sind für mich so faszinierend, dass ich zuweilen tage- oder wochenlange grüble und teste wie man das umsetzen könnte. In seltenen Fällen habe ich selbst nach vielen Überlegungen und Versuchen keinen Plan wie der Kollege das Bild gemacht hat.

 

Einige Light Painting Kollegen sind allerdings recht offen und machen kein großes Geheimnis aus ihrer Arbeitsweise. Allerdings ist es dann natürlich kaum noch spannend die Technik oder Arbeitsweise 1:1 zu kopieren, aber als Inspiration taugt so etwas aber oftmals trotzdem.

Light Painting für den "Laien"

Das Bild rechts hat beim Fotoforum-Award im letzte Jahr den ersten Platz gewonnen. Zusätzlich gab es eine FIAP Goldmedaille für das Bild. In der Jury saßen keine Light Painter sondern sehr erfahrene Fotografen. 

Die meisten der geschätzten Light Painting Kollegen finden das Bild sicher ganz gut, aber zum Einen ist es Light Painting technisch nicht besonders spannend und zum Anderen ist es abstrakt. So etwas muss man auch erstmal mögen.

Natürlich bin ich sehr stolz den Award gewonnen und die Goldmedaille bekommen zu haben, mein bestes Bild ist das aber ganz sicher nicht. Es hat eine, wie ich finde, gute optische Wirkung und lässt viel Spielraum für eigene Interpretationen des Betrachters. Vielen "Laien" gefällt das Bild, egal ob sie nun Fotografen sind oder mit Fotografie wenig am Hut haben.

Um ehrlich zu sein habe ich hier einerseits ein neues Tool getestet (rot/oranges Licht in der Mitte) und zusätzlich eine neue Technik probiert (Zoom außen herum).  Das Bild ist also eher ein Zufallsprodukt und kein gut geplantes Light Painting Kunstwerk. Aber manchmal sei mir auch mal etwas Glück gegönnt. ;-)

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Eine Frage des eigenen Geschmacks

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mir gefallen manche Bilder nicht weil sie einfach nicht meinen Geschmack treffen, völlig emanzipiert von den oben genannten Punkten. Und sicher wird das vielen Leuten beim Betrachten meiner Bilder nicht anders gehen. Wenn jemand mit Lost Places nichts anfangen kann wird ihm oder ihr das Bild auf der linken Seite vielleicht einfach aus diesem Grund nicht gefallen, auch wenn es technisch an dem Bild wenig auszusetzen gibt. 

 

Ich mag einfach bestimmte Farben und Farbkombinationen nicht. Solche Bilder haben es dann ungleich schwerer als Bilder mit einer ausgewogenen, meinem Geschmack entsprechenden Farbgestaltung. 

 


Ich kann mit bestimmten Stimmungen nicht viel anfangen. Friede, Freude, Eierkuchen ist einfach nicht so meins. Liebliche Bilder von lieblichen, leicht- oder unbekleideten Frauen brauche ich auch nicht unbedingt. Obwohl solche Bilder für viele Betrachter attraktiv sind, nicht unbedingt wegen des guten Light Paintings sondern eher wegen der wohlgeformten Frauenleiber.

 

Manchmal kann ich mein Gefallen bzw. Nicht-Gefallen einfach nicht in Worte fassen und begründen. Manche Bilder treffen einfach nicht meinen Geschmack auch wenn sie gut gemacht sind.

SOOC - Straight Out Of the Camera

Für viele Light Painter ist es wichtig alles während einer einzelnen Belichtung in der Kamera zu machen. Montagen am Computer sind ebenso verpönt wie das Spiegeln oder Klonen von Bildteilen. Techniken wie Mehrfachbelichtungen und Live Composite benutzen sie nicht. Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund für Mehrfachbelichtungen, bisher habe ich für alle Bilder eine Lösung gefunden alles in einer Einzelbelichtung umzusetzen. Einige der Lösungen sind allerdings zugegebenermaßen recht aufwändig. Einige Light Painter scheuen diesen großen Aufwand oder finden einfach für sich keine Lösung.

 

Live Composite hat in einigen wenigen Bereichen sicher eine Daseinsberechtigung. Um dem Publikum ein Live-Bild der Entstehung des Light Painting zu zeigen ist diese Technik sicher ebenso geeignet wie beim Light Painting mit viel hellem Umgebungslicht (Vollmond, hell erleuchtete Großstadt o.ä.). Allerdings stört mich bei diesen Bildern meist die sehr homogene, unnatürliche Helligkeitsverteilung im Bild, es gibt oftmals kaum dunkle Bereiche und sämtliches Licht wird in der gleichen Helligkeit von der Kamera gespeichert, obwohl die Straßenlaterne in der Realität viel heller ist als die Spur des Light-Blade mit der 900 Lumen Taschenlampe. 

Wenn man sich auf die Technik Live Composite immer verlässt wird man seine Light Painting Fähigkeiten wohl kaum verbessern. Die meisten Live Composite Bilder könnte man auch ohne Probleme in einer einzelnen Belichtung umsetzen. Es ist also meist nur Bequemlichkeit, Gewohnheit und der Reiz während der Aufnahme kontrollieren zu können ob das Bild schon fertig ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich die im Vergleich zu anderen Kameras schlechtere Bildqualität (Dynamikumfang, Auflösung, Rauschverhalten...) der Olympus Kameras. Bei einigen Gelegenheiten nahmen wir die Szene gleichzeitig mit einer Kleinbild-DSLR und einer Olympus auf, die Unterschiede im Ergebnis waren sehr deutlich. 

Vielen, nicht Light Painting affinen, Betrachtern ist das allerdings meist völlig Schnuppe wie das Bild entstanden ist. Sie sehen nur das Ergebnis und interessieren sich nicht dafür wie viel Computer-Arbeit oder sonstige "Trickserei" im Bild steckt.

Entweder es gefällt dem Betrachter innerhalb von Sekundenbruch- teilen oder eben nicht.

Und wenn ich mit meinen Bildern Geld verdienen will ist für meinen Kunden völlig unerheblich wie viel Arbeit im Bild steckt, vor Allem wie viel davon mit der Kamera und wie viel am Computer gemacht wurde.

 

Für mich ist diese Arbeitsweise allerdings ein sehr wichtiger Bestandteil der Arbeit im Light Painting, eine Art sportlicher Ehrgeiz. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Der Marathonläufer würde schließlich auch nicht auf die Idee kommen die Strecke mit dem Auto oder Fahrrad zu fahren weil es schneller geht und nicht so viel Kraft kostet. Er sucht schließlich genau diese Herausforderung.

Neues oder Bewährtes?

Es gibt ja einige sehr erfolgreiche Light Painter die meist recht ähnliche Bilder machen. Ich will das jetzt gar nicht bewerten. Wenn sie Spaß daran haben jeden Tag das Selbe zu tun dann sollen sie das auch so machen. Mir wäre das allerdings viel zu langweilig. Ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit im Light Painting ist für mich das permanente Entwickeln neuer Tools, Lampen, Techniken und Ideen. Darüber hinaus bin ich auch ständig auf der Suche nach neuen Locations.

Ein Nachteil dieser Arbeitsweise ist oft, dass die Ergebnisse nicht sehr gut sind oder zu mindestens der zeitliche Aufwand sehr groß ist. Wenn ich vielfach bewährte Tools und Techniken benutze mache ich 10 Bilder in einer Nacht. Beim Test von Neuem mach ich vielleicht nur 1 Bild in 10 Nächten. Aber das Glücksgefühl wenn die neue Idee tatsächlich funktioniert ist sehr befriedigend, auch wenn das Ergebnis vielleicht kein Meisterwerk ist. Und wenn die neue, verrückte Idee funktioniert hat geht es sofort an die Entwicklung des nächsten Tools oder der nächsten Technik.

"Herr xxx ist doch aber erfolgreich."

Erfolg ist meist völlig emanzipiert von der Qualität. Modern Talking und die Toten Hosen waren bzw. sind auch erfolgreich. Für die meisten Musik affinen Menschen rangieren solche Kapellen allerdings irgendwo zwischen "völlig belanglos" und "Körperverletzung", in meinem Fall definitiv Körperverletzung.

 

Erfolgreich ist man eher wenn man erfolgreiches Marketing betreibt, und etwas Glück kommt dann meist auch dazu. Da spielt die Qualität dann nur eine untergeordnete Rolle. Die meisten Menschen kaufen den Kaffee mit der hübschen grünen Verpackung den sie aus der Werbung schon aus Kindheitstagen kennen und nicht den Fair Trade Kaffee der dann auch noch besser schmeckt.

Und in der Kunst, und somit auch im Light Painting, ist das auch nicht viel anders. Wenn man als Künstler einen Namen hat verkauft man sich und seine Bilder für viel Geld. Und ob man sich den Namen mit permanenter Hervorhebung der eigenen Großartigkeit, durch ständige Skandierung " Als Maler bin ich zwei Deutsche", Skandalen, Berichten in der Boulevard-Presse, Fernsehauftritten, Präsenz auf allen "wichtigen" Veranstaltungen, Werbung, permanente Online-Präsenz oder durch wirklich beeindruckende Kunstwerke gemacht hat spielt dabei keine Rolle. 

 

Es wurden schon von Affen gemalte Bilder für 5-stellige Beträge versteigert. Wo soll da bitte die Qualität herkommen wenn ein Affe wild mit dem Pinsel auf der Leinwand rumschmiert? Das mag ja ganz lustig sein aber ernst zunehmende Kunst kann so etwas wohl kaum sein. Ein richtig guter Maler, der nicht annähernd so viel Geld für seine Kunst bekommt dürfte das wohl weniger amüsant finden. Im Gegensatz zum Primaten muss der nämlich davon seinen Lebensunterhalt bestreiten.

Wer sind denn nun die guten Light Painter?

Mein Gegenüber fragte mich dann während des Gesprächs wer für mich die 3 besten Light Painter seien. Da kam ich dann doch etwas ins Schlingern. Ich könnte sicher 20, 30 oder auch noch mehr wirklich gute Light Painter aufzählen. Nur 3? Das kann nur ungerecht und vor Allem unvollständig werden! Nach langem Hin und Her wurden es dann diese drei Herren:

 

- Tim Gable aka FadeToBlack 

Tim ist einer der fleißigsten Light Painter. Er hat immer wieder neue, geile, sehr ungewöhnliche Ideen. Seine Ergebnisse sind meist sehr beeindruckend und sehr emotional. Einige seiner Bilder hat er mit enormem, für die meisten Menschen unvorstellbaren, Aufwand umgesetzt. Da werden dann während einer einzelnen Belichtung mehrfach Objektive und Stative gewechselt und lange Fußmärsche unternommen um dann zwei verschiedene Locations in einem Bild unterzubringen oder er kombiniert Light Painting mit Refraktografie und was er nicht sonst noch alles für verrückte Ideen hat.

 

- Darren Pearson aka dariustwin
Dieser Typ ist unglaublich! Mit einer einzelnen kleinen Lichtquelle malt er freihändig 20 Meter große Dinosaurier, ein Dutzend tanzende Skelette, Skateboarder und andere lustige Dinge ins Bild. Noch beeindruckender sind die Stop-Motion-Filme die er aus Hunderten einzelnen Light Painting Bildern erstellt.  

 

- Cisco

Es gibt zwar noch einige andere wirklich gute Licht-Kalligrafen, aber niemand versteht es so gut wie Cisco mit der Technik der Kalligrafie mit Licht derart beeindruckende Bilder zu gestalten. Egal ob in den Straßen von Marrakesch, in der Wüste oder in seinem Studio. Immer ist alles perfekt in Szene gesetzt.

Fazit

Es gibt viele wirklich gute Light Painter mit vielen coolen Ideen und guten Ergebnissen. Permanent sind sie bestrebt besser zu werden und Neues zu erschaffen. Wer meint schon alles zu wissen, alles zu können, nichts mehr lernen zu müssen und sich keine Gedanken über neue Techniken und Ideen machen zu müssen ist meist nicht besonders gut und kreativ. Wenn ich meine eigenen Arbeiten nicht genau und kritisch betrachte werde ich wohl kaum ein besserer Light Painter  werden.


Einige Kollegen stecken sehr viel Arbeit in das Thema Light Painting und in die Community der Light Painter. Ohne die Arbeit solcher Light Painter wäre unsere Gemeinschaft sicher nicht halb so groß und nicht auf so hohem Niveau wie sie es im Moment ist. Wissen vermehrt sich wenn man es teilt. Die Idee des einen Light Painters wird von anderen aufgegriffen, weiterentwickelt und verändert.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Ohne den Austausch, die Freundschaft und die Zusammenarbeit mit anderen Light Paintern aus der ganzen Welt wäre ich heute sicher nicht an dem Punkt an dem ich jetzt bin. Und die Reise ist noch lange nicht zu Ende. Die Möglichkeiten im Light Painting und in der Light Art Photography sind fast grenzenlos. 

Mein bestes Light Painting habe ich bisher nicht gemacht, das mache ich morgen! Viel wichtiger ist allerdings, dass mir nie der Spaß beim Light Painting vergehen möge.

 

Allzeit gutes Licht
Sven

0 Kommentare

Wie dreht man einen Orb?

Verschiedene Methoden zum Drehen einer Lichtkugel

Ich höre zwar in letzter Zeit öfter mal " Ich kann keine Orbs mehr sehen" oder "Die Leute können keine Orbs mehr sehen", auch mich selbst langweilt es manchmal den zweitausendsten Orb zu drehen, aber Light Painting ohne Lichtkugeln ist für mich und viele andere Light Painter fast undenkbar. Wenn ich im Jahr 2012 nicht zufällig über Bilder von Orbs gestolpert wäre, würde ich vermutlich heute kein Light Painter sein.

Man sollte zwar auch möglichst viele andere Light Painting Techniken beherrschen und in seinen Bildern verwenden, aber es kann sicher nicht schaden, wenn man einen sauberen Orb drehen kann.

Dieser Artikel stellt Dir einige Techniken vor.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Grundsätzliches

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

In den meisten Fällen wird der Orb um einen festen Punkt auf dem Boden gedreht. Diesen Punkt solltest Du markieren. Die Lichtquelle wird im Kreis bewegt und nach jeder Umdrehung bewegst Du Dich einen kleinen Schritt kreisförmig um die Markierung auf dem Boden. Eine ganze Umdrehung um den Punkt auf dem Boden ist nicht notwendig, nach einer halben Umdrehung ist der Orb fertig.  Achte darauf, dass die Markierung zwar für Dich beim Drehen des Orbs, aber möglichst nicht im fertigen Bild sichtbar ist. Ich verwende meist Dinge, die am Aufnahmeort vorkommen und somit im Bild nicht auffallen, wie kleine Steine, Blätter oder Ähnliches.

 

Eine weitere Möglichkeit ist es LED's an einem Ring oder Reifen zu befestigen und diesen dann um die Mittelachse zu drehen; dazu später mehr.


Während des Light Painting solltest Du dunkle Kleidung tragen, damit Du später nicht im Bild zu sehen bist. Vor allem sollten an Deiner Kleidung keine Reflektoren oder glänzende Metallteile sein.

 

Das Wichtigste ist die Übung. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Dein erster Orb wird sicher kein Meisterwerk, auch nicht nach dem Lesen dieses Artikels. Geh raus und drehe so viele Orbs wie möglich. Nach mehr oder weniger vielen Versuchen gelingen Dir sicher saubere, gleichmäßige Lichtkugeln. Während unserer Workshops schafften es viele Teilnehmer nach unserer Einweisung und 4-5 Versuchen recht ansehnliche Orbs zu drehen. Einige andere Light Painting Techniken erfordern viel mehr Übung und Erfahrung. Für den Einstieg in das Thema Light Painting ist also ein Orb noch relativ einfach. 

LED's an Kabel oder Schnur

Eine einfache und preisgünstige Methode ist das Drehen des Orbs mithilfe einer Schnur oder eines Kabels. An einem Ende wird die Lichtquelle befestigt, das andere Ende nimmst Du in die Hand und drehst es. Als Lichtquelle kannst Du einfach eine batteriebetriebene LED-Lichterkette benutzen. Du bindest alle LED's zusammen und befestigst diese dann am Kabel. 

Ein großer Vorteil dieser Technik ist, dass dieses Tool ein sehr geringes Gewicht hat und sehr klein ist. Es passt meist in die Hosentasche. Betrieben wird die Lichterkette mit 2 oder 3 AA Batterien oder Akkus, diese hat man meist ohnehin im Haushalt.

 

Zu dieser Methode findest Du einige mehr oder weniger gute Anleitungen im Internet.

Ball of Light Tool - das Profi-Werkzeug

Light Painting Fotografie Light Art Photography

Denis Smith aus Australien dreht seit vielen Jahre viele Orbs mit der oben beschriebenen Technik. Nachteile des im vorigen Absatz beschriebenen Tools sind die einerseits recht kurze Lebensdauer, die Lichterkette ist für diese Beanspruchung nicht gebaut, und zum Anderen die relativ schlechte Handhabbarkeit. 
Also tüftelte der gute Denis so lange bis er ein wirklich gut zu bedienendes und robustes Tool hatte. Seit einiger Zeit vertreibt er sein Tool auf seiner Homepage

Für diesen Artikel hat mir Denis eines seiner Tools zur Verfügung gestellt. Danke mein Freund!

Nach den ersten Versuchen merkte ich, dass das Tool zwar wirklich gut ist, aber dass ich trotzdem etwas Übung brauche um eine saubere Kugel damit zu drehen. Bei Denis sieht das immer so einfach aus.


Das Ball of Light Tool ist modular aufgebaut. Es besteht aus dem Controller mit einem Taster zum Ein- und Ausschalten und einem Poti zum Regeln der Helligkeit, sowie einem Kabel, welches den Controller mit dem Kopf verbindet. Denis baut verschiedene Köpfe in verschiedenen Farben und Farbkombinationen. In einigen verbaut er unterschiedlich große LED's, einige sind diffus. Im Bild oben habe ich für den Orb nacheinander drei verschiedene Köpfe benutzt. Betrieben wird das Tool mit einem 9V Block. Bisher musste ich diesen zwar noch nicht wechseln, allerdings hätte ich mir hier eine bessere Lösung zum Wechsel der Batterie gewünscht. In der Dunkelheit die vier kleinen Schrauben des Gehäuses zu öffnen und diese dann nicht zu verlieren stelle ich mir nicht so einfach vor.

Falls das sehr robuste Kabel nach dem fünfhundertsten Orb kaputt gehen sollte, kann man dieses sehr einfach austauschen. Denis vertreibt die Kabel auch einzeln in seinem Shop.

Man merkt, dass Denis zum Einen auf Grund seiner großen Erfahrung genau um die Ansprüche an ein solches Tool weiß und zum Anderen viel Arbeit in die Entwicklung gesteckt hat. Durch die am Kabel befestigte Handschlaufe wird das Kabel wohl sehr lange durchhalten. Das Hauptproblem bei den Bastel-Lösungen aus dem vorigen Absatz ist, dass nach wenigen Orbs auf Grund der hohen Beanspruchung meist das Kabel bricht.

Auch die anderen Teile des Ball of Light Tools machen einen sehr robusten Eindruck. Das Gehäuse des Controllers ist, genau wie die Köpfe, aus einem sehr robusten Kunststoff gefertigt. Die größte Schwachstelle dürften die herausragenden LED's sein, wenn man damit bei vollem Tempo an einem Stein hängen bleibt, dürften diese das nicht überleben. Um das Licht vernünftig in alle Richtungen verteilen zu können, müssen diese allerdings aus dem Kopf herausragen, ansonsten hätten die Orbs Lücken. Die Schaltung ist so aufgebaut, dass bei Ausfall einer, oder auch mehrerer LED's, die verbleibenden weiter leuchten. Die Köpfe sind ebenfalls separat im Shop von Denis erhältlich.

 

Und hier noch einige Bilder von Denis Smith welche er mit seinem Ball of Light Tool umgesetzt hat:

Marla hat das Tool dann auch mal gleich zweckentfremdet. "Da kann man doch auch was Anderes mit machen!" Ja, kann man wie man sieht :-)

Der vertikale Orb

Hiefür brauchst Du einen großen Ring oder Reifen. Ich benutze einen Hula Hoop Reifen dafür. Ein Halbkreis würde eigentlich für unsere Zwecke genügen aber man müsste das Teil dann durchsägen und es wäre nicht mehr so gut ausbalanciert.
An der Außenseite befestigst Du Deine Lichtquellen, entweder eine Lichterkette oder wie in meinem Beispiel ein LED-Strip. Dieser hat den Vorteil, dass sich mehrere Farben und auch Funktionen wie Blinken und Fading einstellen lassen.

 

Für den LED-Strip benötigst Du eine 12V Stromquelle. Du kannst einen Halter für 8 AA oder 3 18650 Akkus benutzen und mit einem Kabel mit dem Strip verbinden.

Du solltest die Lichter nur an einer Hälfte anbringen, damit Du saubere, nicht überlappende Lichtspuren im Bild hast. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Über die Mitte des Reifens befestigst Du einen Stab damit Du das Teil vernünftig drehen kannst. Ich habe hier einen Pflanzstab aus dem Baumarkt benutzt. Am unteren Ende des Pflanzstabes befestigst Du Akkus und Controller damit der Schwerpunkt möglichst tief und mittig ist und sich Dein Tool möglichst sauber und gleichmäßig drehen lässt. Der Anschluss für den Strip sollte also auch unten sein.

 

Mit dieser Technik sind auch viele andere Formen möglich. Es muss ja kein Ring sein.

 

Mit diesem Tool kann man allerdings auch "normale" Orbs, also welche mit horizontalen Lichtspuren erstellen. Dafür solltest Du Diffusoren vor den LED's anbringen, damit Dein Orb später nicht nur aus Punkten besteht. Ein LED-Strip mit hoher Dichte (60 Stück pro Meter oder mehr) ist dafür gut geeignet.

Das Tool wird am Besten drehbar am Boden befestigt. Zur Not geht das aber auch aus der Hand. Du positionierst dann das Tool für den ersten Lichtstreifen, schaltest mit der Fernbedienung den Strip kurz ein. Wenn der Strip ausgeschaltet ist, bewegst Du das Tool in die zweite Position schaltest wieder kurz ein usw.

 

Das Tools ist recht unhandlich und somit schlecht zu transportieren und besonders robust ist das auch nicht. Den Strip und den Controller an meinem Reifen musste ich schon mehrfach austauschen, obwohl ich das Teil nicht sehr häufig verwende.

Drehen mit einem Stab

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Der Nachteil beim Drehen eines Orb mit Schnur oder Kabel ist einerseits, dass dieses Tool sehr instabil ist und andererseits, dass man recht schnell drehen muss, um die nötig Fliehkraft zu erreichen. 

 

Befestigt man die Lichtquelle(n) an einem Stab hat man diese beiden Probleme nicht mehr. Ich kann ganz langsam und sauber einen Orb drehen. Etwas Übung braucht man schon dafür, aber man merkt meist beim Drehen ob man aus der Bahn geraten ist. Ich breche dann die Aufnahme sofort ab und beginne von vorne.

 

Als Stab verwende ich meist einen Pflanzstab aus dem Baumarkt. Das sind dünne Metallrohre, die mit dunkelgrünem Kunststoff überzogen sind. Die Stäbe sind leicht, stabil und nicht teuer.


Zuerst solltest Du einen Stab kaufen der zu Deiner Körpergröße passt. Wenn Du ihn in der Mitte mit angewinkelten Armen vor Deinem Bauch hältst sollten noch ca. 15 Zentimeter Platz bis zum Boden bleiben. Falls Du keinen passenden Stab findest, kannst Du auch einen längeren ganz einfach mit einer Eisensäge auf die passende Länge kürzen.

Als Nächstes markierst Du die Mitte des Stabes mit Klebeband oder einem passenden Gummiring, um auch in der Dunkelheit sicher die Mitte fühlen zu können. Wichtig ist es, den Stab immer genau um den Mittelpunkt zu drehen.

Jetzt montierst Du eine Lampe an einen Ende des Stabes. Ich benutze meist eine kleine Taschenlampe mit einem Diffusor dafür. Entweder Du benutzt einen Diffusor der genau für deine Taschenlampe passt, viele Hersteller bieten so etwas an, oder Du kannst auch eine weiße, halb-transparente Filmdose verwenden.

Wichtig ist, dass der Stab gut ausbalanciert ist damit das dann später beim Drehen nicht eiert. Am einfachsten ist es, eine zweite, gleiche Lampe am anderen Ende als Gegengewicht zu befestigen. Um den Orb zu erstellen schaltest Du allerdings nur eine der Lampen ein. Falls Du nicht zwei gleiche Lampen hast, kannst Du auch leere Batterien, Bolzen, Lötzinn oder andere schwere Dinge als Gegengewicht befestigen. 

Mache Versuche mit verschiedenen Lampen. Wenn das Tool ein höheres Gewicht hat, lässt es sich einfacher und gleichmäßiger drehen. Wird das Teil allerdings zu schwer ermüden die Arme recht schnell. 

Das Drehen des Orbs funktioniert prinzipiell so wie beim Tool mit dem Kabel; so wie im Abschnitt "Grundsätzliches" beschrieben.

Du solltest immer darauf achten, dass Du den Stab parallel  zum Körper führst damit Dein Orb keine Ohren bekommt. Bewege Dich und den Stab langsam und gleichmäßig. Mach den nächsten kleinen Schritt, um die Markierung herum, immer an der gleichen Position des Stabes. Ich bewege mich meistens wenn die Lampe unten ist. Andernfalls laufen die Lichtspuren des Orbs aus der Bahn. 

 

Ein weiterer Vorteil dieser Arbeitsweise ist, dass Du sehr einfach eine zweite Hülle oder eine größere Lichtquelle in der Mitte am Stab befestigen kannst, so wie im Bild oben. Ich benutze dafür meist einen Stab aus Plexiglas, ein Vorderteil einer alten Led Lenser V24 um genau zu sein. Diesen beleuchte ich mit einer weiteren kleinen Taschenlampe. Eine Led Lenser M3R ist eine gute Wahl, klein, leicht, hell und sie hat einen Strobe-Modus. Durch das Fokus-System der Lampe kannst Du das Licht gleichmäßig auf der Länge des Stabes verteilen.

Ich finde, dass die Innen-Kugel besser aussieht wenn die Lampe im Strobe-Modus ist.

 

Für die beiden Bilder ganz oben habe ich ein längeres Rohr aus Plexiglas benutzt.

Pimp my Orb-Tool

Elektrische Drehhilfe

Drehen mit dem Akkuschrauber. In der Mitte des oben beschriebenen Stabes befestigst Du eine, zum Kaliber des Stabes passende, Rohrschelle. Den Bolzen der Schellen spannst Du in das Bohrfutter des Akkuschraubers und fertig ist die elektrische Drehhilfe.

Die Technik hat einige Vorteile. Das Tool lässt sich besser gerade halten und wenn ich den Akkuschrauber ruhig halte verändert sich die Höhe der einzelnen Lichtbahnen nicht.

 

Der verwendete Akkuschrauber sollte leistungsstark und ausdauernd sein. Du kannst zwar den Orb mit dem selben Stab auch mit der Hand drehen wenn der Akku leer ist, aber wenn Du den schweren Akkuschrauber schon mitnimmst kann das Teil auch gerne die ganze Nacht funktionieren.

 

Schalte am Besten die Drehmomenteinstellung aus, also auf Bohren, damit das Teil nicht zwischenzeitlich stehen bleibt, weil die Kraft zu hoch wird.

Die Kurbel

Eine weitere Verbesserungsmöglichkeit ist das Montieren einer Kurbel am Stab. Ähnlich wie bei der elektrischen Variante von oben fällt das Drehen leichter als nur mit dem Stab. Üben muss man allerdings auch mit diesem Tool, damit das ein sauberer, runder Orb wird.

Die einfachste Möglichkeit ist es eine Malerrolle zu befestigen. Achte darauf, dass der Drehpunkt genau in der Mitte des Stabes ist. 

 

Mit der montierten Kurbel kann man das Tool allerdings schlechter transportieren. Ein nicht ganz unwichtiger Punkt, wir schleppen ohnehin schon viel Zeug mit uns rum. Stäbe und Rohre transportiere ich meist in einer Angeltasche, der Stab mit der Kurbel passt dort aber nicht rein. Ich binde das Tool dann meist außen an der Tasche fest. 

Orb ohne weitere Hilfsmittel

Hierfür brauchst Du nur eine Lampe und einen Lichtpinsel, z.B. ein Blade aus Plexiglass oder ein Lichtschwert.

Bei dieser Technik ist der Drehpunkt für den Orb Dein Schultergelenk.  Du bewegst den gestreckten Arm nach oben und unten, oder auch in anderer Richtungen, und bewegst Dich dabei um die Markierung auf dem Boden,

Light Painting Fotografie Light Art Photography

wie bei den weiter oben beschriebenen Vorgehensweisen auch. 

 

Wie in den Beispielbildern gut zu sehen ist, kannst Du zusätzlich zur Bewegung hoch-runter weitere Bewegungen ausführen, wie Swirls oder Zickzack. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Probier es einfach aus.