Nachleuchtende Markierungen an Kamera und Stativ

Wo ist die Kamera?

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die dem Light Painter das Leben erleichtern. Um die Kamera und das Stativ in der Dunkelheit immer sofort zu sehen empfiehlt es sich leuchtende oder nachleuchtende Markierungen anzubringen. Und so nebenbei verhindern die Markierungen, dass jemand die Kamera in der Dunkelheit übersieht und umwirft. Bei Teilen, die selbst leuchten, wie Led's, besteht die Gefahr, dass sie durch ihr Licht das Light Painting stören könnten. Gerade, wenn man mit offener Blende arbeitet. Außerdem müsste man immer passende Ersatzbatterien dabei haben. 

Eine bessere Möglichkeit ist die Verwendung von nachleuchtenden Markierungen. Eine einfache Variante ist, nachleuchtendes Klebeband an den Stativbeinen zu befestigen. Da dieses Band recht dünn ist, leuchtet es allerdings nicht sehr lange nach. Umso mehr Material, desto stärker und länger leuchtet es.


Aus diesem Grund habe ich aus nachleuchtendem PLA mit dem 3D-Drucker Kappen für die Stativfüsse, sowie einen Ring für die Mittelsäule gedruckt.  Somit sehe ich auch ohne Licht wo die Stativfüsse und die Kamera sind, ca 20cm über der oberen Markierung. Bei vielen Stativen geht das nicht so einfach, weil man weder Kappen über die Füße ziehen kann ohne Stabilität zu verlieren oder sich kein Ring an der Mittelsäule anbringen lässt, oder beides. Wer einen 3D-Drucker hat findet für sich und sein Stativ aber sicher eine andere Lösung, wie zum Beispiel einen Hebel oder Knopf für den Stativkopf aus nachleuchtendem FIlament zu drucken und diesen dann gegen das Originalteil auszutauschen. 

Alternativ könnte man auch nachleuchtende Farbe einsetzen um Teile des Stativs zu markieren.


Es geht aber auch noch einfacher. Ich habe mit dem 3D Drucker aus dem nachleuchtenden Filament kleine Würfel gedruckt. Diese kann man auf den Blitzschuh der Kamera stecken. Die Würfel bestehen aus recht viel Material. Aus diesem Grund leuchten sie recht stark und lange. Das hängt natürlich davon ab, womit und wie lange man sie vorher aufgeladen hat. Am besten funktioniert das mit einer UV-Taschenlampe. Aber auch eine helle, normale LED-Taschenlampe erfüllt ihren Zweck. In die Sonne sollte man die Teile allerdings nicht zu oft und zu lange legen. Das Material ist nicht besonders UV-beständig. Also 2 bis 3 Minuten mit der UV Taschenlampe anleuchten und dann genügt das meist für die Light Painting Session. Und wenn das Licht zwischenzeitlich schwächer wird leuchtet man einfach noch mal kurz dagegen. 


Da auf meiner Filamentrolle noch viel Material ist drucke ich Dir gerne zum Selbstkostenpreis einen Leucht-Würfel für den Blitzschuh aus und schicke das Teil dann zu Dir nach Hause. Oder Du lädst die Datei herunter und druckst das Teil selbst aus.

 

Allzeit genug Phosphor an Kamera und Stativ
Sven

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STL File nachleuchtender Würfel für den Blitzschuh
Glow in the Dark PLA - 0,1 mm Layerhöhe - 60 mm/s - Bett 60°C - Drucktemperatur 210°C
blitzschuh.zip
Komprimiertes Archiv im ZIP Format 10.8 KB

Nachleuchtender Würfel für den Blitzschuh

Würfel aus nachleuchtendem Material. Passend für alle Standardblitzschuhe. Preis inkl. Versand innerhalb Deutschlands. Lieferzeit ca. 1 Woche.

Anfragen zum Versand ins Ausland bitte per Mail - Requests for shipping abroad please send an e-mail to sven@lichtkunstfoto.de  

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Taschenlampen

Kaufberatung für den Light Painting Einsteiger

Das wichtigste Werkzeug des Light Painters ist, neben matt schwarzem Gaffa-Tape, die Taschenlampe. Für die meisten Light Painting Bilder benutzen wir LED-Taschenlampen. Als Light Painting Einsteiger ist man bei der Auswahl der richtigen Taschenlampe meist völlig überfordert. In meiner Anfangszeit war ich das jedenfalls. Und vor 8 / 9 Jahren war die Auswahl an verschiedenen, geeigneten Taschenlampen noch nicht annähernd so groß wie heute. Mittlerweile haben sich ungefähr 200 Taschenlampen in meinem Lager angesammelt, eine ähnlich große Anzahl konnte ich darüber hinaus in den letzten Jahren mehr oder weniger ausgiebig testen. Von der Lampe aus dem 1€-Shop bis zur 400€ Preisklasse ist alles dabei. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich die ein oder andere Lampe bisher übersehen habe. Ein umfassender Test kann das hier also nicht sein. 

Light Painting Taschenlampe

Bevor Du Geld zum Onlinedealer transferierst solltest Du Dir Gedanken über die Bedürfnisse machen, die Deine neue Lampe erfüllen soll. Grundsätzlich, von einigen Sonderfällen abgesehen, unterscheiden wir die Taschenlampen nach dem Einsatzweck im Light Painting. Diese bestehen aus den beiden Aufgabengebieten Ausleuchtung einer mehr oder weniger großen Umgebung und Beleuchtung der Light Painting Tools. Einige wenige Lampen könnte man zwar für beide Zwecke nutzen, aber das ist dann wie der Ganzjahresreifen am Auto, weder im Sommer noch im Winter richtig gut. 

 

Um einen Einstieg ins Thema Light Painting zu finden solltest Du zuerst mit dem Material arbeiten, was Dir bereits zur Verfügung steht. Auch wenn die Taschenlampe in Deinem Keller bereits einige Jahre alt ist und auch damals kein Vermögen gekostet hat. Somit hast Du bereits erste Erfahrungen gesammelt und kannst dann viel besser die neue Lampe nach Deinen Bedürfnissen auswählen. 

Welche Eigenschaften sollte die neue Taschenlampe haben?

Unabhängig davon ob Du eine Lampe zur Ausleuchtung oder eine zur Arbeit mit den verschiedenen Light Painting Tools kaufen willst, solltest Du auf einige Punkte immer achten. 

 

Im oft harten Alltag des Light Painters sollte die neue Taschenlampe möglichst robust und somit langlebig sein. Man kann das zwar nicht unbedingt am Preis festmachen, wenn aber ein namhaften Hersteller einen Schutzgrad wie IPX8 oder IP68 für seine Taschenlampe angibt wird das neue Schmuckstück auch Stürze und das Eintauchen ins Wassser unbeschadet überstehen und viele Jahre zuverlässig den Dienst versehen. Die Schnäppchen-Lampe mit den fantastischen Lumenangaben im fünstelligen Bereich wird wohl nicht sehr zuverlässig und lange funktionieren. Es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres im Light Painting als wenn nach der beschwerlichen Reise zur schwer zugänglichen Location das Arbeitsmaterial versagt und man unverrichteter Ding wieder abziehen muss. 

 

Stromversorgung - Einige im Light Painting sehr beliebte Lampen wie die Led Lenser X21R oder X21R2 haben einen fest verbauten Akku. Dieser lässt sich auschließlich mit dem mitgelieferten magnetischen Ladegerät laden. Das mag auf den ersten Blick ganz sexy sein, wenn allerdings der Akku an der Location schlapp macht, dann war's das mit dem Light Painting für diese Nacht. An den allermeisten Locations gibt es keine Steckdose und selbst wenn es eine gäbe, würde der Ladevorgang viel zu lange dauern. Und eine zweite X21R (1,8kg Gewicht, 280€) mitzunehmen ist auch nicht die beste Wahl. Wir schleppen schon genug Zeug mit uns rum und für die 280€ kann man sich auch was anderes Schönes kaufen. 

 

Also ist es empfehlenswert mit Taschenlampen zu arbeiten, bei denen man schnell und einfach den Akku wechseln kann und dieser Akku nicht irgendein schweineteurer Spezialakku ist. Am komfortabelsten ist es, wenn alle Taschenlampen mit dem gleichen Akkutyp betrieben werden. Am weitesten verbreitet sind Akkus vom Typ 18650. Auch Lampen mit den etwas größeren 21700 lassen sich mit einem Adapterrohr meist mit 18650 Zellen betreiben. In meiner Fenix PD36R funktioniert das jedenfalls. Die Fenix kann man über den integrierten USB-Anschluss laden, unterwegs funktioniert das auch mit einer Powerbank. Mit angeschlossener Powerbank leuchtet die Lampe dann immer noch in der Stufe "medium".

 

Über Akkus und Batterien hatte ich letztens einen Artikel geschrieben, diesen findest Du hier

Light Painting Taschenlampe

Um die neue Taschenlampe komfortabel mit dem Light Painting Tool zu verbinden benutze ich die Adapter von Light Painting Paradise. Damit die neue Lampe in die Adapter passt solltest Du vor dem Kauf schauen wie groß der Durchmesser des Lampenkopfes ist. In die Adapter passen Lampen mit 20 bis 38,5mm Kopfdurchmesser.

 

Die Taschenlampe sollte sich darüber hinaus gut bedienen lassen. Ein sauber definierter Druckpunkt des Schalters ist genauso wichtig wie eine vernünftige Programmierung der verschiedenen Modi. Wenn ich mir beispielsweise die Taschenlampen von Walther Pro anschaue sind diese recht ungeeignet. 


Diese Lampen kann man nicht kurz ein- und wieder auschalten. Nach dem Einschalten muss ich mich dann durch alle Modi klicken bevor sie wieder ausgeht. Ein ähnliches Problem hat man mit einigen Led Lenser Lampen. Wenn ich die X21R in der Stufe medium oder high betreibe wechselt sie beim Ausschalten kurz in den Turbomodus. Da kann man sich ganz schnell das Light Painting versauen wenn man nicht aufpasst. 

 

Da die Light Painter nicht die größte Zielgruppe der Taschenlampenhersteller sind achten diese bei der Entwicklung der Taschenlampen nicht auf solche Sachen. Und meist findet man auch keine Angaben über derartige Eigenheiten in der Beschreibung. 

Helligkeit

Light Painting Taschenlampe

Die Hersteller, gerade die nicht so guten, übertreffen sich permanent mit immer größeren Zahlen bei der Angabe des Lichtstroms. Da verkauft dann der Mann aus Fernost eine Lampe für 43€ mit fantastischen 50000 Lumen. Ja, Du hast richtig gelesen fünfzigtausend, ich habe nicht versehentlich eine 0 zu viel eingetippt. Da müsste doch eigentlich der gesunde Menschenverstand sofort sagen: Nein, das geht nicht. Aber es gibt immer wieder Light Painter, die auf so etwas reinfallen. Bei einem derart geringen Preis lässt sich der Fehlkauf sicher verschmerzen, aber ich lasse mich einfach nicht so gerne vom Hersteller bzw. Verkäufer verarschen und für blöd verkaufen. Und da wohl kaum jemand einen Gutachter bezahlen wird um den Betrug nachzuweisen werden solche Lampen auch weiterhin ungestraft verkauft.


Aber eigentlich lässt sich diese Lüge sofort entlarven. In der Lampe sind angeblich 15 Cree XML T6 verbaut. Nehmen wir mal an das stimmt. Laut Datenblatt von Cree ist die maximale Stromaufnahme dieser LED 3000mAh. Mit diesem Strom liefert die LED rein rechnerisch ca. 1200 Lumen. Selbst wenn der Hersteller es schaffen würde diese 1200 Lumen auch aus der Lampe heraus zu bekommen sind wir immer noch nicht bei 50000 Lumen - 15 x 1200 = 18000. Schon theoretisch ist nicht einmal die Hälfte des angegebenen Lichtstroms möglich. Die Lampe hätte dann eine Stromaufnahme von mindestens 50 Ampere, und das auch nur wenn Treiber mit wirklich gutem Wirkungsgrad verbaut wären. Mindestens 10% werden beim besten Treiber in Wärme umgewandelt, das wären in diesem Fall 18,5 Watt. 18,5 Watt Wärme müssten also vom Treiber über das Gehäuse abgeleitet werden. Wenn das den Tatsachen entsprechen würde könnte man nach spätestens einer Minute Eier auf dem Lampenkopf braten. Es ist schließlich keine Zwangskühlung verbaut. 

 

Noch lustiger sind die Angaben auf den mitgelieferten Akkus. Die Schmuckstücke haben angeblich 6800mAh. So etwas stellt kein Hersteller auf der Welt her. Schon mal einfach deshalb nicht weil das physikalisch unmöglich ist. Durch das verwendete  Material (Lithium) und die Größe der Zelle ist die maximale Energiedichte begrenzt. Mit den aktuellen Produktionsverfahren ist es möglich 18650 Akkus mit maximal 3500mAh herzustellen. Solche Akkus kosten als ungeschützte Rohzelle aktuell ca. 5€ pro Stück.

Realistisch düften im Fall dieser Akkus eine Kapazität von ungefähr 2000mAh sein. In diesem Fall wäre nach spätestens 9 Minuten die Entladeschlusspannung erreicht, die Lampe würde nicht mehr leuchten. Der Verkäufer gibt eine Laufzeit von 8 bis 10 Stunden an. 

 

Finger weg von solchen Lampen! Wenn die Angaben schon dermaßen übertrieben sind wird sich der Hersteller einen Dreck um das geringste Maß an Sicherheit kümmern. Das ist kein Spaß wenn die 4 Lithiumzellen in der Lampe explodieren wie ein Polenböller. Davon abgesehen werden solche Lampen nicht besonders lange halten. Eine Garantie wird es kaum geben, und selbst wenn wird sich diese schwer durchsetzen lassen. Namhafte Hersteller wie Fenix gewähren 5 Jahre Garantie auf ihre Taschenlampen und 1 Jahr auf die Akkus. Meine ältesten Fenix Taschenlampen sind mittlerweils 8 Jahre im Einsatz. Bisher hatte ich keinerlei Probleme mit diesen Lampen.

Welche Lumen Angaben sind realistisch?

Mit einer einzelnen, der weit verbreiteten, recht preiswerten, Cree XML lassen sich ca. 1200 Lumen emitieren. Wenn man mehrere davon kombiniert entsprechend mehr. Je nach Größe und Form des Gehäuses wird die Verlustwärme mehr oder weniger schnell abgeleitet. Das hat dann Einfluss darauf wie schnell die Lampe die Helligkeit runteregelt.

Es nutzt ja nicht viel wenn ich direkt nach dem Einschalten 3000 Lumen habe, aber innerhalb von einer Minute auf 1200 Lumen runtergeregelt wird, wie im Falle der Led Lenser MT18. Da kann ich dann gleich 'ne kleinere, leichtere und billigere Lampe mit 1200 Lumen benutzen.

Light Painting Taschenlampe

Mit der größeren Cree XHP50.2 ist ein maximaler Lichtstrom von 3200 Lumen möglich. In einem kleinen Gehäuse mit einem 18650 Akku lässt sich das allerdings thermisch kaum realisieren. Die XHP70.2 liefert maximal 4300 Lumen. 

 

In der im Bild zu sehenden Fenix PD36R ist eine Luminus SST-40 Led verbaut. Die vom Hersteller angegebenen 1600 Lumen kann diese LED liefern, und das tut sie auch in der Realität. Je nach Umgebungstemperatur fängt die Fenix nach 3 bis 4 Minuten an langsam runterzuregeln. Nach ca. 30 Minuten leuchtet sie mit 800 Lumen. Besser geht es kaum. Die allermeisten Lampen regeln viel schneller runter. In der mittleren Stufe leuchtet die Fenix mit den angegebenen 800 Lumen konstant für ca. 20 Minuten.

Wie viele Lumen brauche ich denn überhaupt im Light Painting?

Light Painting

Viele sagen sich, die Taschenlampe kann nicht hell genug sein. Das ist falsch. Die Taschenlampe kann sehr wohl zu hell für Light Painting sein. Irgendwann kommt der Punkt an dem ich nicht weiter abblenden kann oder will und der ISO-Wert lässt sich ebenfalls nicht beliebig verringern. Bei den meisten Kameras ist bei ISO 100 Schluss. EInige, wie meine Nikon D750 lassen sich noch auf ISO 50 einstellen. 

 

Andersherum kann man bei den meisten aktuellen Kameras den ISO auf Werte bis 3200 oder gar noch weiter erhöhen ohne starke Einbußen bei der Bildqualität in Kauf nehmen zu müssen. Ich kann also auch mit recht schwachen Lichtquellen gute Ergebnisse im Light Painting umsetzen. Lass Dir also nicht von den Schlaubergern erzählen, dass Du als Einsteiger eine 50000 Lumen-Lampe brauchst. 


Im Beispielbild habe ich Gunnar zuerst mit einem Scanner eingeleuchtet. In diesem ist eine 5 Watt COB LED verbaut. Den Lichtstrom des Scanners habe ich bisher nicht gemessen, das werden so ca. 400 Lumen sein. Mehr wäre auch für das Model nicht sehr angenehm. Danach habe ich mit blauem Farbfilter und etwas Nebel für ca. 10 Sekunden von hinten geleuchtet. Zum Schluss habe ich ohne Farbfilter die Szene von vorne ausgeleuchtet. Das hat ca. 5 Sekunden gedauert. Als Taschenlampe kam hier die Fenix FD65 in der Stufe "high" zum Einsatz. In dieser liefert sie 1200 Lumen. Die Lampe ist fokussierbar. Der Fokus war in der weitesten Stellung. An der Kamera war ISO 50 eingestellt, die Blende am Nikkor 17-35/2,8 stand auf 11. Der Abstand zwischen Gunnar und der Kamera betrug ca. 3,5 Meter. Hier wären also 3000 oder mehr Lumen kaum noch zu kontrollieren gewesen. Eine entsprechende Lampe wäre also zu hell. Die FD65 liefert in der höchsten Stufe 3800 Lumen. Für größere Räume oder größere Bereiche im Freien kann man dann natürlich auch mit dieser Stufe arbeiten. Aber selbst wenn Deine Lampe keine 3800 Lumen liefert ist das meist kein Problem. Dann dauert die Ausleuchtung einfach nur etwas länger.

Bei diesem Bild hatte ich ISO 100 und Blende 11 eingestellt. Die beiden Lampen für den Orb haben einen Lichtstrom von 320 Lumen.  Durch die Farbfilter sind es letztendlich weniger, ca. 80%. Die blaue Ausleuchtung hatte ich damals mit der Led Lenser X21R.2 gemacht. Das blaue Farbfilter hat einen Transmissionsgrad von 20%. Somit kamen von den 3000 Lumen nur noch 600 Lumen im Raum an. Die Ausleuchtung hat hier ca. 2 Sekunden gedauert. 

Wie man an diesen Beispielen sehen kann kommt man fast immer mit recht kleinen ISO-Werten und relativ geringer Helligkeit der Lampen im Light Painting zurecht. Es ist komfortabel immer etwas Spielraum "nach unten" ( kleinere Blende, kleinerer ISO) zu haben als wenn ich immer mit ISO 50 und f16 arbeiten müsste weil sonst die Lichter ausbrennen.

Light Painting

Ich muss also nicht viel Geld in die Hand nehmen um eine Lampe zu kaufen, die eigentlich zu viel Licht liefert. Außerdem sind diese Lampen dann teuer, groß und schwer, wie die X21R. Zur Not kann man auch einfach mehrere kleinere Taschenlampen gleichzeitig benutzen. Zwei Fenix PD36R passen in eine Hosentasche und liefern zusammen mehr Licht als die dicke X21. 

Fokus, Thrower oder Flooder?

Light Painting

Im Light Painting sind Lampen mit Fokus beliebt und weit verbreitet. Das einzige Problem dabei ist, dass es immer weniger solcher Lampen gibt. Die erhältlichen Lampen sind oftmals, wie bereits oben erwähnt, aus anderen Gründen ungeeignet. Außerhalb vom Light Painting sind fokussierbare Lampen nicht sehr beliebt. Es ist also nicht damit zu rechnen, dass es neue Modelle mit gutem Fokussystem geben wird.

 

Neben den oben erwähnten Walther Pro und Led Lenser hat Fenix einige fokussierbare Lampen im Portfolio. Leider ist die wirklich gute FD65 aktuell nicht erhältlich. Höchstwahrscheinlich werden auch keine Exemplare mehr produziert werden. Wer also irgendwo noch eine findet sollte sofort zugreifen. 


Für den Preis von 169€ bekommt man eine Lampe, die den Konkurrenzprodukten von Led Lenser und Walther klar überlegen ist. 3800 Lumen, und das nicht nur für kurze Zeit nach dem Einschalten, gutes Fokussystem, geringe Größe und Gewicht sowie der Betrieb mit 4 18650 Akkus machen sie zum perfekten Begleiter für den Light Painter. Einzig der Einsatz von Farbfilterfolie gestaltet sich mit dieser Lampe etwas schwierig. In der hellsten Stufe geben die Folien nach einigen Sekunden Rauchzeichen von sich weil die Lampe vorne sofort sehr heiß wird. Abhilfe schaffen hier Farbfilter aus Acrylglas, diese sind etwas hitzebeständiger. Bei der Verwendung normaler Farbfilterfolie sollte man die FD65 dann lieber nicht mit voller Leistung betreiben. 

 

Mit der FD30 hat Fenix eine Taschenlampe mit einem 18650 Akku im Programm. Diese liefert maximal 900 Lumen. Die FD41 mit einem etwas größeren Kopf hat ebenfalls einen maximalen Lichtstrom von 900 Lumen. Durch den größeren Kopf ist der Lichtkegel etwas homogener als beim kleineren Bruder. Das Fokussystem ist hier etwas anders ausgeführt als bei der FD30 mit dem kleinen zweigeteilten Reflektor.

 

Mit der LC90 baut Anker eine weitere Taschenlampe mit Fokus und 900 Lumen. Diese kann zwar nicht annähernd mit der perfekten Qualität der Fenix Lampen mithalten und der Lichtkegel ist auch alles andere als homogen, dafür schickt Amazon sie für schlanke 30€ zu Dir nach Hause. Allerdings ist diese Lampe recht groß und schwer. In die Adapter von Light Painting Paradise passt sie gerade so hinein. Wirklich fest und sicher sitzt sie dann nicht im Adapter. Mehr empfehlenswerte Taschenlampen mit Fokus fallen mir auch im Moment nicht ein. 

 

Mit einer fokussierbaren Taschenlampe ist es recht einfach das Licht genau dort hin zu bekommen wo es im Light Painting sein soll. Für die Ausleuchtung kann ich den Lichtkegel genau so einstellen wie ich ihn brauche. Für die gleichmäßige Beleuchtung von Light Painting Tools ist das ebenfalls von Vorteil weil ich auch hier so fokussieren kann, dass die Lampe die 1 Meter lange Tube komplett gleichmäßig beleuchtet. 

 

Alternativ zu Taschenlampen mit Fokus kann man Lampen mit unterschiedlichen Reflektoren verwenden. Eine mit eng gebündelten Lichtstrahl (Thrower) zur gezielten Ausleuchtung kleinerer Bereiche und zm Beleuchten von Light Painting Tools die etwas länger sind, sowie eine zweite mit breitem Lichtstrahl (Flooder) zur gleichmäßigen Ausleuchtung der Umgebung. 

Einige Lampen versuchen beides zu vereinen, im Light Painting sind diese meist kaum sinnvoll einsetzbar. Wenn um den hellen zentralen Lichtkegel herum ein größerer Bereich ebenfalls recht hell ist kann man das Licht meist schlecht im Light Painting kontrollieren. Sauber abgegrenzte, homogene Beams machen die Arbeit leichter. 

Bei meinen selbst gebauten, mit farbigen LED's bestückten Convoy S2 habe ich Orange Peel Reflektoren verbaut. Mit diesen haben die Lampen dann einen sehr gleichmäßigen Beam. Auch für einige andere Lampen sind solche Reflektoren für einige Euro einzeln erhältlich. Wie der Name es andeutet hat die Oberfläche dieser Refelktoren eine Struktur ähnlich der Haut von Zitrusfrüchten. Dadurch wird das Licht weicher und gleichmäßiger aus dem Lampenkopf ausgestrahlt. Fertige Taschenlampen mit OP-Reflektoren sind kaum erhältlich. 

 

Ein gute Möglichkeit um mit fast jeder Taschenlampe weiches, homogenes Licht ins Light Painting zu bekommen ist die Verwendung von Backpapier vor dem Lampenkopf. Du solltest allerdings auschließlich Backpapier verwenden und kein Pergamentpapier oder ähnliches. Letzteres ist nicht hitzebeständig und könnte bei leistungsstarken Taschenlampen in Flammen aufgehen. Durch die braune Farbe des Backpapiers bekommt das Licht darüber hinaus eine angenehme, warme Farbe, ähnlich der von Sonnenlicht. Man kann natürlich auch das Backpapier in Kombination mit Farbfiltern verwenden.

Strobe und andere Blinkmodi

In der letzten Zeit haben immer mehr Taschenlampen keinen normalen Strobe mehr, sondern einen Strobe mit wechselnder Frequenz, manchmal als Bike-Strobe bezeichnet. Vielleicht kann man diesen alternierenden Strobe kreativ im Light Painting einsetzen, aber gewöhnlich will man lieber einen normalen Strobe. Einige Lampen haben mehrere Strobe Modi sowie zusätzlich SOS oder andere Blinkmodi. In der Beschreibung ist meist nur Strobe angegeben. Auch die ansonsten sehr gute Fenix PD36R hat leider keinen homogenen Strobe. Allerdings wäre bei dieser Lampe der Strobe ohnehin nicht vernünftig einsetzbar, 1600 Lumen Strobe ist einfach viel zu hell. 

Meist verwenden wir Taschenlampen mit homogenem Strobe mit 300 bis 600 Lumen. Diese Helligkeit ist völlig ausreichend um Blades aus Acrylglas oder ähnliche Lichtformer ausreichend hell im Light Painting darstellen zu können. Mit helleren Lampen besteht die Gefahr, dass die Lichter im Ergebnis ausgebrannt sind wenn man das Tool zu langsam bewegt. Beim Drehen eines Orbs wie im Beispielbild sollte man grundsätzlich langsam arbeiten damit der Orb auch gelingt und nicht aussieht wie ein Osterei.

Wünschenswert wären Taschenlampen, bei denen sich die Helligkeit des Strobe verändern ließe. Bei allen konventionellen Taschenlampen geht das nicht, jedenfalls kenne ich keine, bei der das möglich wäre. Der Strobe soll der Selbstverteidigung dienen, demzufolge leuchtet das dann mit der größten Helligkeit der Lampe.

Light Painting

Einige Taschenlampen verfügen zusätzlich über weitere Modi wie langsames Bilnken oder SOS. Für die allermeisten Light Painting Bilder sind diese allerdings ungeeignet. Andere, für den Light Painter interessante, Modi baut kein Hersteller in die Lampen ein. Bei der Entwicklung ihrer Lampen haben sie die Light Painter überhaupt nicht auf dem Schirm. 

RGB-Taschenlampen

Light Painting

Die Zahl der erhältlichen RGB-Taschenlampen ist sehr überschaubar. In den meisten Fällen sind diese Lampen eher ein Spielzeug für den Kindergeburtstag als ein professionelles Light Painting Werkzeug. Davon abgesehen sind diese Lampen meist recht schwach, mehr als 150 bis 200 Lumen können sie nicht liefern. 

Für den Light Painter ergeben sich mit solchen Lampen allerdings ganz neue Möglichkeiten. Ein Bild wie dieses ließe sich mit normalen Taschenlampen nicht realisieren. Die hier verwendete Lampe wechselt die Farben in einer zuvor gewählten Frequenz. Das Bild habe ich mit einer Lampe von Ants On A Melon umgesetzt. Gedacht sind solche Lampen für den Betrieb an Leucht-Pois, also für Artisten.


Diese Lampe ist schon seit längerer Zeit nicht mehr erhältlich. Die einzige Alternative, die mir einfällt, ist die Concentrate C5 Led Unit. Diese Lampe kostet ca. 23€, für ein paar Euro Versandgebühren kommt sie vom Hersteller aus Neuseeland zu Dir nach Hause. Alternativ kannst Du beim Händler in Europa bestellen. Allerdings wird das dann teurer.  Diese Lampe ist eigentlich ganz cool, aber sie liefert noch weniger Helligkeit als die Ants On A Melon Lampe. Für große Light Paintings im großen Saal oder im Freien ist diese Lampe kaum zu gebrauchen.

 

Wenn Du Dich noch einige Monaten gedulden kannst, wartest Du auf die neue Lampe von Ants On A Melon. Die RGB Critter wurde erfolgreich über Kickstarter finanziert und wird jetzt produziert. Ab Sommer 2020 soll sie erhältlich sein. Vorbestellen kannst Du die Lampe hier: https://antsonamelon.com/products/rgb-critter-flashlight# 

Da sich einige Light Painter erfolgreich bei der Entwicklung eingemischt haben, dürfte diese Lampe ein sehr geeignetes Werkzeug für die Light Painter sein. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf die RGB Critter und hoffe, sie bald in den Händen halten zu können. Für die Lampe sind einige Adapter und Lichtformer wie Glasfasern und Lichtschwerter erhältlich. 

Eine der wenigen RGB-Taschenlampen, die nicht für Pois oder andere Tools für Artisten gedacht ist, ist die Colorshine RGB LampeNeben 10 festen Farben kann die Lampe Farbwechsel und Fading. Wirklich empfehlenswert ist diese Lampe allerdings nicht. Die Verarbeitungsqualität ist miserabel. Die Laufzeit sehr kurz. Wenn der Ladestand der Batterie abnimmt ändern sich die Farben von allein. Da es allerdings an Alternativen mangelt bleibt dem Light Painter kaum etwas anderes übrig wenn man Farbwechsel oder Farb-Fading darstellen will wie im Beispielbild.

Früher haben die Light Painting Künstler für diese Effekte die Led Lenser V24 benutzt. Manchmal werden diese Lampen noch bei ebay angeboten. Wenn Du also das Oldschool Light Painting Tool haben willst solltest Du dort danach Ausschau halten.

Light Painting

Für den Kopf

Light Painting Taschenlampe

Damit Du Dich sicher in der Dunkelheit bewegen kannst und trotzdem beide Hände frei hast ist eine Kopflampe sehr empfehlenswert. Da von der Qualität der Lampe unter Umständen Dein Leben und Deine körperliche Unversehrtheit abhängt würde ich hier keinesfalls nur nach dem Preis schauen. Die 10€-Strinlampe lässt Dich früher oder später im Stich.

Auf meinem Kopf klemmt meist die recht neue Fenix HM65R. Die Lampe wiegt inkl. 18650 Akku unter 100g, ist wasserdicht und sehr robust. Daneben benutze ich gerne die Fenix HM51R. Bei dieser lässt sich die eigentliche Lampe einfach vom Stirnband entfernen und zum Light Painting vernwenden. Durch die besondere Form lässt sich die Lampe gut zum Schreiben und Malen von Figuren verwenden weil man sie halten kann wie eine Sprühdose, die Hand bleibt also während der Bewegungen in einer natürlichen Position.


Fazit

Die eine, ultimative Light Painting Taschenlampe gibt es nicht und wird es auch sicher so bald nicht geben. Du kommst also nicht auf Dauer mit einer Lampe aus. Um Lichtspuren ins Bild zu malen könnte schon bald die RGB Critter zur ultimativen Lampe werden, wenn es sie dann tatsächlich zu kaufen gibt. Sobald  die Lampe bei mir angekommen ist werde ich sie ausgiebig testen und einen Artikel darüber schreiben. Da diese Lampe nicht über einen klassischen Taschenlampenkopf verfügt ist sie höchstwahrscheinlich für die Ausleuchtung völlig ungeeignet und leifert nur direkt an den Lightpainting Tools gute Ergebnisse.

 

Grundsätzlich sollte man von billigen Lampen von unbekannten Herstellern, oder Lampen die unter vielen verschiedenen Markennamen vertrieben werden, die Finger lassen. An solchen Lampen hat man meist keine Freude, schon gar nicht über einen längeren Zeitraum. Wer billig kauft, kauft zweimal.

 

Zur Ausleuchtung der Light Painting Szene kann ich aktuell keine klare Empfehlung für die beste Lampe aussprechen weil die wirklich gute Fenix FD65 nicht mehr erhältlich ist. Led Lenser X21R und Walther Pro XL7000 oder 8000 erfüllen zwar ihren Zweck, sind aber aus den bereits oben genannten Gründen (kein Standardakku, groß, schwer, hoher Preis) nicht empfehlenswert. Von Lampen, wie der ebenfalls recht beliebten Led Lenser MT18, sollte man besser die Finger lassen. Eine Lampe die innerhalb einer Minute die Helligkeit auf ca. ein Drittel der angebenen 3000 Lumen reduziert kann man kaum gebrauchen, ungeachtet der Tatsache, dass ich mich nicht so gerne vom Hersteller verarschen lasse. 

 

Wer wirklich viel Licht zur Ausleuchtung großer Szenen braucht sollte mal einen Blick auf die Fenix TK75 werfen. Die Lampe ist vielfach bewährt und wird schon lange gebaut. Ein Review der Lampe findest Du im Taschenlampenforum

 

Wenn Du eine gute Allround-Taschenlampe suchst kann ich Dir ganz klar die Fenix PD36R empfehlen. Seitdem ich diese Lampe habe trage ich sie immer am Gürtel. Neben der perfekten Verarbeitung und der hohen Helligkeit beeindruckt mich die lange Laufzeit mit dem dicken 21700 Akku. Die Lampe ist kaum größer als die Lampen der Mittbewerber mit den kleineren 18650 Akkus. 

Ich benutze die Taschenlampe im Alltag, zur Ausleuchtung kleinerer Bereich sowie an den verschiedensten Lightpainting Tools. Einzig, dass die Lampe nicht über einen normalen Strobe verfügt schränkt sie in manchen Situationen etwas ein, auch wenn Strobe mit 1600 Lumen ohnehin kaum vernünftig einsetzbar wäre. 

 

Falls Du für die ersten Light Painting Versuche nicht viel Geld in die Hand nehmen willst empfehle ich die Convoy S2+. Für den geringen Preis sind die Lampen recht gut verarbeitet. Wenn man einen OP-Reflektor einbaut hat sie einen sehr guten, gleichmäßigen Beam. Die Lampen gibt es mit verschiedenen Farbtemperaturen. Falls etwas kaputt geht kann man fast alle Teile einzeln kaufen und austauschen. Bei einigen Lampen musste ich das auch schon tun, da merkt man dann schon den geringen Preis. Für die Lampe sind verschiedene Diffusoren erhältlich, mit diesen kann man direkt mit der Lichtmalerei beginnen. Zwischen dem weißen Diffusor und der Lampe kann man einfach ein Stück Farbfilterfolie befestigen, und schon wird's bunt. 

 

Ich hoffe, mit diesem Artikel etwas zu Deiner Erhellung beigetragen zu haben und wünsche Dir allzeit genug Akkukapazität und gutes Licht.
Sven 

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Light Painting Tools aus dem 3D-Drucker

Light Painting Tools aus dem 3D-Drucker

Die Idee, Light Painting Tools einfach selbst auszudrucken klingt sicher verlockend, aber Eins gleich vorweg: 3D-Druck ist auch im Jahr 2020 alles andere als schnell, einfach und kostengünstig. Ohne große Geduld, handwerkliches Geschick und etwas technischen Sachverstand wird der Drucker bei dem Einen oder Anderen vermutlich irgendwann aus dem Fenster fliegen.

Ich hatte lange recherchiert und überlegt ob ich tatsächlich einen 3D-Drucker anschaffe und dann die letzten 3 grauen Haare verliere. Seit einigen Monaten nenne ich also solch ein Wunderwerk der Technik mein eigen. 

Was ich alles damit drucken wollte und will war mir schon lange klar. Viele der ausgedruckten Tools erleichtern den Alltag des Light Painters ungemein. Und irgendwann habe ich die Kosten für den Drucker und das Druckmaterial eingespart weil ich nicht mehr zentnerweise Gaffa-Tape kaufen muss. ;-)


Welcher 3D-Drucker ist geeignet?

Grundsätzlich unterscheidet man die Drucker ersteinmal entsprechend der Druck-Technologie. Üblich sind Laserschmelzen, Lasersintern, Elektronenstrahlschmelzen, Stereolithografie, Digital Light Processing (DLP) und Fused Deposition Modeling (FDM). Für den Heimbereich sind eigentlich nur die beiden letzten Verfahren geeignet. Beim DLP-Drucker wird flüssiger Kunststoff mithilfe von selektivem UV-Licht ausgehärtet. Der FDM-Drucker schmilzt Kunststoff und baut mit diesem das Model auf dem Druckbett auf. In diesem Beitrag geht es ausschließlich um das FDM-Druckverfahren. Werkstücke aus dem DLP-Drucker sind gewöhnlicherweise nicht annähernd so stark mechanisch belastbar wie Teile aus dem Kunststoff-Schmelzer. Einzig um transparente Teile zu drucken wäre ein DLP-Drucker die bessere Wahl, mit einem FDM-Drucker wird das immer milchig. 

 

FDM-Drucker werden meist nach einer von zwei Bauarten gebaut. Entweder ist der Druckkopf in der Z-Achse fest und bewegt sich in die X- und Y-Achse. Die Bewegung auf der Z-Achse übernimmt dann das Heizbett. Oder das Heizbett bewegt sich auf der Y-Achse und der Druckkopf auf der X- und Z-Achse. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Einfluss auf die Druckgeschwindigkeit und -qualität hat das nicht unbedingt. Bei einigen wenigen Druckern, wie zum Beispiel beim Anycubic Predator, bewegt sich das Heizbett gar nicht, da werden dann alle Bewegungen vom Druckkopf ausgeführt. Das hat den Nachteil, dass der Drucker sehr hoch ist. Ansonsten ist das sicher eine vernünftige Idee, dass das Bett nicht rumwackelt. 

Das Angebot an 3D-Druckern ist mittlerweile sehr groß. Ab ca. 100€ liefert der Mann aus China einen 3D-Drucker zu Dir nach Hause. Nach oben gibt es fast keine Grenzen. Ich habe mich letztendlich für einen Anycubic I3 Mega entschieden. Der Preis liegt bei ca. 300€, wenn man direkt in China bestellt wird es etwas günstiger. Da ich auch TPU, also flexibles Druckmaterial, drucken wollte, habe ich zusätzlich den Extruder vom Mega S mitbestellt und gegen den Standardextruder getauscht. Ich hätte jetzt auch gleich den Mega S kaufen können, allerdings liegt der Preisunterschied der beiden Drucker bei 50€, der Extruder hat 22€ gekostet. Der Austausch hat keine 5 Minuten gedauert.

Als Alternativen zum Anycubic fallen mir der etwas günstigere Creality Ender 3, der Ender 5 sowie der Sovol SV01 ein. 


Letzterer ist mit einem Direktextruder versehen und macht auf den ersten Blick wirklich einen guten Eindruck. Im Gegensatz zu den erstgenannten Maschinen ist der Sovol allerdings erst seit einigen Monaten auf dem Markt. Somit lassen sich keine Aussagen zur Langlebigkeit treffen. Außerdem ist das Angebot an Erstatzteilen im Moment noch recht eingeschränkt. Ansonsten hätte ich mich sicher für den Sovol entschieden. Dieser kostet ebenfalls ca. 300€

 

Ein weiteres Kriterium war für mich, dass es für den Anycubic und auch für die Creality Drucker große Communities mit vielen hilfsbereiten Menschen gibt. Da beim 3D-Druck, gerade in der Anfangszeit, häufiger Probleme auftauchen ist solch eine Community recht hilfreich beim schnellen Beheben dieser.

 

Seit der Anschaffung läuft der Drucker fast ununterbrochen, der Anycubic ist ein genügsames Arbeitstier. Einige andere Drucker sind eher Diven oder Zicken oder beides gleichzeitig. Da nutzt mir dann auch die vielleicht bessere Druckqualität nicht viel. Wie lange der Drucker den Dauerbetrieb letztendlich durchalten wird bleibt abzuwarten. 

 

Der Anycubic i3 Mega wird schon fast fertig montiert geliefert, nach 20 Minuten hat das Ding das erste Objekt gedruckt. Für den Einstieg in die Welt des 3D-Drucks ist das wesentliche besser als wenn ich 2 Tage an einem Bausatz rumschraube und dann frustiert feststelle, dass die Druckergebnisse (erstmal) Kacke sind.

Drucker vorbereiten

Bevor man das erste Teil ausdruckt sollte man einige Sachen einstellen und überprüfen. Zuerst solltest Du einen Blick auf alle Kabelverbindungen und die dazugehörigen Stecker werfen. Als nächstes kontrollierst Du alle Schrauben, vor allem an den Kupplungen der Z-Achsen. Wenn das alles in Ordnung ist schaltest Du die Maschine ein. Wenn das Betriebssystem des Druckers gestartet ist kannst Du davon ausgehen, dass Netzteil, Mainbaird usw. ebenfalls in Ordnung sind. 

Bed Levelling

Ein sauber ausgerichtetes Druckbett ist eine der wichtigsten Bedingungen für das Gelingen Deiner Drucke. Der Abstand zwischen Druckdüse und Bett sollte an jeder Stelle möglichst genau 0,05mm betragen. Wenn der Abstand zu groß ist haftet das Druckobjekt nicht ausreichend auf dem Bett und löst sich dann unter Umständen während des Drucks. Wenn das Bett zu hoch gelevelt ist besteht die Gefahr, dass die Düse auf dem Bett kratzt. Außerdem wird in diesem Fall das Filament breit geschmiert. Das hat nicht nur Einfluss auf die Optik. Das könnte darüber hinaus auch falsche Maße des Bauteils zur Folge haben. Außerdem haftet unter Umständen das Bauteil so stark, dass es sich nach dem Druck nur mit schwerem Werkzeug entfernen lässt. 

 

Man findet im Internet gefühlt hunderte Anleitungen zu diesem Thema. Mich haben die verschiedenen Ansätze recht schnell verwirrt, oftmals fehlen die wichtigen Hinweise damit es gelingt. Also hab ich es einfach so gemacht wie es mir logisch erschien. Zuerst habe ich das Heizbett etwas nach unten geschraubt damit keinesfalls die Druckdüse auf die Ultrabase aufschlägt. Das tut weder der Messingdüse noch der Glasplatte gut. Danach habe ich die Druckdüse in die 0-Stellung gefahren (Funktion "home all"). Danach über die Steuerung des Druckers die Motoren spannungslos geschaltet (Funktion "Motor off"). Dann habe ich das Heizbett auf 60°C aufgeheizt, das ist die höchste Temperatur die ich im Moment verwende. Um das noch etwas genauer zu machen könnte man jetzt auch noch die Heizdüse aufheizen. Das Bed Levelling muss schließlich während des Druckes stimmen und nicht wenn der Drucker kalt ist. Sowohl Düse als auch Ultrabase dehnen sich geringfügig bei Erwärmung aus. Ich stelle das aber meist mit kalter Düse ein damit ich mir nicht meine zarten Finger an der 200°C heißen Düse verbrenne. Nun packe ich ein Blatt Papier zwischen Düse und Druckbett. Das Papier sollte nicht zu dick sein, normales Druckerpapier mit 80 oder 90g/m² ist gut geeigent. Einige Leute nehmen auch einen Kassenzettel. Nun drehe ich die linke vordere Schraube soweit bis ein leichter Widerstand beim Bewegen des Blattes spürbar wird. Wenn das Blatt zwischen Düse und Bett klemmt ist der Abstand zu klein. Wenn ich dazu mehr als eine Umdrehung mit der Schraube machen muss drehe ich alle anderen Schrauben ebenfalls eine Umdrehung in die gleiche Richtung damit das Heizbett möglichst gerade bleibt. Es empfiehlt sich über Kreuz zu leveln, also hinten rechts weiter zu machen wenn das Maß vorne links stimmt. Wenn man das im Kreis macht kann es passieren, dass die Glasplatte Spannung bekommt und in der Mitte einen Buckel macht. Mein absoluter Favorit in den einschlägigen Facebook Gruppen " Meine Ultrabase hat sich verzogen, ich brauche eine Neue." Das liest man mindesten dreimal in der Woche. Wenn alle vier Ecken mit dem richtigen Abstand eingestellt sind sollte man unbedingt in der Mitte kontrollieren ob dort das Maß ebenfalls stimmt. Falls dem nicht so ist, muss man noch einmal von vorne anfangen. Unter Umständen kann es für das Bed Levelling erforderlich sein die vier Klammern, welche zur zusätzlichen Sicherheit das Heizbett mit der Ultrabase verbinden, zu entfernen. Wenn man das Heizbett nicht bis zum Anschlag aufheizt können die Klammern auch dauerhaft ab bleiben. Der Kleber zwischen Heiz- und Glasplatte wird erst bei 110°C weich. 

Zur Sicherheit kann man das Bett jetzt abkühlen lassen und wieder aufheizen und dann nochmals die Abstände kontrollieren. Wenn das Heizbett im originalen Zustand (Federn) ist verstellt sich die Höhe sehr gerne durch die Vibrationen während des Druckens. Gerade wenn man "Infill" mit hoher Geschwindigkeit und kurzen Wegen druckt vibriert der ganze Drucker stark. Abhilfe schaffen hier die unten erwähnten Silikondämpfer. Ansonsten sollte man spätestens nach 20 bis 30 Druckstunden kontrollieren ob das Bed Levelling noch passt und das Bett dann gegebenenfalls wieder korrekt ausrichten.

Extruder kalibrieren

Um sicher zu stellen, dass tatsächlich 100mm Filament zum Hotend gefördert werden wenn der Extruder den Steuerbefehl zum Fördern von 100mm Filament erhält sollte man das mal nachmessen und dann gegebenenfalls in der Firmware des Druckers korrigieren. Wenn zu wenig Filament gefördert wird entstehen mehr oder weniger große Lücken im Druck. Zu viel Filament verursacht dann Beulen oder ähnliches.

Zuerst habe ich das Hotend auf 200°C aufgeheizt. Ansonsten weigert sich der Drucker Filament zu fördern. Dann habe ich das Filament aus dem Bowden heraus gezogen und den Schlauch am Extruder entfernt. Nun habe ich das Filament oben am Schlauchanschluss des Extruders bündig mit dem Seitenschneider abgeschnitten. Ich habe dann den Drucker mit meinem Notebook verbunden. Mithilfe von Software zum direkten Steuern des Druckers, in meinem Fall Printrun mit der GUI Pronterface, habe ich den Extruder angewiesen 100mm Filament zu extrudieren. Als er damit fertig war habe ich das Stück wieder genau bündig abgeschnitten und die Länge gemessen. Es waren nur 94,5mm. 

 

Mit dem Befehl M503 habe ich den aktuellen Wert für das Extrudieren ausgelesen. Die Ausgabe sieht in etwa so aus: 

echo: Steps per unit:
echo:  M92 X80.00 Y80.00 Z400.00 E384

Also habe ich den neuen Wert ausgerechnet: 100/94,5*384 = 406,35. Mit dem Befehl M92 X80.00 Y80.00 Z400.00 E406.35 habe ich dem Drucker den neuen Wert mitgeteilt und mit M500 gespeichert. Wichtig ist den Wert mit einem Punkt und nicht mit einem Komma einzugeben oder die Nachkommastellen einfach wegzulassen. Zur Sicherheit habe ich im Anschluss noch einmal 100mm extrudieren lassen und gemessen ob das jetzt passt. 

Wenn man den I3 Mega mit dem Standardextruder betreibt liegt der Wert in der Originalfirmware bei 92,6, wenn ich mich nicht irre. In diesem Fall rechnet man dann also mit diesem Wert. 100/94,5*92,6=97,99. 

 

Diesen Schritt kann man durchaus auch ersteinmal überspringen. Wenn die Drucke auch ohne das Kalibrieren des Extruders gut werden ist eigentlich egal ob der Wert stimmt. 

Was sollte man umbauen?

In den einschlägigen Facebook Gruppen findet man die verrücktesten "Upgrades" für den Anycubic, und auch andere Drucker. Man gewinnt schnell den Eindruck, dass etliche Herrschaften den Drucker nur angeschafft haben um damit Tuning-Teile für den Drucker selbst herzustellen damit dieser dann "bessere Druckergebnisse" liefert, leiser wird und, ganz wichtig, hübscher aussieht. Die zweitgrößte Fraktion druckt offensichtlich nur Zierrat aus. Als jemand, der ausschließlich Funktions-Teile ausdruckt, die er dann tatsächlich zweckentsprechend benutzt, fühle ich mich zuweilen etwas deplatziert in diesen Gruppen. Die meisten Upgrades für den Drucker halte ich für völlig überflüssig bis schädlich, vor Allem den hübschen X-Carriage den man unbedingt ausdrucken und anbauen muss wenn man den "Experten" glaubt. Diese Spinner behaupten ernsthaft, dass die Kühlleistung verbessert wird wenn man von zwei Seiten bläst, mit dem einen, gleichen Lüfter wohlgemerkt. Der Weg der Luft wird zum Einen länger und zum Anderen geteilt. Und die beiden Auslässe blasen dann gegeneinander, die Wärme staut sich also. Die Kühlleistung ist demzufolge wesentlich schlechter als vorher, dafür braucht man keinen Magister in Physik. Und wieso die originale Bauteilkühlung die 0,1 bis 0,2 mm dicke Filament-Naht nicht von einer Seite sofort gekühlt bekommen soll ist völlig unklar. Bei mir ist das jedenfalls sofort abgekühlt und fest wenn man die Drehzahl im Slicer richtig einstellt. Also Finger weg von diesem Quatsch und anderen fragwürdigen Tuning-Maßnahmen.

 

Grundsätzlich würde ich am Drucker nur etwas ändern wenn tatsächlich etwas nicht (mehr) funktioniert. Gerade in der Anfangszeit sollte man erstmal selbst möglichst viele Erfahrungen mit dem neuen Drucker sammeln, etwaige Fehler versuchen zuerst in der Software oder durch Justage am Drucker zu korrigieren und erst dann über irgendwelche Upgrades nachdenken. 

 

Neben dem Extruder, den ich sofort ausgetauscht hatte, habe ich nach einiger Zeit die Federn unter dem Heizbett durch Silikondämpfer ersetzt. Das spart das häufige Leveln des Heizbettes. Mit den Federn verstellt sich die Höhe des Bettes durch die Vibrationen während des Druckens nach einiger Zeit. Mit den Silikonteilen hat das ein Ende. Das ist allerdings meckern auf hohem Niveau, auch mit den Federn muss man nicht jeden zweiten Tag neu leveln, eher so nach 2 Wochen. Das hängt allerdings stark vom Druckobjekt ab. Wenn es beim Druck nicht viele, schnelle, kleine Bewegungen gibt, das Druckbett also nicht ruckelt, verstellt sich auch nichts. 

 

Weil ich bei zwei Sorten Filament das Problem hatte, dass sich die Bauteile nach dem Druck nur mit recht viel Gewalt oder Werkzeug lösen ließen habe ich die Ultrabase durch eine 6mm Pertinax-Platte ausgetauscht. Die originale Glasplatte habe ich entfernt. Dazu habe ich zuerst die 4 Klammern abgeschraubt, dann das Heizbett auf 120°C aufgeheizt. Bei dieser Temperatur löst sich der Kleber mit dem Glasplatte und Heizplatte verklebt sind. Ich habe dann mit einem Spachtel die Platte abgehoben. Es empfiehlt sich dabei Handschuhe zu tragen, 120°C ist selbst für meine groben Hände zu warm. Die Pertinax-Platte habe ich dann mit 3M-Klebefolie mit der Heizplatte verklebt. 
Mit der Pertinax-Platte funktioniert das Drucken, und das Entfernen der gedruckten Teile, endlich so, wie ich mir das vorgestellt habe. Und so nebenbei läuft das Druckbett wegen des geringeren Gewichtes etwas sauberer. 

Alternativ könnte man auch eine 1mm dicke Pertinaxplatte auf der Ultrabase anbringen. Man könnte das einfach mit den Klammern befestigen, die ohnehin an der Ultrabase angebracht sind. Besser wird es allerdings wenn man sie verklebt. Das verhindert "Beulen" in der Platte.

Auch hier würde ich solch eine Platte nur kaufen wenn Du ähnliche Probleme hast. Das meiste Zeug geht auch von der originalen Ultrabase gut ab. 

Welches Filament?

Mittlerweile gibt es ja die verrücktesten Druckmaterialien. Metall, Holz, Stein, magnetisches oder elektrisch leitfähiges Filament, Filament, welches bei Erwärmung die Farbe ändert, PLA, TPU, ABS, PETG, ASA, Nylon und das ganze in allern Farben des Regenbogens, mit Glitzer und was nicht noch alles. Und das dann alles noch von dutzenden verschiedenen Herstellern. Das steht man dann erstmal recht hilflos da wenn man das "richtige" Filament kaufen will.

 

Die Ratschläge der "Profis" in den einschlägigen Foren sind meist auch nicht besonders hilfreich, da hat jeder ein anderes "ultimatives" Filament. Also selbst ist der Light Painter, einfach verschiedene Sorten bestellt und ab in den Drucker damit. Ich habe bisher ca. 20 verschiedene Filamentrollen getestet. 


Nur eine Trommel wird wohl in den Müll wandern. Dieser Mist hat derart große Abweichungen im Durchmesser, dass das Zeug zuweilen schon im Filament-Sensor hängen bleibt weil einige Stellen viel zu dick sind. Wer billig kauft, kauft zweimal. Von billigem No-Name-Filament sollte man also besser die Finger lassen.

 

Ich habe bisher ausschließlich PLA und flexibles Material (TPU) gedruckt. Viele Sorten sind für mich uninteressant weil diese eigentlich nur für den Druck von Zierrat gedacht sind. Einige der oben genannten Sorten, wie ASA, ABS oder Nylon sind schwer zu drucken. Mit einem offenen Drucker wie dem Anycubic wird das meist nichts. Dafür bräuchte man einen Drucker mit geschlossenem Bauraum damit die Temperatur nicht schwankt / abfällt. Wenn ich also diese Materialen drucken will müsste ich erst einmal eine Einhausung für den Drucker bauen.

 

Grundsätzlich sollte man sich vor dem Kauf die Bilder von den Rollen etwas genauer anschauen. Wenn das schon völlig chaotisch auf die Trommel gespult ist spricht das nicht unbedingt für eine hohe Qualität. Außerdem ist dann die Gefahr größer, dass sich das Filament auf der Rolle "verkeilt" und somit nicht mehr zum Drucker gefördert werden kann. Das war's dann mit dem 30-Stunden-Druck. So etwas passiert natürlich grundsätzlich immer wenn die Maschine einen Druckfortschritt von 90% anzeigt. 

PLA - Polylactide

PLA, umganssprachlich auch Polymilchsäuren genannt, ist das am einfachsten zu druckende Filament. Beim Kauf des Druckers war eine 1kg-Spule weißes PLA im Karton. Für erste Tests habe ich also erst einmal dieses Zeug verwendet. PLA hat eine geringe Dichte, der Light Painter schont also letztendlich seinen Rücken wenn er damit seine Tools ausdruckt weil die gedruckten Teile leicht aber trotzdem recht stabil sind. PLA hat eine geringe Feuchtigkeitsaufnahme, eine hohe UV-Beständigkeit und eine geringe Flammbarkeit. Bei ca. 80°C wird PLA weich und verformt sich. Im in der Sonne geparkten Auto sollte man also aus PLA gedruckte Teile nicht unbedingt liegen lassen. Die Abriebfestigkeit ist nicht besonders hoch, für belastete, bewegliche Teile ist PLA also eher ungeeignet, da sind PETG, ABS oder Nylon die bessere Wahl. 

 

Aus PLA habe ich bisher Boxen für Akkus und Ähnliches ausgedruckt. Großartige Unterschiede zwischen den Filamenten verschiedener Hersteller konnte ich bisher nicht ausmachen. Einzig das matt-schwarze NX2 von extrudr ist sehr spröde, das bricht gerne ab wenn man es in den Drucker einfädelt. Im gedruckten Zustand bricht es nicht mehr so schnell, filigrane Teile werden aber viel schneller abbrechen als bei anderem PLA. Allerdings ist die Auswahl an matt-schwarzen Filament nicht besonders groß. Einige Hersteller verkaufen zwar ebenfalls mattschwarzes Filament, dieses hat dann allerdings meist einen seidigen Glanz und ist nicht wirklich matt. Für viele Einzatzzwecke im Light Painting ist es sehr vorteilhaft wenn das gedruckte Teil möglichst wenig Licht reflektiert, also möglichst tiefschwarz und matt ist. Das oben erwähnte PLA von extrudr kommt diesen Anforderungen bisher am nächsten. 

 

Neben dem mattschwarzen PLA habe ich weitere Farben von extrudr verarbeitet, blau, gelb, orange, neon-grün, neon-gelb, neon orange. Diese sind nicht annähernd so spröde wie das Schwarze. Alle Sorten sind einfach zu drucken. Ich habe keine Testdrucke gemacht. Ich habe einfach die auf den Rollen angegebenen Temperaturen gewählt. Also wenn dort die Drucktemperatur mit 185 bis 205°C angegeben ist habe ich 195°C genommen. Bisher hatte ich keine Porbleme mit dieser Methode. Gerade beim Druck von Funktionsteilen aus PLA kann man sich den Ausdruck von sogenannten Temp-Towern und ähnlichen Massnahmen zur Perfektionierung des Druckes sparen. Der Temp-Tower wandert schließlich in die Mülltonne. Auch die PLA Filamente anderer Hersteller habe ich bisher ohne Probleme mit dieser Vorgehensweise verarbeiten können. 

TPU - Thermoplastisches Polyurethan

Polyurthane werden schon lange für die verschiedensten Dinge verwendet, Schwämme, Isoliermaterial, Hartschaum, Lacke, Klebstoffe und was nicht sonst noch alles. Weil das Zeug eben thermoplastisch ist kann man es im 3D-Drucker verarbeiten. TPU Filament gibt es in unterschiedlichen Shore-Härtegraden. Meist geben die Hersteller zusätzlich, manche auch auschließlich, die Shore-Härte mit "soft", "medium" und "hard" an. Für die meisten Light Painting Tools verwende ich "medium", für manche Sachen das harte TPU. Die Shore-Härte gibt an wie weit und mit welchem Kraftwaufwand man das Material verformen kann um es mal vereinfacht auszudrücken. Umso größer die angegebene Zahl desto steifer ist das TPU. Drucke aus TPU sind praktisch unverwüstlich. Im harten Alltags des Light Painters werden diese Tools wohl ewig halten. Allerdings hat das auch einen Nachteil. Wenn der Druck aus TPU etwas unsauber geworden ist kann man das nicht einfach mit Schleifpapier in Ordnung bringen wie bei PLA. Und auch nur mit einem sehr scharfen Messer und hohem Kraftaufwand kann man kleine Überstände abschneiden. Ein weiterer Nachteil von TPU ist, dass es Feuchtigkeit aufnimmt. Nach dem Druck ist das nicht dramatisch. Wenn das Filament allerdings vor dem Druck Feuchtigkeit zieht werden die Druckergebnisse darunter leiden. Also sollte man TPU immer so schnell als möglich wegdrucken wenn man es ausgepackt hat. 

 

Sehr weiches Material führt bei einem Drucker mit Bowden Extruder häufig zu Problemen weil sich das weiche Material im Extruder oder im Schlauch staucht, dehnt oder "verknotet". Mit "medium" hatte ich bisher keine Probleme beim Druck. Einige Dinge sollte man allerdings beachten. Retract, diese Funktion des Druckers zieht das Filament zurück wenn die Druckdüse zur Positionsänderung an eine andere Stelle fährt ohne etwas zu drucken. Wenn das weiche Filament im Extruder hin und her bewegt wird ist die Gefahr recht groß, dass es dann einen Kunbbel bildet und dieser dann stecken bleibt. Die "Profis" sagen: "Bei TPU immer Retratct aus, das kann nicht funktionieren."... bis einer kommt und das nicht weiß. Probieren sollte man das auf jeden Fall mit dem eigenen Drucker ob das nicht vielleicht doch funktioniert. Man sollte das ruhig mit verschiedenen Einstellung testen. Grundsätzlich sollte die Retractgeschwindigkeit nicht höher als die Druckgeschwindigkeit sein, eher maximal halb so schnell.

Damit nicht lauter lustige Fäden über irgendwelchen Öffnungen im Druckobjekt, also zum Beispiel ein Würfel mit einem Loch in der Mitte, hängen wenn man ohne Retract druckt, sollte man dann "Combining" einschalten. Dabei fährt der Drucker dann um solche Öffnungen herum. Der Druck dauert dadurch zwar etwas länger, aber das erpart einem das mühsame Abfummeln der Fäden, bei TPU ist das sehr mühsam. Beim gleichzeitigen Druck mehrerer Teile nutzt Combining allerdings nichts. Wenn der Drucker von einem zum nächsten Teil fährt wird er immer eine ungewollte "Naht" zwischen den Teilen drucken. 

 

Viele "Profis" raten TPU nicht schneller als mit 20mm/S zu drucken. Bei kleinen Teilen mag das noch egal sein, aber bei größeren Sachen mit entsprechend langen Druckzeiten sollte man zumindest testen ob das Material nicht auch höhere Druckgeschwindigkeiten verträgt. Aktuell drucke ich das extruder medium mit 50mm/s, die nächsten Objekte werde ich mit 60mm/s drucken. Mal sehen, ob das funktioniert. Schneller als 60mm/s könnte der Drucker zwar theoretisch noch drucken, der Hersteller empfiehlt allerdings eine Höchstgeschwindigkeit von 60mm/s. Durch den höheren "Schwung" trifft der Drucker dann unter Umständen nicht mehr sauber die Position. Somit besteht die Gefahr, dass die Maße des gedruckten Teils nicht mehr stimmen und die Oberfläche wird wohl auch ziemlich ruppig aussehen. 

Mal ein Beispiel: Ich drucke ein Teil mit den Maßen 180 x 180 x 60mm. Der Druck dauert mit 50mm/S ungefähr 24 Stunden. Bei 20mm/S würde der Druck dann ca. 60 Stunden dauern. Die Motivation die Druckgeschwindigkeit so weit es geht zu erhöhen dürfte also klar sein.

 

Gute Erfahrungen habe ich bisher mit SainSmart TPU, dem TPU V2 von "Das Filament" sowie mit TPU medium von extrudr gemacht. Die meisten anderen guten flexiblen Filamente wie Filaflex oder Ninjaflex sprengen ein größeres Loch in den Geldbeutel. Filaflex finde ich zudem für die meisten Zwecke zu weich. Ninjaflex hab ich bisher noch nicht verarbeitet. 

Software

Wir fangen mal hinten an. Um das 3D-Model in die Druckersprache zu übersetzen braucht man einen sogenannten Slicer. Und genau das macht diese Software auch. Sie schneidet das Model in Scheiben, sogenannte Layer. Der Drucker kann ja schließlich nur von unten nach oben Schicht für Schicht drucken.

Ich benutze bisher Ultimaker Cura dafür. Meinen Drucker kennt die Software, ich kann ihn einfach auswählen. Das Programm weiß dann sofort alle nötigen Parameter wie die Größe des Druckbettes, die maximal mögliche Druckgeschwindigkeit usw.. Eine Vorkriegsversion dieser Software war auf der SD-Karte, welche die Freunde bei Anycubic dem Drucker beigelegt hatten.


Apropos SD-Karte. Diese komische, unbeschriftete SD-Karte solltest Du sofort mit maximalem Schwung in die Mülltonne werfen. Die Karte zeigt mehr Seicherplatz an (8GB) als tatsächlich vorhanden ist (128MB).  Wenn man jetzt mehr als 128MB auf die Karte schreibt kommt unter Umständen nicht einmal eine Fehlermeldung. Einzig der Druck bleibt dann hängen weil ein Teil der Datei fehlt. 

 

Die Software ist recht ausgereift, grobe Schnitzer konnte ich bisher nicht feststellen. Erhältlich ist die Software für Linux, Windows und für die Maschinen mit dem angebissenen Obst. 

Die Einarbeitungszeit in die Software ist recht groß, zumindest wenn man alle Parameter, und die Auswirkungen auf den Druck beim Ändern dieser, verstehen will. Die Software enthält einige Standard-Profile, wenn ich mich nicht irre sind es drei. Mit diesen kann man sich an erste Drucke mit PLA wagen auch ohne zu wissen welche Auswirkungen das Ändern der "Retractgeschwindigkeit" und anderer "Geheimnisse" hat. Allerdings sollte man einen Blick auf die Drucktemperatur werfen. Diese sollte zu dem passen was der Hersteller des Filamentes auf die Spule gedruckt, bzw. in das Datenblatt geschrieben hat. 

Wem Cura nicht kompliziert genug ist, der kann sich gerne andere Slicer wie Simplify 3D (150€) oder Slic3r (Open Source) ansehen. Durch die erweiteterten Einstellungen kann man seine Drucke sicher noch optimieren, für den Einsteiger ist das aber nix, wie ich finde. Bisher hab ich jedenfalls kein Bedürfnis nach einem besseren Slicer. 

 

Ein Slicer, mit dem man sich schneller zurecht findet ist der Prusa Slicer. Dieser basiert auf dem bereits oben erwähnten Slic3r. Durch die verschiedenen Tabs "Filament", "Druckeinstellung" und "Druckereinstellungen" ist das alles etwas übersichtlicher. Manche Funktionen, die andere Slicer bieten sind zuweilen gut versteckt oder fehlen. In der Standardeinstellung wird zum Beispiel nach dem Druck das Heizbett nicht abgeschaltet wenn man nicht den entsprechenden Code M140 S0 bei "benutzerdefinierter G-Code" eingibt. Das ist nicht besonders komfortabel. Einige Sachen habe ich mit dem Prusa Slicer gedruckt. Die Ergebnisse sind von denen, die ich mit Cura erstellt habe, nicht zu unterscheiden. 


Zum Erstellen der Modelle, die dann der Kunstoffschmelzapparat später auf dem Druckbett aufbauen soll, verwende ich FreeCAD. Wie der Name es bereits erahnen lässt, gibt es dieses Programm für Umme. Auch hier haben die Jungs das Programm für Linux, Windows und Apple kompiliert. Da das Projekt schon viele Jahre existiert ist die Software ausgereift. Es gibt für alle möglichen Anforderungen Workbenches, einige muss man als Plugin nachinstalieren. FreeCAD ist gut dokumentiert. Es gibt eine große Community, man findet meist recht schnell eine Lösung für sein Problem. Einige Alternativen zu FreeCAD sollen hier aber trotzdem nicht unerwähnt bleiben.


Eine gute Onlineplattform zum Erstellen von 3D-Modellen bietet Tinkercad. Da die Software im Browser läuft hat man immer die aktuelle Version, egal mit welcher Rechenmaschine man gerade arbeitet. Der Platzhirsch Autodesk bietet mit Fusion360 ebenfalls eine gute Software. Für den nicht kommerziellen Einsatz ist die Software kostenlos. Allerdings gibt es Fusion360, wie die anderen Produkte von Autodesk auch, leider nicht für Linux. 

 

Wer richtig tief in die Materie einsteigen und komplexe 3D Modelle erstellen will, die sich dann sogar noch animieren ließen und vieles mehr, kann sich Blender herunterladen. Hierbei handelt sich es, wie bei FreeCAD auch, um Open Source Software. Kostenlose Downloads gibt es für Linux, Windows und Mac OS. 

Typische Fehler, deren Ursachen und Behebung

Das Druckobjekt haftet nicht auf dem Druckbett:

- Die häufigste Ursache ist ein zu tief eingestelltes Druckbett (s.o. Bed Leveling)

- Manche Filamente haften einfach schlecht. In diesem Fall sollte man auf eine Alternative ausweichen. Es nutzt ja nicht viel wenn man die No-Name-Rolle für ein paar Euro weniger kaufen kann als das Markenfilament, dann aber die halbe Spule für die Mülltonne druckt.

- Drucktemperatur und/oder die Temperatur des Heizbettes sind falsch gewählt. Da hilft eigentlich nur Probieren, ausgehend von den mittleren Angaben des Filament-Herstellers.

- Das Druckbett ist verunreinigt. Vor dem Druck sollte man immer Schmutz, Fett und Reste des letzten Druckes komplett entfernen. Am einfachsten geht das mit Isopropanol. In härteren Fällen hilft Bremsenreiniger oder Aceton. Größere Druckreste sollte man zuvor mit dem Spachtel entfernen.

- Die Auflagefläche des Objektes ist zu klein (Bild 1). Wenn ich ein 20 Zentimeter hohes Rohr mit einer Wandstärke von 2mm hochkant drucken will kann das eigentlich nicht halten weil die Fläche, an der sich Druckbett und Objekt berühren viel zu klein ist. Mit etwas Glück funktioniert der Druck mit "brim" (Menüpunkt "build plate adhesion" bei Cura). Dabei werden mehrere Linien direkt außen an das Druckobjekt gedruckt und somit die Auflagefläche vergrößert. Ansonsten hilft es nur das 3D-Modell so zu ändern, dass man es auch drucken kann. 

 

Viele "Experten" haben auch zu diesem Thema viele weitere "ultimative" Lösungen wenn das Material nicht auf dem Druckbett haften will. Da wird dann das Haarspray von Mutti großzügig auf dem Druckbett verteilt, und so nebenbei der ganze Drucker mit dem klebrigen Zeug überzogen. Andere schmieren mit dem Prittstift auf dem Druckbett rum oder kleben Maler-Kreppband auf das Bett. Von solchen Dinge rate ich ab. Das richtet meist mehr Schaden an als es nützt. Gerade das Auftragen von Haarspray sollte man unbedingt unterlassen wenn man noch eine Weile Freude am Drucker haben will. Wenn man richtig gelevelt hat sind solche Dinge vor Allem unnötig.

 

Wenn die oben genannten Punkte nicht zum Erfolg geführt haben kann man das Druckbett mit Schleifpapier aufrauen um die Haftung zu vergrößern. Da dann allerdings einige Filamente, gerade flexible wie TPU, nur noch mit großer Gewalt nach dem Druck zu entfernen sind, sollte man lieber dreimal überlegen, ob das wirklich nötig ist.

 

Wenn man allerdings eine Pertinax-Platte als Druckbett verwendet wird kaum ein Material haften, wenn man die Oberfläche nicht etwas aufrauht weil Pertinax spiegelglatt ist. Ich habe dafür Schleifpapier mit 320er Körnung vorsichtig und gleichmäßig über die Oberfläche gezogen. Zuerst, möglichst gerade, von links nach rechts und dann von unten nach oben. Dabei sollte man unbedingt eine Staubschutzmaske tragen. Pertinaxstaub steht im Verdacht krebserregend zu sein. Davon abgesehen bekommt man auch diesen ekelhaften Gestank sonst nicht mehr aus der Nase. 


Die meisten der oben genannten Punkte, gerade das richtige Bed Levelling, gelten auch für den umgekehrten Fall, dass das Objekt sich nur mit viel Kraft und Werkzeug entfernen lässt. Im Idealfall nimmt man das gedruckte Objekt nach dem Abkühlen des Druckbettes einfach von diesem ab. 

 

Es wird kein Filament (mehr) gefördert.

- Oftmals ist das Filament einfach von miserabler Qualität. Abweichungen im Durchmesser "verstopfen" der Extruder oder sogar schon den Filament-Sensor. Dann war es das mit dem 30 Stunden-Druck.  Man kann das zwar nicht unbedingt am Preis für das Filament festmachen, aber von No-Name-Filament rate ich ab. Wenn man ein gutes Filament gefunden hat sollte man dieses auch beim nächsten Mal kaufen und nicht wegen ein paar Euro Erspanis wechseln.

- Der Extruder ist falsch eingestellt. Am Titan-Extruder des Mega S ist eine Sellschraube angebracht. Mit dieser verstellt man den Druck, mit dem die beiden Rollen im Extruder das Filament einklemmen. Wenn der Druck zu klein ist rutscht das Filament durch. Wenn der Druck zu groß ist besteht die Gefahr. dass es zu sehr gequetscht wird und sich dann im Extruder verklemmt. Bei spröden Filamenten besteht auch die Gefahr, dass es bricht.

- Die Rolle im Extruder ist mit Filamentresten oder anderem Unrat verunreinigt oder die Zähne sind so abgenutzt, dass das Filament durchrutscht. In letztem Fall würde ich den kompletten Extruder tauschen. 

- Die Druckdüse ist verstopft. Da kann der Extruder schieben wie er will, wenn die Düse dicht ist kommt kein Filament mehr vorne raus. Man könnte in diesem Fall versuchen die Druckdüse wieder frei zu machen, bei Preisen von ca. 1€ würde ich aber eher gleich eine frische Düse reinschrauben. Ursache für das Verstopfen ist meist, dass Filamentreste in der Düse verbrennen. Die Düse heizt also längere Zeit ohne dass Filament durch sie fließt.

 

Der Druck startet nicht oder bricht ab.

Das kann die verschiedensten Ursachen haben. Ein defekter Temperatursensor, das Kabel vom Heizbett ist abgerissen, einer der Lüfter streikt, der SD-Kartenleser hat das Zeitliche gesegnet oder auch ein Defekt des Mainboards wären denkbar. Als Erstes solltest Du in solch einem Fall eine andere Speicherkarte in den Drucker stecken. Meist werden solche Probleme durch die auf der Original-Karte gespeicherten chinesischen Ordner und Datein verursacht.

 

Auf Probleme, die eher optischer Natur sind, wie zum Beispiel leichte Versätze in der Außenwand oder ähnliches, gehe ich jetzt hier nicht weiter ein. Das würde ganz klar den Rahmen sprengen.

Light Painting Tools

Was der Light Painter nicht kaufen kann baut er selbst. Und selbst wenn es das ein oder andere Light Painting Tool fertig zu kaufen gibt, findet man für sich vielleicht eine bessere Lösung. Irgendwie gehört das mit zum Light Painting, jedenfalls für mich. Kaufen kann ja jeder. ;-)

Mal ein Beispiel dazu. Ich benutze mehrere Taschenlampen mit einem Side Switch wie zum Beispiel die Fenix PD36R oder die Zauberlampen von Ryus Lightworks. Wenn man solch eine Lampe in die gängigen Adapter aus den verschiedenen Light Painting Shops steckt kommt man nicht mehr an den Schalter ran, zumindest nicht so, dass man die Lampe sicher bedienen könnte. Also habe ich für solche Lampen kürzere Adapter selbst ausgedruckt. Diese Adapter passen nur an genau die eine Lampe und sind nicht universell einsetzbar wie die kommerziellen Adapter. Für jeden Lampentyp brauche ich eine andere Größe. Aber dafür kann ich diese Lampe auch während des Light Painting steuern und muss diese nicht immer aus dem Adapter ziehen um das Programm zu wechseln. 

In die andere Seite dieser Adapter passen alle möglichen selbst gebauten Tools sowie die Tools aus dem Light Painting Paradise. In den Adapter passen auf dieser Seite die kleinen runden Farbfilter von Light Painting Paradise. Die Adapter habe ich aus schwarzem SainSmart TPU gedruckt. Darüber hinaus habe ich einige Diffusoren und andere Lichtformer aus transparentem TPU gedruckt. 

 

Die Möglichkeiten sind beinahe unendlich. Gerade aus transparenten TPU kann man die verschiedensten Lichtformer ausdrucken. Das Material ist nach dem Druck milchig. Somit leuchten die Teile dann weich und gleichmäßig. Für den harten Alltag sind Light Painting Tools aus TPU hervorragend geeignet weil sie wesentlich robuster als Tools aus Acryl oder anderen starren Kunststoffen sind. 

Von den oben erwähnten Light Painting Tools abgesehen habe ich noch einige andere Dinge gedruckt die das Leben des Light Painters vereinfachen wie zum Beispiel die oben zu sehenden Akku-Boxen, Boxen zum sicheren Transport einiger Taschenlampen, nachleuchtende Markierungen für das Stativ und noch einiges mehr. 

Ich habe noch viele Ideen, oder auch schon fertige 3D-Modelle, in der Pipeline. Der Drucker wird wohl noch eine ganze Weile zu arbeiten haben. 

Fazit

Ein 3D-Drucker ist ein sehr nützliches Werkzeug für den Light Painter. Ich möchte das Teil nicht mehr missen. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Bevor man solch ein Wunderwerk der Technik anschafft sollte man in sich gehen, ob man tatsächlich genug Lust, Zeit, technischen Sachverstand sowie handwerkliche Fähgkeiten hat um solch einen Drucker dauerhaft zu betreiben. Bevor man sicher jedes gewünschte Objekt ausdrucken kann vergeht viel Einarbeitungszeit. Viele Meter Filament werden in der Anfangszeit als Fehldruck in die Mülltonne wandern. Und außerdem erfordert jeder 3D-Drucker einen mehr oder weniger großen Wartungsaufwand. Erneutes Levelling des Bettes, Fetten der Lager, Kontrolle ob alle Schraubverbindungen noch fest sind, Austausch defekter oder verschlissener Teile - irgendwas gibt es immer zu tun. Jetzt wo ich das gerade schreibe sollte ich einige der gerade erwähnten Dinge bei meinem Drucker auch mal machen, dann hört vielleicht dieses fürchterliche Rattern auch wieder auf. Ich bin dann mal weg...

 

Allzeit genug Filament auf der Rolle

Sven

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Akkus und Batterien

Welche Batterien und Akkus sind die Richtigen für den Light Painter?

Ohne Licht kein Light Painting - ohne Strom kein Licht. Und da wir meist beim Light Painting keine Steckdose in der Nähe haben arbeiten wir mit batteriebetriebenen Lampen. Von der kleinen Taschenlampe mit der AA Batterie bis hin zum dicken Led-Scheinwerfer, wenn die Energiequelle leer ist stehen wir im Dunkeln. Also sollte man bei der Wahl des richtigen Energiespeichers nicht unbedingt nur auf den kleinen Preis achten. Da das Angebot an Batterien und Akkus unendlich groß ist versuche ich mit diesem Artikel mal ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Ich beschränke mich hier allerdings auf Akku-Typen, die wir auch im Light Painting verwenden. Darüber hinaus versuche ich, Dich nicht mit all zu vielen technischen Details zu langweilen. Dieser Artikel will und soll kein ausführlicher vergleichender Test sein. Ich habe nicht alle erhältlichen Akkus und Batterien getestet, da würde ich ein halbes Jahr an diesem Artikel sitzen und arm wäre ich dann auch. 

Batterie oder Akku?

Grundsätzlich sind aufladbare Energiespeicher ökonomisch und ökologisch die bessere Wahl, allerdings gibt es Situationen in denen man lieber zur Batterie greifen sollte. Wenn das Thermometer -10°C oder gar noch weniger anzeigt verlieren die meisten herkömmlichen Akkus fast ihre gesamte Kapazität. Mehr als 10% der Nenn-Kapazität haben die Akkus dann meist nicht mehr. Die Nenn-Kapazität wird grundsätzlich für 20°C angegeben. Bei Temperaturen darunter nimmt die Kapazität ab, bei höheren Temperaturen steigt sie. Allerdings sind hohe Temperaturen der Lebensdauer der Akkus sehr abträglich. Wer seine Akkus mehrfach Temepraturen von über 40°C aussetzt wird nicht lange Freude an den Zellen haben. 

Akku Taschenlampe Fenix FD65 Light Painting

Einige Batterien, wie zum Beispiel 1,5V Energizer Lithium haben bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt noch ungefähr 90% der ursprünglichen Kapazität. Bei starkem Frost kommen dann also diese "Einweg-Zellen" in die Lampe. AA-Zellen kosten ca. 1,50€ pro Stück. AAA etwas über 1€. Davon abgesehen setzen wir Batterien der Größe D (Mono) ein, weil die Auswahl an Akkus in dieser Größe recht eingeschränkt ist und die Akkus in dieser Größe recht teuer sind. Die einzigen vertauenswürdigen Akkus in dieser Größe sind Ansmann Zellen mit 10000mAh. Diese kosten ca. 12€ pro Stück. 20 Varta Industrie Batterien kosten ca. 17€. Mit den 20 Stück komme ich locker ein Jahr aus, so viele Lampen mit den Zellen haben wir nicht.

 

Bei einigen Größen ,wie zum Beispiel 18650, stellt sich allerdings die Frage nicht, in dieser Größe gibt es keine Batterien. Andersrum gibt es für einige Größen, wie Knopfzellen, keine Akkus. 

Welche Angaben stehen auf dem Akku oder der Batterie?

Immer angegeben wird die Bemessungsspannung in Volt. Für nicht wiederaufladbare Batterien also entweder 1,5V für runde Alkaliebatterien (AA, AAA usw.), 9V für Blockbatterien oder 4,5V für 3-zellige Flachbatterien. Darüber hinaus gibt es Knopfzellen und kleine runde Lithiumzellen (z.B A27) mit verschiedenen Spannungen (1,5V, 3V, 6V, 9V und 12V). Blei-Säure-Akkumulatoren haben eine Nennspannung von 2V pro Zelle. Üblich sind 6- oder 12-zellige Blöcke mit 12 bzw 24V für PKW und LKW. Für einige andere Einsatzzwecke, oder auch für Motorräder oder Oldtimer, gibt es 3-zellige Blöcke mit 6V. Die Akkus in diesem Artikel haben entweder 1,2V (NiMH) oder 3,7V (Li-Ion), andere Typen haben im Light Painting keine große Bedeutung.

Diese Spannung wird für den unbelasteten Akku im geladenen Zustand bei 20°C angegeben. Während des Ladevorgangs wird die Spannung des Ladegerätes erhöht und es fließt Strom vom Ladegerät in den Akku. Während der Entladung sinkt die Spannung und es fließt Strom aus dem Akku zum Verbraucher. Die Entladeschlussspannung wird nicht auf dem Akku angegeben. Diese findet sich, zumindest bei namhaften Herstellern, im Datenblatt. Man sollte nie einen Akku unter die Entladeschlussspannung entladen. Im schlimmsten Fall lässt sich der Akku danach nicht mehr aufladen. Auch wenn sich der Akku wieder reanimieren lässt hat er, gerade im Fall von Lithium-Ionen-Zellen einen recht großen Teil seiner Kapazität bei der Tiefenentladung verloren. Die Entladeschlussspannung für NiMH Akkus beträgt gewöhnlicherweise 1,0V, für Li-Ion-Akkus 2,5V. 

 

Auf allen Akkus findet sich als zweites die Angabe zur Kapazität. Diese wird für die Akkus in diesem Artikel immer in Milli-Ampere-Stunden (mAh) angegeben. Auf manchen Zellen befindet sich zusätzlich die Angabe in Watt-Stunden (Wh). Bei namhaften Herstellern stimmen diese Angaben, bei billigen No-Name-Akkus stimmt diese Angabe meist nicht annähernd. Kapazitäten von 9000mAh in einem 18650 Akku funktionieren schon rein physikalisch / rechnerisch nicht. Die Energiedichte lässt sich nicht unendlich steigern und diese Akkus sind ja schließlich auch nicht größer als die teureren Markenakkus. 

Diese Angabe beschriebt die gespeicherte Energiemenge. Nehmen wir mal als Beispiel 3000 mAh. Bei C1, also einstündiger Entladung, liefert der Akku also 3000 mA für eine Stunde, danach ist die Entladeschlussspannung (fast) erreicht. Die meisten Taschenlampen schalten schon vor Erreichen der Entladeschlussspannung ab, meist bei 2,7V. In der Realität hat solch ein Akku also eher 2600 bis 2800 mAh nutzbare Kapazität. Mit diesen Angaben kann man also die Laufzeit der Taschenlampe abschätzen. Nehmen wir mal als Beispiel die Fenix PD36R. In dieser ist eine Luminus SST-40 Led verbaut. Der maximale Strom, den diese Led verträgt ist 5 Ampere bei max 3,3V. In der Lampe steckt ein 21700 Akku mit 5000 mAh. Die Akkuspannung wird sich unter Last auf ca. 3,3 V einpegeln. Die Lampe würde also 1 Stunde in voller Helligkeit leuchten, wenn sie denn nicht zum thermischen Schutz nach 4 bis 5 Minuten die volle Helligkeit reduzieren würde. Wenn sie dauehaft eingeschaltet ist leuchtet sie also deutlich länger. Wenn ich sie nur mehrfach jeweils 1 Minute einschalte kann ich das ca. 60 Mal machen bis der Energiespeicher leer ist. Im Light Painting leuchtet man meist nicht längere Zeit mit der Lampe. Für die ausgedehnte Light Painting Nacht sollte ich also vorsichtshalber mindestens einen Ersatzakku im Gepäck haben.

 

Auf einigen Akkus finden sich Angaben zum maximalen Strom, den diese abgeben können. Für den Betrieb in Taschenlampen ist diese Angabe nicht wichtig. Keine Lampe zieht 30 oder 40 Ampere aus dem Akku. Das steht eigentlich nur für die Freunde der Elektro-Zigarette drauf. Die Dinger arbeiten zum Teil mit sehr kleinen Widerständen - 0,1 Ohm bei 3,7V sind 37 Ampere, also eigentlich ein Kurzschluss. Das machen die Zellen allerdings nur für kurze Zeit mit. Auf den Keeppower 18650 (im Titelbild liegend in der Mitte) ist zusätzlich der maximale Strom angegeben, den diese dauerhaft liefern können. Da stehen beeindruckende 10 Ampere drauf.

 

Darüber hinaus findet man noch Angaben zu den Ladezyklen des Akkus. Das steht zwar meist nicht auf der Zelle, aber im Datenblatt findet man das immer.

Richtiger Umgang mit Akkus

Egal ob NiMh, Blei-Säure oder Li-Ion Zellen, bestimmte Sachen mögen die wenigsten Akkus. Als Erstes sollte man Akkus nicht hohen Temperaturen aussetzen. Die Kapazität und die Lebensdauer leiden darunter. Umso höher die Temperatur, desto stärker ist dieser Effekt. Ich habe das mal getestet, also eigentlich habe ich Laufzeit und Temperaturverhalten von selbst gebauten Taschenlampen getestet und dafür einige Akkus dem sicheren Tod preisgegeben. Vor den Tests hatte ich die Kapazität mit einem "inteligenten" Ladegerät gemessen. Nach dem die Lampe nach ca. 20 Minuten Laufzeit die freundliche Oberflächentemperatur von 85°C erreicht hatte, hatte ich den Akku eigentlich schon abgeschrieben. Die Lampe leuchtete allerdings noch fast 40 Minuten weiter. Nach insgesamt 58 Minuten schaltete die Lampe auf 10% Helligkeit runter. Ich habe sie dann ausgeschaltet und sofort den Akku entfernt, die Temperatur des Akkus lag bei 45°C. Es ist davon auszugehen, dass diese zwischenzeitlich noch höher war. Danach habe ich den Akku in das Ladegerät gesteckt. Nach dem Aufladen zeigte das Display des Ladegerätes an, dass ca. 20% weniger Energie in den Akku geschoben wurden als beim letzten Aufladen vor dem Test. Mehr als 2 bis 3 Mal dürfte kaum ein Akku derart hohe Temperaturen überstehen. 

 

 

Man sollte Akkus und Batterien nie der Gefahr eines Kurzschlusses aussetzen und immer sicher in geeigneten Boxen oder Taschen aufbaren. Auch wenn viele 18650 Akkus einen eingebauten Schutz haben sollte man diesen nicht unbedingt auf Funktion testen. Also pack niemals die Akkus zusammen mit der Stahlwolle ein! Einige 18650 Akkus werden dann ganz schnell zum Polen-Böller, und so nebenbei fängt dann auch die Stahlwolle an zu brennen.

 

Auch tiefe Temperaturen mögen viele Akkus nicht besonders, zumindest wenn sie diesen öfter und für längere Zeit ausgesetzt sind. Wenn ein Akku mal für einige Stunden starkem Frost ausgesetzt wurde erholt er sich allerdings meist bei Erwärmung wieder und hat wieder seine ursprüngliche Kapazität. 

 

Dass man Akkus nicht starken mechanischen Beanspruchungen aussetzen sollte versteht sich sicher von selbst. Es besteht dann die Gefahr, dass der Akku zerstört wird und der Elektrolyt austritt. Das ist in keinem Fall lustig, in allen Akkus sind chemisch aggressive Substanzen enthalten wie zum Beispiel Schwefelsäure. Wer schon mal ein Elektrogerät gesehen hat, in dem die Batterien ausgelaufen sind weiß wovon ich rede. Wenn dann doch mal ein Akkugehäuse beschädigt ist solltest Du das Ding keinesfalls mit bloßen Händen anfassen.

 

Alle Akkus unterliegen einer Alterung. Li-Ion-Akkus verlieren innerhalb von 5 Jahren durchschnittlich 30-50% ihrer ursprünglichen Kapazität. Die Qualitätsunterschied sind allerdings recht groß. Gute Zellen halten durchaus länger, 10 Jahre sind bei pfleglichem Umgang durchaus realistisch. Billige Zellen sind zuweilen schon nach einem jahr ein Fall für den Sondermüll. Gegen diese Alterung kann man, von den Punkten oben abgesehen, wenig  machen. Die Lebensdauer kann man etwas verlängern wenn man die Akkus nicht dauernd bis zur Entladeschlussspannung entlädt und mit einem guten Ladegerät mit vernünftiger Lade-Kennlinie lädt. Dazu später mehr. Aber selbst wenn ich die Akkus unter Idealbedingungen lagere und benutze verlieren sie permanent Kapazität. 

1,2V NiMH Akkus

Akku eneloop ladda light painting

Eigentlich kann ich nur zwei NiMH-Akkus empfehlen, also genau genommen nur einen Typ: Panasonic eneloop bzw. die Ladda Akkus von Ikea. Wenn man die technischen Daten vergleicht, also Lade- und Entladeverhalten sowie die Kapazität liegt die Vermutung sehr nah, dass Ikea die enloops nur anders beschriftet.


Die schwarzen AA eneloops mit 2500mAh kosten im Viererpack ca. 14,50€, vier der kleineren AAA Variante kosten ca. 14,00€. Beim schwedischen Möbelhaus bezahlst Du sowohl für die AA Ladda sowie für die AAA Ladda 5,99€, beides jeweils im Viererpack. Da lohnt sich doch ein Ausflug ins Labyrinth mit dem Hotdog-Stand am Ende. Allerdings kann Ikea einfach den Lieferanten wechseln, ohne, dass sie das den Kunden erzählen müssen. Sie geben den Produzenten ja schließlich nicht an.


Wenn es etwas weniger Kapazität sein darf genügen vielleicht auch die weißen eneloops mit 1900mAh für die AA-Version, bzw. 750mAh in der Größe AAA.  Diese Zellen kosten jeweils ca. 10,00€ als Viererpack. Wenn man größere Mengen kauft spart man zum Teil deutlich. 

 

Im Gegensatz zu allen anderen NiMH-Akkus halten die eneloops auch über längere Zeit die Ladung. Nach einem Jahr sinnlosem Rumliegen haben sie noch ca. 90% der ursprünglichen Kapazität. Darüber hinaus nimmt die Ladung auch bei niedrigen Temperaturen nicht so stark ab. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt liefern sie noch ca. 80% der Bemessungskapazität, welche immer für 20°C angegeben wird. 

Sehr beeindruckend finde ich die lange Lebensdauer dieser Akkus. Einige haben wir schon seit ca. 6 Jahren im Einsatz. Ein merklicher Abfall der Kapazität ist bisher nicht zu verzeichnen. 

 

Andere NiMH Bauformen als LR03 (AAA) und LR06 (AA) setzen wir im Light Painting nicht ein, deshalb kann ich zur Qualität anderer Größen nicht viel Erhellendes schreiben.

18650 Lithium-Ionen-Akkus

18650 ist der von uns am häufigsten eingesetzte Akku-Typ. Von diesen habe ich aktuell ca. 150 Stück im Einsatz. Grundsätzlich gibt es zwei Arten 18650 Akkus, ungeschützte und geschützte. Gegen Kurzschluss geschützte Zellen sind einige mm länger als ungeschützte. Aus diesem Grund sind die Zellen nicht in jedem Fall kompatibel. Wir haben einige Lampen die entweder nur mit geschützten oder nur mit ungeschützten Akkus betrieben werden können. Entweder ist das Akku-Rohr zu kurz für geschützte oder zu lang für den sicheren Betrieb mit den kürzeren ungeschützten Zellen. In den meisten Taschenlampen funktionieren allerdings beide Arten. Ein weiterer Unterschied ist "Flat Top" und "Button Top". Bei letzteren ist der Pluspol erhöht. Bisher hatte ich noch keine Taschenlampe in den Händen, in welcher nur eine der beiden Varianten funktioniert hätte.

akku 18650 fenix light painting

Fenix verbietet für alle Taschenlampen den Betrieb mit ungeschützten Li-Ion-Akkus auch wenn sie passen würden. Das kann man jetzt natürlich einfach ignorieren, im Garantiefall könnte das dann allerdings Probleme geben. Einige andere Hersteller machen das ähnlich. Bei der billigen China-Lampe ist das meist nicht so, aber die geben auch keine 5-jährige Garantie auf die 3,50€-Funzel. 

 

Der Markt für 18650 Akkus ist fast unüberschaubar. Somit kann ich hier nur einen recht kleinen Teil der verfügbaren Akkus berücksichtigen. Auf jeden Fall solltest Du die Finger von No-Name Akkus mit zum Teil fantastischen Kapazitätsangaben lassen. Der Preis ist, gerade bei Li-Ion Akkus, nicht alles! Diese Dinger haben nur einen Bruchteil der angegebenen Kapazität und sind oft schon nach zehmaligem Aufladen ein Fall für den Sondermüll. Vor allem als "geschützt" beworbenene Billig-Akkus sind meist nicht geschützt. Da hat man dann zwar einen lustigen Böller für Silvester aber keinen vernünftigen Energiespeicher. In vielen Fällen ist im Gehäuse sogar ein kleinerer, gebrauchter Akku enthalten. Die Gehäuse werden dann noch mit etwas Sand aufgefüllt damit das ein halbwegs plausibles Gewicht bekommt. Also Finger weg von den bunten Billg-Akkus mit den 5000 oder mehr mAh!

Welcher 18650 Akku ist der richtige?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten wie im Fall der NiMH-Zellen. Den einen, ultimativen Akku gibt es in dieser Baufrom meiner Meinung nach nicht. Wir verwenden meist sogenannte Rohzellen von verschiedenen Herstellern (LG, Sanyo, Sony, Samsung...). Keine Sorte ist, auch nach einigen Jahren und vielen Ladevorgängen, besonders positiv oder negativ aufgefallen. Die Kapazitätsangaben der Hersteller entsprechen den Tatsachen, eine Abweichung von mehr als 10% konnte ich bisher nicht feststellen. Du kannst also einfach die Rohzellen kaufen die von Kapazität und Preis Deinen Vorstellungen am nähsten kommen. Hier mal ein paar Links zu ungeschützten Rohzellen:
- Murata (ehm. Sony) VTC6 3120mAh 30A

LG INR18660HG2 3,6V 3000mAh

Samsung INR18650-29E 2900mAh

Alternativ kann man auch bei ebay mal nach gebrauchten Zellen Ausschau halten. Einige Händler bieten dort größere Mengen (50 bis 100 Stück) aus alten Laptops an. Die Zellen haben dann meist noch so ca. 50-80% der ursprünglichen Kapazität. Die Preise liegen bei ca. 1€ pro Stück; mehr würde ich keinesfalls für eine gebrauchte Zelle zahlen. Da kann man dann auch verschmerzen wenn 3 von den 100 Zellen nach dem dritten Ladevorgang das Zeitliche segnen. Bevor Du die Dinger im Light Painting benutzt solltest Du sie testen, also entladen und laden und zwischenzeitlich mal die Temperatur kontrollieren. Wenn Du während des Ladevorgangs Eier auf dem Akku braten könntest solltest Du diese Zelle aussortieren.

 

Wenn Du nur 'ne Hanvoll Akkus brauchst weil Du nicht so viele Taschenlampen hast wie der verrückte Light Painter aus Berlin solltest Du besser auf geschützte 18650 Akkus zurückgreifen. Empfehlenswert sind ausschließlich Akkus von namhaften Herstellern mit realistischen Angaben zur Kapazität. Firmen wie Fenix, welche 1 Jahr Garantie geben, werden wohl kaum irgendwelchen Schrott mir falschen Angaben verkaufen. Die Kapazität wird korrekt angegeben, die Akkus sind langelebig und die Schutzschaltung funktioniert zuverlässig. Der ARB-L18-2600 mit 2600mAh kostet im Onlineshop von Fenix 9,99€, die Variante mit höherer Kapazität ARB-L18-3500 21,90€.

Darüber hinaus haben wir gute Erfahrungen mit Akkus von Efest und Keeppower gemacht. Der 3600mAh Akku von Keeppower ist allerdings mit 24,90€ auch nicht gerade ein Schnäppchen.

18350 & 16340 Akkus

Die kürzeren Akkus sind nicht sehr verbreitet. Wir benutzen einige Laser, wekche mit 16340 Akkus betrieben werden, sowie einige Taschenlampen mit 18350 Akkus. In diese passen auch die etwas kleineren 16340, andersrum passen die 18350 nicht in die Laser.

 

Keeppower ist meines Wissens nach der einzige namhafte Hersteller für 18350 Akkus. 16340 habe ich bisher nur in der No-Name Variante gefunden. Vor ca. 2 Jahren hatte ich 10 Stück davon gekauft. Bisher sind die Dinger unauffällig auch wenn die Kapazität recht klein ist (700mAh). Bei Zellen mit größeren Kapazitätsangaben dürften diese allerdings nicht den Tatsachen entsprechen. 

14500 & 10440 Akkus

Auch bei den 3,7V Li-Ion Varianten der AA und AAA ist die Auswahl nicht sehr groß. Auch in dieser Größe stellt Keeppower Akkus her. Diese haben eine Kappazität von 1000mAh. Etwas günstiger mit 900mAh sind die 14500 von Trustfire zu empfehlen. 

Und dann gibt es noch so Merkürdigkeiten wie die 14500er für die Led Lenser P5R.2 und P5R. Diese Typen haben tatsächlich + und - Pol an einer Seite des Akkus untergebracht, mit nur 1 mm Abstand auf gleicher Höhe. Wie kann man so etwas nur bauen? Wenn die Feder in der Tailcap der Lampe etwas verrutscht, beispielsweise bei einem Sturz, wird diese einen lustigen Kurzschluss einleiten. Ich habe bei meinen P5R.2 und P5R mit der Zange die +Pole in den Tailcaps rausgebrochen und betreibe die Lampen jetzt mit normalen 14500 Akkus.

akku battery light painting

Die Auswahl an 10440 ist noch überschaubarer. Wir verwenden hauptsächlich Trustfire Akkus mit 300mAh in dieser Größe. Als Alternative fallen mir nur noch die efest mit 350mAh ein. Die Laufzeit ist bei den Trustfire um einiges länger als mit den Led Lenser Akkus, welche bei den M3R mitgeliefert wurden. 

21700 & 26650 Akkus

Es gibt ja immer mehr Taschenlampen mit größeren Akkus. Das hat den unschlagbaren Vorteil größerer Kapazitäten. In meiner Fenix PD36R ist ein 21700 mit 5000mAh verbaut. Die Zelle ist nur 3mm dicker und 5mm länger als ein 18650 Akku. Alternativ könnte man auch zwei 18650 Akkus verbauen und hätte dann noch mehr Kapazität (max. 7200mAh), allerdings wäre die ganze Lampe dann viel größer.  Bisher nutze ich nur die Fenix Akkus in dieser Größe. Die einzige Alternative, die ich auf die Schnelle finden konnte ist von Keeppower. Dieser Akku ist ca. 7,00€ billiger als der Fenix 21700. Beide haben 5000mAh.

 

In der Größe 26650 verwenden wir bisher nur einige Akkus von efest. Auch diese haben 5000mAh. Alle oben genannten Akkus sind von guter Qualität. Bisher hat kein Akku an Kapazität verloren, allerdings setzen wir diese Größen noch nicht sehr lange ein. Älter als 1,5 Jahre ist noch keiner dieser Akkus.

Ladegeräte

light painting ladegerät akku

Um neuen Strom in den leeren Akku zu schieben gibt es mehrere Möglichkeiten. Einige Taschenlampen verfügen über die Möglichkeit den Akku in dieser zu laden. Das hat den Vorteil, dass man den Akku nicht herausnehmen muss. Meist ist eine USB-Buchse zum laden verbaut. Bei vielen dieser Lampen funktionert das allerdings nicht wirklich gut. Entweder ist der Ladestrom sehr klein, somit dauert das Laden unnötig lange. Oder die Ladekennlinie ist nicht sauber und der Akku altert unnötig schnell oder wird nicht vollständig geladen.

Led Lenser verbaut an manchen Lampen magnetische Ladekabel, welche an das Ende der Lampe andocken. Auf den ersten Blick mag diese Idee recht sexy erscheinen. Auf den zweiten Blick ist das nicht besonders lustig, vor allem, wenn der Akku fest verbaut ist wie bei der X21R. Wenn der Akku leer ist, ist er leer. Ziemlich blöd wenn man eigentlich Light Painting machen will.


Bei einigen Lampen funktionert das Laden über die USB-Buchse zwar ganz gut, die Fenix PD36R schiebt 2,5A in den Akku, aber für mich stellt das immer nur ein Notlösung dar. Viele USB-Ladegerät können diesen Strom gar nicht liefern. Viele USB-Kabel sind für diesen Strom nicht ausgelegt.

Die bessere Methode ist das Laden der Akkus in einem guten Ladegerät. Ich verwende im Moment XTAR VC4, Nitcore I4 und Nitecore D4 Universalladegeräte. Es gibt allerdings etliche gute Alternativen wie zum Beispiel das Fenix ARE-A4. Diese Ladegeräte laden die unterschiedlichsten Akkus auf, 1,2V NiMH und 3,7V Li-Ion unterschiedlichster Größen. Alle Akkus aus diesem Beitrag passen in diese Ladegeräte. Und das Ganze auch gleichzeitig. Ich kann also in einem Slot eine 1,2V AAA eneloop und in einem zweiten Slot den dicken 26650 mit 3,7V laden. Die XTAR Ladegeräte werden über einen USB-Port mit Spannung versorgt. Dabei ist darauf zu achten, dass das USB-Ladegerät genug Strom zum Ladegerät liefern kann. Ich habe immer 4 Laderäte an einem 4-Port-Ladegerät von Anker. Zur Not kann man diese Ladegeräte auch während der Fahrt zur Light Painting Location im Auto benutzen wenn der schusselige Light Painter vergessen hat die Akkus vorher zu laden.

Die Ladegeräte von Nitecore und Fenix werden direkt mit 240V Netzspannung betrieben, somit ist in jedem Fall sichergestellt, dass der Strom hoch genug ist. 

 

All diese Ladegeräte haben vernünftige Ladekennlinien. Die Akkus werden möglichst schonend und gleichzeitig schnell geladen. Wenn die Akkus voll sind "überladen" diese Ladegeräte die Akkus nicht. Über das Display lässt sich kontrollieren wei hoch Spannung und Ladestrom sind. Nach dem Ladevorgang zeigt das Display die geladene Kapazität für jeden Slot an. Somit lässt sich einfach überprüfen wie stark ein Akku schon von der ursprünglichen Kapazität verloren hat. Einige dieser Ladegeräte, wie zum Beispiel das XTAR VC4, können unter Umständen auch Akkus wieder reanimieren, die unter die Entladeschlussspannung entladen wurden. Ob das funktioniert hängt allerdings stark vom Alter des Akkus sowie davon ab wie stark der Akku entladen wurde. Aber einen Versuch ist es immer wert.

Wie im Bild zu sehen habe ich die Ladegeräte in einen Koffer eingebaut. Der Koffer wird über eine Anschlussleitung versorgt. Somit lässt sich der ganze Kram leicht transportieren und ist sofort vor Ort wieder einsatzbereit. Die Ladegeräte habe ich mit Klettband im Koffer besfestigt. Somit kann ich einfach eines davon herausnehmen wenn nur das kleine Besteck mit auf die Light Painting Reise kommt.

Aufbewahrung & Transport

Auch für die Aufbewahrung der Akkus und Batterien benutze ich einen der oben erwähnten Koffer. Für die 18650 und 18350 benutze ich diese modularen Halter. Leider sind diese nicht für andere Größen erhältlich. Von den Dingern kann man einfach so viele zusammen stecken wie man braucht. Die meisten 18650 Akkus halten sicher darin. Für Akkus und Batterien in den Größen AA/14500 und AAA/10440 verwende ich zwei der im Abschnitt über die NiMH-Akkus zu sehenden Boxen. In diesen finden 20 AAA bzw. 10440 Akkus und 32 AA bzw. 14500 Akkus Platz. In einer Box habe ich die 1,2V NiMH Akkus in der zweiten die 3,7V Zellen untergebracht. 

Geladene Akkus stecke ich mit dem Pluspol nach oben in die Halter oder Boxen, leere Akkus mit dem Pluspol nach unten. Somit muss ich nach dem Light Painting Ausflug nicht alle Akkus in das Ladegerät stecken.

light painting akkus batterien

Oftmals werden diese halbtransparenten Boxen für zwei oder vier Akkus als Zugabe mitgeliefert (im Titelbild in der Mitte). Diese Boxen sind oft nach kurzer Zeit kaputt weil die Verschlüsse abreißen. Außerdem passen manche Akkus nicht in die Schachteln, vor allem 14500er in die Boxen für AA Akkus. Also extra kaufen würde ich diese Dinger jedenfalls nicht, egal wie niedrig der Preis dafür auch sein mag.

 

Um nur einige Akkus auf den kurzen Light Painting Ausflug mitzunehmen habe ich die im Bild zu sehenden Boxen mit dem 3D-Drucker ausgedruckt. Falls Du diese Boxen selbst drucken willst kannst Du die Dateien über den Download-Link herunterladen.

Gedruckt habe ich die Boxen mit ecoPLA neon-grün, neon-orange und neon-gelb. Hotend 205°C, bed 40°C, 60mm/s. Als Verschluss habe ich diese Neodym Magneten eingesetzt. Die Löcher sind genauso groß wie die Magneten. Um sie einzusetzen empfiehlt es sich die Boxen auf ca. 50°C zu erwärmen, dann gehen die Magneten einfacher rein. 

Download
Boxen für AAA, 10440, AA, 14500, 18350 und 18650
Akku-Boxen.zip
Komprimiertes Archiv im ZIP Format 125.5 KB

Immer genug Ladung im Akku und allzeit gutes Licht

Sven

2 Kommentare

Adapter und Farbfilter von Light Painting Paradise

Review der Farbfilter und Adapter von Light Painting Paradise

English version below. Thanks to Tom Hill for the translation.

 

Light Painting Paradise hat mir freundlicherweise alle Farbfilter und Adapter für diesen Artikel zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür. 

 

Ich arbeite ja gerne mit Farb-LED-Lampen. Manchmal muss aber auch mal das Farbfilter vor die Lampe, einige Farben kann man mit Farb-LED's nicht (vernünftig) darstellen. Meist klebt der Light Painter einfach ein Stück Farbfilterfolie mit Gaffa-Tape an der Taschenlampe fest oder klemmt dieses zwischen Lampe und Connector wenn es bunt werden soll. Einen gewissen Charme haben solche Ghetto-Lösungen durchaus. Und gute Light Painting Bilder kann man auch mit sehr einfachen und billigen Lösungen umsetzen. 

Aber irgendwann wünscht man sich bessere, einfachere Lösungen und fängt an zu basteln oder greift zu einer professionellen Variante wie den Farbfilter und Adapter aus dem Onlineshop von Light Painting Paradise. Dann schauen wir mal ob die Sachen das Leben des Light Painters tatsächlich einfacher machen können.

Light Painting Tools

Von links oben nach rechts unten: Doppel-Rund-Adapter, Rund-Adapter. Adapter für kleine Taschenlampen, Adapter für große Taschenlampen, Farbfilter für X21, Farbfilter für MT18, Farbfilter für die beiden Adapter rechts oben und Farbfilter für die runden Adapter links oben im Bild.

Farbfilter für X21 und MT18

Im Falle der X21 ist das Anbringen von Farbfiltern denkbar einfach, sie werden zwischen Lampenkopf und Wegrollschutz geklemmt und fertig. Bisher habe ich mir die passenden Folien zugeschnitten. Mit dem Set von Light Painting Paradise erspart man sich zum Einen den Kauf von vielen verschiedenen Rollen Folie und zum Anderen das Zuschneiden. Für das Light Painting macht es allerdings keinen Unterschied ob das Filter aus dünner Folie oder wie bei diesem Set aus Acrylglas besteht. Allerdings sind die Scheiben aus Acrylglas robuster und somit sicher langlebiger. 

Das Set besteht aus 13 2,3mm dicken Acrylglasscheiben. Die Filter passen perfekt in den Wegrollschutz, nichts wackel oder klappert. Die meisten Farben gefallen mir ausgesprochen gut. Einige Farbfilter sind UV-aktiv. Das ist mir eher zufällig aufgefallen als ich mit einer UV-Lampe in die Schachtel geleuchtet habe.

Light Painting Tools

Geliefert werden die Filter in einer Tasche aus Samt. In dieser sind sie bestimmt gut aufgehoben, mein Set ist allerdings in eine alte Bonbbon-Dose umgezogen welche zufällig die richtige Größe hatte. In dieser finden ebenfalls die alten Folien Platz. 

Die Filter für die MT18 sind, von der Größe abgesehen, identisch. Zu diesen kann ich nicht viel sagen, weil ich keine MT18 habe. Diese hat keinen Wegrollschutz wenn ich mich nicht irre. Man müsste dann noch den passenden Adapter anschaffen.

 

Das Set für die kleinere MT18 kostet 45€, das für die X21 55€. Das ist nicht unbedingt ein Schnäppchen, wenn man allerdings 13 Rollen Farbfilterfolie kaufen würde wäre das keinesfalls günstiger und zuschneiden müsste man das dann auch noch.

Adapter und Farbfilter für kleinere Lampen

Light Painting Tools

Die kleinste meiner Lampen die noch fest im Adapter sitzt ist die Fenix LD10. Der Kopfdurchmesser der LD10 beträgt knapp unter 20mm.

In beiden Adaptern werden die gleichen Farbfilter mit einer Größe von 36,5 mm verwendet. Die 13 Farben sind mit denen für die X21 und MT18 identisch. Die Adapter bestehen aus zwei Teilen, zwischen die beiden Teile kommt das Farbfilter. Die Filter sitzen sicher und fest, die beiden Teile des Adapters sitzen ebenfalls sicher. 

Die Adapter werden offensichtlich mit einem 3D-Drucker hergestellt. Durch die "Linien" vom Drucken und das flexible und zugleich feste Material hält alles sicher und lässt sich trotzdem ohne großen Kraftaufwand auseinenander nehmen. Mit vulkanisiertem Gummi dürfte das durch die größerer Reibung schwieriger sein.

Diese Adpter erfüllen den gleichen Zweck wie die Großen für X21 und MT18. Sie bieten eine einfache, komfortable Lösung um Fabrfilter an der Taschenlampe zu befestigen und dann damit Teile im Bild auszuleuchten.

Erhältlich sind zwei Versionen, für Lampen mit einem Kopfdurchmesser von 34 bis 38 mm (rechts im Bild) und für Lampen mit einem Kopfdurchmesser von 20 bis 26 mm (links). Somit passen die meisten gängigen Taschenlampen in einen der beiden Adapter. Im Bild rechts steckt eine M7RX im Adapter. Größere Lampen passen nicht hinein. Die größte Lampe, die ich in den kleinen Adapter stecken konnte ist die Fenix PD36R. Andere Lampen dieser Bauform mit 18650 Akku wie Convoy S2 oder Thorfire TK15S passen problemlos in den Adpater. 

Light Painting Tools

Einziger Schwachpunkt der Adapter ist, dass man das Farbfilter nur heraus bekommt wenn man von innen dagegen drückt. Man muss also erst die Lampe aus dem Adapter ziehen wenn man die Farbe wechseln will. Ein kleine Aussparung im Unterteil des Adapters um das Farbfilter rausdrücken zu können könnte hier Abhilfe schaffen. Was mir dagegen sehr gut gefällt, dass die Adapter durch die sechseckige Form die Lampe zuverlässig am Wegrollen hindert. 

 

Wenn die 13 Farben nicht ausreichen kann man sich natürlich auch selbst noch passende Kreise aus Farbfilterfolie zuschneiden und mit den Adpatern verwenden.

Die runden Filter werden in einer Blechdose geliefert und kosten 35€. Die beiden Adapter kosten jeweils 40€.

Update:


Tom Hill hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass meine Adapter offensichtlich Prototypen aus dem 3D-Drucker sind. Die Version, die aktuell im Onlineshop von Light Painting Paradise verkauft wird ist aus vulkanisierten Gummi.  Freundlicherweise hat Tom mir ein Bild zur Verfügung gestellt.

Die grundsätzlichen Eigenschaften dürften nicht anders sein als bei meinen Prototypen.


Runde Adapter und Farbfilter

Light Painting Tools

Diese Adapter und die passenden Farbfilter benutze ich schon eine Weile. Im Gegensatz zu den oben erwähnten Adaptern sind diese Adpater dazu gedacht eine Taschenlampe mit einem Light Painting Tool zu verbinden und zwischen beiden Teilen dann ein Farbfilter zu befestigen. Dieses sitzt dann auf der Seite des Tools. In diese Adpater passen alle Taschenlampen mit einem Kopfdurchmesser von 20 bis 38,5 mm. Im Bild ist oben eine Fenix PD36R und unten eine Fenix LD10 im Doppel-Adpater. Alle runden Tools von Light Painting Paradise passen in die andere Seite der Adapter (Acryl-Stäbe, Rohre und alle  Glasfasern). Der Doppeladapter ist besonders gut geeignet um zwei Glasfaserbündel mit verschiedenen Farben gleichzeitig zu verwenden.


Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung der dicken Glasfasern mit zwei Farben. Ich stecke beide Enden der dicken Glasfaser in den Doppeladapter und beleuchte jede Seite mit einer anderen Farbe. Und nebenbei kann man dann die entstandene Schlaufe viel sicherer und präziser bewegen als wenn das eine Ende herum baumelt. Gerade mit der 10 mm dicken Glasfaser ist das Ganze dann sehr stabil.

 

Die Adapter sind sehr stabil. Das Material ist etwas dicker als das des Universal-Connectors. Somit halten auch große, schwere Tools und Taschenlampen sicher. Auch bei schnellen Bewegung verliere ich das Tool nicht während des Light Painting. 

 

Das Set mit den Farbfiltern besteht wieder aus den 13 Farben der anderen Sets. Auch hier lässt sich das Filter meist nur durch Drücken von innen wieder aus dem Adapter entfernen. Wenn es etwas kälter ist kann man es aber meist einfach herausschütteln. Die Filter werden ebenfalls in einer Blechdose geliefert.

 

Neben den beiden erwähnten runden Adapter ist ein weiterer Adapter erhältlich in welchem man Acryl-Stäbe oder Rohre quer befestigt. Bisher habe ich noch keinen Plan was ich damit anstelle, deshalb kann ich noch nichts zu diesem Adapter sagen. 

 

Der runde Adapter kostet ebenso wie der "Quer-Adapter" 23€ der Doppel-Adapter kostet 32€. Die kleinen Farbfilter kosten ebenfalls 23€. 

Adapter und Folien für die Blades

Die Acryl-Blades von Light Painting Paradise haben eine rechteckige Aufnahme. Diese passt in die rechteckigen Adapter. Erhältlich sind zwei verschiedene Adpater, einer für ein Blade und einer für zwei Blades. Zwischen Blade und Adapter passen die rechteckigen Farbfilterfolien. Das sind kleine Zuschnite aus Lee-Folie. Auch diese werden in einer kleinen Blechdose geliefert. Zur besseren Unterscheidung ist diese nicht schwarz wie die für die runden Filter sondern weiß. Diese Folien haben keinerlei Vorteile gegenüber Folien die man selbst zuschneidet. Wenn man 20 Rollen Lee-Folie zu Hause hat kann man sich diese Investition also sparen. Das Set besteht aus 12 Farben, diese weichen von den Farben der runden Filter ab.

Light Painting Tools

Sowohl Blades als auch auch Taschenlampe sitzen fest und sicher im Adapter. Es passen ebenfalls Lampen mit Kopfdurchmessern von 20 bis 38,5 mm hinein. Das Verbinden des Tools mit dem Adapter wird allerdings schnell zum Gefummel, spätestens wenn man noch ein Stück Folie mit reinstecken will. Meist bleibt dann die Folie beim Rausziehen des Tools im Adapter hängen und muss mühsam rausgefummelt werden. Außerdem werden die dünnen Folien nicht besonders lange halten weil sie stark geknickt werden wenn man sie zwischen Tool und Adapter klemmt. Das ist nicht besonders komfortabel. Da wäre es sicher eine bessere Lösung die Blades so zu konstruieren, dass sie dann ebenfalls in die besseren runden Adapter passen, auch wenn die Öffnung recht klein ist und sonit recht wenig Licht ins Blade gelangen dürfte. Aber besser als alles mit Gaffa-Tape zusammen zu bauen oder irgendwelches Isolierrohr zu verwenden ist diese Lösung auf jeden Fall. Und bessere, professionelle Lösungen kosten schnell das Vielfache, gerade wenn man zwei Blades befestigen will.

 

Die eckigen Adapter kosten jeweils 23€, die Filter kosten ebenfalls 23€. 

Fazit

Die runden Adapter und die dazu passenden Farbfilter gefallen mir wirklich gut. Alles sitzt sicher, man muss keine Angst haben, dass einem das Tool oder die Taschenlampe während des Light Painting aus dem Adpater rutscht. Die Farben gefallen mir ebenfalls gut. Die Farbfilter aus Plexiglas sind wesentlich robuster und somit langlebiger als Zuschnitte aus Folien. 
Die Filter für die X21 sind ebenfals gut. Bei der Arbeit mit Folien passiert es schon Mal, dass sie knittern oder knicken und somit nicht mehr den ganzen Lampenkopf bedecken. Solche Probleme hat man mit den Scheiben aus Acryl-Glas nicht. Die Filterhalter für die kleineren Lampen sind recht interessant, auch wenn sie bei einigen Lampen, gerade solchen mit Fokus-System, den Lichtkegel etwas einengen. 

Die eckigen Adapter für die Blades sind grundsätzlich auch nicht schlecht. Einzig dieses Gefummel mit den kleinen Folien stört mich. Wenn man die Dinger mit farbigen  Taschenlampen oder nur mit weißem Licht benutzt erfüllen sie durchaus gut ihren Zweck. 

Die passenden Tools sind alle von guter Qualität, besonders gefallen mir die Stäbe mit der eingegossenen Struktur, 

 

Die ganzen schönen Sachen findest Du im Onlineshop von Light Painting Paradise. Als Leser meines Blogs erhältst Du einen Rabatt in Höhe von 10% auf Deinen Einkauf. Der Code dafür lautet "Sale 2020". 

 

Guten Einkauf und allzeit gutes Licht
Sven

 

#english

Review of the Light Painting Paradise Color Filter and Adapter System

Light Painting Paradise kindly provided me with all of the color filters and adapters for this article.

 

In general, I like to work with color LED lamps. However, since some colors cannot (easily) be reproduced using color LEDs, sometimes we have to use color filters in front iof a flashlight instead. Usually, Light Painters just stick a piece of color filter film on the end of the torch using gaffa tape or squash it it between the flashlight and the connector if it is to be used with a tool. Such “ghetto” solutions do have a certain charm and great light painting photos can often be created with the simplest and cheapest solutions.

At some point, however, you start wanting better, simpler solutions and at that point you either start tinkering and building your own or you use a professional version such as the color filters and flashlight adapters from the Light Painting Paradise online shop. So let’s take a detailed look at them and see if they actually make life easier for the Light Painter.

Light Painting Tools

From top left to bottom right: double round adapter, round adapter. Adapter for small flashlights, adapter for large flashlights, color filters for X21, color filters for MT18, color filters for the two adapters on the top right and colors filter for the round adapter on the top left in the picture.

Color filters for the X21 and MT18

In the case of the X21, the installation of color filters is very easy – you can simply grip the filter between the flashlight head and the roll-away protector and you’re done. So far I've been doing this with pieces of color gel film, cut to the relevant size however, with the set of acrylic color filters from Light Painting Paradise you no longer need to purchase multiple rolls of color gel or spend your time cutting them to size. 

 

From the perspective of the light painting itself, it makes no difference whether you use thin color gels or the thicker acrylic filters used by Light Painting Paradise however, from the point of view of durability, the acrylic disks used by Light Painting Paradise are a lot more robust than color gels.

Light Painting Tools

The filter set provided by Light Painting Paradise consists of 13 2.3mm thick acrylic glass panes. The filters fit perfectly into the roll-away protection on the X21R - nothing wobbles or rattles. I like most of the provided colors a lot and some color filters are UV active (something I noticed by accident when I shone a UV lamp into the box).

 

The filters are delivered with a velvet storage bag. This definitely helps to keep them protected from scratches and bangs but in my case I moved them into an old candy jar which happened to be the right size and could be used to keep my old gel filters as well.  

 

The filters for the MT18 are identical to those for the X21 except for the size. I can't say much about them because I don't have an MT18!  As far as I am aware the MT18 does not come with a roll-away protector so you would then have to buy the appropriate flashlight adapter.

 

The color filter set costs €45 for the smaller MT18 and €55 for the X21.  This might not sound like a bargain, but if you bought 13 rolls of color filter film, it would not end up any cheaper and you would have to cut it yourself.

Adapters and color filters for smaller torches

Light Painting Tools

These adapters serve the same purpose as the big ones for X21 and MT18. They offer a simple, convenient solution for attaching the acrylic color filters to the flashlight so they can be used for illuminating parts of the scene.

 

Two versions of the adapter are available to fit different types of flashlight.  The first is for flashlights with a head diameter betwen 34 to 38 mm (right in the picture) and the second is for flashlights with a head diameter of 20 to 26 mm (left). This means that most common flashlights ought to fit into one of the two adapters. In the picture on the right there is an M7RX in the adapter -  flashlights larger than this do not fit. The biggest lamp I managed to fit into the smaller adapter is the Fenix PD36R. Other 18650 “tube” flashlights of this design, such as Convoy S2 or Thorfire TK15S, fit easily into the adapter. 


The smallest flashlight that would still fit securely into the filter adapter was the Fenix LD10 which has a head diameter of just under 20mm.

The same 13 color filters as used for the X21, but with a diameter of 36.5mm, are used in both of the adapters for smaller flashlights.  The adapters themselves are formed from two separate parts with the color filter held securely between the two.  The filter holder is then attached directly to the head of the flashlight using friction to hold it securely.

The prototype filter adapters I received were clearly created on a 3d printer with the lines of the printing clearly visible.  The versions for sale on the shop are created from rubber and embossed with the Light Painting Paradise logo which increases the grip between the torch and the adapter and between the two parts of the adapter.

Light Painting Tools

The only weak point of the adapter is that, since the filter is held securely in place, you can only get the color filter out if you press against it from the inside. This means you have to remove the flashlight from the adapter before changing the color. A small notch in the lower part of the adapter to allow the color filter to be removed without removing the flashlight could be a nice addition. What I do like very much, however, is that the adapter reliably prevents the lamp from rolling away due to the hexagonal shape. 

 

If the 13 colors provided are not enough, you can of course also cut matching circles out of color filter foil and use them with the adapters.

 

The round filters are supplied in a tin can and cost €35. The two adapters cost €40 each.

Round adapters and color filters

Light Painting Tools

I've been using these adapters and the matching color filters for quite a while now. In contrast to the filter adapters mentioned above, these adapters are intended to connect a flashlight to a light painting tool using an embedded color filter to change the colour of the output.  All flashlights with a head diameter between 20mm and 38.5 mm should fit comfortably into these adapters. In the picture you can see a Fenix PD36R and below a Fenix LD10 both held in the double adapter. All of the round tools from Light Painting Paradise fit into the other side of the adapter (acrylic rods, tubes and all fibre optics). 

 

 


The double adapter is particularly useful for holding two separate fibre optic brushes with different colors at the same time.  Equally, it can be used to hold one of the fat fibre optics (such as the 5mm and 10mm fibre optics) and light up each end in a different color.  This allows the resulting loop to be moved much more cleanly and precisely than with a single end dangling around.  With the 10mm fibre optic in particular, this gives a very stable arrangement.

 

The adapters are very solid. The material is slightly thicker than that of the universal connector which means that even large, heavy tools and flashlights are safe. Even with fast movement I don’t need to worry about losing my tools during light painting. 

 

The color filter set consists of the same 13 colors as the other sets. As with the flashlight color filters, the embedded filter can usually only be removed from the adapter by pressing from the inside although if it is a bit colder, you can usually just shake it out. These filters are also supplied in a tin can so you don’t lose them.

 

In addition to the two round adapters mentioned, another adapter is available in which acrylic rods or pipes can be attached at 90 degrees to the flashlight. So far I’m not sure what to do with it, so I cannot say anything about this adapter! 

 

The round adapter, like the "cross adapter", costs €23, the double adapter costs €32. The small color filters also cost €23. 

Adapters and gels for acrylic blades

The acrylic blades from Light Painting Paradise have a rectangular “tab” on the end which fits into the rectangular adapters. Two different adapters are available, one for a single blade and one which allows two blades to be connected at the same time. The rectangular color gels are designed to fit between the blade and the adapter and are made from small pieces of Lee gel. As with the smaller round filters, the gel filters are also delivered in a small tin can, this time in white so you can differentiate the two. 

These gel filters have no advantages over foils that you cut yourself - if you already have 20 rolls of Lee film at home, you can simply use those and save your money. The set consists of 12 colors and these differ from the colors of the round filters.

Light Painting Tools

Both blades and flashlight are held firmly and securely in the adapter which will fit any flashlight with a head diameter of 20mm to 38.5mm. However, connecting the tool to the adapter can quickly become fiddly when you want to insert a piece of film. Quite often the film gets stuck in the adapter when the tool is pulled out and has to be fumbled out with great effort. In addition, the thin foils may not last too long because they will be kinked when you jam them between the tool and the adapter.  For me it would be a better solution to design the blades so that they also fit into the round adapters, even if the opening is quite small and might therefore reduce the amount of light that would enter the blades. On the other hand, although this solution is not perfect, it is definitely better than assembling everything with Gaffa tape or using insulation tube. Equally, the better, more professional solutions quickly cost many times more, especially if you want to attach two blades.

 

The square adapters cost €23 each, the filters also cost €23.

Conclusion

I really like the round adapters and the matching color filters. Everything is secure and you don't have to be afraid that the tool or flashlight will slip out of the adapter during light painting. I also like the colors. The color filters made of plexiglass are much more robust and therefore more durable than home made filters made from color gel foil. 

 

The filters for the X21 are also good. When working with color gels you sometimes find that the color gels have wrinkled or creased and therefore no longer cover the entire flashlight head. With acrylic disks, this problem no longer exists.  Equally, the filter holders for the smaller flashlights are quite interesting, even if they do restrict the light cone somewhat with some flashlights - especially those with a focus system. 

 

The square adapters for the blades are basically not bad either. The only thing that bothers me is that it is quite fiddly to install and remove the gels. If you use the adapters directly with colored flashlights or only with white light, they do their job quite well.

 

The tools themselves are also all of good quality - I particularly like the rods with the internal structure. 

 

All of these lovely items can be found in the Light Painting Paradise online shop.  As a reader of my blog, you will receive a 10% discount on your purchase. The code for this is " Sale 2020 ". 

 

Happy shopping and, as always, good light!

Sven

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Light Painting Scanner

Einleuchten von Personen im Light Painting

Um ein Model im Light Painting sichtbar zu machen gibt es verschiedene Techniken. Einige davon stelle ich Dir in diesem Artikel vor.

In der Euphorie während der Arbeit an Deinem Light Painting soltest Du einige Aspekte berücksichtigen, die man schnell mal vergisst. Dein Model solltest Du immer genauso sorgfältig in Szene setzen wie in einer normalen Fotografie auch. Das ist zwar oft auf Grund der langen Belichtungszeiten schwierig, aber es funktioniert, wie im Bild zu sehen ist. Grundsätzlich solltest Du Deine Perfomance nicht unnötig in die Länge ziehen sobald ein Model Teil des Light Painting ist. Erkläre Deinem Model genau was Du vor hast. Und vor Allem, sag Deinem Model sofort Bescheid wenn die Aufnahme beendet ist und sie oder er sich bewegen dürfen. Einige Light Painter vergessen das gerne mal. 

Light Painting Fotografie Light Art Photography

Methode 1 - der Blitz

Eine naheliegende Idee ist für viele Light Painting Einsteiger einfach einen Blitz zu verwenden um das Model ins Light Painting zu leuchten. Grundsätzlich funktioniert das natürlich, allerdings hat diese Methode auch einige Nachteile. Damit das vernünftig aussieht brauche ich einen leistungsstarken Blitz mit einem großen Lichtformer. Wenn ich das im Studio gerade rumzustehen habe kann ich das natürlich auch dort benutzen. Aber die dicke Blitzanlage zusätzlich zu dem ganzen Kram, den wir ohnehin schon dabei haben an eine Location zu schleppen wie die Burg- und Klosterruine Oybin aus dem Titelbild halte ich für keine gute Idee. Da bin ich schon K.O. bevor ich das erste Mal auf den Auslöser gedrückt habe. Mit kleinen Aufsteckblitzen gelingt meist keine vorteilhafte Beleuchtung des Models. Für andere Zwecke im Light Painting kann man die kleinen Dinger allerdings gut gebrauchen, beispielsweise um Bewegungen (in der Luft) einzufrieren. 

 

Was allerdings viel störender als Größe und Gewicht der Technik ist, ich leuchte fast immer ungewollt einen mehr oder weniger großen Bereich um das Model herum mit aus. Es ist fast unmöglich das Blitzlicht nur genau auf das Model zu bekommen. Je nach den Reflektionseigenschaften der Materialien in der Umgebung des Models kann diese Licht sehr störend im Light Painting Bild sein. 

 

Falls Du trotzdem versuchen willst mit dem Aufsteckblitz Dein Model einzuleuchten empfehle ich Dir die Verwendung einer Mini-Softbox wie dieser Mini Softbox rechteckig oder Mini Softbox Octagon. Die Dinger sind klein, leicht und sprengen kein großes Loch in den Geldbeutel. Außerdem kann man sie auch gut mit einer leistungsstarken Taschenlampe zur weichen Ausleuchtung einer Location verwenden. Und falls Du noch keinen Aufsteckblitz besitzt kann ich Dir den Yongnuo YN-560 empfehlen. Wir haben schon seit einigen Jahren mehrere im Einsatz. Bisher funktionieren alle ohne Probleme und vor Allem sind sie viel günstiger als die Blitze der Kamerahersteller mit ihren Mondpreisen.

Methode 2 - die Taschenlampe

Light Painting Fotografie Light Art Photography

Als Light Painter hat man zwei Sachen immer dabei, Gaffa-Tape und mindestens eine Taschenlampe. Warum also nicht einfach das Model mit der Taschenlampe einleuchten? Mit ein wenig Übung sieht das dann auch viel besser aus als im Beispielbild aus unseren Anfangszeiten (das Bild ist von Anfang 2013). Diese Methode ist im Light Painting recht verbreitet. Ich brauche keine zusätzliche Ausrüstung und mit der Taschenlampe gelingt es recht einfach das Licht genau und ausschließlich auf das Model zu bekommen. 

Vorteilhaft ist hier eine fokussierbare Taschenlampe, dann gibt es nicht so viele Flecken auf dem Model wie im Beispielbild. Um tatsächlich eine schöne, homogene Beleuchtung des Models mit dieser Technik hinzubekommen ohne Teile der Umgebung mit ins Bild zu leuchten braucht man allerdings etwas Erfahrung und Übung.


Grundsätzlich sollte man besser nicht die Richtung aus der das Licht auf das Model trfifft ändern, Das sieht in den meisten Fällen nicht gut aus wenn das Licht mal von oben und mal von unten auf die Person trifft. Auf jeden Fall ist diese Methode für unser Model nicht besonders vorteilhaft. Die Ausleuchtung mit der Taschenlampe benötig mehr Zeit als der Blitz. Unser Model muss also längere Zeit absolut still in der Position bleiben. Bei vielen unbequemen Posen ist das kaum möglich ohne Geisterbilder im Bild zu haben weil sich das Model während des Einleuchtens bewegt hat. 

Methode 3 - Einleuchten mit dem Light Painting Tool

Two in one sozusagen. Mit dem Light Painting Tool, in diesem Fall einem Bündel schwarzer Glasfasern von Light Painting Paradise, habe ich hier gleichzeitig Erik eingeleuchtet und Lichtspuren ins Bild gemalt. Das hat den entscheidenen Vorteil, dass ich immer nur einen sehr kleinen Bereich ausleuchte. Wenn ich das Tool also von oben nach unten bewege kann das Model so viel blinzeln wie es will wenn ich an den Augen vorbei bin. Das wird im Bild nicht sichtbar sein. Man sollte allerdings darauf achten jede Stelle nur einmal zu beleuchten, ansonsten könnte es zu Geisterbildern kommen. 

Für diese Technik stecke ich immer eine leistungsstarke Taschenlampe in den Adapter. Die schwarzen Glasfasern schlucken recht viel Licht. Wenn man dann noch einen Farbfilter zwischen Lampe und Glasfasern befestigt geht noch mehr Licht verloren. 

Light Painting Fotografie Light Art Photgraphy Portrait

In letzter Zeit benutze ich fast ausschließlich meine neue Lieblingslampe, die Fenix PD36R, dafür. Mit dieser Lampe kann man sehr komfortabel auch mal kurz ins Bild blitzen in dem man den hinteren Schalter nur kurz antippt. Mit den allermeisten Taschenlampen funktioniert das entweder gar nicht oder die Lampe wechselt bei jedem Klick den Modus. 

 

Man kann auch mit anderen Tools, wie zum Beispiel Acryl-Blades, das Model beleuchten. Da bei solchen Tools das Licht nicht gebündelt an einer Stelle aus dem Tool austritt ist das allerdings recht schwierig umzusetzen, aber nicht unmöglich. 

Methode 4 - der Scanner

Im letzten Jahr haben Erik und ich das Bild aus unseren Anfangstagen wiederholt. Für das Light Painting habe ich die gleichen Tools wie damals benutzt, Acryl-Stäbe von Led Lenser V24 Lampen. Diese Lampen sind absoluter Plunder, um es mal vorsichtig auszudrücken, aber die Stäbe sind sehr ordentliche Light Painting Werkzeuge. 

Der entscheidende Unterschied zum alten Bild ist die viel bessere Ausleuchtung von Erik. Dieses Mal hatte ich einen Scanner verwendet. Dabei handelt es sich um eine sehr schmale Lichtquelle. Mit dieser wird dann das Model von oben nach unten, oder auch in anderen Richtungen,  "eingescannt", genau wie bei einem Scanner. Die Vorteile liegen auf der Hand, wie bei der Technik im vorherigen Abschnitt wird immer nur ein sehr kleiner Bereich beleuchtet. 


Wenn ich also mit dem Licht unterhalb des Kopfes angekommen bin kann das Model Grimassen schneiden bis der Arzt kommt, das ist im Bild nicht zu sehen weil dieser Teil bereits fertig ins Bild geleuchtet ist. Wichtig ist hierbei genauso wie im oberen Abschnitt, dass man jede Stelle nur einmal einleuchtet. 

Mit dem Scanner habe ich also eine gute Technik um das Licht genau auf das Model zu bringen ohne allzuviel von der Umgebung mit auszuleuchten. Ich kann die Lichtrichtung sehr einfach ändern indem ich den Scanner etwas kippe. Für das Model ist diese Technik eigentlich recht angenehm weil es nicht so lange absolut still halten muss. Allerdings war bei der recht großen Entfernung zwischen Erik und der Kamera das Licht des Scanners sehr hell. Das ist dann nicht ganz so einfach die Augen offen zu halten und in das helle Licht zu schauen. 

 

Unsere Scanner habe ich in den letzten Jahren immer weiter entwickelt. Angefangen hatte alles damit, dass ich den Lichtstrahl normaler Taschenlampen zu einem schmalen Streifen eingeengt hatte indem ich einfach ein Teil aus Pappe gebastelt hatte. Etwas später hat dann der geschätzte Pala Teth einen Scanner aus einem Aktenordner gebaut. Das Video findest du hier: https://www.youtube.com/watch?v=OzIVWER90wY&t=12s Das ist eigentlich eine coole Idee, allerdings ist das recht groß und unhandlich.

 

Unser nächste Scanner bestand dann aus einem schmalen LED-Tagfahrlicht. Dieses habe ich in einen Kabelkanal eingeklebt und fertig war der Scanner 2.0. An das Tagfahrlicht kommt dann noch ein kleiner Controller damit man das brutal helle Licht dimmen kann und das Model nicht erblindet. Der ganze Spaß hat nicht einmal 10€ gekostet. Falls Du das Ding nachbauen willst sende ich Dir gerne Links zu den benötigten Teilen. 

 

Es geht aber auch viel einfacher; mit einer schmalen LED-Arbeitsleuchte. Wir benutzen aktuell zwei Varianten. Eine klapp- und drehbare Lampe und eine starre Lampe. Beide haben einen intergrierten Akku und lassen sich über den eingebauten USB-Anschlusse aufladen. Die Lampen kosten jeweils ca. 14€. Die Helligkeit lässt sich stufenlos regeln, die Lichtfarbe ist neutral. Um das Licht etwas mehr einzuschränken habe ich schmale Stücken Pappe an die Seiten geklebt, sie stehen ca. 3 cm über die Lampe hinaus. Das verringert die Gefahr, dass die Lampe selbst im Bild sichtbar wird wenn man recht steil von oben nach unten leuchtet. Die kurzen Seiten habe ich mit Gaffa-Tape zugeklebt an die Innenseiten habe ich Stücken einer Rettungsdecke geklebt damit nicht soviel Licht verloren geht.

 

Da der einzige Schalter die Lampe ein- und ausschaltet sowie die Helligkeit regelt habe ich zusätzlich einen kleinen Taster eingebaut. Ich stelle also zuerst die Helligkeit ein, mit dem Taster schalte ich den Scanner dann ein und beleuchte das Model. Wenn ich den Taster loslasse ist der Scanner sofort aus. Alternativ kann man natürlich auch die Kamera abdecken wenn man fertig mit dem Einscannen ist. 

 

An den Flügeln aus Pappe habe ich außen selbstklebendes Klettband befestigt. Die Gegenseite des Klettbandes kommt dann an passende Stücken Farbfilterfolie. Damit kann ich dann einfach die Farben, auch während des Light Painting wechseln oder auch mehrere Farben nebeneinander benutzen wie in den Bildern unten.

Fazit

Je nach Situation kann jede der oben genannten Methoden Vorteile haben. Denkbar sind auch Kombinationen aus mehreren Methoden. Der Scanner ist zur Einleuchtung von Personen im Light Painting meist die beste Wahl. Die Bedienung ist einfach, Größe und Gewicht sind gering die Anschaffungskosten sind gering. Auch für andere Zwecke im Light Painting kann man den Scanner gut verwenden, um beispielsweise sauber bestimmte, kleinere Teile einzuleuchten. Es schadet allerdings auch nicht wenn man mit einer einfachen Taschenlampe etwas übt Perosnen einzuleuchten. Es könnte ja mal vorkommen, dass der Akku des Scanners leer ist oder das Highendteil aus China den Dienst verweigert. Dann kann man immer noch auf die alternative Technik zurückgreifen. 

 

Allzeit gutes Licht wünscht
Sven

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Light Painting mit Fenix Lampen

Review der Fenix PD36R, HM65R und FD41

Die Fenix Deutschland GmbH hat mir freundlicherweise die Lampen zur Verfügung gestellt, eine weitere Bezahlung für diesen Artikel erfolgt nicht.

 

Fenix hat aktuell ca. 60 verschiedene Taschenlampen im Portfolio, zwei davon, sowie die recht neue Kopflampe HM65R werde ich in diesem Artikel mal etwas genauer unter die Lupe nehmen. Die ersten Lampen, die ich im Light Paintng verwendet habe waren damals mehrere Fenix LD10. Alle Lampen funktionieren auch heute noch tadellos. Auf den ersten Blick hat sich an der Verarbeitungsqualität nicht viel geändert, keinesfalls ist diese schlechter geworden. Die neuen Lampen sollten also auch wieder viele Jahre lang sicher ihre Arbeit verrichten.


Neben der erwartet gute Verarbeitung aller drei Lampen fielen mir einige Details auf, die mich sofort begeistert haben. Beim durchdachten Design der PD36R könnten sich die Wettbewerber mal 'ne Scheibe abschneiden. Durch die Kanten im Gehäuse rollt sie nicht weg. Beide Schalter lassen sich in jeder Situation sicher bedienen. Eigentlich ist das zwar unwichtig, aber der bronzefarbene Seitenschalter mit der integrierten LED macht optisch sehr viel her. Mit dem dicken 5000mAh Akku hält die Taschenlampe sicher auch die längste Light Painting Nacht durch. 

Von der Stirnlampe war ich ebenfalls sofort begeistertet. Durch das Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung und Aluminium wiegt die Lampe gerade einmal 97 g. Das Gehäuse ist nach IP68 staub- und wasserdicht. Stürze dürften dem Schmuckstück nicht das Geringste anhaben, die Linsen sind durch Messingringe gut geschützt. Durch das geringe Gewicht und die komfortablen Bänder stört die Lampe das Wohlbefinden auch nach mehreren Stunden auf dem Kopf nicht. 

Fenix HM65R

Im kleinen Gehäuse der Kopflampe sind zwei Led's verbaut, eine Cree XM-L2 U2 als Thrower und eine Cree XP-G2 R5 als Flood. Erstere liefert maximal 1000 Lumen, die Kleine 400 Lumen. Wenn man beide einschaltet haut die kleine Lampe also beachtliche 1400 Lumen raus. Für jede Led ist ein separater Schalter verbaut. Durch längeres Drücken (0,5s) wird die Lampe ein- und ausgeschaltet. Durch kurzes Drücken im eingeschalteten Zustand wechselt man die Modi. Wenn man einen oder beide Schalter länger als 3 Sekunden gedrückt hält wird die Lampe gesperrt bzw. entsperrt.

 

Betrieben wird die Lampe mit einem mitgelieferten 18650er Akku mit 3500 mAh. Der Akku lässt sich in der Lampe aufladen. Während des Ladens lassen sich beide Led's in der Stufe "Mittel" einschalten. 


Der Ladestrom über den USB-C Port beträgt 1,5 Ampere, nach ca. 2 Stunden ist der Akku voll geladen. Einzig das mitgelieferte Ladekabel könnte etwas länger sein. Da dieses allerdings ein ganz normales USB-C Kabel ist wird sich wohl schnell ein anderes Kabel im Haushalt finden. Der verbaute Akku lässt sich einfach wechseln. Zur Not kann man die Lampe auch mit zwei CR123 Batterien betreiben. Zwischen beiden Schaltern ist eine Anzeige für den Ladestand des Akkus verbaut. Der Akku sitzt direkt unter den Led's, somit baumeln keine Kabel an der Lampe herum mit denen man irgendwo hängen bleiben könnte.

In der hellsten Stufe der Thrower-Led mit 1000 Lumen läuft die Lampe ca. 2 Stunden, in der hellsten Stufe der Flood-Led mit 400 Lumen ca. 21 Stunden. Die Leuchtweite in der hellsten Stufe gibt Fenix mit 163 Metern an. Damit dürfte die Lampe für jede Situation während unserer nächtlichen Light Painting Abenteuer genug Power und Laufzeit haben. In der dunkelsten Stufe leuchtet die Flood-Led der HM65R mit gerade einmal 8 Lumen. Um die Kamera zu bedienen dürfte das in den meisten Situationen völlig ausreichend sein. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern gibt Fenix in der Bedienungsanleitung an wie schnell die Lampe in welcher Stufe herunterregelt. Ich finde das sehr gut, dass Fenix hier nicht versucht die Leute zu verarschen in dem sugeriert wird die Lampe läuft mit 3000 Lumen 8 Stunden. Zum thermischen Schutz der kleinen Lampe werden die 1000 Lumen des Turbo-Modes nach einigen Minuten auf ca. 400 Lumen runtergeregelt. Die Helligkeit in allen anderen Modi nimmt während der gesamten Laufzeit nur geringfügig ab. Soviele Situtationen fallen mir im Moment auch nicht ein, in denen ich über längere Zeit 1000 Lumen am Kopf brauchen würde.

 

Fenix hat glücklicherweise auf solch Blödsinn wie eine rote Led am Hinterkopf verzichtet. Mit vielen Kopflampen der Wettbewerber malt man dann lustig rote Linien ins Light Painting weil man beim Tragen der Lampe nicht sieht, dass das Rücklicht an ist. 

 

Die Lampe lässt sich in mehreren Stufen in der Halterung nach unten klappen. Sie rastet sauber ein und bleibt sicher in der Stellung. Für die Begleiter des Lichtmalers ist das recht angenehm wenn sie nicht dauernd von der Stirnlampe geblendet werden. ;-)

 

Die Lampe ist wirklich gut verarbeitet, alle verwendeten Materialen wirken sehr hochwertig. Die Lampe sitzt sicher und bequem auf dem Kopf, ich habe noch nie eine angenehmere Kopflampe auf dem Selben gehabt. 
Die Lampe kostet aktuell im Fenix Onlineshop 94,90€.  Aufgrund der ausgezeichneten Verarbeitung dürfte die Lampe viele Jahre im robusten Alltag des Light Painters durchhalten. Lampen der 30 - 40 € Klasse geben meist nach recht kurzer Zeit den Geist auf oder gehen beim Sturz aus 1,5 Metern Höhe sofort kaputt. Den Preis halte ich für angemessen. Mit der HM65R hat Fenix alles richtig gemacht. 

Fazit

positiv:

- Verarbeitung +++

- Größe und Gewicht +++

- Helligkeit ++

- Laufzeit ++

- Tragekomfort +++

- Betrieb mit einem leicht zu wechselnden Standard-Akku +++

 

negativ:

 

- das kurze Ladekabel 

neutral:

 

- recht hoher Preis


Fenix PD36R

In dieser Größe und Bauform gibt es Taschenlampen wie Sand am Meer. Auch im Light Painting ist diese Art Taschenlampen beliebt und weit verbreitet. Sie haben zwischen 900 und 1800 Lumen und werden meist von einem 18650 Akku befeuert. Das Bedienkonzept ist bei den meisten Lampen recht ähnlich. Da muss man sich als Hersteller schon etwas einfallen lassen um sich von den anderen Lampen abzuheben.  
Als Erstes viel mir das gute, durchdachte  Design der Taschenlampe positiv auf, vor Allem der bronzefarbene Seitenschalter hat mich begeistert. Die Lampe liegt perfekt in der Hand, durch die Kanten im Gehäuse rollt sie nicht weg wenn man sie irgendwo hinlegt. 


Die Verarbeitungsqualität ist, wie von Fenix gewohnt, über jeden Zweifel erhaben. Nichts wackelt, Led und Reflektor sind perfekt zentriert, die Schalter lassen sich sauber und sicher bedienen. Gerade Letzteres ist keine Selbstverständlichkeit, bei einigen anderen Taschenlampen verkanten die Schalter gerne mal wenn man nicht genau die Mitte trifft.

Als Stromversorgung hat Fenix der PD36R einen 21700 Akku mit 5000 mAh spendiert. Diesen kann man über die integrierte USB-C Buchse in der Lampe aufladen. Leider hat Fenix auch hier das gleiche sehr kurze Ladekabel in den Karton gepackt wie auch bei der HM65R. Der Ladestrom beträgt 2,5 A, nach 4 Stunden ist der Akku voll geladen. Während des Ladevorgangs kann man die Lampe im Modus Low einschalten. Somit findet man mithilfe einer Powerbank immer sicher nach Hause auch wenn der dicke Akku unterwegs schlapp macht.

In der Mitte des Bronze-Schalters ist eine kleine Led eingebaut. Diese zeigt den Ladezustand an. Ohne angeschlossenes Ladegerät zeigt die Led für kurze Zeit nach dem Einschalten die Restkapazität des Akkus an. Trotz des dickeren 21700 Akkus ist die Lampe nur geringfügig größer als vergleichbare Modelle mit 18650 Akku. Ich war überrascht als ich die Lampe das erste Mal öffnete als kein 18650er zum Vorschein kam. Zum Vergleich habe ich im Bild unten rechts eine typische Taschenlampe mit 18650er Akku (Nitecore P12) daneben gelegt.

 

Die Bedienung der Lampe ist denkbar einfach. Mit dem hinteren Schalter schaltet man sie Ein und Aus. Mit dem seitlichen Schalter wechselt man zwischen den Helligkeitsstufen bzw, schaltet in den Strobe-Modus. Die Lampe speichert die zuletzt gewählte Helligkeit automatisch. Der hintere Schalter lässt die Led bereits leuchten wenn man ihn halb drückt ohne ihn einzurasten. Somit kann man sehr komfortabel mit der Lampe blitzen. Mit den allermeisten Taschenlampen funktioniert das nicht. Entweder sie leuchten erst wenn man den Schalter komplett durchdrückt oder sie wechseln bei jedem Blitz den Modus. Der hintere Schalter steht über das Gehäuse raus. Somit trifft man immer perfekt den Punkt an dem sie blitzt. Auch mit dicken Handschuhen lässt sich der Schalter problemlos bedienen. Das hat allerdings auch einen Nachteil, die Lampe steht nicht auf dem Hinterteil.  

Leider kann man die Lampe nicht elektrisch gegen unbeabsichtigtes Einschalten sperren wie die HM65R, da hilft nur der mechanische lock-out, eine viertel Umdrehung des Lampenkopfes.

Die Fenix PD36R hat fünf Helligkeitsstufen sowie einen Strobe-Modus. Dieser läuft immer mit voller Helligkeit. Angaben zur Laufzeit im Strobe-Modus macht Fenix nicht.

Turbo
1600 Lumen
2h 50m
283 Meter

High

800 Lumen
5h 49m
197 Meter

Med
350 Lumen
8h 24m
128 Meter

Low

150 Lumen

26h

82 Meter

Eco

30 Lumen

115h

35 Meter


Auch hier gibt Fenix in der Bedienungsanleitung an wie schnell die Lampe runtergeregelt wird. Nach dem Einschalten im Turbo-Modus liefert die Lampe die angegebenen 1600 Lumen. Innerhalb von 20 Minuten regelt sie auf ca. 1350 Lumen herunter, nach weiteren 10 Minuten leuchtet sie dann mit ca. 800 Lumen. In der zweiten Stufe regelt sie nach ca. 15 Minuten langsam auf ungefähr 450 Lumen herunter. Mit diesem Lichtstrom leuchtet sie dann konstant weiter. Diese Regelung halte ich für übertrieben, die Lampe könnte sicher auch länger unbeschadet mit 800 Lumen leuchten. Im Turbo-Modus nimmt sie schließlich auch keinen Schaden. 

 

Die Lichtfarbe der Led ist neutral, für meinen Geschmack etwas zu kühl. Der Lichtkegel ist sehr homogen, besser geht es kaum. Der Spot ist recht groß und klar abgegrenzt.  Die Fenix PD36R ist nach IP68 staub- und wasserdicht. Der Hersteller gibt an, dass sie 30 Minuten in 2 Meter tiefem Wasser unbeschadet übersteht. Die Lampe wiegt inkl. Akku 154 g. Die Lampe ist 136 mm lang und hat an der dicksten Stelle einen Durchmesser von 26,4 mm. Mit einem Kopfdurchmesser von 25,4 mm passt sie perfekt und sicher sowohl in die Adapter von Light Painting Paradise als auch in den Universal Connector.

 

Der Strobe-Modus wechselt zwischen zwei verschiedenen Frequenzen. Für die meisten Einsatzzwecke im Light Painting ist das unbrauchbar. Allerdings ist eine Taschenlampe mit 1600 Lumen im Strobe ohnehin viel zu hell. Dafür nehme ich meist Taschenlampen mit maximal 300 Lumen. 

 

Was sich Fenix bei dem mitgelieferten Holster gedacht hat ist mir unverständlich. Diese hochwertige Lampe soll ich in das labberige, zu kleine Holster stecken? Allerdings ist das kein Kaufargument. Selbst bei recht teuren Lampen erwarte ich nicht, dass der Hersteller ein Holster mit in die Packung legt. Aber wenn eines drin ist sollte das so halbwegs zur Qualität der Lampe passen wie ich finde. 

 

Die Fenix PD36R kostet im Onlineshop 99,90€. Aufgrund der sehr guten Verarbeitung und Ausstattung, der hohen Helligkeit, der langen Garantiezeit von 5 Jahren und des dicken, mitgelieferten Akkus halte ich diesen Preis für absolut angemessen. Die Fenix PD36R wird mir in den nächsten Jahren ganz sicher ein treuer Begleiter bei meinen Light Painting Abenteuern sein. Ich hatte schon hunderte Taschenlampen von dutzenden verschiedenen Herstellern in den Fingern, bisher hatte sich noch nie eine Lampe sofort so gut angefühlt wie die PD36R.

Fazit

positiv:

- perfekte Verarbeitung und Design +++

- großer Akku mit 5000 mAh +++

- integrierte Schnellladung +++

- saubere Möglichkeit zum Blitzen +++

- sauberes Lichtbild +++

- einfache und sichere Bedienung ++

negativ:

- zu kurzes Ladekabel -

- Holster ---

neutral / Wünsche an den Hersteller:

- hoher Preis

- eine wärmere Lichtfarbe wäre gut

- bessere Regelung in der Stufe "high"

- ein zusätzlicher Ramping-Modus wäre gut

- Strobe mit fester Frequenz

- eine elektrische Sperre wäre wünschenswert


Nachtrag:
Die PD36R passt ebenfalls in den Halter für Farbfilter von Light Painting Paradise. Den Halter findest Du hier, die passenden Farbfilter hier. In dieses System passen so gut wie alle Taschenlampen dieser Bauform und Größe.

Fenix FD41

Im Gegensatz zu den beiden anderen Lampen wirkt die FD41 auf den ersten Blick recht unspektakulär. Das Besondere an dieser Lampe ist , dass sie über ein Fokus-System verfügt. Hier geht Fenix allerdings einen anderen Weg als die Wettbewerber. Durch Drehen des Rings unterhalb des Lampenkopfes wird der Lichtkegel verstellt. Der Ring ist recht "schwergängig", somit ist ein versehentliches Verstellen so gut wie ausgeschlossen auch wenn man die Lampe während des Light Painting in die Tasche steckt. Der Ring dreht sich um 360°, in der weitesten Stellung ist das Drehen dann spürbar etwas schwerer. Somit weiß man wo der "Anfang" ist.

In der weiten sowie in der engen Fokussierung liefert die Lampe einen sehr homogen Lichtkegel. Im mittleren Fokus-Bereich produziert sie ein deutlich sichtbares Donut-Hole, also einen dunklen Fleck in der Mitte des Lichtkegels. Das hat sicher keinen Einfluss auf die Ergebnisse im Light Painting weil der Kegel außen sauber abgegrenzt bleibt, besonders schön ist das aber trotzdem nicht. Das geht sicher besser. Da die FD41 die bisher einzige Fenix Lampe mit Fokus ist die ich in den Fingern hatte kann ich nicht sagen, ob die anderen Modelle auch Donut-Holes produzieren.

Auch die FD41 ist sehr gut verarbeitet, auch wenn mir hier der Bronze-Schalter der PD36R fehlt. ;-) Die Bedienung mit den zwei Schaltern ist genauso einfach und logisch wie bei der PD36R. Auch mit der FD41 kann man einfach und sauber Blitzen. Die hinteren Schalter sind offensichtlich identisch, jedenfalls fühlen sie sich gleich an. Auch der Seitenschalter arbeitet absolut sauber. Durch den montierten Ring liegt sie immer sicher. Wenn man allerdings den Ring entfernt sieht die Lampe irgendwie blöd aus und rollt dann lustig auf dem Tisch hin und her. Die FD41 kann man leider auch nicht auf's Hinterteil stellen.
Die Stromversorgung übernimmt hier ein 18650er Akku mit integrierter USB-Ladebuchse. 


Der Akku wurde mitgeliefert, ebenso wie, Du ahnst es sicher bereits, das gleiche kurze Ladekabel. Ob der Akku immer zum Lieferumfang gehört vermag ich nicht zu sagen. Zum Laden muss man demzufolge den Akku aus der Lampe entfernen und diesen dann einfach mit dem Kabel an ein USB-Ladegerät stecken. Der Akku hat eine Kapazität von 2600 mAh. Der Ladestrom beträgt 1 A, der Akku ist also nach ca. 2,5 Stunden voll geladen. Die Lampe lässt sich mit jedem geschützten 18650 Akku betreiben. Eine Anzeige für die Restkapazität fehlt der FD41 leider.

Die Taschenlampe wiegt inkl Akku 200 g, ist 146 mm lang und das Akkurohr hat einen Durchmesser von 25,4 mm. Mit einem Kopfdurchmesser von 40 mm passt sie gut in die Adapter von Light Painting Paradise. Um sie in den Universal Connector zu stecken muss man schon recht viel Kraft aufwenden, aber sie passt auch in diesen. In beiden Adaptern sitzt die Lampe dann fest und sicher, auch wenn sie in den Adaptern von Light Painting Paradise wegen des dickeren, stabileren Materials besser aufgehoben scheint.

 

Die FD41 arbeitet in 4 Helligkeitsstufen,  900 Lumen mit 1h 40m Laufzeit, 350 Lumen mit 3h 50m, 150 Lumen mit 10h 15m und 10 Lumen mit 150 Stunden. Die Leuchtweite ist abhängig von der gewählten Fokussierung. In der hellsten Stufe mit der engsten Fokussierung beträgt sie 340 Meter. Leider gibt Fenix für diese Lampe nicht an wie schnell sie runterregelt. Wegen des großen Kopfes und der relativ geringen Leistung dürfte diese recht moderat ausfallen. Ich werde das demnächst mal messen. 

Im Strobe leuchtet die Taschenlampe mit 900 Lumen, auch hier gibt Fenix keine Laufzeit an. Leider hat auch die FD41 keinen homogenen Strobe-Modus. Für das ein oder andere Light Painting kann man sicher auch diesen alternierenden Strobe kreativ einsetzen aber ich würde mir hier einen normalen Strobe wünschen. Mit 900 Lumen und Fokus könnte man diese Funktion sicherlich in einigen Light Painting Bildern sinnvoll einsetzen, um zum Beispiel lange Tubes damit zu beleuchten.

 

Der Preis im Fenix Onlineshop für die FD41 beträgt 84,90€. Auch auf diese Taschenlampe gewährt Fenix 5 Jahre Garantie. Wegen der guten Verarbeitung und des sehr guten Fokus-Systems ist das eine gute Investition für den Light Painter.

Fazit

positiv:

- gute Verarbeitung +++

- einfache, saubere Bedienung +++

- sehr gutes Fokus-System +++

- gutes, sauberes Lichtbild +++

- guter Preis +

negativ:

- das kurze Ladekabel -

 

neutral / Wünsche an den Hersteller:

- kein normaler Strobe

- ein zusätzlicher Ramping-Modus wäre cool

- eine elektrische Sperre wäre wünschenswert


Fenix hat hier bei allen Lampen gute Arbeit geleistet. Die Stirnlampe gebe ich nicht wieder her. Die PD36R wird ganz sicher mein neuer ständiger Begleiter.  Und auch die FD41 mit ihrem wirklich guten Fokus wird sicher bald zum Gelingen vieler Light Painting Bilder beitragen. Grundsätzlich gefällt mir, dass Fenix nicht irgendwelche schwer erhältlichen, schweineteuren Spezial-Akkus verbaut und eine lange Garantie auf die Lampen gibt. Ebenso lobenswert ist es, dass zumindest bei den ersten beiden Lampen Angaben zur Regelung in der Anleitung zu finden sind und diese recht moderat ausfällt. Wenn mir andere Hersteller Lampen mit 3000 Lumen verkaufen wollen, die im Constant Current Mode nach einer Minute nur noch mit 1200 Lumen leuchten fühle ich mich irgendwie verarscht. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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10 Fragen an...

Dennis Berka aka Ryu's Lightworks

Weiter geht's mit dem nächsten Interview. Dennis ist der Daniel Düsentrieb des Light Painting. Ohne den regen Austausch mit ihm zu den unterschiedlichsten technischen Problemen wäre ich an so manchen Aufgaben längst verzweifelt. Und ohne seine Taschenlampen, die er mir gebaut hat, hätte ich viele Bilder nicht umsetzen können. Und ein sehr freundlicher, angenehmer Mensch ist Dennis sowieso. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.

Bitte stell Dich kurz vor: (Name, Alter, Ort ...)

Hallo, ich bin Dennis Berka auch bekannt als Ryu’s Lightworks. Mittlerweile zähle ich 39 Jahre auf meiner Uhr und komme aus Recklinghausen in NRW. Das Lightpainting ist für mich ein Hobby oder auch eine Kunst bei der ich mich kreativ ausdrücken kann.

1. Wie und warum bist Du Light Painter geworden?

Das ist wahrscheinlich sogar recht ungewöhnlich. Technik und Elektronik hat mich schon immer fasziniert wodurch ich oft auch mal damit rum bastel. Vor einigen Jahren (ich glaube 5 Jahre ist das jetzt her, genau weiß ich das gar nicht mehr wann das war) habe ich also mit LEDs gespielt, z.B. eine 16x16 RGB Matrix gebaut mit Steuerung über eine Web Oberfläche. Mehr durch Zufall ist mir bei Aufnahmen dann aufgefallen, dass in einer Langzeitbelichtung solche LED Spielzeuge interessante Spuren auf dem Bild erzeugen. 


Da sowieso schon allerlei leuchtendes Zeugs auf meiner Werkbank lag, es sah vermutlich aus wie das Labor eines verrückten Wissenschaftlers (tut es immer noch) beschloss ich dann dies weiter zu verfolgen. Das Lightpainting habe ich also autodidaktisch erlernt, und weiter gemacht habe ich damit weil es mir die Möglichkeit gibt die Fantasie mit der Wirklichkeit zu verschmelzen. Als großer Fan von Fantasy und Sci-Fi Literatur ist das eine sehr verlockende Sache.

2. Was bedeutet Light Painting für Dich? Was ist Dein Antrieb?

Lightpainting ist für mich ein Hobby und eine Art meine eigenen Welten zu kreieren. Es ist eine wunderbare Kunstform, die es einem ermöglicht seine Fantasie in Fotos zu bannen und dabei mit der Realität zu vermischen. Wie schon erwähnt mag ich Fantasy und Sci-Fi sehr und das Lightpainting kann vieles was wir uns nur vorstellen können oder in Filmen mit aufwendigen Spezialeffekten produziert wird erschaffen. Mein Antrieb dabei ist die Bilder und Welten die mir ständig durch den Kopf gehen irgendwie fest zu halten oder ihnen eine physische Form zu geben.

3. Welche Ausrüstung hast Du immer dabei?

Oft packe ich schon gezielt für das was ich machen will meine Tools ein, wobei es auch da immer mehr ist als man eigentlich braucht. Aber immer dabei sind meine selbst gebauten Taschenlampen in mehreren Farbtemperatuen, Farbfilter, Acrylstäbe, das Pfeifenreiniger-Feuer-Tool und Lichtschläuche. Mit diesen Sachen kann man eigentlich schon jede Menge Effekte umsetzen. Auch seit einiger Zeit habe ich ein paar Tools von Lightpainting Paradise so gut wie immer dabei, die Farbfilter sind z.B. eine gute Alternative zu frickeligen Farbfolien die vom Wind immer in irgendwelche Büsche geweht werden. Dazu kommt dann Ausrüstung die meinem aktuellen Experimenten und Lieblingstechniken entsprechen. In letzter Zeit war es z.B. häufig ein paar Schablonen, eine schwarze Metalplatte und etwas Stahlwolle für meine Feuergolem und Feuereffekt Bilder.

4. Was war Dein bisher eindrücklichstes Erlebnis im Light Painting?

Das ist eine sehr schwer zu beantwortende Frage. Unvergesslich ist oft weniger das Lightpainting selbst sondern die Menschen und Orte die man dabei besucht. Unvergesslich sind da auf jeden Fall die Besuche in England mit Tim Gamble, Tom Hill, Chris Thompson, Phil Fischer und Kim von Coels. Ein Trip nach Spanien mit Ivan, Frodo, Iris und einigen mehr. Aber auch die Events an denen ich teilgenommen habe wie die im Volksbad Nürnberg von Lightpaiting-Helpdesk und das Light Up Berlin dies Jahr. Die für mich schönsten Momente im Lightpainting selbst waren die bei denen man die Aufnahme stoppt und erst mal mit offenem Mund vor dem Display der Kamera steht weil das Bild einfach so faszinierend geworden ist, dass man es selbst kaum glauben mag. Die beiden Bilder die mir dabei sofort einfallen ist das Flashdance Bild und das Dämon-Flügel Bild die ihr weiter unten seht. Gerade beim letzten ist direkt beim ersten Versuch einfach alles perfekt zusammen gekommen.

5. Was oder wer inspiriert Dich regelmäßig?

Inspiration kommt bei mir fast überall her. Gute Bücher die einen sowieso schon eigene Welten in den Kopf zaubern z.B. aber auch Filme oder Serien können sehr inspirierend sein. Musikvideos geben auch eine gute Inspirationsquelle ab oder einfach das aktuelle Weltgeschehen.

Es ist auch immer interessant sich mit anderen Lightpaintern zu unterhalten. Allerdings ist das für mich weniger eine Inspiration für Bildideen sondern eher dazu Techniken verfeinern oder vermischen.

6. Welches Light Painting Tool baust oder kaufst Du Dir als nächstes?

Ich warte aktuell darauf das der RVR von Sphero ankommt, das ist ein kleiner Roboter Buggy den man Programmieren und erweitern kann. Damit plane ich ein etwas größeres Projekt bei dem ich Muster auf den Boden malen kann. Aber dazu veröffentliche ich später sicherlich noch mehr Informationen wenn ich erste Ergebnisse habe ;)

Dann liegt hier noch die Acebeam W30 Taschenlampe, die ich noch ausgiebig testen will, und es sollten bald auch ein paar neue Neon LED Lichtschläuche ankommen, die recht vielversprechend sind.

Ansonsten gibt es in meinen Keller einen Schrank bei dem die Hälfte mit “zum Experimentieren” beschriftet ist... also es wird sicher nicht langweilig ;)

7. Arbeitest Du eher spontan oder planst Du Deine Bilder vorher bis ins kleinste Detail?

Das ist sehr gemischt. Bis ins kleinste Detail kann man eigentlich nie planen weil es halt immer etwas gibt, was man auf den Tag oder die aktuelle Umgebung anpassen muss. Aber meistens plane ich mittlerweile sehr viel. Wobei das kommt halt darauf an was man macht. Wenn ich für mich selbst raus gehe um ein Projekt um zu setzen dann ist das mittlerweile sehr durchgeplant. Wenn ich einfach mit ein paar anderen Lightpaintern rausgehe um ein bisschen Spaß zu haben ist es bis auf die Tools die man mitnimmt kaum geplant. Da kommen die Ideen mehr spontan.

8. Hast Du ein Konzept, einen roten Faden, für Deine Light Paintings?

Einen grundsätzlichen der sich überall durchzieht nicht. Aber ich habe sowas wie Phasen, in denen ich recht ähnliche Projekte umsetze. Das kommt manchmal durch Ideen, die ich habe und zu denen ich mehrere Sachen umsetzen will oder manchmal durch Techniken, mit denen ich gerade arbeite oder verfeinere wodurch die Projekte dann an der Technik angelehnt recht ähnlich sind.

9. Mit welchen drei anderen Light Paintern würdest Du gerne mal zusammen arbeiten?

Da ich mittlerweile schon sehr viele Lightpainter weltweit persönlich getroffen habe ist das schwer zu beantworten. Unter denen die ich schon kennengelernt habe aber noch nie zusammengearbeitet habe würde ich gerne mal mit Pala Teth in seinen Steinbrüchen arbeiten, oder mit Maria Saggese ein paar Bilder umsetzen. Von denen, die ich noch nicht persönlich kennen gelernt habe, ist glaube ich Jason Rinehart ein sehr witziger Zeitgenosse.

10. Welches sind Deine drei besten Bilder?

LightPainting
Dennis Berka - Ryu's Lightworks - Flashdance

Flashdance

Aus einem Experiment mit sehr schnellen Blitz Strobe um den Regen Effekt zu erzeugen ist diese Bildidee entstanden. Dies ist eines der Bilder die mich bis heute noch faszinieren, da es noch viel atemberaubender aus der Kamera gekommen ist als ich es mir beim Überlegen des Konzeptes vorgestellt habe. Noch heute ist es witzig wenn mich Leute dazu fragen wer das Model ist und ich erklären muss, dass die Dame eine ca 10cm große Pappfigur ist.

LightPainting
Dennis Berka - Ryu's Lightworks - Dämon im Feld

Dämon im Feld

Ein sehr neues Bild aber eines das für mich unvergesslich bleibt. Der Aufbau dafür war recht kompliziert da hier mit Schablonen, zwei Stativen und einem Objektivwechsel gearbeitet wurde. Erst hatte ich befürchtet, dass alles aufeinander auszurichten fast schon unmöglich ist, besonders da ich hier mit einem Model (Zombrina Roxx https://www.facebook.com/ZombrinaRoxxArtist/) gearbeitet habe. Aber direkt der erste Versuch hat so wunderbar gepasst, dass wir ein paar Minuten ungläubig auf das Display der Kamera gestarrt haben. Das war auch das letzte Bildkonzept an dem Abend und wir haben danach direkt zusammen gepackt weil uns klar war besser bekommen wir das eh nicht mehr hin ;)

LightPainting
Dennis Berka - Ryu's Lightworks - Erscheinung

Erscheinung

Technisch eigentlich gar nicht so perfekt geworden hat diese Bild dennoch einen hohen sentimentalen Wert für mich und das Gesamtbild hat eine starke Aussagekraft. Entstanden ist es in unserem England Urlaub bei einem sehr lustigen Abend mit Tom Hill und Chris Thompson in einem verlassenen Betonwerk.

 

Besuche Dennis hier: 


Ich danke Dennis, dass er sich die Zeit für dieses Interview genommen hat.

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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Light Painting ohne Objektiv

Refraktografie

Bei dieser fotografischen Technik wird ein Objekt, welches Licht brechen kann, vor der Kamera platziert und mit einem dünnen, hellen Lichtstrahl angeleuchtet. Der Sensor der Kamera nimmt dann diese Lichtbrechung auf. Hierbei wird die Kamera ohne Objektiv verwendet. Je nach verwendetem Material ergeben sich die unterschiedlichsten Formen. Durch Bewegung des Objektes vor der Kamera verändern sich Form, Größe und Helligkeit. 


Um ein ansehnliches Ergebnis auf den Sensor zu bekommen ist etwas Geduld und Fingerspitzengefühl nötig. Bei der kleinsten Bewegung ändert sich das Aussehen der Lichtfiguren oftmals schon sehr deutlich. Aber für verregnete Herbsttage ist das genau das Richtige wie ich finde. 

refractography light painting

Was brauche ich dafür?

refractography light painting

Zuerst einmal eine Kamera mit Wechselobjektivsystem. Das Objektiv wird für diese Art der Fotografie entfernt. Die Kamera muss in der Lage sein auch ohne Objektiv auszulösen. Bei einigen Kameras ist der Auslöser blockiert wenn kein Objektiv angeschlossen ist. Ich verwende für diese Bilder entweder meine Nikon D750 oder D300s.

Die Kamera sollte einen stabilen Stand haben, ein Stativ wäre also eine gute Idee. Als nächstes brauchst Du eine Taschenlampe. Für die Bilder in diesem Beitrag habe ich eine Taschenlampe mit ca. 800 Lumen benutzt. Dann brauchst du ein kleines Stück Pappe in der Größe des Lampenkopfes und etwas Gaffa-Tape

Und dann brauchst Du ein Objekt aus Glas oder Kunststoff welches Licht brechen kann. Für erste Versuche eignen sich Wein- oder Sektgläser gut.


Für die meisten Bilder in diesem Beitrag habe ich Glasbruch verwendet. Durch die vielen Bruchkanten ergeben sich mehr Möglichkeiten als mit Weingläsern oder Ähnlichem. Darüber hinaus wird mit dem Glasbruch zuweilen ein "Regenbogen" sichtbar. Mit intakten Gläsern gelang mir das bisher nicht.

 

Die "Schärfe" im Bild ist nach meinen Erfahrungen abhängig von der Qualität des Glases. Refraktografien von gutem, "sauberem" Glas sehen meist besser aus als solche von billigem Pressglas, wenn mit diesem überhaupt etwas zu sehen ist. Mit Kunststoff habe ich bisher keine Versuche gewagt, theoretisch sollte das aber ebenfalls funktionieren.

 

Wenn Du etwas Farbe ins Bild bringen willst brauchst Du noch ein paar kleine Stücken Farbfilterfolie.

Wie wird's gemacht?

Die Kamera stellst Du mit dem Stativ auf deine Arbeitshöhe ein und richtest sie halbwegs gerade aus. Vor der Kamera befestigst Du dein Objekt aus Glas, am besten so, dass es sich leicht bewegen lässt. Alternativ kannst Du alles aber auch einfach auf den Tisch legen. 

In das kleine Stück Pappe stichst Du ein kleines Loch, so ca. 2 bis 3mm groß. Mit dem Gaffatape befestigst Du die Pappe am Lampenkopf. Die Lampe befestigst Du genau parallel zur Kamera, das Licht leuchtet also vorne an der Kamera vorbei und trifft genau auf das Objekt aus Glas. Der Abstand zwischen Lampe und Glas sollte je nach Helligkeit der Lampe zwischen 2 und 5 Metern liegen.

refractography light painting

Auf keinen Fall sollte das ganze Glas hell leuchten, wir wollen ja ausschließlich die Brechungsspuren des Lichtes aufnehmen und nicht das eigentliche Objekt. Du solltest nicht auf die Idee kommen einen Laser zu verwenden. Das Licht ist viel zu hell und es besteht die Gefahr, dass der Sensor Deiner Kamera dadurch Schaden nimmt.

Jetzt schaltest Du den Live View der Kamera ein und bewegst das Objekt langsam und in kleinen Schritten vor der Kamera. Wenn Dir die Form gefällt machst Du die Aufnahme. Der ISO-Wert sollte zwischen 100 und 200 liegen. Mit der 800 Lumen Lampe aus 3 Metern Abstand liegt die Belichtungszeit dann bei ca. 1 Sekunde. Hier helfen aber eigentlich nur Probeaufnahmen. Solange man das Glas oder die Lampe nicht bewegt bleibt das Bild gleich. Die Zeit variiert zueilen recht stark weil die Eigenschaften der verschiedenen Gläser unterschiedliche helle Muster auf den Sensor malen. 

 

Um etwas Farbe ins Bild zu bekommen scheidest Du schmale Streifen Farbfilterfolie zurecht. Diese hältst Du dann wahlweise zwischen Licht und Glas oder zwischen Glas und Kamera. Auch das erfordert etwas Fingerspitzengefühl, spätestens wenn man mehrere Farben in einem Bild verwenden will.

Refraktografie und Light Painting

refractography light painting

Man kann natürlich beeindruckende Bilder ausschließlich mit Refraktografie erschaffen. Aber wie Du im Beispielbild sehen kannst lässt sich das auch gut mit Light Painting kombinieren. Hier habe ich zuerst wie oben beschrieben die Refraktografie aufgenommen, die Taschenlampe ausgeschaltet und das Objektiv an die Kamera angeschlossen, in diesem Fall ein Helios 44-2. Danach habe ich die Kamera vom Stativ abgenommen und Freihand  das Bokeh aufgenommen. Dazu habe ich ein Bündel schwarzer Glasfasern und eine Taschenlampe im Blitzmodus benutzt. 

Denkbar sind natürlich auch Kombinationen mit anderen Light Painting Elementen, der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Du solltest allerdings darauf achten auch nur kleinste Bewegungen des Stativs oder des Glases zu vermeiden damit du das Bild bei Bedarf reproduzieren kannst.


Die Schwierigkeit liegt hier in der Planung. Man kann keine sichere Vorhersage treffen wie die Refractography aussehen wird und muss dann für das Light Painting improvisieren wenn man sieht welche Form die Refraktografie hat. Einzig die Farben kann man vorher bestimmen.

 

An dieser Stelle danke ich Rob Turney für seine Pionierarbeit. Ohne seine Bilder und seine Tutorials wäre ich vermutlich nie auf die Idee gekommen mich an der Refraktografie zu versuchen. 

http://robturneyvisuals.com/projects/refractograph/
https://lightpaintingphotography.com/light-painting-tutorials/rob-turney-refractographs/

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht.
Sven

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10 Fragen an...

Tim Gamble

In letzter Zeit habe ich die Interview Serie etwas vernachlässigt. Aber heute geht es endlich weiter. In dieser Serie möchte ich Dir Light Painter vorstellen, die mich regelmäßig inspirieren, die mich mit ihren Arbeiten immer wieder beeindrucken und die Freunde sind mit denen ich gerne gemeinsam die Lampen schwinge. Wenn Du die anderen Interviews noch nicht gelesen hast findest Du diese hier:
Heinz-Jörg Wurzbacher https://www.lichtkunstfoto.de/2018/03/16/10-fragen-an/
Roland Brei https://www.lichtkunstfoto.de/2018/05/18/10-fragen-an/
Pala Teth https://www.lichtkunstfoto.de/2018/06/22/10-fragen-an/ 

Tim Gamble Light Painting fade to black light art

Beim Light Up Berlin scherzte ich mit einem befreundeten Light Painter, dass er der beste Light Painter auf der Welt sei. Ohne auch nur 1 Sekunde zu zögern sagte er: "No, it is Tim Gamble." Ich weiß nicht, ob es den besten Light Painter gibt, und vor allem finde ich es nicht wichtig der Beste zu sein. Es sollte doch im Light Painting eher um Kreativität, Spaß, Physik und vor allem um die wunderbaren Erlebnisse während der Arbeit gehen. Light Painting ist kein Wettbewerb, jedenfalls nicht für mich.

So ganz unrecht hatte der Kollege aber sicher nicht. Tim Gamble erschafft regelmäßig großartige Bilder mit zum Teil immensen, für die meisten Leute unvorstellbarem, Aufwand. 


Er hat immer wieder frische, spannende Ideen und setzt diese in ausdrucksstarken Bildern um. Egal wie verrückt und aufwändig die Idee ist, immer hat er das Ergebnis im Blick. Seine oft sehr surrealen Light Painting Bilder werden von den meisten Betrachtern sofort in die Kategorie Digital Art gesteckt, obwohl er das genaue Gegenteil davon macht. Das führte dann sogar zu einer Sperrung seines Account bei 500px, einer Plattform auf der es fast ausschließlich um das ausgefeilte Post-Processing geht und nicht um gute Fotografie. 

 

Genug gelabert, jetzt lassen wir Tim Gamble mal zu Wort kommen:

1. Please introduce yourself shortly. Name, Age and where you from etc.

 My name is Tim Gamble and I’m 41 years old from Manchester England.   

2. How and why did you start Light Painting?

I bought my first dslr (Canon 650D) to capture memories of my new-born son. I’ve always loved photography but knew nothing of manual mode so I bought a guide to digital photography book. Inside there was half a page about light painting and it sparked something inside me. After a short while on Google I found the Ball Of Light video. A 15 minute documentary which tells the story of Denis Smith and his journey from depression, debt and alcohol and his life changing discovery of Light Painting. Ever since seeing his incredible images that was me hooked and since 2013 I have light painted every week.

3. What means Light Painting for you? What is yor motivation? What drives you?

I’m motivated to light paint for many reasons, mainly the insatiable need to create. I’m not one for sitting in front of the tv so taking myself off to a dark room and creating some images is my way to unwind and de-stress. When I don’t light paint my mood worsens and life tends to get on top of me but as soon as the lights go out and my camera is sat on the tripod everything is well with the world.

4. What gear do you always carry with you?

My staple tool which I always carry with me is my camera rotation tool. Designed and created by Chris Thompson and his brother Alan. That is one tool I could not be without as it opens up so many compositional possibilities. I don’t own an auto lens as I find manual ones so much more versatile, helping me to swap lenses and change apertures mid-exposure much more easily. I also own a full set of Light Painting Brushes tools as I’m a brand ambassador for them, I don’t take them all out with me as I would need a Sherpa to carry them all but the Black Fibre Optic brush, some blades and universal connectors are always in my bag. Lastly an old pair of net curtains, used in conjunction with a universal connector, orange gel and my Ryus Lightworks modded torch I can create a beautiful fire effect with no danger of burning the model.

5. What was your most memorable Lightpainting expirience, event or moment?

My most memorable light painting experience was last year in Belgium at the Light Painters United meet up.  Meeting so many wonderful people with whom I had only ever conversed with online was a dream come true.  The locations, people and resulting images created over that weekend will stay with me forever and the hard work of the super friendly and inviting B Team is still very much appreciated.  

6. Who or what inspires you?

I draw inspiration from a great many sources. From other light painting artists, artists in other fields such as music, films, painting and advertising. Locations inspire and can have a massive impact on the final image even if it doesn’t appear anywhere in the frame. It can come from within; say an emotion I am feeling which will spark an idea or from aimless “faffing” at home which will usually give me a new effect which I will be able to implement into a shot when I’m out in the field.  

7. What is going to be the next Light Painting Tool you build or buy?

I’m currently working on a version of the Pala Teth backlight scanner which he so kindly shared with the wider community. I’m sure many people would keep such an idea to themselves but not him. A true gent and the solution to a problem which has been a headache since I started Light Painting.

8. What is your workflow? Do you work more spontaeous or do you plan out every little detail of you art?

My workflow tends to begin in my kitchen which is a sort of proving ground and a place to try different things out. A couple of weeks ago I was playing with rotating my camera around different axis which yielded a result I hadn’t seen before. The session gave me an image I was quite happy with but it didn’t look like a final image. The following week I was out with Tei in my favourite tunnel and I was able to implement the concept adding the tunnel we were in and the human form. 

9. Do you have 3 Lightpainters you would like to / dream of, to have a colaboration with?

Three light painters I would love to collab with are as follows.

Dana Maltby  (TCB)  I regularly trawl through his feed on Flickr and for me he has something special and his style has influenced me greatly along the way.  For me he is the best and top of my list of people I would love to collab with.

 

Ryan O’connell  (R Digi)  Is someone else who I would love to get together and paint with.  He has a raw and very individual style and comes across as a really top bloke.  

 

Jelle Schuurmans Is someone who I have long admired.  He has a super individual style and his sci-fi creations tick all of my boxes.

10. What are your best or most favourite 3 pictures?

Light Painting
Tim Gamble - Jurassic Shift

Jurassic Shift  -  This was shot on one of many visits to Padley Gorge with Chris Thompson.  Everything came together for this one and I can remember the sense of excitement when this popped up on the camera screen.

Light Painting
Tim Gamble - Point of no return

Point of no return  -  I shot this one with my mate Rob and was the most believable image I have created using refractographs. I  was particularly happy with his shadow which looks to be bowed on the wall behind.

Light Painting
Tim Gamble - Stormborn

Stormborn  -  I love looking back at this shot as the whole evening was perfect.  Full moon, no wind, beautiful location and awesome people.  Probably my favourite evenings light painting to date. Happy times.


 

Find Tim aka Fade To Black Light Art on:


Thank you for the interview and the inspiration mate. 

Allzeit gutes Licht
Sven

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Light Up Berlin 2019

Die Light Painter kommen nach Berlin

LightUpBerlin LightPainting Berlin Event Light

Vor über einem Jahr saßen Gunnar, Marla, Erik und Sven erstmals zusammen um unsere Vision eines Treffens internationaler Light Painter zu planen. Schnell waren wir uns einig, wie die Veranstaltung gestaltet werden sollte. Auf einen Termin, den 5. Oktober 2019, konnten wir uns ebenfalls schnell verständigen. 

Wir begannen Light Painting Künstler aus der ganzen Welt einzuladen. Die meisten waren begeistert und sagten sofort ihre Teilnahme zu.

Zuerst musste ein geeigneter Ort gefunden werden, in Berlin nicht ganz so einfach. Die meisten Locations konnten wir aufgrund der Tagesmiete im fünfstelligen Euro-Bereich schnell von der Liste streichen. Einige Locations waren aus anderen Gründen ungeeignet. Mit dem Monopol fand Gunnar dann einen perfekt für unserer Veranstaltung Light Up Berlin geeigneten Ort. Der erste Kontakt mit den Leuten des Monopols war sehr angenehm und sie zeigten sich, obwohl von solcher Kunst unbeleckt, sehr interessiert und offen.


Ein Traum wurde wahr

Light Up Berlin sollte eine Mischung aus Vorträgen, Workshops, Ausstellung und Austausch Gleichgesinnter und Interessierter werden. Wir wollten auch das Interesse am Lightpainting von bisher mit dem Thema noch nicht vertrauten Menschen wecken. Auch der Nachwuchs interessiert uns sehr. Wichtig hierbei war es uns, dass der Spaß nicht zu kurz kommt, die Veranstaltung kurzweilig ist und auch dieses großartige Gemeinschaftsgefühl, welches bei vormaligen Treffen entstand, transportiert werden konnte.

 

Die Idee von Light Painting Meetups ist nicht neu, wir wollten keinesfalls die Erwartungen unserer Gäste enttäuschen. Unser Anliegen war es,  Light Painting nicht wie so oft nur in einem exklusiven, kleine Kreis auserwählter Light Painting Künstler auszuüben, sondern jeden der Interesse am Thema Light Painting hat einzuladen. 

LightUpBerlin LightPainting Berlin Event Light

Allmählich kamen unsere Gäste der Veranstaltung in Berlin an. Rob Turney und Denis Smith haben tatsächlich die weite Reise aus Australien auf sich genommen, um uns zu unterstützen. Auch Dan Chick und Reagen Nguyen kamen den weiten Weg aus Colorado. Von der großen Insel (UK) reisten Phil Fisher, Mart Barras und Tom Hill an und vom Festland des Kontinents kamen aus Frankreich, Stabeu, Mass und Dilliz, aus Belgien Palateth, aus Spanien Iris Cebrián - Shyrroii, Ivan Barco de Angelina und Vikthor Clarke, aus Portugal Natália Cerqueira. Aus Italien unterstützte und Maria Saggese, aus der Schweiz kamen Roland Brei und Marcel Kaul und aus Österreich Chris Noelle. Weiterhin wurden wir auch von deutschen Lightpaintern unterstützt, hierzu zählten Dennis Berka, "Mr. Fotobox" Bernhard Rauscher (an dieser Stelle nochmals vielen Dank für die Organisation und Ausführung), EMD unsere Lichtchefs und Jan Leonardo Wöllert. Light Up Berlin war schließlich keine etablierte Veranstaltung. Wir konnten nicht sicher vorhersagen ob 20 oder 200 Leute das Ereignis besuchen werden. 

Für die eingetroffenen Künstler arrangierten wir am Donnerstag ein kleines Rahmenprogramm als Dankeschön für Ihre Unterstützung. Nach einem Rundgang durch das Monopol gab es erstmal eine kleine Bastelstunde. Wir bauten gemeinsam Light Painting Tools aus Glas. Das war ein faszinierendes Erlebnis und die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen. Ein herzlichen Dank an Berlin Glas e.V. für diese besondere Erfahrung. 

Unweit des Monopols gibt es eine kleine Pizzeria, welche wir gern und mehrfach besuchten. Ich glaube die Kellner waren froh, als das verrückte Rudel Light Painter endlich wieder weg war. Besonders ruhig ging es nicht gerade zu, hatten wir uns doch viel zu erzählen und zu fachsimpeln. Kurze Absprachen wurden getroffen und die Veranstaltung bekam ihren letzen Schliff.

Am Freitag musste Light Up Berlin noch "aufgebaut" werden, Veranstaltungsräume herrichten, Monitore für die Galerie aufstellen und die Stromversorgung und  Beleuchtung installieren. Am Abend trafen sich Gruppen noch zum Lightpainten.

05. Oktober - es wurde ernst

LightUpBerlin LightPainting Berlin Event Light

Wir vom Organisationsteam waren sehr aufgeregt, es konnte noch so vieles schief gehen. Die erste Überraschung des Tages ließ auch nicht lange auf sich warten. Wegen des starken Regens der letzten Nacht und eines verstopften Gullys stand der Eingang zur Ausstellung unter Wasser und  die Tür lies sich nicht mehr öffnen. Unsere Gäste packten  sofort mit an, um die Probleme zu lösen. Pala Teth öffnete mit seinen übermenschlichen Kräften die Tür, Garry Krätz gelang es den Gully frei zu machen, so dass das Wasser abfließen konnte. Nun noch schnell das Wasser aus dem Vorraum der Ausstellung gefegt und schon sah es aus als wenn nie etwas gewesen wäre.


Um 12:00 Uhr trafen sich alle Helfer und Künstler zur Einweisung. Kurz darauf kamen schon die ersten Gäste. Nun lief glücklicherweise alles ohne größere Probleme, die Anspannung löste sich langsam.

Die Ausstellung

Alle Bilder der Ausstellung findest Du hier: Ausstellung. Von über 200 eingereichten Bildern wurden 83 von den 9 Kuratoren für die Light Painting Ausstellung ausgewählt. Die Bilder wurden auf 13 großen Monitoren  in einem separaten Raum gezeigt.

Während der Veranstaltung war mindestens ein Light Painting Künstler in der Ausstellung, um die Fragen der Gäste zu beantworten. Wir blickten in viele erstaunte Gesichter der Besucher, als sie realisiert hatten, dass es sich bei den Bildern um echte Fotografien handelt und nicht wie meist vermutet, um Montagen am Computer. Spätestens nach einem Besuch der Photo Booth oder einem der zahlreichen Workshops hatte niemand mehr Zweifel daran. Wir glauben, den Ein oder Anderen haben wir schon hier mit dem Virus Lightpainting infiziert.

LightUpBerlin LightPainting Berlin Event Light

Die Photo Booth

Dieser Programmpunkt wurde von Bernhard Rauscher alias Lumenman organisiert. Während der gesamten Veranstaltung konnten die Besucher Light Painting Portraits von verschiedenen Künstlern anfertigen und an der Bar ausdrucken lassen. Einige Light Painting Künstler waren so in ihrem Element, dass sie ihre Zeit "etwas" überzogen haben und mit den Nachfolgern gemeinsam aktiv wurden. Ein Portrait, welches von drei oder vier Light Paintern gleichzeitig gemalt wurde bekommt man auch nicht alle Tage.
Hier eine kleine Auswahl der Bilder:

Die Workshops

LightUpBerlin LightPainting Berlin Event Light

Viele Light Painting Künstler boten während der Veranstaltung Kurzworkshops von ein- bis eineinhalb Stunden an. Diese fanden in unterschiedlichen Räumen des Monopols statt. Der Andrang war sehr groß, meist waren viel mehr Teilnehmer am Treffpunkt als ursprünglich geplant. Die Themen der Workshops waren sehr vielfältig, von Portraits über Light Blading bis hin zu Light Painting mit Unterstützung von Virtual Reality. Das komplette Programm findest Du hier

Im Nachhinein betrachtet war das Programm vielleicht etwas zu voll gepackt. Einerseits konnten fast alle Besucher zumindest einen Workshop besuchen, andererseits musste sie sich an vielen Stellen entscheiden welchen Programmpunkt sie lieber besuchen möchten. Für das nächste Light Up Berlin werden wir sicher mehr Pausen einplanen und weniger Workshops und Vorträge gleichzeitig organisieren. 


Die Vorträge

Neben den Workshops gab es viele interessante Vorträge im "Haupthaus" dem Apparatehaus. Dafür wurden keine Plätze reserviert, jeder konnte zuhören und mitdiskutieren. Die Themen war sehr facettenreich.  Alle Referenten verstanden es das Publikum zu begeistern. Herauszustellen ist der Vortrag von Phil Fisher, der seinen Vortrag in ein zauberhaftes Deutsch übersetzte.

Für das nächste Light Up Berlin wollen wir die technischen Voraussetzungen schaffen, um die Vorträge aufzeichnen zu können und am Besten gleich als Live Stream zu senden. Es gibt sicher Light Painter, denen es leider nicht möglich war nach Berlin zu kommen und die gerne die Vorträge gehört hätten. 

LightUpBerlin LightPainting Berlin Event Light

Die Illumination

Unsere Location wurde von Garry Krätz und Heinz-Jörg Wurzbacher in das rechte Licht gerückt. Die Beiden haben jahrelange Erfahrung in der Illumination der unterschiedlichsten Gebäude. Und auch hier haben sie großartige Arbeit geleistet. Vielen Dank Jungs!

Fazit

Am Sonntag waren wir ausgelaugt aber glücklich, sehr glücklich. Die Veranstaltung lief (fast) reibungslos ab. Am Sonnabend haben wir in so viele glückliche Gesichter der Künstler und Besucher geschaut und haben viele interessante Gespräche geführt, schon allein dafür haben sich die ganzen Anstrengungen gelohnt. Auch drei Wochen nach dem Light Up Berlin haben wir immer noch nicht alle Eindrücke und Gefühle verarbeitet. 

 

Ein großartiger Tag für unsere besondere Kunstform Light Painting war der 5. Oktober 2019 auf jeden Fall. Darüber hinaus sind wir immer noch überwältigt so viele passionierte, freundliche, gut gelaunte Light Painter und Lightpainting - Interessierte wieder getroffen bzw. kennengelernt zu haben. Diesen besonderen Tag werden wir nie vergessen.

DANKE - THANKS - MERCI - GRACIAS - GRAZIE  - OBRIGADO

Zuerst möchten wir uns beim Organisations-Team bedanken. Ohne die perfekte, absolut professionelle Zusammenarbeit hätten wir das Ding ganz sicher nicht gerockt. Danke Erik. Danke Gunnar. Danke Dominic. Danke Natalia und Danke Matti. 

 

Die Künstler - ohne euch hätte es Light Up Berlin niemals gegeben. Ihr habt zum Teil unvorstellbare Entfernungen zurück gelegt um dabei zu sein. Wir vermissen Euch schon jetzt und hoffen Euch bald wieder zu sehen.

 

Ohne die vielen fleißigen Helfer hätten wir die Veranstaltung nicht reibungslos über die Bühne bekommen. Vielen Dank an Euch alle.

 

Vielen Dank an die Supporter, vor allem an Wolfgang, Karin und Manuel, die uns zusätzlich beim Event tatkräftig unterstützten.

 

Ein besonderer Dank geht an das Monopol, dass ihr eure Türen für Light Up Berlin geöffnet habt und uns bei der Veranstaltung unterstützt habt. 

 

Und natürlich danken wir allen Besuchern.

 

Bis zum nächsten #LightUpBerlin allzeit gutes Licht
Sven und Marla

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Light Painting mit Altglas

Neue Möglichkeiten mit alten Objektiven

Die allermeisten neueren Objektive sind auf die bestmögliche Abbildungsqualität optimiert und vollgestopft mit Elektronik, zumindest die etwas besseren und teureren. Sie haben eine hohe Auflösung, die Helligkeit ist im gesamten Bild annähernd gleich,  sie sind relativ unempfindlich für Gegenlicht usw. 

Light Painting Light Art Photography Helios 44

Was den neuen Hightech Linsen allerdings meist fehlt ist Charakter, genau wie der Fotografie im Allgemeinen immer mehr die Seele verloren geht. Da zählt die höchste Auflösung und das ausgefeilte Post Processing mehr als das eigentliche Bild. Viele Fotografen verlieren immer mehr den Blick für das Wesentliche und konzentrieren sich bei ihrer Arbeit hauptsächlich auf irgendwelche technischen Parametern und das Zählen der Pixel.

 

Manchmal gibt es allerdings auch noch den ein oder anderen Lichtblick wie das World Press Photo 2015Dieses Bild ist "technisch" eine Katastrophe, unscharf, verrauscht, der Kopf des Protagonisten angeschnitten usw. Allerdings nimmt dieses Bild trotz, oder vielleicht sogar wegen der technischen Mängel, den Betrachter sofort mit in die Szene und in das Thema. 


Bei der Arbeit mit alten, "unperfekten", manuellen Festbrennweiten gelingt es oftmals viel einfacher sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Für ein gutes Bild braucht man keine 50 Megapixel. Für ein gutes Bild braucht man kein Objektiv mit einer Auflösung von 85 lp/mm. Für ein gutes Bild braucht man kein ausgefeiltes Post Processing.  Für ein gutes Bild braucht man eine gute Idee und gutes Licht... und manchmal ein wenig Glück. 

 

Es ist für 99,99999% aller Bilder völlig egal ob das Objektiv bei offener Blende bis in die Ecken scharf abbildet und keine Vignette zeigt. Was gibt es denn in den Ecken der allermeisten Bilder Wichtiges zu sehen? Genau, gar nichts. Durch Unschärfe und Vignette wird der Blick des Betrachters auf das eigentliche Motiv, welches meist eher in der Bildmitte ist, gelenkt.

 

Wozu brauch ich im Jahr 2019 Objektive mit Blende f1,8 oder sogar noch größer?  In der analogen Fotografie hatten solche Objektive in vielen Bereichen, wie zum Beispiel der Konzertfotografie, ihre Daseinsberechtigung. Da konnte ich dann anstatt des sehr grobkörnigen Films mit ISO 3200 den gefälligeren Film mit ISO 800 in die Kamera einlegen. Und auch an den ersten digitalen Kameras waren sehr lichtstarke Objektive noch nützlich. Da war nämlich meist bei ISO 3200 Schluss und die Bilder mit ISO 3200 waren oft aufgrund des starken Bildrauschens unbrauchbar. Aber heutzutage sind lichtstarke Objektive eigentlich unnötig. Mit der Nikon D750 kann ich mit ISO Werten von 6400 oder auch noch höher sehr brauchbare Bilder aufnehmen. Durch den hohen Dynamikumfang moderner Sensoren kann man darüber hinaus auch noch sehr viele zunächst unsichtbare Informationen während des Post Processing aus dem RAW-Bild heraus kitzeln.

Ach ja, da war ja noch was... "Freistellen". Portraits, die mit einer 85 mm Linse bei f1,4 aufgenommen wurden gefallen allerdings meist nur dem Besitzer der teuren Linse. Der normale Betrachter findet das Portrait besser wenn nicht nur die Wimpern des linken Auges der hübschen Dame scharf abgebildet werden. Und, um die Dame vor dem Hintergrund freizustellen genügt bei 85 mm Brennweite Blende f2,8 ganz locker. Aber f1,4 klingt natürlich ähnlich beeindruckend wie eine Leistung von 500 PS im Personenkraftwagen. Aber letztendlich bin ich mit dem 190 PS Toyota meist genauso schnell am Ziel wie der Porsche wenn ich 300 Kilometer durch Deutschland fahre. 

Einzig in der Astrofotografie kann man dann mit der größeren Blendenöffnung trotz sehr hoher ISO-Werte vielleicht noch den ein oder anderen Himmelskörper mehr auf den Sensor bannen als mit f2,8. 

 

Im Light Painting brauche ich ohnehin keine Objektive mit f1,8 oder f1,4. Da wäre bei den allermeisten Bildern die Gefahr viel zu groß, dass die Lichtspur ausbrennt. Bei den meisten unserer Light Painting Bilder steht der Blendenring auf Werten zwischen 5,6 und 16.  Manchmal öffne ich am Ende der Performance die Blende auf 2,8 oder auch 2 um schwaches Restlicht in relativ kurzer Zeit mit aufzunehmen. 

"Analoge" Objektive an digitalen Kameras?

Wenn ich jedes mal 1 Euro für den Spruch "Ein altes analoges Objektiv kann man an der Digitalkamera nicht verwenden" bekommen hätte, wäre ich reich, sehr reich. Dass der Verkäuferdarsteller im blöd ist geil Laden solche Unwahrheiten verbreitet ist ja die eine Sache, der will schließlich etwas verkaufen und dem ist das meist auch völlig Schnuppe ob der beglückte Kunde nächste Woche wiederkommt. Wenn allerdings Fachverkäufer im Fotofachgeschäft so etwas von sich geben und der angehende ambitionierte Hobby-Fotograf das glaubt und nachplappert finde ich das sehr bedenklich. 

Auch ohne Abitur-Leistungskurs Physik dürfte wohl jedem klar sein, dass ein Objektiv immer analog ist. Vorne fällt Licht ein, hinten kommt es wieder raus. Im Weg, den das Licht zurücklegt, liegt ausschließlich Glas, egal wie viel elektronischer Schnickschnack ansonsten im Gehäuse des Objektivs verbaut ist. Fast jedes Objektiv lässt sich an fast jeder digitalen Kamera mit der Möglichkeit zum Wechsel des Objektivs benutzen. In manchen Fällen ist das ganz einfach, zuweilen etwas schwieriger. 

 

Einzig auf den Autofokus muss ich bei den ganz alten Linsen verzichten. Mir fällt das nicht sonderlich schwer. Die wenigsten Objektive in meinem Fotorucksack verfügen über einen Autofokus, auch neue Objektive wie das Laowa 12/2,8, das 8mm Fisheye oder das Samyang 14/2,8 werden komplett manuell gebaut. Auch Hersteller sehr hochwertiger Objektive wie Zeiss bauen fast alle Objektive auch heute noch ohne Autofokus. Der Grund dafür ist sicher nicht an den Produktionskosten zu sparen. In sehr vielen Situationen funktioniert der Autofokus eben nicht so zuverlässig wie die Fokussierung mit der Hand. Wenn ich manuell fokussiere konzentriere ich mich viel mehr auf die Arbeit, ich werde vom Knipser zum Fotograf.

Außerdem begann meine Karriere als Fotograf vor der Erfindung des Autofokus. Und selbst nach der weiten Verbreitung dieser Funktion in den 1980er Jahre benutzte ich die alten Kameras und Objektive weiter. Wer allerdings bisher ausschließlich mit Autofokus gearbeitet hat dürfte sicher einige Zeit zum Üben benötigen um auch ohne automatische Fokussierung schnell und präzise scharf zu stellen. 

Objektive mit dem gleichen Objektivanschluss

Das Nikon F-Bajonett wurde 1969 eingeführt und seitdem, von der Einführung elektronischer Verbindungen zwischen Kamera und Objektiv abgesehen, nicht verändert. Jedes Objektiv mit F-Bajonett kann ich also an die neue D750 stecken, egal ob die Linse ebenfalls neu oder 50 Jahre alt ist. Durch die fehlenden elektrischen Kontakte des Objektivs von 1972 funktionieren einige Dinge, wie zum Beispiel die Übertragung der Daten zur eingestellten Blende und zur Entfernung zum Motiv, nicht. Ebenso fehlt die Möglichkeit die Blende elektronisch über die Kamera zu steuern. Gerade für die Arbeit im Light Painting spielt das allerdings keine Rolle weil die Kamera ohnehin im manuellen Modus betrieben wird. Ich stelle die passende Blende am Blendenring des Objektivs ein, fokussiere mit der Funktion Live View manuell und die Belichtung steht auf "bulb" oder "time". 

Auch die Anschlüsse anderer Kameras wurden vor vielen Jahren eingeführt, das L-Bajonett von Canon zum Beispiel im Jahr 1984. Auch hier gibt es also eine große Auswahl an alten, gebrauchten, preisgünstigen Objektiven. Sehr viele alte Objektive wurden komplett aus Metall hergestellt und sind von ausgezeichneter mechanischer Qualität. Ein russisches Objektiv aus den 1970er Jahren wird mechanisch bei halbwegs pfleglichem Umgang noch weitere 30 Jahre seinen Dienst versehen. 


Von links oben nach rechts unten: Soligor 135mm/f2,8 Nikon F - Meyer Optik Görlitz Figmentum 85mm/f2 Nikon F - Meyer Optik Görlitz Figmentum 35mm/f2 Nikon F - Helios 44-2 58mm/f2 M42 - Pentacon 29mm/f2,8 Exa - Mir 1b 37mm/f2,8 M42 - Soligor 25mm/f2,8 Nikon F - Meyer Optik Görlitz Lydith 30mm/f3,5 M42 - Helios 44-2 58mm/f2 (modifiziert) M42

Objektive mit "Fremdanschluss"

An Systeme wie Sony E oder auch dem neuen Nikon Z ist es recht einfach auch fremde Objektive mithilfe eines passenden Adapters anzuschließen. Bei Nikon F wird es wegen des geringen Auflagemasses etwas schwieriger. Unmöglich ist aber die Adaptierung von Altglas auch hier nicht. Um mit dem Fremd-Objektiv bis Unendlich fokussieren zu können benötigt man einen Adapter mit Korrekturlinse. Das ist nicht besonders elegant und mit einigen Einschränkungen verbunden. Je nach verwendeter Brennweite kann ich dann zwar bis Unendlich fokussieren aber es verändert sich die Nahstellgrenze. Wenn es auf die Beibehaltung der Nahstellgrenze ankommt empfiehlt es sich einen Adapter ohne Korrekturlinse zu verwenden.

Für fast alle aktuell verwendeten Anschlüsse und viele alte Anschlüsse wie M42 oder M39 sind Adapter erhältlich. Rein mechanische Adapter kosten nur einige wenige Euro. Adpater mit Korrekturlinse für Nikon F sprengen auch kein großes Loch in die Geldbörse. Ich habe letztens einen solchen Adapter für 12€ gekauft. 

Wieso Altglas?

Die Gründe für die Verwendung von alten, manuellen Objektiven im Light Painting, oder auch in der Fotografie allgemein, können vielfältig sein:

- Das ein oder andere Objektiv hat man vielleicht noch aus Zeiten der analogen Fotografie in der Schublade. Oder man hat es geerbt oder geschenkt bekommen.

- Die meisten alten Linsen fühlen sich viel besser an als die neumodischen, klapprigen Objektive aus Kunststoff. Die Gehäuse, sowie die Mechanik sind komplett aus Metall gefertigt. Blendenring und Fokus laufen im Idealfall butterweich und sitzen perfekt auf den Punkt.

 - Auch wenn man die alten Objektive heute kauft muss man gewöhnlicherweise kein Vermögen dafür ausgeben.

- Weil die Objektive alle über einen Blendenring verfügen ist es möglich die Blende auch während der Belichtung zu verstellen. Die allermeisten modernen Objektive, gerade Zoom-Objektive,  haben keine Blendenringe mehr.

- Die Abbildungsleistungen sind oftmals viel besser als man für die geringen Preise erwarten würden. Besser als das Kit-Objektiv mit dem großen Zoom-Bereich sind sie in jedem Fall.

- Die meisten oben abgebildeten Objektive zaubern ein sehr schönes bzw. sehr besonderes Bokeh ins Bild. Das Bokeh vieler moderner Objektive ist hart und nicht besonders ästhetisch. Somit eröffnen sich viele neue Möglichkeiten im Light Painting. Einige, weiter unten gezeigte, Light Painting Bilder bestehen ausschließlich oder zu einem großen Teil aus Bokeh.

Welche Objektive sind besonders für Light Painting geeignet?

Helios 44-2 - mehr Bokeh geht kaum

Brennweite 58mm, größte Blende f2, Bildwinkel 40°, Nahstellgrenze 50 cm, Anschluss M42, Markteinführung 1951 als Helios 44, 8 Blendenlamellen, Gewicht 230g. Verbaut sind 6 Linsen in 4 Gruppen.

Bis heute wird das Objektiv mit leichten Veränderung vom russischen Hersteller KMZ  als Nachbau des Zeiss Biotar 58/2 gebaut. Ich weiß nicht wie viel Millionen Exemplare dieses Objektivs bisher gebaut wurden, einen Engpass gibt es jedenfalls nicht. Zu Preisen um 50€ findet man jederzeit bei ebay mehrere Exemplare in sehr gutem Zustand. Die Unterschiede zwischen den vielen verschiedenen Versionen (ich glaube, es sind sieben) sind teilweise nicht nur äußerlicher Natur. Es gab Exemplare mit 13 oder auch nur 6 Lamellen, das wirkt sich auf jeden Fall auf das Aussehen des Bokehs aus. Die beiden oben im Bild zu sehenden 44-2 haben unterschiedlich große Gehäuse. Aus diesem Grund konnte ich bei dem kleineren die Frontlinse nicht umdrehen. Dazu gleich mehr.

Mechanisch sind alle Exemplare, die ich bisher in den Fingern hatte, wirklich gut. Alles läuft butterweich. Offensichtlich gibt es aber auch Exemplare die etwas schwergängig sind, die Qualitätskontrolle bei der Fertigung scheint nicht die höchste Priorität gehabt zu haben.


Das quallenartige Bokeh wurde mit dem modifizierten Helios 44-2 aufgenommen. Ich habe sowohl das Frontelement als auch das hintere Element gedreht. Das geht bei diesem Objektiv denkbar einfach. Beide Elemente werden von außen mit einem Ring gehalten. In den Ringen sind zwei kleine Kerben. Mit einem Metalzirkel oder einer dünnen, spitzen Schere dreht man den Ring raus, dreht das optische Element um und schraubt dann den Ring wieder fest. Zweckmäßigerweise sollte man fusselfreie Baumwollhandschuhe dabei tragen damit keine Fettfinger auf die Gläser gelangen. Wenn das Objektiv schon mal geöffnet ist kann man bei der Gelegenheit auch gleich mal den Staub aus dem Inneren blasen. Bei härteren Fällen kann man auch den Rest des Objektives recht einfach  zerlegen und alles reinigen und gängig machen. Das Helios ist sehr wartungsfreundlich weil es sich eben einfach öffnen und schließen lässt und keine Elektronik verbaut ist.

 

Wie bereits oben erwähnt funktionierte der Umbau bei einem der beiden Exemplare nicht. Die Unterschiede sind recht leicht auszumachen. Bei der Version mit der Seriennummer auf dem Ring der Frontlinse funktionierte der Umbau. Bei der Version mit der Seriennummer auf dem Gehäuse des Objektivs konnte ich das Frontelement nicht drehen. Einige Kollegen haben neuere Varianten wie Helios 44M oder 44M-4 ohne Probleme modifiziert. Allerdings haben die Versionen 44M-4. 44K-4, 44M-5, 44M-6 und 44M-7 nur 6 Blendenlamellen und erzeugen somit ein weniger beeindruckendes Bokeh als die alten 44, 44-2 und 44M. Das Helios 44-7 hat eine Vorwahlblende und somit ein komplett anderes Gehäuse. Ob sich bei dieser Version das Frontelement drehen lässt vermag ich nicht zu sagen. Ich freue mich auf Deinen Kommentar wenn Du solch ein Exemplar besitzt und erfolgreich modifiziert hast.

Мир 1в (Mir 1b) - noch ein Objektiv mit sehr besonderem Bokeh

Brennweite 37mm, größte Blende f2,8, Bildwinkel 60°, Nahstellgrenze 70cm, Anschluss M42, Markteinführung 1954, Nachbau des Zeiss Flektogon, 10 Blendenlamellen, 6 Linsen in 5 Gruppen, Gewicht 185g.

Auch bei diesem Schmuckstück habe ich sowohl das vordere als auch das hintere Element gedreht. Das gelingt genauso leicht wie beim Helios. Das Bokeh sieht zwar anders aus, aber die Sogwirkung ist ähnlich stark wie beim umgebauten Helios.

 

Mechanisch ist, zumindest mein Exemplar, über jeden Zweifel erhaben. Alles läuft butterweich, nichts hat Spiel. Das Mir 1b ist allerdings nicht so leicht erhältlich wie das oben erwähnte Helios. Die meisten bei ebay angebotenen Objektive dieses Typs kommen aus Russland oder der Ukraine. Neben dem Preis von 70 bis 90€ kommen noch 15 bis 20€ Versandkosten dazu. Ein Besuch beim Zollamt bleibt dem Käufer sicher auch nicht erspart. Auf den Gesamtpreis kommen dann noch 19% Einfuhrumsatzsteuer hinzu. 

Mit ein wenig Glück findet man einen Verkäufer im Baltikum, dann bleibt man zumindest vom Zoll und 19% Aufpreis verschont.


Meyer Optik Görlitz Lydith 30/3,5 (alt)

Brennweite 30mm, größte Blende 3,5, Nahstellgrenze 33cm, M42 Anschluss , 10 Blendenlamellen, 5 Linsen, Gewicht 183g, Markteinführung 1964.

Dieses Objektiv baut die Firma Meyer Optik Görlitz seit einiger Zeit wieder. Es ist für 599€ auf der Website des Herstellers erhältlich. 

Hier geht es allerdings um die alte Version aus der DDR. Diese ist bei ebay zu Preisen ab 30€ in recht großer Stückzahl erhältlich. Neben Meyer Optik hat die Firma Pentacon das gleiche Objektiv gebaut. Ob es zwischen den beiden Varianten irgendwelche Unterschiede gibt vermag ich nicht zu beurteilen. Ich halte das aber für recht unwahrscheinlich. 

Für den recht schlanken Preis bekommt man das für Meyer Optik typische wunderschöne Seifenblasen-Bokeh und auch ansonsten ein sehr brauchbares Arbeitsgerät. Das Teil macht zwar nicht ganz so einen robusten Eindruck wie die aus einem Stück gefeilten Objektive aus der Sowjetunion, aber gut verarbeitet ist es auf jeden Fall. 

 

Das von mir ebenfalls gerne verwendete neue Figmentum 35/2 ist optisch kaum vom alten Lydith zu unterscheiden. Aus diesem Grund verkneife ich mir einen eigenen Abschnitt zu diesem Objektiv.


Soligor 25/2,8

Brennweite 25mm, größte Blende 2,8, Gewicht 225g., Nahstellgrenze 30cm, 8 Blendenlamellen, Anschluss Nikon F.

Über dieses Objektiv findet man kaum Informationen. Ich weiß nicht wann es gebaut wurde, vermutlich in den 1970er Jahren. Und wenn man nicht viele Informationen findet, ist das Objektiv auch nicht an jeder Straßenecke zu bekommen. Ich habe gerade bei ebay geschaut; es wird genau ein Exemplar zum Preis von 129€ angeboten. Für meins hatte ich 57€ gezahlt. Dieser Preis ist mehr als angemessen. Das Soligor kann locker mit anderen Objektiven wie dem viel teureren Nikkor 24/2,8 aus Kunststoff mithalten. Im Gegensatz zum Nikkor ist diese Linse auch gut für die Infrarot-Fotografie geeignet.

 

Gebaut wurde das Soligor auch mit M42 Anschluss, dieses lässt sich dann, so wie die anderen Linsen oben, mittels Adapter am modernen Spiegelreflexboliden oder der modernen Systemkamera montieren. 

 

Im Bereich Light Painting ist das eine sehr interessante Brennweite und die optische und mechanische Qualität ist sehr gut.  


Was steht noch auf dem Wunschzettel?

-Cyclop 85mm/f1,5. Bisher konnte ich kein Exemplar dieses Monsters für unter 200€ finden. Wenn ich der klassische Porträtfotograf wäre, hätte ich mir auch für 300€ schon längst solch ein Teil gekauft. Aber für den gelegentlichen Einsatz im Light Painting will ich eigentlich nicht mehr als 100€ ausgeben.

- Meyer Optik Görlitz Oreston 50mm/f1,8. Diese Linse wird eine der nächsten Anschaffungen werden, bei ebay stehen recht viele zu Preisen ab 40€ zum Verkauf.

- Meyer Optik Görlitz Trioplan 100mm/f2,8. Davon hätte ich schon gerne eins, allerdings bin ich nicht bereit einen Betrag im mittleren dreistelligen Eurobereich dafür auszugeben. Diese Brennweite kann man im Light Painting kaum sinnvoll einsetzen, aber ein feines Objektiv ist das schon.

- Meopta Belar 50mm/f4,5. Dieses Objektiv ist eigentlich nicht für die Verwendung an einer Kamera vorgesehen. Es handelt sich um ein Objektiv für Vergrößerungsapparate. Das Teil hat nur 4 Blendenlamellen, bei f5,6 erzeugt dieses Schmuckstück quadratisches Bokeh. Diese Objektive sind für den schmalen Taler erhältlich, allerdings habe ich bisher keine vernünftige Lösung gefunden wie ich das Teil an die Nikon adaptieren kann. Das Anschlussgewinde ist 23,5 mm. Objektive für Vergrößerungsapparate haben keine Fokussierung. 

Links

Adapter:

Fazit

Für viele Fotografen sind alte Linsen, vor allem das modifizierte Helios 44-2, nicht mehr als ein Spielzeug. Der Effekt kann in klassischen Portraits oder Makro-Blümchen-Fotos auch ziemlich schnell ziemlich überstrapaziert werden. Im Light Painting allerdings verschaffen die alten Linsen dem Light Painter neue, interessante Möglichkeiten, gerade in Kombination mit anderen Techniken und dem Wechsel des Objektivs während der Belichtung sind der eigenen Kreativität kaum Grenzen gesetzt. 

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Spaß mit dem Altglas und allzeit gutes Licht
Sven

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Instagram? Nein Danke!

Warum ich meinen Instagram Account gelöscht habe

Instagram war ja noch nie wirklich cool. Und vor Allem war Instagram noch nie geeignet um einem interessierten Publikum seine Kunst zu präsentieren. Instagram ist kurzlebig, Instagram ist oberflächlich. Was habe ich denn von den Likes bei Instagram? Richtig, ganz genau gar nichts. Die Hälfte der Likes stammt von irgendwelchen Robotern, 40% der Likes stammen von irgendwelchen Leuten die 3 Sekunden später vergessen haben, dass sie das Bild gesehen und "geliked" haben. Und die restlichen 10% der Likes stammen von Leuten, denen meine Bilder tatsächlich etwas bedeuten. 99% dieser Leute haben das Bild allerdings vorher schon woanders gesehen.

Andersrum sieht es nicht besser aus. Ich habe bei Instagram keine interessanten Light Painting Künstler entdeckt, die ausschließlich auf dieser sinnbefreiten Plattform unterwegs sind,  jedenfalls erinnere ich mich jetzt grad an keinen.

 

Die Zeit, die ich täglich dort verplempert habe hielt sich in Grenzen, mehr als 30 Minuten werden es wohl nie gewesen sein. Aber diese 30 Minuten kann ich auch mit etwas Sinnvollem verbringen, wie zum Beispiel mit dem Schreiben dieses Artikels oder der Umsetzung dieses Light Painting Bildes hier.

Light Painting

Problem Nummer Eins - Zensur

Light Painting

Ein Bild wie dieses könnte ich bei Instagram nicht zeigen. Vermutlich würde es nur 10 Minuten dauern bis irgendein Wichtigtuer das melden würde und Instagram das Bild und mich sperren würde. OHH MEIN GOTT - TITTEN! Mach schnell weg, das ist gefährlich! Da werden dann auch schon mal Bilder der Meerjungfrau-Statue in Kopenhagen gesperrt. Im Gegensatz dazu finden die Heuchler Hass und Gewalt ganz und gar nicht gefährlich, so etwas darf man dort ohne Zensur posten. Mir wird sich nie erschließen warum die Darstellung nackter Körper gefährlich sein soll. Und warum nackte Oberkörper von Männer geduldet werden und die von Frauen nicht. 

Recht befremdlich finde ich es, wenn die Künstler ihre Bilder selbst zensieren indem sie lustige Sternchen oder Streifen im Post Processing über die Nippel malen. Was soll dieser Quatsch? 


Beim Eigentümer Facebook selbst sieht es zwar nicht anders aus, allerdings will Facebook keine ausschließliche Plattform für Fotografie / Kunst sein. Bescheuert und heuchlerisch ist aber natürlich auch das. 

 

Genauso unverständlich ist für mich das Filtern des Streams. Wieso meint ein Algorithmus genau zu wissen was ich sehen will und was nicht? Das kann der doofe Computer gar nicht wissen weil er eben doof ist wie 'ne Scheibe Schwarzbrot. Da sehe ich also anstatt interessanter Light Painting Kunstwerke der geschätzten Kollegen irgendwelchen belanglosen Dreck wie zum Beispiel: 

Problem Nummer Zwei - Werbung

Dieses Problem habe ich erst seit letztem Jahr. Davor waren alle meine Mobiltelefone gerootet und somit werbefrei. *Notiz an mich selbst: Telefon rooten und Adblocker installieren.*  Bei Facebook wird man vermutlich genauso mit Werbung vollgeballert, das benutze ich allerdings meist am Computer, dort sehe ich ebenfalls keine Werbung. 

Grundsätzlich könnte ich es sicher tolerieren gelegentlich eine dezente Werbeanzeige angezeigt zu bekommen. Wenn ich allerdings innerhalb von 3 Minuten 3 Mal die gleiche bescheuerte Werbeanzeige für ein beknacktes Computerspiel angezeigt bekomme ist sofort Schluss mit Instagram. Die Werbedichte wurde, zumindest bei mir, in letzter Zeit massiv erhöht. Nach 3 Bilder wurde eine Werbung in den Stream geschleust. Wer soll so etwas aushalten? Ich jedenfalls nicht.

Problem Nummer Drei - Einschränkung der Reichweite

Wie bereits oben erwähnt filtert Instagram den Stream. Die Reichweite meiner Beiträge wird also künstlich eingeschränkt. Nicht alle meiner Follower bekommen den Beitrag zu sehen. Wie stark diese Einschränkung ist variiert. In der Hoffnung, dass ich endlich Geld bezahle damit mein Beitrag viele Likes bekommt wurde in letzter Zeit die Reichweite immer weiter künstlich eingeschränkt. 

Das mag mit like-geilen, unterbelichteten Teenagern die mit dem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen sind funktionieren aber doch nicht mit erwachsen Männern. 
Ich investiere doch kein Geld in diese merkwürdige Plattform wenn nicht die geringste Chance besteht auch nur einen einzigen Cent dort zu verdienen. Ich hatte das vor einigen Jahren mal mit einem Gutschein im Wert vom 10€ bei Fratzenbuch versucht. Diese Werbeanzeige hat genau gar nichts gebracht. Und das, obwohl ich bei FB im Gegensatz zu Instagram Links einbinden kann.

Problem Nummer vier - Bildgröße und Seitenverhältnis

Light Painting

Viele Light Painting Bilder funktionieren nicht auf dem kleinen Display des Smartphones. Vielen Bildern bekommt der quadratische Schnitt nicht gut. Bei der Arbeit an meinen Bildern denke ich in den allermeisten Fällen im Sensorformat, also 3:2. Die nachträgliche Änderung ist dann immer nur ein mehr oder weniger guter Kompromiss. Das natürliche Blickfeld  des Menschen ist nicht quadratisch, sonder eher 3:2 oder 16:9.

Bei den Instagram-Junkies mag das sicher anders aussehen. Vermutlich ist ihnen von vornherein klar, dass das Ergebnis im Format 1:1 dargestellt werden soll.


Seit einiger Zeit kann man zwar die Bilder auch in anderen Formaten bei Instagram posten, aber ein wirklicher Gewinn ist das nicht weil die dargestellte Bildfläche noch kleiner wird. Wichtige Details gehen dabei meist verloren. Man  könnte sich die Bilder zwar auch auf dem Rechner etwas größer ansehen, aber ich denke, das macht kaum jemand.

Instagram bringt keinen Nutzen...

... zumindest, wenn es darum geht die Mitmenschen für die eigene Kunst zu begeistern. Die Reichweite bei Instagram ist völlig bedeutungslos. Egal ob 150, 15000 oder nur 15 Leuten mein Bild gefällt, die wenigsten Likes sind echt. Entweder sind sie von irgendwelchen Robotern generiert oder von Mitmenschen, die sich erhoffen als Gegenleistung selbst ein Like zu bekommen. Wie viele meiner zuletzt 1500 Follower "echt" waren und meinem Stream folgten weil sie tatsächlich die Bilder sehen wollten kann ich natürlich nicht empirisch belegen, mit ein wenig Wohlwollen werden es wohl nicht mehr als 10% gewesen sein. Es geht mir dabei auch nicht nur um meine Befindlichkeiten, der gesamten Light Painting Szene nutzt dieser aufgeblasene Blödsinn meiner Meinung nach ebenfalls sehr wenig, Zur Steigerung der Popularität und Akzeptanz dieser besonderen Kunstform trägt Instagram nicht bei. Im besten Fall wurde mein Stream mit immer mehr Stahlwolle -oder ewig gleichen Tube-Bildchen überschwemmt. Meinen Ansprüchen genügt es vollkommen diese Bilder einmal zu sehen. Eine große Reichweite bekommen dort nicht die wirklich großartigen, kreativen Light Paintings sondern eher das fünf tausendste langweilige Bild der Stahlwolle-Schwinger.

 

Aber vielleicht fehlt mir einfach nur der Weitblick. Für viele Instagramer scheint dieses Getue dort so wichtig zu sein, dass sie Geld ausgeben und viel Zeit auf Instagram verbringen um immer mehr Follower und Likes für ihren mittelmäßigen Content zu bekommen. Diese Menschen sind so seltsam uneitel, dass für sie nur die Zahlen zählen und nicht die Qualität ihrer Bilder. Für mich ist das völlig unverständlich. 

Gibt es Alternativen zu Instagram?

Wenn ich das auf das Thema Light Painting beschränke gibt es seit einigen Tagen eine gute Alternative, den Stream in der LightPainters.com App. Die App steckt noch in den Kinderschuhen hat aber sicher ein großes Potential. Von den Einschränkungen der Anzeigegröße ist diese App aber genauso betroffen. Hier hilft aber ein Besuch der Website, auf dieser wird der Stream ebenfalls dargestellt. 

 

Ansonsten bleibt mir noch der Verweis auf flickr. Flickr fehlt zwar der Coolness-Faktor, aber dafür bleibe ich dort von den ganzen oben genannten Unzulänglichkeiten verschont. Dort sind kein like-geilen Teenager und Roboter unterwegs, ich muss keine Werbung sehen, meine Reichweite wird nicht eingeschränkt usw. Und nicht zu vergessen die sehr aktiven Light Painting Gruppen, die es seit sehr vielen Jahren bei flickr gibt. Gruppen wie Light Junkies haben enorm die Popularität der Kunstform Light Painting gefördert. Ohne diese Gruppen würde es vermutlich heute nicht einmal halb so viele Light Painter auf der Erde geben. Und dafür bezahle ich gerne ein paar € für meinen Pro-Account. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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X21R - Lohnt sich die Neue für den Light Painter?

Light Painting mit dem 5000 Lumen Schwergewicht

5000 Lumen? Da zuckt der Profi im Jahr 2019 nur müde mit den Schultern. Da geht heutzutage schon mehr... viel mehr, wie Taschenlampen, wie die letztens gesteste Sofirn SP36, oder auch die Imalent DX80 zeigen. Letztere ballert mit den 8 verbauten Cree XHP70.2 Led's  32000 Lumen aus dem kleinen Lampenkopf, also soviel Licht wie ZEHN Led Lenser X21R.2 zusammen. Und wem das immer zu wenig ist: Imalent MS12.

Aber hohe Zahlen bei der Angabe des Lichtstroms sind nicht alles. Im Light Painting interessieren mich auch noch einige andere Aspekte wie Handhabung, Verarbeitungsqualität, Laufzeit, Betriebstemperatur, Form und Größe des Beams, Lichtfarbe, Größe, Gewicht, Preis usw. 

 

Dann schauen wir uns die neue Led Lenser X21R mal genauer an:

Light Painting Taschenlampe
Led Lenser X21R.2 und X21R (neu)

Warum Fokus?

Light Painting

Einige geschätzte Light Painting Kollegen und vor allem die Taschenlampen-Profis belächeln einen zuweilen wenn man mit einer Led Lenser Lampe unterwegs ist. "Mit einem Thrower und einem Flooder brauch ich keinen Fokus" höre ich häufiger. Zwei gute, helle Lampen, eine mit weitem und eine mit engem Lichtstrahl, sind dann meist auch viel kleiner, leichter und zuweilen zusammen preisgünstiger als die eine dicke X21R.

Viele alte Hasen im Light Painting benutzen allerdings fokussierbare Taschenlampen, vor allem die X21R.2 von Led Lenser. Und das machen sie aus gutem Grund und nicht etwa weil sie nicht informiert sind.
Im Beispielbild kamen zur Ausleuchtung der Light Painting Szene eine Led Lenser X21 (UV-Version) sowie die X21R.2 zum Einsatz. 


Zuerst hatte ich den Orb gedreht. Im nächsten Schritt hatte ich die Kugel im Vordergrund ausgeleuchtet. Dazu hatte ich den Fokus der X21 genau auf die Größe der Kugel eingestellt. Im nächsten Schritt hatte ich die Lampe enger fokussiert damit der Lichtkegel genau die Größe der hinteren Kugel hat.  Als letzten Schritt habe ich mit der weit fokussierten X21R.2 den Rest der Szene ausgeleuchtet. Eine solche Vorgehensweise wäre mit festem Fokus kaum möglich. 

 

Viele Aufgaben im Light Painting kann man natürlich auch ohne Fokussierung komfortabel erledigen, aber manche eben nicht wie das Beispiel zeigt.  Der eigentlich wichtige Aspekt ist, dass der Lichtkegel in jeder Fokus-Stellung sehr homogen ist. Bei fast allen Throwern geht ein Teil des Lichtes am eigentlich engen Lichtstrahl vorbei. Ich leuchte also benachbarte Bereiche ungewollt mit aus. Oftmals stört das zwar nicht sehr, aber in manchen Situationen eben doch. Und viele Flooder haben ebenfalls keinen sehr homogenen Lichtkegel sondern projizieren lustige Kringel in den Beam.

 

Für andere Aufgaben im Light Painting ist ebenfalls ein gutes Fokus-System von Vorteil. Mit kleinen Lampen wie der Led Lenser P5R.2 oder M3R ist es einfach auch längere Rohre oder Stäbe aus Acrylglas gleichmäßig auszuleuchten weil ich den Fokus auf die Länge anpassen kann.

Erster Eindruck

Was sich die Marketingabteilung von Led Lenser bei der Wahl des Namens gedacht erschließt sich mir ganz und gar nicht. Vor der X21R.2 (im Bild oben links) gab es nämlich schon mal eine X21R. In einigen Shops ist diese auch immer noch erhältlich. Beim Kauf sollte man also genau schauen ob es sich bei dem Angebot um die alte oder neue X21R handelt. Ich hätte das Teil logischerweise X21R.3 genannt. Aber ich bin ja auch kein "Marketingfachmann". 

Die neue X21R gleicht dem Vorgänger X21R.2 inkl Koffer und Zubehör wie ein Ei dem Anderen. Einzig am roten Ring am Lampenkopf kann man sie sofort unterscheiden. Bei genauerem Hinsehen fallen die größeren Led's ins Auge. 

 

Nun hätte man zum Beispiel das Fokussystem verbessern können. Dieses ist zwar optisch über jeden Zweifel erhaben, von der Bedienung her könnte sich Led Lenser allerdings beim Mitbewerber Walther Pro 'ne Scheibe abschneiden. Da lässt sich auch bei den dicken XL7000R oder XL8000R der Kopf mit dem Daumen hin- und herschieben. Dagegen ist eine Bedienung der X21R mit einer Hand eigentlich nicht möglich. Gute Alternativen sind die Walther Lampen aber für mich trotzdem nicht. Die Firma baut Waffen, die sie in Krisengebiete exportieren. Das ist nicht gut für's Karma wenn man so etwas kauft, abgesehen von den Unzulänglichkeiten der Steuerung der Walther Lampen.

 

Für mich überwiegen aber letztendlich die Vorteile durch die Bruderschaft zur X21R.2. Der Akku ist gleich, somit ist also auch das Ladegerät das gleiche. Ein Ersatzakku ist schwer erhältlich und teuer. Für 2 oder 3 Lampen genügt mir dann ein Reserveakku. Hätte Led Lenser das Design geändert bräuchte ich mindestens zwei.  Alle anderen Zubehörteile wie Stativhalter und Wegrollschutz sind ebenfalls für beide Modelle passend. Das spart auf Reisen Gewicht und Stauraum. Als Light Painter schleppen wir ohnehin schon immer viel zu viel Zeugs durch die Botanik. 

Messwerte

Light Painting Taschenlampe

Zuerst hat mich interessiert ob die Angaben des Herstellers den Tatsachen entsprechen und wie stark die Lampe die Helligkeit reduziert.

Die vom Hersteller angegeben 3500 Lumen in der hellsten Stufe werden in den ersten 3 Minuten etwas übertroffen. Angemerkt sei hier, dass mein Messaufbau  keiner wissenschaftlichen Prüfung standhält. Im Vergleich mit anderen Taschenlampen sind die Werte allerdings plausibel. 

Die Lampe war während der Messung im Constant Current Mode, dieser regelt eigentlich, wie der Name schon sagt, einen konstanten Strom. Wenn dem tatsächlich so wäre, würde die Helligkeit nicht in den ersten 15 Minuten nach dem Einschalten um über 25% abnehmen. 


Für Led Lenser Verhältnisse ist das allerdings kein schlechter Wert. Die MT18 zum Beispiel regelt innerhalb einer Minute von den angegebenen 3000 Lumen auf magere 1200 Lumen runter. Wohlgemerkt ebenfalls im Constant Current Mode. 1200 Lumen trage ich permanent an meinem Gürtel - Convoy S2, 122 mm Länge, 24 mm Durchmesser, 80g Gewicht, ca. 20€ Anschaffungspreis.

 
Grundsätzlich ist es natürlich eine gute Idee die Lampe runterzuregeln um sie vor Überhitzung zu schützen. Wenn diese Regelung tatsächlich temperaturgesteuert ist, halte ich den Entwickler für ziemlich paranoid. 48°C am Lampenkopf halte ich für absolut harmlos. Meine eigenen modifizierten Taschenlampen regeln, wenn überhaupt, erst bei 65°C herunter. Die Raumtemperatur lag zum Zeitpunkt der Messung bei 30°C. Bei Gelegenheit werde ich die Messung bei geringerer Temperatur wiederholen.  

 

Bei der Verwendung als "normale Taschenlampe ist die Abnahme der Helligkeit nicht problematisch. Bei der Verwendung solcher Lampen im Light Painting bringt das allerdings oftmals einige Schwierigkeiten mit sich. Durch die Hell-Dunkel-Adaptierung des Auges ist die Abnahme der Helligkeit nicht sichtbar. Die Kamera sieht das allerdings sofort. Wenn ich also mit der X21R eine größere Light Painting Szene ausleuchte werden unter Umständen Unterschiede in der Helligkeit im Bild sichtbar.

 

Die für den Turbo-Modus angegebenen 5000 Lumen wurden in meiner Messung knapp verfehlt. Allerdings habe ich diese Messung direkt im Anschluss an die erste Messung gemacht. Der Lampenkopf hatte beim Einschalten des Turbo also schon eine Temperatur von 48°C. 

X21R.2 vs. X21R

Brauche ich die neue X21R wenn ich schon die X21R.2 habe? Das ist eine gute Frage. Bisher bin ich mit der X21R.2 noch nie an irgendwelche Grenzen gestoßen. Weder hat die Helligkeit mir nicht gereicht, noch hat der Akku jemals während des Light Painting schlapp gemacht, selbst wenn es mal etwas länger gedauert hat. 

Also meine Motivation zum Kauf waren einerseits Neugier und andererseits die höhere Helligkeit. Mit 5000 Lumen gehen einige Dinge einfach etwas schneller, aber wirklich wichtig ist das für die meisten Light Painting Bilder nicht.

Nach meinen Messungen regelt die neue X21R etwas moderater runter als die X21R.2. Ob das aber Auswirkungen auf die Arbeit hat kann ich im Moment noch nicht beurteilen. Nebenbei gefällt mir die etwas wärmere Lichtfarbe der Led's gut.

Light Painting Taschenlampe

Light Painting Taschenlampe
Led Lenser X21R.2
Light Painting Taschenlampe
Led Lenser X21R (neu)

Die höchste Stufe mit 5000 Lumen lässt sich allerdings nicht komfortabel benutzen. Um diese zu erreichen muss man nämlich den Schalter gedrückt halten. Wenn man ihn durchdrückt geht die Lampe sofort in den High Modus mit 3500 Lumen. Aus diesem Grund ist in der Messung von oben nur 1 Minute angegeben. Kaum jemand wird wohl den Schalter länger als 1 Minute in der halben Stellung festhalten wollen. 

Die X21R.2 zeigt ein ähnliches Verhalten wenn man nach einer Weile die Lampe ausschaltet blitzt sie beim Betätigen kurz nochmal in der maximalen Helligkeit. Auch ansonsten hat sich an der Bedienung nichts geändert, von einigen neuen Blitzmodi in der neuen X21R mal abgesehen. Auch die stufenlose Helligkeitsregelung hat die neue X21R von der X21R.2 geerbt. Das ist bei dem großen Helligkeitsunterschied zwischen High (3500 Lumen) und Low  (200 Lumen) sehr sinnvoll. Oftmals sind 3500 Lumen zu viel und 200 Lumen viel zu wenig.

 

Aktuell ist der Preis für die neue X21R geringer als für die X21R.2. Schon aus diesem Grund würde ich letztere nicht mehr kaufen.

Fazit

Was mir gefällt:

- Die hohe Helligkeit.

- Der saubere, homogene Lichtkegel in jeder Fokusstellung.

- Die Kompatibilität zur alten alten X21R.2 (Akku, Ladegerät, Zubehör)

- Der Drehschalter mit der Möglichkeit die Lampe zu sperren.

- Die neutrale Lichtfarbe der Led's.

- Das magnetische Ladesystem

 

Was mir nicht gefällt:

- Die fehlende Möglichkeit die Lampe mit normalen Akkus (32700) bzw. mit normalen Batterien (D-Zellen) zu betreiben. Wenn der Akku-Stab während des Light Painting alle ist, ist er alle. Ein Ersatz-akkustab ist schwer erhältlich und mit 150€ alles andere als ein Schnäppchen. Einzelne 32700 Akkus kosten ca. 10€ pro Stück.  

Light Painting Taschenlampe

- Die recht paranoide Helligkeitsregelung. Der große Lampenkopf könnte meiner Meinung nach durchaus höhere Temperaturen unbeschadet überstehen.  

- Das Fokussystem lässt sich eigentlich nur mit zwei Händen vernünftig bedienen. Das geht besser, wie bereits weiter oben erwähnt.

- Die X21R steht auf dem Hinterteil, genau wie ihr Vorgänger auch, alles andere als sicher weil der Kopf recht groß und schwer ist. Auf leicht unebenen Untergrund kippt sie sofort um. Bei etwas stärkerem Wind sollte man sie lieber auch nicht hinstellen. Abhilfe könnte Led Lenser eventuell durch einen anderen/größeren Wegrrollschutz am Ende der Lampe schaffen. Wenn ich sie in der Location nach oben leuchten lassen will befestige ich meist eine Manfrotto 035 Klemme unten an der Lampe um die Standsicherheit zu erhöhen. 

- Die Lampe ist groß, schwer und nicht gerade ein Schnäppchen.

 

Letztendlich habe ich den Kauf nicht bereut. Mit der X21R baut die Firma Led Lenser ein grundsolides, zuverlässiges Werkzeug für den Light Painter. Den sauberen Beam sowie die große Helligkeit möchte man im Light Painting irgendwann nicht mehr missen wenn man eine Weile mit der X21R, oder dem Vorgänger X21R.2,  gearbeitet hat. Gewöhnlicherweise sind die Lampen sehr langlebig. Die X21R.2 nutze ich ohne Probleme seit vielen Jahren. Besonders sorgsam gehe ich mit meinen Taschenlampen nicht gerade um. Sie mussten schon so manchen Sturz, Regenschauer und andere Widrigkeiten überstehen. Auch einige Kleinigkeiten wie die einfache Möglichkeit zur Befestigung von Farbfiltern mithilfe des Wegrollschutzes oder den mitgelieferten Halter um die Lampe auf einem Stativ befestigen zu können möchte ich mittlerweile nicht mehr missen. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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6000 Lumen für die Hosentasche

Sofirn SP36 - die ultimative Light Painting Taschenlampe ?

Light Painting Sofirn SP36

Zugegeben, in der Hosentasche trägt die Lampe etwas auf aber sie passt, zumindest in meine Hosentasche, hinein. Die Lampe wiegt inkl. Akkus 429g, sie ist 126mm lang und hat einen Durchmesser von ca. 50mm.

 

Im Kopf sind 4 Cree XPL-L2 Led's verbaut. Die vom Hersteller angegeben 6000 Lumen klingen nicht nur brachial, sie sind auch brachial. Zumal in der Realität diese 6000 Lumen noch übertroffen werden.

Ebenso wie die kleine Schwester Q8 mit "nur" 5000 Lumen stammt das ursprüngliche Design aus dem Budget Light Forum.

Die Lampe ist gut verarbeitet, besser als man bei dem geringen Preis erwarten würde. Durch die Konstruktion mit dem breiten flachen Hinterteil steht sie auch auf nicht ganz ebenen Flächen sicher. 

Geliefert wird die Lampe in einem schlichten Karton mit 3 18650 Akkus, einem USB-C Ladekabel, Ersatzdichtungen und einer Bedienungsanleitung. Ein Lesen dieser ist nicht nur für alte, halbblinde Menschen wie mich wegen der mikroskopisch kleinen Schrift ein Zumutung. Die Anleitung als gut lesbares PDF findest du hier.


Es werde Licht!

Direkt nach dem Einschalten haut die SP36 sagenhafte 6600 Lumen raus. In den ersten 10 Sekunden pendelt sich der Lichtstrom bei den vom Hersteller angegebenen 6000 Lumen ein. In dieser Helligkeit leuchtet das Monster dann ca. 2 Minuten. Danach taktet der Treiber die Lampe auf 56% runter. Nach weiteren 5 bis 7 Minuten arbeitet die Lampe mit 29% des maximalen Lichtstroms. 29% klingt recht wenig, wir reden hier aber immer noch über ca. 2000 Lumen. Zum Vergleich, die dicke Led Lenser X21R.2 leuchtet nach dieser Zeit nur noch mit ca. 1200 Lumen.

Wo Licht ist, ist auch Schatten...

... oder besser gesagt Wärme. Das kleine Gehäuse wird bei voller Helligkeit schnell heiß. Im Winter kann man sich nach einigen Minuten Betrieb gut die Hände wärmen. Die oben erwähnte Regelung dient einzig dem thermischen Schutz der Elektronik und nicht der künstlichen Verlängerung der Laufzeit. 

 

Mit einem Lichtstrom von ca. 2000 Lumen leuchtet die kleine Lampe allerdings so lange bis die Akkus leer sind. Dabei steigt die Temperatur nicht über 55°C. In dieser Einstellung kann man dann auch ganz beruhigt Farbfilter am Lampenkopf anbringen. In der höchsten Leuchtstufe könnte die Folie, oder wahrscheinlich eher noch das Gaffa-Tape um die Folie zu befestigen, in Flammen aufgehen. Auf jeden Fall sollte nur hitzebeständige Scheinwerferfolie vor die SP36. An einem vernünftigen, hitzebeständigen  Befestigungssystem wird gerade noch getüftelt. Vielleicht nimmt auch das Light Painting Paradise demnächst noch andere Größen des Halters für die Farbfilter mit ins Programm. Bisher ist das System nur für die Led Lenser MT18 erhältlich.

 

Ganz Mutige können die Temperaturregelung ändern oder sogar komplett ausschalten. Dann leuchtet die Lampe so lange mit der maximalen Helligkeit bis die Elektronik ausglüht, die Akkus explodieren oder das Aluminium anfängt zu schmelzen. Ich habe die Regelung bei der Werkseinstellung von 55°C belassen, ich will noch eine Weile Freude an der Lampe haben.

Steuerung

Im Gegensatz zu den meisten Taschenlampen mit 3 oder 5 verschiedenen festen Modi gefällt mir das Konzept der SP36 ausgesprochen gut. In der Grundeinstellung ist die Lampe im Ramping-Modus. Einschalten, so lange den Schalter gedrückt halten bis die gewünschte Helligkeit erreicht ist, Schalter loslassen und schon ist diese Einstellung gespeichert. Bei jedem Druck auf den Schalter schaltet die Lampe in dieser vorgewählten Helligkeit ein bzw. aus. Durch erneutes Drücken und Halten wird die Helligkeit wieder verändert. Der Ramping-Modus funktioniert dabei vorwärts und rückwärts. Das Erreichen der maximalen Heiligkeit wird durch einmaliges kurzes Blinken signalisiert. Mit der gespeicherten Helligkeit ist dann eine saubere, reproduzierbare Arbeit im Light Painting möglich.

Ein Doppelklick schaltet die Lampe in diesem Modus immer in die hellste Stufe, ein weiterer Doppelklick in den ersten Strobe-Modus. Strobe mit 6000 Lumen ist alles andere als ein Spaß! Also Vorsicht damit. 

 

Durch viermaliges Drücken wird die Lampe gesperrt. Das erspart das Entfernen der Akkus beim Transport. Durch fünfmaliges Drücken wird der Schalter der Lampe in den Taster-Modus umprogrammiert. Jetzt leuchtet die Lampe nur so lange wie man den Schalter gedrückt hält. Für viele Einsatzzwecke im Light Painting kann das sehr nützlich sein.

 

Der Treiber der Lampe lässt sich allerdings auch umprogrammieren wenn man statt des Ramping-Modus lieber feste Leuchtstufen haben will. Es können 12 verschieden Modi mit jeweils 1 bis 7 vorgegebenen Helligkeitsstufen programmiert werden. Von Modus 1 (nur volle Helligkeit) bis zu den 7 Stufen mit 0,18, - 0,7 - 1,8 - 3 - 29 - 56 und 100% Leistung wird sicher für jeden Bedarf und Geschmack die passende Einstellung vorhanden sein. Darüber hinaus lässt sich beispielsweise die Indikator-Led im Schalter abschalten und noch einige andere Dinge mehr.

 

Man muss sich zwar die Mühe machen die Anleitung zu lesen um die Lampe an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, aber der Aufwand lohnt sich. Da ich auch nicht mehr der Jüngste bin hab ich mir die PDF-Datei auf mein Mobiltelefon kopiert und kann dann also bei Bedarf auch während des Light Painting nachlesen wie das Schmuckstück gesteuert wird.

Braucht man 6000 Lumen im Light Painting?

Haben ist besser als brauchen. Viel interessanter als die brutalen 6000 Lumen ist für mich allerdings eher die Möglichkeit die Lampe mit über 3000 Lumen mehrere Minuten zu betreiben oder mit 29% auch noch länger. Was mir ebenfalls gut gefällt ist, dass die Stufen sehr stabil sind, also die Helligkeit nicht langsam abnimmt um die Laufzeit künstlich zu verlängern wie bei vielen anderen Lampen. Im Momentary-Mode (Taster) kann man die Lampe gut als Blitz verwenden, der kompakte Aufsteckblitz liefert jedenfalls kaum mehr Licht.

 

Für die Verwendung an den meisten Light Painting Tools ist die Lampe zu groß und zu schwer. Die volle Helligkeit kann man kaum sinnvoll an den Tools einsetzen. Die verschiedenen Strobe-Modi sind ebenfalls viel zu hell. Es besteht die Gefahr, dass die Hitze das Tool beschädigt. Außerdem wird die Wärme nicht mehr vernünftig abgeleitet wenn man die Lampe beispielsweise in einen Tube steckt. Für diese Zwecke ist die kleinere Sofirn SP32A mit einem sehr ähnlichen Bedienkonzept und maximal 1300 Lumen viel besser geeignet. 

 

Für die Ausleuchtung großer Räume, Gebäude oder Landschaften kann man die Lampe allerdings sehr gut verwenden. Selbst wenn man sie "nur" in der zweiten Stufe mit 56% betreibt hat sie mehr Power als die dicke Led Lenser X21R.2, und das bei viel geringerer Größe, einem Bruchteil des Gewichts, und vor allem des Preises.

Fazit

Was mir gefällt:

- Die große Helligkeit.

- Der geringe Preis, aktuell kostet die Lampe bei Amazon inkl. Akkus 89,99€. Zum Vergleich: die neue Led Lenser X21R mit maximal 3200 Lumen kostet mehr als das Dreifache, die Led Lenser MT18 mit angegebenen 3000 Lumen kostet das Doppelte.

- Die Akkus lassen sich austauschen. Wenn bei der dicken Led Lenser der Akku alle ist, ist die Light Painting Session beendet, es sei denn man schleppt noch ein zweites Exemplar (1,3kg und noch mal 300€) mit sich rum. 

- Die kompakte Größe und das geringe Gewicht.

- Die recht gute Verarbeitung der Lampe.

- Die durchdachte, sehr flexible Steuerung.

- Die Helligkeit nimmt in der gewählten Stufe kaum ab. Die Schutzschaltung schaltet in großen, und somit sofort sichtbaren, Stufen runter.

- Der Schalter hat einen guten Druckpunkt. Die Lampe lässt sich in jeder Situation sicher und sauber steuern.

- Der USB-C Port zum Laden der Akkus in der Lampe, auch wenn der maximal mögliche Strom nicht ausgereizt wird und somit die Ladezeit recht lang ist. Ich muss nicht noch ein zusätzliches Ladegerät wie für die X21R.2 mitschleppen wenn der Light Painting Ausflug einige Tage dauert. Die Lampe lässt sich zur Not auch mit einer Powerbank, über den Zichtenanzünder im PKW oder einem Solar-Panel, also komplett ohne Netz, laden. 

 

Was mir nicht so gefällt:

- Mit einem OP-Reflektor würde die Lampe sicher einen homogeneren Lichtkegel raushauen und somit die Ausleuchtung etwas einfacher machen. Leider konnte ich keine Variante dieser Lampe mit einem anderen Reflektor finden. Abhilfe schafft hier ein Stück Backpapier.

- Die Farbtemperatur ist nicht wählbar. Es werden ausschließlich Led's mit 5350 - 5700k verbaut. Ich hätte lieber etwas wärmere Led's mit 3500 - 4000k. Vielleicht erbarmt sich der Hersteller ja mal irgendwann und bietet andere Varianten an. Aber auch hierfür ist das Backpapier erstmal eine gute Lösung.

- Keine Möglichkeit zur Befestigung der Lampe an einem Stativ, da muss dann eine Manfrotto 035 ran. Ebenfalls fehlt eine Öse zur Befestigung einer Handschlaufe, könnte zum Sichern der Lampe manchmal ganz nützlich sein. 

 

Mit der SP36 erhält man für den mehr als angemessenen Preis von derzeit 90€ inkl. 3 18650 Akkus eine brutal helle, kleine, leichte  Lampe welche durch die vielen verschiedenen Möglichkeiten der Steuerung wirklich gut für den Light Painter geeignet ist. In der Stufe mit 2000 Lumen ist die Lampe dauerbetriebsfest; das sollte für die allermeisten Light Painting Bilder ausreichend sein. Die Lampe liegt gut, und durch den geriffelten Griff sicher, in der Hand. 

 

Allzeit gutes Licht mit dem Lichtmonster

Sven

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Warum ich immer noch keine spiegellose Vollformatkamera kaufe

Don't believe the hype!

Mein Artikel zum Hype um Kameras wie der Sony α 7 ist mittlerweile über 2 Jahre alt. Zeit zum Auffrischen also. Vielleicht haben mich die Hersteller der angesagten, modernen Technik mittlerweile umgestimmt. Den alten Artikel findest Du hier

 

Ich bin natürlich kein Maßstab weil ich nicht alles sofort kaufen muss was vermeintlich neu und chic ist. Ich hinterfrage viele Dinge, die die meisten Zeitgenossen (erst einmal) als gegeben hinnehmen. Meist genügt es schon irgendwelche "Wahrheiten" oft genug zu wiederholen. Viele "Fachzeitschriften" und "Experten" im Internet übernehmen die blumigen Versprechen der Hersteller meist recht unkritisch. Aber ich schweife ab... Zurück zur Technik.

 

Um es mal gleich vorweg zu nehmen, ich renne immer noch mit Nikon D750, D300 und D300s durch die Gegend. Aber vielleicht kommt irgendwann die Zeit des Wechsels auf die Kamera ohne Spiegel. So langsam geht die Entwicklung dieser Kameras jedenfalls in die richtige Richtung. Bei den spiegellosen Nikons kann ich zumindest den elektronischen Sucher und die Hintergrundbeleuchtung des Displays ausschalten. Das Display der Sony α 7RIII  hat während der langen Belichtung die gesamte Zeit über lustig geleuchtet und somit den Akku leer gelutscht und das Gehäuse unnötig erwärmt. Für Langzeitbelichtung und Light Painting ist so etwas völlig ungeeignet.

Was gibt es Neues?

Mittlerweile sind die Freunde im Sonderbezirk 千代田区 aus dem Koma erwacht und bauen mit der Z6 und Z7 zwei ähnlich "coole" Kameras wie der Mitbewerber Sony. Alles was Sony bei den α 7 Modellen falsch gemacht hat versuchen sie besser zu machen. An einigen Punkten gelingt ihnen das sogar. Auch der Platzhirsch Canon baut mittlerweile Kameras ohne optischen Sucher und Spiegel. Bisher hatte ich noch keine Canon R in der Hand, ich kann also über diese Kameras nicht viel Erhellendes berichten. 

Die Z6 und Z7 fühlen sich gut an. Die Bedienung ist, im Gegensatz zu den vielen Merkwürdigkeiten der Sony-Kameras, gewohnt gut und durchdacht. Jeder Nikon Fotograf dürfte kaum Schwierigkeiten beim Umstieg von der DSLR auf die neuen Kameras haben. Die Ausstattung ist gut. Einzig, dass man ausschließlich eine XQD Karte zum Speichern der Bilder verwenden kann ist ärgerlich. Platz für ein zweites Kartenfach für SD-Karten wäre sicher vorhanden, so klein ist das Gehäuse ja nun auch nicht.

Lohnt sich denn nun die Anschaffung des neuen Systems?

Für die Nikon Z6 gestaltet sich der Vergleich für mich recht einfach weil ich aktuell meist mit der D750 arbeite. Bisher hatte ich noch keine Möglichkeit die Z6 ausgiebig zu testen, die meisten Aspekte lassen sich aber auch ohne Langzeitstudie gut vergleichen. In der Z6 ist der gleiche Sensor wie in der D750 verbaut, die Z7 wird mit dem Sensor der D850 bestückt. Ich habe also höchstwahrscheinlich keine Vorteile was die Bildqualität anbelangt. Vermutlich wird sogar das Bildrauschen etwas stärker ausgeprägt sein weil die etwas kleineren Gehäuse die Wärme nicht so gut vom Sensor ableiten können wie die dicken DSLR's.

 

Die Z6 wiegt laut Hersteller inkl. Akku und Speicherkarte 675g. Um meine Objektive am neuen System nutzen zu können bräuchte ich den FTZ Adapter, dieser wiegt 136g. Macht zusammen 811g. Die Nikon D750 wiegt laut Hersteller inklusive Akku und Speicherkarten 840g. Sagenhafte 29 Gramm weniger im Fotorucksack! 

Die Größe der Z6 ist mit 100,5 x 134 x 67,5 mm angeben, die D750 ist mit 113 x 140 x 78 mm etwas größer. Mehr freien Platz im Fotorucksack verschafft mir das allerdings nicht, schon gar nicht, wenn der Adapter montiert ist. Dann wird die Z6 plötzlich sogar "dicker" als die DSLR. An diesem Punkt habe ich also nicht geringsten Vorteil. 

Beim Vergleich der Z7 mit der D850 sieht es ein wenig anders aus. Die D850 ist ca. 160g schwerer als die D750. Nikon Z6 und Z7 wiegen das Gleiche. Aber auch hier reden wir von einer Erleichterung für den Rücken von nur knapp unter 200 Gramm. Das ist für mich kein Argument um 3000€ in die Hand zu nehmen.

 

Mein Hauptkritikpunkt damals war ja die sehr kurze Akkulaufzeit der Sony α 7. Nikon gibt vorsichtshalber für die Z6 und Z7 keine Akkulaufzeit an. Die CIPA testet alle Kameras nach einem standardisierten Verfahren auf die Akkulaufzeit. Für die Z6 schafften die Herrschaften 330 Auslösungen mit dem frisch geladenen Akku. An der D750 konnten die Freunde 1230 mal auf den Auslöser drücken bevor der Strom alle war. In beiden Kameras steckt der gleiche Akku. Demzufolge ist der Stromverbrauch der Spiegellosen viel höher. Und weil die Technik keinen Wirkungsgrad von 100% hat wird zwangsläufig mehr Wärme produziert, was dann höchstwahrscheinlich stärkeres Bildrauschen zur Folge hat. Im Falle der letztens von mir ausgiebig getesteten Sony α 7RIII war das zumindest so. Für die meisten Fotografen dürfte das keine Rolle spielen, unter normalen Bedingungen werden auch deutlich mehr als 330 Aufnahmen mit der Z6 gelingen. Für Langzeitbelichtung und Light Painting ist das allerdings ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl der "richtigen" Kamera. Die Sony α 7RIII signalisierte mir nach 3 Aufnahmen mit 10 Minuten Belichtungszeit, dass sie einen neuen Akku haben will. Die Gefahr, dass der Akku während der Langzeitbelichtung schlapp macht ist also viel größer als bei der DSLR. 

 

Alle anderen Aspekte wie den elektronischen Sucher lasse ich hier mal unbeachtet weil sie keine große Bedeutung für die Arbeit im Light Painting haben.

 

Ach ja, da war ja noch was... der Preis. Die Z6 kostet inkl. Adapter aktuell bei Amazon  1799€, die D750 mit 1169€ über 600€ weniger. Auf Grund der kurzen Akkulaufzeit wird dann die Anschaffung von 1 oder besser 2 Reserveakkus notwendig; nochmal 150€. Dazu kommen dann noch ca. 150€ für die 64GB XQD-Speicherkarte, ein zweite als Reserve wäre sicher auch ganz gut. Wer sehr viele Bilder knipst wird vielleicht sogar die Variante mit 120GB für stolze 235€ in die Kamera stecken wollen. Zum Vergleich: gute SD-Karten mit 64GB kosten aktuell ca. 20€, die Exemplare mit doppelter Kapazität kosten auch das Doppelte, also ca. 40€.

Spätestens hier bin ich raus. Für den Mehrpreis kann ich 'ne zweite D750 kaufen oder ein gutes Objektiv oder 87 Kästen Bier... Der Hersteller lässt den mechanisch aufwendigen Spiegel weg und die Kamera ist trotzdem teurer? Aber so funktioniert das im Kapitalismus, der Preis wird erst gesenkt wenn erheblich weniger Exemplare verkauft als hergestellt werden.

 

Beim zweiten Vergleich sieht es etwas besser für die Systemkamera ohne Spiegel aus. Die Z7 bevorratet der Onlinedealer zum Preis von aktuell 3009€, die D850 wechselt für ca. 70€ weniger den Besitzer. Insgesamt (Akkus, Speicherkarten) ergibt sich aber immer noch ein Mehrpreis im dreistelligen Eurobereich. Und wofür? Nur um das neuste Modell sein eigen zu nennen? Um das Beste zu haben, ohne die Möglichkeiten der alten Kamera auch nur ein einziges Mal annähernd ausgeschöpft zu haben? Da warte ich lieber ab bis die spiegellose Systemkamera nur noch halb so viel kostet wie die vergleichbare DSLR... wenn dann der Hersteller solche überhaupt noch baut. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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Light Painting mit Ultraweitwinkelobjektiv

Kurz, kürzer und noch kürzer

Der Bagger im Bild ist groß, sehr groß. Nach hinten ist nicht unbegrenzt Platz. Das Bild hätten wir mit einer längeren Brennweite so nicht umsetzen können. Aufgenommen haben wir dieses Light Painting mit einer Brennweite von 14 mm an der Nikon D750. Der Bildwinkel liegt bei dieser Linse bei 114°. 

Möglichst viel ins Bild zu bekommen ist allerdings nur ein Grund für die Verwendung von Ultraweitwinkelobjektiven. Im Light Painting ist es durchaus sehr nützlich wenn der Abstand zwischen Kamera und Lichtquelle möglichst gering ist. Licht nimmt, wie alle anderen Wellen auch, mit der Entfernung quadratisch ab. Wenn hier also der Abstand zum Bagger doppelt so groß wäre würde sich die Belichtungszeit bei der Verwendung der gleichen Lampen und der gleichen Arbeitsweise deutlich verlängern. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Alternativ könnte man natürlich die Blende öffnen, das hätte dann allerdings Auswirkungen auf die Tiefenschärfe im Bild. Die dritte Möglichkeit, die Erhöhung des ISO-Wertes, ist bei langen Belichtungszeiten keine gute Idee. Das Bildrauschen würde zunehmen. Das Ergebnis wird meist besser wenn man 10 Minuten bei ISO 100 belichtet als 2,5 Minuten bei ISO 400. Das ist allerdings sehr stark von der eigenen Kamera abhängig und keine grundsätzlich geltende Regel. Einige Kameras habe ich vor einiger Zeit auf ihr Rauschverhalten getestet. Den Artikel dazu findest Du hier.

Definition Weitwinkel

Diese Definition gilt nur für Aufnahmemedien im Kleinbildformat (36*24 mm). Als Normalbrennweite werden Objektive bezeichnet die dem natürlichen Blickwinkel des menschlichen Auges beim Betrachten einer Szene entsprechen, dieser liegt bei 40° bis 55°. Die Normalbrennweite entspricht der Diagonale des Aufnahmemediums. In unserem Fall sind das rechnerisch 43,3 mm was einem Bildwinkel von 53,13° entspricht. Eingebürgert hat sich allerdings eine etwas längere Brennweite von 50 mm als Normalobjektiv. Das entspricht einem diagonalen Bildwinkel von 46,8°. 

Brennweiten länger als 80 mm werden als Teleobjektiv bezeichnet. Kürzere Brennweiten als 35mm gelten als Weitwinkelobjektiv. Als moderate Weitwinkel werden Objektive mit Brennweiten zwischen 35 und 24 mm bezeichnet. Verbreitete Objektive in diesem Bereich sind 35 mm mit einem Bildwinkel von 63°, 28 mm mit einem Bildwinkel von 75° sowie 24 mm mit 83° Bildwinkel. Alle kürzeren Brennweiten werden als Ultra- oder gelegentlich Superweitwinkel bezeichnet.

Verbreitete Brennweiten sind hier 21 mm (92°), 18 mm (100°), 15 mm (110°), 14 mm (114°) sowie 12 mm (122°). Da bei Spiegelreflexkameras der Platz für den Spiegel frei gehalten werden muss und sich somit das Objektiv nicht beliebig nah an die Aufnahmeebene bringen lässt ist die Konstruktion solcher kurzen Brennweiten sehr aufwändig. Das meines Wissens nach aktuell kürzeste verzeichnungsfreie Objektiv für Spiegelreflexkameras ist das Samyang 10/3,5 mit einem diagonalen Bildwinkel von sagenhaften 130°. 

 

Zu den Weitwinkelobjektiven gehören darüber hinaus Fisheye-Objektive. Das geht dann noch kürzer. Das Objektiv mit der bislang kürzesten Brennweite für das Kleinbildformat ist das Nikon 6mm/f2,8 mit einem Bildwinkel von 220°. Das Ding kann also einen Bereich hinter der Aufnahmeebene fotografieren, Selfie hinter der Kamera sozusagen.

Zoom oder Festbrennweite?

Ein Objektiv kann der Hersteller bei der Rechnung und der Herstellung immer nur auf eine Brennweite, eine Blende und eine Entfernung optimieren. Die Abbildungsleistungen nehmen ab wenn man von diesen optimalen Werten abweicht. Gewöhnlicherweise wird der Hersteller also das lichtstarke Objektiv auf die beste Darstellung bei Blende 4 oder 5,6 optimieren. Bei größeren Blenden werden die Abbildungsleistungen oft sichtbar schwächer, Schärfe und Kontrast nehmen ab. Bei kleineren Blenden wird bei den meisten Objektiven aufgrund der größeren Schärfentiefe die Schärfe nicht sichtbar abnehmen.

Die meisten Objektive werden auf die beste Abbildungsleistung bei Entfernungen kurz vor unendlich optimiert. Einzig bei Makro-Objektiven wird der Hersteller das Objektiv so konstruieren, dass die größte Schärfe im Nahbereich liegt.


Ein Zoomobjektiv kann nur auf eine Brennweite optimiert sein, meist wird das die Brennweite sein, die genau in der Mitte liegt. Das unten erwähnte Nikkor 17-35 hat also die größtmögliche Schärfe bei einer Brennweite von ca. 26mm. Wenn ich also mit kürzeren Brennweiten arbeite werden Schärfe und Kontrast abnehmen. Der Effekt wird stärker umso weiter ich von der mittleren Brennweite abweiche. Aus diesem Grund sind Objektive mit großen Brennweitenbereichen, wie 18-300, kaum zu gebrauchen und meist die 2,50€, für den Karton in dem sie eingepackt sind, nicht wert. Bei relativ kleinen Zoombereichen und guter, sauberer Konstruktion des Objektivs ist die Verschlechterung der Abbildungsleistung beim Betrachten der Bilder meist überhaupt nicht sichtbar. Auch auf dem 3 Meter großen Print sieht das Bild mit 17mm Brennweite nicht schlechter aus als das mit 26mm. Irgendwelche Messwerte geben zwar einen ersten Anhaltspunkt sagen aber oft nicht viel über die tatsächliche Qualität des Ergebnisses aus.

Von der geringeren Schärfe abgesehen werden die meisten Zoom-Objektive eine stärkere Verzeichnung und Vignettierung aufweisen als Festbrennweiten, die im Brennweitenbereich des Zooms liegen, besonders, wenn die Anfangsbrennweite des Zommobjektivs sehr kurz ist.

Wenn ich also ergebnisorientiert arbeiten will und mir eine hohe Abbildungsqualität wichtig ist weil ich von meinen Bildern große Prints herstellen will werde ich immer zur Festbrennweite greifen und das Zoomobjektiv in der Tasche lassen.

Welche Objektive befinden sich in unserer Tasche?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Laowa 12mm/f2,8

Der chinesische Hersteller Venus Optics baut mit dem Laowa 12mm/f2,8 eines der besten Ultraweitwinkelobjektive. Der Preis von ca. 1200€ ist zwar kein Schnäppchen, bisher habe ich den Kauf aber noch keine Sekunde bereut. Das Objektiv besteht aus Metal und Glas, einzig der recht merkwürdige Objektivdeckel ist aus Kunststoff. Das Teil fühlt sich so an als könnte man viele Jahre uneingeschränkte Freude damit haben. Nichts wackelt oder klappert, Blendenring und Fokus laufen absolut sauber und butterweich.

Das Versprechen des Herstellers "Zero D", also keine Verzeichnung, erfüllt das Objektiv voll und ganz. Ich hätte das vorher nicht für möglich gehalten, dass eine derart kurze Brennweite keine sichtbare Verzeichnung aufweist.  


Die Abbildungsleistungen des Laowa sind über jeden Zweifel erhaben. Selbst bei offener Blende ist die Schärfe bis in die Ecken sehr gut, wie im Beispielbild gut zu sehen ist. Auch an der undefiniert umgebauten Nikon D300 in Verbindung mit Infrarotfiltern macht das Objektiv eine gute Figur.  

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Möglichkeit Filter montieren zu können. Bei Ultraweitwinkelobjetiven ist das meist nicht so einfach oder gar unmöglich. Venus Optics bietet zwar selbst einen passenden Filterhalter für das Laowa an, ich habe mich allerdings für den Halter von Nisi entschieden weil mir die Bedienung und Verarbeitung besser gefielen. Inklusive passendem Polarisations-filter kostet der Halter ca. 140€. Neben dem Polfilter lassen sich noch 2 100 x 100 mm Filter vor der Optik befestigen.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Das Laowa ist komplett manuell, kein Autofokus, keine elektronische Blendeneinstellung, keine elektronische Übertragung irgendwelcher Daten an die Kamera. Auf den Autofokus und die Blendeneinstellung durch die Kamera kann ich verzichten, dieses benutze ich ohnehin nie. Was allerdings manchmal ganz hilfreich ist, wenn im Bild die Blende, mit der es aufgenommen wurde, gespeichert wäre. Aber wirklich wichtig ist auch das nicht, bei Bedarf notiere ich mir das.

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Samyang 14mm/f2,8

Das Samyang wird ebenso wie das Laowa ohne Autofokus gefertigt. Die Verarbeitung ist zwar nicht auf dem Niveau des Laowa oder dem von Herstellern wie Zeiss oder Meyer Optik Görlitz, für den recht geringen Preis von ca. 400€ aber akzeptabel. 

Optisch ist dieses Objektiv recht gut. Bei offener Blende bildet es an den Rändern recht unscharf ab, Abblenden auf f5,6 bringt hier eine deutliche Verbesserung. Die recht starke Verzeichnung lässt sich zwar am Computer korrigieren, beim Beispielbild verwandelt die Linse den runden Orb trotzdem in ein Ei. 

Gerne verstellt sich beim Samyang der "Anschlag" für den Fokus. Nach ca. 2 Jahren war bei meinem Exemplar ∞ bei 0,7m. Das lässt sich einfach neu justieren aber so etwas nervt natürlich.


Für das Samyang ist ein Filterhalter für die Verwendung von 150 x 150mm großen Filtern erhältlich. Für ca. 20€ bekommt man dann einen billigen, schlecht sitzenden Halter aus Kunststoff. Filter in dieser Größe sind schlecht erhältlich und meist alles andere als ein Schnäppchen. Polfliter lassen sich damit überhaupt nicht verwenden. Weil es keine Infrarotfilter in dieser Größe gibt, jedenfalls konnte ich bisher keine finden, kann ich keine Aussage über die Tauglichkeit dieses Objektivs in der Infrarotfotografie treffen. 

 

Als Alternative zum Samyang und auch dem Sigma aus dem nächsten Abschnitt fällt mir nur das Zeiss Distagon 15/2,8 oder das neuere Milvus ein. Wobei Letzteres nicht über einen Blendenring verfügt. Sicher sind diese Linsen keine Schnäppchen, aber dafür erhält man Abbildungsleistungen, die dem Laowa 12/2,8 mindestens ebenbürtig sind. Eventuell wäre das Irix 15/2,4 ebenfalls eine gute Alternative, allerdings habe ich dieses Objektiv noch nicht in den Fingern gehabt und kann somit wenig über die Qualität sagen.

Sigma 14mm/f2,8

Noch schlimmer sieht es bei dem alten Sigma 14/2,8 aus, für dieses Objektiv gibt es keine Möglichkeit Filter zu montieren. Die Abbildungsleistungen sind dem Samyang recht ähnlich, bei offener Blende sind Ränder und Ecken sichtbar unscharf.

Das Sigma wurde in den 1990er Jahren gebaut. Das Gehäuse besteht aus Metal und macht einen langlebigen Eindruck. Der Eindruck bestätigte sich, ich benutze das Objektiv schon viele Jahre. Einzig die verbaute Elektronik hat vor einigen Jahren den Geist aufgegeben. Wie bereits weiter oben erwähnt ist das für die Arbeit im Light Painting aber unerheblich. 

Gelegentlich taucht mal ein Exemplar bei ebay auf. Für 200 bis 300€ gehört das Schmuckstück dann Dir.

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Nikkor 17-35mm/f2,8

Na ja, was will man zu diesem Objektiv groß sagen... Das Nikkor 17-35/2,8 ist das einzige Zoom-Objektiv, was aktuell noch gebaut wird und über einen Blendenring verfügt. Das Nikkor stecke ich beim Light Painting eigentlich nur an die Kamera wenn ich während der Belichtung am Zoom drehe. Die Abbildungsleistung ist für ein Zoom-Objektiv wirklich gut, allerdings von den meisten Festbrennweiten doch noch ein Stück entfernt. 

Im Gegensatz zu den neueren Plastik-Objektiven ist das 17-35 für die Ewigkeit gebaut, einzig der Ultraschallmotor gibt gerne mal den Geist auf, wie bei meinem Exemplar. Auf der anderen Seite trägt das 17-35 ganz schön auf und bringt doch einiges an Gewicht auf die Schultern des geplagten Light Painters.


Der Fantasiepreis von ca. 1800€ dürfte allerdings die meisten Interessenten abstoßen. Bei ebay  finden sich regelmäßig Angebote für gut erhaltene Exemplare zu Preisen zwischen 500 und 800€. Ein Nikkor 17-35 mit kaputtem Ultraschallmotor findet man auch schon mal für 300€. Das Objektiv hat ein 77mm Filtergewinde, somit lassen sich alle möglichen Filter und Filterhalter uneingeschränkt verwenden. In der Infrarotfotografie macht das Nikkor eine wirklich gute Figur, kaum Fokus-Abweichung und keine Hotspots.

Wer nur ein Objektiv im Light Painting verwenden will ist mit dem Nikkor 17-35 wirklich gut bedient. Für die anstrengende Wanderung mit möglichst wenig Gepäck ist dieses Objektiv jedenfalls die erste Wahl. 

Die einzige, mir halbwegs sinnvoll erscheinende, Alternative wäre das alte Nikkor 20-35/2,8. Allerdings gibt es die Dinger nicht gerade wie Sand am Meer, und meist auch nicht für Preise unter 500€ für ein gut erhaltenes, gebrauchtes Exemplar. 

 

Vergleichbare Objektive wie das Canon 16-35/2,8, Sigma 18-35/1,8, Tokina 17-35/4, Tamron 15-30/2,8, Nikkor 12-24 usw. verfügen nicht über Blendenringe. Somit entfällt die Möglichkeit die Blende während der Belichtung verändern zu können. Die Preise sind zum Teil noch höher als für das Nikkor 17-35. Die meisten alten Zoom-Objektive mit Blendenring weisen eine für heutige Maßstäbe inakzeptable Abbildungsleistung auf.

Fazit

Mit dem Laowa 12mm/f2,8 gelingen Light Painting Bilder auf hohem technischen Niveau. Keine sichtbare Verzeichnung, bereits bei offener Blende hervorragende Schärfe über den gesamten Bildbereich sowie excellente Verarbeitung lassen einen den recht hohen Anschaffungspreis leicht und schnell verschmerzen. 

Als gutes Zoomobjektiv eignen sich Nikkor 17-35 oder das fast verzeichnungsfreie Nikkor 20-35 ebenfalls gut für die Arbeit im Light Painting. Wer auf einen Blendenring verzichten kann macht mit dem recht günstigen Tokina 17-35/4 nicht viel falsch. Das Tokina 12-24/4 für das kleinere DX-Format macht ebenfalls eine gute Figur. Diese Linse habe ich viele Jahre ohne Probleme in den abgerocktesten Lost Places benutzt.

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht.
Sven

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Grundlagen der IR und UV Fotografie

Fotografie mit Licht im unsichtbaren Spektrum

In diesem Artikel geht es mal ausnahmsweise nicht (nur) um Light Painting. Ich versuche Dir die grundlegenden Ideen der Fotografie mit Wellen aus dem für das menschliche Auge unsichtbaren Spektrums etwas näher zu bringen. Kompliziert geht auch ohne Light Painting ;-)

Die in diesem Beitrag von mir vermittelten Weisheiten sind nicht unbedingt empirisch belegt und beruhen zu einem großen Teil auf meinen Erfahrungen mit der von mir verwendeten Ausrüstung. Dieser Artikel ist alles andere als eine vollständige Anleitung zur Fotografie mit dem vollen Lichtspektrum. Zum Thema Infrarot findet man recht viele Information im Internet, mal fundiert, mal gefühlt. Zum Thema ultraviolette Fotografie findet man eher wenig. Das dürfte vor Allem dem Umstand geschuldet sein, dass reine UV-Fotos meist ziemlich unästhetisch aussehen. Außerdem sind UV-Pass-Filter sehr teuer. Aus diesen Gründen habe ich bisher kein UV-Pass-Filter gekauft und nutze ultraviolettes Licht ausschließlich im Light Painting, meist in Kombination mit anderen Wellenlängen. UV reflektierende Farben lassen sich ohne Modifikation und Filter mit jeder Kamera aufnehmen. Hier genügt es diese Farben mit einer UV-Lampe zum Leuchten anzuregen.

Grundsätzliches

Wir Menschen können Licht im Wellenlängenbereich von 400nm (violett) bis 750nm (rot) ohne Hilfsmittel sehen. "Unten" beginnt der Bereich der ultravioletten und "oben" der infraroten elektro-magnetischen Strahlung. In der Tierwelt sieht das anders aus. Einige Vögel zum Beispiel können im ultravioletten Spektrum sehen.

In der Fotografie wird schon sehr lange infrarotes Licht aus verschiedenen Gründen eingesetzt. 


Infrarotes Licht wird durch Dunst oder Luftverschmutzung weniger gestreut als sichtbares Licht. Es ist also damit möglich Objekte sichtbar zu machen die eigentlich auf Grund der Sichtbeeinträchtigung kaum zu sehen wären. 

Infrarotes Licht hat andere Reflexionseigenschaften als sichtbares Licht. Ein getarnter Panzer im Wald lässt sich mit Infrarot Fotografie einfach aufspüren. Die Firma Kodak entwickelte um 1960 einen Falschfarben-Infrarotfilm namens Aerochrome. Dieser wurde zur Luftaufklärung eingesetzt und stellte Bereiche mit hoher IR-Strahlung, also vor Allem Bäume, in sattem Rot bis Magenta dar. Die im Wald getarnten feindlichen Stellungen waren auf diesen Bilder einfach und deutlich erkennbar obwohl sie für das menschliche Auge so gut wie unsichtbar waren. Dieser Film wurde auf Grund der ungewöhnlichen Bildergebnisse von einigen Künstlern eingesetzt. Leider wird dieser Film seit vielen Jahren nicht produziert. Vereinzelt bei ebay auftauchende Rollen gehen für Preise von 30€ aufwärts über den Tresen. 

Ein weiteres Einsatzgebiet für die Infrarot Fotografie ist die Spionage und Überwachung. Da auch sehr starke, künstliche Infrarot Lichtquellen für das menschliche Auge unsichtbar bleiben ist es möglich unbemerkt gute, helle Aufnahmen in der Dunkelheit anzufertigen.

 

Die Sensoren gängiger Digitalkameras zeichnen Licht im Spektrum von ca. 350nm bis ca. 1100nm auf. Allerdings bauen alle Hersteller einen Hot-Mirror-Filter vor den Sensor. Dieses Filter beschränkt das Lichtspektrum auf den sichtbaren Bereich. Dieses Filter hat einen gewissen Transmissionsgrad, es filtert also nicht das komplette infrarote Licht. Aus diesem Grund kann man mit fast jeder digitalen Kamera Infrarot Fotos aufnehmen ohne das Hot-Mirror-Filter zu entfernen. Je nach Stärke des Hot-Mirror-Filters verlängert sich dann die Belichtungszeit ganz erheblich. Aus 1/500 bei ISO 200 werden dann mal schnell 30 Sekunden bei ISO 800. Ohne Stativ oder mit bewegten Motiven wird das also nichts. Für erste Versuche im Bereich der Infrarot-Fotografie genügt das aber sicher. Das Einzige was Du dafür brauchst ist ein IR-Filter den Du auf das Objektiv schraubst. Dazu später mehr.

 

Da der Anteil von infrarotem und ultraviolettem Licht für unser Auge unsichtbar ist lassen sich keine sicheren Vorhersagen treffen wie das Bild am Ende aussehen wird. Grundsätzlich ist bei strahlendem Sonnenschein im Sommer mit erheblich mehr UV und IR Strahlung zu rechnen als an einem regnerischen Tag im Oktober. Pflanzen, vor allem das Blattwerk der Bäume, reflektieren IR-Strahlung sehr stark. 

Kamera

Mit analogen Kameras ist Infrarot-Fotografie denkbar einfach. Deckel auf, Infrarot-Film einlegen, Deckel zu und schon kann es losgehen. Bei digitalen Kameras sieht das etwas anders aus da der verbaute Sensor zwar grundsätzlich auch sensibel für infrarotes Licht ist, dieses aber, wie bereits oben erwähnt, durch das Hot-Mirror-Filter zum größten Teil blockiert wird. Das zweite Problem ist, dass der Sensor eben nicht ausschließlich auf infrarotes Licht reagiert wie der IR-Film in der analogen Kamera.

Wenn Du regelmäßig und ernsthaft mit Deiner Kamera Infrarot und/oder UV Aufnahmen machen willst kommst Du um den Ausbau des Hot-Mirror-Filters aus Deiner Kamera nicht herum. Bei einigen Kameras, wie der Nikon D300, kann man das mit etwas Erfahrung, Geschick und Geduld selbst erledigen. Meinen Artikel darüber findest Du hier.


Es gibt mehrere professionelle Werkstätten die diese Umbauten übernehmen. Die Werkstätten geben gewöhnlicherweise eine Garantie auf den Umbau. Da ich keinerlei Erfahrungen damit habe weil ich bisher alle Kameras selbst umgebaut habe kann ich hier keine Empfehlung für eine bestimmte Werkstatt aussprechen. Einige deutsche Anbieter für Umbauten:
http://www.optic-makario.de/kameraumbau/

http://dslr-astrotec.de/modifikationen.html

http://www.irrecams.de/

 

Nachdem das Filter aus der Kamera entfernt wurde setzt die Werkstatt auf Wunsch ein anderes Filter vor den Sensor um die Kamera beispielsweise definiert nur noch als IR-Kamera zu betreiben. Die meines Erachtens nach beste Lösung ist allerdings der Umbau zu einer undefinierten Kamera. Dazu wird einfach Klarglas eingesetzt oder gar nichts, wie bei meiner D300. Dort ist das Schutzglas nicht mit dem Hot-Mirror-Filter verklebt und kann somit einfach wieder eingebaut werden. Durch den undefinierten Umbau kann die Kamera nun also UV, sichtbares Licht sowie IR aufzeichnen. Ohne Filter vor dem Objektiv tut sie genau das alles gleichzeitig. Die so aufgenommen Bilder sind von normalen Fotos in den meisten Fällen kaum zu unterscheiden. Ich kann die Kamera als normale Kamera benutzen, so wie vor dem Umbau auch. 

Alle Automatikfunktionen der Kamera, wie Weißabgleich-Automatik, Belichtungsautomatik und Autofokus sind auf das sichtbare Lichtspektrum ausgelegt. Umso höher der Anteil des unsichtbaren Lichts in der Aufnahme ist desto wahrscheinlicher sind Fehlfunktionen der Automatiken. In Kombination mit Infrarotfiltern mit Wellenlängen länger als 720nm dürfte keine der Automatiken zuverlässig funktionieren. Hier helfen nur Testaufnahmen im manuellen Modus der Kamera. Für die "richtige" Belichtung ist es ratsam Belichtungsreihen aufzunehmen. 

Wenn die Kamera ausschließlich Licht des sichtbaren Spektrums aufnimmt sollten alle Funktionen so arbeiten wie vor dem Umbau. Ob ich das unsichtbare Licht direkt vor dem Sensor aussperre oder schon am Eingang, also vor dem Objektiv hat keinen Einfluss auf die Arbeitsweise der Elektronik in der Kamera.


Objektiv

Bis auf wenige Spezial-Objektive sind alle Linsen auf Brechung von sichtbarem Licht berechnet. Das hat zum Einen zur Folge, dass bei infrarotem Licht der Fokus höchstwahrscheinlich an einer anderen Stelle sitzt als bei sichtbarem Licht, meist etwas näher. Zum Anderen haben viele Objektive die Eigenschaft in der Mitte einen hellen Fleck abzubilden weil das infrarote Licht an "falschen" Stellen innerhalb des Objektivs gebrochen und reflektiert wird. Einige, gerade moderne, Objektive sind kaum für die Infrarot-Fotografie geeignet. 

Bei ultraviolettem Licht sind die Auswirkungen nach meinen Erfahrungen nicht ganz so stark ausgeprägt. Durch die kurzen Wellenlängen wirken die Bilder allerdings oft etwas unscharf, auch wenn richtig fokussiert wurde. Bei längeren Brennweiten tritt dieser Effekt stärker auf als bei kurzen.


Meist sind "einfache" Objektive mit möglichst wenigen verbauten Linsen besser für die Brechung unsichtbaren Lichtes geeignet als aufwändige Zoom-Objektive. Wenn das infrarote Licht durch viele Linsen gestreut wird nehmen Kontrast und Schärfe ab. Umso größer der Brennweitenbereich des Objektivs desto stärker werden die o.g. Bildfehler sichtbar. Mit dem 18-300 für 199€ wird wohl kaum eine gute IR-Aufnahme gelingen. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Zoom-Objektive Hotspots produzieren und inakzeptable Schärfe und Kontrast aufweisen . Das ist von vielen Faktoren abhängig. Eine gute Übersicht über alle gängigen Objektive hinsichtlich ihrer Eignung für IR-Fotografie findest Du bei Kolari Vision.

Gute Erfahrungen habe ich mit verschiedenen Meyer Optik Görlitz Objektiven sowie dem Helios 44-2 gemacht. Ein Meyer Optik Görlitz Lydith 30/3,5 ist in einem guten Zustand bei ebay für 30-40€ erhältlich, keine großartige Investition also. Mittels einfachem Adapter M42 - Nikon F  für einige Euros kommt dann das alte Schmuckstück an die moderne Kamera.

Letztendlich helfen aber nur Testaufnahmen mit den verschiedenen Objektiven, nur anhand des Alters oder der Anzahl der verbauten Linsen lässt sich die Eignung eines Objektivs für die Infrarot-Fotografie nicht vorhersagen. 

Filter

Die unten beschriebenen Filter bestehen aus Spezialglas. Diese Gläser sind nicht nur außen beschichtet, sondern bestehen meist aus mehreren Schichten. Somit wird die Wirkung stärker wenn das Glas dicker ist. Ein 2 mm dickes Glas wird seine Aufgabe besser erfüllen als ein 1 mm dickes Glas. Du solltest vor dem Kauf darauf achten, dass der Hersteller angibt wie dick das verbaute Glas ist. Für einige schwer erhältlichen Filter kann es nötig sein, dass passende Glas selbst in einen Filterring zu montieren. Dafür benutze ich alte, billige Filter. Alternativ kaufe ich ein billiges Farb- oder UV-Filter. Ich baue das Originalglas aus und setze dann das Neue ein. 

 

Der chinesische Hersteller STC Optics bietet sogenannte Clip-Filter an. Diese werden vor dem Sensor befestigt. Das sieht nach etwas Fummelei aus, könnte aber eine gute Alternative zu den Schraubfiltern sein. Vor Allem, wenn man Objektive verwenden will, an denen man keine Filter befestigen kann wie z.B. Fisheye oder mein Sigma 14/2,8. Für die Arbeit im Light Painting sind diese Filter allerdings nicht sehr geeignet. In der Dunkelheit während der Belichtung die Clip-Filter ein- und auszubauen dürfte schnell zur Geduldsprobe werden.

Um zu steuern ob sichtbares, infrarotes oder ultraviolettes Licht aufgenommen werden soll und in welchen Anteilen, kommen verschiedene Filter zum Einsatz. Die meisten der unten genannten Filter sind schwer erhältlich und zum Teil sehr teuer. Für eckige Filter-System sind die meisten Filter überhaupt nicht erhältlich. 

Ich verwende Step-Down-Ringe um die großen 77 mm Filter an Objektive mit kleinerem Filter-Gewinde benutzen zu können. Das spart den mehrfachen Kauf des jeweiligen Filters. 77 mm ist das Maß meiner "größten" Objektive, von den 86mm des Halters für das Laowa 12/2,8 mal abgesehen.

Bei den Filtern sollte man nicht unbedingt auf die billigen Exemplare vom Mann aus Fernost zurückgreifen. Die Gläser haben immer Einfluss auf die Bildqualität, sie liegen schließlich mit in der gesamten Optik.

UV-IR Cut Filter

infrarot Fotografie

Dieses Filter hat genau die gleiche Wirkung wie das Filter vor dem Sensor welches wir aus der Kamera entfernt haben. Die Kamera nimmt mit diesem Filter nur Licht aus dem sichtbaren Spektrum auf. Dieses Filter benötigt man wenn man uneingeschränkt normale Fotos machen will, so wie vor dem Umbau.

 

Gute Erfahrungen habe ich mit Filtern der Firma Hoya gemacht. Sie liefern gute Ergebnisse und kosten nicht so viel wie andere gute Filter von B+W oder Heliopan. Hoya UV IR Cut Filter  

IR Pass Filter

IR Filter sind in unterschiedlichen Wellenlängen erhältlich. Die gängigste, und somit recht einfach und für einen angemessenen Preis zu bekommende, Variante hat eine Wellenlänge von 720nm und liegt somit zum Teil im sichtbaren Spektrum. Die Angaben auf den Filtern beziehen sich gewöhnlicherweise auf eine Transmission von 50% beim angegebenen Wert. Dieses Filter lässt also Licht mit 720nm zu 50% passieren. Die Kurve nimmt nach links steil ab und steigt nach rechts, also im IR-Bereich, stark an. Mit diesem Filter nehme ich demzufolge kein reines IR-Foto auf sondern immer einen gewissen Anteil an sichtbarem Licht plus einen hohen Anteil an IR. Mit diesem Filter werden typischerweise Falschfarben-Infrarot-Bilder (weiße Bäume und blauer Himmel) das Ergebnis sein, möglich ist aber auch ein monochromes Bild in der Bildbearbeitung zu erzeugen. Hoya R72

 

Um ein reines Infrarot-Foto aufzunehmen benötigt man Filter mit höheren Wellenlängen. Dadurch gelangt kein sichtbares Licht mehr in die Kamera. Das B+W Infrafotfilter hat bei 800nm einen Transmissionsgrad von nur 1% , bei 850nm 50% und bei 900nm 88%. Das Ergebnis mit solch einem Filter ist dann ein klassisches monochromes IR-Foto.

 

Mit Filtern mit Wellenlängen von über 950nm habe ich bisher keine Erfahrungen gesammelt.

 

Erhältlich sind ebenfalls Filter mit kürzeren Wellenlängen. Diese lassen also einen noch größeren Anteil des sichtbaren Lichtes passieren. Ich benutze neben dem oben erwähnten 720nm Filter einen 590nm Filter, um genau zu sein einen B+W 090. Auch dazwischen sind Filter erhältlich wie z.B. der B+W 091 mit 630nm. Hier findest Du eine gute Übersicht über die Effekte der verschiedenen Filter: http://infrarouge.photo/2015/09/16/le-comparatif-des-filtres-ir/

UV Pass Filter

Diese Filter sind sehr schwer erhältlich und sehr teuer. Bei Kolari Vison kostet die Variante mit 58mm Gewinde 250$ plus Versand. Größere Varianten sind dort nicht erhältlich. Dieses Filter lässt UV-Licht passieren und blockt fast das gesamte sichtbare Spektrum. Gewöhnlicherweise haben diese Filter ca. 50% Transmission im IR-Bereich. Ein "sauberes" UV-Filter erhält man somit nur in Kombination mit einem IR-Sperrfilter. 

UV-IR Pass Filter

Dieses Filter blockiert sichtbares Licht und lässt UV und IR passieren. Auch diese Filter sind sehr schwer erhältlich und sehr teuer. Die Transmission liegt sowohl im UV als auch im IR Bereich bei ca. 90%

Farbfilter

Bei der Verwendung von Farbfiltern werden ebenfalls bestimmte Wellenlängen blockiert bzw. reduziert. Farbfilter wirken, von (dunkel)roten Filtern mal abgesehen, allerdings nur auf Wellenlängen im sichtbaren Spektrum des Lichts. Einige Rotfilter reduzieren ebenfalls den IR Anteil. Ein Gelb- oder Orangefilter beispielsweise reduziert den blauen Anteil des Lichts. 

Stacking mehrere Filter

Bestimmte Effekte in der IR-Fotografie lassen sich recht einfach durch das Stacking mehrerer Filter erreichen. Durch die Kombination eines gelben Farbfilters mit einem 590 nm IR-Filter wird der Anteil des blauen Lichtes reduziert und der Anteil des IR-Lichts welches den blauen Kanal des Sensor anregt erhöht. Somit bekommen stark IR reflektierende Bildteile wie Bäume eine blaue Färbung. Der blaue Himmel hat dann im Bild einen Gelbstich, der Himmel selbst hat keinen großen IR-Anteil. Die Kombinationsmöglichkeiten von verschiedenen Filtern sind nahezu grenzenlos.

Weißabgleich

Jetzt wird es etwas schwieriger. Der automatische Weißabgleich der Kamera funktioniert nicht mit Licht aus dem unsichtbaren Spektrum. IR-Fotos sind stark rotlastig, UV-Fotos werden blau dargestellt. Um den Weißabgleich später in der Bildbearbeitung korrigieren zu können solltest Du in jedem Fall im RAW Format aufnehmen. Im JPEG-Format ist eine nachträgliche Korrektur nur sehr eingeschränkt möglich. Die Kameras können oftmals nicht auf den "richtigen" Wert eingestellt werden. Der kleinste Wert für den manuellen Weißabgleich meiner Nikon D300 liegt bei 2500K. In der Bildbearbeitung stelle ich den Weißabgleich oft auf einen noch kleineren Werte ein. 

Ein gängige Methode für das Einstellen des Weißabgleichs für die typischen 720nm Infrarotaufnahmen ist es den Weißabgleich auf Blätter von Bäumen oder den Rasen einzustellen. Dafür belichtest Du nur auf die Blätter oder das Gras und nimmst dieses Bild als Referenz für den Weißabgleich. Das Ergebnis sind dann die typischen 720nm Bilder mit den weißen Bäumen. 

In vielen Aufnahmesituationen fertige ich Weißabgleichsreihen an. Ich erhöhe dabei den manuellen Weißabgleich, beim kleinsten Wert 2500K beginnend, um jeweils ein oder zwei Stufen.

Belichtung

Als Erstes mache ich immer einige Testaufnahmen im Automatikmodus. Ich stelle die Blende ein und lasse die Kamera die passende Belichtungszeit wählen. In vielen Situationen und mit manchen Objektiven funktioniert das ganz gut. Mit anderen Objektiven ist das Bild viel zu dunkel. Mit den Testaufnahmen als Grundlage stelle ich im zweiten Schritt die Kamera in den manuellen Modus und wähle die Belichtungszeit. Wenn das Bild vorher zu dunkel war verlängere ich die Belichtungszeit so lange bis es passt. Alternativ kann man natürlich weiter aufblenden oder den ISO-Wert erhöhen. 

Da infrarotes Licht anders gebrochen wird als sichtbares tritt der Effekt der Beugungsunschärfe schon bei größeren Blenden auf. Je nach Objektiv bei Blende 8 oder sogar 5,6. Scharfe Infrarot Aufnahmen werden wohl mit kaum einem Objektiv mit Blenden von 11 oder kleiner gelingen. 

Es ist empfehlenswert Belichtungsreihen aufzunehmen. Oft kann man vor Ort auf dem kleinen Display der Kamera nicht vernünftig beurteilen ob die Belichtung passt. Somit kann man dann später am Computer das "richtige" Bild aussuchen und weiter bearbeiten. Denkbar wäre darüber hinaus auch das Verrechen der Belichtungsreihe zu einem DRI oder auch HDR

Fokussieren

Mit montiertem 720nm IR-Filter sieht man im Sucher meist genau gar nichts. Auch der Autofokus ist dann blind. In den meisten Fällen fokussiere ich zuerst ohne Filter, entweder mit dem Autofokus oder mithilfe der Funktion Live View per Hand. Die meisten von mir verwendeten Linsen haben ohnehin keinen Autofokus. Im Anschluss daran schalte ich den Autofokus an der Kamera aus und schraube das Filter an das Objektiv und mache eine erste Aufnahme. Bei einigen Linsen wie dem Meyer Optik Görlitz Figmentum 35/2 passt das dann meist. Sollte der Fokus nicht sitzen helfen nur weitere Testaufnahmen. Wie oben erwähnt sitzt der Fokus bei infrarotem Licht bei den meisten Objektive etwas näher als bei sichtbarem Licht. 

 

Im Light Painting ist das Fokussieren mal ausnahmsweise recht einfach. Im Beispielbild habe ich den Schädel mit einer leistungsstarken IR-Taschenlampe angeleuchtet und über Live View fokussiert. Da der Raum komplett dunkel war konnte ich ohne Filter nur mit infrarotem Licht fokussieren. Diese Methode eignet sich darüber hinaus ganz gut um den Unterschied im Fokus zwischen sichtbarem und infraroten Licht für das benutzte Objektiv zu ermitteln. Einmal den Schädel, oder gerne auch etwas weniger Morbides, mit sichtbarem Licht anleuchten, fokussieren, anschließend mit infrarotem Licht anleuchten und kontrollieren ob der Fokus noch passt.  Sollte das Motiv im Schritt zwei unscharf sein kann man jetzt recht einfach den Unterschied ermitteln und ggf. Markierungen am Objektiv anbringen oder Notizen machen. 

infrarot full spectrum Light Painting

Diese Prozedur sollte man mit verschiedenen Motivabständen durchführen, 0,5, 1, 2, 3, 4 Meter und je nach dem, wann die Einstellung unendlich erreicht ist, noch darüber hinaus. Um diese Einstellungen einmal richtig zu ermitteln empfiehlt es sich die Kamera mit Computer oder Tablet zu verbinden um im größeren Live View Bild besser die Schärfe beurteilen zu können als auf dem kleinen Mäusekino auf der Rückseite der Kamera.

Es ist ratsam in der Infrarotfotografie mit möglichst wenigen verschiedenen Objektiven zu arbeiten weil der Aufwand für das Fokussieren meist recht groß ist. Wenn Du ein Objektiv gefunden hast, welches keinen Unterschied im Fokus auf sichtbares und infrarotes Licht aufweist solltest Du dieses verwenden um die Arbeit zu erleichtern auch wenn es nicht Dein "bestes" Objektiv ist.

Geeignete Motive

Infrarot Light Painting
© Dan Chick

Welche Materialen infrarotes Licht (stark) reflektieren oder nicht ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Weder Pala Teth noch ich hatten im Beispielbild vom geschätzten Dan Chick weiße bzw. hellgraue Bekleidung an. Mit infraroten Licht wird dann die schwarze Klamotte plötzlich viel heller... oder auch nicht. Nur weil zwei Sachen schwarz sind bedeutet das nicht, dass sie auch im Infrarotfoto gleich aussehen. Unter Umständen bleibt die Hose schwarz und die Jacke wird weiß/hell. Oder das weiße T-Shirt wirkt viel dunkler als die schwarze Hose. Auch hier helfen wieder nur, Du ahnst es bestimmt schon, Testaufnahmen. 

 

Aber genau solche Überraschungen machen für mich einen großen Reiz der Fotografie mit Licht aus dem unsichtbaren Spektrum aus. 


Im Light Painting kann man die Helligkeit im Bild über die Helligkeit der verwendeten infraroten Lichtquellen steuern, beim Fotografieren mit natürlichem Licht geht das nicht. Da muss man nehmen was kommt. Und weil eben mit bloßem Auge das infrarote Licht nicht zu sehen ist gibt es zuweilen einige Überraschungen. Grundsätzlich reflektieren die meisten Pflanzen infrarotes Licht recht stark. Aber auch hier kann es passieren, dass die Blätter des Laubwaldes viel heller im Bild sind als die davor liegende Wiese. 

Bildbearbeitung

Das Bild links ist die Originalaufnahme aus der Kamera mit automatischem Weißabgleich. Fotografiert habe ich mit dem Meyer Optik Görlitz Lydith 30mm und aufgeschraubten Hoya R72 Filter. Für das Ergebnis rechts habe ich in Darktable das Eingabeprofil auf "lineares Infrarot-BGR" eingestellt, den Weißabgleich manuell auf die Bäume gewählt, den Kontrast gespreizt und die Sättigung etwas erhöht. In anderen Bildbearbeitungsprogramme ist der Wechsel des Eingabeprofils auf BGR meines Wissens nach nicht möglich, da hilft dann nur das Tauschen des roten und blauen Farbkanals im Kanalmixer. Das Ergebnis ist dann sehr ähnlich. 

Light Painting mit unsichtbarem Licht

Das für mich eigentlich Spannende bei der Arbeit mit unsichtbarem Licht ist natürlich die Arbeit mit gesteuertem Licht im Light Painting. Mit infrarotem Licht einen Teil des Bildes in "schwarzweiß" und den Rest als "normales" Farbfoto aufzunehmen eröffnet ganz neue Möglichkeiten im Light Painting. 

Die Arbeitsweise sieht gewöhnlicherweise so aus, dass ich ein IR-Filter montiere und mit einer IR-Taschenlampe den Teil des Bildes ausleuchte, der monochrom dargestellt werden soll, wie  der Schädel im Beispielbild. Während dieses Arbeitsschrittes schalte ich meist eine grüne Taschenlampe ein um überhaupt etwas sehen zu können. Das grüne Licht wird von IR-Filter komplett blockiert und ist somit im Bild nicht sichtbar. Im nächsten Schritt entferne ich das IR-Filter und montiere ein UV/IR Cut Filter.  


In diesem Zustand funktioniert die Kamera dann wie eine nicht modifizierte Kamera. Ich kann also Lichtspuren mit sichtbarem Licht aufzeichnen. Die Schwierigkeit besteht allerdings bei der Einstellung des richtigen Weißabgleichs. Wenn ich den Weißabgleich so einstelle, dass der infrarote Teil des Light Paintings monochrom ist "verschieben" sich die Farben aus dem sichtbaren Spektrum mehr oder weniger stark. Besonders schwierig bis unmöglich den "richtigen" Weißabgleich einzustellen wird es bei der Arbeit mit ultraviolettem und infraroten Licht in einer Aufnahme. Aber genau das ist für mich ein spannender Aspekt im Light Painting; das Entwickeln neuer Techniken, neuer Ideen und das Ausloten der physikalischen Grenzen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht, ob nun sichtbar oder unsichtbar.
Sven

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Bokeh als Light Painting Stilmittel

Light Painting mit Blasen und Quallen

Was ist Bokeh?

Der Begriff stammt vom japanischen Wort "boke" ab und bedeutet so viel wie verschwommen oder unscharf. In der Fotografie beschreibt Bokeh die Qualität der Unschärfe eines Objektivs. Die Qualität des Bokehs ist kaum messbar und beschreibt nur die Form der Unschärfebereiche und nicht die Stärke des Effekts. Ob ein Bokeh als schön wahrgenommen wird oder nicht ist stark vom eigenen ästhetischen Empfinden abhängig. Unser Auge sieht solche Unschärfen nicht oder anders. Sie entstehen ausschließlich im Objektiv.

Die "Quallen" im Beispielbild sind ein gutes Beispiel. Vor der Kamera waren nur kleine Lichtpunkte, die Quallen hat das Objektiv "gemalt". Dieses Quallen-Bokeh ist mit keinem handelsüblichen Objektiv möglich, das geht nur wenn man das Objektiv modifiziert. Dazu später mehr.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Wie entsteht das Bokeh?

In der Fotografie werden aus gestalterischen Gründen gerne bewusst bestimmte Bereiche unscharf dargestellt, beispielsweise der Hintergrund eines Porträts oder auch der Vordergrund in der Landschaftsfotografie. Oftmals wird gerade in der Porträtfotografie versucht den Schärfebereich möglichst gering zu halten. Die Schärfentiefe ist abhängig von der Brennweite und der gewählten Blende. Umso länger die Brennweite und umso größer die Blende desto kleiner ist der scharf abgebildete Bereich in der Tiefe von der Kamera aus gesehen. Bei 14mm Brennweite, f11 und richtigem Fokus wird es keine sichtbaren Unschärfebereiche geben. Mit derart kurzen Brennweiten lässt sich meist kaum Bokeh darstellen.

 

Im Light Painting kann ich ganz anders an die Sache gehen. Beim Bild oben habe ich mit dem umgebauten Helios ganz bewusst den Fokus "falsch" eingestellt um nur das Bokeh aufzunehmen. Für die anderen Bildteile (Schädel und Orb im Mund des Schädels) habe ich die Einstellungen des Objektivs verändert bzw. das Objektiv während der Belichtung gewechselt. Somit kann ich im Lightpainting das Bokeh genau so aufnehmen wie ich will. In dem Moment, in dem ich das Bokeh aufnehme muss kein Bereich des Bildes scharf abgebildet werden. 

Was hat Einfluss auf das Aussehen des Bokehs?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

In unscharfen Bereichen nimmt jeder Lichtpunkt die Form der Blende bzw. der Eintrittspupille des Objektivs an. Was allerdings alles genau Einfluss auf das Aussehen des Bokehs hat konnte bisher noch nicht komplett ergründet werden. Mittlerweile gibt es zwar einige Objektive die speziell für ein schönes Bokeh konstruiert werden, bei den allermeisten Objektiven ist ein schönes Bokeh aber eher ein angenehmer Nebeneffekt als das Hauptziel bei der Rechnung der Objektivkonstruktion.  Pauschal kann man auch nicht sagen, dass die Linsen vom Hersteller A allgemein ein schöneres Bokeh zeichnen als die Linsen von Hersteller B. Grundsätzlich lässt sich allerdings feststellen, dass Zoom-Objektive meist kein schönes Bokeh darstellen und das Objektive von Nikon und Canon meist auch nicht die Könige des Bokehs sind.


Allgemein wird ein weiches, rundes Bokeh als angenehmer wahrgenommen als ein hartes weil es mehr Ruhe ins Bild bringt und somit nicht so sehr vom eigentlichen Motiv ablenkt. Die Anzahl, die Form und die Fertigungsqualität der Blendenlamellen hat den größten Einfluss auf das Aussehen des Bokehs. Bei 4 Blendenlamellen ist das Bokeh zwangsläufig quadratisch, umso mehr Blendenlamellen verbaut sind desto wahrscheinlicher wird das Bokeh kreisrund. Die Form der Blendenlamellen hat darüber hinaus Einfluss auf die Qualität des Bokehs. Eine saubere, ohne jeglichen Grat mit dem Laser geschnittene Lamelle wird ein härteres Bokeh darstellen als das Objektiv von 1960 mit den handgefertigten Lamellen. An den "rauhen" Kanten wird das Licht stärker gebrochen, der Unschärfe-Effekt also noch verstärkt. Eine sichere Vorhersage ob ein bestimmtes Objektivs ein angenehmes Bokeh darstellen kann lässt sich allein mit dem Wissen um Anzahl der Blendenlamen und Herstellungsjahr allerdings nicht treffen. Da hilft nur etwas Recherche im Internet. Hier zum Beispiel findest Du einige Aufnahmen des Meopta Belar 75mm, eines der weinigen Objektive mit nur 4 Blendenlamellen:  https://www.sample-image.com/meopta-belar-75mm-f4-5/ 

 

Das Aussehen des Bokehs verändert sich bei vielen Objektiven abhängig davon ob der Vordergrund oder der Hintergrund unscharf abgebildet wird. Das Aussehen des Bokehs lässt sich durch Verstellen der Blende und/oder der Fokussierung beeinflussen. Im Beispielbild habe ich während der Belichtung sowohl Blende als auch den Fokus verändert. Aus diesem Grund sind die "Quallen" unterschiedlich groß und haben verschiedene Formen. Der Effekt ist bei diesem Objektiv am Bildrand stärker als in der Bildmitte. 

 

Bei einigen Objektiven entstehen durch die Lichtbrechung an den Lamellen in Verbindung mir einer schlechten Vergütung der Linsen zusätzlich lustige Farben im Bokeh, die eigentlich gar nicht da sind.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Welches Objektiv zaubert das schönste Bokeh ins Light Painting?

Bitte auf die Bilder klicken. Alle Bilder wurden mit der gleichen Lichtquelle, einem Bündel schwarzer Glasfasern, aufgenommen. Es wurde die größte Blende eingestellt und auf Unendlich fokussiert. Der Abstand zwischen Kamera und Glasfasern war ungefähr gleich. Aus diesem Grund ist das Bokeh der Teleobjektive eigentlich so nicht zu beurteilen. Alle Aufnahmen wurden mit der gleichen Belichtungszeit angefertigt.

Das für meinen Geschmack hässlichste Bokeh hat mit Abstand das Nikkor 35/1,8 (Bild 8). Die Zoom-Linsen (Bild 1 und 3) sowie das Nikkor 50/1,8 (Bild 6) fabrizieren ebenfalls kein schönes Bokeh. Vom Sigma 14/2,8 (Bild 2) war ich recht überrascht. Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Das hatte ich vorher noch nie getestet. 

Ein wirklich schönes Bokeh malen die Meyer Optik Linsen (Bild 7, 9 und 11) auf den Sensor. Bild 10 wurde mit dem modifizierten Helios 44-2 aufgenommen. Mehr Bokeh geht nicht. Diese besondere Tiefenwirkung allein durch das Bokeh habe ich bisher bei keinem anderen Objektiv gesehen. 

 

Dieser Artikel kann kein ausführlicher Test sein. Die Anzahl der Objektive ist unüberschaubar, niemand könnte sie alle testen. Wie in den Bildern oben gut zu sehen ist sind die Unterschiede schon recht deutlich.

Das schöne Bokeh macht die alte Festbrennweite und nicht das neue Highttech-Zoom. Auch wenn einige Objektive, wie die Meyer Optik Görlitz Figmentum, nicht alt sind, so ist doch die Rechnung alt. Der Hersteller versucht mit der Fertigung sehr nah am alten Original zu bleiben. 

Bokeh 2.0 - Frontlinse des Helios 44-2 umdrehen

Helios 44-2

Das Helios macht schon so wie es ist ein durchaus ansehnliches Bokeh, ähnlich dem der Meyer Optik Linsen. Der Effekt lässt sich durch Drehen der Frontlinse noch deutlich verstärken. Darüber hinaus ändert sich dadurch die Form des Bokehs. Aus den runden Blasen werden, gerade in den äußeren Bereichen Quallen.

 

Der Umbau ist denkbar einfach. Die Frontlinse wird von einem Gewindering gehalten. In diesem sind zwei kleine Kerben. Mit einem geeigneten Werkzeug, z.B, ein Zirkel mit zwei Metalspitzen, dreht man diesen Ring raus, dreht die Linse um und dreht dann den Gewindering wieder ins Objektiv. 

 

Bei den allermeisten Objektiven würde solch ein Umbau nicht so einfach funktionieren und, vor allem, nicht diesen Effekt bringen. Bei einigen anderen alten russischen Objektiven kann man auf die gleiche einfache Weise die Frontlinse drehen und eine Verstärkung des Bokehs erreichen. Lohnenswert ist das beim Jupiter 9 sowie Mir 1b. Das Jupiter 9 ist allerdings im Moment nicht für einen vernünftigen Preis zu bekommen, unter 150€ ist kein gut erhaltenes Exemplar zu ersteigern. 


Beim Mir 1b sieht es nicht viel besser aus. Über ebay kann man zwar in Russland ein Exemplar für 60 bis 70 € kaufen, allerdings kommt dann neben ca. 15€ für den Versand noch der Besuch beim Zollamt des Vertrauens inkl. der Zahlung von 19% Einfuhrumsatzsteuer auf einen zu. In weit das Drehen anderer Linsen aus der UdSSR etwas bringt vermag ich im Moment nicht zu sagen. Einen Versuch wäre es sicher wert die Front Elemente von Linsen wie Zenitar M-50, Jupiter 8, Industar 69, oder Volna 3 umzudrehen. Mit etwas Glück bekommt man solch eine Linse für einen vernünftigen Preis bei ebay.

Light Painting mit dem Altglas

In den Bildern kamen Helios 44-2, Meyer Optik Lydith und Figmentum zum Einsatz:

Auch ohne Modifikation machen fast alle anderen Meyer Optik Görlitz Objektive ein feines Bokeh. Gute Kandidaten sind das Oreston 50/1,8, Trioplan 50/2,9, Primoplan 58/1,9  und natürlich das Trioplan 100/2,8 wenn man das nötige Kleingeld hat. Auch andere DDR Objektive sind durchaus sinnvoll im Light Painting einsetzbar, wie Carl Zeiss Jena Flektogon 35/2,8 und Biotar 58/2. 

Wie kommt das Altglas an die moderne DSLR?

Objektive mit sehr seltenen, heute überhaupt nicht mehr verwendeten Anschlüssen wie Praktina, Exakta, P6-Bajonett o.a. habe ich auch schon mal mit Gaffa Tape an die Kamera geklebt. Das ist nicht besonders elegant, aber zur Not funktioniert auch das.  Da in den alten Linsen keinerlei Elektronik verbaut ist lassen sich Objektive mit M42 oder M39 Anschluss mit einem einfachen Adapter für das eigene System umrüsten. Diese Adapter kosten nur einige wenige Euro. 

M42 - Nikon F - M42 - Canon L - M42 -Sony E - M42 - Sony (Minolta) - M42 - Olympus - M42 - Pentax K - M42 - Fuji X

Bei manchen Kameras, wie z.B. Nikon ist mit diesen Adaptern keine Fokussierung auf unendlich möglich. Dafür benötigt man dann einen Adapter mit Korrekturlinse. Für unseren Einsatzzweck spielt das allerdings keine Rolle weil wir ja bewusst Unschärfe aufnehmen wollen. Wenn du das Objektiv an Deiner Nikon auch für "normale" Fotografie verwenden willst ist die Investition in einen Adapter mit Korrekturlinse sicher eine Überlegung wert.

Die oben genannten Adapter sind ebenfalls für M39 Gewinde erhältlich.

Wie viel Glas braucht der Light Painter?

Haben ist ja immer besser als Brauchen. Allerdings fällt mir keine Situation ein, in der ich die Linsen aus dem Beispielbild alle gebrauchen könnte, nicht einmal der dreiwöchige Urlaub. Im Fotorucksack sind nie mehr als 5 Linsen verstaut, allerdings wechseln sie gelegentlich. Wenn ich ausschließlich Light Painting mache nehme ich andere Linsen mit als wenn ich Lost Places fotografiere. 

Die meisten Light Painting Bilder mache ich mit dem Sigma 14/2,8 (oben links). Das Tokina 19-35 (rechts daneben) habe ich auch so gut wie immer dabei. Meist verwende ich diese Linse allerdings nur wenn ich während der Belichtung am Zoom drehe. Das Meyer Optik Görlitz 35/2 (dritte Reihe, zweites von links)  befindet sich genauso immer im Rucksack wie das Helios (ganz unten).  


Für fast alle Light Painting Ausflüge ist das absolut ausreichend. Für spezielle Aufgaben verwende ich gelegentlich das 100er Makro Objektiv (nicht im Bild weil an der fotografierenden Kamera). Das 85er Meyer Optik benutze ich manchmal für Light Painting Porträts. Alle anderen Linsen verwende ich fast ausschließlich für "normale" Fotografie. Das 8mm Fisheye benutze ich nur für 360° Panoramen. Und überhaupt sollte ich die Linsen mal putzen wenn ich mir das Bild so anschaue...

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir allzeit gutes Licht und wenig Dreck auf der Linse
Sven

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Light Painting und Social Media - Fluch oder Segen?

Ohne Facebook und Instagram kein Light Painting?

Ich weiß nicht wie die Light Painting Gemeinschaft heute ohne die fantastischen Möglichkeiten des Internets, und vor allem der Social Media Plattformen, aussehen würde. Höchstwahrscheinlich wäre die Anzahl der Light Painting Besessenen wesentlich kleiner. Viel gravierender, zumindest für mich, wäre allerdings, dass ich von der Existenz der anderen Light Painter vermutlich nichts wüsste. Es würde wenig oder gar keinen Austausch geben. Ich könnte nicht gemeinsam mit Pala Teth, Mart Barras, Dan Chick, Frodo und anderen Verrückten aus allen Teilen der Welt der Berliner Malzfabrik mit den Lampen neues Leben einhauchen. 

Die meisten Kollegen, so wie ich auch, sind erst durch den Austauch in den sozialen Netzwerken überhaupt auf das Thema Light Painting gestoßen. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Andererseits gibt es die Kunstform Light Painting schon länger als das Internet und Facebook. Die ältesten bekannten Light Painting Fotografien stammen aus dem Jahr 1889, nein ich hab mich nicht vertippt, achtzehnhundertneunundachtzig. Es gab also schon seit Anbeginn der Fotografie Künstler die kreativ mit langen Belichtungszeiten gearbeitet haben. 

So richtig Schwung hat Light Painting allerdings erst seit einigen Jahren bekommen. Neben der einfachen Verbreitung im Internet ist dieser Umstand der rasanten Entwicklung der digitalen Fotografie sowie der Entwicklung immer leistungsfähigerer LED-Lampen zu verdanken. 

Was ist mein Antrieb? Was sind meine Ziele?

Light Painting ist für mich so viel mehr als das perfekte Ergebnis. Light Painting ist der gesamte Prozess von der ersten verrückten Idee, dem Bau geeigneter Tools über die Suche nach der geeigneten Location bis hin zu den besonderen Erlebnissen und Gefühle während der kreativen Arbeit mit bewegtem Licht. Light Painting ist das Verstehen wie Licht funktioniert; welche ungeahnten Möglichkeiten die kreative Arbeit mit Licht bietet. Mir ist es ziemlich Schnuppe ob das Bild hunderte Likes und dutzende Kommentare in den sozialen Netzwerken bekommt. Mein Light Painting ist gut wenn es mir und den anderen an der Entstehung Beteiligten gefällt. Kunst liegt nicht im Auge das Betrachters, Kunst liegt in der Seele des Künstlers! Und wenn ich der Einzige bin der das Bild versteht, dann ist das eben so.  Der Eitelkeit schadet es aber natürlich nicht wenn den Light Painting Kollegen gefällt was ich so mache, meine Arbeitsweise werde ich deswegen aber sicher nicht dem Geschmack der Kollegen anpassen.

Austausch, Inspiration und gegenseitige Hilfe

Die meisten Light Painting Bilder die man mittlerweile so täglich bei Instagram und Facebook sieht sind eher Mimikri als Kunst. Der große Meister der Lichtröhren zeigt den Kindern wie es geht und hunderte "Light Painter" adaptieren die Technik 1:1 oder versuchen sogar gleich die kompletten Bilder zu kopieren.  Das macht den Beteiligten sicherlich viel Spaß, besonders kreativ ist das allerdings nicht. Als Künstler will ich doch meine eigenen Ideen und Gefühle sichtbar machen und nicht fremde. Solange das nur der Einstieg ins Thema Light Painting ist und sich der Künstler auf dieser Basis selbst weiterentwickelt, ist das allerdings durchaus legitim. Nur wenn der Künstler jeden Tag das gleiche Light Painting macht weil er ja damit sooooo erfolgreich bei Instagram ist kann ich das nicht so recht ernst nehmen. Eine Bereicherung der Light Painting Gemeinschaft ist so etwas jedenfalls nicht.

Man sollte allerdings etwas vorsichtig sein jemand eilig des Kopierens zu verdächtigen und lieber zwei Mal hinschauen. Manchmal haben nämlich einfach auch zwei oder mehr Leute den gleichen Geschmack und ähnliche Ideen.

 

Es ist oft eine Gratwanderung sein Wissen zu teilen ohne Gefahr zu laufen 1:1 kopiert zu werden. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es in den letzten Jahren immer mal wieder "Kopien" gab die mit viel lautem Geklapper erfolgreicher wurden als das Original. Und meist vergessen sie auch nur mit einer Silbe zu erwähnen wer sie "inspiriert" hat. Lange Zeit habe ich mein Wissen ausschließlich in unseren Workshops geteilt um eben dieser Gefahr vorzubeugen. Auf der anderen Seite habe ich den Wunsch die Light Painting Gemeinschaft zu vergrößern und zu stärken. Und dafür ist es eben hilfreich gerade Einsteigern Hilfestellungen zu geben damit sie nicht gleich wieder frustriert aufgeben. Wer gerade frisch auf die Kunstform Light Painting aufmerksam geworden ist bucht gewöhnlicherweise nicht sofort einen Workshop für einige hundert Euro. Das kommt dann erst später. Also versuche ich Einsteigern und manchmal auch erfahrenen Light Paintern Hilfe in Form von Beiträgen für diesen Blog, den Light Painting Blog und auch in verschiedenen Gruppen bei Facebook anzubieten. Alle meine Tricks verrate ich aber auf keiner dieser Plattformen. Außerdem vermeide ich es genaue Bau- oder andere Anleitungen zu veröffentlichen. Wenn dem geneigten Leser schon die Fantasie fehlt mit meiner Hilfe das geeignete Werkzeug zu bauen ist Light Painting dann vielleicht doch nicht das Richtige für sie oder ihn. Es soll nicht darum gehen meine Tools und Techniken 1:1 zu kopieren. Sie sollen nur den ein oder anderen Aha-Effekt auslösen und dem Leser helfen eine für ihn geeignete Lösung zu finden.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mit einigen langjährigen Light Painting Kollegen werden dann auch schon mal die Blaupausen für Tools oder die genaue Arbeitsweise ausgetauscht. Meist nicht so sehr um das Tool dann tatsächlich genau so nachzubauen, sondern eher um die Arbeitsweise und die Ideen des geschätzten Kollegen besser verstehen zu können.

Nun ist es allerdings nicht so, dass ich nicht auch manchmal Hilfe brauche. Ohne den Austausch mit anderen Light Paintern würde ich einige Dinge bis heute noch nicht verstehen. Die auf volles Lichtspektrum umgebauten Nikon D70 und D300 hätte ich ohne den regen Austausch mit Dan Chick vermutlich schon aus dem Fenster geworfen. Er hat sich schon viel länger mit diesem Thema beschäftigt und hat außerdem als Physiker ein besseres Verständnis des Themas. Um nur mal ein Beispiel zu nennen.


Im Light Painting habe ich keine Konkurrenten denen ich etwas wegnehmen will oder die mir etwas wegnehmen könnten. Viele sehe ich als gleichberechtigte Kollegen oder sogar Freunde. Gerne können sie in unseren Koffern kramen und sich alles genau ansehen. Und wenn dann einer mal eines unserer Tools genau nachbaut fühle ich mich genauso geehrt als wenn große Künstler wie Mart Barras oder Pala Teth mit von mir modifizierten Taschenlampen arbeiten. 

 

Viele Light Painting Künstler inspirieren sich gegenseitig, egal ob Einsteiger oder alter Hase. Wenn ich mir jeden Tag dutzende Bilder anderer Light Painter anschaue bleibt immer etwas hängen. Ich renne dann allerdings nicht los und versuche die Technik sofort zu reproduzieren oder das neue Tool des Kollegen gleich nachzubauen. Aber oft fließen dann die verschiedenen Ideen in irgendeiner Weise in meine Arbeit mit ein. Ob nun ganz bewusst oder eher unbewusst sei jetzt mal dahin gestellt. Oft weiß ich nach einem Jahr nicht einmal mehr wer mich zu dieser Idee inspiriert hat. Manchmal weiß ich das allerdings noch ganz genau. Wie zum Beispiel beim Bild oben. Etwas ähnliches hatten Heinz-Jörg Wurzbacher und Garry Krätz vor einigen Jahren mal gemacht.
Wenn ich nicht viele gute Bilder anderer Light Painting Künstler gesehen hätte und immer wieder sehen würde wären mir sicher einige Ideen zur Umsetzung meiner Bilder nicht in den Sinn gekommen. Und ohne die sozialen Netzwerke hätte ich alle dieser Bilder vermutlich nie gesehen... und niemand würde meine Bilder sehen.

Nachteile für die Kunstform Light Painting

Wie oben schon angedeutet sehe ich den größten Nachteil der sozialen Netzwerke, vor allem von Instagram, in der Geilheit vieler Nutzer nach Followern und Likes. Es geht nicht um Kreativität. Es geht nicht um Kunst. Es geht nicht um Light Painting. Diese Leute wollen nur viele Follower und Likes. Sie sind sich nicht zu schade diese Likes mit Mimikri zu bekommen. Wozu das allerdings gut sein soll wird sich mir wohl nie erschließen. 

 

Problematisch wird es wenn man als Light Painting Künstler anfängt zu analysieren welche Bilder "erfolgreich" sind um dann seine Ideen, Arbeitsweise, Farben, Locations oder was auch immer zu verändern um allen Bildern mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das grüne Light Painting hatte letzte Woche doppelt so viele Likes wie das Blaue, also mache ich jetzt mehr grüne Bilder auch wenn das eigentlich gar nicht zu meiner aktuellen Idee und meiner Stimmung passt.

Aus mir völlig unerfindlichen Gründen  bekommen gerade bei Instagram, Bilder, die die Nutzer schon hunderttausend Mal gesehen haben, viel mehr Aufmerksamkeit als neue, spannende, einzigartige Bilder, egal wie gut sie sind.  

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Brandenburger Tor und Fernsehturm gehen immer, unbekannte Locations eher nicht, egal wie sexy sie sind und egal wie gut das Foto davon ist. 

Man muss schon sehr wach und vorsichtig sein um selbst nicht diesem unkreativen, letztendlich völlig bedeutungslosen, Blödsinn zu verfallen. Was habe ich denn von der großen Aufmerksamkeit bei Instagram? Richtig, nichts! Das sind nur Zahlen die keine Bedeutung für das reale Leben haben. Nur weil ich mehr als 100000 Follower habe bin ich noch lange nicht automatisch Millionär. Und ganz sicher bin ich nicht (mehr) besonders kreativ und meiner Kunst, meiner Passion, treu. Applaus ist für alle Künstler wichtig, auf diese Art Applaus kann ich allerdings durchaus verzichten. Vor allem wenn ich vergleiche welche meiner Bilder als großer Print über der Couch von realen "Followern" hängen. Das sind meist nicht die Startseiten-Bilder bei View oder Fotoforum und vor Allem nicht die Light Paintings mit besonders vielen Likes bei Instagram. Und dabei geht es mir nicht vordergründig darum mit dem Verkaufserlös neue Taschenlampen zu kaufen. Viel wichtiger ist das besondere Glücksgefühl, dass einigen Menschen meine Kunst so gut gefällt, dass sie viel Geld ausgeben um damit ihr Zuhause zu schmücken. Mehr kann man als Künstler eigentlich gar nicht wollen.

 

Allerdings sollte man auch nicht zu paranoid sein. Ich habe mich zuweilen schon dabei ertappt bestimmte Bilder nicht umzusetzen oder hochzuladen weil ähnliche Bilder recht erfolgreich in den Netzwerken waren. Letztendlich ist aber auch das kein guter Einfluss auf das eigene künstlerische Schaffen. Man sollte sich als Künstler treu bleiben und seine Ideen genau so umzusetzen wie man sie im Kopf hat, völlig unabhängig davon wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Light Painting bei Instagram "durch die Decke geht". 

 

Was mir auch nicht so recht verständlich ist warum Aktfotografen ihre Bilder mit Sternchen, Balken oder womit auch immer verunstalten. In den wenigsten Fällen gelingt eine "unauffällige" Retusche. Wenn das Bild mit Sternchen über den Nippeln geplant war dann klebe ich dem Model die Sterne gleich ans Gesäuge und verkaufe das als Burlesque und bastel das nicht für die "Facebook-Variante" am Computer ins Bild. Man kann diesen kranken Blödsinn in den Regeln von Fratzenbuch und Instagram ja Scheiße finden wie man will, es nutzt nur genau gar nichts sich darüber aufzuregen. Facebook und Instagram werden diese Regel nicht abschaffen. Wenn ich ausschließlich, oder hauptsächlich unbekleidete Damen ablichten würde hätte ich keinen Account bei Instagram. Wozu auch? Aber Konsequenz wird ja in der heutigen Zeit immer unpopulärer.

 

Warum ich überhaupt meine Light Painting Bilder bei Instagram poste wenn das alles so fürchterlich ist? Weil ich die Hoffnung habe nur echte Follower und echte Likes zu bekommen, jedenfalls schleime ich mich dort bei niemandem ein damit er mir folgt. Weil ich mit meinen Bildern die Kunstform Light Painting populären machen will. Weil ich zeigen will was kreative Arbeit mit Licht ist. Und wenn auch nur 5 meiner aktuell 1400 Follower vom Virus Light Painting durch meine Bilder angesteckt werden hat sich der Aufwand gelohnt.

 

Weniger stark sind diese Phänomene auf den anderen Online-Galerien wie flickr oder 500px ausgeprägt. Dort bin ich nicht so schnell gelangweilt vom sieben-tausendsten Stahlwolle-Bildchen. Dort wollen die meisten Nutzer ihre eigenen Bilder zeigen und nicht die Kopie der Kopie der Kopie. Für die Like-Geilen sind flickr und 500px glücklicherweise nicht hip genug. Dort funktioniert der Mimikri-Plan nicht so gut. Und außerdem ist es sowohl bei flickr als auch bei 500px wahnsinnig gefährlich weil Mark Zuckerberg nicht peinlich darauf achtet, dass ich keine weiblichen Brustwarzen zu sehen bekomme. Das könnte schließlich schwerste Traumata auslösen. 

Was können die verschiedenen Plattformen, was nicht?

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Facebook

Facebook hasst jeder, oder? Ich hab noch nie jemanden sagen hören, dass Facebook toll wäre. Alle regen sich auf, dass irgendwelche Algorithmen zur Anzeige der Beiträge geändert wurden, dass Facebook sich einen Dreck um Datenschutz kümmert usw.. Aber irgendwie sind "alle" bei Facebook angemeldet und mehr oder weniger aktiv. 

Eigentlich ist das ganz einfach:
1. Facebook kostet nix. Wenn irgendwas für umme ist rege ich mich nicht auf, dass mir irgendwas grundsätzliches nicht passt. Mich zwingt ja schließlich niemand dazu mitzumachen.

2. Datenschutz. Auch ganz einfach. Ich poste dort ausschließlich Sachen, die ich jedem mir unbekannten Menschen auf der Straße auch erzählen oder zeigen würde.


Wer reich illustrierst über den sauber abgekniffenen Stuhl des Erstgeborenen berichtet hat den Knall nicht gehört. Man postet keine Bilder  seiner Kinder im Internet! Es sei denn sie sind alt und schlau genug um die Folgen zu überblicken und Mutti und Vati haben vorher artig gefragt. Sie suchen schließlich später den Platz im Geronten-Aufbewahrungs-Container für Mutti und Vati aus.

3. Ach nee... das mit den Titten hatten wir oben schon.

4. Facebook sieht Scheiße aus! Aber sowas von... Als visueller Künstler kommt mir regelmäßig das Abendbrot von vorgestern hoch wenn ich die Seite auf mich wirken lasse. Aber Facebook will auch gar keine ansprechende Online-Galerie für Künstler sein.

5. Die Wahrscheinlichkeit, dass Du diesen Artikel hier nur liest weil Du den Link bei Facebook angezeigt bekamst ist sehr hoch. Ohne Facebook hätte ich geschätzt nur ein Drittel so viele Leser. Geschätzt die Hälfte unserer Workshop Teilnehmer buchen die Workshops weil ich diesen bei Facebook geteilt habe. Ob nicht auch ohne Facebook alle Plätze des Workshops gebucht werden würden vermag ich nicht zu beurteilen, aber das Verbreiten auf Facebook nutzt mir jedenfalls etwas.

6. Facebook ist völlig ungeeignet um seine Bilder aussagekräftig, fundiert und konstruktiv kritisieren zu lassen. Die Anzahl der Likes sowie die Anzahl und Art der Kommentare ist oftmals völlig emanzipiert von der Qualität des Light Painting Bildes. Meist beschränken sich die Kommentare ausschließlich auf Lobhudelei oder Herabwürdigung. Nur in sehr seltenen Fällen liest man konstruktive Kritik. Ich habe mir das auch irgendwann abgewöhnt. Viele Künstler wollen so etwas nicht lesen und sind dann beleidigt. Vielen Menschen kommt überhaupt nicht in den Sinn ihre Arbeit zu verbessern indem sie Kritik annehmen. Komische neue, digitale Welt...

Instagram

Ich habe es aufgegeben verstehen zu wollen wie Instagram funktioniert. Die fundamentalen Ideen "Follow for Follow" und "Like for Like" sind mir so was von fremd. Da wird dann ein neuer Follower angezeigt damit man ihm auch folgt und dann drückt das Pufferhirn wieder auf "unfollow".

Da kann man sich dann Follower, Likes und Kommentare kaufen. Ja, tatsächlich, für reales Geld bekommt man bedeutungslose, wertlose, Follower und Likes. Kommentare sehen meist so aus: ⚡⚡⚡  👍⭐⭐ Was soll dieser Scheiß? Nur weil ich viele Follower habe bekomme ich noch lange nicht irgendwelche Aufträge, schon gar nicht wenn ich den Auftrag nicht ausführen kann weil ich keine Ahnung vom Thema habe. Und selbst wenn, will der Auftraggeber gewöhnlich kein Geld ausgeben, wie ich in jüngster Zeit selbst wieder einmal erleben durfte. Die große Agentur sucht für einen riesengroßen Auftrag (ein großer Autobauer) einen Light Painter. Bezahlen wollen sie aber nur 2,50€, oder besser gar nichts. Solche Anwandlungen wäre ohne Instagram kaum denkbar. Ich hoffe, sie suchen immer noch... bis sie schwarz werden! 

Miyuki Matsunaga @ Japan Festival Berlin 2017
Miyuki Matsunaga @ Japan Festival Berlin 2017

Ich folge Profilen weil ich tatsächlich die Bilder sehen will. Ich drücke zweimal auf ein Bild wenn es mir gefällt. Ich schreibe einen Kommentar wenn ich was zu sagen haben. Und das Gleiche erwarte ich andersrum. Bin ich deshalb geisteskrank? Muss ich in die Klappsmühle? Oder bin ich einfach zu alt für Instagram?

Ob Instagram einen realen Nutzen für die Stärkung der Light Painting Community hat vermag ich nicht zu beurteilen. Das ganze Medium ist dafür vermutlich viel zu schnelllebig. Da aber das Teilen eines Bildes mit dem Smartphone von flickr zu Instagram inklusive kopieren von 30 Tags nur 11,358 Sekunden dauert kann man ja versuchen auch über diese Plattform ein paar neue Light Painting Junkies zu rekrutieren. 

Flickr und 500px

500px bedient ausschließlich das Thema Fotografie, flickr lässt auch Digital Art und andere Kunst zu. Wenn ich einen Anhaltspunkt haben will ob mein Bild nicht nur mir alleine gefällt lade ich es bei flickr und 500px hoch und schau dann nach ein paar Tagen wie viele Leute es als Favorit markiert und kommentiert haben. Die "Qualität" dieser Bewertung ist meiner Meinung nach eine ganz andere als bei Instagram oder auch Facebook weil dort einerseits fast ausschließlich andere Fotografen und Künstler unterwegs sind und weil sich diese mehr Zeit nehmen um die Bilder zu betrachten. 

Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Plattformen ist die "Kurzlebigkeit" von 500px. Nach 24 Stunden sinkt die Zahl der Aktivitäten für das hochgeladene Bild rapide ab. Bei 500px wird für jedes Bild der sogenannte Pulse angezeigt. Um so höher dieser, desto mehr Aktivitäten gab es von anderen Nutzern für dieses Bild. 

Bei den Fickr Pro-Accounts hat man die Möglichkeit eine Statistik der Aktivitäten anzeigen zu lassen (siehe Bild).  

Wie aussagekräftig diese "Messungen" sind hängt von vielen Faktoren ab. Wochentag, Uhrzeit, Wetter, Anzahl der Follower... Ein Bild, dass bei Flickr Explore gezeigt wird bekommt automatisch viel Aufmerksamkeit auch wenn es kein Meisterwerk ist.


Man sollte, wie schon weiter oben geschrieben, keine Konsequenzen für seine zukünftige Arbeit aus diesen Zahlen ziehen. Es sind nur Zahlen. Ich kann nicht in die Köpfe und Herzen meiner Follower schauen. Ich kenne also ihre Motivation mein Bild zu kommentieren oder zu ihren Favoriten hinzuzufügen in den allermeisten Fällen nicht. Was sich allerdings meiner Meinung nach gut ablesen lässt ist die eigene "Qualitätssteigerung" über einen längeren Zeitraum. Ich weiß auch ohne irgendwelche Statistiken, dass ich heute bessere Light Painting Bilder mache als vor 5 Jahren. Das ist schließlich auch genau der Plan - immer bessere Light Paintings machen. Als zusätzliche Bestätigung und Messung taugen Instrumente wie Pulse bei 500px und die Statistiken bei Flickr durchaus. 

Den Applaus durch Kommentare, Favoriten und Pulse nehme ich bei diesen Plattformen gerne als solchen an. Nach meinen Erfahrungen geht es bei Flickr und 500px nicht so sehr ums Einschleimen um selbst Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn mir jemand folgt bleibt er in den allermeisten Fällen mein Follower auch  wenn ich ihm oder ihr nicht "zurück folge".  Fazit: meine Follower sind interessiert an meiner Kunst.

 

Die "beliebten Fotos" bei 500px beschränken sich in 99% der Fälle auf die technische Qualität. Gezeigt werden dort fast ausschließlich Piepmätze, leicht oder unbekleidete junge Damen, Makroinsekten mit "Tautropfen", niedliche Tierbabys, Polarlichter... alles "perfekt" bearbeitet und glatt gebügelt. Die meisten Bilder nehmen mich nicht mit, sie erzählen keine Geschichte, sie erzeugen kein Gefühl, sie sehen einfach nur nett aus und sind dabei völlig belanglos und austauschbar.  Die "beliebten Fotos" sehen irgendwie jeden Tag gleich aus, ich könnte jedenfalls nicht sicher sagen ob dieses oder jenes Bild nicht schon letzte Woche gezeigt wurde.

 

Ganz anders bei Flickr Explore. Die meisten Bilder sprechen mich dort zwar auch nicht an aber zumindest werde ich nicht täglich mit dem fünftausendsten austauschbaren Bild des Eisvogels genervt. Dort gibt es tatsächlich dem Namen entsprechend so einiges zu entdecken wenn man denn was Neues entdecken will. 

 

Eine wichtige Rolle spielen bei Flickr die Gruppen. Ohne die Light Painting Gruppen, vor allem die 2008 von Trevor Williams gegründete Gruppe "Light Junkies" wären wohl viele Light Painter der heutigen Zeit nie auf das Thema Light Painting aufmerksam geworden. In den meisten Light Painting Gruppen gibt es dann tatsächlich auch nur zum Thema Light Painting passende Bilder zu sehen. Die Gruppenmitglieder sind höchstwahrscheinlich wirklich am Thema interessiert und haben ein gewisses Verständnis was Light Painting ist. 

Die lokalen Seiten - Fotoforum, View, Heise, Fotocommunity

Die Reichweite ist natürlich nicht annähernd so groß wie bei den großen internationalen Seiten. Die Light Painting Gemeinschaft ist zwar in Deutschland recht groß, aber so viel kann man in den deutschen Communities nicht erwarten. Die Fotocommunity war bis vor einigen Jahren eine recht angenehme Plattform zum Austausch mit gleichgesinnten. Leider sind diese Zeiten vorbei. In der Galerie sind seit einiger Zeit auch wieder einige interessante Bilder zu sehen, das meiste ist allerdings ebenso belanglos wie bei 500px, glatt gebügelt und austauschbar. Die "Geschäftsidee" der fc finde ich sehr befremdlich. Man versucht die Mitglieder zu einem Bezahl-Account "zu motivieren" indem man die Anzahl der Bilder auf 100 beschränkt, ihnen den Zugang zu den Tittenbildern verwehrt und die Teilnahme am Voting verbietet anstatt ihnen tatsächlich einen Mehrwert zu bieten. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Davon abgesehen sind in der fc viele Klugscheißer und Trolle unterwegs, die nicht den blassesten Schimmer haben was Light Painting ist aber trotzdem irgendwelche sinnfreien, respektlosen, herabwürdigen Kommentar abgeben. Für Auseinandersetzungen mit diesen Zeitgenossen fehlt mir die Zeit und der Nerv. Aus diesem Grund habe ich meinen Bezalh-Account vor einigen Jahren gekündigt. Etwas wehmütig war ich allerdings schon. Schließlich war die Light Art Gruppe in meinen Anfangszeiten als Light Painter eine ähnlich große Inspiration wie die Light Junkies bei Flickr.

Beim Fotoforum dagegen bekomme ich für die Bezahl-Mitgliedschaft das meist sehr lesenswerte Fotoforum Magazin zugesandt und kann kostenlos an allen Wettbewerben teilnehmen. Hier ist die Anzahl der Fotos auch im Free Account unbegrenzt, der Upload aber auf 1 Bild pro Woche beschränkt. Aber mal ehrlich, wer macht schon mehr als ein wirklich zeigenswertes Bild pro Woche? Da sucht man dann einfach viel sorgfältiger aus was man hochlädt. Mit meinem Premium Acoount könnte ich zwar 20 Bilder pro Woche hochladen, aber mehr als 3 habe ich dort noch nie in einer Woche gepostet. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Und wenn man bei einem der Wettbewerbe einen der ersten Preise gewinnt hat man die Kosten für die Mitgliedschaft für ein paar Jahre "gespart". 

 

Bei View bekommt das Thema Light Painting recht viel Aufmerksamkeit. Bisher waren 25 meiner Bilder auf der Startseite. Auch die Light Painting Bilder der Kollegen sieht man recht häufig auf der Startseite. Solche Bilder schauen sich dann schon mal 1000 Leute an diesem Tag an. Für eine deutschsprachige Seite ist das schon recht beachtlich. 

 

Bei Heise Foto lade ich zuweilen auch das ein oder andere Light Painting hoch. Die Reichweite ist dort nicht besonders groß. Aber sicher gibt es auch dort einige Menschen, die sich für das Thema Light Painting interessieren.

 

Im Vergleich zu den internationalen Seiten ist die Reichweite naturgemäß kleiner. Aber einige Leute werden sich auch dort auf das Thema Light Painting aufmerksam.


Es gibt noch mehr soziale Netzwerke und Foto Communities. Aber wer kann die schon alle regelmäßig bedienen? Ich schaffe das jedenfalls nicht. 

Gerne kannst Du schauen was ich auf den verschiedenen Plattformen so mache. Klicke einfach auf die Bildchen:


Allzeit gutes Licht
Sven

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Stative für Langzeitbelichtung und Light Painting

Ohne Stativ kein Light Painting

Sicher kann man der Kamera auch ohne Stativ einen festen Stand verschaffen, aber kaum ein Light Painter oder Nachtfotograf wird wohl ernsthaft ohne Stativ losziehen. 

Ich gebe in diesem Artikel keine Kaufempfehlung für das ultimative Stativ. Ich habe nicht dutzende verschiedene Stative getestet. Vielmehr soll er einige grundsätzliche Fragen klären und Dir somit die Entscheidung vor dem Kauf des neuen oder ersten Stativs etwas erleichtern.

Welche Anforderungen sollte ein Stativ erfüllen?

Als erstes sollte das Stativ genau das machen wofür es gebaut wurde, nämlich die Kamera sicher und ruhig in Position halten.  Ungewollte Bewegungen der Kamera während der Belichtung kann man im Light Painting mal so gar nicht gebrauchen.

Zweitens sollte sich das Stativ sicher und einfach bedienen lassen. Auf umständliches Gefummel kann man gerade in der Dunkelheit sehr gut verzichten.

Drittens sollte das Stativ robust sein und auch den hundertsten harten Einsatz im abgerockten Lost Place unbeschadet überstehen. Als vierten Punkt möchte ich die  mögliche Arbeitshöhe anführen. Für viele Bilder kann es sehr entscheidend sein ob ich die Kamera hoch, oder auch tief genug platzieren kann,

Als letzter wichtiger Punkt muss das Objekt der Begierde dann nur noch ins eigene Budget passen.

 

Alle weiteren Eigenschaften, wie Material, Gewicht, Packmass, Farbe usw, sind dann nur die Kür. Einige der genannten Punkte können zwar die Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen, mit der eigentlichen Arbeitsaufgabe des Stativs haben sie aber nichts zu tun. 


Glaubenskrieg Material - Carbon vs. Aluminium

Gleich vorweg: Ein Stativ aus Carbon ist nicht besser, stabiler und tragfähiger als ein gleiches Stativ aus Aluminium. Bisher habe ich jedenfalls keine aussagekräftigen, belastbaren Messungen gefunden, die diese weit verbreitete Behauptung stützen würden. Nur weil das Verbundmaterial Carbon selbst eine höhere Steifigkeit und Tragfähigkeit hat als Aluminium bedeutet das noch lange nicht, dass das Stativ mit seinen Verbindungen und dem Stativkopf insgesamt steifer ist. Mal abgesehen von der Tatsache, dass die Materialunterschiede bei Carbon wesentlich größer sind als bei Aluminiumrohren. Ein Stativ aus schlechtem Carbon wird wohl viel stärker wackeln und schwingen als eines aus Aluminium. Die Schwachstellen eines jeden Stativs ist nicht das verwendete Material für die Rohre der Beine sondern die Verbindungen der Rohrsegmente und die Gelenke zwischen Beinen und Stativschulter. 

Carbon hat allerdings den Vorteil des geringeren Gewichts, ein baugleiches Stativ wiegt dann etwas weiniger als die Alu-Variante. Eine viel entscheidendere Gewichtsreduzierung erfährt allerdings der Geldbeutel. Zum Vergleich: Das oben im Bild zu sehende Manfrotto 055 kostet in der Variante aus Aluminiumrohren aktuell bei Amazon inkl. 3-Wege-Neiger 179€. Das 055 aus Carbon ohne Stativkopf kostet dort aktuell 405€. Die vom Hersteller angegebene maximale Traglast liegt bei beiden Stativen bei 9kg, das Packmass gibt Manfrotto für die Alu-Variante mit 61 cm und für die Carbon Ausführung mit 63 cm an. Warum das Carbon Teil 2cm länger sein soll ist mir allerdings völlig unklar. Es könnte durchaus sein, dass diese Angabe nicht stimmt. Das Carbon Stativ ist mit 2000g glatte 500g leichter als das 055 aus Aluminium, ein halbes Kilo Gewicht für fast 300€ Mehrpreis eingespart, oder anders gesagt für ungefähr den dreifachen Verkaufspreis.

Carbon hat allerdings auch weitere Nachteile. Beschädigungen der Rohre durch Stürze an oder auf scharfe Kanten können das Stativ schnell unbrauchbar machen. Wenn die Fasern im Verbundstoff reißen ist es vorbei mit der Stabilität des Materials. Eine Beule im Alurohr hat in den meisten Fällen keinen Einfluss auf die Stabilität des Stativs, das sieht dann nur Scheiße aus.

Wer oft im eisigen Winter mit dem Stativ unterwegs ist sollte vielleicht aber trotzdem die Anschaffung eines Carbon Stativs in Erwägung ziehen. Carbon dehnt sich bei Erwärmung nicht so stark aus wie Aluminium, oder anders herum, es zieht sich bei großer Kälte nicht so stark zusammen. Und am Carbon Stativ frieren im Winter nicht gleich die Hände fest, aber dafür gibt es ja Handschuhe oder Ummantelungen aus Schaumstoff an den Stativbeinen.

 

Damit allerdings möglichst viele Menschen ein teures Stativ aus Carbon kaufen haben die Hersteller von den üblichen Marketingsprüchen abgesehen ein paar Tricks auf Lager. Das 055 mit 4 Beinsegmenten und somit einem kürzeren Packmass von 54 cm ist nur mit Carbonrohren erhältlich. Wer sein Stativ also öfter mal im Handgepäck im Flugzeug verstauen will wird dann vielleicht doch den Lottogewinn in ein Carbon Stativ investieren. Das Teil mit den 4 Beinsegmenten ist nicht teurer als das mit 3. Nebenbei gesagt ist Manfrotto nicht der einzige Hersteller mit solchen Tricks. 

Legierungen mit Magnesium und Holz

Neben den oben genannten und weit verbreiteten Varianten aus Carbon und Alu bauen einige Hersteller die Rohre für die Stativbeine aus einer Magnesium-Aluminium Legierung. Die Steifigkeit ist größer, das Gewicht ist geringer als bei Rohren aus Aluminium. Ich habe bisher keine Erfahrungen mit solchen Stativen sammeln können. Eine schnelle Suche im Internet förderte ausschließlich niedrigpreisige Exemplare aus Fernost mit mir nicht geläufigen Herstellernamen ans Tageslicht.

 

Stative aus Holz sind geil. Im Punkte Stabilität und Schwingungsdämpfung sind sie den anderen Varianten überlegen. Die Preise sind niedriger als man zunächst erwartet. Das Berlebach Report 332 kostet aktuell bei Amazon 276 €. Allerdings ist die maximale Arbeitshöhe von 1,43 m nicht sehr überzeugend, erhältlich sind allerdings auch Ausführungen mit Mittelsäule. Da kommt man dann in ca. 1,80 m Höhe.  Das Teil wiegt über 3 kg. Die Transportlänge beträgt fast 90 cm. Wenn man das Stativ öfter in den Regen stellt wird sich das Holz vielleicht irgendwann verziehen. Ich sehe allerdings öfter buntbewestete Herrschaften mit Vermessungsgerätschaften auf ihren Holzstativen bei Wind und Wetter durch die Straßen ziehen. Vermutlich kaufen die nicht jede Woche neue Stative. Für den Einsatz im Studio oder anderen geschlossen Räumen ist ein Holzstativ aber auf jeden Fall perfekt geeignet.

Besondere Anforderungen an das Stativ im Light Painting

Ein Light Painting wie dieses erfordert zwingend absolute Standsicherheit des Stativs. Mit dem klapprigen Reisestativ in der 1kg-Klasse wird das ganz sicher nichts, egal wie viele Lagen Carbon das Material für die Rohre hat und wie teuer das Schmuckstück ist. Für viele Einsatzzwecke genügt sicher auch ein kleines, leichtes Stativ. Wenn das Stativ erst einmal steht und man die Kamera mit dem Fernauslöser bedient wird die Aufnahme in den meisten Fällen auch mit dem Leichtgewicht gelingen. Wenn man aber während der Belichtung an der Kamera manipuliert, wie bei der Aufnahme des Beispielbildes, sind die Anforderungen viel größer. 

Erste Anhaltspunkte ob ein Stativ bewegungslos stehen bleibt wenn man die Kamera bewegt können sein: 
Die Größe und das Gewicht. Umso dicker die Rohre und das Material der selben desto stabiler ist das Stativ.


Die Anzahl der Segmente. Jede zusätzliche Verschraubung der Rohre bedeutet zusätzliche potentielle Schwachstellen. Also besser das Stativ mit den 70 cm Transportlänge kaufen als das was in die Handtasche passt.

Der Preis bietet unter Umständen auch einen Anhaltspunkt zur Fertigungsqualität des Stativs, aber nicht unbedingt. Es wird auch viel Schrott zu hohen Preise verkauft.

Darüber hinaus ist es sicher eine gute Idee ein Stativ eines Hersteller zu erwerben der schon langjährige Erfahrungen im Bau von Stativen hat und nicht noch "nebenbei" hunderttausend andere Sachen unter seinem "Markennamen" verkauft. Vielleicht ist das ein oder andere Stativ von Rollei ganz OK, aber eigentlich ist das nur ein Handelsname, das kann also nächste Woche ganz anders aussehen. Das High-End-Model für 450€ mag bombenfest stehen, das Teil für 200€ wackelt hingegen vielleicht wie ein Lämmerschwanz. Erfahrungen mit solchen Stativen konnte ich allerdings bisher nicht sammeln.

 

Auch für andere Zwecke im Light Painting verwenden wir die unterschiedlichsten Stative. Zum Drehen des UFO's oder der großen Kreisscheibe darf es dann gerne etwas richtig stabiles sein wie unser Benbo MK2. Das Stativ kann man locker auf eine Höhe von 2,50 m bringen. Die 5 Meter Kreisscheibe ist somit kein Problem. Durch die einzigartige Konstruktion kann man das Stativ auch sicher auf sehr unebenen Untergrund aufstellen. Allerdings ist das Teil mit einem Packmass von 1,14 m und einem Gewicht von 3,7 kg nicht so einfach zu transportieren. 

 

Um einen Laser oder eine Taschenlampe in der Light Painting Szene aufzustellen genügt auch das klapprige 30€ Stativ. Wir verwenden dafür meist kleine, leichte Reisestative wie das Giottos Vitruvian. 

Zusätzliche Features

Viele Stative haben am unteren Ende der Mittelsäule einen Haken um irgendwelches Gepäck daran anzuhängen. Falls Dein Stativ einen solchen Haken hast solltest Du Dir eine Puk-Säge besorgen, den Haken damit absägen, das Fenster weit öffnen und den abgesägten Haken in hohem Bogen aus diesem werfen. Was passiert wenn man Gewicht an diesen Haken hängen würde? Richtig, die Last auf der Stativschulter wird größer und das ganze Gebilde wird instabiler und fängt irgendwann an zu wackeln. Dass der Druck auf die Beine durch zusätzliches Gewicht erhöht wird ist zwar grundsätzlich eine gute Idee, um aber tatsächlich die Standsicherheit des Stativs zu erhöhen müssen die zusätzlichen Gewichte unten an den Stativbeinen angebracht werden, auf keinen Fall oben. Und schon gar nicht wenn die Tragfähigkeit des Stativs damit überschritten würde. Traglast des Stativs = 5 kg, Stativkopf = 1 kg, Kamera mit Objektiv = 2,5 kg, Fotorucksack am Haken = 10kg - das passt also nicht. Man könnte beispielsweise solche Gewichtsmanschetten kurz über dem Boden an den Beinen des Stativs befestigen. Das erhöht dann tatsächlich die Standsicherheit.

 

Austauschbare Füße sind sicher eine gute Idee. Je nach Untergrund kann man dann entweder Metall-Spikes oder Gummifüsse verwenden. Auf dem wackligen Holzboden werden die Schwingungen das Bodes mit den spitzen Spikes eher gedämpft als mit den dicke Gummiteilen. Es nutzt nichts wenn das Stativ bombenfest steht aber Schwingungen des Untergrunds auf das ganze Stativ übertragen werden. 

 

Umbau zum Einbeinstativ. Bei manchen Stativen lässt sich eines der Beine abschrauben und mit der Mittelsäule zu einem Einbeinstativ verbinden. Im Light Painting fällt mir nur ein Einsatzzweck dafür ein. Man könnte Lampen daran befestigen und dann dieses Teil zum Drehen von Orbs oder anderen Figuren verwenden. Das Problem ist dann allerdings, dass der Rest des Stativs nicht mehr zum Aufnehmen des Light Painting mit der Kamera verwendet werden kann.

 

Ummantelung an einem, oder mehreren Stativbeinen. So etwas ist im Winter auf jeden Fall sehr angenehm. Wenn das Stativ der Begierde keine Ummantelung hat kann man diese aber auch selbst anbringen. Das sieht dann vielleicht nicht sehr professionell aus, aber den Zweck erfüllt auch diese Lösung.

 

Ein Zubehöranschluss wie ihn beispielsweise das 055 von Manfrotto hat ist sehr nützlich, allerdings würde ich die Kaufentscheidung nicht davon abhängig machen. Man kann Zubehör wie Halterungen für das Tablet, Fraktalfilter oder ähnliches auch auf andere Weise, zum Beispiel mit einem Magic Arm, am Stativ befestigen. Der Magic Arm passt zwar in den Anschluss des Stativs, man kann diesen aber auch mit mit der kleinen Klemme an einem der Beine befestigen.

 

Manche Hersteller bewerben ihre Stative damit, dass sie wasserdicht seien. Wenn Du also das Stativ öfter mal im Fluss oder der Ostsee aufstellen willst wären solche Stative sicher eine gute Wahl. Das 055er findet solche Aktionen nicht so sehr lustig. Das Wasser lässt sich nur entfernen indem man die Verschlüsse an den Beinen demontiert und das ganze Teil zerlegt und trocknen lässt.

Wie viel Geld muss ich für ein Stativ ausgeben?

Ein Stativ für 30€ ist nicht besser als gar keines. In dieser Preisklasse wird sich wohl kein Stativ finden lassen welches den eigentlichen Zweck erfüllt, nämlich die Kamera während der Aufnahme ruhig zu halten. Die 30€ sollte man besser in 3 Kästen Bier investieren und die Kamera dann auf diese stellen.

Das billigste brauchbare Stativ was ich bisher benutzt habe hat ca. 100€ gekostet. Das Stativ selbst ist ganz in Ordnung, der mitgelieferte Kugelkopf allerdings ein Fall für den Schrottcontainer. Diesen habe ich gegen einen Sirui G-10X ersetzt. Der Kopf ist jetzt also teurer als das Stativ. 

Mit dem oben erwähnten Manfrotto 055 inkl. 3-Wege-Neiger für aktuell 179€ kann man nicht viel verkehrt machen. Wir benutzen mehrere dieser Stative seit vielen Jahren, ohne dass wir bisher ernsthafte Probleme gehabt hätten. 


Nach oben gibt es kaum Grenzen. Ob sich eine höhere Investition für Dich lohnt hängt vom geplanten Einsatzzweck ab. Bei wirklich starker und häufiger Beanspruchung des Stativs wird das Gitzo aus der 1000€ Klasse sicher länger überleben als das 055 für 179€ Ob das Ding allerdings acht mal so lange hält ist fraglich. Nach meinen Erfahrungen sind Stative mit Preisen über dem des 055 bis 600€ nicht stabiler und besser als das stinksolide Manfrotto. Und, nein, ich werde nicht von Manfrotto gesponsert. 

Welchem Hersteller sollte man vertrauen?

Die Anzahl der aktuell erhältlichen Stative ist unüberschaubar. Mehr als 30 Hersteller mit jeweils vielen verschiedenen Modellen ringen um die Gunst des Kunden. In recht kurzen Zeitabständen werden neue oder verbesserte Modelle raus gehauen.

Ein Stativ der Hersteller Linhof oder Gitzo wird man wohl nur einmal in seinem Leben kaufen. Die meisten Modelle sind über jeden Zweifel in Punkto Standsicherheit, Haltbarkeit und Schwingungsdämpfung erhaben. Ich kenne Fotografen die ihr Gitzo ohne jegliche Probleme schon seit über 40 Jahren im Einsatz haben. 

 

Der Marktführer wird wohl Manfrotto sein und auch noch eine Weile bleiben. Ich kenne allerdings keine Verkaufszahlen. Das ist also nur eine Vermutung. Das mit den Verkaufszahlen ist aber immer so eine Sache. Nur weil der VW Konzern allein in Deutschland jeden Monat 40000 PKW Golf verkauft bedeutet das ja nicht, dass das auch ein gutes Auto ist was seinen Preis wert ist.  Aber ich schweife ab... 
Manfrotto baut ganz sicher nicht die besten Stative. Allerdings ist das Preis- Leistungsverhältnis gut. Egal ob 055 oder 190, die Stative erfüllen ihren Zweck und sind ihr Geld wert. Vergleichbare Stative der Mitbewerber sind meist teurer. 

 

Jenseits von Manfrotto haben wir bisher gute Erfahrungen mit verschiedenen Stativen von Sirui und Benro gemacht. Allerdings sind die guten Stative der genannten Hersteller meist kein Schnäppchen. 

Was solltest Du bei der Wahl des richtigen Stativs beachten?

- Tragfähigkeit: umso mehr Gewicht das Stativ sicher tragen kann desto stabiler wird es wohl auch sein. Den Angaben der namhaften Hersteller kann man sicher auch vertrauen. Ob es allerdings gleich das 65 kg-Monster sein muss ist fraglich. Umso höher die Tragfähigkeit desto mehr Gewicht bring das Stativ auf die Waage. Du solltest also eher einen vernünftigen Kompromiss finden. Wenn Deine Kamera mit aufgesetztem Objektiv 3 kg wiegt solltest Du etwas Reserve einplanen. Mindestens 6 kg halte ich für sinnvoll.

- Arbeitshöhe: Bei meiner Körpergröße von 1,90 m würde ich bei einer maximalen Arbeitshöhe von 1,35 m ganz schnell Rückenbeschwerden bekommen. Das Stativ sollte im Idealfall ohne ausgefahrene Mittelsäule eine angenehme, zur eigenen Körpergröße passende, Arbeitshöhe bieten. Zur angegeben Höhe muss dann noch die Höhe des verwendeten Kopfes addiert werden. Die Mittelsäule sollte man nur im "Notfall" ausfahren. Mit ausgefahrener Mittelsäule büßt man viel an Stabilität ein. Auch eine kleine minimale Arbeitshöhe, kurz über dem Boden, ist für viele Bildideen von Vorteil. 

- Verarbeitungsqualität: Du solltest das Objekt der Begierde vor dem Kauf ausgiebig auf Stabilität testen indem Du einfach mal am Stativ wackelst. Du solltest kontrollieren ob die Verschlüsse und Gelenke sauber funktionieren und alles fest und stabil ist wenn sie weider eingerastet sind.

- Handhabung: Alles sollte leichtgängig sein und sich intuitiv bedienen lassen. Wenn man für bestimmte Einstellungen Werkzeug benötigt ist das nicht unbedingt benutzerfreundlich, genauso wenn man sich irgendwo die Finger einklemmen könnte.

- Kompatibilität: Mein größter Kritikpunkt an Manfrotto ist die Verwendung mehrerer verschiedener proprietärer Schnellwechselsysteme. Komfortabler ist es wenn das gesamte System Arca Swiss kompatibel ist. An unseren Kameras ist immer ein L-Winkel. Diese Winkel sind systembedingt nur als Arca Swiss erhältlich und passen somit nicht auf die Manfrotto Systeme. Die Manfrotto Köpfe haben wir auf Arca Swiss umgebaut. Alle anderen Köpfe, wie der Benro Getriebeneiger, sind Arca Swiss kompatibel.

- Packmass: Wenn Du das Stativ nicht im Flugzeug transportieren willst ist relativ egal wie klein Du das Stativ zusammenschieben kannst. Grundsätzlich wird ein Stativ mit jeder zusätzlichen Beinverschraubung etwas instabiler. Ein weiterer Aspekt ist, dass die maximale Arbeitshöhe klein ist wenn das Stativ ein Packmass von 40 cm hat. Der Kauf eines zweiten kleinen Reisestativs stellt meist nur eine unbefriedigende Notlösung dar. Wenn Du etwas mehr Geld in die Hand nimmst findest Du ein gutes Universalstativ mit großer Arbeitshöhe und ausreichend kleinem Packmass wie z.B. das Benro TMA38CL

Stativköpfe

Viele Stative werden als Kit mit einem Kopf verkauft. Oft packen die Hersteller einen Kugelkopf mit in den Karton. Meist sind diese allerdings von eher mäßiger Qualität. Die Kamera sackt nach dem Festschrauben bei den meisten Kugelköpfen nach. Ohnehin sind Kugelköpfe im Light Painting nicht so gut geeignet.

Wir verwenden 3-Wege-Neiger und Getriebeneiger von Manfrotto und Benro. Mit dem im Bild zu sehenden GD3WH hat Benro einen ordentlichen Kopf mit Arca Swiss Aufnahme zu einem vernünftigen Preis im Angebot. 

Beim Kopf gilt es wiederum die Tragfähigkeit zu beachten. Es nutzt nichts wenn das Stativ 12 kg tragen kann und der Kopf nur 1,5 kg, zumindest wenn die Kamera mit Objektiv schwerer ist als die angegebenen 1,5 kg des Kopfes. 


Aktuell haben wir für unsere Light Painting Ausflüge das Manfrotto 055 mit 3 Beinsegmenten aus Aluminium mit dem Benro Getriebeneiger im Gepäck. Das Stativ hat eine Tragfähigkeit von 9 kg, Benro gibt die Tragfähigkeit für den Kopf mit 6 kg an. Der Kopf selbst wiegt etwas weniger als 1 kg, die Nikon D750 mit dem dicken 14 mm Sigma Objektiv ca. 2,5 kg. Für Camera Rotation Light Painting kommt dann noch das Camera Rotation Tool zusätzlich auf den Getriebeneiger. Alles sitzt fest, in den Bildern sind bisher keine Wackler beim Drehen der Kamera sichtbar geworden. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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Kamera Test Light Painting

Welche Kamera für Langzeitbelichtung und Light Painting?

Jede neue Kamera wird von den verschiedensten Fachzeitschriften, Blogs, Vergleichsportalen, Onlineshops und vielen Hobby- und Berufsfotografen getestet. Meist finden sich allerdings keinerlei aussagekräftige Messergebnisse und Testaufnahmen zum Thema Langzeitbelichtung und Light Painting. 

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Testreihen mit den verschiedenen Kameras wurden nicht unter Laborbedingungen durchgeführt. Messfehler sind somit nicht auszuschließen. Die Ergebnisse sollen nur einen groben Überblick geben und einige Fragen beantworten.
Ist eine neue Kamera per se besser für lange Belichtungszeiten geeignet als eine drei Jahre alte? Erzeugt eine höhere Auflösung grundsätzlich mehr Bildrauschen? Sind Kameras von Nikon und Sony grundsätzlich besser als die Modelle von Canon oder Olympus? 


Welche technischen Eigenschaften der Kamera haben Einfluss auf die Bildqualität?

Ich bin nun wahrlich kein Pixelzähler. Ich schaue mir meine Bilder nicht in 300% Vergrößerung an und zähle die "Fehlpixel". Ein gutes Bild ist ein gutes Bild, egal ob es mit einer analogen Kamera, der 10 Jahre alten Digitalkamera mit 12 Megapixeln oder dem nagelneuen, hippen, "spiegellosen" 50 Megapixel Boliden aufgenommen wurde.  Der Einfluss der Kamera auf das Gesamtergebnis ist in den allermeisten Fällen recht klein. Die Arbeit vor der Kamera, die Idee, die Qualität des Objektivs und unter Umständen das Post Processing haben einen viel größeren Effekt auf das fertige Bild als die Anzahl der Bildpunkte und die technische Qualität des Sensors. Solange das Bild keine Stimmung erzeugt, kein Gefühl vermittelt, die besonderen Erlebnisse und Gedanken das Light Painters während der Arbeit unsichtbar bleiben und der Betrachter nicht mit in das Geschehen genommen wird spielt die Technik keine Rolle. Den dreihundertvierundsiebzigsten unmotivierten "Testshot" vom tollen neuen Light Blade wird ohnehin niemand ernsthaft und tiefgründig betrachten oder sich als Print über die Couch hängen. 

 

Die meisten modernen Digitalkameras sind grundsätzlich für Belichtungszeiten von mehreren Sekunden bis zu mehreren Minuten geeignet. Bei kaum einer aktuellen Spiegelreflex- oder sogenannten Systemkamera wird das Bildrauschen so groß sein, dass das 5 Minuten Light Painting dadurch versaut werden würde. 

 

Zu den Themen Auflösung, Schärfe usw. gibt es für jede Kamera unendlich viele Messungen. Das wird also kein Thema dieses Artikels sein. Wir versuchen einzig Unterschiede im Rauschverhalten bei langen Belichtungszeiten, bei hohen ISO-Werten in Kombination mit langen Belichtungszeiten sowie im Dynamikumfang des Sensors auszumachen, und vor allem zu ergründen ob die Unterschiede so groß sind, dass man ernsthaft über einen Wechsel der Kamera nachdenken sollte. Darüber hinaus ist der Artikel für den Light Painting Einsteiger vielleicht eine gute Hilfe wenn er oder sie vor der Frage nach der ersten "richtigen" Kamera stehen. 

Bildrauschen

Der Sensor zeichnet Bildinformationen auf wo gar keine sind. Im Beispielbild ist das gut zu sehen. Es gelangte während der Aufnahme kein Licht auf den Sensor und trotzdem besteht das Bild aus lauter lustigen bunten Pixeln. Dieses Rauschen nennt man auch Dunklerauschen. Verursacht wird es durch den Ruhestrom der einzelnen Pixel sowie das Rauschen des Ausleseverstärkers. 

Bildrauschen ist ein thermisches Problem. Umso höher die Temperatur des Sensors, desto stärker das Bildrauschen. Hätte ich die Aufnahme bei -20°C gemacht wäre das Bild vermutlich komplett schwarz, getestet habe ich das allerdings nicht. 

Einfluss auf die Oberflächentemperatur des Sensors haben die Umgebungstemperatur, der eingestellte ISO-Wert sowie die Belichtungszeit.


An der Umgebungstemperatur kann ich in den allermeisten Fällen nichts ändern. Es gibt zwar einige Lösungen zur aktiven Kühlung des Sensors, das würde aber den Rahmen hier sprengen. Dessen ungeachtet sind diese Lösungen sehr teuer und aufwändig zu realisieren.

 

Die Belichtungszeit eines Light Painting Bildes kann ich zwar immer beeinflussen. Man sollte allerdings nie auf die Idee kommen sich beim Lichtmalen abzuhetzen um die Belichtungszeit zu verkürzen. Das wird dann nämlich meist nichts. Es ist immer besser ruhig und konzentriert zu arbeiten und nicht über die Belichtungszeit nachzudenken. Was man aber durchaus machen sollte, ist die Optimierung der Arbeit. Ich stecke alle benötigten Lampen in meine Taschen oder platziere sie an den richtigen Positionen um nicht unnötige Wege während des Light Painting zu haben. Ich stelle sicher, dass alle Akkus geladen sind und das Feuerzeug zum Zünden des Feuerwerks funktioniert, ich weise alle Beteiligten vorher genau ein was zu tun ist usw.. 

 

Den größten Einfluss kann der Light Painter über den ISO-Wert nehmen. Umso höher der eingestellte ISO-Wert, desto mehr wird das Signal des Sensors verstärkt. Und damit wird dann eben auch das Bildrauschen verstärkt. Die denkbar ungünstigste Kombination ist ein hoher ISO-Wert, eine hohe Umgebungstemperatur und eine lange Belichtungszeit. Das Beispielbild oben wurde bei 20°C Umgebungstemperatur aufgenommen. Der ISO-Wert war 25600, die Belichtungszeit 30 Sekunden. Hätte ich tatsächlich eine Aufnahme mit diesen Einstellungen gemacht wäre diese unbrauchbar. Das Bildrauschen würde sehr große Teile der realen, gewollten Bildinformationen negativ beeinflussen.

Also wird der Light Painter den ISO-Wert immer so klein als möglich wählen und lieber die Blende weiter öffnen und/oder eine hellere Lampe verwenden. Es schadet allerdings nicht wenn man die Grenzen der eigenen Kamera kennt. Dazu kannst Du einfach einige Testaufnahmen mit aufgesetztem Objektivdeckel machen. Die Schmerzgrenze meiner Nikon D750 ist ISO 3200. Aufnahmen mit Belichtungszeiten bis zu 1 Minute bei 20°C sind durchaus mit diesem ISO-Wert noch möglich.

 

Die Fertigungsqualität des Sensors hat ebenfalls eine großen Einfluss auf die Stärke des Bildrauschens. Ob ein neuerer Sensor besser ist als ein alter, und ob Sensoren vom Kamerahersteller A grundsätzlich besser sind als die von Hersteller B versuchen wir mit den nachfolgenden Testaufnahmen zu ergründen.

 

Oft hört und liest man, dass eine höhere Pixeldichte, also die Anzahl der Pixel auf einer bestimmten Fläche des Sensors, mehr Bildrauschen produziert. Meiner Meinung nach kann man diesen Effekt vernachlässigen weil dieser nur bei gleichen Bildausschnitten sichtbar wird. Bei gleicher Betrachtungsgröße des kompletten Bildes, gleicher Fertigungstechnologie des Sensors und gleicher Sensorgröße ist das Rauschverhalten annähernd gleich.

Rauschreduzierung

Da es in vielen Situationen und mit vielen Kameras unmöglich ist das Bildrauschen während der Aufnahme komplett zu unterdrücken schauen wir uns einige Möglichkeiten zur Rauschreduzierung an.

 

Eine einfache Möglichkeit ist es das Motiv möglichst hell abzubilden. Dabei sind die gewollten Informationen, die vom Sensor aufgezeichnet werden, stärker als das ungewollte Bildrauschen. Das Bildrauschen wird somit "überschrieben", um es mal einfach auszudrücken.

 

Im Light Painting ist es weit verbreitet die Funktion "Live View" zu verwenden um den Bildausschnitt festzulegen und zu fokussieren. Da das Live View Bild vom Sensor aufgenommen und auf dem Display dargestellt wird erwärmt sich auch hier der Sensor. 


Das Display hat ebenfalls keinen Wirkungsgrad von 100% und trägt somit zusätzlich zur Erwärmung des Kameragehäuses bei. Es empfiehlt sich nach dem Einrichten der Kamera mittels Live View dieses abzuschalten und dem Sensor etwas Zeit zum Abkühlen zu lassen bevor man mit dem Light Painting beginnt. 

 

Die meisten Kameras verwenden spezielle interne Algorithmen zur Rauschreduzierung. Meist kann man diese im Menü ein- oder ausschalten. Grundsätzlich gibt es zwei Varianten zur kamerainternen Rauschreduzierung. "Rauschreduzierung bei hohen ISO-Werten" hat nur Einfluss auf das komprimierte JPEG-Bild, aus diesem Grund ist diese Funktion für die meisten Light Painter uninteressant. In den allermeisten Fällen werden wir unsere Light Painting Bilder im RAW-Format aufnehmen.

 

Die Funktion "Rauschreduzierung bei langen Belichtungszeiten" wirkt (auch) auf das RAW-Bild. Diese Funktion, kann je nach Kamera und den anderen oben genannten Faktoren, durchaus für ein besseres Ergebnis sorgen. Bei dieser Funktion wird nach der eigentlichen Aufnahme eine weitere Aufnahme gemacht ohne den Verschluss zu öffnen, ein Dunkelbild also. Alle Informationen in diesem Dunkelbild sind zwangsläufig ungewolltes Bildrauschen. Die Informationen werden dann vom eigentlichen Bild vor der Speicherung "abgezogen" und mit Informationen aus den Nachbarpixeln aufgefüllt. Das funktioniert allerdings nur bis zu einer bestimmten Stärke des Bildrauschens ohne sichtbaren Qualitätsverlust. Die Belichtungszeit ist, von einigen Canon Kameras abgesehen, genau so lang wie die der eigentlichen Aufnahme. Und genau da sind wir beim Hauptproblem dieser Funktion. Der ungeduldige Light Painter muss nach der 10 Minuten Performance weitere 10 Minuten abwarten bis er ein Blick auf das Display der Kamera werfen kann und dann entweder das Light Painting wiederholen oder das nächste Bild in Angriff nehmen kann. Auf der anderen Seite ist das Bildrauschen bei kürzeren Belichtungszeiten (bis 2 Minuten) bei den allermeisten Kameras im fertigen Ergebnis nicht sichtbar, die Funktion bringt dann also keinerlei Verbesserung. An unseren Kameras ist aus diesem Grund die Funktion fast immer ausgeschaltet. 

Darüber hinaus hat die nachträgliche Rauschminderung, egal ob in der Kamera oder im Post Processing am Computer, fast immer negativen Einfluss auf andere Aspekte der Bildqualität (Schärfe, Kontrastumfang). Um diese Funktion sinnvoll einsetzen zu können solltest Du mit Deiner Kamera einige Testaufnahmen machen. Wenn das Bild mit aufgesetztem Objektivdeckel bei ISO 100, 20°C Umgebungstemperatur und 10 Minuten Belichtungszeit fast komplett rauschfrei auf der Speicherkarte landet kannst Du diese Funktion getrost ausschalten. Die meisten Light Paintings wirst Du wohl innerhalb dieser Parameter umsetzen. 

 

Nötigenfalls ist eine Rauschreduzierung auch in der Bildbearbeitung am Computer möglich. Durch das fehlende Dunkelbild kann diese allerdings nicht so effektiv arbeiten wie die interne Rauschreduzierung der Kamera. Wobei es natürlich auch möglich ist das Dunkelbild selbst anzufertigen und dem Computer zu übergeben (10 Light Painting Bilder a 10 Minuten - 1 Dunkelbild a 10 Minuten). Im Bereich der Astrofotografie ist diese Arbeitsweise weit verbreitet. 

Dynamikumfang, Auflösung, Schärfe, Farbwiedergabe...

Auf die oben genannten physikalischen Eigenschaften kann der Light Painter wenig bis gar keinen Einfluss nehmen, diese Parameter sind vom Hersteller während der Produktion der Kamera festgelegt worden. Einzig in der nachträglichen Bildbearbeitung kann man daran etwas ändern. Allerdings auch nur soweit wie der Sensor Information aufgezeichnet hat.

Ein moderner Sensor von Sony hat konstruktionsbedingt einen größeren Dynamikumfang als Sensoren von Canon oder Olympus. Der Sensor nimmt also mehr Information auf. 

 

Auflösung und Schärfe sind bei fast allen halbwegs aktuellen Kameras auf so hohem Niveau, dass problemlos große Prints von den Aufnahmen angefertigt werden können. Die Anzahl der Pixel spielt für die meisten Anforderungen kaum eine Rolle. 12 Millionen Bildpunkte entsprechen bei der Darstellung auf einem Monitor mit den üblichen 75ppi einer Fläche von ca. 150 x 100 cm. Prints mit 300 dpi sind bis zur Größe Din A3 möglich. Da der Betrachtungsabstand bei größeren Abzügen steigt kann man durchaus auch größere Formate in geringerer Auflösung drucken. Niemand betrachtet die 3 Meter große Leinwand ernsthaft aus 5 cm Entfernung.

 

Im Light Painting interessiert uns also einzig der Dynamikumfang und das Rauschverhalten des Sensors. Alle anderen Eigenschaften sind entweder nicht von großem Belang oder lassen sich mit einfachen Mitteln am Computer korrigieren, wie der Weißabgleich beispielsweise. 

 

 


Wie haben wir getestet?

Mit allen Kameras wurden zwei Testreihen angefertigt. Beide Reihen wurden jeweils in geschlossenen Räumen bei 20°C Raumtemperatur durchgeführt. Die Kameras wurden während der Aufnahmen nicht bewegt. Entweder war der Objektivanschluss mit dem passenden Deckel verschlossen oder das Objektiv mit dem Objektivdeckel abgedeckt. Alle Bilder wurden als RAW in voller Auflösung aufgenommen. Die Funktion zur Rauschreduzierung war ausgeschaltet.

Für die erste Testreihe wurden Aufnahmen mit jeweils 30 Sekunden Belichtungszeit mit allen ganzen ISO-Werten durchgeführt. In einigen Fällen werden wir auch im Light Painting mit höheren ISO-Werten als 100 arbeiten.

 

Im zweiten Durchgang wurden bei ISO 100 Aufnahmen mit folgenden Belichtungszeiten aufgenommen: 30, 60, 90, 120, 150, 180 und 600 Sekunden. Dieser Teil ist der eigentlich interessante für die Arbeit im Bereich Langzeitbelichtung und Light Painting.

 

Ausgewertet habe ich die Ergebnisse über das Histogramm. Umso weiter das Histogramm nach rechts wandert desto mehr Informationen hat der Sensor aufgezeichnet. Da während der Aufnahmen kein Licht auf den Sensor auftraf sind alle aufgezeichneten Information Bildrauschen und somit ungewollt.

 

Der dargestellte Bereich reicht von 0 bis 255. 0 bedeutet dass keinerlei Informationen aufgezeichnet wurden, 255, dass alle Pixel weiß bei voller Helligkeit angeregt wurden. Das rechnerische Mittel wurde von mir als Kriterium für den Vergleich herangezogen. Das Histogramm aus dem Beispiel ist von der Aufnahme des Bildrauschens von oben. 31,2 ist ein extrem hoher Wert für ein Dunkelbild. Mit diesen Einstellung ist eine normale Aufnahme kaum mehr möglich. 

Zum Vergleich: das rechnerische  Mittel des Light Painting Bildes aus dem vorherigen Abschnitt beträgt 80,8. Auch bei recht hellen Bildern, wie dem mit der Hand weiter oben, liegt es meist nicht über 100.

 

Unten ist die Verteilung auf die einzelnen Farben dargestellt. Für das Ergebnis ist allerdings meist völlig unerheblich ob das Rauschen einen höheren Anteil rot, grün oder blau hat. Wenn die Hauptfarbe des Light Paintings blau ist wird allerdings ein hoher Anteil an blauen Hotpixeln nicht so sehr stören wie die roten und grünen Hotpixel. Für die praktische Arbeit im Light Painting spielt das aber keine Rolle, niemand wird seinen Sensor genau analysieren und danach die Hauptfarbe für das Light Painting auswählen.


Im Idealfall beträgt das rechnerische Mittel für unsere Dunkelbilder 0, also keinerlei Bildrauschen. Im Dunkelbild bei 100% Vergrößerung deutlich sichtbar wird das Rauschen ab Werten von ca. 6. Wann das Bildrauschen in richtigen Bildern sichtbar wird ist schwer vorauszusagen und vor allem abhängig vom Schwarzanteil im Bild. Wie oben schon ausgeführt ist das Bildrauschen in hellen Bildbereichen weniger sichtbar. Bei Werten ab 12 ist das Rauschen schon im kleinen Vorschaubild deutlich sichtbar. Somit wird das in den allermeisten Bildern als störend wahrgenommen werden. Die Rauschreduzierung der Kamera wird sicher fast immer das Ergebnis verbessern, aber irgendwann kommt auch diese an ihre Grenzen. Bilder mit Werten größer als 25 sind vermutlich fast immer ein Fall für den Mülleimer. Hier mal einige Beispielbilder als 100% Crop (zum Vergrößern anklicken): Rechnerisches Mittel von links nach rechts 0,2 - 1,4 - 5 - 12 - 23 -33

Bedeutung der Angaben in den folgenden Tabellen:
- In der Spalte "Jahr" ist das Jahr der Markteinführung angegeben. Evtl. technische Änderungen ohne Änderung der Modellbezeichnung sind unberücksichtigt. 

- "Preis" ist der aktuelle Straßenpreis. Bei Kameras, die nicht mehr produziert werden der durchschnittliche Preis für ein gebrauchtes Exemplar in gutem Zustand

- In der Spalte "Mpix" steht die vom Hersteller angegebene Auflösung.

- in den anderen Spalten ist das rechnerische Mittel für die Farben aus dem Histogramm angegeben. (s.o.) - 180s und 600s bei ISO 100 - ISO 800 und 3200 mit 30 Sekunden Belichtungszeit

- die Sensorgrößen: FX (Kleinbildformat) - 36 x 24 mm - DX 23,6 x 15,8 mm - APS-C 22,5 x 15 mm - MFT 17,3 x 13 mm
Die tatsächliche Größe der Sensoren weicht bei einigen Modellen geringfügig von den obigen Angaben ab.

 

Nikon

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
D7200 2015 920€ 24,2 DX 0,1 0,8 1,0

10,1

D300 2007 150€ 12,3 DX 1,6 6,6 2,3

11,3

D300s 2009 300€ 12,3 DX 0,0 0,1 1,0

3,8

D750 2014 1700€ 24,3 FX 0,1 0,3 1,3

5,1

Die "alte" D300s liefert erstaunlich gute Ergebnisse ab. Bei der D300 (ohne S) habe ich das Infrarot-Sperrfilter ausgebaut. Ich kann nicht sagen ob das Auswirkungen auf das Bildrauschen hat. In der D300 ist ein anderer Sensor verbaut als in der D300s auch wenn die angegebene Auflösung gleich ist. Die D300 hat genau 12389760 Bildpunkte, die D300s mit 12212224 Pixeln eine etwas geringere Auflösung. Auch die anderen Nikon Modelle schlagen sich gut bei langen Belichtungszeiten. Mit der D300s und der D750 sind darüber hinaus auch relativ lange Zeiten bei ISO-Werten bis 3200 problemlos möglich.

Canon

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
EOS 1000D 2008 135€ 10,1 APS-C 4,2 4,9

6,9

10,4*
EOS 80D 2016

885€

24,2 APS-C 1,4 2,7 4,7

12,9

EOS 70D 2013  760€ 20,2  APS-C        
EOS 5D 2005 300€ 12,8 FX 3,6 10,7 3,2 12,3
EOS 5D Mark III 2012 1780€ 22,3  FX  2,6 2,6  3,9 8,8 
EOS 5D Mark IV 2016 3000€ 30,1 FX 1,2 1,3

2,1

6,6
EOS 6D 2013 1000€ 20 FX 1,4 2

7,4 

* ISO 1600 - der höchste ISO-Wert der 1000D
Die Canon Kameras weisen allgemein ein geringfügig höheres Bildrauschen bei langen Belichtungszeiten auf als die vergleichbaren Nikon Modelle.
Mit der EOS 6D zum Preis von ca. 1000€ hat man auf jeden Fall ein grundsolides Arbeitsgerät im FX-Format mit geringem Bildrauschen bei langen Belichtungszeiten. Nur wenn es wirklich auf höchste Qualität für große Abzüge ankommt lohnen sich die ca. 700€ Mehrinvestition für eine  Nikon D750. 

Die alte 5D von 2005 ist für Langzeitbelichtungen und Light Painting nur sehr bedingt zu gebrauchen. Für die aktuellen Preise für gebrauchte Exemplare ist man mit der Nikon D300s auf jeden Fall besser bedient.

 

Sony

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
α7II 2014 1160€ 24,3 FX  0,3 1,8  3,2  11,2 
α77 2011  340€ 24,3  APS-C  0,4 6,2  22,8 
α7R III 2017 2900€ 42 FX

0,2

0,4  1,6 7,6 

Hier haben mich die Ergebnisse dann doch ein wenig überrascht. Von den Sony Kameras hatte ich mehr erwartet. Im direkten Vergleich mit der Nikon D750 schneidet die Sony α7II etwas schlechter ab. Das höhere Bildrauschen der Sony ist vermutlich der etwas schlechteren Wärmeableitung des kleineren Gehäuses geschuldet, aber dafür kostet das Schmuckstück auch 500€ weniger als der Nikon-Bolide.

 

Die günstige α77 schlägt sich bei ISO 100 und langen Belichtungszeiten recht gut. Bei ISO 3200 rauscht das Ding allerdings wie ein Wasserfall.

 

Die α7RIII hat die höchste Auflösung im Test. Die Werte bei langen Belichtungszeiten und hohen ISO Werten sind gut. Allerdings ist die Bedienung dieser Kamera eine Katastrophe wenn man mit langen Belichtungszeiten arbeiten will. Es gibt keinen "Time" Modus, der "bulb" Modus funktioniert nicht im "silent shooting" Modus, da muss man erstmal drauf kommen. Während der Belichtung war die ganze Zeit die Hintergrundbeleuchtung des Displays an. Was soll dieser Mist? Der Akku wird leer gelutscht und das Display erwärmt zusätzlich das Gehäuse, somit nimmt das Bildrauschen völlig unnötig zu. Da das Gehäuse im Vergleich mit den dicken DSLR's kleiner ist, sind die meisten Bedienelemente auch kleiner. Dieses Drehrad rechts neben dem Display war überhaupt nicht mein Freund. Eine Bedienung in der Dunkelheit wird somit zur Herausforderung, zumindest in meinem Test an einem Wochenende. Ich war nicht wirklich traurig als ich die Kamera wieder abgeben musste.

Olympus

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
OM-D E-M1 2013 1000€ 16 MFT  19,1

k.A. 

10,9 33
OM-D E-M10 II 2015 365€ 16 MFT 3,6 11,5 2,8  9,1 

Die kleinen MFT-Sensoren weisen ein allgemein hohes Bildrauschen auf. Die E-M1 von 2013 ist für lange Belichtungszeiten kaum zu gebrauchen, selbst bei Belichtungszeiten von 60 Sekunden bei ISO 100 beträgt das rechnerische Mittel schon 9. Bei einer längeren Light Painting Performance wird auch die interne Rauschreduzierung an ihre Grenzen stoßen. Einzig die von vielen Light Paintern geschätzte Funktion "Live Composite" ist ein Argument für den Kauf einer Olympus. Wer ergebnisorientiert arbeiten will und oft Light Painting mit Belichtungszeiten von mehr als 5 Minuten machen will sollte besser keine Olympus-Kamera verwenden.

Fujifilm

Modell  Jahr Preis Mpixel Sensor 180s 600s ISO800 ISO3200
X-T1 2014 1500€ 16 APS-C 0,5 0,6  1,4  3,9 
X-T10 2015 700€ 16 APS-C 0,8 0,6 1,9 4,4

Der kleinste ISO-Wert für das RAW-Format der Fuji Kameras ist 200, also sind die Werte für 180 und 600 Sekunden nicht wie bei den anderen Kameras mit ISO 100 aufgenommen. ISO 200 können allerdings für einige Light Painting Ideen zu hoch sein. 

Fazit

Nach den bisherigen Testreihen geht die Empfehlungen ganz klar an die Nikon D300s. Eine gebrauchte Nikon D300s in gutem Zustand mit nicht mehr als 50000 Auslösungen ist aktuell für unter 300€ zu bekommen, Light Painting Spaß für den kleinen Geldbeutel. Die Kamera ist sehr robust, Nikon gibt auf den Verschluss eine Garantie für 150000 Auslösungen. Somit hat man sicher auch mit einem gebrauchten Exemplar noch lange Zeit seine Freude. Unsere beiden D300(s) haben schon sehr viel mitgemacht und funktionieren tadellos wie am ersten Tag.

Wer lieber eine neue Kamera kaufen will sollte sich die Canon EOS 6D und die Nikon D750 etwas eingehender anschauen.  

Die X-T1 von Fujifilm macht eine gute Figur, ist allerdings nicht unbedingt ein Schnäppchen für eine APS-C Kamera. 


Eigentlich hatte ich den Plan zusätzlich Vergleichsaufnahmen zum Thema Dynamikumfang zu machen. Da der Artikel aber schon recht ausführlich ist werde ich das Thema in einem separaten Artikel aufnehmen. Das liest sonst niemand. ;-)

DANKE

Ich danke sehr herzlich allen, die mich bei diesen Artikel unterstützt haben: Matti Thurley, Dominic Poncé, Gunnar Heilmann, Manuel Paul, Ulrich Günther, Erich Klingenberg, Roland Brei, Martin Wink ... ich hoffe, ich habe niemanden vergessen.

tbc

Ich würde gerne den Artikel ständig mit den Testergebnissen weiterer Kameras erweitern. Wenn Du also eine Kamera hast die hier noch nicht getestet wurde und Du eine Stunde Zeit für die Anfertigung der Testbilder erübrigen kannst freue ich mich über Deine E-Mail. sven(at)lichtkunstfoto.de

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Benro Getriebeneiger

Der perfekte Light Painting Stativkopf?

Die Anzahl der erhältlichen Getriebeneiger ist recht überschaubar. Spontan fallen mir nur die Hersteller Arca Swiss und Manfrotto ein, die solche Stativköpfe bauen. Für den Erwerb eines Neigers der Firma Arca müssten die meisten Menschen erst einmal eine Bank überfallen, das Model D4 geared pan kostet schlanke 1514,87€, die geared "Cube" Teile sind noch teurer. 
Die Getriebeneiger der Firma Manfrotto sind zwar preiswerter, haben, wie alle Köpfe von Manfrotto, allerdings einen entscheidenden Nachteil, sie sind nicht Arca Swiss kompatibel. Ich bin also gezwungen diese proprietären Manfrotto-Schnellwechsleplatten zu verwenden oder das Teil auf Arca umzubauen. So richtig lustig finde ich, dass die Manfrotto-Teile schon untereinander nicht kompatibel sind. Wenn ich mich nicht irre gibt es mittlerweile drei verschiedene Manfrotto-Systeme. 

An allen unseren Kameras sind passgenaue L-Winkel montiert. Diese Winkel sind immer Arca Swiss kompatibel. Für keines der Manfrotto-System sind solche L-Winkel erhältlich. Aus diesem Grund habe ich den 3-Wege-Neiger von Manfrotto auf Arca Swiss umgerüstet. Diese Lösung ist nicht optimal weil ich ein zusätzliches, geschraubtes Bauteil habe was unter Umständen Einbußen bei der Stabilität der Kombination aus Stativ, Kopf und Kamera zur Folge hat. Und mehr Gewicht trage ich dann auch mit mir herum.

Warum Getriebeneiger?

Im Gegensatz zu Kugelköpfen oder auch 3-Wege-Neigern kann man mit einem Getriebeneiger die Kamera ausrichten ohne den Kopf lösen zu müssen. Während der Ausrichtung der Kamera bewegt sich die Kamera nur wenn man am Getriebe dreht. Wenn man aufhört zu drehen ist die Kamera immer genau in der letzten Position fixiert. 


Bei Kugelköpfen sackt die Kamera meist nach dem Festdrehen etwas nach. Beim 3-Wege-Neiger verändert sich die Position oft ebenfalls geringfügig beim fixieren. Obwohl der 3-Wege-Neiger zumindest den Vorteil hat, dass sich die Richtungen getrennt einstellen lassen und nicht wie beim Kugelkopf alles gleichzeitig ausgerichtet werden muss.

Dieses Gefummel mit einem Kugelkopf kann recht zeit- und nervenraubend sein. Kugelköpfe halte ich für sehr ungeeignet wenn es auf genaue Ausrichtung der Kamera ankommt um beispielsweise stürzende Linien im Bild zu vermeiden. In der Langzeitbelichtung und im Light Painting ist darüber hinaus ein absolut fester Halt der Kamera notwendig. 

Seit Mitte 2018 bietet der chinesische Hersteller Benro einen Arca Swiss kompatiblen Getriebeneiger an. Vor einigen Tagen ist das Paket bei mir eingetroffen. Der erste Eindruck ist gut. Alles ist sauber verarbeitet und wirkt stabil und robust. Ob der erste Eindruck sich im harten Alltag bestätigt wird die Zeit zeigen. 

Auf dem Manfrotto 055 sieht der Neiger im Vergleich zum Manfrotto 3-Wege-Neiger etwas verloren aus. Durch die breite Schulter des Stativs ist der Platz zwischen Stativ und dem unteren Knopf recht knapp. Man kann das zwar noch gut bedienen aber komfortabler wäre es wenn entweder der Knopf etwas länger wäre oder das Unterteil des Neigers etwas höher und größer wäre. Da dieser Knopf ausschließlich für die Drehung zuständig ist wird man diesen aber nicht so oft betätigen. Auf Stativen mit breiteren Schultern als beim 055er wird man sicher Schwierigkeiten haben den Kopf überhaupt auf dem Stativ befestigen zu können.

 

In der Grundstellung sind alle 3 Wege fest. Wenn man das Außenteil des Knopfes dreht verstellt man die jeweilige Richtung ganz fein über das eingebaute Getriebe. Wenn man das vordere, gezahnte Teil dreht löst man die Arretierung für die jeweilige Richtung und kann den Kopf in der jeweiligen Richtung frei bewegen. Sobald man das Zahnrad loslässt wird dieses mit der eingebauten Feder wieder zurück in die Ausgangspostion bewegt und der Kopf ist wieder arretiert. 

 

Die eingebauten Libellen und die aufgebrachten Grad-Skalen sind meines Erachtens nach überflüssig. Ich verlasse mich lieber auf den virtuellen Horizont in der Kamera. In der Dunkelheit ist dieser auf jeden Fall besser zu erkennen als die Libellen am Stativ.

 

Was mir besonders gut gefällt ist die Arca Swiss Klemme. Die Schraube lässt sich erstmal nur soweit aufdrehen, dass die Kamera sich zwar nach links und rechts verschieben lässt aber nicht aus der Klemme rutschen kann. Abstürze sind somit ausgeschlossen. Um die Kamera vom Neiger entfernen zu können zieht man die Schraube etwas nach hinten und kann dann weiter auf drehen. 


Kaufen kann man das gute Stück unter anderem bei Amazon. Der Preis liegt aktuell bei 230€, ungefähr soviel wie der Manfrotto MA 410. Der Hersteller gibt die Tragfähigkeit mit 6 kg an, völlig ausreichend für den Einsatz im Light Painting. Für das dicke Paparazzo-Tele könnte das Teil allerdings zu schlapp sein. Das Gewicht gibt Benro mit 740 g an, auf dem Display meiner Küchenwaage stehen allerdings fast 100 g weniger. Vermutlich haben die Freunde aus Fernost die mitgelieferte Arca Schnellwechselplatte mit gewogen. Diese macht, nebenbei bemerkt, einen sehr vernünftigen Eindruck und sieht mit der blauen Eloxierung ziemlich cool aus. 

 

Allzeit gutes Licht
Sven

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Light Painting mit unterschiedlich starken Lichtquellen

Flexible Belichtung im Light Painting

Im Beispielbild haben wir in einer einzelnen Belichtung mit EL-Wire, LED-Tagfahrlichtern, RGB-Scheinwerfern, Feuerwerk und starken LED-Taschenlampen gearbeitet. Dieses Bild haben wir während des Workshops im April 2018 aufgenommen. Die Kombination derart unterschiedlich heller Lichtquellen ist alles andere als einfach in einem Lightpainting unterzubringen, aber machbar wie Du siehst. Dieser Artikel soll Dir etwas Erhellung zum Thema flexible Belichtung bringen.

Grundlagen

Grundsätzlich haben folgende Faktoren Einfluss auf die Helligkeit im fertigen Light Painting:

ISO Wert, Blende, Helligkeit der Lichtquelle, Entfernung zwischen Sensor und Licht und die Bewegungsgeschwindigkeit der Lichtquelle.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Kamera und Objektiv

Vor einigen Jahren haben wir uns angewöhnt fast ausschließlich mit ganzen ISO-Werten und ganzen Blenden zu arbeiten, auch wenn alle modernen Kameras die Möglichkeit bieten sowohl den ISO-Wert als auch die Blende in Driitel- oder zumindest in halben Stufen einzustellen. Ein Grund ist, dass wir die Blende meist am Blendenring des Objektivs einstellen und dieser bei den meisten Objektiven nur bei den ganzen Blenden einrastet. Der zweite Grund ist, dass die Berechnungen zur Helligkeit einfacher sind.

 

Die ganzen ISO-Werte sind 25, 50, 100, 200, 400 usw.. Der Wert verdoppelt sich also immer. Bei der Erhöhung des Wertes um eine ganze Stufe nimmt der Sensor die doppelte Lichtmenge auf. Hohe ISO-Werte haben allerdings einen entscheidenden Nachteil. Bei den meisten Kameras nimmt das Bildrasuchen stark zu wenn man höhere ISO-Werte einstellt. Aus diesem Grund werden wir im Light Painting in den meisten Fällen mit dem kleinsten nativen ISO-Wert arbeiten. Dieser ist z.B. bei der Nikon D750 100. Bei dieser Einstellung hat der Sensor den größten Dynamikumfang.

 

Die ganzen Blenden sind 1 - 1,4 - 2 - 2,8 - 4 - 5,6 - 8 - 11 - 16 -22 - 32 - und theoretisch 45 - 64 - 90 - 128. Mir ist allerdings kein Objektiv bekannt welches sich weiter als bis f32 abblenden ließe, meist ist schon bei f22 Schluss. Bei den meisten Objektiven tritt bei sehr kleinen Blenden der Effekt der Beugungsunschärfe ein. Bei großen Sensoren wird dieser Effekt noch verstärkt. Aus diesem Grund blenden wir möglichst nie weiter als bis f16 ab.

Auch hier verdoppelt sich die vom Sensor aufgezeichnete Lichtmenge wenn man die Blende um eine ganze Stufe weiter öffnet. Bei der Blende verhält es sich allerdings "falsch herum". Umso kleiner die Zahl desto größer die Blenden-Öffnung, f8 ist also doppelt so "hell" wie f11.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mir ist keine Kamera bekannt bei der sich der ISO-Wert während der Belichtung verstellen ließe. Technisch dürfte das kein großes Problem darstellen, wenn die Bedienung der Kamera nur nicht während der Belichtung blockiert wäre.

Also müssen wir uns im Light Painting vor der Aufnahme auf einen ISO-Wert festlegen, an diesem Punkt können wir also nicht während der Belichtung steuernd eingreifen. Aber glücklicherweise haben wir noch die anderen oben genannten Möglichkeiten.

 

Die elektronische Steuerung der Blende über das Drehrad der Kamera ist zwar ebenfalls während der Belichtung gesperrt, wenn man aber ein Objektiv mit einem Blendenring verwendet kann man durchaus während der Belichtung die Einstellung für die Blende verändern.


Wie bereits oben erwähnt ist mithilfe des Blendenringes bei den meisten (von uns verwendeten) Objektiven die Einstellung der Blende nur in ganzen Schritten möglich. Einige Objektive, wie Meyer Optik Görlitz oder Helios lassen sich allerdings im Prinzip stufenlos verstellen weil der Weg zwischen f8, f5,6 und f2 oder f2,8 recht lang ist. Man kann also einfach zwischen dem Raster anhalten.

 

Einige Empfehlungen für Objektive mit Blendenring:
Nikkor 17-35/2,8 - eines der sehr wenigen Zoom-Objektive mir manueller Blendensteuerung

Im Portfolio der Firma Canon befindet sich aktuell kein Zoom-Objektiv mit Blendenring. Von einigen gebrauchten Linsen abgesehen, fällt mir spontan auch kein Drittanbieter ein, der Blendenringe an seinen Zoom-Objektiven verbaut. Mithilfe eines Adapters ist dieses Objektiv an Canon oder Sony Kameras nutzbar.

Nikkor 24/2,8 - klein, leicht und hervorragende Abbildungsleistung 

Samyang 14/2,8 - komplett manuelles Super-Weitwinkel - erhältlich für alle gängigen Kameras

Samyang 24/1,4 - ebenfalls komplett manuell - sehr lichtstark

Laowa 12/2,8 - beeindruckend kurze Brennweite - fast ohne Verzeichnung - recht teuer

Darüber hinaus sind auch einige längere Festbrennweiten mit manueller Blendeneinstellung erhältlich. 

ND-Filter

Falls die Lichtquellen für das geplante Light Painting einen größeren Helligkeitsunterschied haben als sich mit dem Spielraum von f2 bis f16 aufzeichnen lässt hilft die Verwendung eines, oder auch mehrerer, Neutraldichtefilter weiter. Diese Filter sind in unterschiedlichen Dichten erhältlich und ermöglichen somit verschiedene Stufen der Abdunklung. Beim Kauf der Filter solltest Du die Beschreibung genau lesen. In vielen Fällen wird anstelle des Wertes der Dichte (ND) der Wert für die Verlängerung der Belichtungszeit angegeben der "ND8" Filter ist in diesem Fall ein Filter mit ND 0,9. Hier mal ein Überblick der gängigen Filter:

ND

0,3

0,45

0,6

0,9

1,0

1,2

1,8

2,0

3,0

Verlängerungsfaktor

2

3

4

8

10

16

64

100

1000

Blendenstufen

1,0

1,5

2,0

3,0

3,3

4,0

6,0

6,6

10

Durchlässigkeit

50%

35%

25%

12,6%

10%

6,3%

1,6%

1,0%

0,1%


Erhältlich sind diese Filter als Schraubfilter für alle gängigen Gewinde und als eckige Filter für die verschiedenen Systeme. Bei der Kombination mehrerer Filter gilt es zu beachten, dass sich die Werte nicht addieren sondern multiplizieren. Zwei Filter ND 3,0 entsprechen dann also einem Verlängerungsfaktor für die Belichtungszeit von 1 Million. Aus 1 Sekunde Belichtungszeit werden dann also 277,77 Minuten.

 

Am zweckmäßigsten und preisgünstigsten ist es Schraubfilter in der Gewindegröße des größten verwendeten Objektivs anzuschaffen und mithilfe von Adapterringen an die kleineren Objektive zu adaptieren. In unserem Fall ist dies 77mm. Mit diesem Kit hast Du einen guten Einstieg. Die Filter von Haida verwenden wir schon sehr lange. Sie sind gut verarbeitet, haben einen dünnen Rahmen und lassen sich dadurch auch an sehr kurzen Brennweiten verwenden ohne das Bild negativ zu beeinflussen. Billige Filter sind aus Kunststoff gefertigt und aus diesem Grund von nicht so hoher optischer Qualität und nicht sehr robust gegen Kratzer.

Ein Sonderfall sind variable ND-Filter. Bei diesen lässt sich der Grad der Verdunklung stufenlos einstellen. Bisher habe ich keine Erfahrung mit solchen Filtern sammeln können. Offensichtlich ist die optische Qualität dieser Filter nicht wirklich gut, bei bestimmten Einstellungen bildet sich in der Mitte ein dunkles Kreuz, oder der Bildränder werden deutlich stärker abgedunkelt als die Mitte.

Vor der Kamera

Helligkeit der Lichtquelle

Umso heller unsere Lichtquelle leuchtet desto heller wird die Lichtspur im fertigen Light Painting sein. Grundsätzlich ganz einfach, oder? Schwierig wird es wenn im Bild eine sehr helle Lichtquelle dargestellt werden soll welche nicht vom Light Painter ein- und ausgeschaltet werden kann wie der Leuchtturm im Beispielbild. Hier hilft es nur für das Light Painting sehr helle, möglichst fokussierbare, Lampen zu verwenden. In diesem Fall haben wir eine Led Lenser X21R.2 zur Ausleuchtung benutzt. Marla habe ich mit einem Led-Tagfahrlicht angeleuchtet. Das Light-Blade aus Plexiglas wurde mit einer Led Lenser M7RX beleuchtet. 

Bei der Arbeit im dunklen Raum empfiehlt es sich eher nicht so brutal helle Lampen zu verwenden und das Arbeitstempo zu verringern, und somit die Präzision zu verbessern.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Grundsätzlich sind (Taschen-) Lampen mit mehreren Helligkeitsstufen für die Arbeit im Light Painting eine gute Wahl. Ich kann somit die Helligkeit an die Erfordernisse anpassen. Einige Taschenlampen bieten sogar eine stufenlose Regelung wie die Sofirn Q8. In vielen Situationen im Light Painting kann das sehr nützlich sein, allerdings ist die Helligkeit schlechter reproduzierbar als bei Lampen mit festen Stufen. Mit bloßem Auge ist nicht zu erkennen ob die eingestellte Helligkeit genauso ist wie beim Light Painting vor einer Woche.

 

Die meisten Taschenlampen verringern während des Betriebs die Helligkeit. Einerseits um die Lampe vor zu hohen Temperaturen zu schützen und andererseits um die Laufzeit zu verlängern. 3000 Lumen und 4 Stunden Laufzeit hört sich ja viel besser an als realistische 1600 Lumen 3 Minuten nach dem Einschalten. Mit bloßem Auge ist diese Verringerung der Helligkeit kaum wahrzunehmen weil sie langsam und gleichmäßig ist, die Kamera sieht das allerdings sofort. Wenn das Light Painting länger als 1 bis 2 Minuten dauert sollte man, gerade bei der Ausleuchtung von Landschaften oder großen Räumen die Lampe zwischenzeitlich aus- und wieder einschalten um im ganzen Light Painting mit gleicher Helligkeit zu arbeiten. 

 

Grundsätzlich ist es für die Arbeit im Light Painting immer komfortabler wenn alle Lichtquellen eine ähnliche Helligkeit haben und ich somit auf die Veränderung der Blende bzw. die Verwendung von ND-Filtern verzichten kann. In vielen Situationen, beispielsweise bei der Verwendung von Feuerwerk, ist das allerdings kaum möglich. 

Abstand

Licht nimmt, wie alle Wellen, mit der Entfernung quadratisch ab. Wenn der Light Painter also mit der Lampe doppelt so weit vom Sensor mit der Lampe rumfuchtelt kommt nur noch ein Viertel des Lichtes in der Kamera an. Das bedeutet also wenn ich das Light Painting im Abstand von 3 Metern zur Kamera male stelle ich, abhängig von der Helligkeit und der Bewegungsgeschwindigkeit, beispielsweise Blende 11 ein. Wenn ich dann mit dem gleichen Tool und der gleichen Arbeitsweise das Light Painting in 6 Metern Entfernung zur Kamera male stelle ich die Blende auf 5.6 um die gleiche Helligkeit der Lichtspur im Bild zu haben. Andersrum verhält es sich natürlich genauso. 

Bewegungsgeschwindigkeit

Umso schneller ich die Lichtquelle bewege desto dunkler wird die Lichtspur im fertigen Light Painting dargestellt. Ich kann also somit während des Light Painting durch die Veränderung des Tempos direkt auf die dargestellte Helligkeit einwirken. Wenn ich mich mit meinem Tool weiter von der Kamera entferne werde ich die Bewegungen verlangsamen. Wenn die Lichtspur in einigen Bereichen dunkler dargestellt werden soll werde ich die Bewegung beschleunigen. Somit habe ich eine sehr einfache Möglichkeit der Lichtspur Struktur zu verleihen. Das funktioniert allerdings nur bei der Arbeit in einer Langzeitbelichtung. Durch Funktionen wie Live Composite wird die Lichtspur meist sehr homogen sein und eher wie reingestempelt aussehen weil die Helligkeit bis zur eingestellten Grundhelligkeit addiert wird.


Zwischenfazit

ISO, Blende, Entfernung, Helligkeit, Bewegungsgeschwindigkeit - für den Light Painting Einsteiger klingt das sicher erst einmal recht kompliziert. Und ehrlich gesagt ist es das auch. Aber genau diese Komplexität ist für mich ein wichtiger Grund Light Painter zu sein. Ich suche immer wieder nach neuen Herausforderungen. 


Nach einer Weile stellt sich sicher auch bei Dir eine gewisse Routine und ein gewisser Automatismus ein. Gerade als Einsteiger solltest Du nicht einfach wild mit den Lampen vor der Kamera rumfuchteln. Überlege vorher was Du machen willst. Verwende möglichst wenige verschiedene Lichtquellen. Schau Dir Deine Bilder genau und kritisch an. Mach Dir Notizen zu den verwendeten Lichtquellen und den Einstellungen an der Kamera. Notiere was Du beim nächsten Mal besser machen willst und wie Du das erreichen kannst. Verzichte auf Hilfsmittel wie Live Composite. Wenn Du Dich auf diese Funktion verlässt wirst Du nie lernen wie Licht funktioniert und wie man mit verschiedenen Ebenen aus Licht vor der Kamera arbeitet. Light Painting ist für mich so viel mehr als das schnelle Ergebnis. Light Painting ist der Prozess von der ersten verrückten Idee, über die Suche nach geeignetem Material, dem Bau der benötigten Tools, dem Erarbeiten der Choreografie, den besonderen Erlebnissen und Gefühlen während des Light Painting bis zum besondern Gefühl der Befriedigung in dem Moment wenn die verrückt Idee auf dem Display der Kamera sichtbar wird.

Anwendung im Light Painting

Wie wendet man nun das Wissen aus den vorherigen Abschnitten praktisch im Light Painting an?

Als erstes gilt es immer das vorhandene Licht an der Location zu berücksichtigen (Mond, Straßenbeleuchtung, usw.). In den meisten Fällen, wie z.B. am Leuchtturm von oben, werden wir dieses Licht nicht beeinflussen können. Ich kann ja schließlich nicht den Leuchtturm ausschalten. Es empfiehlt sich einige Testaufnahmen zu machen um zu ermitteln wie lange ich bei welcher Blende maximal belichten kann ohne, dass die vorhandenen Lichtquellen überstrahlen. Diese maximale Belichtungszeit ist dann also die für das Light Painting zur Verfügung stehende Zeit.

Sollte unsere Light Painting Location komplett dunkel sein können wir diesen Schritt natürlich überspringen.


Nachdem nun klar ist, dass ich beispielsweise bei Blende 11 maximal 2 Minuten Zeit habe um mein Light Painting an dieser Location umzusetzen ist der nächste Schritt die Wahl der geeigneten Lampen und Tools. Bei Blende 11 und 10 Meter Abstand zur Kamera benötige ich also eine recht helle Taschenlampe. Im nächsten Schritt überprüfe ich mit weiteren Testaufnahmen ob die Helligkeit des Tools mit der geplanten Bewegungsgeschwindigkeit zur eingestellten Blende passt. Gegebenenfalls benutze ich ein hellere bzw. schwächere Lampe oder arbeite langsamer bzw. schneller. Alternativ bliebe mir die Möglichkeit durch Abblenden einzuwirken. Ist die gewählte Lampe zu hell blende ich auf f16 ab. Sollte das immer noch nicht genügen, wie z.B bei (hellem) Feuerwerk, benutze ich einen ND-Filter. Ein weiterer Vorteil wäre in diesem Beispiel die Verlängerung der maximal möglichen Belichtungszeit auf 4 Minuten wenn ich auf f16 abblende. Ich hätte mehr Zeit um mit den Lampen durch das Bild zu laufen. Anders herum halbiert sich natürlich die Zeit wenn ich die Blende von 11 auf 8 stelle. 

 

Wenn ich mehrere verschiedene Lichtquellen verwenden will mache ich im nächsten Schritt Testaufnahmen mit diesen. Als Beispiel will ich jetzt ein Blade aus Plexiglas und Feuerwerk in meinem Light Painting einsetzen und das Ganze an der Location mit vorhandenem Licht aus dem Beispiel von oben: 
Location = f11 - max 120 Sekunden

Blade = f8 - max. 60 Sekunden

Feuerwerk = f16 - max. 240 Sekunden 

Jetzt gilt es also alle Teile so zu kombinieren, dass alles in der gewünschten Helligkeit dargestellt wird. Keine der drei Lichtquellen ist überstrahlt, alle Lichter werden ausreichend hell dargestellt. Ich stelle die Blende auf 16 und belichte 20 Sekunden auf das Feuerwerk. Es bleiben dann noch 220 Sekunden bei f16 Restzeit, bei f11 110 Sekunden und bei f8 55 Sekunden. Ich stelle die Blende auf f8 für die Lichtspur mit dem Blade. Um diese zu malen benötige ich 30 Sekunden. Es bleiben dann also noch 25 Sekunden bei f8 übrig, oder 50 bei f11, oder 100 bei f16 um die Location in der gewünschten Helligkeit darzustellen. Entweder lasse ich jetzt die Blende auf 8 stehen und belichte noch weitere 25 Sekunden. Oder ich blende wieder ab um zum Beispiel Sternenspuren aufzunehmen. 

Einfacher und entspannter wird die Arbeit wenn die Location komplett dunkel ist, wie der Raum im Beispielbild. Hier kann ich die Choreografie (fast) komplett frei planen. Es spielt keine Rolle wie lange ich belichte, abgesehen vom zunehmenden Bildrauschen bei sehr langen Belichtungszeiten und der Laufzeit des Kamera-Akkus.

Im Beispiel habe ich  EL-Wire benutzt, eine sehr schwache Lichtquelle. Um die nebelartigen Lichtspuren des EL-Wire ausreichend hell darzustellen hatte ich die Blende des 14mm Objektivs aus 4 gestellt. Für die Lichtfigur stellte ich die Blende auf 11. Benutzt habe ich dafür drei Led Lenser M3R. Der Abstand betrug ca. 4 Meter. Die Ausleuchtung des Raumes habe ich mit drei RGB-Taschenlampen ebenfalls bei Blende 11 umgesetzt. Die dafür nötige Zeit hatte ich zuvor in Testaufnahmen ermittelt.


Die drei Lampen verbleiben in ihren Positionen und wurden für die Ausleuchtung ein- und dann wieder ausgeschaltet. Solch ein Bild gelingt gewöhnlicherweise nicht beim ersten Versuch. 

Der kleinste gemeinsame Nenner ist hier das EL-Wire bei Blende 4. Die Ausleuchtung ließe sich nötigenfalls ebenfalls bei f4 realisieren. Bei der Lichtfigur ist dies nahezu unmöglich. Mir ist keine (konventionelle) Lampe bekannt die einen derart lichtschwachen Strobe-Modus hätte, dass dies zur Blende 4 passen könnte. Ohne die Möglichkeit der flexiblen Belichtung hätte ich dieses Light Painting nicht umsetzen können. Spätestens beim Einsatz von Feuerwerk und EL-Wire in einem Bild habe ich ohne diese Technik keine Chance beides vernünftig darzustellen. Ein weiterer Aspekt ist die abnehmende Schärfentiefe bei f4. Wenn ich den kompletten Raum und alle Teile des Light Painting scharf haben will funktioniert das nur bei Blenden kleiner f8. 

Einen weiteren Aspekt sollte man bei der Planung des Light Painting ebenfalls immer berücksichtigen. Wenn ein Model im Bild steht sollte man die Zeit so weit es irgend möglich ist reduzieren damit das Model nicht unnötig lange im Bild stehen muss. Kaum jemand kann mehrere Minuten absolut regungslos stehen bleiben, und selbst wenn ist das für das Model sicher nicht besonders angenehm. Hier haben wir mehrere recht helle Lampen gleichzeitig zur Ausleuchtung des Kaufhauses benutzt. 

 

Ich hoffe der Artikel konnte etwas zu Deiner Erhellung beitragen.

 

Ich wünsche Dir allzeit gutes Licht

Sven


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Camera Rotation Light Painting

Light Painting "Andersrum"

In den meisten Fällen wird der Lightpainting Künstler mit bewegtem Licht vor der Kamera arbeiten. Eine nicht so weit verbreitete Form des Light Painting ist die kinetische Fotografie. Dabei werden während der Belichtung choreografierte Bewegungen mit der Kamera ausgeführt. In den meisten Fällen sind die Lichtquellen dabei fest, die Lichtspuren werden dann ausschließlich durch die Kamera-bewegungen ins Bild gemalt. 

Mit recht einfacher Ausrüstung sind hier Rotationen um die optische Achse, wie im Bild rechts, Drehen am Zoom des Objektivs, Schwenk nach links, rechts, hoch, runter oder auch die Drehungen um die Achse des Stativkopfes denkbar. Für andere Bewegungsrichtung benötigt man Spezialausrüstung wie Slider. Das wird nicht Gegenstand dieses Artikels sein, kaum jemand wird solche Ausrüstung zu Hause haben.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Grundsätzliches

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Für diese Art des Light Painting ist ein absolut fester Stand der Kamera unerlässlich. Wenn die Lichtspuren sauber und gerade sein sollen darf sich die Kamera während der Belichtung nicht bewegen.

Kurze Brennweiten sind für solche Bilder besser geeignet als lange. Umso größer die Brennweite desto mehr sieht man kleine Verwacklungen; die Lichtspuren laufen dann aus der Bahn.

 

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arbeitsweisen Entweder werden durch die Bewegungen der Kamera Lichtspuren gezeichnet oder es werden verschiedene Steps aufgenommen. Dafür wird das Objektiv zwischenzeitlich, also während der Bewegung, abgedeckt. Aber auch Kombinationen aus beiden Techniken in einer Aufnahme können sehr spannend sein.


Zoom

Die "einfachste" Variante der choreografischen Fotografie. Einfach deshalb weil fast jeder Fotograf ein Zoom-Objektiv in seinem Besitz hat. Während der Belichtung des Brandenburger Tors habe ich mehrfach den Zoom-Ring des Objektivs bewegt.

 

Der Zoom-Bereich muss nicht groß sein, für das Beispielbild hatte ich ein Tokina 19-35 mm an der Nikon D750. Um nicht all zu harte Anfänge und Enden der Lichtspuren im Bild zu haben habe ich den Zoom nicht bis zum Anschlag bewegt sondern nur bis kurz davor und dann unverzüglich wieder in die andere Richtung. Um das Brandenburger Tor deutlicher sichtbar zu machen habe ich im Anschluss noch einige Sekunden ohne Zoom-Bewegung belichtet. 

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Beim zweiten Bild vom Brandenburger Tor (Mitte) habe ich zwischendurch immer wieder das Objektiv abgedeckt und dann jeweils einige Sekunden mit den verschiedenen Brennweiten belichtet.

Camera Rotation Light Painting - Drehung um die optische Achse

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Mittlerweile ist diese Light Painting Technik recht verbreitet. Viele Künstler arbeiten mit den verschiedensten Werkzeugen, Ideen und Arbeitsweisen mit der Technik der Camera Rotation Fotografie. Die Möglichkeiten mit dieser Technik eindrucksvolle Kunstwerke zu erschaffen sind nahezu grenzenlos. Eine recht einfache Variante ist es das Bild in zwei Teilen aufzunehmen, einmal richtig herum und noch einmal auf dem Kopf stehend, also um 180° gedreht. 

Die Anzahl der Steps lässt sich natürlich erhöhen. Für das Bild auf der linken Seite waren es 13. Ich habe hier jeweils einige Sekunden belichtet, das Objektiv mit einer schwarzen, lichtundurchlässigen Mütze abgedeckt, die Kamera ein Stück um die optische Achse gedreht, die Mütze für einige Sekunden entfernt und immer so weiter bis ich eine Umdrehung fertig hatte.


Den Berliner Dom oder auch das Rathaus in Görlitz genau mittig auf den Kopf zu drehen ist alles andere als einfach. Ohne ein präzises Tool und peinlich genauer Ausrichtung der Kamera sind solche Aufnahmen nicht möglich. Die drei Lichtspuren im mittleren Bild stammen von einem beleuchteten Schiff auf der Spree und sind somit nicht durch Bewegungen der Kamera entstanden.

Andere Bewegungen

Durch Bewegungen wie Kippen, Neigen, Ändern der Höhe oder Drehen um den Fixpunkt der Kamera auf dem Stativ sind ebenfalls eindrucksvolle Effekte im Lightpainting umsetzbar.

Ausrüstung

Je nachdem welche Effekte Du in Deinen Light Painting Bildern mit dieser Technik umsetzen willst benötigst Du verschiedene Hilfsmittel. Neben Deiner Kamera und mindestens einem Objektiv solltest Du eine lichtundurchlässige Kappe oder Mütze mitnehmen. Mit dieser kannst Du dann Dein Objektiv abdecken um Bewegungen "unsichtbar" ausführen zu können. Ein (Funk)Fernauslöser erleichtert die Arbeit. Meist benutze ich einen einfachen Kabelauslöser für einige wenige Euros.

Light Painting Fotografie & Light Art Photography

Stativ

Mit dem klapprigen, leichten Reisestativ werden Dir solche Aufnahmen nur schwerlich gelingen. Ein absolut sicherer Stand der Kamera ist für diese Art Lightpainting unerlässlich. Für alle in diesem Artikel gezeigten Aufnahmen hab ich ein Manfrotto 055 mit 3 Segmenten benutzt. Das Teil ist nicht gerade ein Leichtgewicht und in den kleinen Rucksack passt das Stativ auch nicht, aber dafür steht das Ding bombenfest. Die schwere DSLR mit dem schweren 14mm Objektiv, alles befestigt am Camera Rotation Tool, wird sicher gehalten. Und, noch viel wichtiger, ich muss keine Angst haben, dass mir das Stativ samt Kamera beim Light Painting umfällt.

Um die Beine des Stativs habe ich nachleuchtendes Klebeband geklebt damit ich, und auch andere Menschen, in der Dunkelheit nicht gegen die Kamera laufen.


Stativkopf

Für einige der oben erwähnten Techniken benötigt man nicht unbedingt einen Stativkopf, man könnte die Kamera direkt auf das Stativ schrauben. Das hat den Vorteil größerer Stabilität, allerdings verliert man dadurch viel Komfort bei der Ausrichtung der Kamera. Für meine Light Painting Bilder benutze ich fast immer einen 3-Wege-Neiger von Manfrotto. Eine saubere Ausrichtung funktioniert damit besser und einfacher als mit einem Kugelkopf weil dieser sich immer in alle Richtungen gleichzeitig bewegt wenn man ihn löst. Mit dem 3-Wege-Neiger kann ich jede Richtung separat einstellen. Ein Video-Neiger würde eventuell auch gut funktionieren, getestet habe ich das aber noch nicht.

Egal welchen Stativkopf Du verwenden willst, Du solltest darauf achten, dass dieser das Gewicht der Kamera und des Objektivs sowie des Camera Rotation Tools sicher tragen kann.  In meinem Fall sind das insgesamt ca. 3 Kilogramm.


Camera Rotation Tool - Gimbal Head

Mit dem Gimbal Head kannst Du ein "fertiges" Camera Rotation Tool kaufen. Eigentlich sind die Teile für die dicken Teleobjektive der Paparazzi und Piepmatz-Fotografen gedacht, wenn man aber anstatt des Teles die Kamera auf dem Gimbal montiert hat man die Möglichkeit die Kamera um die eigene optische Achse zu drehen. 

Bevor Du das Tool benutzen kannst musst Du die zu Deiner Kamera passende Höhe einstellen. Am einfachsten geht das mit Hilfe der Funktion Live View. Du schaltest diesen ein, lässt Dir die Gitterlinien einblenden, suchst Dir ein kleines Objekt, welches Du genau in der Mitte des Bildes platzierst, und drehst dann die Kamera um die optische Achse. Wenn sich das Objekt nicht aus der Mitte bewegt hast Du die richtige Höhe eingestellt. Entweder Du schreibst den Wert von der Schiene ab oder Du markierst die Position.

 

Diese Lösung hat allerdings einige Nachteile, Zum Einen ist ein Gimbal Head gewöhnlicherweise nicht gerad für einen Schnäppchen Preis zu bekommen und zum Anderen ist das Teil groß und schwer. Ich hatte den Gimbal gerade mal auf die Waage gestellt, 1,2 kg. Wenn ich den Gimbal Head benutze montiere ich diesen direkt auf dem Stativ und nicht auf dem Kopf um die Verwacklungsgefahr zu minimieren. Für den Stativkopf ist die Kombination aus Gimbal, Kamera und schwerem Objektiv kaum noch zu halten.

Ein weiterer Nachteil ist, dass der Gimbal kein Raster für den Winkel hat wie das CRT aus dem nächsten Abschnitt. Ich brauche also zusätzlich einen Winkelmesser, z.B. als App auf dem Mobiltelefon.

 

Durch die massive Bauweise ist dieses Tool allerdings sehr stabil und laufruhig. Es besteht kaum die Gefahr während der Drehung zu wackeln.


Camera Rotation Tool - DIY CRT 2.0

Wegen der oben genannten Gründe wollte ich vor einigen Jahren den schweren Gimbal ersetzen. Nach vielen Tests und Umbauten sieht mein Camera Rotation Tool aktuell so aus wie im Bild rechts. Die vielen Zwischenschritte bis zum aktuellen CRT erspare ich Dir hier.

Das Tool besteht aus folgenden Komponenten:
- Arca Swiss Schnellwechselpatte 

- Panoramakopf mit Indizierung 

- Arca Swiss Winkel

- Arca Swiss Platte 180mm 
- 2 Schrauben M6 x 20

- Schraubenkleber

- Arca Swiss Klemme

 

An die Unterseite des Pano-Kopfes kommt die Arca Schnellwechsel-platte um das CRT dann einfach am Stativkopf befestigen zu können. Den Manfrotto 3 Wege-Neiger habe ich auf Arca Swiss umgerüstet weil ich an den Kameras immer passende L-Winkel habe. Diese sind immer Arca Swiss und passen nicht in die proprietäre Manfrotto Aufnahme. Ich habe einfach die Manfrotto Platte mit einer Arca Klemme (siehe oben) verschraubt.

 

Den oben erwähnten Winkel habe ich auseinander geschraubt und das kurze Teil durch die 180mm Plate ersetzt. Da die Original Schrauben zu kurz sind habe ich diese durch längere ersetzen müssen. Damit diese sich nicht lösen habe ich Schraubenkleber benutzt. Leider fand ich bei meiner Recherche keinen passenden Winkel, entweder ist eine Seite zu kurz, wie der von mir verwendete, oder unnötig lang und damit wieder unnötig groß, schwer und teuer.


Die lange Seite des Winkel habe ich an der Arca Klemme des Panokopfes befestigt. Auf die kurze Seite habe ich die Arca Klemme geschraubt. Nachdem alles montiert und genau eingestellt war habe ich die lange Schiene am Ende des Panotellers abgesägt. Das CRT ist jetzt nicht größer als nötig und das Display der Nikon D750 lässt sich jetzt über das CRT klappen. Somit kann ich auf diesem auch etwas sehen.

 

Die Winkeleinstellung erfolgt über das Drehrad an der Seite des Panotellers. Bei den Einstellungen 15°, 30°, 45°, 60° und 90° rastet der Teller spürbar ein. In der Stellung 0° läuft der Teller frei. Im Gegensatz zu anderen Panotellern mit Winkelvorwahl gefällt mir hier die Lösung mit dem Drehrad besonders gut. Bei den anderen Panotellern muss man eine Schraube von außen in das jeweilige Gewinde für die verschiedenen Winkel drehen. Das ist somit weniger komfortabel beim Verändern der Einstellung und außerdem sind diese Teile größer und schwerer. 

Da ich diesen Panoramakopf noch nicht sehr lange einsetze kann ich im Moment zur Robustheit und Haltbarkeit noch nichts sagen. Auf den ersten Blick ist das Teil gut verarbeitet, alles hält fest und sicher. Der Teller läuft sauber und gleichmäßig.

 

Praxistest bestanden:

Ich wünsche Dir viel Erfolg und Spaß beim Nachbau, und vor allem bei der Verwendung des Light Painting Tools. 
Allzeit gutes Licht

Sven 

2 Kommentare

Digital Art, Fotografie, Light Painting

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In der heutigen Zeit wird der Begriff Fotografie immer mehr verwässert, verändert, er verliert seine eigentliche Bedeutung. Viele Leute denken weil sie gut in der Computer-Bearbeitung ihrer Bilder sind wären sie gute Fotografen. Und wenn sie dann noch zehntausende Follower bei Instagram haben fühlen sie sich erst recht in ihrer Annahme bestätigt. 

 

Ein guter Fotograf braucht für seine Arbeit keinen Computer! Er weiß was er in seinem Bild umsetzten will. Er weiß wie er seine Idee umsetzten kann. Das Einzige was er dafür braucht ist eine Kamera und Licht.